Diesmal war die Pause etwas länger, hatte keinen I-net-Zugang, sehr belastend für jemanden der abhängig ist… Jedenfalls: Danke für eure Geduld!
Kapitel 9. Kätzchen in Nöten
Bevor Lucy sich noch tiefer in ihre Depression stürzen konnte, verließ Snape den Raum. Das ging nun aber nicht, erst zerstörte er ihr Leben und ließ sie dann sitzen? Nix da. Nicht mit ihr. Lucy erreichte Snape als er gerade aus der Wohnung trat. „Heute bleibst du wohl bei mir?" fragte Severus und betrachtete verwundert das Kätzchen an seiner Seite. Sie gingen gemeinsam durch die dunklen Flure hinauf in sein Klassenzimmer (jaa,jaa, kaum zu glauben, aber es gibt tatsächlich etwas, dass noch tiefer liegt als die Heilige Halle der Zaubertränke).
„Aß der Mensch eigentlich kein Frühstück?" Lucys Magen knurrte beträchtlich. Sie hatte sich auf dem Schreibtisch zusammen gerollt und ließ nun seit einer halben Stunde neugierige Schülerblicke über sich ergehen. Parallel dazu lief irgendwo in dir Freiheit Kräuterkunde. Und sie fehlte, auweia. Die Zeit schien unendlich langsam zu vergehen. Zumindest würde sie nicht allzu lange ein Kätzchen bleiben, der Hungertod war schon am einsetzen, dachte Lucy sarkastisch. Noch eine Stunde, noch mehr Schüler und noch ekligere Zaubertränke. Bäh! Apropos Zaubertränke... Hätte sie die heute nicht auch. Lucy versuchte sich gerade auszurechnen, welche Stunde momentan lief, als es klingelte. Nahezu fluchtartig verließen die Schüler das Gewölbe.
Es dauerte einige Minuten, bis neue Schritte auf der Treppe hörbar wurden. Neugierig blickte Lucy zur Tür und hinein trat... Malfoy. Au nein. Das Kätzchen beobachtete ihren Klassenkammeraden, als er an seinen Platz ging. Schon nach kurzer Zeit war der Raum erneut gefüllt. Die Katze auf dem Lehrertisch schien einige Unruhe auszulösen, doch pünktlich zum Stundenklingen, verebbte diese schlagartig. Mit unbewegtem Gesicht ließ Snape seinen Blick über die Klasse schweifen, plötzlich stockte er und eine Augenbraue hob sich fragend.
„Wieso beehrt uns denn Miss Wilde heute nicht mit ihrer überaus bereichernden Anwesenheit?" Susan, die neben dem leeren Stuhl saß, wurde bis zum Haaransatz rot, als Snapes stechende Augen sich direkt auf sie richteten. Woher sollte Susan bitte wissen wo ich bin, dachte Lucy und betrachtete ihre Freundin mitleidig. Sie wusste nur zu gut, wie sehr sich Susan vor diesem Mann fürchtete. „Ähh... Sie ist krank." Snapes Blick wurde schlagartig misstrauisch. „Krank? Und wieso weiß ich das, als ihr Hauslehrer nicht?" Susan schrumpfte zusehends bei jedem Wort. Ok, das reicht. Die gesamte Klasse, den unterrichtenden Lehrer eingeschlossen, zuckte zusammen, als das Kätzchen zu miauen begann. Sie mauzte so erbärmlich, dass sämtliche Katzen der Nachbarschaft sicherlich von Muttergefühlen überwältigt worden wären.
Mit einem ungeduldigen Wink ließ Snape die Schüler ihre Arbeit beginnen und wandte sich flüsternd an den Unruhestifter. „Na aber was hast du denn Süße?" Bin vernachlässigt, hungrig und übermüdet. Lucy stoppte ihr Miauen bei der plötzlichen Zuwendung nicht, im Gegenteil. Immerhin starb sie hier fast. Die weit aufgerissenen Katzenaugen schienen Snape den entscheidenden Hinweis zu liefern. Er murmelte einige Worte, schwang den Zauberstab und schon stieg Lucy der verlockende Duft süßer Sahne in das Näschen. Na endlich! Befriedigt schleckend begann sie, sich ihrem Frühstück zu widmen.
Nachdem das Schälchen bis auf den letzten Tropfen gelehrt war, seufzte Lucy zufrieden. Das war nötig gewesen. Snape saß wieder über seine Pergamentrollen gebeugt und schaute nur gelegentlich zu den Schülern. Was schrieb dieser Mensch eigentlich ständig? Soviel Arbeitseifer konnte doch eigentlich nicht gesund sein. Gelangweilt wandte Lucy den Blick ab. Normalerweise hätte sie diese Stunde damit verbracht den Lehrer detailliert zu studieren, aber irgendwann brauchte man selbst von Snape eine Pause.
