Müde schloss Hermine die Tür ihrer Garderobe hinter sich und apparierte in das nahe gelegene Hotel

Mr. Lovegood war nicht nur einverstanden, sondern richtig begeistert von der Änderung, die Dumbledore ihm vorschlug.
Und so liefen die letzten Vorbereitungen auf Hochtouren, als Hermine am nächsten Tag in Hogwarts ankam.
Dumbledore persönlich hatte sich die Zeit genommen, sie vom Bahnhof abzuholen.
Unterwegs plauderten sie vergnügt über alte und neue Zeiten und so verging die Fahrt zum Schloss schnell.
"Ich bin so aufgeregt, Sir. Ich freue mich, endlich alle wieder zu sehen und gleichzeitig graut es mir vor dem Auftritt. Ich würde lieber einen komplizierten Zaubertrank vor allen Augen brauen."
"Hermine, wollen sie nicht endlich dieses ‚Sir' lassen? Schließlich sind sie nun auch erwachsen und sie wissen ja, mein Name ist Albus."
"Oh Sir, ich meine Albus,.. ja, ich meine, ja gerne.", stotterte Hermine überrascht.
"Wunderbar, dann wäre das ja geklärt. Und jemanden der uns ein paar Zaubertränke brauen würde, könnten wir tatsächlich gut gebrauchen." Dumbledore schaute nachdenklich vor sich hin und seufzte leise.
"Sir, Albus, wie meinen sie das? Hat Professor Snape sein Kunstwerk etwa verlernt?"
Dumbledore sah Hermine ernst an. „Ach, das weißt du ja noch gar nicht. Professor Snape liegt verletzt auf der Krankenstation hier in Hogwarts. Körperlich geht es ihm gut, aber er wacht einfach nicht auf. Nun ja, das ist eine lange Geschichte. Ich erzähle sie dir gerne, wenn der Ball vorbei ist. Aber es ist wichtig, dass das alles unter uns bleibt. Selbst das Professor Snape in Hogwarts ist, wissen nur die wenigsten. Es ist zu seinem Schutz. Versprichst du mir das, Hermine?"
"Ja, natürlich.", beeilte sich Hermine zu sagen. „Und hören was passiert ist, möchte ich auch gern."
Falls Dumbledore verwundert war, so ließ er es sich nicht anmerken. Hermine selber musste noch eine zeitlang über ihre Bitte, die Geschichte ihres ehemaligen Lehrers zu hören, den Kopf schütteln.
'Was ist nur mit mir los? Er war mir doch sonst völlig egal. Mehr noch, ich konnte ihn überhaupt nicht leiden.'
Trotzdem wurde Hermine eine gewisse Sorge um diesen Mann nicht los.

Schon bald hatte sie aber keine Zeit mehr näher über alles nachzudenken. Sie traf eine Menge altbekannte Lehrer, Geister und Hauselfen und musste sich irgendwann zwingen, die Vorbereitungen für ihren eigenen Auftritt in Angriff zu nehmen.
Durch die kurze Vorbereitungszeit sollte sie nur vier Lieder singen. Der Rest des Abends würde die Musik vom Band kommen.

Endlich war es soweit. Hermine hatte ihre Vorbereitungen abgeschlossen, hatte sich umgezogen und geschminkt. Auf dem Weg in die große Halle, die sehr festlich dekoriert war, sahen ihr viele Schüler und auch Lehrer staunend nach.
Sie wusste schon, dass sie nicht schlecht aussah, dass sie aber so schön sein konnte, blieb ihr verborgen.
Das lange rote Samtkleid schmiegte sich genau an ihre weiblichen, aber schlanken Formen. Ihr sonst so krauses Haar hatte sie heute gebändigt und zu einer süßen Hochsteckfrisur frisiert, das Make-Up war dezent, unterstrich aber genau Hermines natürlichen Typ.

Bevor Hermines Programm anfing, stand traditionell der erste Walzer auf dem Programm, den die Vertrauensschüler mit ihren jeweiligen Partnern eröffnen sollten.

Die ersten Klänge ertönten und die wenigen Paare zogen in den Saal ein. Hermine schob neugierig den Vorhang ein Stück zur Seite. Sie brauchte dringend etwas Ablenkung. Ihre Nervosität hatte bisher nicht gekannte Höhen erreicht. Etwas wehmütig dachte sie an die Zeit vor neun Jahren zurück, als sie selber diesen Tanz mit Victor Krum tanzte. Damals war alles noch ein bisschen leichter gewesen.

Viel zu schnell ging dieser Tanz vorbei und Dumbledore trat auf die Bühne um seine Ansprache zu halten, auf die Hermine sich aber nicht konzentrieren konnte.
Dann hörte sie ihren Künstlernamen und lief mechanisch auf die Bühne.
Sobald sie dort angekommen war, vergaß sie ihre Nervosität. Hier und jetzt war sie Ricky Alan und wollte ihr Publikum begeistern.

