Interlude zu Kapitel 13 + 14. Kapitel
Interlude zu Kapitel 13: Astoria
Astoria wischte sich über die
Augen.
Wahrscheinlich hatte sie ihre Wimperntusche mittlerweile
gleichmäßig über ihr komplettes Gesicht verteilt, aber das war ihr
momentan herzlich egal.
Sie schniefte noch einmal, bevor sie aus
dem Kamin stieg und mit ansah, wie die Flammen langsam von grün zu
rot wechselten.
Dabei hätte sie es ja eigentlich wissen sollen;
bis heute hatte sie sogar gedacht, dass sie das täte.
„Das hast
du jetzt davon", murmelte sie während sie möglichst leise aus der
Diele in die Eingangshalle trat.
Das Letzte, was sie wollte war
jetzt Daphne über den Weg zu laufen, die vermutlich nicht eher
locker lassen würde, bevor sie ihr die ganze demütigende Geschichte
in all ihren Einzelheiten erzählt hatte.
Mit einem
niedergeschlagenen Lächeln durchschritt sie die Halle. Bei genauerem
nachdenken stand an erster Stelle wohl doch Draco Malfoy je wieder
begegnen zu müssen, aber Daphne stand zumindest momentan ziemlich
weit oben auf der Liste.
Seufzend legte sie eine Hand auf das
Treppengeländer.
Was der wohl schon die ganze Zeit über sie
gedacht hatte?
Wahrscheinlich die Wahrheit, nämlich dass sie
einfach nur ein kleines naives Mädchen war, dass Hals über Kopf in
ihn verliebt war.
Sie konnte sich bildlich vorstellen, wie er und
dieses Mädchen, das zu allem Überfluss auch noch aussah, wie frisch
vom Cover der Witch's
Weekly,
sich gerade köstlich über sie amüsierten.
„Dumm. So
Dumm."
Tränen stiegen ihr wieder in die Augen. Sie war einfach
nur so...
„Tori?"
Astoria schloss die Augen, bevor sie sich
zu ihrer Schwester umdrehte.
Daphne hatte es gerade eben
geschafft, Draco Malfoy seinen Platz auf ihrer Liste der Menschen,
die sie unter keinen Umständen sehen wollte, fast schon wieder
streitig zumachen.
„Was willst du Daphne?" fragte sie
resigniert und wie sie zugeben musste ein ganzes Stück schroffer,
als angebracht.
Diese verdrehte die Augen.
„Ich habe gehört,
wie du gekommen bist und-„
Sie stockte, als sie sich wieder zu
ihrer Schwester wandte und sich schlussendlich die Mühe machte sie
genauer anzusehen.
„Tori? Was ist denn passiert?"
Astoria
schüttelte den Kopf.
„Nichts, das ich nicht hätte vorhersehen
können, ich denke ich gehe in mein Zimmer."
Daphne schien
allerdings nicht die Nötigkeit zu sehen, sie alleine zu lassen und
schloss zu ihr auf.
„Tori, was bei Merlins Bart ist
passiert?"
„Daphne, lass mich einfach nur in Ruhe."
Astoria
unterdrückte ein Schnauben, als sie um die Ecke bog und die nächste
Treppe hinauf stieg, eine ziemlich aufgelöste Daphne zurück
lassend.
Wieso musste Daphne sie immer so behandeln, als würde
sie jeden Moment zerbrechen?
Weil sie sich immer noch dafür
schuldig fühlte, als das ganze Chaos im Krieg angefangen hatte.
Sie
bemerkte erst, das sie wieder angefangen hatte zuweinen, als sie sich
vor ihrer Zimmertür über die nassen Augen wischte.
Eigentlich
war es ja ziemlich ironisch, dass ausgerechnet Draco ihr geholfen
hatte zwischenzeitlich darüber hinweg zukommen...
Leise vor sich
hin weinend lehnte sie sich mit dem Rücken an ihr Bett.
Bei
genauerem nachdenken sah er ihr sogar ziemlich ähnlich. Er hatte
zwar im Gegensatz zu ihr blonde und keine schwarzen Haare, aber in
seinen Gesichtszügen erkannte man doch eine ganze Menge vom
Black-Erbe.
Komisch, dass ihr das nicht schon früher aufgefallen
war...
Sie war zwar selbst Schuld, aber es tat einfach so
weh.
„Astoria?"
Dia Angesprochene starrte ungläubig zur
Tür.