Susan schien ohne Lucys Hilfe nahe am verzweifeln. Sie war noch nie besonders gut im Zaubertränkebrauen gewesen und der heutige Trank war nicht der leichteste. Lucy beobachtete wie der Gesichtsausdruck ihrer Freundin dem Longbottoms sehr ähnlich wurde. Das würde noch Ärger geben... Ob Katze oder nicht, konnte sie Susan doch nicht so hängen lassen. Entschlossen sprang Lucy vom Tisch und lief zu ihrer Freundin.
Auf diese Gelegenheit hatte Malfoy schon seit Beginn der Stunde gewartet. Das hilflose Tier auf dem Lehrertisch schien ihn ausgesprochen zu reizen. Als Lucy an seinem Kessel vorbeischlich, machte er einen Satz nach vorn und versuchte sie zu greifen.
Oh bitte Draco. Soll das ein Scherz sein? Geschickt wich Lucy seinen Händen aus, schlüpfte durch Grabbes Beine und verschwand unter dem nächsten Tisch. Malfoy hatte unglücklicher Weise nicht mit dem Fehlschlagen seiner Sucherkünste gerechnet. So ließ ihn der eigene Schwung ausgesprochen unsanft gegen seinen Kessel stoßen, welcher daraufhin umkippte und seinen Inhalt zischend und knisternd über den Steinfußboden ergoss.
Während Snape voll unterdrückter Wut versuchte das Missgeschick wieder in Ordnung zu bringen, lief Lucy hinüber zu Susan. Diese starrte gebannt zu Malfoy hinüber, während der Inhalt ihres eigenen Kessels gefährlich zu brodeln begann. Schnell sprang Lucy auf den Tisch, überflog die Zutaten und schlug dann mit der Pfote gegen eine Plimpy- Flosse. Die marmorierte Flosse rutschte über den Tischrand und fiel direkt in den Kessel. Tooor! Lucys Erfolgsgefühl wurde von Susans entsetztem Quicken unterbrochen. „Du dämliche Katze hast mir den Trank versaut." Na aber Hallo! Lucy starrte ihre Freundin perplex an. Ich hab ihn dir gerettet du Schaf.
Doch scheinbar war Susann momentan nicht in der Lage die an ihr vollbrachte Wohltat zu erkennen. Wütend packte sie das Kätzchen am Nacken und hielt es über den Kessel. Lucy mauzte kläglich als der heiße Dampf sie streifte. „Da! Guck was...du... an..." Susan ließ erstaunt den erhobenen Arm samt Kätzchen sinken. Seit einer halben Sunde hatte sie versucht die erste Zwischenstufe des Trankes zu erreichen. Erfolglos. Und plötzlich stand er vor ihr, Purpurrot mit gelber Marmorierung. Einfach perfekt. Das Mädchen starrte fassungslos auf das Kätzchen in ihrer Hand, dann auf den Trank und wieder auf die Katze. Wäre Lucy ein Mensch gewesen hätte sie jetzt die Arme verschränkt und die Freundin mit einem „Na, Blitzmerker?"-Blick gemustert. Nunja, zumindest der Blick blieb ihr.
Sehr vorsichtig setzte Susan das Kätzchen auf den Tisch und schaute es mit einer Mischung aus Misstrauen und Erwartung an. Eigentlich hätte Lucy es vorgezogen zu Schmollen, doch die Stunde neigte sich dem Ende. Schnell tippte sie auf einige Zutaten, die Susan, ohne zu Zögern, in den Kessel warf. Fünf Minuten vor dem Klingeln stand der fertige Trank schimmernd vor ihnen. Gedankenverloren streichelte Susann die Katze, völlig in den Anblick ihrer Arbeit versunken. Dabei streifte sie das Halsband. Unwillig zuckte Lucy bei der unliebsamen Erinnerung zusammen und versuchte sich noch einmal von der Fessel zu befreien. Vergebens.
„Nanu, stört dich das Ding." Susan beobachtet interessiert wie ihr kleiner Helfer mit seinem Halsband kämpfte. „Ist die wohl zu eng? Warte ich mach es weiter." Kaum hatte das Mädchen das Band geöffnet, schnappte Lucy es ihr aus der Hand, sprang vom Tisch und kroch unter einen Schrank. Als zum Klingeln die Kerkertür aufgerissen wurde, schlüpfte sie zwischen den Schülern hinaus und rannte in die nächste Mädchentoilette.
Himmel war das schön wieder Mensch zu sein. Zum ersten mal seit langem freute Lucy sich über das, was sie im Spiegel sah. Aber was mach ich jetzt mit dir? Ratlos betrachtete sie das Halsband in ihrer Hand. Um Snape wieder besuchen zu können und das wollte sie definitiv, musste sie einen Weg finden das Band in die Verwandlung mit einzubeziehen. Vielleicht als Kette? Einen Spruch murmelnd tippte sie mit dem Zauberstab gegen die hinterhältige Fessel und schon verwandelte sich das Band in eine dünne Lederschnur. Vorsichtig legte Lucy sich die Kette um. Auffällig glänzend lag der silberne Anhänger auf ihrer Uniform. Nun, dem konnte ja abgeholfen werden dachte Lucy lächelnd und ließ die verräterische Kette unter ihrer Bluse verschwinden.
