Panazee: Danke für dein Review! Natürlich schreibe ich weiter, ich habe nur auf Reviews gewartet. ;)
Den dritten Teil gibt es, wenn ich hierzu mehr als ein Review bekomme... ;)
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Part 2/4
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And I can't believe
How I've been wasting my time
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Oh, ich Trottel.
Wie konnte ich mich mit solchen Gefühlduseleien nur weiter aufhalten?
Die gesamte Schule scheint sich in der großen Halle zu befinden. Die Nachricht von dem Angriff wird sich wohl herumgesprochen haben.
Harry steht an meiner Seite und schweigt.
Ron befindet sich neben mir und wippt von einem Bein zum Anderen.
Er macht mich wahnsinnig.
Professor Dumbledore betritt den Podest am Kopf der Großen Halle.
Alle Blicke wandern zu ihm nach vorne und es wird etwas leiser, einige Gespräche verstummen plötzlich.
Doch der Schulleiter geht nur auf die dort anwesenden Lehrer zu und spricht im Flüsterton mit ihnen.
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In 15 hours they'll be
laying flowers
on my life, it's over tonight
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Verwirrt lasse ich meinen Blick über die Schülerschaar schweifen.
An jedem Haustisch scheinen einige Schüler einen Nervenzusammenbruch erlitten zu haben.
Die blonde Hannah aus meinem Jahrgang kniet völlig aufgelöst im Staub vor dem Hufflepufftisch. Sie zittert und der Tränenfluss, der über ihre Wangen rinnt, scheint sich immer weiter zu steigern.
Am Ravenclawtisch starren zwei Schüler schon die gesamte Zeit völlig apathisch auf den Hinterkopf von Professor Snape. Die beiden müssen wirklich neben sich stehen, da sich dies kein Schüler länger als eine flüchtige Sekunde erlauben würde.
Von dem Gryffindortisch ganz zu schweigen.
Direkt neben mir sitzt eine völlig hysterische Lavender Brown, die ihr Zittern nicht mehr unterdrücken kann, und mir gegenüber hockt ein völlig abwesender Neville Longbottom, der ständig Fäden aus dem Ärmel seines Pullovers zupft und diesen schon beinahe bis zur ersten Naht abgewetzt hat. Harry zu meiner Linken hat sich seit unserer Ankunft hier keinen Zentimeter mehr bewegt.
Alle Schüler sind unverkennbar nervös.
Sogar am Tisch der Slytherins tragen viele Schüler einen gehetzten Gesichtsausdruck und beinahe alle scheinen etwas verspannt.
Aber eine Person dieser Halle scheint von der gesamten Nervosität völlig unberührt.
Draco Malfoy ruht elegant wie immer am dem Kopfende des Slytherintisches und spricht leise auf einen Erstklässler mit olivfarbener Haut ein, dessen Augen sehr wässrig wirken.
Das Bild, das die beiden ergeben, sticht aus irgendeinem Grund deutlich aus dem Durcheinander der Halle heraus.
Es ist der einzige Anblick dieser Halle, der mich nicht nervös machen wird.
Und so verweilt mein Blick auf den Beiden.
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I'm not messing no I
need your blessing
and your promise to live free
please do it for me
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Malfoy spricht mit ausdauernder Geduld auf den kleinen Jungen ein.
Da Lavenders Schluchzen leicht abnimmt, kann ich etwas von dem Klang seiner Stimme vernehmen.
Sie klingt so kühl wie immer, und genauso fest und sicher. Mit andauernder Monotonie und einer unbeschreiblichen Ruhe redet er auf den Erstklässler ein.
Und ich begreife, wie bedeutend sich sein starker Charakter in diesem Moment erweist.
Er ist wie das schmale Stück Treibholz, an das sich ein Ertrinkender im weiten Meer klammert.
Er ist der Einzige hier, der in sich ruht und diese Unerschütterlichkeit auch ausstrahlt.
Und während ich über das verwirrende und beständige Gleichgewicht seines Gemüts nachsinne, hebt der kleine Junge eine Hand an sein dunkles Gesicht. Mit dem Ärmelsaum wischt er sich die Tränenspuren aus den Augenwinkeln.
