Titel: Der Internationale Zauberer
Verfasser: Ron Ravenclaw
Übersetzer: Ron Ravenclaw ()
Spoilers: Alles, was ihr über Harry Potter gelesen habt.
Generelle Zusammenfassung: Der Internationale Zauberer ist eine wöchentliche Zeitschrift, die aus Aufsätzen von verschiedenen Journalisten der ganzen Welt besteht…
Heute im Internationalen Zauberer: Zweiter Artikel aus der Reihe des Internationalen Zauberers über Hogwarts.
Disclaimer: Salazar Slytherin und die Zaubererwelt gehören J.K. Rowling und das Dorf Sedana gehört Matthieu Gaborit (ich empfehle euch übrigens seine hervorragende Serie Im Reich des Feuervogels).
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Sehr geehrte Leser und Leserinnen, der folgende Artikel wurde ausgewählt, zur Sonderausgabe über Hogwarts zu gehören. Obwohl er nicht direkt die Schule behandelt, stellt er nämlich interessante Fragen über die Gründe, die Salazar Slytherin dazu geführt haben, eine so missachtende Haltung Muggeln gegenüber einzunehmen, dass er die Zauberer, die aus Muggelfamilien stammten, daran hindern wollte, in Hogwarts eingeschult zu werden. Dieser Artikel gehört zu einer Reihe von Artikeln zur Rezeption eines Werkes, das im September 2006 veröffentlicht wurde: Salazar Slytherin, ein Rätsel der Geschichte, von Duncan Clio.
Das Team des Internationalen Zauberers.
Salazar Slytherin: das (endlich) gelöste Rätsel?
Salazar Slytherin. Wer diesen Namen hört, denkt sofort an einen der mächtigsten Zauberer aller Zeiten, sowie an den Gründer der berühmten Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei. Doch denkt man auch an einen Zauberer, der die schwarze Magie benutzte und der Meinung war, dass Muggelgeborene nicht würdig seien, in die oben genannte Schule eingeschult zu werden. Viele Historiker haben sich die Frage gestellt, warum Slytherin nicht wollte, dass Zauberer und Hexen, deren Eltern Muggel waren, von jener Ausbildung profitierten, die seine Mitgründer für alle jungen Zauberer und Hexen gewollt hatten. Vor kurzer Zeit veröffentlichte jedoch der berühmte Geschichtsforscher Duncan Clio eine Studie, die er mithilfe biographischer Elemente über Salazar Slytherin geschrieben hatte. Clio, der dafür bekannt ist, seine seriösen Werke mithilfe von Quellen aus dem erforschten Zeitalter zu schreiben, soll mehrere Berichte gefunden haben, mit denen er zu einer wahrscheinlichen Erklärung für den Grund gekommen ist, aus dem die Muggel dem mächtigen Zauberer so sehr verhasst waren.
Wie jeder weiß, wurde Hogwarts im Mittelalter gegründet, in dem Zeitalter, als Muggel die Zauberei schon fürchteten, auch wenn es die Inquisition, die für die Verbrennung so vieler vermutlicher Zauberer und Hexen verantwortlich war, noch nicht gab. In dieser Zeit hatte zwar die Hexenverfolgung bereits angefangen, nur war sie noch keine Institution.
Wegen dieser Verfolgung mussten die Gründer Abwehrzauber benutzen, damit die Muggel sich ihrem Werk nicht nähern konnten. Dennoch waren die drei anderen damit einverstanden, dass die Muggelgeborenen Zauberer und Hexen waren und deswegen ihre Einschulung möglich sein sollte. Salazar Slytherin vertrat allerdings eine andere, gegensätzliche Meinung. Er meinte nämlich, dass nur Zauberer und Hexen, deren Familie längst auch aus Zauberern bestand, die Schule betreten durften.
Nach zehn langen Jahren, während derer Duncan Clio über die Zeit der Gründer geforscht und versucht hat, den Grund für diese Abscheu zu verstehen, hatte er eine ausreichende Menge von Berichten aus diesem Zeitalter gefunden, die nicht nur die Hexenverfolgung behandelten, sondern auch die Meinung, die die Gründer und ihre Genossen darüber hatten.
