Noch
völlig fassungslos saß Dumbledore an seinem Schreibtisch, als
Hermine in sein Büro stürmte.
„Er ist aufgewacht, er hat mich
angesehen, er hat mich ‚Granger' genannt.", strahlte
Hermine.
Dumbledore löste sich aus seiner Erstarrung und
bemühte sich das Gesagte aufzunehmen und zurückzustrahlen.
„Ich
freue mich so.", antwortete Dumbledore wenig
überzeugend.
Argwöhnisch musterte Hermine ihn.
„Raus mit
der Sprache, Albus, was ist los?"
Dumbledore bat sie sich zu
setzen. Er selber lief die Längsseite seines Schreibtisches auf und
ab.
„Es ist vorbei, Hermine, es ist vorbei."
Hermine wurde
blass. „Was ist vorbei?"
"Sämtliche Todesser und Lord
Voldemort stürmten das Hauptquartier des Ordens, während einer
Versammlung des Ordens und der Auroren."
Hermine wurde noch
eine Spur blasser und begann zu zittern.
„Lord Voldemort ist
tot, ebenso wie all seine Todesser."
Dumbledore ging um seinen
Schreibtisch herum und nahm eine von Hermines Händen.
"Auch
auf unserer Seite hat es Verluste gegeben.", eine Träne lief bei
diesen Worten über sein Gesicht.
Hermine schaffte es nicht, etwas
zu sagen. Sie hoffte er würde weiter sprechen, doch gleichzeitig
fürchtete sie diesen Moment.
Es dauerte eine Weile bis Dumbledore
sich weit genug gefasst hatte, um weiter zusprechen.
"Drei
von uns haben es nicht geschafft. Remus Lupin, Arthur Weasley und,",
bei diesen Worten begann er zu schluchzen „Minerva
McGonagall."
Hermine war bei seinen Worten aufgesprungen,
taumelte leicht und umarmte Dumbledore schließlich.
„Oh Albus,
Albus.", flüsterte sie mit erstickter Stimme.
Sie konnte
keinen klaren Gedanken fassen. Das Glück über Severus erwachen und
über den Tod des dunklen Lords wirbelten ebenso in ihr, wie der
zerreißende Schmerz über die drei Toten, die sie alle schätzte und
schon seit langem in ihrem Herzen trug.
Sie sah Dumbledore an und
es fiel ihr wie Schuppen von den Augen.
"Du hast sie geliebt,
Albus." Es war mehr eine Feststellung als eine Frage.
"Hermine,
ich sollte so glücklich sein, wenigstens ein bisschen glücklich.
‚ER' ist tot, seine Todesser ebenfalls. Alles in allem ein
erfolgreicher Kampf, auf den ich die Hälfte meines Lebens
hingearbeitet habe.", er schwieg und schluchzte wieder bevor er
weiter sprach.
"Ja, Hermine, ich habe sie geliebt."
Lange
war es still, nur die Schluchzer von Dumbledore erfüllten diese
Stille, während Hermine ihn in ihren Armen wiegte.
Als er sich
wieder beruhigt hatte, ließ sie ihn los und sie setzten sich
gegenüber auf zwei Stühle.
Ungeweinte Tränen, bestehend aus
Schmerz über die Verluste und Mitgefühl mit Dumbledore, brannten in
ihren Augen.
Doch sie wollte ihnen nicht nachgeben und fragte
stattdessen: „Wusste sie davon?"
"Nein, ich habe mich nie
getraut ihr meine Liebe zu gestehen oder ihr diese zu zeigen."
Es schien Hermine absurd, dass ein so mutiger, tapferer Mann wie Albus Dumbledore an dem Punkt in seinem Leben gescheitert war.
Als
könnte er ihre Gedanken lesen, fuhr er fort: „Ich kann mir
vorstellen, dass das merkwürdig klingen muss. Herzensangelegenheiten
brauchen eben noch einen ganz anderen Mut als alles andere.
Weißt
du, damals vor vielen Jahren gab es für mich auch so eine Art
‚Lily'. Johanna war meine große Liebe. Ich will nicht angeben,
wenn ich behaupte, dass wir das beliebteste Pärchen in Gryffindor
waren. Doch schon vor Lord Voldemort gab es das Böse und Kämpfe,
wenn auch keinen richtigen Alleinherrscher. Johanna wechselte, für
mich völlig überraschend, auf die dunkle Seite. Kannst du dir
vorstellen Hermine, dass ich eine zeitlang versucht war mit ihr zu
gehen?
