Müde schloss Hermine die Tür ihrer Garderobe hinter sich und apparierte in das nahe gelegene Hotel

Das Publikum applaudierte und verlangte lautstark nach einer Zugabe. Ricky Alan kam dem natürlich nach und sang noch zwei ihrer schönsten Lieder, bis sie erschöpft von der Bühne in ihre Garderobe lief.
„Merlin, ist das immer dunkel hier drinnen." flüsterte sie und ließ sich in einen bequemen Sessel fallen.
„Hallo Miss Granger." sagte eine sanfte, dunkle Männerstimme aus dem Nichts.
Hermine schrie leise auf und sprang aus dem Sessel hoch.
„Wer sind sie, was wollen sie? Ich hole auf der Stelle den Wachschutz." stammelte Hermine.
Ein höhnisches Lachen ertönte. Aus dem Schatten hinten in der Garderobe trat ein schlanker, großer Mann hervor.
Das war auch schon alles, was Hermine erkennen konnte, denn genau in dem Moment hob der Mann seinen Zauberstab und murmelte leise „Blindium opticus."
Um Hermine herum wurde es dunkel. Panisch tastete sie nach ihren Augen, die aber unversehrt schienen.
„Wachschutz." lachte der fremde Mann. „Haben sie keinen Zauberstab? Aber haben sie keine Angst, ich werde ihnen nichts tun. Ich wollte sie nur sehen."
„Nur sehen, nichts tun?" stammelte Hermine. „Ich kann nichts mehr sehen. Und das nennen sie nichts tun? Was wollen sie? Und wer sind sie?"
„Würde ich wollen, dass sie wissen wer ich bin, könnten sie noch sehen. Und was ich will habe ich ihnen schon verraten. Ich will sie sehen."
Hermine fluchte innerlich und fragte sich, warum sie immer noch tatenlos einfach rumstand und sich sogar auf eine Unterhaltung einließ.
Irgendein Teil von ihr genoss diese aufregende Situation.
‚Diese Stimme, sie kommt mir bekannt vor.' Eine angenehme Gänsehaut rieselte ihren Rücken hinab.
Da sie reglos einfach mitten im Raum stand, trat der Fremde näher an sie heran und berührte sie sanft an der Schulter.
Hermine zuckte leicht zusammen, sagen konnte sie immer noch nichts. Vorsichtig atmete sie den würzigen, erdigen Geruch ihres Gegenüber ein und langsam breitete sich eine Gänsehaut über ihren ganzen Körper aus. Sie konnte nicht wissen, dass es ihm ähnlich ging.
Der unerwartet süße Blumenduft, gemischt mit dem herberen Geruch durch die Anstrengungen des Auftritts, benebelten seine Sinne.
Er nahm noch kurz bewusst wahr, dass sie sich gar nicht wehrte, als sich sein Verstand auch schon ausschaltete.
Er umarmte sie und drückte sie fest an sich.
Hermine schmiegte sich in seine Arme.
Später, viel später, hob sie ihren Kopf und ihre Hände tasteten sich höher, bis sie sein Gesicht umfassen konnte.
Sanft streichelte sie über seine Wangenknochen, zog ihn vorsichtig ein wenig zu sich herunter.
Ihr Mund fand seinen Mund. Ihre Zunge drängte sich durch seine Lippen und fing an, mit seiner zu spielen. Er reagierte sofort auf sie und erwiderte den Kuss leidenschaftlich.
Ihre Hände wanderten seinen Hals und den Rücken entlang.
‚Ein Gehrock? Wer trägt denn heute noch so was?'
Plötzlich erinnerte sich Hermine, woher sie diesen Geruch kannte.
‚Professor Snape? Nein, dass kann nicht sein. Nie im Leben würde er sich mit dir, einem Schlammblut, wie er es nennen würde, einlassen. Ähja, und noch viel wichtiger, du nicht mit ihm.'
Hermine wollte sich aus der Umarmung lösen, ihre Lippen von den seinen Trennen. Aber ihr Körper reagierte nicht auf ihren Willen, sondern schickte nur weiter ein wohliges, erregtes Prickeln durch sie hindurch.

Ein schrilles Klingeln schlich sich in Hermines Bewusstsein, doch noch bevor sie sich wundern konnte woher es kam, löste sich die Dunkelheit um sie herum auf und ein grelles Licht blendete sie.
Die Sonne schien zu dem Fenster in ihrem Hotelzimmer hinein und ihr Wecker schrillte munter immer weiter.
Verwirrt setzte sich Hermine auf.
Langsam kam die Erinnerung an das, was sie in der Nacht geträumt hatte, zurück.
Entsetzt sprang Hermine auf.
‚Ich träume von Professor Snape? Nein, niemals. Das kann nicht sein.'
Doch schnell wurde ihr klar, dass es Snape gewesen sein musste. Und das er keine Hassgefühle in ihr auslöste, sondern sehr angenehme.
„Ich bin völlig überarbeitet." sagte sie laut. „Da muss ja so etwas dabei herauskommen."
Doch wirklich überzeugen, dass das der wahre Grund war, konnte sie sich nicht. ‚Ok, ich verbuche es unter ‚Alptraum' und denke nicht mehr daran.'
„Blindium opticus?" murmelte Hermine, als sie sich auf den Weg ins Badezimmer machte.
‚Ob es diesen Zauberspruch wirklich gibt?'
Sie nahm sich vor ihn gelegentlich bei Ron auszuprobieren.

Ihr Vorhaben, diesen Traum einfach zu vergessen, scheiterte.
Den ganzen Tag konnte sich Hermine kaum auf etwas anderes konzentrieren.