Zuerst muss man wissen, dass Salazar Slytherin der Lehre von drei großen Meistern gefolgt ist, unter diesen Benedictus Goetius, ein mächtiger Zauberer, der dachte, die so genannte schwarze Magie sei die mächtigste Form der Magie. Goetius stammte aus einer Zaubererfamilie, die sich seit Generationen vor den Muggeln versteckte. Deswegen hatten sie auch mächtige Abwehrzauber geschaffen, die bei der Gründung Hogwarts' nützlich waren. Und da die Familien, die unter Muggeln lebten, auch ausschließlich weiße Magie benutzten, hatten die Goetius' die Entscheidung getroffen, ausschließlich schwarze Magie zu benutzen.
Goetius scheint Salazar Slytherins Denken sehr geprägt zu haben, und auch wenn Slytherin den Schülern erklärte, wie man Zaubertränke herstellt, hat er doch jahrelang versucht, seine Mitgründern davon zu überzeugen, ihm einen Lehrstuhl in Schwarzer Magie einrichten zu lassen. Doch dieser Wunsch wurde von den drei anderen Gründern immer abgelehnt.
Doch beeinflusste Goetius nicht nur seine Sicht der Magie, sondern auch seine Sicht der Muggelwelt. Wie Goetius hatte Slytherin nie unter den Muggeln gelebt, und da er das Familienhaus bald verließ, um der Lehre seiner Meister zu folgen, hatte er keine Möglichkeit, ihre Welt zu entdecken. Nun war Goetius vom Denken seiner Familie beeinflusst und hatte eine Theorie verfasst, in der er erklärte, warum die Muggel den Zauberern untertan seien und warum die Zauberer über ihre Welt herrschen sollen. Trotzdem hatte Slytherin allen Berichten dieser Zeit zufolge eine weniger radikale Meinung von Muggeln.
Wie also konnte er dann zu diesem sehr verachtenden Bild der Muggelwelt gelangen? Wo die Historiker seit langen Jahren gezwungen waren, nur Hypothesen zu formulieren, hat Duncan Clio zehn Jahre lang geforscht. Und dank Clios Arbeit hat diese Wendung, die allen unerklärbar und unverständlich erschien, eine logische und verständliche Erklärung erhalten.
Ein anderer Meister des jungen Salazar war der berühmte Heiler und Zaubertrankmeister Albus Medicus. Im Gegensatz zu Goetius sah er die Muggelwelt als faszinierend und war davon überzeugt, dass man sie betrachten und mitten in ihr leben musste, wenn man sie richtig beurteilen wollte. Seine leidenschaftlichen Reden über die Muggelwelt beeindruckten Salazar Slytherin mehr als Goetius' abwertende Äußerungen, und der junge Mann traf bald nach seiner Hochzeit mit Belig Bellus, deren Eltern mit den Slytherins verbunden waren, die Entscheidung, in der Muggelwelt zu leben.
Diese Zeit scheint eine der glücklichsten Zeiten seines Lebens gewesen zu sein. Er bekämpfte gleichzeitig die Vorurteile der Muggel gegen die Zauberei und die Vorurteile, die er selber gegenüber die Muggelwelt entwickelt hatte. Obwohl er ein Adliger war, war er seinen Untertanen gegenüber gerecht und gut, so dass er von ihnen geliebt und von den anderen Adligen gleichzeitig verachtet und respektiert wurde. Diese Zeit war nach Clio einem goldenen Zeitalter ähnlich, denn Salazar lernte allmählich, die Muggel zu respektieren und ihre Anwesenheit zu schätzen.
960 änderte sich jedoch die Lage völlig und damit Salazar Slytherins Meinung über die Muggel und ihre Welt. Seit mehreren Jahren gab es schon Gerüchte unter den Muggeln, nach denen Lady Slytherin eine Hexe sei. Salazar Slytherin, der seiner Fähigkeit vertraute, seine Untertanen davon zu überzeugen, dass die Zauberei nichts Schlechtes war, hatte diesen Gerüchten zwar zugehört, aber gedacht, es seien nur einige Außenseiter, die von wenigen Adligen beeinflusst waren, die ihn gerne tot sehen würden. Deswegen dachte er, dass es gar keine Probleme verursachen konnte.
