Müde schloss Hermine die Tür ihrer Garderobe hinter sich und apparierte in das nahe gelegene Hotel

"Hermine, wach auf.", flüsterte Dumbledore leise und berührte sie vorsichtig an der Schulter.

Stöhnend richtete Hermine sich auf, dehnte und reckte ihren steifen Körper.
"Ich bin sehr froh, dass du dich so liebevoll um Professor Snape kümmerst, aber ich wäre erfreut, wenn du auch auf dich aufpassen würdest. Ich begleite dich zu deinen Räumen und du schläfst dich mal richtig aus. Einverstanden?"
"Aber Albus, ich kann doch nicht...", fing Hermine an, wurde aber sofort von Dumbledore unterbrochen.
"Wenn du jetzt nicht kannst, wirst du bald müssen. Wir werden gut für ihn sorgen und du hilfst ihm ausgeschlafen und ausgeglichen mehr."
Nicht sehr glücklich entgegnete Hermine: "Ok, einverstanden. Du hast ja Recht."
Sobald Hermine in ihrem Bett lag, fiel sie in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

Währenddessen führte Dumbledore, sehr früh am morgen, ein Gespräch mit einem jungen Mann, den er hoffte für das Fach "Verteidigung gegen die dunklen Künste" gewinnen zu können.

Es war das nun dritte Mal, dass Dumbledore sein Glück in den letzten zwei Jahren versuchte. Ohne Erfolg.
Doch er war ausgesprochen hartnäckig und überzeugend. So schaffte er es diesmal, den jungen Mann, der ihm gegenüber saß zu überreden.

"Na gut, Albus. Ich nehme den Posten an, aber vorerst einmal nur für ein Jahr. Meine Frau wird sich freuen, sie wünscht sich schon lange, dass ich meine Arbeit als Auror aufgebe, zu gefährlich.", hier schnaubte der junge Mann kurz. Freundlicher sagte er dann: "Einer meiner Hauptgründe ist die Anwesenheit von Hermine. Ich freue mich, sie wieder zu sehen." Nun lächelte er und Dumbledore lächelte mit.
"Harry, da gibt es noch etwas, was du wissen solltest. Hermine ist hier um Professor Snape zu helfen. Über die Hintergründe kann ich dir nichts erzählen. Ich hoffe du vertraust mir, dass wir gute Gründe haben. Wenn Hermine jedoch jemanden braucht, dem sie sich anvertrauen kann, wäre ich froh, wenn du dieser jemand wärst."

Harry schluckte, seine Gedanken schossen ohne Ziel durch sein Gehirn.
'Sie hilft unserem Erzfeind? Warum tut sie das? Und warum kann Albus mir nicht mehr erzählen?'
Der hitzköpfige Harry von damals hätte sicher aufbegehrt, doch der nun mehr 23-jährige Harry, der vor Dumbledore saß, hatte inzwischen gelernt, wem man wirklich vertrauen konnte. Und Dumbledore und Hermine gehörten dazu.

Daher sagte er nach einer Weile nur: "Ja, ich vertraue euch"
"Danke Harry. Wann wirst Du die Stelle antreten können?"
"Ich denke in fünf Tagen. Ob ich Ginny mitbringe, teile ich dir noch mit, dass möchte ich mit ihr zusammen besprechen."
Mit diesen Worten erhob sich Harry und die beiden Männer verabschiedeten sich. Dumbledore wirkte sehr vergnügt.

Wenige Stunden später räkelte sich Hermine in ihrem Bett. Der Schlaf hatte ihr gut getan und sie beschloss einen langen Spaziergang zu machen. Die Sonne schien und für einen Tag im Winter war es angenehm mild.
Das Laufen in der frischen, klaren Luft tat Hermine gut und trotz der Sorge um Severus, besserte sich ihre Laune bei jedem Schritt.
Nach dem Spaziergang, es war immerhin schon früher Mittag, ging Hermine sofort zu Severus.

