Der frühe Nachmittag sah den Calishiten freilich bereits wieder befehlswidrig außer Bett und in Gesellschaft seines dunkelelfischen Partners unterwegs auf der weiten, öden Ebene, die sich zwischen Vaasa-Tor und dem allmählich ausufernden Dorf Blutstein erstreckte. Dort, zwischen Geröllbrocken aus den Galenas und unter windschiefen Kiefern, entstand während der kurzen Sommermonate die chaotische Zeltstadt der Abenteurer, die durch die Aussicht auf schnelles Gold und schnellen Ruhm angelockt worden waren. Inzwischen waren die meisten von ihnen abgezogen, zurück nach Damara oder noch weiter nach Süden, oder hatten sich, sofern sie es sich leisten konnten, für den Winter in einer der vielen Tavernen eingemietet, um nach der Schneeschmelze zurückzukehren und ihr Geschäft vom Vorjahr wieder aufzunehmen.
Natürlich waren nicht alle gegangen. Die Unerfahrenen und die ganz Hartgesottenen oder allzu Ehrgeizigen, die, die gewohnt waren, in denselben Verhältnissen zu leben wie die primitiven Kreaturen, die sie jagten, oder denen die Rangliste der Monsterjäger wichtiger war als dieser Umstand, waren geblieben, und hatten ihre aus dicken Tierfellen errichteten Zelte so gut als möglich winterfest gemacht oder durch notdürftig aus Brettern und Balken zusammengezimmerte Verschläge ersetzt. Die dunkelgrauen Schwaden von Holzfeuern waberten gemächlich dem fast gleichfarbigen Himmel entgegen, und einzelne Reittiere, Maultiere meist und auch ein paar struppige Gäule im Winterfell, die hinter den Behausungen ihrer Herren angebunden waren, schnaubten in die kalte Luft und scharrten mit den Hufen unter dem Schnee nach vereinzelten Grashalmen. Riesige schwarze Krähen stolzierten pompös dazwischen auf und ab, so selbstsicher, als seien sie die wahren Herren dieses Orts.
Das seltsame Paar aus Drow und Krieger, das über den schneebedeckten, von zahllosen Trittspuren gekreuzten Boden schritt, zog nicht wenige mißtrauische Blicke auf sich, aber die wohlbekannte damarische Uniform hielt die Hände der Abenteurer von ihren Waffen. Vermutlich war sogar bis hierher schon die Kunde von dem Dunkelelfen gedrungen, der sich Gareths Armee angeschlossen hatte, und vielleicht erinnerten sich einige auch noch an ihn aus der Zeit, als Entreri und Jarlaxle selbst hier ihr Zelt aufgeschlagen gehabt hatten. Immerhin lag diese Zeit erst wenige Monate zurück, und im Grunde hatten die beiden dunklen Gestalten, die da bedächtig durch den Schnee stapften, genau jene schnelle Karriere gemacht, von der die meisten derer, die hier hausten, träumten.
Erbärmliche Träume, dachte Entreri. Und eine leise innere Stimme, in der irgendwie der Tonfall eines schmunzelnden Dunkelelfen mitschwang, setzte hinzu: Aber immerhin haben sie welche, mein Freund.
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Das winterlich trostlose Bild änderte sich abrupt, sobald das Paar die letzten Fellwigwams hinter sich gelassen hatte: Ein halbes Dutzend knallbunt bemalter Wagen trotzte mit fröhlich flatternden Zeltleinwänden und Aufschriften in gewaltigen, nicht immer fehlerfreien Lettern der tristen Stimmung, und zwei wild bellende junge Wolfshunde lieferten sich davor eine schwanzwedelnde Balgerei. Das leicht quäkende Spiel einer schlecht gestimmten Fidel vor einem der Wagen mischte sich mit Kinderlachen und munterem Gemurmel, und auf dem leeren Gelände vor der Wagenburg waren einige Männer, gekleidet in eine recht lächerlich anzusehende Kombination aus Gaukler-Trikots und Winterjacken, dabei, eine Pyramide zu bilden, indem sie einander auf die Schulter stiegen. Und hätten die bunten Anpreisungen an den Wagen es nicht getan, so hätten die flachschädligen Gesichter dieser Turner, mit ihren breiten, platten Nasen, wulstig vorgeschobenen Unterlippen und wie Hauer aus dem Unterkiefer vorspringenden Eckzähnen, jedem Besucher einen deutlichen Hinweis gegeben, mit wem er es zu tun hatte: Dies waren die Halborks aus der fahrenden Truppe der Waffenwirbelnden Vagabunden des vogelwilden Wingham.