Mit viel Gefühl sang sie ihr erstes Lied. Andächtig lauschte die große Menge ihren Worten und der Melodie. Einzelne Gesichter konnte Hermine im Publikum ausmachen. Die vier Hauslehrer, Mr. Lovegood und Hagrid, der ihr begeistert zuwinkte. Neben Professor Dumbledore stand Poppy und wog sich sanft mit der Melodie hin und her.
Über fünf Minuten dauerte der Beifall nach dem ersten Lied. Die Zuschauer wollten sich gar nicht mehr beruhigen.
Das zweite Lied war eine schnellere Nummer, bei der alle wild mittanzten und sangen.
Ebenso wie das darauf folgende.
Vor dem vierten Lied machte Hermine eine kurze Pause. Ihr Mund war völlig ausgetrocknet.
Hinter der Bühne wartete Dumbledore mit einem Glas Wasser auf sie.
„Hermine, sie sind großartig. Wir sollten sie jeden Abend hier spielen lassen." ,sagte Dumbledore euphorisch.
„Danke Albus.", lächelte Hermine.
Poppy trat zu den beiden und sagte an Dumbledore gewandt: „Alles in Ordnung bei unserem alten Knaben. Ich habe die Tür offen gelassen, dass ich immer mal wieder zu ihm reinschauen kann. Die Krankenstation ist ja gleich hier nebenan und so ein bisschen Leben schadet ihm sicher auch nichts."
„Gut Poppy, ich werde immer mal wieder nach ihm sehen. Dann können sie den Ball auch genießen." Dumbledore lächelte noch einmal in die Runde und schon musste Hermine zurück auf die Bühne.

Vor diesem Augenblick war sie dann doch wieder nervös. Jetzt kam das Lied an die Reihe, dass sie selber geschrieben hatte.
Sie atmete tief ein und aus und betrat erneut strahlend die Bühne.
Das Publikum tobte und Hermine wartete geduldig, bis alle ruhig waren.

Dann fing sie an ihr Lied zu singen.

Warum bin ich so traurig?
Was ist diese große Leere in mir?
Und wer kann sie füllen?
Ich wüsste so gerne, wer du bist.

Ich schicke meine singenden Tränen,
um dich zu suchen.
Ich fühle, der Tag an dem sie dich finden
ist nah.

Noch bist du ein Flüstern in meinen Träumen,
ein unbekanntes Land in meiner einsamen Seele.
Ich weiß, dass es dich gibt
und das du zu mir gehörst.

Ich schicke meine singenden Tränen,
um dich zu suchen.
Ich fühle, der Tag an dem sie dich finden
ist nah.

Du bist so schwer zu finden,
hast du dich nur getarnt?
Sind wir uns schon begegnet
und haben beide nichts geahnt?

Ich schicke meine singenden Tränen,
um dich zu suchen.
Ich fühle, der Tag an dem sie dich finden
ist nah.

Ich schicke meine singenden Tränen,
um dich zu suchen.
Ich fühle, der Tag an dem sie dich finden
ist nah.

Der Tag an dem sie dich finden ist nah.

Nach den letzten Klängen herrschte lange Zeit Ruhe im Saal. Sämtliche Zuhörer konnten sich der Magie dieses Liedes nicht entziehen.
Doch plötzlich applaudierten alle, als wollten sie nie wieder aufhören.

Ein paar Meter weiter, in einem kleinen Zimmer auf der Krankenstation lag noch immer blass und unbewegt Severus Snape in den Kissen.
Nur Dumbledore, der während des letzten Liedes bei ihm war, hatte die kaum merkliche Veränderung gesehen, die mit dem Tränkemeister vorgegangen war.
Es war nur ein kleines, kaum wahrnehmbares, zucken des linken kleinen Fingers und eine kaum merkliche Regung im Gesicht des Mannes.
Doch Dumbledore wusste er täuschte sich nicht.
Vergnügt über diesen Fortschritt schmunzelte er in sich hinein. ‚Na, da muss doch etwas zu machen sein. Gut das Hermine noch bis morgen Nachmittag bleibt.'

Ohne es wirklich bewusst wahrzunehmen, hörte Snape Geräusche. Er ging durch einen langen Tunnel. Einen Weg den er nicht gehen wollte, doch die Geräusche zwangen ihn. In seiner kaum funktionierenden Wahrnehmung waren sie unerträglich laut.
Er stöhnte innerlich, dennoch kam kein Laut über seine Lippen. Doch plötzlich war es still und er vernahm ganz leise ein wunderbares, ein fast paradiesisches Geräusch.
Nicht verständliche Wortfetzen kamen heran und verwehten wieder. ‚Ich schicke meine singenden Tränen, um dich zu suchen.'
Innerlich lächelte Snape unbewusst. ‚Ich fühle, der Tag an dem sie dich finden ist nah.'
Natürlich verstand er kein Wort von dem Gesungenen.
Aber die Melodie und die gefühlten Worte trafen sein Herz, beschwingten seinen Schritt durch den Tunnel.
Er wollte zu dieser Melodie.
Doch diese brach plötzlich ab und ließ wieder nichts als Stille zurück. Bis dieser unerträgliche Krach erneut anfing.
'Nein, aufhören, nehmt es mir nicht weg.' Er schrie und merkte nicht, dass sein Körper weiter unbeweglich in dem Bett lag.