Ich tat es, wie du weißt, nicht, aber mein Herz war
gebrochen.
Einige Jahre später gab es einen Kampf, ich war mit
dabei. Ich tötete einige von der anderen Seite, auch damals waren
sie schon maskiert.
Mein letzter Gegner in dieser Schlacht fiel,
von meinem Todesfluch getroffen, zu Boden, wobei die Maske zur Seite
rutschte.
Es war Johanna. Nach all den Jahren war mein Schmerz
noch so groß, ich habe lange gebraucht um zu verwinden, dass sie
durch mich gestorben ist. Ich habe mir auf dem Schlachtfeld
geschworen, nie wieder zu lieben."
Hermine griff nach
Dumbledores Händen und sah ihn mitfühlend an.
"Wie furchtbar,
Albus." Weitere Worte schienen fehl am Platz und so legte Hermine
soviel Wärme wie möglich in ihren Händedruck.
"Dann kam
der Tag, an dem ich Minerva traf und nichts schien so, wie es vorher
war. Sie war eine so bezaubernde Frau.
All die ganzen Jahre habe
ich mich nie getraut, meinen Schmerz loszulassen und offen auf sie
zuzugehen. Dabei glaube ich sogar, es hätte sie gefreut.
Es war
mehr die Angst davor, dass sie meine Gefühle erwidert, als dass sie
es nicht tut.
Und nun ist sie tot und eine endgültige
Entscheidung wurde damit getroffen.
Hermine, vielen Dank, dass du
mir zugehört hast, mir ist ein wenig leichter ums Herz.
Und es
ist wirklich fantastisch, dass Severus wieder aufgewacht ist.
Ich
würde jetzt gerne einen Moment alleine sein, bevor ich die
Neuigkeiten im Schloss bekannt gebe und dann zu Severus
gehe."
Hermine erhob sich, drückte noch einmal fest seine Hände und sagte zum Schluss: „Du weißt, wo du mich findest, Albus. Ich danke dir für deine Offenheit. Mir tut es auch gut, jetzt etwas allein zu sein, ich werde noch ein wenig spazieren gehen."
Es
dauerte nicht lange, bis Dumbledore bereit war, die Nachricht im
Schloss zu verkünden.
Er hatte alle in die große Halle gerufen
und der Jubel und die Trauer erfüllten den ganzen Raum.
Dumbledore
ging leise aus dem Raum, um im Moment keine weiteren Fragen
beantworten zu müssen. Seine Schritte führten ihn zu Severus, an
dessen Bett er Platz nahm.
Über eine Stunde verging, bis sich
der große, schlanke Mann im Bett wieder regte. Diesmal gelang es ihm
müheloser seine Augen zu öffnen.
Er blickte in die gütigen,
aber auch traurigen Augen von Dumbledore.
"Schön, dass du
wieder da bist, Severus.", sagte Dumbledore leise.
Es dauerte
länger, bis Snape es schaffte ihm zu antworten.
"Albus, schön
dich zu sehen, aber ob ich so froh darüber bin, weiß ich noch
nicht."
Sie kannten sich jetzt lange und gut genug, und selbst in seinem geschwächten Zustand entging es Snape nicht, dass sein Gegenüber anders war als sonst.
"Möchtest du mir
nicht erzählen, was dich beschäftigt?"
Erstaunt sah Dumbledore
in die dunklen Augen seines Tränkemeisters.
"Wie kommst du
darauf, dass mich etwas beschäftigt?"
"Ach Albus, du konntest
dich noch nie verstellen, trotz dass du ein großartiger
Leglimentiker bist."
"Tja, der bist du ja, wie du wieder mal
eindrucksvoll unter Beweis stellst, auch. Obwohl ich fast geneigt
bin, es Menschenkenntnis zu nennen."
"Nun red nicht um den
heißen Brei herum. Ich bin durchaus stark genug, um eine Dosis Leid
zu verkraften.", bei dem Wort Menschenkenntnis hatte sich das
Gesicht des kranken Mannes verdüstert, wie Dumbledore kurz vergnügt
bemerkte.