Jarlaxle lachte leise in sich hinein, als er das Training der Gaukler beobachtete, denn sobald der Oberste der Pyramide, ein gedrungener kleiner Halbork von affenähnlichen Reflexen, den Drow vor dem weißen Hintergrund der schneebedeckten Ebene bemerkt hatte, krachte die ganze sorgfältige Konstruktion natürlich prompt erschrocken in sich zusammen. Bis die Halborks sich aufgerappelt und ihre Glieder wieder auseinander sortiert hatten, waren die beiden Männer auch schon heran. Der Dunkelelf schwenkte grüßend seinen unverkennbaren Hut, und der Anblick dieses Markenzeichens bewirkte den Ausbruch begeisterter Begrüßungsrufe - natürlich erinnerten die Männer Winghams sich noch an den Drow und den Menschen, die zusammen mit Winghams Nichte Arrayan im Zenghyi-Schloß gewesen waren und seitdem schon in mehreren Balladen der Barden, die zur Truppe gehörten, die glorreichen Helden verkörpert hatten.
Das zumindest versicherte der Herr über das Wagenrund den zwei Gästen unter breitem Lachen, als er ihnen nacheinander die Hände schüttelte. Entreri hatte von Anfang an nicht recht gewußt, woran er mit diesem Wingham wirklich war. Auf der einen Seite weigerte sich sein ausgeprägter Stolz, einen bloßen Händler, einen Krämer, dem das schüttere ergrauende Haar in ein paar letzten dünnen Strähnen von seiner Glatze in den Hemdkragen hing, auch nur als potentiellen Gegner wahrzunehmen, und das umso mehr, wenn man berücksichtigte, daß dem Mann Hauer aus dem Unterkiefer wuchsen und sein Vater vermutlich ein Ork gewesen war. Auf der anderen verriet vieles an Wingham dem erfahrenen Beobachter Entreri, daß es falsch gewesen wäre, sich hier zu lange beim gängigen Klischee aufzuhalten.
Kaum etwas an Winghams Truppe entsprach wirklich dem Klischee, oder vielmehr: beinahe alles tat es, aber nur dem Anschein nach. Hinter den dümmlichen Clownerien der Spaßmacher, von denen selbst jetzt einer oder zwei im Wagenrund einen Pulk Leute unterhielten, verbargen sich scharf beobachtende Augen und flinke, geschickte Hände, und ihre Kunststücke, so tolpatschig sie wirken mochten, verlangten nicht selten eine Gewandtheit und Körperbeherrschung, die derjenigen Entreris in nichts nachstand. Das Dutzend Händler, das den Hauptanteil der Truppe stellte, tat zwar bei jeder Gelegenheit so, als könnten sie buchstäblich nicht bis drei zählen (Entreri hatte gesehen, wie sie in Verhandlungen mit Kunden beim Rechnen demonstrativ unter reichlich Stirnrunzeln die Finger zu Hilfe nahmen), aber im Augenblick saß einer, ein Rechenbrett auf die Knie gestützt, auf den Trittstufen eines der Wagen und ließ, während er sich mit einer Hand Notizen machte, die plumpen Finger der anderen in lässiger Beiläufigkeit über den Abakus huschen wie ein Musiker über die Tasten eines Instruments, das er schon von Kindesbeinen an gespielt hat. In der Tat wußte jeder, der schon einmal mit Wingham und seinen Gefährten zu tun gehabt hatte, daß die Halborks trotz ihres dümmlichen Gehabes in Wirklichkeit ausgefuchste Händler waren, bereit, noch um die letzte Kupfermünze zu feilschen. Und mit Sicherheit hatte diese Truppe des fahrenden Volks nicht allein durch ihr sagenhaftes Glück so lange in einer Welt überlebt, die anderswo kaum weniger Gefahren bereithielt als in ihrer trostlosen Heimat.
"Ah, ich wußte, ich würde mich auf Euch verlassen können", kommentierte Jarlaxle inzwischen breit lächelnd die Bemerkung Winghams über die Bardengesänge. "Jemand von Eurer Lebenserfahrung weiß, daß nichts so wichtig ist, wie eine gut erzählte Geschichte - vor allem, wenn sie dazu dient, den eigenen Ruhm zu vergrößern." Er zwinkerte dem alten Halbork zu und warf einen schelmischen Blick auf Entreri. "Und irgendwann, ich bin sicher, wird das auch unser Freund hier begreifen."
"Ah, das wird er gewiß", strahlte Wingham. "Er ist immerhin der Held der Geschichte, der Drachentöter, der Überwinder der untoten Bestie! Und Arrayan hat uns alles so genau geschildert, wie sie nur konnte, auch darüber, wie Ihr sie vor den Angriffen des Magiers beschütztet und wie Ihr Olgherkan vor dem sicheren Tod errettet habt..." Er brach ab und musterte den dunkelhaarigen Menschen nachdenklich. "Wißt Ihr, sie erzählt natürlich ihrem alten Onkel nicht alles, was sie bewegt, aber... nun ja, wenn Ihr die Meinung eines alten Mannes hören wollt: Gäbe es da nicht ihren Liebling Olgherkan, dann hättet Ihr ihr ziemlich gefallen können. Immer, wenn sie von Euch redete, geriet sie regelrecht ins Schwärmen."
