Kapitel 1 – Die Dunkle Zusammenkunft
Zu viert gingen sie also ohne Ziel umher, wieder in den Norden nach Konlir und dann wieder in den Westen, in Richtung der Bank. Sie blieben in Sichtweite der Bank stehen. Ein Mensch/Kämpfer ging geradewegs auf sie zu und blickte Chontamenti leicht abschätzend an. Dieser war der einzige der Gruppe, der zur dunklen Zusammenkunft gehörte, allerdings war ihm das egal. Dem Kämpfer nicht.
Chontamentis
Leben – eines von vielen – wurde nur durch eben jenen Kämpfer
gerettet.
Dieser wandte sich nämlich an die anderen der Gruppe:
„Gehört der zu euch?"
„Nein", antwortete Notwen, der als
einziger zu bemerken schien, dass dieser Kämpfer auch Verräter
war und er – Notwen – daher als Natla ebenfalls in höchster
Gefahr schwebte.
„Ja", antworteten Regley und Vinyó
zeitgleich mit Notwen.
„Wollt ihr euch vielleicht noch mal
absprechen?", fragte der Kämpfer.
„Ja" antwortete Notwen,
„Nein", antworteten die beiden anderen.
„So wird das nichts",
grummelte der Kämpfer. „Kann ich dann wenigsten mit euch
kommen?", fragte er.
Chontamenti, der sich anscheinend um und gegen
den kurzen Marsch von seinem Heimatort zum PK-Feld – den auf nichts
anderem standen sie hier, wie er bemerkte – entschieden hatte und
sich mit seinem üblich schlecht gelaunten Gesichtsausdruck aus
der Affäre ziehen wollte, sagte sofort: „Natürlich, wir
wollten schon die ganze Zeit nach einem Kämpfer Ausschau
halten."
Der Kämpfer hätte ihm das sogar glauben können,
hätte Chontamenti ein wenig enthusiastischer gesprochen.
Glücklicherweise
war es ihm – dem Kämpfer – egal und so sagte er: „OK, dann
mal los."
Notwen,
der eigentlich irgendwas machen, nur nicht weiter auf dem PK-Feld
stehen wollte, versuchte das Ganze ein wenig zu verkürzen: „Das
sind Graf Regley, Vinyó Kre und Chontamenti" - er deutete
auf die jeweiligen Personen - „und ich bin Notwen Caasi" „Freut
mich", erwiderte der Kämpfer. „Ich bin Rico de la Vaca"
Vinyó konnte seinen Lachkrampf als Husten tarnen und fragte
anschließend unauffällig und allem Anschein nach Interesse
halber: „Heißt Vaca nicht Kuh?"
Der Kämpfer
entwickelte automatisch eine Abneigung gegen Vinyó.
„Mitnichten mein Freund, Vaca heißt nur dann „Kuh", wenn
man es „Wakka" spricht. Mein Name wird „Wassa" ausgesprochen
und was DAS bedeutet sage ich nicht!", kam die gereizte Antwort von
Rico de la Vaca.
„Wahrscheinlich so was wie Hornochse", murmelte
Chontamenti, was zum Glück niemand hörte.
„OK, war ja nur
ein Scherz", grinste Vinyó.
Sie gingen
weiter in Richtung Westen und ignorierten die Bank. Regley freute
sich sichtlich, wieder in den Wäldern seiner Heimat angekommen
zu sein.
„Gott, was ein pottlangweiliger, hinterwäldlerischer,
abgelegener Ort", fluchte Chontamenti.
„Ganz ruhig", meinte
Notwen, „Das ist hier deren Kultur und wir sollten Graf Regley von
Hinterwaldingens Gefühle berücksichtigen" „Au Mann, der
hat auch noch ein Land das so heißt?", grinste Chontamenti.
„Ich bin vielleicht gerade etwas sentimental aber nicht tot und
erst Recht nicht taub!", zischte Regley, der an der Spitze der
Gruppe lief nach Hinten.
Vinyó lächelte über die
Auseinandersetzung zwischen Regley und Chontamenti. Hinterwaldingen
lag zwar wirklich weit ab vom Schuss aber Reikan war ja auch nicht
wirklich an den Personennahverkehr angeschlossen.
Sein Lächeln
erlosch als alle anderen stehen blieben.
Und als la Vaca und Notwen
in schallendes Gelächter ausbrachen, merkte er, dass er laut
gedacht hatte.
„Du bist nur neidisch, weil ihr bei euch keinen
Trockenwurm habt", sagte Chontamenti. Sie gingen weiter.
