Müde schloss Hermine die Tür ihrer Garderobe hinter sich und apparierte in das nahe gelegene Hotel

Überfordert von seinen eigenen Worten hielt Severus einen Moment die Luft an.
'Wieso nur habe ich Hermine gebeten, zu bleiben? Haben Albus Worte, sei nicht so ein Hornochse, wie ich damals, mich so beeindruckt?'

Bei diesen Gedanken begann seine Hand langsam und unbewusst über Hermines Arm zu streichen.
Diese atmete hörbar ein, was Severus in die Wirklichkeit zurück holte.
Erschrocken zog er seine Hand weg, doch diesmal war es Hermine, die ihn aufhielt, indem sie leise sagte: „Hör nicht auf."

Verwirrt sahen sich beide schweigend an. Dieser Blick erzählte und verriet soviel mehr, als es jede Berührung, jedes Wort gekonnt hätte. Völlig ineinander versunken, erkannten sie sich im anderen, Hermine war tief getroffen, von der Offenheit und der Verletzlichkeit, die sie bei Severus wahr nahm, während dieser gerührt von der Zuneigung war, die Hermine nicht verstecken konnte und wollte.
Lange gelang es ihnen nicht, sich voneinander zu lösen, es war Severus, der schließlich zur Seite schaute und mit einer, ihm völlig ungewohnt, heiseren Stimme sagte:
"Ich glaube ich muss jetzt allein sein. Versteh mich nicht falsch, aber das ist viel." Das anschließende „zuviel" murmelte er nur noch leise.

Mit einem traurigen Lächeln stand Hermine auf.
„Darf ich dich morgen wieder besuchen, Severus?"
Ein letztes Mal nahm dieser ihre Hand in die seine und flüsterte: „Ja, natürlich."

Dann verließ Hermine den Raum und blieb erst einmal unschlüssig vor der Tür stehen.
'Ich will mit Albus sprechen, hoffentlich ist er da.', beschloss sie still und machte sich auf den Weg.
Vor seinem Büro angekommen, zweifelte sie.
‚Was nur soll ich ihm erzählen, was erhoffe ich mir von ihm?'
Bevor sie für sich die Antworten finden konnte, hörte sie von hinten die gewohnt fröhliche, wenn auch leicht gedämpft wirkende Stimme von Albus Dumbledore.
"Ah, Hermine, wie schön dich zu sehen, komm doch noch mit in mein Büro."

Hermine konnte nicht anders und stimmte zu.

Oben angekommen, sagte sie lange nichts. Dumbledore beobachtete sie geduldig.
Dann begann sie endlich zu sprechen, erzählte von der kurzen Zeit bei Severus, wie verwirrt sie war und wie er sie abgewiesen hatte.

"Was kann ich nur tun, Albus? Der Blick in seine Augen, der Schmerz, den ich dort gesehen habe. Wie kann ich ihm helfen? Wie kann ich uns helfen?"

"Da gäbe es mehrere Möglichkeiten, Hermine. Eine wäre einfach, habe Geduld mit ihm, sei für ihn da. Nur bin ich mir nicht sicher, ob dass bei dem Leid, welches er erleiden musste, noch genügt. Wir könnten es probieren.
Dann gäbe es da noch eine zweite Möglichkeit. Diese würde ich allerdings nicht gerne anwenden. Hast du schon einmal etwas von der ‚3-wöchigen Verbindung' gehört?"

In Hermine arbeitete es. Schließlich erwiderte sie: „Nein, leider nicht, was ist das?"

"Keine Sorge, du musst es nicht kennen, es ist eine recht unbekannte Methode, die in den Büchern von Hogwarts nicht zu finden ist.
Ich will es dir erklären.
Diese ‚3-wöchige Verbindung' wendet man an, wenn ein Mensch unbeschreibliches Leid erfahren musste, durch eigene Erfahrungen aber nicht genügend positive Energien hat, um es zu bewältigen.

Man verbindet diesen Menschen mit einem körperlich und psychisch stabilen anderem Menschen, der gewillt ist das Risiko und eine Menge Unannehmlichkeiten auf sich zu nehmen, um dieser Person zu helfen.
Eine weitere Voraussetzung ist, dass sich die beiden Betroffenen durch ein Ereignis, ganz gleich welches, sehr Nahe stehen.
Die Verbindung läuft über eine tiefe Trance, die, mit verschiedenen komplizierten Zaubern, über diese 3 Wochen aufrecht erhalten wird. Und zwar über jeden einzelnen Moment dieser 3 Wochen. Eine Pause gibt es nicht.
In dieser Trance erleben beide Personen noch einmal ausführlich all das Leid, welches der einen Person geschehen ist. Durch die stabile zweite Person, die das Leid mit erlebt, wird die Belastung so verteilt, dass sie meistens für beide tragbar ist.
Wenn alles gut läuft, kann die traumatisierte Person nach diesen 3 Wochen ein fast normales Leben führen. Spaß empfinden, Vertrauen recht schnell aufbauen und alles mögliche mehr."

