Einige
Wochen vergingen. Professor Snape hatte das Bewusstsein immer noch
nicht wiedererlangt, aber sein körperlicher Zustand war weiterhin
zufrieden stellend.
So oft es ging, verbrachte Dumbledore seine
Zeit bei ihm und überlegte, wie er seinem Tränkemeister helfen
konnte. Er merkte dabei, wie wenig er wirklich über ihn wusste. Er
wusste nicht, ob und welche Musik er mochte, oder ob er gerne las und
wenn ja, was.
Eigentlich wusste er nicht einmal, wie er seine
wenige freie Zeit verbracht hatte.
So löste ein Tag den anderen ab, ohne dass sich etwas veränderte.
Die Zeit des
Weihnachtsballes kam und am Tag vor dem großen Ereignis flatterte
beim Frühstück eine Eule in die große Halle und landete direkt auf
Dumbledores Teller.
Dumbledore zog eine Augenbraue hoch und
seufzte leise, während er den Umschlag vom Bein der Eule löste, der
an ‚Albus Dumbledore persönlich' adressiert war.
Er gab der
Eule ein paar Krümel, welche daraufhin fröhlich gurrte und
davonflog.
Dumbledore öffnete den Umschlag, las die paar Zeilen
und lehnte sich, eine Spur blasser als sonst, in seinem Stuhl
zurück.
Professor McGonagall, die neben ihm saß, schaute ihn
fragend an.
"Schlechte Nachrichten, Albus?"
"Wie man es
nimmt, Minerva. Wie man es nimmt. Hier, lesen sie."
Professor
McGonagall nahm den Brief entgegen und las:
Sind durch
Krankheit verhindert,
können beim Weihnachtsball nicht
auftreten.
Freundlich Grüße
Hans von den Happy Souls
„Und jetzt, wo sollen wir denn bis morgen Abend Ersatz auftreiben?" fragte Professor McGonagall entsetzt Dumbledore.
Dieser sah sehr nachdenklich aus und sagte dann:
„Erinnern sie sich an meinen Vorschlag vor einigen Wochen, als wir
über die Band im Kollegium abgestimmt haben?"
McGonagall
schaute den Schulleiter überrascht an. „Miss Granger? Ich meine
Ricky Alan? Ich kann mir bei ihrer aktuellen Berühmtheit nicht
vorstellen, dass sie morgen Abend Zeit hat."
Dumbledore
schmunzelte. „Lassen sie es mich versuchen, Minerva. Was haben wir
schon zu verlieren? Ich werde sie gleich persönlich aufsuchen. Für
ihren ehemaligen Schulleiter wird sie sicher ein paar Minütchen Zeit
haben."
Hermine lag noch schlafend in einem der anonymen
Hotelzimmer, als eine junge Frau in einem Gemälde an der Wand
vorsichtig hüstelte.
Aber sie schlief viel zu tief, um dieses
leise Geräusch wahrzunehmen.
„Hüstel, Hüstel.", rief die
junge Frau in einer nun enormen Lautstärke.
Hermine setzte sich
abrupt in ihrem Bett auf und rieb sich erschrocken die Augen.
"Entschuldigen sie Miss, Albus Dumbledore bittet sie,
unverzüglich und dringend, um einen Besuchstermin."
Sofort war
Hermine hellwach. Ihre Gedanken rasten durch ihren Kopf. ‚Da muss
doch was passiert sein,...'
"Ja, ok, sagen sie ihm, er möchte
bitte so schnell wie möglich kommen."
Die junge Dame deutete
eine Verbeugung an und verschwand.
Hermine sprang aus dem Bett,
sie ließ ihren Zauberstab durch die Luft wedeln und war den
Brauchteil einer Sekunde später angezogen.
Ein zweiter Schlenker
und das, natürlich nur kleine, Chaos in ihrem Zimmer war
beseitigt.
Nur wenige Augenblicke danach, loderte auch schon
der Kamin hell auf und Dumbledore trat hinaus.
"Hermine, welch
Freude sie endlich einmal wieder zu sehen." Dumbledore lächelte
Hermine an.
"Ich bin auch erfreut, Sir. Aber dass wird wohl kaum
der Grund für ihren so dringenden Besuch sein."
Bestürzt sah
Dumbledore Hermine an. „Ach bei Merlin, bin ich ein Dummerchen. Ich
hätte wissen müssen, dass sie sich sorgen. Ich komme nicht mit
schlechten Nachrichten, ich habe nur eine kleine Bitte an
sie."
Hermine schluckte ihren Ärger runter, sie war nun viel zu
neugierig. „Um was wollen sie mich bitten, Sir?"
"Morgen
Abend ist in Hogwarts unser traditioneller Weihnachtsball und vor ca.
32 Minuten hat die ursprünglich vorgesehene Band abgesagt. Ich hätte
sie ja gern von Anfang an dabei gehabt, aber ihr Management hat sehr
deutlich gemacht, dass daraus nichts wird. Na ja, wie dem auch sei,
ich wollte sie bitten, morgen Abend bei uns aufzutreten."
Hermine
sagte lange Zeit nichts. Erstaunt schaute sie ihren ehemaligen
Schulleiter an.
"Nun Hermine, würden sie mir diesen Gefallen
tun?"
"Ich hätte große Lust dazu, aber ich fürchte es wird
nicht gehen. Morgen Abend soll ich ein Interview für den Klitterer
geben. Eine Absage würde den Vater von Luna viel zu sehr
enttäuschen."
"Ein Interview mit dem Klitterer?",
Dumbledore strahlte. „Kein Auftritt? Das ist ja
hervorragend."
"Ähm, Sir, was genau soll daran hervorragend
sein?"
"Hermine, wären sie einverstanden, dass Mr. Lovegood
morgen Abend bei dem Weihnachtsball dabei ist? Er könnte exklusiv
über den Ball berichten, dieses Zugeständnis werden wir ihm gerne
machen, und ihnen vorher seine Fragen stellen."
Nun strahlte
auch Hermine.
"Sir, dass ich da nicht selber drauf gekommen bin.
Ich bin dabei, vorausgesetzt Mr. Lovegood ist einverstanden. Mein
Management kann auch nichts dagegen haben."
Vergnügt antwortete Dumbledore: „Ich werde Mr. Lovegood gleich eulen. Sobald ich die Antwort habe, melde ich mich noch einmal bei ihnen, dann können wir auch die Einzelheiten besprechen."
Als
Dumbledore verschwunden war, ließ sich Hermine aufgeregt auf ihr
Bett fallen. Ihre Sehnsucht nach Hogwarts war größer, als sie sich
eingestehen wollte und sie freute sich sehr, die alten Mauern und vor
allem ihre alten Lehrer wieder zu sehen, auch wenn es nur für einen
Abend war.
Bei diesen Gedanken musste sie auch kurz, mit einem
unangenehmen ziehen im Bauch, an Professor Snape denken. Was ihm
passiert war und wie es um ihn stand, wusste sie noch nicht.
Sie
zwang sich ihre Gedanken von ihm weg zu lenken und machte sich mit
einem Lächeln an ihre Pflichten.
