Harry Potter and the Paradigm of Uncertainty
Autor: Lori Summers
Deutsche Übersetzung: Dani und Alina
http://www.HarryPotter-Translations.de
Disclaimer:
Diese Geschichte basiert auf Situationen und Charaktere, die das geistige Eigentum von Joanne K. Rowling sowie von verschiedenen Verlegern (z.B. Bloomsbury Books, Scholacsti Books, Carlsen Verlag, etc.) sind.
Ebenso gehören die Charaktere von Laura Chant, Sorry Carlisle und der gesamten Carlisle-Familie entstammen dem exzellenten Roman "The Changeover".Weder die Autorin, noch die Übersetzer dieser Geschichte verdienen Geld damit und es liegt nicht in ihrer Absicht Copyrights oder Warenzeichen zu verletzen.
Hinweis für Minderjährige:
Diese Geschichte spielt einige Jahre nach Harry Potter und der Stein der Wesen.
Aufgrund dessen handelt es sich um eine Geschichte für Volljährige Leser.
Um dies genauer zu begründen: Die jeweiligen Charaktere sind nun erwachsen. Das bedeutet, dass in ihrem Leben auch Krieg, Gewalt und Sex eine Rolle spielen, nur um einige zu nennen.
Komplex:
Harry Potter and the Paradigm of Uncertainty ist der erste Teil der Trilogie von Lori Summersund wird von Dani und Alina übersetzt. Der zweite (the Show that never ends) und dritte (Hero with a thousand faces) werden übersetzt von Claudia, Lilly Black, Nicole, Katrin und Stephanie. HWTF wird zukünftig noch übersetzt und dann auch online gestellt, ebenso die vorhandenen Cookies.
Wer dann immer noch nicht genug hat, kann zudem die „Vorgeschichte" von POU lesen.
Diese wurden jedoch nicht von Lori Summers geschrieben, sondern sind 2 eigenständige Geschichten von Penny und Carole und lauten „A Sirius Change" und „A Sirius Affair".
Wir wünschen euch viel Spaß beim lesen.
Viertes Kapitel:Freunde von ganz unten
Nach dem aktionsgeladenen Wochenende fanden mehrere Tage keine besonderen Ereignisse statt. Harry, der vorgehabt hatte, mindestens eine Woche wegzubleiben, blieb stattdessen zu Hause, nachdem Hermione darauf beharrt hatte, dass seine Abwehrkräfte geschwächt waren und er sich ein paar Tage ausruhen sollte. George kam von seiner Geschäftsreise zurück und ihm und Laura wurde alles erzählt... beide behaupteten, es schon die ganze Zeit über geahnt zu haben, und trotzdem nahmen die Beiden den armen Harry für mehrere Stunden ins Kreuzverhör. Harry schickte Hedwig mit einer Nachricht an Cho, um sie auf den neusten Stand zu bringen... Hermione nahm an, dass er ebenfalls ein Gespräch erwähnte, dass er mit Cho führen wollte, welches die Fragen beinhaltete, wie sie es herausgefunden hatte und was sie dazu veranlasst hatte, geheime Informationen zu enthüllen.
Hermione ging wieder zur Arbeit, obwohl ihr ihr Büro noch kleiner und stickiger als zuvor vorkam. Jetzt, da sie es offen zugegeben hatte, erreichte ihre Abscheu gegenüber ihrer eigenen Arbeit bisher ungeahnte Höhen und sie entwickelte Null Verträglichkeit mit allem, was mit Arbeit zu tun hatte. Sie ertappte sich dabei, wie sie die Stunden bis zum Arbeitsschluss zählte. Mittwochs dachte sie sich Gründe aus, um früher Feierabend machen zu können.
Das einzige Lächeln, das am Tag ihr Gesicht schmückte, erschien, wenn sie auf das Tor und den langen Weg zum Haus zusteuerte... an dem Torpfosten war ein schmiedeeisernes Schild angebracht, welches den Namen, den die sechs Bewohner ihrem Haus gegeben hatten, trug: Bailicroft. Sie parkte ihren Mercedes (ein Geschenk, das sie sich selbst gegönnt hatte, als sie befördert wurde) auf dem Hof zwischen Lauras VW Beetle und Harrys Jeep und rannte fröhlich die Treppen zur Tür hinauf.