Das konnte doch nicht wahr sein, durfte nicht wahr
sein...
Kapitel 14
Draco rannte ihr hinterher durch die
Menge.
Warum musste bei ihm eigentlich immer alles schief gehen,
was schief gehen konnte?
Er sah gerade noch, wie sie gut 20 Meter
weiter in einem Kamin verschwand.
Mist. Verdammter.
Drachenmist.
Frustriert trat er gegen die nächstgelegene Tür.
Und
an diesem ganzen Chaos war ausschließlich Idris
schuld.
Er schnaubte, die würde er sich auf jedenfall noch
vornehmen, aber jetzt gab es wichtigeres, mit anderen Worten:
Astoria.
Jetzt wäre wohl die Möglichkeit seine Strategie zu
wechseln und in die Offensive zu wechseln
–auch wenn sie ihn
wahrscheinlich, verständlicher Weise, nie mehr sehen wollte.
Mit
einem unguten Gefühl disapparierte er.
Er hatte zwar noch vor
kurzem eine Gelegenheit gehabt das Anwesen der Greengrasses aus
nächster Nähe zu sehen, aber er konnte trotz allem nicht umhin
schaudernd festzustellen, dass das Haus dieses Mal ein ganzes Stück
düsterer wirkte, als bei seinem letzten Besuch.
So, wie es durch
hohen Fenster von seiner Anhöhe weiß in der Dunkelheit leuchtend
auf Ankommende herunterzustarren schien, hätte es sich allerdings
auch ausgezeichnet als Illustration eines der eher düster anmutenden
Bücher in seinem Schreibzimmer gemacht.
Und dabei hatte er es
bisher eigentlich als angenehm anzusehen in Erinnerung
gehabt...
Leise vor sich hinfluchend wanderte er den langen
Kiesweg zum Haupthaus hinauf.
Bitte
Merlin, lass Daphne nicht da sein, ich würde es vorziehen hier
lebend wieder raus zu kommen...
Er
seufzte noch einmal Schicksals ergeben, bevor er nach dem schweren
Messingtürknauf griff und anklopfte.
Das hier war wichtiger, als
die –zugegebenermaßen recht hohe- Wahrscheinlichkeit sich in
handlichen Portionen im St. Mungo wieder zufinden.
Das Beste an
dieser ganzen verfluchten Situation war ja noch, dass er keine Ahnung
hatte, was er ihr sagen könnte –vorausgesetzt natürlich, dass er
es weiter als bis zur Tür schaffte.
Mit einem Ruck öffnete sich
die Tür und Draco sah sich Auge zu Auge gegenüber von Mr.
Greengrass.
Mr. Greengrass war jemand, dem Draco bisher nur ein
paar Male bei Gesellschaften über den Weg gelaufen war, doch schon
das hatte gereicht um ihn Vermuten zu lassen, dass es wohl ganz gut
war es vorsorglich auch bei nur eben so vielen Begegnungen mit dem
reservierten Zauberer zu belassen.
„Womit haben wir denn diese
Ehre verdient?" Er hob eine Augenbraue, für Dracos Geschmack ein
ganzes Stück zu süffisant, hoch und blickte ihn, seine Nase hinab,
an.
Draco unterdrückte ein Schnauben.
Das konnte er schon bei
seinem Vater nicht ausstehen und die Tatsache, dass er diese nervige
Angewohnheit mittlerweile unbewusst übernommen hatte machte es auch
nicht gerade besser...
„Wissen Sie, Sir,
es ist so-„
„Draco.
Was. Hast. Du. Getan?!"
Sowohl der Angesprochene, wie auch Mr.
Greengrass fuhren unwillkürlich wieder zur Tür herum, in der eine,
augenscheinlich vor Wut kochende Daphne lehnte.
„Daphne, ich
denke nicht-„ wandte sich ihr Vater streng an Daphne, doch sie fuhr
ihm über den Mund.
„Nein, Vater! Du hast keine
Ahnung."
Angesichts des harten Gesichtsausdrucks, der dieser
mittlerweile zur Schau trug befand Draco das durchaus als mutig.
Zu
Schade, dass der Grund für diesen Wahnwitz die Wut auf ihn
war...
Sie funkelte ihn bedrohlich an, als sie sich an ihrem Vater
vorbei auf Draco zu schob.
„Was hast du getan?", fragte sie
ihn leise durch zusammengebissene Zähne. „Und wage erst gar nicht
zu behaupten du wüsstest nicht wovon ich rede."
