Titel: Der Internationale Zauberer

Verfasserin: Vert

Übersetzer: Ron Ravenclaw

Spoilers: Alles, was ihr über Harry Potter gelesen habt.

Generelle Zusammenfassung: Internationaler Zauberer ist eine wöchentliche Zeitschrift, die aus Artikeln von verschiedenen Journalisten der ganzen Welt besteht…

Darstellung des folgenden Artikels: Eine Ortsveränderung wird zu einem Stich ins Wespennest und enthüllt jahrelang verborgene Wahrheiten.

Disclaimer: Zu meiner großen Verzweiflung gehören Harry Potter und die Zaubererwelt nicht zu mir. Ich verdiene nichts damit – leider! Was das Konzept betrifft, gehört es zur französischen Zeitschrift „Courrier International".

Wichtige Anmerkung: Die Leser von Dem Internationalen Zauberer müssen wissen, dass die berühmte Biographin von Harry Potter, J. K. Rowling, die französische Sprache liebte und zuerst auf Französisch schrieb, bevor sie den Text ins Englische übersetzte. Dies kann die Fehler erklären, die sie so oft beging, und die dieser Artikel betont.

Der (Nicht-) Mord am Ehepaar Potter wurde endlich geklärt!

Oder die Extreme, zu denen die Autoren gebracht werden, wenn es ihnen an Vokabular mangelt

Bei der Überbringung der wertvollen Hefte und anderer verschiedenen Notizen der Biographin von Harry Potter, J. K. Rowling, zur NML (Nationalen Magischen Bibliothek Großbritanniens) in der letzten Woche haben wir die Wahrheit entdeckt. Erinnern Sie sich: Nachdem ein Paparazzo, der Informationen über Harry Potters Vergangenheit finden wollte, erfolglos einen Einbruchsdiebstahl im Museum vom Zweiten Krieg versuchte, traf die Regierung die Entscheidung, alle Papiere zur NML in eine der Stahlkammern des dritten Untergeschosses zu überführen, und sie unter dem Siegel der Verschwiegenheit zu verwahren – denn die Enthüllung könnte echte Panikwellen verursachen.

Bei dieser einmaligen Gelegenheit erlaubte man einigen Historikern, die Kladden der Autorin zu konsultieren, nicht nur deren Interviewnotizen und Recherchen, wenn sie versprachen, nichts zu enthüllen, da dies schlimme Folgen haben könnte. Und dann wurde uns diese schreckliche Wahrheit enthüllt.

Ach! Wie viele Zauberer und Hexen glauben an diese schöne, tragische Geschichte, der größten Dramen wert? Wie viele bilden sich ein, es sei die größte Geschichte aller Zeiten? Doch muss die Wahrheit ans Tageslicht kommen! Nein, die Potters starben nicht, um ihren Sohn zu retten! Eigentlich sind sie gar nicht gestorben! Besser gesagt sind sie nur im Text gestorben, Opfer eines offensichtlichen Mangels an Vokabular bei der Autorin.

Auch wenn wir bis heute keinen Beweis dafür entdeckt haben, dass sie weitergelebt haben - die Recherchen werden von der Zerstörung der Ministerarchive durch Ihn, dessen Name nicht genannt werden durfte, im Jahre 1998 höchst behindert–, erlauben uns bestimmte Indizien in den Notizbüchern, den Hauptgrund für diese Lüge zu entdecken.

Wie ist die Biographin darauf gekommen? Die Antwort lässt sich in den Zeilen ihrer Kladde lesen. Ein Beispiel: Ein Textausschnitt, der in einem kleinen Büchlein mit gelbem Deckel steht (Inventar HP-JKR-003), präsentiert eine Szene, welche die Ankunft von Ihm, der nicht genannt werden durfte, im Haus der Familie Potter in Godric's Hollow beschreibt, und was danach geschah- dass er Harry Potter, zu jener Zeit eineinhalb Jahre alt, als sich Ebenbürtigen kennzeichnete. Jeder kennt den Ablauf dieser Geschichte, doch in jenem Büchlein wird ein ganz anderes Ereignis erzählt. Man liest dort, zwischen durchgestrichenen Stellen und Tintenflecken:

James Potter verwandelte sich in einen Hirsch und setzte mit Behändigkeit Harry in sein Geweih. Letzterer, der mit seinem Hochsitz sehr zufrieden war, fing an, fröhlich zu quietschen, als wären ihm die Ereignisse, die gerade geschahen, gleichgültig. James, oder besser gesagt Krone, entfernte sich schweren Herzens aus seinem brennenden Haus in Richtung des Waldes. Als er weit genug weg war, so weit dass man den Brand für das Licht eines Häuschens im Wald hätte halten können, à'_pçd er vor Verzweiflung."

Das ‚à'_pçd' habe ich selber geschrieben. Es handelt sich um eine Textpassage, in der gestrichene Wörter, Gekritzel, Geschmiere und andere verschiedene Streichungen in mehreren Zeilen nacheinander stehen. Nach einer genauen Betrachtung haben wir dennoch den Gedankengang der Autorin feststellen können. Als sie diesen Punkt des Satzes erreicht, fragt sie sich, wie ein Hirsch schreit. Und da sie als die nationale Meisterin im Kreuzworträtseln bekannt war, bevor sie die spezielle Biographin Harry Potters wurde, denkt sie natürlich ans Verb „réer" (röhren, auf Deutsch) – eine seltene Form des Verbs „raire" (ibid.).