Hermine zögerte nicht eine Sekunde.
„Ich möchte diese ‚3-wöchige Verbindung' mit Severus durchstehen. Je eher, desto besser. Die Folgen für mich sind mir egal, aber dafür das Severus ein normales Leben führen kann, würde ich alles tun. Wir sind doch sicher durch diese letzte Zeit und die Gefühle, die ich für ihn habe, genug verbunden."

Dumbledore seufzte.
"Ich hatte es gehofft und gefürchtet, dass du so etwas sagen würdest, Hermine.
Ja, die Verbindung zwischen euch ist mehr als ausreichend, aber Severus muss auch einverstanden sein und ich muss, will und werde dich nun noch ausführlich über die Risiken, die für dich entstehen aufklären."

Hermine nickte knapp. ‚Nichts von dem was Albus sagen wird, wird mich von meinem Entschluss abbringen.'

Die nächsten fünf Minuten wurde Hermine ausführlich über sämtliche Risiken und Nebenwirkungen aufgeklärt. Diese waren beträchtlich. Von den Spätfolgen wie Wahnsinn einmal abgesehen, waren die Belastungen während der Behandlung schon mehr, als viele Menschen hätten ertragen können. Hermine würde jeden Moment mit Severus miterleben, als wären es ihre eigenen Gefühle und Erlebnisse.
Dumbledore ermahnte sie, sich klar zu machen, dass Severus schlimmeres erlebt hatte, als alle Menschen zuvor, die diese ‚3-wöchige Verbindung' eingegangen waren.
Außerdem würde durch diese 3 Wochen eine dauerhafte Verbindung geschaffen, die auch nicht mit dem physischen Tod endete, sondern sich noch durch weitere Inkarnationen webte.

Doch auch nach dieser Aufklärung zweifelte Hermine nicht einen Moment.

Angst hatte sie nur vor einem. „Albus, wie nur bekommen wir Severus dazu, dass er dem zustimmt? Wie kann er mir jetzt schon so vertrauen, dass er mich so an seinen Ängsten und schlimmen Erlebnissen teilhaben lässt?"

"Hermine, wenn du mir in zwei Tagen immer noch sagst, dass du es unbedingt tun willst, dann werde ich einen Weg finden, Severus zu überzeugen. Aber diese zwei Tage weitere Bedenkzeit, musst du dir zugestehen."

So verblieben sie dann und Hermine machte noch einen langen Spaziergang, ging in ihre Räume und fiel in einen unruhigen Schlaf.

Zwei Tage später stand sie frühmorgens wieder in Dumbledores Büro um ihm mitzuteilen, dass sich ihr Entschluss noch gefestigt hatte.

Und so machte sich Dumbledore daran, Severus zu überzeugen, was ganze zehn Tage dauerte, in denen dieser Hermine auch nicht sehen wollte und eine Heilerin aus Frankreich zu kontaktieren, die sich gut mit der Methode auskannte. Catherine, die Heilern, sagte auf Dumbledores Bitte hin, die Verbindung durchzuführen, sofort zu.

Einen Monat später war dann alles vorbereitet und Hermine und Severus lagen nebeneinander, Hand in Hand, in einem großen Bett.
Beide hatten sie vorher noch lange Gespräche geführt. Nachdem er Dumbledore die Zustimmung gegeben hatte, war er wieder zugänglicher geworden und er und Hermine kamen sich sehr Nahe.
Aufgeregt lagen sie da und bejahten die Frage, ob sie bereit seien.

Catherine begann, die Zauber zu sprechen. Viele waren nötig, um die Verbundenen über die 3 Wochen körperlich stabil zu halten und noch mehr, um die komplizierte Trance ohne Unterbrechung aufrecht erhalten zu können.
Alle anderen mussten gehen und der geschützte Raum wurde von außen noch extra versiegelt.
Jetzt waren Severus und Hermine allein, einzig Catherine war noch da, um beide zu überwachen.

Dann war es soweit und die Zauber waren abgeschlossen.
Der erste Tag der Trance begann mit einem langsamen herantasten an den jeweils anderen, um die engste geistige und seelische Verbindung aufzubauen, die zwischen zwei Menschen möglich war.

Severus und Hermine erreichten diesen Zustand schnell und so konnten sie aus ihrem nahen beisammen sein noch Kraft für die kommenden, anstrengenden drei Wochen sammeln.