Kapitel 2 – Die Auftragskiller

Sie gingen in Richtung Norden, dann lange nach Westen, bis sie in Hewien ankamen. Außer la Vaca machte keiner Anstalten ins Kampfgebiet zu gehen, sodass dieser schnell von dem Plan abließ. Dem Weg nach Süden folgend, kamen sie letztendlich ans Haus der Aufträge.
„Um das einmal klar zu stellen. Wir suchen jetzt seit geraumer Zeit irgendeinen Sinn in unserem herumwandern. Jetzt kommen wir an dieses Haus. Zufall?", fragte Regley.
Einem Instinkt folgend betraten sie das Haus und sprachen den gelangweilt dreinblickenden Natla am anderen Ende des Schalters an. „Guten Tag. Ich und meine Freunde hätten gern einen Auftrag", sagte Vinyó.
Er verkniff sich dabei ein „um den Sinn unseres Lebens zu erfüllen" und blickte den Mann nur fragend an, wohl wissend, dass der Gegenüber sich köstlich über diese Aussage auslassen könnte.
Chontamenti indessen hatte bei dem Wort „Freunde" nur die Augen verdreht.
Den Natla schien das alles nicht zu kümmern und so sprach er: „Einen Auftrag, soso. In Ordnung, dann geht nach Mentoran und verübt einen Brandanschlag auf das Nomadendorf. Zur Belohnung gibt es Treuepunkte und 100 Gold für jeden. Den Brandsatz könnt ihr euch mit einem Schein den ich euch gleich gebe am Ausgang abholen."
„Äh, In Ordnung", brachte Vinyó nur raus und warf Notwen, von dem er hoffte, dass dieser in etwa dasselbe intellektuelle Niveau wie er besaß, einen hoffnungslosen Blick zu.
Dieser rettete die Situation indem er das Schweigen brach und sich den Schein vom Natla geben ließ.

Draußen auf dem Platz brach Yax eine lautstarke Diskussion vom Zaun:
„Das Nomadendorf abfackeln? Der Typ ist wahnsinnig! Was ist mit der Neutralität der Natla?"
Notwen wurde ein wenig bleich und blieb still.
Vinyó, der darauf gewartet hatte endlich einen Streit mit dem Magier anzufangen sagte: „Sieh es mal positiv, dann brauchst du keine Angst mehr davor zu haben dir in der Gegend einen Holzsplitter einzufangen!"
„Trottel!", erwiderte Yax.
„Verräter!", sagte Vinyó.
„Feigling!", schimpfte Yax.
„Ich bin kein Feigling wenn ich darauf verzichte hinterrücks ein Dorf abzubrennen!"
„Macht doch nicht alles kaputt!", rief la Vaca dazwischen.
Yax ließ sich nicht beirren und rief Vinyó zu: „Wann warst du jemals mutig genug nach Mentoran zu gehen?"
„Wenn das dentale direkt mit den Squamosen im schwachen Zenit artikuliert!", war die verblüffende Antwort von Vinyó.
„Wie war noch mal der Mittelteil?", fragte Gaga verwirrt.
„Den?", fragte Vinyó zurück?
„Wen?"
„Den?"
„Ja"
„Den!"
„Was?"
„Wieso was?"
„Hä?"
„Was willst du wissen?", fragte Vinyó genervt.
„Den Mittelteil vielleicht?", fragte Gaga zurück.
„Ich stelle hier die Fragen!", brüllte Vinyó zurück.
„Hey, lasst die Milch nicht überkochen", grinste Chontamenti, der sich sichtlich an dem Streit freute.
„Was meinst du den dazu?", fragte Notwen ihn.
„Ich finde, wir sollten nach Mentoran und uns die Sache mal ansehen", sagte Chontamenti.
Plötzlich war alles ruhig.
Die fast peinliche Stille wurde von Gaga unterbrochen, der in seiner trockenen Art „OK, wir sollten uns beeilen", sagte.
Sie machten sich auf den Weg.