Das erste, was sie hörte, als sie das Haus betrat, war Musik und Gelächter. Sie folgte ihren Ohren in den großen Festsaal, der fast die ersten beiden Stockwerke des Westflügels einnahm... es war ein gewaltiger, eleganter Raum, für den sie noch nicht viel Zeit aufbringen konnten. Das abgeschliffene Parkett war blank, die acht Fenstertüren, die den Blick auf die Westveranda freigaben, waren mit Tüchern und Stoffen verhangen, und die paar Möbelstücke, die noch im Umkreis verblieben sind, waren lediglich formlose Klötze unter staubigen Lumpen. Sie trat durch die große Doppeltür und stieß auf Justin, Laura und George. George saß an einem CD-Player und sah zu, wie Justin und Laura tanzten, was eher wie die aufrechte Version eines epileptischen Anfalls aussah. Hermione stellte ihre Tasche ab und grinste. „Was soll das denn werden?"
George sprang aufgeregt in die Höhe. „Holla, hier kommt genau die Person, die wir brauchen!"
Justin ließ Lauras Hände los. „Wir versuchen Swing Dance zu lernen."
Hermione lachte. „Wie, durch Ausprobieren?"
Justin wedelte ungeduldig mit der Hand. „Das brauchen wir nicht mehr, Kinder. Hermione kann uns zeigen, wie es geht."
Laura schnaufte. „Oh, natürlich, da sie ja so vernarrt ins Tanzen ist!"
George drohte ihr mit dem Finger. „Das zeigt, dass du überhaupt keine Ahnung hast, Fräulein Besserwisserin. Zufälligerweise war unsere Hermione vor einiger Zeit die Königin des Swing Dance. Sie und Harry wussten, wie man das Tanzbein schwingt. Was denkst du, woher all die Platten kommen, die wir hier hören?" Hermione errötete, als sich Lauras Augen weiteten.
„Quatsch keine Opern! Und wann bitte soll das gewesen sein?"
George war in seinem Element, wenn er attraktive Geschichten über seine Freunde an ahnungslose Zimmernachbarn weitergeben durfte. „Als sie in London gelebt haben. Das waren schwierige Zeiten... Harrys gesamtes Geld war in irgendwelchen Investitionen angelegt und Hermione war gerade dabei, ihr Studium abzuschließen. Sie konnten sich nicht mal einen Fernseher leisten. Sie waren von ihren meisten Freunden weit entfernt und hatten nicht viel zu tun, also fingen sie an, Swing zu tanzen."
Laura stupste Hermione mit dem Ellbogen an, die sich zu der kleinen Gruppe gesellt hatte. „Nimmt er mich auf den Arm?"
„Leider nein. Er hat recht, es gab wirklich nicht viel zu tun, also fingen wir an, in Swing Clubs zu gehen... hauptsächlich, weil wir beide die Musik mochten und es die einzigen Orte waren, an denen man anständige Drinks bekam, und die nicht von Postboomern mittleren Alters überfüllt waren. Jedenfalls haben wir die Tänzer beobachtet... viele von ihnen waren wirklich gut. Es sah aus, als würde es Spaß machen, also haben wir es versucht. Nach ein paar Wochen haben wir beschlossen, Stunden zu nehmen. Ich denke, wir beide haben es genossen, etwas mit anderen Leuten zu unternehmen. Nach dem Gemeinschaftsleben in Hogwarts war das Leben in städtischer Isolation ein unsanftes Erwachen. Wir haben fast jeden Abend in einem der Klubs verbracht; es hat nicht lange gedauert, bis wir ziemlich gut waren."
George sprang ein. „‚Ziemlich gut' ist eine leichte Untertreibung. Ich war einmal zu Besuch da unten und ich war mit ihnen in einem der Clubs... ich sage euch, es war das Heftigste was ich je gesehen habe. Sie kamen zur Tür herein und alles hielt inne, jeder rief ihre Namen. Sie betraten die Tanzfläche und alle anderen hörten auf zu tanzen, bildeten einen Kreis und schauten einfach nur zu. Ich konnte meinen Augen kaum trauen. Es war wie im Film. Unsere Hermione mit wehendem Rock und Harry, der sie über die ganze Tanzfläche wirbelte, und sie haben all diese irren Bewegungen vollbracht, das Schleudern, das Heben und Drehen, und ich saß einfach nur da und wünschte, ich könnte dazuspringen und genauso tanzen wie sie, weil es einfach nur so aussah, als könnte ein Mensch nicht mehr Spaß haben."