Dann versucht er sich an einem kühlen und beherrschten Lächeln.
Es misslingt deutlich.
Malfoy dürfte hier wohl als Vorbild gedient haben, doch das Grinsen des Jungen wirkt zu warm und weich, zu offen, als dass es die perfekte Beherrschung darstellen könnte, welche Draco Malfoys Lächeln stets wiederspiegelt.
Ich bezweifle allerdings, dass er dies jemals erreichen wird.
Um seine Unsicherheit zu überspielen, greift der kleine Slytherin nach einem Apfel und beißt hinein. Aber bereits beim ersten Bissen verschluckt er sich und beginnt zu husten.
Seine Wangen röten sich und nun schaut er so verlegen drein, dass er es mit keinem Gehabe der Welt mehr verdecken könnte.
Draco Malfoy mustert ihn ausdruckslos und das Gesicht des Jungen nimmt ein noch tieferes Rot an.
Dann hebt Malfoy seinen Blick und sieht mir geradewegs in die Augen.
Oh.
Er... scheint wohl meinen Blick bemerkt zu haben.
Nun ja... das hätte ich auch erwarten können.
Es ist manchmal unglaublich beängstigend, wie viel dieser Junge bemerkt, wie viel er sieht.
An seinen gezielten Beleidigungen erkennt man etwas, aber sicher nur einen Bruchteil von dieser unglaublichen Beobachtungsgabe.
Er trifft jeden Schüler an exakt dem Punkt, welcher ihn am meisten verletzt oder aber ihn völlig rasend macht. Er weiß um die Schwachstellen seiner Mitschüler und scheut sich nicht, diese in einem gewissen Maße auszunützen.
Bei Ron ist dies sicherlich nicht sehr schwierig, da er seine Gefühle nicht zu verbergen weiß.
Doch in Harrys Bereich erstaunt er mich immer wieder. Seien es nun sein ausgeprägter Beschützerinstikt oder seine zögerlichen Annäherungsversuche an Cho, seien es nun seine Empfindlichkeit auf diesselbe nach dem Desaster mit Umbridge oder seinem Schmerz nach Sirius Tod – erstaunlicherweise hatte Draco Malfoy alle diese Schwachpunkte innerhalb kürzester Zeit gefunden und sie zu nutzen gewusst.
Ich danke allen Göttern, dass er keine stark ausgeprägte sadistische Neigung hat. Ein Glück, dass er es bei den kleinen Sticheleien belässt.
Es macht mir Angst, wozu er die Macht hat.
Es beängstigt mich, wozu er fähig wäre.
Sein Blick fixiert immer noch den meinen.
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13 hours they'll be
laying flowers
on my life, it's over tonight
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Ich frage mich, was ich tun würde, wenn er heute sterben würde.
Würde es mir gleichgültig sein?
Sicher nicht.
Würde es mich berühren?
Ich weiß es nicht.
Ich versuche seinen Blick zu deuten, doch dafür ist er in dieser Halle zu weit entfernt.
Was würde er tun, wenn ich sterben würde?
Oh, was für eine dumme Frage.
Nichts. Er würde nichts tun. Schließlich bin ich niemand, den er in seinem Leben braucht.
Ich bin keine unerklärbare Konstante seines Daseins, wie er es für mich darstellt.
Und was würde Harry tun, wenn ich sterben würde?
Und Ron?
Ich zwinge mich dazu, meinen Blick nicht aus dem Draco Malfoys loszureißen.
Seine Augen fixieren immer noch die Meinen, und gleichzeitig streichen sie über mein Gesicht.
Würde Harry in ein tiefes Loch fallen, wenn er überleben würde?
Würde er sich Vorwürfe machen, mich in irgendeiner unsinnigen Art und Weise gerettet haben können?
Sicher.
Dies passt zu ihm... aber es gefällt mir ganz und gar nicht. Das kann ich nicht zulassen.
Ich runzele nachdenklich die Stirn.
Draco Malfoy zieht seine Augenbraue unmerklich ein wenig in die Höhe.