Draco hielt es
in dieser Situation für Weiser sie nicht darauf hinzuweisen, dass er
wohl kaum hier wäre, wenn dies der Fall wäre.
Sie trat noch
einen Schritt nähe auf ihn zu.
„Also, ich warte. Erkläre mir,
warum meine kleine Schwester es für nötig hält sich in ihrem
Zimmer zu verbarrikadieren und
nicht mit mir redet!"
„Daphne..."
Jetzt
war allerdings auch Mr. Greengrass hellhörig geworden.
„Astoria?"
Er
musterte Draco verächtlich.
„Was genau haben Sie mit meiner
Tochter zu schaffen?"
Und wiedereinmal hatte er sich wohl
geirrt. Daphne alleine war harmlos, zusammenmit ihrem Vater war sie
gemeingefährlich.
Aber er war nach wie vor ein Malfoy, das hieß
Haltung bewaren.
-Mr. Greengrass tastete doch wohl hoffentlich
nicht gerade in seiner Umhangtasche nach seinem Zauberstab?
Die
Entscheidung entweder Haltung zu bewahren, oder
sich auseinander nehmen zu lassen wurde ihm zu seiner großen
Erleichterung abgenommen, als Mrs. Greengrass nach dem Ursprung des
Tumultes sah.
„Graham, Daphne, was ist hier los?"
Sie
schaute missbilligend zwischen ihrem Mann und ihrer Tochter hin und
her –und blieb schließlich bei Draco hängen.
Ihre Miene hellte
sich augenblicklich auf.
„Draco, was machst du denn hier?"
Die
finsteren Blicke ihrer Familie ignorierte sie schlicht weg.
„Ähm,
es ist so, es geht um Astoria-" begann er
vorsichtig.
Augenscheinlich hätte er sich bei ihr allerdings
keine Sorgen machen müssen, da bei ihr der gleiche Blick
aufflackerte, den auch Narzissa Malfoy zuzeigen pflegte, wenn sich
ihr gerade eine Möglichkeit ihren Sohn zuverkuppeln eröffnet hatte.
„Aber warum sagst du das nicht gleich mein Lieber?"
Sie
schenkte ihm ein Lächeln.
„Den Weg findest du doch sicher,
oder? Also nichts wie rauf mit dir."
Daphne starrte ihre Mutter
fassungslos an.
„Mutter! Du weißt doch gar nicht-„
Mrs.
Greengrass schüttelte entschieden den Kopf.
„Nichts da, ihr
kommt jetzt beide mit. Wir klären da einmal gleich etwas."
„Aber
Mutter!"
Das letzte, was er hörte, bevor er die Treppe hinauf
flüchtete war ein barsches „Salon!"
seitens Mrs. Greengrass.
+
Er wurde immer langsamer
je näher er ihrem Zimmer kam.
Der Rattenschwanz von neugierigen
Greengrass-Vorfahren, die ihm von Bild zu Bild folgten half
allerdings auch nicht gerade, aber am schlimmsten war das krampfhafte
Gefühl in seinem Magen.
Was
wäre, wenn sie ihm nicht glauben würde?
Verdenken könnte er es
ihr nicht, immerhin war die Situation ja ziemlich eindeutig
gewesen.
Seufzend klopfte er an ihre Tür.
„Astoria?"
Sein
Magen zog sich zusammen, als die Stille nicht enden wollte.
Was
wenn sie es sich nicht noch einmal anders überlegen würde...?
Ihm
wurde schon schlecht, wenn er nur darüber nachdachte.
„Astoria,
es war nicht so, wie es aussah..."
Draco biss sich auf die
Zunge.
Viel abgedroschener hätte er nicht beginnen
können...
Diese Ansicht teilten wohl auch ein paar seiner
ungewollten Zuhörer, da ein, in einem nahe liegenden Portrait
sitzender, Zauberer sich eine verächtliche Antwort nicht verkneifen
konnte.
„Junge, dir ist aber schon klar, dass sie das alle
sagen?" Er lachte schallend.
„Ambrosia, das sind deine Gene,
hallte es dir nur vor Augen."
Eine blonde Hexe seufzte entnervt
ihn Böse an.
„Sei du nur leise, du hast doch meinen Bruder
schon nicht ausstehen können.
Dabei hat Abraxas dir nie etwas
getan, mein Lieber."
Draco verdrehte entnervt die Augen.