Dieser lag unverändert blass in seinem Bett, doch Hermine war wesentlich hoffnungsvoller als am Tag zuvor.
Ihre gute Laune war so ansteckend, dass sogar Poppy ein fröhliches Liedchen pfiff.
Dumbledore, der wenig später auftauchte, staunte nicht schlecht und sagte zwinkernd zu Hermine: "Ich werde dich nun regelmäßig ins Bett schicken, du bist ja völlig verändert. Das freut mich noch mehr als die Lieferung saurer Zitronendrops, die ich heute morgen erhielt."
Verschmitzt lächelnd war er verschwunden, bevor Hermine antworten konnte.
Sie lachte laut auf.
'Albus und seine große Liebe, Zitronendrops.', dachte sie amüsiert und musste wieder lachen. Sie konnte gar nicht mehr aufhören und drückte dabei leicht Severus Hand, die sie schon die ganze Zeit hielt.
Plötzlich erstarrte sie, ihr Lachen verstummte.
'Was war das? Bin ich jetzt völlig übergeschnappt? Kann das wirklich sein oder habe ich nur geträumt?'
Unsicher schaute Hermine auf Severus hinunter. Und da war es wieder, diesmal war sie sich ganz sicher.
Severus erwiderte den Druck ihrer Hand, noch sehr schwach, aber überaus deutlich.
Hermine strahlte.

Severus atmete aufgeregt. Deutlich konnte er die Worte verstehen, die diese wunderschöne Stimme sprach.
"Severus, Severus. Kannst Du mich hören? Ich bin so froh. Bitte, bleib, probier deine Augen zu öffnen. Ich bin bei dir, ich lass dich nicht alleine. Du kannst es, du bist stark. Es ist Zeit aufzuwachen."
Er wollte so gerne reagieren, doch seine Gedanken wanderten zurück. Zurück zu dem Lachen, welches ihn ein Stück aus seinem Abgrund gerissen hatte.
Er fühlte noch einmal die warme Welle, die in dem Moment von ihm Besitz ergriffen hatte. Und er erinnerte sich erstaunt, dass er ihren Händedruck erwidert hatte. Deutlich erwidert, denn sonst hätte sie wohl nicht solche Worte gesprochen.
'Die Worte, wie lauteten sie nochmal?'
Seine Gedanken verflüchtigten sich immer noch schnell, aber er erinnerte sich, dass er seine Augen öffnen sollte.
Angst durchströmte ihn, Angst vor der Welt, wie er sie kannte.
Doch gleichzeitig sehnte er sich danach, die Frau anzuschauen, die zu dieser warmen Stimme gehörte.
Die Frau, die sagte, dass sie ihn nicht alleine lassen würde.
Er beschloss, dass er es versuchen wollte. Zu dringend war der Wunsch die so unvertraut vertraute Frau zu sehen. Zu dringend, als dass der Wunsch nur Wunsch hätte bleiben können.
Severus hielt sich an der tröstenden Hand fest und legte seine ganze Kraft darein, seine Augen zu öffnen. Es wollte ihm nicht gelingen.
Vor lauter Anstrengung stöhnte er auf. Verwundert vernahm er diesen Klang, er war anders als das qualvolle, lautlose stöhnen, diesmal konnt er sich deutlich hören.

Hermine hielt die Luft an, als sie so unvermittelt ein lautes, gequältes stöhnen vernahm, welches über Severus Lippen kam.
Aufgeregt sagte sie wieder: "Severus, hörst du mich? Du musst aufwachen. Bitte, wach auf."
Severus Augenlider flatterten und beruhigten sich wieder.
Das wiederholte sich noch einige Male, doch dann, Hermine konnte es kaum glauben, hoben sich langsam die Lider und sie konnte zwei trübe, aber wunderschöne schwarze Augen sehen.
"Severus.", flüsterte sie berührt.
Lange Zeit blickte der blasse Mann Hermine an. Seine Mundwinkel zuckten.
Und plötzlich krächzte er: "Granger."
Dann fielen ihm die Augen zu und er versank in einem tiefen, erholsamen Schlaf.

Severus folgte dem Laut seines stöhnens, bis er vernahm, dass sie ihn wieder aufforderte aufzuwachen.
Er bemühte sich wieder und brauchte seine ganze Kraft, mehrmals scheiterte er, doch plötzlich blendete ihn ein gedecktes Licht, er fühlte, dass sich seine Augen wirklich öffneten und dann sah er sie.
Eine schöne Frau, mit sanften braunen Augen, langen braunen Locken und ebenmäßigen, weichen Gesichtszügen.
Sein erstes, noch ungesteuertes Gefühl war tiefes Glück, welches auch durch seine Überraschung nicht vertrieben werden konnte.
Er erkannte sie als seine ehemalige, immer nervige, Zaubertrankschülerin aus Gryffindor, doch er sah auch, dass sie sich verändert hatte.
'Granger, Hermine Granger.', hallte es in ihm. Er bemühte sich etwas zu sagen und nach einer Weile, die ihm wie eine Ewigkeit vorkam, kam ein einzelnes Wort über seine Lippen: "Granger."
Er wollte noch mehr sagen, doch ein erholsamer Schlaf nahm ihn mit.
In ihm schwebte eine helle Wolke Glück.