Im Hotel
in Anatubien machten sie eine jähe Rast. Ein Kellner, ein
dümmlich wirkender Arbeiter, kam ihnen entgegen und nahm ihre
Bestellungen auf. Sie bekamen ihre Getränke zwar schon nach drei
Minuten - und zweiundvierzig Sekunden wie Notwen anmerkte – allerdings nicht im
Geringsten das, was sie zuvor bestellt hatten.
Nach der 3. falschen
Bestellung rief Notwen nach dem Oberkellner, der sich als alter
Veteran der Dranar-Kriege entpuppte.
Er wollte dem Arbeiter sofort
sein Hackbeil in den Kopf rammen, als la Rico plötzlich Mitleid
für den armen Arbeiter überkam und er den Oberkellner
kurzerhand bewusstlos schlug.
Der Arbeiter war allem Anschein nach
aber der einzige unbewaffnete Mitarbeiter des Restaurants und so floh
die Gruppe mit dem Arbeiter Halsüberkopf vor den Messer
werfenden Kellnern und Köchen.
In Plefnir konnten sie die
restlichen Verfolger abschütteln und die letzten 2 Nachzügler
überzeugte Notwen mit einer Reihe logischer Fakten, nach denen
es besser wäre nun umzukehren.
„Danke, dass ihr mir geholfen
habt. Mein Name ist Jiko Gaga", brachte der Arbeiter nach einigen
Minuten Erholung hervor.
Vinyó, den nun gar nichts mehr
überraschen konnte, schaffte es problemlos, seine Lachattacke auf später
zu verschieben.
Wieder stellten sie einander vor, und aus Mitleid
entschied man zum Schluss, den nun arbeitslosen Kellner in die Gruppe
aufzunehmen. „Dann haben wir ja alle Rassen beisammen", freute
sich Gaga.
„Ich weiß genau, wer hier nicht mehr alle
beisammen hat", murmelte Chontamenti vor sich hin.
Ein weiteres Mal
um Diplomatie zwischen den Mitgliedern der Gruppe bemüht, sprach
Notwen nur:
„Ein dunkler Magier fehlt uns allerdings noch"
Dieser
Kommentar erforderte automatisch den Widerspruch von Vinyó:
„Mit diesen Möchtegern-Zauberern will ich nichts zu tun haben.
Wer hat überhaupt gesagt, dass in unserer Gruppe alle Rassen
vertreten sein müssen?"
„Da hat er Recht", stimmte
Chontamenti ihm bei.
„Mir ist es egal", war die zu erwartende
Antwort bei Notwen, der dann fort fuhr: „Ich glaub eh nicht, dass sich
noch jemand dazu breitschlagen ließe uns zu folgen…"
Dass
sie alle eine Rasse in Mentoran vergessen hatten fiel niemandem auf.
Notwen lag - wie alle anderen - falsch.
Weiter im
Westen standen sie nun am Friedhofs-Souvenir-Shop.
Auf dem Weg zur
Theke rutschte la Vaca auf einer undefinierbaren Masse aus und schlug
mit dem Hinterkopf auf einen am Boden platzierten Gong, der einem
Geräusch ähnelte, wie es Regley oftmals nach Blitzen gehört
hatte.
„Sie haben gedonnert?", fragte eine Stimme aus dem Zimmer
hinter der Theke.
Ein Dunkler Magier betrat den Raum und weckte
augenblicklich die Anakonda auf die er trat.
„Hey, du hättest
nicht zufällig Lust, bei uns mitzumachen, oder?", fragte Gaga
prompt.
Vinyó, der sich da gar nicht so sicher war, rollte mit
den Augen.
Wie er insgeheim befürchtet hatte, sagte der dunkle
Magier: „Ja, mir gehört der Laden eh nicht, falls ihr das
denkt, ich kam hier nur zufällig vorbei"
„Dafür kennen
sie sich ja Recht gut aus hier drinnen und wussten anscheinend auch,
wo die Kasse zu finden war", erwiderte Vinyó kühl.
„Ich
habe ein Gespür für so etwas", erwiderte sein Gegenüber.
„Davon bin ich überzeugt", spottete Vinyó.
Notwen stellte
fest, dass es inzwischen zu seiner Pflicht geworden war, die Gruppe
vorzustellen, da niemand anderes Anstalten dazu machte.
Nachdem er
alle Namen genannt hatte, gähnte der Magier ungeniert und sagte:
„Ich bin Yaxva Tijet, oder einfach nur Yax"
„Keine falsche
Höflich- oder Brüderlichkeit", grinste Vinyó.
„Das
andere war mir eh zu schwer", ergriff Gaga das Wort.
„OK,
wir können los", sagte Notwen.
„Nimm ruhig die Vordertür Yax", zwinkerte Vinyó dem Magier zu.