Man mußte es Artemis Entreri zugute halten: Er zuckte nicht einmal mit der Wimper bei diesen Worten, dachte Jarlaxle. "Ja, unser Freund hat in letzter Zeit erstaunliche Erfolge bei den Damen", sagte er laut und erhielt von der Seite einen bitter spöttischen Blick als Antwort.
"Das mußt gerade du sagen. In wie vielen Nächten, seit wir hier sind, warst du eigentlich in deinem eigenen Bett?"
Wingham bellte ein heiseres Lachen, und der Dunkelelf breitete vorwurfsvoll die Arme aus. "Ist es meine Schuld, wenn du aus deinen Möglichkeiten so wenig machst? Ich gebe mich nun einmal nicht damit zufrieden, von weitem bewundert zu werden."
"Allzeit bereit für alles, was einen Rock trägt", kommentierte Entreri, an Wingham gewendet.
"Allzeit bereit, meine schwachen Kräfte in den Dienst jenes Geschlechts zu stellen, von dem ich als Drow ganz genau weiß, daß es das klügere, weisere und stärkere ist", entgegnete der Dunkelelf mit einer ironischen Verbeugung. Wingham lachte wieder.
"Ihr beiden seid wundervoll. Ich hoffe sehr, Eure Dienstpflicht bei König Gareth erlaubt Euch, uns im Frühjahr in Palishchuk zu besuchen. Wir alle würden uns sehr freuen, unsere Retter wiederzusehen. - Sagt, Meister Jarlaxle, da Ihr von Eurer Herkunft spracht: Ist es Eurem Kontaktmann in Eurer Heimat denn gelungen, zu jenem Ring, den ich Euch bei unserem Abschied aushändigte, ein Gegenstück anzufertigen? Ich würde Euch für ein vollständiges Paar Ringe einiges bezahlen..." In die Augen des alten Halborks trat ein leises Glitzern, als er zum Geschäftlichen kam.
Entreri spitzte die Ohren bei dieser Frage. Im Gegensatz zu Wingham wußte er, daß von dem Ringpaar, auf das der Händler anspielte - zwei Fingerringe, durch deren Magie die Träger ihre Lebenskraft miteinander teilen konnten - durchaus kein Stück verloren gegangen war. Jarlaxle hatte den einen Ring im Zenghyi-Schloß heimlich in seinen Besitz gebracht und dem halborkischen Händler unter dem Vorwand, er könne den verlorenen vielleicht ersetzen lassen, den anderen abgeschwatzt. Der Calishit fand es recht interessant, ob der Drow nun die ergaunerten Ringe für teures Geld zurückverkaufen, oder ob er sie lieber behalten würde. Heimlich rechnete er mit Ersterem, sah sich aber getäuscht. Er schloß daraus, daß die Ringe in der Tat selbst aus der Sicht eines Drow, für den Magie etwas Alltägliches darstellte, einen bedeutenden Wert hatten.
"Er arbeitet noch daran", seufzte der Drow bedauernd. "Die Magie, die sich in diesen Ringen verbirgt, ist doch sehr verschieden vor der meines Volkes. Aber vielleicht, guter Meister Wingham, habt Ihr ja in der Zwischenzeit etwas erworben, an dem treue Soldaten der Krone vielleicht Gefallen finden könnten? Mächtige Schwerter, flinke Dolche, kostbare Kleinodien?"
"Ihr kennt mein Sortiment gut", spöttelte der Halbork augenzwinkernd.
"Euer Ruf durcheilt das Land."
"Dann wollen wir doch einmal sehen, ob wir etwas Besonderes für Euch finden", nickte der alte Händler und hinkte davon in Richtung eines der Wagen, aus dem er gleich darauf mit einer Decke zurückkam, auf der er nacheinander ein ganzes Sortiment magischer Kostbarkeiten ausbreitete, von Ringen und Amuletten, die kleinere Schutzzauber enthielten, bis hin zu kostbaren magischen Hieb- und Stichwaffen. Natürlich war nichts darunter, was es an Macht mit Entreris Schwert und Dolch aufnehmen konnte, und auch Jarlaxle war vermutlich nicht ernsthaft daran interessiert, irgendetwas von dem zu erwerben, was er da interessiert begutachtete - zumindest nicht, wenn er Gold dafür ausgeben mußte. Dennoch kaufte der Dunkelelf am Ende eine Reihe von Lederbeuteln voller seltsamer glitzernder Puder, ein goldenes Armkettchen, das sich unverzüglich zu jenen Unmengen gesellte, die ihm bereits um die Handgelenke klimperten, ein aus Horn geschnitztes Pfeifchen und noch eine ganze Reihe anderen Kram, den Entreri zweifelnd beäugte. Die ganze Zeit über fachsimpelten und feilschten er und der alte Halbork dabei um die Wette, und Entreri konnte nicht anders, als leise zu seufzen: Hier hatten sich zweifellos zwei verwandte Seelen gefunden.
Schlimm genug, aus seiner Sicht, daß es mehr als eine davon gab.
