Ah, tut mir leid, hat länger gedauert als geplant, aber mein Schlafpensum ist schon auf Minimum geschraubt, da lässt sich nicht mehr drehen… Werd den zweiten Teil hierzu aber hoffentlich am Wochenende fertig kriegen. Hoffe ihr seid- und bleibt- dabei. Bis bald!

Kapitel 6. Ein Kater auf Abwegen- Teil I

Blitzschnell zog die Hand sich zurück. Lucy mauzte empört auf. So wichtig konnte der Besuch gar nicht sein. Moment, Besuch? Seit wann bekam dieser Mensch eigentlich Besuch? Nein anders, wer würde ihn besuchen? Lucy blickte zu ihrem neuen Wahlherrchen auf und staunte. Die plötzliche Veränderung war direkt Oscarreif. Wie stell der Mensch seine kalte Fassade wieder am Mann hatte...

„Herein." Selbst die Stimme klang so kalt und unnahbar wie eh und je. Vorsichtig öffnete sich die Tür und fast zögernd schob sich ein schwarzer Wuschelkopf durch den Spalt. Lucy zwinkerte. Nochmal. Nein, selbst nach dem dritten Augencheck war und blieb dieser unverschämte Eindringling Harry Potter. „Darf ich stören Professor?" Die Frage war selbst für ihre empfindlichen Ohren kaum hörbar, doch Snape nickte. Potter trat nun ganz durch die Tür und schloss sie hinter sich. Lucy hatte auf einmal dieses typische Im- falschen- Film- Gefühl. Sie in Snapes Zimmer war schon unreal, aber Harry Potter, noch dazu von Snape aufgefordert- völlig undenkbar. Trotzdem stand er da, zerrzauste Haare, Brille plus Narbe, ausgewaschene Jeans und T-Shirt. Unverkennbar Harry Potter eben. Nur das Lächeln kannte Lucy nicht. Sie sah ihn zwar täglich im Unterricht (oder wenn er mal eben Slytherin im Quidditch besiegte- Mistkerl) aber dieser Gesichtsausdruck war neu.

„So verschlossen heute Professor?" fragte Harry und deute mit einem Kopfnicken auf die Schlafzimmertür. „Ich wüsste nicht was sie das anginge Potter." antwortete Snape und ging einen Schritte auf seinen Gegenüber zu. Das Grinsen in Harrys Gesicht verstärkte sich. Lucy schluckte. Das konnte ja wohl kaum bedeuten, was sie zu glauben begann dass es bedeutete.

„Statt in diesem dümmlichen Grinsen ihre intellektuellen Fähigkeiten wiederzuspiegeln, sollten sie mir lieber schleunigst verraten, was sie hier zu suchen haben." Bei diesen Worten verschränkte der Professor die Arme vor der Brust und richtete seinen Blick starr auf den Jungen. Harry schien davon allerdings keinesfalls beeindruckt. Stattdessen ging er betont lässig auf einen der weichen Sessel zu und stützte sich auf dessen Lehne. „Ich dachte mir, dass der Herr Professor vielleicht ein wenig Gesellschaft gebrauchen könnte."

Lucy war sich nicht ganz sicher, ob sie diese Szene weiter beobachten, oder lieber in Deckung gehen sollte. Sie selbst hatte den Augen des Lehrers nur selten solche Funken entlocken können und es war nie auch nur annährend glimpflich für sie ausgegangen.

„So." sagte Snape. „Mr. Potter hat sich nach diversen Jahren an dieser Schule tatsächlich endlich daran gewagt mit dem Denken anzufangen. Bedauerlicher Weise scheint es aber nicht eines ihrer unzähligen Talente zu sein. Aus diesem Grund würde ich empfehlen, dass sie unverzüglich meine Räumlichkeiten verlassen und sich einer ihnen – ehm, besser entsprechenden Tätigkeit zuwenden."

Trotz der Mischung aus gefährlich sanfter Stimme und den starren Gesichtszügen, schien sich Harry nicht im Geringsten beeindrucken zu lassen. Vielmehr setzte er sich nun halb auf die Armlehen und kratzte gelangweilt am Bezug. „Ich wüsste aber keine bessere Tätigkeit. Außerdem gefällt mir diese hier ganz gut."

„Ach kommen sie Potter, Ich-bin-der-Weltretter-also-verneigt-euch-Posen müssen geübt und Autogramme geschrieben werden. Und Schulregeln brechen sich auch nicht von allein. Sie wollen doch ihre Fans nicht enttäuschen."

Statt einer Antwort widmete sich Harry nur intensiver dem grünen Polster und hob nicht einmal den Kopf, als Snape auf ihn zukam. Dicht vor ihm blieb der Lehrer stehen und begann beton langsam zu sprechen. „Potter, ich wünsche, dass sie sofort diesen Raum verlassen." Lucy hätte bei diesem Ton schon längst die Flucht ergriffen, doch der Junge rührte sich nicht.

„ICH SAGTE SOFORT!"

Wütend packte Snape Harry beim Kragen und zog ihn zur Tür. Doch Harry war nicht umsonst Sucher der Gryffindors. Noch ehe Snape die Tür öffnen konnte, hatte sich der Junge geschickt aus dem Griff gewunden und den Professor mit dem Rücken an die Wand gedrückt. Harry stand nun, die Arme zu beiden Seiten des Lehrers gegen die Steine gestützt vor Snape und Lucy sah, wie sich sein Atemrhythmus beschleunigte. Die Gesichter der beiden berührten sich fast, doch noch immer waren Snapes Züge hart und abweisend wie die einer Maske. Als er zu sprechen ansetzte glaubte Lucy fast einen Hauch von Ekel zu erkennen. „Wenn sie nicht sofort verschwinden Potter, vergesse ich mich." Die Worte waren kaum zu hören, aber Lucy spürte wie sich ihr Fell zu stäuben begann.

Der Junge wich ein Stück zurück und betrachtete seinen Gegenüber. Dann legte er den Kopf ein wenig schief und lächelte „Genau dieses Ziel verfolge ich mit meinen Handlungen, Sir." Lucy hielt den Atem an. Die Szene vor ihr schien für einige Sekunden wie festgefroren. Dann

Snape streckte die Hand aus und fuhr Harry durch das Haar. Mitten in der Bewegung hielt er inne, krallte die Finger in den schwarzen Schopf und zog den Jungen näher an sich heran. Ihre Gesichter waren nur noch Millimeter von einander entfern. Einen Augenblick noch schien Snape zu zögern, dann, ganz sanft, überwand er die letzte Distanz und berührte Harrys Lippen mit den seinen.