"Seid Ihr sicher, daß Ihr meine Hilfe dafür benötigt?" fragte Piter McRuggle, während seine beiden ungerufenen Helfershelfer sich in der Vorratskammer verbargen. Der Meuchelmörder schob stirnrunzelnd mit dem Fuß einige leere, staubige Mehlsäcke in eine Ecke, während der Drow schmunzelnd die langen Reihen sorgfältig beschrifteter Blechkästen mit Zutaten, Kuchen und Backwaren begutachtete, ehe er sich zu dem Bäckermeister umdrehte.

"Aber ja, lieber Piter. Bedenkt doch, die Geldeintreiber erwarten schließlich Euch hier zu finden, nicht Euren stillen Teilhaber. Ihr wartet einfach, bis sie kommen, und dann teilt Ihr ihnen mit, daß Ihr nicht bezahlen wollt. Ganz einfach."

"Und wenn sie aber dann anfangen, Krawall zu schlagen."

"Aber das wollen wir doch ganz stark hoffen", lachte der Dunkelelf. Entreri musterte den Dicken über die Schulter und schnaubte, als er ihn sichtlich blaß werden sah. - "Unsere ganze Anwesenheit begründet sich ja in der Annahme, daß unsere potentiellen Beschützer sich gegen uns wenden. Sollten sie unsere Abweisung so einfach hinnehmen und sang- und klanglos wieder abziehen, so empfände ich das als, gelinde gesagt, ziemlich enttäuschend."

Man konnte Piter McRuggle ansehen, daß er über diese Option genau gegensätzlich gedacht hätte. Aber er kam nicht dazu, sich zum Thema irgendwie zu äußern, weil sich in diesem Moment die energische Stimme seiner Ehefrau einmischte.

"Jetzt stell dich nicht so an, McRuggle, geh einfach raus und zeig's den Kerlen, oder erwartest du etwa, daß ich das tue? Und Ihr", sie schob ihre kugelrunde Figur in die kleine Kammer, die damit zum Bersten gefüllt war, so daß beide eher schmal gebauten Söldner in die Ecken unter den Hängeschränken flüchteten, "Ihr achtet mir gut auf meinen Mann." Ein mahnender Zeigefinger streckte sich in Jarlaxles Gesicht. "Daß mir diese Sache ja nicht zu lange dauert. Meister McRuggle muß morgen früh wieder in der Backstube stehen."

"Wir werden unser Bestes tun, die Angelegenheit schnell zu klären, werte Dame."

"Und die Kuchen", sie deutete auf einige der Behälter in den Regalen, "die sind alle abgezählt. Ich kontrolliere morgen. Haben wir uns verstanden?"

"Sehr wohl, Meisterin Valdahildis."

Die Frau nahm diese in untertänigem Ton vorgebrachte Versicherung gnädig entgegen und vollführte dann mit nicht unerheblicher Anstrengung eine Drehung um hundertachtzig Grad, die sie wieder zur Türschwelle brachte und ihr damit Gelegenheit gab, das Kämmerchen zu verlassen. Auch der arme Piter ging, noch immer sichtlich blaß und vor Aufregung schwer atmend, um sich an seinem Backofen zu postieren, aus dessen Nähe er vermutlich ein wenig Trost zog, und das Kommende zu erwarten.

Entreri warf seinem Partner einen zweifelnden Blick zu. "Wenn er uns nur nicht schon am Herzschlag eingeht, bevor die Halunken einen Fuß in die Backstube gesetzt haben."

"Nun unterschätz' unseren guten Bäckermeister nicht", tadelte Jarlaxle kopfschüttelnd. "In dem steckt viel mehr, als man ihm von außen ansieht."

"Von außen sieht man vor allem Fett..."

Der Drow seufzte. "Weißt du eigentlich, daß du dich anhörst wie Rai-Guy?"

"Was?" Ein Schlag ins Gesicht hätte Artemis Entreri nicht mehr treffen können als dieser direkte Vergleich mit dem verhaßten Drow-Priester, der beim Kampf um den Kristall Crenshinibon gefallen war. Jarlaxle sah ihn spöttisch an und schob seine Augenklappe aufs andere Auge.

"O ja. Wenn du wüßtest, wie oft ich zu ihm und Kimmuriel dasselbe gesagt habe: In Artemis Entreri steckt viel mehr, als man ihm von außen ansieht." Er lachte heiter, als die Augen seines menschlichen Compagnons sich prompt in aufkeimendem Ärger zu schmalen Schlitzen verengten. "Aber, wenn ich darüber nachdenke: Das sage ich zu dir auch ständig, und du willst es scheinbar ebensowenig glauben. Nicht wahr, mein Freund?"