Dann fingen die Unglücksfälle für Harry Potter an. Denn wie jede gute Biographie steht die Seinige im Präteritum, und so findet man die Wendung „il réa" (er röhrte, ibid.), ein höchst unmelodischer Ausdruck, der außerdem für eine Werbung für einen Muggelorangensaft gehalten werden könnte. Wohl dazu entschieden, diese Richtung nicht zu verlassen, vermutet Mrs. Rowling, dass es sich um ein irreguläres Verb handelt, und sie ergreift ihr Wörterbuch, doch sie findet nichts. Sie entschließt sich dazu, die gewöhnliche Form „raire" zu benutzen, was die Wendung „Cornedrue raya" ergibt („Krone röhrte", aber wortwörtlich übersetzt, auch „Krone strich", ibid.), eine wirklich nicht wohlklingende Form, die den Gedanken nahe legen könnte, Harrys Vater sei damit beschäftigt, etwas zu streichen. Wie gut war ihre Vorahnung, denn „raire" gehört zu einer Verbgruppe, die ganz einfach keine Vergangenheitsform hat.

Aber Schluss mit der Linguistik. Da sie nicht weiß, was sie tun soll, trifft J. K. Rowling eine wichtige Entscheidung. Sie kann Harrys Kindheit nicht schreiben, wenn sie nicht dazu fähig ist, seinen Vater in seiner Hirschform korrekt zu beschreiben. Sie ergreift so ein neues Blatt und beschreibt erneut Harrys Kindheit, doch diesmal stirbt James, während Lily überlebt.

Das Folgende ist einfach vorzustellen. Harry wird älter, nur von seiner Mutter erzogen, und beginnt eine exemplarische und glänzende Schulzeit in Hogwarts unter dem Einfluss seiner Mutter- so wählt er unter seinen Wahlfächern im dritten Jahr Arithmantik, ein Fach, das ihm sicher eine glänzende Zukunft bietet.

Und dort eröffnet sich ein zweites Problem. Wissen Sie, wenn Sie nicht gerade zu den 0,1 Prozent der noch lebenden Schüler gehören, die diesen Kurs in Hogwarts besucht haben, was dort gelehrt wird? Die Antwort lautet nein, natürlich. In der Tat, auch jene, die Arithmantik studiert haben, haben ganz oft Schwierigkeiten, das Fach zu erklären. Außerdem verschwand dieses Wahlfach vom Programm vor ungefähr hundert Jahre, als die magischen Rechner erschienen sind.

Die Autorin, die genau sosehr Bescheid weiß wie wir, sucht so in den Wörterbüchern und findet- nichts. Natürlich, dank der Etymologie und guter Vermutungen, errät sie, dass dieses Fach mit Wahrsagen und Mathematik verbunden ist. Eine Notiz auf dem Rand eines A4-Blattes mit großen Vierecken (Inventar HP-JKR-310) lässt den Gedanken zu, dass sie mit einem Medium einen Termin vereinbart hatte, um eine Antwort zu finden. Da sie nichts weiß, kann sie diesen Unterricht nicht präzis beschreiben und so muss sie so tun, als hätte Harry Potter dieses Fach nie studiert.

Sechs Stunden später ist ihre Entscheidung getroffen, Lily Potter wird nicht überleben. Sie beginnt so eine neue Kladde, diesmal auf einem Rechner, dessen einzige Speicherung auf einer CD gelagert wird (Inventar HP-JKR-6743). Und so verbrachte Harry Potter seine Kindheit bei den Dursleys, zumindest im Text.

So ermordete J. K. Rowling das Ehepaar Potter, vor allem wegen eines offensichtlichen Mangels an Vokabular. Auch wenn man die besondere Dramatik dieser Toten, die außerdem die Demut unseres Helden hervorhebt, nicht leugnen kann, ist es jetzt an der Zeit, sich gewisse Fragen zu stellen. Vor allem: Haben die Eltern des Jungen, der lebt, gelebt oder nicht? Unsere aktuelle Untersuchung wird vielleicht einige Antworten geben.

Vor allem aber ist es an der Zeit, sich zu fragen, wie viel im Namen der Schönheit des Textes oder aufgrund der Ignoranz jener, die ihn schrieb, geopfert wurde. Welche anderen Teile der Geschichte wurden so umgewandelt? Ist der gesamte Krieg gegen Ihn, der nicht genannt werden durfte, nur eine Fassade, hinter der sich eine ganz andere Geschichte versteckt? Es wäre jetzt an der Zeit, jene zu überwachen, die unsere Geschichte schreiben, denn es hätte Mrs. Rowling offensichtlich genügt, das Verb „bramer" zu kennen und Professor Aricie Granger, letzte Lehrerin für Arithmantik in Hogwarts, einige Fragen zu stellen – sie war 124 Jahre alt, als die Geschichte des Jungen, der lebt, geschrieben wurde –, um Harry Potters Schicksal zu ändern.

Von Calenwen Arcamenel, Journalistin spezialisiert für die Geschichte vom zweiten Krieg gegen Ihn, der nicht genannt werden durfte.

16. Juli 2296.