"Was mir auffällt, Meister Wingham", bemerkte der Drow schließlich wie nebenbei, "wenig Schriftrollen habt Ihr hier, verglichen mit der Menge Eurer sonstigen exzellenten Ware. Oder", er lächelte, "hat Euer Erlebnis mit dem alten Folianten aus Zenghyis Besitz Euch von Eurer Leidenschaft in dieser Hinsicht geheilt?"
In die schmalen, tiefliegenden Augen des alten Händlers trat sofort ein zurückhaltender, mißtrauischer Zug. "Würde Euch das etwa wundern? Ich hätte beinahe meine eigene Nichte - die ich wie eine Tochter liebe, das möchte ich dazu sagen - zu einem Werkzeug des Bösen gemacht und ihr einen grauenvollen Tod bereitet!"
Jarlaxle setzte eine betroffene Miene auf und hob hastig in einer entschuldigenden Geste die Hand. "Verzeiht, verzeiht, mein bester Wingham, es war nur so dahingesagt. Ich wollte Euch weder zu nahe treten noch schmerzliche Erinnerungen bei Euch wachrufen. Bitte vergebt einem alten Drow, dessen Geschwätzigkeit allzu oft mit ihm durchgeht."
"Wovon manche Leute ein trauriges Lied singen können", warf Entreri ein. Das brachte Wingham bereits wieder zum Lachen.
"Ihr habt gar keinen Grund, Euch zu entschuldigen, werter Drow. Ich weiß schon, wie Ihr es meint. Ich bin nur ein wenig übermäßig empfindlich, was jenes vermaledeite Buch angeht. Hätte ich es nur nie in meine Hände bekommen, wieviel Leid wäre meiner armen Nicht erspart geblieben!"
"Und doch, wieviel Freude wäre ihr vielleicht entgangen", gab Jarlaxle nachdenklich zurück. "War nicht der Anblick des sterbenden Olgherkan nötig, damit sie ihre Liebe zu ihm erkannte? Ist nicht somit das, was Ihr als einen schlimmen Fehler bedauert, vielleicht der Grundstein ihres Glücks gewesen? - Aber ich schweife schon wieder ab. Sagt, es muß wohl sehr schwierig sein, an Eure auserlesenen Waren zu kommen, vor allem im öden Vaasa, Meister Wingham? Gerade solche arkanen Schriften können sich in Eurer Heimat doch kaum lange erhalten..."
Erneut faßte der alte Halbork den Drow scharf ins Auge, und jetzt stand deutliches Mißtrauen in den faltigen, breiten Zügen. Jarlaxle senkte wie in Resignation den Kopf, seufzte einmal schwer und hob wieder die Hände.
"Und neuerlich muß ich um Verzeihung bitten", sagte er kopfschüttelnd. Er hob zerknirscht den Kopf und schaute Wingham in entwaffnender Offenheit ins Gesicht. "Wenn Lolth, die Herrin der Intrige, oder eine ihrer Dienerinnen mich so sehen könnte, sie würden mich den Spinnen zu Fraß vorwerfen", seufzte er. "Aber ich fürchte, ich kann niemanden hinters Licht führen, an dem mir soviel liegt wie an Euch, Meister Wingham."
Das Stirnrunzeln des halborkischen Händlers vertiefte sich. "Was wollt Ihr von mir?"
"Informationen", sagte Jarlaxle ehrlich. "Jeder weiß, daß ein Händler von seltenen Gütern, wie Ihr es seid, seine Bezugsquellen niemals offenlegen würde. Aber dieses Buch, das Ihr gefunden habt, Wingham - es war mehr als nur eine kostbare Handelsware. Es hätte ganz Vaasa, vielleicht ganz Damara in Gefahr bringen können. Und Meister Entreri und ich stehen nun im Dienst dieses Landes."
"Ihr wollt wissen, woher ich das Buch hatte", resümierte der Halbork. Der Drow nickte ernst.
"Man hoffte, daß wir durch unsere Bekanntschaft mit Euch vielleicht am ehesten eine Chance hätten, Euch das Geheimnis durch ein wenig Täuschung zu entlocken, von dem Ihr Euch gewiß nur ungern trennen würdet. Bitte seid mir wegen des Versuchs nicht böse, Meister Wingham. Wir sind nun einmal Soldaten der Krone und gehorchen Befehlen. Und ich bin eigentlich einer Meinung mit allen, die sagen, daß Schriften wie jener Foliant zu gefährlich sind, als daß man sie liegen lassen dürfte, wo sie liegen, vielleicht offen für jeden armen Narren, der einen Blick hinein tut", setzte er ernst hinzu. Wingham sah auf seine Füße, die in seltsamen, spitz zulaufenden und nach oben gebogenen Stiefeln steckten.