Entreri wußte nicht, was darauf entgegnen, also blieb er stumm. Jaraxle schmunzelte.

"Aber natürlich hast du recht. Es ist zu hoffen, daß unsere Freunde bald eintreffen und die Nerven des armen Piter nicht über Gebühr strapaziert werden."

Der Mann stieß einen höhnischen Laut aus. "Hast du nie darüber nachgedacht, die holde Gattin mit den Kerlen verhandeln zu lassen?"

"Doch", gab Jarlaxle zu und wendete sich nach den Regalen um, als habe die Erwähnung der Bäckermeisterin ihn an etwas erinnert. "Aber wir wollen ja etwas über sie herausfinden, und das können wir nicht, wenn sie vor Schreck schon auf der Türschwelle kehrt machen." Er zog ein Blechkästchen aus einem Regal und öffnete es. "Mmh, Maiskuchen... Du auch?"

Zum Glück für die Vorratsbestände der Bäckerei ebenso wie für das Nervenkostüm des zitternden Inhabers ließen die Erwarteten tatsächlich nicht lange auf sich warten. Jarlaxle hatte eben erst seinen ersten Kuchen gegessen, sich genüßlich die Fingerspitzen geleckt und damit begonnen, mit den Augen anhand der Beschriftungen auf den Vorratsbehältern nach dem nächsten Leckerbissen zu suchen, als nebenan in der Backstube eine Tür geöffnet wurde. Wie es sich anhörte, war es die Hintertür, die zum Hof und zur Gasse führte. Entreri schmunzelte grimmig, während er Charons Klaue aus der Scheide zog und sich schon einmal in der Nähe des Duchgangs zur Backstube postierte. Sein Partner warf noch einen bedauernden Blick auf die Süßigkeiten, ehe er sich dem Meuchelmörder gegenüber gegen die Wand lehnte. Leider war die Tür bis auf einen schmalen Spalt geschlossen, und selbst wenn sie offen gewesen wäre, hätte der mächtige gemauerte Ofen doch jeden Blick aufs Geschehen verstellt.

"'n Abend, 'n Abend, Meisterchen", grüßte einer der Neuankömmlinge im lässigen Tonfall eines professionellen Schlägers. Entreris geschultes Gehör konnte ohne größere Schwierigkeiten die Schritte von fünf Männern ausmachen, und er hob eine Hand mit ausgestreckten Fingern in Richtung des Drow. Jarlaxle nickte; offenbar war er zu derselben Einschätzung gelangt.

"Na, habt Ihr das Geld beschafft, das Ihr gestern nicht vorrätig hattet?" Etwas Metallisches, vermutlich ein Schwert oder sonst eine Waffe, wurde bei diesen Worten schwer auf einer hölzernen Unterlage abgelegt, und Entreri konnte sich gut ausmalen, wie das vollmondförmige Gesich des wackeren Bäckermeisters um noch einen Ton blasser wurde dabei. "Oder wollt Ihr etwa Schwierigkeiten machen?"

"Schwierigk... also...", setzte Piter mit zittriger Stimme an.

"Stottert nicht rum, Mann. Ja oder nein?" Offenbar konnte Piter seine Zunge noch immer nicht dazu bewegen, verständliche Laute hevorzubringen, und das nutzte ein weiterer Mann, mit hoher, unangenehm nuschelnder Stimme, zu der Bemerkung:

"Seid versichert, die Geheiligten werden Euch Eure Großzügigkeit dereinst tausendfach vergelten."

"Ja, Meister", wiederholte der erste Sprecher, allerdings in ziemlich gelangweiltem Ton. "Was der Mann gesagt hat. Also schiebt die Münzen über die Theke, wir haben noch ein paar Kunden zu besuchen."

Glücklicherweise war Piter inzwischen wieder Herr über seine Sprechwerkzeuge. "Wirwerdennichtbezahlen", sagte er, so rasch, daß es kaum zu verstehen war.

"Was?" Das war definitiv eine Aussage, mit der Wortführer nicht gerechnet hatte.

"Wir werden nicht bezahlen", wiederholte Piter, diesmal etwas deutlicher.

Einen langen, verblüfften Moment sagte niemand etwas, dann kam so etwas wie ein mitleidiges Knurren vom ersten Sprecher. "Gut. Jungs, macht Kleinholz aus dem Laden hier." In seine Simme schlich sich ein Hauch hämischer Vorfreude. "Für das blaue Auge beim Herrn Bäckermeister sorge ich selbst."

