„Nils, was machst du denn hier?", wollte Rokko von seinem Freund wissen, als er diesen eines Tages auf dem Krankenhausflur traf. „Ich habe deine Arlette besucht", entgegnete Nils. „Ist alles in Ordnung mit ihr?", fragte Rokko besorgt. „Ja… naja… es geht. Rokko, komm, setz dich mal", forderte Nils ihn auf und deutete auf eine Sitzgruppe. „Was ist denn? Muss ich mir doch Sorgen machen? Nils, sag was!" – „Es ist so… deine Freundin hat Mukoviszidose. Das ist eine ernstzunehmende und im Regelfall tödlich verlaufende Krankheit. Das weißt du." – „Ja, das weiß ich. Aber ihr tut hier doch alles für sie, oder? Sie kriegt eine Transplantation und dann…" – „Rokko, Rokko", beschwichtigte Nils seinen Freund. „Bettina trägt den Tubus jetzt seit Wochen, seit fast vier Monaten. Rokko, das ist eine starke Belastung für sie. Auch wenn du immer bei ihr bist und sie unterstützt. Sie kann nicht mehr. Sie hat eine Verfügung unterschrieben." – „Eine Verfügung?", wollte Rokko wissen. „Ja, eine Verfügung. Sie will extubiert werden." – „Aber dann… dann erstickt sie", schlussfolgerte Rokko den Tränen nahe. „Das weiß sie. Das habe ich ihr erklärt. Rokko, sie ist schwer krank. Sie will nicht weiterkämpfen." – „Aber sie muss", fiel Rokko seinem Freund ins Wort. „Sie kann doch jetzt nicht aufgeben. Es dauert bestimmt nicht mehr lange, bis sie ein Organ kriegt und… Nils, was wird denn dann aus mir? Ich überstehe es nicht, Arlette zu verlieren. Nils, ihr müsst doch etwas tun können." Nils schluckte hart. „Die Medizin hat ihre Grenzen, Rokko. Sie will es so. Sie ist klar bei Verstand und das ist keine übereilte Entscheidung. Sie hat darüber nachgedacht und sich alle Optionen erläutern lassen…" – „Wann? Wann ziehen die ihr das Ding aus dem Hals?" – „Heute noch. Sie will noch ein paar Augenblicke mit dir und dann…" Rokko drehte sich beiseite, um sich die Tränen vom Gesicht zu wischen. „Sie ist in ihrem Zimmer?", wollte er dann von Nils wissen. „Ja, ist sie. Wo auch sonst?" – „Ja, wo auch sonst?", fragte Rokko verbittert. „Bist du dabei, wenn… Ziehst du ihr den Tubus?" – „Ich bin kein Angestellter dieses Krankenhauses. Ich…" Nils zögerte. Als er Rokkos verzweifelnden Blick sah, riss er sich aber zusammen: „Ich werde fragen, ob ich dabei sein kann, okay?"
