Ironie des Schicksals

„Rokko, ich weiß nicht, was ich mit dir noch machen soll", seufzte Nils. Er war Rokkos Mitbewohner aus Studienzeiten, hatte aber mittlerweile seine eigene Arztpraxis. „Ich meine, dich schon wieder krankzuschreiben… das bringt dir nichts. Du brauchst endlich eine Therapie. Ich werde dich zu einem Psychologen überweisen. Ich kann dir da einen Kollegen empfehlen, der…" – „Nein", fiel Rokko seinem Freund ins Wort. „Das will ich nicht. Der wird mir doch nur irgendwelche Anti-Depressiva verschreiben und das will ich nicht." – „Das kann ich ja verstehen", lenkte Nils ein. „Aber irgendetwas müssen wir tun. Die Hochzeit ist jetzt fast ein Jahr her und du bist immer noch ein Häufchen Elend." Rokko seufzte. „Ich weiß. Glaubst du, mir macht das Spaß, immer noch so vor mich hinzudümpeln? Ich wäre ja auch gerne wieder ich selbst. Vielleicht sollte ich einfach mal hier raus." – „Das ist eine gute Idee", bestätigte Nils. „Was hältst du von Urlaub? Sonne, Stand, Meer, Palmen…" – „Bäh, das geht gar nicht. Dann schon lieber Wald, Sturm, See zum Angeln…" – „Aber?", hakte Nils nach. „Aber das kann ich mir im Moment nicht leisten. Ich habe keinen Job, schon vergessen?" – „Dann such dir einen Job", forderte Nils ihn mit Nachdruck auf. „Ich bin ein Wrack. So kriege ich doch nicht mal den ‚Und Fritten dazu?-Job beim Fast-Food-Clown." – „Okay, okay. Erst Erholung, dann ein neuer Job", fasste Nils zusammen. „Ich mache dir einen Vorschlag: Wir beantragen eine Kur für dich. Irgendwie kriege ich die schon durch. Du erholst dich da gut und wenn du zurück bist, bist du wieder der alte Rokko. Der, mit dem ich mal in einer WG gelebt habe. Der, der ganze Nächte mit mir die lateinischen Bezeichnungen diverser Körperteile gelernt hat, okay?" – „Okay", lächelte Rokko schwach. Er hatte Zweifel, dass er je wieder dieser Rokko sein würde. „Gut, dann mach Platz für die wirklich kranken Patienten, ja? Ich warte immer noch darauf, meinen ersten Ebola-Fall zu haben." – „Ebola? Wäre es nicht besser, wenn dir das nie passieren würde?", fragte Rokko irritiert. „In der Tat, das wäre es", lachte Nils. „Aber es wäre eine Abwechslung zu Schnupfen…"