„Könnt
ihr einmal alle miteinander leise sein! Ich versuche hier etwas zu
regeln und es ist schon schwer genug, wenn ihr gerade nicht
dazwischen redet!"
Zufrieden registrierte er, wie sich die
Gesellschaft grummelnd einige Portraits weiter nach hinten
bewegte.
Mittlerweile war der Schmerz von seinem Magen in seinen
Schädel gewandert.
Seufzend lehnte er seine Stirn gegen die
Tür.
„Astoria, es war..."
Ein ersticktes Schnauben kam von
der anderen Seite der Tür.
„Ja, ich weiß „es
war nicht so, wie es aussah".
Das hast du eben allerdings scheinbar noch anders
gesehen."
Frustriert wiederstand er gerade noch so dem Drang
seinen Kopf gegen die Tür zu schlagen.
„Wie kann ich es dir nur
erklären... Ich... Ok, es ist vielleicht meine Schuld, dass ich ihr
nicht nachdem sie sich das zweite mal an meine Fersen geheftet hat
gesagt habe, dass sie sich dorthin verziehen soll wo der Pfeffer
wächst, anstatt mich zu nerven, aber ich hätte doch nicht gedacht,
dass sie so dreist..."
Er seufzte.
„Ich hätte sie doch
sofort zum Teufel geschickt, hätte ich gewusst, was sie versuchen
würde."
Es war kurz still, bevor eine leise Antwort von der
anderen Seite der Tür kam.
„Und woher will ich wissen, dass du
es jetzt ernst meinst? Mit mir und nicht mit ...ihr?"
Da er es
nicht für sonderlich weise hielt sie auf die Lebensgefahr aufmerksam
zu machen, die von ihren Familienmitgliedern ausging versuchte er es
mit der anderen Hälfte der Wahrheit.
„Wäre ich denn sonst
hier, bei dir?"
Einige Sekunden lang herrschte Stille, dann
hörte er, wie sich jemand der Tür näherte.
Er konnte gerade
noch einen Schritt zurück machen, bevor sich die Tür öffnete und
ihn am Kopf treffen konnte.
Sie lehnte in der Tür, das Make-up
war um ihre Augen verschmiert und einzelne Strähnen hatten sich aus
ihrer Frisur gelöst. Mittlerweile schien sie sich wieder
einigermaßen gefasst zu haben, aber ihre Augen waren noch gerötet
vom Weinen.
„Deine Logik ist irgendwie... einleuchtend"
murmelte sie.
Er lächelte schwach.
Sie wirkte immer noch
aufgelöst –und wunderschön.
„Schön, dass du das auch so
siehst."
Jetzt spielte auch um ihre Mundwinkel ein
Lächeln.
Zögernd schaute sie zu ihm hoch.
„Wie hast du es
eigentlich an Daphne vorbei geschafft?"
Gedankenverloren nahm er
ihre Hand und zeichnete ein Muster auf ihren Handrücken.
Die
diplomatische Antwort war in diesem Fall der ehrlichen wohl eindeutig
vorzuziehen...
„Das willst du gar nicht so genau wissen, aber
ich mag deine Mutter."
Draco musste sich ein Grinsen verkneifen,
als sie rot anlief, als ihr aufging, was das wohl zu bedeuten haben
konnte.
„So schlimm war es auch nicht." Sie schaute ihn
ungläubig an. „Ok, war es doch, aber es hat sich ja im Endeffekt
gelohnt."
„Ach, und warum?"
Es wäre natürlich möglich,
dass er sich das Grinsen, das kurz über ihr Gesicht gezuckt war nur
eingebildet hatte, aber er bezweifelte es.
„Wegen dir,
natürlich, du Naseweiß."
Er lachte leise in sich hinein, als
sie verstimmt die Stirn runzelte.
Das war eine der kleinen Gesten,
die er so faszinierend an ihr fand...
Zögernd schaute er ihr in
die Augen. Es war wahrscheinlich der denkbar schlechteste Augenblick
dafür, aber Feingefühl war allerdings noch nie seine Stärke
gewesen...
„Astoria, ich... ich liebe dich."
Sie lächelte
ihn an, das erste echte Lächeln, das er von ihr in den letzten
Minuten gesehen hatte.
„Weißt du, darauf habe ich gewissermaßen
gewartet."
Und selbst die anerkennenden Pfiffe, die aus den
umliegenden Portraits ertönten, als sie sich auf die Zehenspitzen
stellte um ihn zu küssen, konnten den Moment nicht mehr ruinieren.