"Kommt mir mir", sagte er schließlich. Er führte sie quer durch die Wagenburg, hinkte grüßend vorbei an den lachenden Besuchern, die inzwischen den dressierten Hunden eines anderen Gauklers zusahen, und kletterte schwerfällig über eine Wagendeichsel, ehe er schließlich, am äußersten Ende des Platzes, stehenblieb. "Ich will nicht, daß irgendjemand mithört. Und", fügte er rasch hinzu, "ich möchte nicht, daß mein Bekannter aus Vaasa Schwierigkeiten bekommt."
"Nichts läge uns ferner", beteuerte der Drow. "Es geht uns um die Herkunft der Artefakte aus Zenghyis Besitz, um nichts weiter."
"Gut, gut." Wingham seufzte. "Ich kann mir auch nicht vorstellen, daß der König einen armen Halbork, der versucht, an ein bißchen Gold zu kommen, verurteilen würde." Er schaute von Jarlaxle auf Entreri und zurück. "Der Name meines Kontaktmanns lautet Darraluk. Ein halborkischer Waldläufer, der häufig mit seinen orkischen Verwandten zu tun hat. Ich nehme an, er bekommt nicht wenige Hinweise von ihnen, wenn er die Artefakte nicht sogar direkt von ihnen bezieht. Mehr weiß ich selbst nicht. Ihr müßtet ihn selbst fragen, was er entdeckt hat."
"Wo können wir ihn finden?"
Wingham hob ein wenig hilflos die krummen Schultern. "Er ist Jäger. Fallensteller. Er streift durch die Tundra. Manchmal kam er zufällig zu uns, wenn wir auf dem Weg nach Damara waren, oder er besuchte uns ihn Palishchuk. Ich meine, daß es auch rund um Darmshall einige Leute gibt, mit denen er sich abgibt. Oder eher, die sich mit ihm abgeben." Es zuckte kurz auf seinem Gesicht. "Halborks wie wir sind nicht überall gern gesehen."
"Nun, mit Vorurteilen habt gewiß nicht nur Ihr zu kämpfen", lächelte Jarlaxle und deutete an sich hinunter. "Und doch kann ich mir kaum vorstellen, daß sie für Euch und Eure Gefährten lange gelten, bester Wingham. Nicht länger, als bis man Euch näher kennengelernt hat."
Das durchtriebene Funkeln war in die kleinen alten Augen zurückgekehrt, als der Händler antwortete. "Noch mehr Schmeicheleien? Was wollt Ihr denn noch, hm?"
"Noch mehr Lobpreisungen in den Gesängen Eurer Barden?"
Entreri schnaubte, und Wingham lachte, als er neben dem Paar wieder zurück zu den übrigen Besuchern schlurfte. "Wie ich Euch beide einschätze, werdet Ihr diesen Ruhm kaum nötig haben. Wer soviel erlebt hat und so weit gereist ist wie Ihr..." Er unterbrach sich und warf einen raschen Blick auf den dunkelhaarigen Menschen neben ihm. "Da fällt mir etwas ein. Wartet noch einen Augenblick, bitte." Er drehte sich um und hinkte, so schnell seine alten Beine es erlaubten, zurück zu einem der Wagen, den er mithilfe eines gewaltigen Schlüssels entriegelte, um hineinzuklettern.
Als er mit verschmitztem Lächeln zurückkam, hielt er in der Hand ein längliches hölzernes Gestell, das einige sorgfältig verschlossene, aus gestanztem Blech gefertigte Dosen beherbergte. Er nahm eine davon heraus und hielt sie Entreri hin mit der Bemerkung:
"Seht Ihr, Euer Freund hier", er deutete mit dem kahlen Schädel auf Jarlaxle, "erwähnte in Palishchuk einmal, daß Ihr in der Küche hierzulande ein wenig die kräftigen Gewürze Eurer Heimat vermißt. Nun, riecht einmal hieran." Er öffnete die Dose einen Spalt und hielt sie dem Calishiten unter die Nase. Der unverkennbare Geruch von Koriander entstieg dem kleinen Behälter. Entreri sog ihn ein, schaute dann Wingham an und zog überrascht die Brauen in die Höhe.
"Ich dachte mir, womit könnte ich dem Retter meiner Nichte wohl eine größere Freude bereiten, als mit ein paar Köstlichkeiten aus Calimshan", grinste der Halbork breit. Jarlaxle nieste demonstrativ.
"Und womit könntet Ihr die Nase eines Elfen, dessen Geschmackssinn noch nicht durch übermäßigen Gebrauch solch teulischer Essenzen abgetötet wurde, wohl mehr quälen?"
Entreri schnaubte spöttisch und drückte die Hand des Halborks, die den Deckel hielt, wieder auf die Dose. "Der Unwillen meines Partners ist natürlich ein zusätzlicher Bonus", kommentierte er trocken. "Ich danke Euch, Meister Wingham. Ich würde diese Gewürze in der Tat sehr gerne kaufen, selbst wenn sie nicht aus Calimsham kommen."
"Nicht?" wiederholte der Halbork mit allen Anzeichen der Überraschung. Der Meuchelmörder schnaubte erneut.
