„Arlette? Post für dich", verkündete Rokko, als er ins Kinderzimmer kam. „Von der Deutschen Stiftung Organtransplantation." – „Oh", entfuhr es Arlette überrascht. „Vielleicht ist das die Antwort auf meinen Brief." – „Du hast der Familie des Spenders wirklich geschrieben?", fragte Rokko. Dabei sah er seine Frau liebevoll an. „Ja, das habe ich. Ich wollte einfach Danke sagen." – „Ich schätze, das müsste ich auch", seufzte Rokko. „Das war schon haarscharf damals." – „Das war es." Ohne aufzusehen riss Arlette den Briefumschlag auf. „Oh, sieh mal. Die beiden sind ja süß", entfuhr es ihr verzückt. „Sind das die Kinder des Spenders?", wollte Rokko wissen. „Das sind sie. Sylvana und Jonas. Vier und zwei Jahre alt." Arlette nahm in dem Schaukelstuhl, der am Fenster des Kinderzimmers stand, Platz und las Lisas Brief. „So eine traurige Geschichte", seufzte sie. „Ich bin froh, dass ich dich habe", gestand sie Rokko, bevor sie ihre Arme um seinen Hals legte und ihn innig küsste. „Und ich bin froh, dass ich dich habe. Ist der Kleine dann ausgehfein? Wir wollten doch ein bisschen an die frische Luft." – „Ja, ist er. Komm, Eduardo, es geht spazieren", kündigte Arlette ihrem Adoptivsohn an. Dann hob sie ihn aus seinem Gitterbettchen. „Der Papa nimmt dich schon mal…", entschied sie und drückte Rokko das Kind in den Arm. „… und setzt dich in den Kinderwagen. Mama muss noch mal für kleine Transplantat-Empfängerinnen", grinste Arlette dann. „Wir sehen uns im Hausflur."
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