"Also, gut, ich wollte es dir jetzt noch nicht sagen,
aber vielleicht ist es ja auch gut für dich."
Und so erzählte
er Snape in kurzen Sätzen, was er zuvor Hermine erzählt hatte. Die
Tränen, die in seinen Augen glitzerten, als er McGonagalls tot
erwähnte, konnte er nicht verstecken.
Zumal Snape der Einzige
gewesen war, der von Dumbledores Gefühlen wusste.
Als Dumbledore
mit seiner Erzählung fertig war, sagte Snape lange nichts.
Auch
in ihm tobten die Gefühle, allen voran eine nicht zu beschreibende
Erleichterung, da mit dem Sturz des dunklen Lords auch sein Leben um
einiges einfacher werden würde.
Und doch war er kein so
schlechter Mensch, dass ihm die Verluste, was er natürlich nie
zugeben würde, keinen Schmerz bereiteten.
Laut sagte er zu
Dumbledore, dass er sehr froh sei, bekundete aber auch sein Mitgefühl
über den Tod der Menschen, die Dumbledore liebte.
Sie redeten
noch eine Weile über die Neuigkeiten und wieder einmal stellte
Dumbledore fest, wie schön es war, mit Snape zu reden. Ein Mann ohne
falsches Mitleid, mit klaren präzisen Worten und Sätzen und mit
einem hervorragenden Sinn für schwarzen Humor.
Plötzlich
wechselte Snape das Thema.
"Albus, ich bin mir nicht mehr
sicher, ob es nur ein Traum war, aber als ich das letzte Mal wach
wurde, saß Miss Granger an meinem Bett."
Eine große Frage
schwang in seiner Stimme mit.
Schmunzelnd antwortete Dumbledore:
„Das war kein Traum, Severus. Sie war es wirklich. Sie hat die
letzten Wochen täglich an deinem Bett gesessen, mit dir geredet, dir
vorgelesen und vorgesungen."
Hart sagte Snape: „Warum? Wofür?
Und warum Miss Granger?"
"Ganz einfach, du hast dich nicht
gerührt, es war kein Fortschritt zu erkennen. Bis zu dem Abend, der
Weihnachtsball, an dem ihr Gesang bis in dein Zimmer zu hören war.
Ich saß an deinem Bett und du hast auf sie reagiert."
"Auf
keinen Fall, dass habt ihr euch eingebildet, dass ist doch alles
wieder nur so ein komischer Plan von dir.", Snape stöhnte
auf.
"Natürlich haben wir das,", sagte Dumbledore spöttisch.
„Und die ganzen Male danach, wo du reagiert hast, immer wenn Miss
Granger da war, haben wir uns auch nur eingebildet. Ich hatte einen
Plan, das stimmt, nämlich den, dass du wieder aufwachst. Ich wollte
ungern auf meinen Fähigsten Lehrer und treuesten Freund verzichten.
Severus, was ist so schlimm daran? Miss Granger hat sich verändert,
du hast dich verändert. Sie hat wirklich wochenlang jeden Tag bei
dir verbracht und dir hat es gut getan."
Snape dachte
angestrengt nach.
"Warum hat sie das getan? Sie hasst mich,
warum sollte sie ihr Leben damit verschwenden, an meinem Bett zu
sitzen?"
"Die Fragen will ich dir nicht beantworten, dass darf
sie dir selber erklären. Nur eines, sie hasst dich nicht und es war
für sie keine Verschwendung.
Und Severus?"
"Ja?"
"Sei
nicht so ein Hornochse, wie ich damals. Lily ist schon lange tot, gib
dir eine Chance."
Dumbledore stand auf, lächelte auf seinen
Freund hinab und ging mit großen Schritten davon.
Snape blieb
verwundert zurück und fragte sich, was nun diese letzten Worte schon
wieder sollten. Gerade sprachen sie noch von Miss Grangers
merkwürdigen Einsatz an seinem Bett und dann das?
Da er nach
diesem langen Gespräch sehr erschöpft war, schlief er über seine
Grübeleien ein.
In seinen Träumen spukte eine junge, schöne
Frau mit langen, braunen Locken herum.