"Sie sind aus Amn, wie Ihr zweifellos genau wißt. Ich mag vielleicht kein Kenner magischer Spielzeuge sein wie mein Partner, aber ich weiß, wie der Gewürzmarkt von Calimhafen riecht."
Wingham lachte herzlich, eine altersfleckige, an einigen Stellen von krausem Haar bedeckte Hand auf der rechten Brust. "Ach, es war einen Versuch wert. Immerhin kommen wir in manchen Jahren tatsächlich bin hinunter nach Calimshan. Meistens nur bis Memnon allerdings."
"Bis nach Calimshan?" Entreri gab einem kaum wahrgenommenen Impuls nach, als er fragte: "Könntet Ihr, wenn Ihr das nächste Mal dorthin kommt, wohl etwas für mich erledigen?"
"Gern", sagte Wingham sofort. "Eine Besorgung?"
"Ein Brief", sagte der Calishit und ignorierte das wissende Lächeln, das auf dem Gesicht des Dunkelelfen neben ihm aufflackerte. "An eine Halblingsfrau in Calimhafen."
"Aber selbstverständlich", nickte der Halbork. "Bringt das Schreiben vorbei, wann es Euch paßt. Selbst wenn wir nicht selbst bis nach Calimhafen kommen, haben wir doch genügend vertrauenswürdige Kontakte, die Eure Botschaft besorgen können."
"Ich danke Euch. Wieviel für die Gewürze?"
"Ich biete das Doppelte, wenn Ihr sie ihm nicht verkauft", sprudelte Jarlaxle dazwischen. Wingham lachte wieder.
"Ich mag Wingham", stellte Jarlaxle fest. Seine behandschuhte Linke spielte mit einem Leinensäckchen, in dem sich ein Teil seiner neu erworbenen Zauberspielzeuge befand, warf es hoch und fing es lässig wieder auf, während sie gemächlich über die verschneite Ebene zurück zu den Toren schritten. Entreri schnaubte.
"Du magst auch Gools."
"Ich finde Gefallen an den absonderlichsten Wesen", gab Jarlaxle zu und strahlte seinen Compagnon in bezeichnender Weise an. "Aber unsere Bekanntschaft mit Wingham kann uns in der Tat noch sehr von Nutzen sein."
"Du willst noch mehr Bücher voller untoter Drachenleichname aufstöbern?"
"Wenn sich davon noch mehr finden lassen." Er lachte, als er Entreris Gesicht sah. "Wir wandeln auf interessanten Pfaden, mein Freund, aber diese Pfade sind vor uns schon andere gegangen, und ihren Spuren zu folgen, wird uns zu Großem führen. Fürs Erste genügt es mir, wenn Winghams Barden ihre Heldengesänge auf uns dichten."
"Deine Eitelkeit ist unübertroffen."
"Ah", machte der Drow. "Aber hat nicht auch Artemis Entreri eingesehen, daß ein berühmter Name mehr bringt als nur die Befriedigung eitlen Stolzes?" Er sah den Calishiten lächelnd von der Seite an. "War es nicht inzwischen auch deine Auffassung, daß die Furcht, die die ehrfürchtig geraunten Berichte über deine Taten in die Herzen deiner Feinde säen, bereits gleichbedeutend seien mit dem ersten Hieb, den du nach diesen Herzen führst?"
Entreri starrte ihn mißtrauisch an. Er war nicht sicher, bei welcher Gelegenheit er eine solche Bemerkung gegenüber dem Drow gemacht hatte, oder ob Jarlaxle vielleicht tatsächlich, wie er ihn manchmal im Verdacht hatte, in der Lage war, seine Gedanken zu lesen. "Furcht zu erwecken ist eine Sache", sagte er schließlich. "Furcht, Respekt, erwirbt man sich durch Taten. Von einer Bande vagabundierender Halborks besungen zu werden, kann Respekt ebenso leicht kosten wie bringen."
"Du bist unverbesserlich, Artemis. Was könnte wohl ruhmvoller sein, als der Held eines nach dir benannten Liedes zu sein? Eines Epos? Oder noch besser, der gefürchtete Missetäter, der dunkle Held, in einem Theaterstück auf der Bühne, vor der sich Hunderte von Zuschauern drängen, die bei Nennung deines Namens schaudernd zusammenzucken?"
"Ich habe einmal ein Theaterstück gesehen, in dem ein Mörder mit meinem Namen auftrat", sagte der Calishit ungerührt. "Es war grauenvoll."
"Und hat dennoch deinen Namen noch weiter bekannt gemacht", hielt Jarlaxle fest.
"Mit Sicherheit. Man fand den Autor des Stücks am nächsten Tag erdolcht in seinem Blut."
"Artemis", rügte der Drow väterlich und gluckste leise, als er den Menschen bei diesem Ton prompt die Stirn runzeln sah.
"Ich habe eine Reputation, und ich weiß sie zu wahren."
"War der arme Mann vor seinem Ende wenigstens geschmeichelt, vom Bösewicht seines eigenen Stücks ermordet zu werden?"