Das war natürlich das Stichwort, auf das die beiden Lauscher in der Vorratskammer gewartet hatten. Jarlaxle konnte schließlich nicht zulassen, daß sein kostbarer "Fund" Piter in irgendeiner Weise beschädigt wurde, dachte Entreri bissig.

"Mein lieber Freund, das solltet Ihr schön bleiben lassen", sagte der Dunkelelf laut, während er, bereits zwei seiner magischen Drow-Schwerter in Händen, neben den Bäcker trat. Entreri huschte hinter ihm aus der Kammer und duckte sich sofort seitlich weg in die Schatten, in deren Schutz er sich an der Wand entlang den Eindringlingen bis in den Rücken pirschte, ohne daß ihn jemand bemerkt hätte, zumal aller Augen noch auf den so unvermutet aufgetauchten Jarlaxle gerichtet waren.

"Der Drow", rief der bisherige Wortführer, mäßig überrascht - offenbar ein Zeichen dafür, daß Entreris Partner inzwischen tatsächlich in der ganzen Stadt eine vielbesprochene Kuriosität war. Der andere Mann, der mit der Fistelstimme, der, wie Entreri jetzt sah, gehüllt war in einen weiten, langen Kapuzenmantel, wurde dagegen richtiggehend aufgeregt.

"Der Ungläubige! Der Frevler! Tötet ihn! Keine Gnade für den Ruchlosen!" kreischte er. Jarlaxle zog spöttisch die Brauen in die Höhe.

"Also wirklich. Gerade Religion ist ein völlig ungeeigneter Grund, sich derart zu echauffieren..."

Weiter kam er nicht, denn die Schläger, ob nun religiös motiviert oder nicht, brachen in wütendes Angriffsgeheul aus und gingen, während der arme Bäckermeister sein Bestes tat, so gut wie möglich unsichtbar zu werden, wie ein hungriges Wolfsrudel auf den einzelnen Drow los.

Ein Wolfsrudel, in das unvermutet der Jäger einfiel, in Gestalt eines doppelt klingenbewehrten, urplötzlich aus dem Schatten hervorbrechenden Wirbelwindes namens Artemis Entreri. Sein erster Hieb traf den lispelnden Kerl im Kapuzenmantel - wohlgemerkt nicht tödlich. Diesen offenbar überzeugten Anhänger des Drachenkults wollte sich der Meuchelmörder gerne genauer ansehen, und nachdem ein Stich in die Schulter den Waffenarm des Mannes (der ohnehin wenig von einem Kämpfer an sich zu haben schien) untauglich gemacht hatte, verpaßte er ihm mit der flachen Seite von Charons Klaue einen kräftigen Hieb, der ihn in die Ecke neben dem Backofen taumeln ließ, wo Piter McRuggle den Überwältigten ängstlich musterte.

Danach ging es Schlag auf Schlag, und obwohl der brave Bäcker seine beiden ungebetenen Wohltäter ja schon einmal in Aktion erlebt hatte (als sie urplötzlich über die Räuberbande hergefallen waren, mit deren Hilfe sie ihn zuvor entführt hatten), wurden seine Augen doch mit jedem Hieb und jeder Bewegung der zwei Kämpfer immer größer und ängstlicher. Entreri entledigte sich seines nächsten Gegners so effektiv wie stets - eine Finte links, ein rascher Schritt rechts, ein erster Hieb, der die Waffe des Schlägers wirkungslos zur Seite trieb, eine blitzschnelle Drehung, die ihn in die unmittelbare Angriffsdistanz brachte, und ein ebenso schneller, gezielter Dolchstoß ins Herz. Der Mann war längst tot, ehe er auf dem Boden aufschlug und schwarzes Blut aus der Wunde auf die Holzbohlen des Fußbodens zu sickern begann. Auch Jarlaxle hatte seinen ersten Gegner rasch kampfunfähig gemacht und sich, während der Verwundete, eine Hand auf seinen aufgeschlitzten Oberschenkel gepreßt, entsetzt rückwärts taumelte, den zwei verbleibenden Schlägern zugewendet. Inzwischen schien ihm der Kampf aber viel zu wenig Aufregung zu bieten, denn anstatt die beiden Halunken, von denen keiner ihm auch nur annähernd gewachsen war, so schnell auszuschalten wie möglich, spielte er sich mit ihnen, verlegte sich auf waghalsige Ausweichbewegungen und brachte sich selbst offenbar absichtlich immer wieder in Bedrängnis, nur um sich anschließend mit breitem Lachen durch irgendein haarsträubendes Fechtmanöver der Schwadroneurs-Schule selbst zu retten.