In Mentoran angekommen, schlichen sie sich, als normale Reisende – was sie auch waren – ins Dorf.
Nur Gaga schlurfte über den Boden und verursachte ein Geräusch, das mit grässlich gut beschrieben ist.
Die Hitze war für die unerprobte Gruppe unerträglich.
„Ein Wunder, dass die Bewohner nicht schon zu Asche gegrillt sind", meckerte Chontamenti.
„Das ist taktlos", sagte Vinyó, der nach Yax nun auch Chontamenti in die Liste der ihm nicht gefallenden Personen aufnahm. „Taktlosigkeit ist der Entschluss, etwas zu sagen, was andere denken", wusste Notwen anzubringen.
„Das wusste schon der alte Oscar", redete er weiter.
„War das nicht Oscar Wilde, der berühmte Schriftsteller?", fragte la Vaca.
„Er war Serum, er kann nicht berühmt sein", grinste Vinyó.
„Ich habe gehört seine Vorfahren waren Onlo", erinnerte sich Regley.
„Dann hätte er Selbstmord begangen...", hörten sie Chontamenti von vorne murmeln.

Plötzlich trat ihnen ein in weiß gekleideter Taruner in den Weg.
„Hi!", sprach er trocken.
„Hi", erwiderte la Vaca ebenso trocken.
„Ich nehme an, ihr wollt das Dorf hier mit einem Brandsatz anzünden?", fragte der Weiße fröhlich.
„Das haben wir noch nicht entschieden", sagte Notwen mit seiner Botschafter-Stimme.
„Ah ja, und wie wollt ihr das mit einer Flasche Orangensaft tun?", fragte der Weiße und deutete bei seinen Worten auf den Brandsatz, den Gaga unvorsichtigerweise offen herumtrug und der tatsächlich wie Orangensaft aussah.
„Orangensaft?", fragte Regley stirnrunzelnd.
„Das ist ein hochexplosiver Brandsatz!", platzte Gaga dazwischen.
„Und warum explodiert er dann nicht bei 50 Grad im Schatten?", lächelte der Weiße.
„Vielleicht ist es ein Brandsatz der nur bei enormer Kältezufuhr explodiert", spöttelte Vinyó, dem auch langsam Zweifel kamen.
Gaga, der nicht besonders viel Wert auf eine intellektuelle Auseinandersetzung zwischen ihm und dem Weißen gab, rief nur:
„Wenn du nicht den Weg freimachst, zünde ich das Ding!"
„Aha, obwohl du nicht weißt wie das geht?", lachte der Weiße.
„Ich schmeiß sie auf den Boden, dann wird das sicher gehen!", erwiderte Gaga ohne mit der Wimper zu zucken.
Leichte Verunsicherung machte sich auf dem Gesicht des Taruner breit.
Gaga, ganz in sein Tun vertieft, holte aus, und knallte die Flasche - ohne, dass noch einer der anderen hätte eingreifen können - mit einer enormen Geschwindigkeit gegen die nächste Hütte.
In der darauf folgenden Stille nahm Notwen einen Geruch war, der ihn sofort an Orangen erinnerte. Der Inhalt der Flasche lief unbekümmert die Hüttenwand herunter und nichts geschah.
„Puh, dann war es diesmal wieder ein Blindgänger", sagte der Weiße.
Gaga, der in einem Anflug von Ärger unbedingt Zerstörung anrichten wollte, wandte sich an la Vaca: „Dann kämpfen wir uns den Weg frei! Rico, du bist doch Kämpfer oder?"
Der Weiße, der einen Kopf größer und als Taruner auch stärker als jeder der Gruppe war, lächelte wieder und wandte sich an la Vaca, der gerade ohne besonderen Enthusiasmus seine Waffe, ein scheinbar unbenutztes Schwert des Lichts zog:
„Du bist ein guter Kämpfer. Ich weiß das, ich bin nämlich der Beste", meinte der Weiße bestimmt.
In diesem Moment explodierte der Orangensaft und alle acht wurden von den Füßen gerissen.
Als sie sich aufrappelten, sahen sie um sich ein brennendes Nomadendorf.
Der Weiße beobachtete kurz, wie seine Heimat abbrannte und wandte sich dann an die Gruppe:
„Ich hab eine Zweitwohnung in Konlir, aber die gefällt mir nicht. Zu düstere Tapete. Kann ich mit euch kommen? Mein Name ist Mr. Blanche"
„Das glaub ich aufs Wort…", brummte Yax im Hinblick auf dessen Erscheinung.
Notwen seufzte und stelle die Gruppe der Reihe nach vor.