"Er hat es mir wohl nicht geglaubt. Als ich ihm erklärte, wer ich sei, meinte er, das sei unmöglich. Artemis Entreri müsse mindestens sechs Fuß groß sein." Der Mörder zuckte die Achseln.
"Wie tragisch", resümierte Jarlaxle. "Aber da wir gerade von kleingewachsenen Helden reden - ist das nicht Freund Athrogate, der uns da entgegengestapft kommt?"
"Hat dir Wingham zufällig auch einen Feuerball verkauft?" fragte Entreri, ehe er auch nur den Blick auf die Stelle richtete, auf die sein Gefährte deutete.
Als er es doch tat, war die wilde, schwarzbärtige kleine Gestalt mit den zwei Morgensternen freilich unverkennbar. Sie schritt - nein: stampfte in einem Tempo den beiden Soldaten entgegen, daß links und rechts der Schnee von den Hacken der schweren Zwergenstiefel stob, und schimpfte und wetterte dabei unter wütendem Rudern der muskulösen Arme vor sich hin. Er wäre vermutlich an den zwei Männern vorbeigestürmt, ohne sie auch nur zu beachten, hätte Jarlaxle sich nicht schon von weitem erkennbar gemacht.
"Freund Athrogate! Wohin so eilig an diesem schönen Nachmittag?"
Der Zwerg stutzte, schlitterte ein wenig über eine Eisplatte, stemmte die Fersen seiner genagelten Stiefel entschieden gegen den glatten Untergrund und kam abrupt zum Stehen. Die dornenbesetzten Köpfe seiner Morgensterne klimperten mit metallischem Klang gegeneinander.
"Schöner Tag, wie, schöner Tag?" grollte er aufgebracht zurück. "Ein Tag zum Verprügeltwerden, wenn man's mag!" Er sah ganz so aus, als sei er bereit, der gereimten Drohung Taten folgen zu lassen, und aus den Augenwinkeln bemerkte Jarlaxle eine jener unmerklichen Bewegungen an Entreri, die man kaum als solche bezeichnen konnte, eine winzige Verlagerung des Gewichts von einem Fuß auf den anderen, die Drehung einer Schulter oder das Anspannen eines Muskels, die anzeigten, daß der Meuchelmörder kampfbereit war. Gleichermaßen beruhigt wie belustigt durch diese Tatsache konnte er seine ganze Aufmerksamkeit wieder dem Zwerg zuwenden.
"Aber mein liebster, bester Zwerg", lachte der Drow heiter zurück. "Was hat Euch denn so in Aufregung versetzt? Ihr werdet doch nicht die armen Halborks unseres Freundes Wingham zum Ziel Eurer treuen Waffen haben?"
"Ah, bah!" Athrogate spuckte verächtlich in den Schnee. "Was jucken mich die Dummköpfe. Proviant und Verpflegung muß ich aufstocken, bevor's hinaus geht."
"Hinaus?" wiederholte Jarlaxle stirnrunzelnd. "Ihr meint, wieder auf Jagd nach Monstern? Ich vermutete, Eure Geschäfte würden Euch noch ein wenig länger am Vaasa-Tor festhalten?"
"Geschäft, Geschäft, was will das heißen? - Das Spitzohr soll sich bloß zusammenreißen!" grollte der Zwerg, bereits wieder am Reimen, und seine schwarzen Brauen sträubten sich heftig. "Meinen Rang mir streitig machen, da kann ein alter Zwerg nur lachen! Der geb ich Monster satt zu schlucken, da wird die Heulsuse schön gucken!" Sprach's und stürmte, bereits wieder heftig vor sich hin schimpfend und gestikulierend, davon Richtung Winghams Wagenkolonne. Ein ziemlich erstaunter Drow blickte ihm ratlos hinterher.
"Mein Freund", sagte er, an Entreri gewendet, "ich fange an, deiner Einschätzung recht zu geben, daß bei diesem Zwerg ein paar Rädchen im Kopf nicht mehr an den Orten sind, an die sie gehören." Als von Entreri keine Antwort kam, warf er ihm einen Seitenblick zu, gerade rechtzeitig, um zu seiner Verblüffung einen leisen Anflug von Besorgnis in den steinernen Zügen des Menschen zu erhaschen. Er legte die interessante Beobachtung ab unter die Dinge, die in letzter Zeit seltsam waren an dem Meuchelmörder und die dringend näherer Begutachtung bedurften.
Nur nicht im Moment. Denn kaum waren sie ein paar Schritte weiter gegangen, als ihnen ein aufgeregt winkender Sevellin Raunir im Laufschritt entgegen eilte. Der Blondschopf bremste gerade genug ab, damit er sich mit einem Arm bei Jarlaxle und mit dem anderen an Entreris Schulter festklammern konnte, zu begeistert offensichtlich, um die verärgerte Miene Entreris auch nur zu beachten.
"Neuigkeiten!" keuchte er. Sein Atem stand als weiße Dampfwolke in der Luft. "Wir marschieren morgen ab."