Stellte sich nur die Frage, wen der Drow mit dieser augenfälligen Demonstration seiner Schwertkünste beeindrucken wollte: Seine Gegner, den schreckerstarrten Piter, oder Entreri, der sich die Vorführung eine Weile mit säuerlichem Gesicht ansah, ehe er ihr ziemlich resolut ein Ende setzte, indem er die Klinge von Charons Klaue in den Rücken eines der beiden Halunken senkte. Jarlaxle begriff den Wink mit dem Zaunpfahl, und sein nächster Hieb, waagrecht vor dem Körper geführt, zerfetzte die Kehle des zweiten Mannes. Der Drow ließ seine beiden magischen Schwerter wieder zu bloßen Dolchen zusammenschrumpfen und drehte sich zu Entreri um.

"Du bist ein Spielverderber, mein Freund", rügte er.

"Aufschneider", hielt der Meuchelmörder dagegen. Der Drow gluckste amüsiert.

"Ich nehme an, du hast auch einen am Leben gelassen?" fragte er, während er sich nach dem ersten seiner Gegner umwendete, der sich noch immer stöhnend in einer immer größer werdenden Blutlache auf dem Boden wälzte. "Der hier blutet ziemlich schnell aus, fürchte ich..."

Ehe Entreri antworten konnte, meldete sich stotternd Piter aus dem Hintergrund, der noch immer in der Ecke in der Nähe neben dem Verwundeten im Kapuzenmantel stand. Er hatte eine zittrige Hand in Richtung der zusammengesunkenen Gestalt ausgestreckt.

"Meister Drow, Meister Entreri... der... der macht irgendwas..."

Fluchend fuhr der Meuchelmörder herum, sprintete zur anderen Seite des Raumes und rammte dem Verletzten, der die Hand um ein Amulett gekrallt und unterdrückt zu murmeln begonnen hatte, den Absatz seines Stiefels in den Magen. Dem hysterischen Gekicher, das dem ersten Schmerzenslaut folgte, konnte er freilich entnehmen, daß er zu spät gekommen war. Entreri sah Jarlaxle an, der zuckte die Achseln, und im nächsten Moment flog die Tür zum Hof erneut auf, und herein staksten zwei schwerfällige Zombies, dicht gefolgt vom eifrigen Flügelgeflatter dreier Drachenmenschen.

"Nicht schon wieder", knurrte Entreri, ehe er sich den neuen Gegnern stellte.

Piter McRuggles Backstube war eigentlich ziemlich geräumig, aber die breiten Fledermausschwingen der Drachenwesen füllten den Raum fast von Wand zu Wand und blockten auch Entreris Sicht auf Jarlaxle. Der Meuchelmörder duckte sich ab unter einem ersten täppischen Ansturm eines der beiden Drakoiden, die sich auf ihn stürzten, während beide Zombies sich gemeinsam mit dem dritten Flügelwesen dem Drow zugewendet hatten. Glücklicherweise war die Decke zu niedrig für die Wesen, um zu fliegen, so daß ihre Schwingen sie im Kampf eher behinderten. Eines der Wesen, ein Weibchen offenbar, den flachen, hängenden Brüsten nach zu schließen, schlug mit einer Keule nach dem Mann. Entreri tat einen raschen Schritt nach links, was ihn auch zwischen die Angreifer und den Backofen brachte, hinter dem noch immer der Bäcker Schutz gesucht hatte, und täuschte mit der linken Hand einen Dolchstoß an, dem das Drachenwesen mit gespreizten Schwingen zu entgehen versuchte, dann kehrte er die Bewegung um, und ließ Charons Klaue von oben nach unten auf einen der fledermausartigen Hautflügel herabsausen. Hätte er den Hieb zu Ende geführt, hätte das Schwert die Gliedmaße vermutlich glatt durchtrennt, aber der Meuchelmörder mußte die Klinge rasch wieder zurückziehen, weil das zweite Drachenwesen sich mit krallenbewehrten Klauen auf ihn stürzte. Entreri blockte und mußte sich sofort weiter zurückziehen, als das Weibchen unter schrillem Schmerzgekreisch zischend und geifernd nun doppelt wütend auf ihn losging. Er täuschte eine neuerliche Ausweichbewegung an, hieb dabei mit dem Schwert nach dem männlichen Drachenmenschen, was diesem eine schwärende Schramme eintrug, und wartete darauf, daß die Verletzungen die primitiven Kreaturen ermüden würden.