Doch war es vielmehr als Slytherin dachte. Vielleicht kam es ursprünglich von Seite seiner Gegner, aber sicher ist, dass diese Gerüchte immer weitere Kreise zogen, so dass es beinahe zu einem Aufruhr gekommen wäre. Die Untertanen, die diese Gerüchte glaubten, waren auch davon überzeugt, dass ihr Herr kein Zauberer war, sondern ein normaler Mensch, der von einer ‚bösen Hexe' verhext worden war, und sie fingen an zu planen, wie sie ihren Herrn befreien könnten. Schließlich entschlossen sie sich dazu, dies zu tun, während er nicht anwesend war.
Anfang April ritt Slytherin zu einem Schloss, das einige Meilen von dem Seinigen entfernt war, um mit dem Eigentümer ein militärisches Bündnis gegen einen gemeinsamen Gegner zu schließen. Die Gespräche dauerten mehrere Tage lang und Slytherin verbrachte noch einige Tage bei seinem Verbündeten, bis er zu seinem eigenen Schloss zurückkehrte. Dort erwartete ihn aber ein wahres Chaos. Die Mehrheit seiner Diener war tot und er konnte seine Frau nirgendwo finden. Schließlich traf er die Entscheidung, einen noch lebendigen Diener zu rufen, um ihn zu fragen, was geschehen sei.
Dieser soll den Berichten zufolge, die Clio im Schloss gefunden hat, mit einem stolzen Lächeln geantwortet haben, dass er und andere Bewohner des Dorfes Sedana die böse Hexe verbrannt hatten, um ihren Herrn von ihrem bösen Einfluss zu befreien. Das waren die letzten Worte des Unglücklichen. Wutentbrannt ergriff Slytherin sein Schwert und stieß es ihm in den Bauch.
Kurz nach diesem traurigen Ereignis ließ Slytherin all die Untertanen hinrichten, die diese Tat begangen hatten, und verließ die Gegend. Nach Sir Tching wäre er zu seinem Meister Goetius zurückgekommen und hätte ihm gesagt, er habe mit seiner Sicht der Muggel viel mehr Recht als Medicus.
Ab dieser Zeit wandte er der weißen Magie den Rücken, kehrte sich völlig der schwarzen Magie zu und hörte nicht mehr auf die Ratschläge von Medicus, sondern nur auf die von Goetius. Von nun an entwickelte er auch eine Theorie über die Überlegenheit der ‚reinen Zauberer' über die Muggel und die Zauberer, die aus einer Muggelfamilie stammten.
Zum Schluss kann man vermuten, dass es vielleicht Slytherins Versuch selber war, sich seine eigene Meinung zu bilden, der ihn zu dieser falschen Sicht der Muggelwelt geführt hat. Hätte er Medicus' Theorien zugehört, ohne ihnen Folge zu leisten, so wäre er wahrscheinlich so geblieben, wie er vor diesen düsteren Ereignissen war. Dies sind aber nur Vermutungen, und man kann nur noch hoffen, dass die Geschichte das Bild eines dunklen Zauberers zugunsten des Bilds des richtigen Salazar Slytherin bald aufgeben wird.
Peter von Eisenkorken.
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Quellen:
Duncan Clio: Salazar Slytherin, ein Rätsel der Geschichte. Berlin: Essays 2006
Sir Tching: 500-2000; 15 centuries of dark families. London: History of Magic 2003.
Erklärung über die Namen:
Duncan Clio: Den Vornamen finde ich schön, und was den Namen betrifft, war es der eine der neun Musen: Die Muse der Geschichte.
Benedictus Goetius: Benedictus heißt im Lateinischen „Gut". Was Goetius betrifft, ist es noch einmal ein lateinischer Name. Die „Goétie" war früher in Frankreich ein Name, der einen Teil der schwarzen Magie bezeichnete: Die Beschwörung böser Geister. Meiner Ansicht nach war Goetius ein Mann, der radikale Ideen vertrat aber durch und durch gut war.
Albus Medicus: Noch ein Vorname und ein Nachname auf Latein: Albus meint „weiß", eine Anspielung auf die Magie, die er benutzt; was Medicus betrifft, zeigt es deutlich sein Fach.
Belig Bellus: Belig ist ein bretonischer Vorname, den ich besonders schön finde. Was Bellus betrifft, ist es ein lateinischer Nachname, der die Schönheit des Mädchens betont. Außerdem klingt der ganze Name richtig schön.
Sir Tching: Britischer Adliger, dessen Name auf sein Fach deutet: Die Recherche, und insbesondere die geschichtliche Forschung.