"Abmarsch?" fragte Jarlaxle verblüfft. "Wohin?"
"Darmshall", sagte Raunir mit einem leichten Winken der Hand, als sei das Ziel dieses Marsches doch völlig unwichtig. "Aber ratet mal, unter wessen Führung!"
"So begeistert, wie du bist, muß es mindestens Gareth Drachenbann höchstpersönlich sein", gab Entreri wenig enthusiastisch zurück. Sevellin lachte.
"Das wäre wirklich das einzige, was noch besser wäre. Nein, nicht der König."
"Die Königin?" fragte Jarlaxle hoffnungsvoll, was dem Blondschopf das nächste Lachen entlockte.
"Scherzbold. Nein, besser! Ein echter Held, einer von Gareths besten Freunden." Im schwarzen Gesicht des Drow zuckte es ahnungsvoll.
"Bitte sag nicht, der Mönch."
"Kane, jawohl!" Raunir strahlte wie ein glückseliges Kind. "Und nur wir und noch eine Einheit werden dabei sein. Wird natürlich ein schauderhafter Marsch bei dem Wetter hinüber nach Darmshall, aber wenn sie uns mitten im Winter in die Berge schicken, kann das eigentlich nur heißen, daß es etwas ganz Großes gilt." Seine schweren Hände klatschten den beiden Männern noch einmal auffordernd auf die Schultern, ehe er sich umdrehte und sich wieder in Trab setzte, diesmal in Richtung Vaasa-Tor. "Beeilt euch besser, Antreten in einer Stunde, dann sagen sie es uns offiziell!"
"Wunderbar", grollte Jarlaxle, kaum war Sevellin wieder verschwunden. Entreri zog die Brauen in die Höhe.
"Ich dachte, Darmshall war sowieso eines unserer Ziele? Tazmikella und Ilnezhara haben uns schon darauf hingewiesen, und nun auch noch Wingham."
"Ja, natürlich." Jarlaxle wirkte immer noch ausgeprochen mißmutig. "Aber ein Marsch über die Berge unter Führung eines Mönchs..."
Entreri warf dem Drow einen erstaunten Blick zu. "Macht der Mann dir Angst?" Heimlich wunderte er sich wirklich. Es waren Jahre, die er diesen eigentümlichen Dunkelelfen nun kannte, und in all dieser Zeit war Jarlaxle ihm - vielleicht mit Ausnahme der Wochen, in denen er zu stark unter Crenshinibons Einfluß gestanden hatte - praktisch unantastbar erschienen. Nichts konnte scheinbar die penetrant gute Laune dieses Drow erschüttern. Und nun sollte ausgerechnet ein bloßer Mönch dazu in der Lage sein?
"Angst", wiederholte Jarlaxle prompt geringschätzig, und eine schwarze, langfingrige Hand schob die Augenklappe von einer Seite auf die andere. Hätte Entreri es nicht besser gewußt, hätte er das als ein Zeichen von Nervosität gedeutet. "Ich mag Mönche nun einmal nicht."
"Weshalb nicht?"
"Ich verstehe sie nicht", gab Jarlaxle nach kurzem Zögern zu. Es klang ehrlich, und es war wohl mehr dieser Tonfall als der Satz an sich, der den Menschen aufmerken ließ. Jarlaxle sah ihn von der Seite an mit einem Ausdruck ratloser Verwunderung, so als erhoffe er sich von Entreri Aufklärung über diese Sache, die er nicht begriff.
"Du verstehst mich auch nicht", gab der Meuchelmörder stattdessen zurück. "Zumindest behauptest du das immer."
"Stimmt", nickte der Drow, und immerhin lächelte er jetzt wieder.
"Dennoch ziehst du seit Monaten mit mir herum."
Jarlaxle strich sich nachdenklich mit der Hand über das Kinn. "Ich will nicht behaupten, daß ich dich völlig verstehe, mein Freund", gab er langsam zurück, "aber du und ich denken und handeln in vielen Belangen ähnlich." Er sah Entreri unmerklich nicken bei diesen Worten und schmunzelte. "Ich vermute, daß die Motive hinter unseren Taten vollkommen unterschiedlich sind, aber die Ähnlichkeit ist dennoch vorhanden. Und wir sind Freunde, mein abbil. Es gibt Dinge, die du für mich tun kannst, es gibt Dinge, die ich für dich tun kann. Wir können einander brauchen."
"Und ein Mönch?"
"Braucht nichts."
Irgendetwas sagte Entreri, daß dieser Satz, der in einem eigenartigen Ton aus Jarlaxles Mund kam, gleichermaßen verständnislos wie vorwurfsvoll und - ängstlich? - daß diese zwei Worte also von größerer Bedeutung waren, als es den Anschein hatte. Er schwieg einen Moment und zuckte dann die Achseln.
"Umso besser", meinte er trocken. "Wenn dieser Mönch dich unruhig macht, werde ich wohl desto besser schlafen."