Im Hintergrund sah er über den schlaff herabhängenden Flügel des Drachenweibchens hinweg, wie die Tür zur Gasse sich noch einmal öffnete und wieder schloß, aber er hatte keine Zeit, sich darum zu kümmern, weil seine Gegner ihn vollkommen in Anspruch nahmen. Aus Jarlaxles Ecke kamen ein paar unverständliche Silben einer fremden Sprache, dann zischte ein Blitz durch den Raum, und das dritte Drachenwesen kreischte auf und flatterte noch einmal als leuchtend rote Stichflamme in die Höhe, ehe es zu einem schwarzen Aschehaufen auf dem Fußboden zusammensank. Die anderen beiden waren offensichtlich für den Moment geblendet, was Entreri zu einer gedankenschnellen Gegenattacke benutzte, die das ohnehin schwer verletzte Weibchen rückwärts durch den Raum taumeln ließ, wo es blutend zusammenbrach. Das Männchen beschäftigte den Meuchelmörder noch eine ganze Weile weiter, ehe er auch diesen Gegner aus dem Weg räumte. Das Drachenwesen spreizte die Schwingen und sank dann zu Boden und gab damit den Blick frei auf den letzten der zwei Zombies, der soeben zu einer weiteren untoten Fackel explodierte.

Und sobald zu den diversen Blut- und Schleimlachen und bereits existierenden schwarzen Rußflecken (sie konnten von Glück sagen, daß die Einrichtung der Backstube keinen größeren Schaden davongetragen hatte, dachte der Meuchelmörder) noch dieser letzte qualmende und stinkende Aschehaufen dazugekommen war, konnte Entreri auch einschätzen, welchem Zweck dieser zweite Angriff gedient hatte: ein Ablenkungsmanöver. Denn während die beiden Söldner mit ihren geflügelten und vewesenden Gegnern zu tun hatten, waren die zwei Verwundeten, die sie hatten verhören wollen, verschwunden. Selbst die Leichen der getöteten Schläger waren fort.

Entreri fluchte und wendete sich nach Jarlaxle um, der erwartungsgemäß nur die Achseln zuckte.

"Lästig", gab er zu. "Aber kaum von Bedeutung."

"Dein Plan", hielt der Meuchelmörder fest.

Ein neuerliches Heben der schmalen Drow-Schultern, während Jarlaxle sich in der Backstube umsah. Er besaß immerhin soviel Anstand, sich den Anschein von Verlegenheit zu geben, als er sich zu Piter umdrehte. "Tja, ich fürchte, Ihr werdet ein wenig mehr Arbeit haben mit dem Aufräumen als ich ursprünglich dachte - ich bitte Euch, mein Freund, schickt mir die Rechnung. Diese Dielen sind wohl nicht mehr zu retten, und ich würde einen mit Blut buchstäblich getränkten Fußboden für recht unhygienisch halten an so einem Ort." Er warf einen Blick zurück auf die Vorratskammer, in der er sich mit seinem Kameraden zuvor verborgen gehalten hatte. "Ach, und sollte Eure teure Gemahlin etwa einige Kuchen vermissen - richtet Ihr doch bitte meine tiefste Zerknirschung darüber aus, daß es mir leider nicht möglich war, alle diese Räuber und Diebe von den Vorratskammern fernzuhalten."

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Entreri war noch immer verstimmt, als er eine Weile später neben seinem Partner die Treppen zu ihrer Wohnung emporstieg. Nicht, daß Jarlaxle sich viel darum gekümmert hätte - Artemis Entreri war immer ärgerlich auf irgendetwas oder irgendjemanden, und der Drow hatte gar nichts dagegen, Zielpunkt dieser offenbar einzigen Gefühlsregung des Menschen zu sein. Solange der Meuchelmörder ihm seinen Ärger offen zeigte, bestand kein Anlaß zur Sorge, wußte Jarlaxle. Wirklich gefährlich, so hatte er in den Jahren gelernt, in denen er den Menschen inzwischen kannte, wurde es erst, wenn das Gesicht des Mannes zu einer vollkommen undeutbaren Maske versteinerte, einem absolut glatten, absolut leeren Spiegel aus diamanthartem Glas, der seinem Gegenüber nicht das Mindeste zurückgab.

Es war genau jener Gesichtsausdruck, den Artemis Entreri zeigte, als er die Tür ihrer Wohnung aufstieß und dort, mit bequem übereinandergeschlagenen Beinen und lässig aufgeknöpftem Mantel, einen rundlichen, braunhäutigen Mann im farbenfrohen Seidenturban auf einem Sessel vor seinem Bett sitzen fand.