Bevor ich etwas darüber nachdenken kann, formt sich ein trauriges Lächeln auf meinem Gesicht.
Oh.
Ich hoffe nur, es wirkt nicht zu melancholisch.
Auf Malfoys Gesicht bildet sich nun auch ein kühles Lächeln. Dass es von einem spöttischen Blick untermalt wird, muss ich wohl kaum erwähnen.
Harry neben mir regt sich plötzlich und mein Blickkontakt mit Draco Malfoy bricht.
„Ich gehe", sagt er.
Einfach so, ohne jegliche Gefühlsregung.
Er erhebt sich und geht auf das Portal zu.
Ich stehe auf und folge ihm, Ron neben mir tut dasselbe.
Während all dem spüre ich einen Blick in meinem Nacken.
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I'm not messing no I
need your blessing
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Einträchtig sitzen wir im Gemeinschaftsraum der Gryffindors.
Die ruhige Stimmung trügt.
Die Anspannung ist fühlbar.
Dem Anschein nach ist hier jeder beschäftigt, doch in Wirklichkeit versuchen wir nur die Zeit nach guter, alter Muggelart totzuschlagen.
Neville sitzt seit Dumbledores nicht vorhandener Ansprache beinahe apathisch in einem der Fenstererker.
Seamus und Dean spielen nun schon seit einigen Stunden Schach, eine Tätigkeit, die sie bisher immer verabscheut hatten.
Ginny ist zwar mit ihren Hausaufgaben beschäftigt, jedoch wedelt sie alle paar Minuten unruhig mit ihrem Stift in der Luft herum. Auch sie scheint die Anspannung nicht loszulassen.
Harry starrt mit einem gefassten Blick in die Flammen, genau wie ich, und dennoch scheint er nicht ganz anwesend zu sein. Doch ich werde mich hüten, in aus seiner Träumerei zu reißen.
Wer weiß, wie lange uns noch bleibt.
Plötzlich klappt das Porträtloch auf und Ron klettert hindurch.
Alleine an seinem Gesichtsausdruck kann ich ablesen, dass etwas ganz und gar nicht stimmt.
Stille kehrt ein, so schlagartig, als hätte der Direktor persönlich unseren Gemeinschaftsraum betreten.
Rons Atem geht hastig und seine Wangen sind gerötet, als wäre er gerannt.
„Professor Dumbledore", würgt er hervor. „bittet die siebten Jahrgänge und alle Schüler, die 17 Jahre alt sind, in die Große Halle."
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and your promise to live free
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Mein Kopf schwirrte.
War es nun so weit?
War es das nun?
War er es wirklich?
Blinzelnd sehe ich zu den Rücken der wenigen Gryffindors vor mir, die alle im Laufschritt zur Großen Halle eilen.
Ich denke nicht, dass unsere Geschwindigkeit jetzt noch einen Unterschied macht.
Also senke ich meinen Kopf und starre auf die dunklen Kacheln des kahlen Flurs.
Mir ist es bisher nie aufgefallen, aber keine von ihnen reflektiert das Licht der Fackeln an den Wänden.
Als ich das nächste Mal den Kopf hebe, läuft niemand mehr vor mir.
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Please do it for me
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Ich nehme einen Umweg.
Weshalb, das kann ich mir nicht erklären, es muss die Anspannung sein, oder die Nervosität.
Ich biege in den nächsten Korridor, wohlwissend, dass mich dies einige Minuten der Zeit kosten wird, die ich in der Großen Halle verbringen und Dumbledores schlechter Botschaft lauschen sollte.
Wenige Meter vor mir bewegt sich eine Gestalt aus den Schatten.
Augenblicklich spannt sich mein gesamter Körper an und meine Hand wandert an meinen Zauberstab.
Ein Schüler wird es kaum sein, da dieser Gang tatsächlich für alle Häuser lediglich einen Umweg zur Großen Halle darstellt.
Doch als die Person aus den Schatten tritt und einen Meter vor mir stehen bleibt, entspannt sich mein Körper und betrügt mich damit selbst.
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Mit zwei Reviews geht es weiter!
