„Arlette, du wirst mir so fehlen", schluchzte Rokko. „Ich will nicht, dass du gehst, aber ich will auch nicht, dass du leidest. Kannst du nicht noch ein bisschen durchhalten? Du kriegst bestimmt bald eine Spenderlunge." Arlette warf Rokko einen Blick zu. Schwach hob sie ihre Hand und streichelte über seine. Sie hoffte inständig, dass er verstand, was sie ihm sagen wollte. „Weißt du noch, wie wir uns kennen gelernt haben? Wie du mein Kurschatten wurdest oder ich deiner? Zu dem Zeitpunkt dachte ich, ich könnte nie wieder lieben…" Rokko hielt inne, um seine Tränen wegzuwischen. „Und jetzt willst du einfach so gehen? Das schlimmste ist, dass ich dich verstehen kann. Ich fühle mich so hilflos. Ich sehe dich an und sage mir: Ich kann sie verstehen, aber der Egoist in mir will, dass du bei mir bleibst." Nils warf dem Dienst habenden Arzt einen Blick zu. Dieser nickte. „Wir sind dann soweit", verkündete er. „Weißt du noch? Unser erster Kuss…" erinnerte Rokko seine Arlette. „… im Park. Nicht weit von der Stelle, wo ich dich gefunden habe, als du gestürzt warst." Arlette nickte schwach. „Wir wollten doch eine Weltreise machen, uns eine größere Wohnung suchen, Kinder ha… adoptieren." Der Arzt trat an Bettina heran und griff nach dem Tubus. „So, Frau Hübner, einmal tief einatmen und wenn ich ihn rausziehe, ausatmen, okay?" Arlette zwinkerte, um dem Arzt zu verstehen zu geben, dass sie wusste, was zu tun war. Rokko nahm die Hand seiner Freundin und führte sie an seinen Mund. „Mein tapferer Schatz", seufzte er. Eigentlich wollte Rokko noch etwas sagen, doch in dem Moment flog die Tür des Krankenzimmers auf. „Nicht!", japste eine Krankenschwester schweren Atems. Wie eine Wilde war sie von der anderen Station angerannt gekommen. „Es ist ein Spenderorgan gefunden worden. Gleich hier bei uns im Haus. Sie muss sofort für die OP vorbereitet werden." Rokko sprang auf und riss Arlettes Hand ein Stück mit sich. „Hast du das gehört, Schatz? Sie haben ein Organ für dich. Du wirst dich doch… operieren lassen?", versuchte er seinen Enthusiasmus zu bremsen. Er sah zu ihr herab und sah, wie ihr Tränen über die Wangen perlten.