Hermione nickte, als sie sich erinnerte. „Es machte Spaß, und es war ein wunderbares Gefühl, wieder gut in etwas zu sein... die meiste Zeit schien es so, als wäre die Hochschule nur dazu da, dass man sich nie wieder gut in etwas fühlte. Wir hatten etwa acht oder neun Clubs, die wir besuchten und wir gingen jeden Abend in einen Anderen. Deshalb wurden wir ziemlich bekannt. Eines Abends sagte ein Barmixer, den wir kannten, wir sollten doch bei einem Wettbewerb mitmachen. Wir wussten nicht einmal, dass es Wettbewerbe gab... es stellte sich heraus, dass eine ganze Reihe von Wettbewerben stattfanden. Also dachten wir uns, wieso nicht?"
„Habt ihr mal gewonnen?", sagte Laura.
„Und ob sie mal gewonnen haben!", rief George. „Sie hat oben eine ganze verdammte Kiste voller Trophäen, die solltet ihr sehen. Sie waren königlich, es war wie Saturday Night Fever ohne die Bee Gees!"
Hermione rollte mit den Augen. „George ist bloß melodramatisch."
„Bin ich nicht. Eine Swing Band wollte sie sogar in ihrem Musikvideo haben!"
Justin brach in Gelächter aus. „Mein Gott, das ist krass!"
„Nun, wir haben es abgelehnt", murmelte Hermione.
Laura schüttelte bloß den Kopf. „Ich kann nicht glauben, dass ich das erst jetzt erfahre. Warum hast du nie davon erzählt? Warum habt ihr aufgehört?"
Hermione zuckte mit den Schultern. „Wir haben aufgehört, als ich meinen Abschluss und einen wirklichen Job bekommen habe, und dann haben wir dieses Haus gefunden... Ich weiß nicht, ... es war eher so, dass wir nur damit gespielt haben ... wie mit Exploding Snap. Darüber habe ich auch noch nie gesprochen."
„Genug geschwätzt, lasst uns auf den Punkt kommen. Hermione, tu uns einen Gefallen und hilf den unglücklichen Rhythmusgestörten."
Sie trat einen Schritt zurück. „Oh nein, das denke ich nicht. Harry war immer besser darin als ich."
„Aber du bist die bessere Lehrerin. Harry hat keine Geduld", sagte George. „Er hat ein paar Mal versucht, es mir beizubringen, aber es endete immer damit, dass ich mich als der unkoordinierteste Mensch der Erde fühlte. Jetzt komm schon, nur die Grundlagen."
„Es ist so lange her, ich erinnere mich gar nicht."
„Oh, du Lügnerin!", sagte eine neue Stimme. Sie drehten sich um, um Harry vorzufinden, der im Türrahmen stand. Er trat vor und stellt sich neben Hermione. „Natürlich erinnerst du dich."
George grinste. „Nun, wenn das nicht Potter ist... Harry Potter."
Harry warf ihm einen bösen Blick zu. Hermione protestierte immer noch gegen die Swing Dance Frage. „Nein, im Ernst, es ist Jahre her…"
„Nur ein paar. Es wird schon wiederkommen."
„Da hast du es!", sagte Laura aufgebracht. „Zeigt uns die Schritte! Schwingt das Tanzbein!" Hermione warf ihr einen düsteren Blick zu.
Harry stupste sie mit dem Ellbogen an. „Los komm, was sagst du? Der guten alten Zeiten Willen?"
Sie schüttelte den Kopf. „Ich habe nicht die passenden Schuhe", sagte sie und versuchte sich aus der Situation zu winden.
„Das haben wir gleich." Er lehnte sich vor, streckte eine Hand nach ihren Füßen aus und eine Sekunde später waren ihre Doc Martens ihren alten Bliers gewichen. Sie fühlten sich so bequem und vertraut an, wie eine Lieblingsjeans.
Sie sah mit einem flehenden Gesichtsausdruck zu ihm hoch. „Ich werde auf meinem Arsch landen, weißt du."
„Du doch nicht. Bist doch leicht wie eine Feder." Er grinste George an. „Leg uns ne Platte auf, G." George eilte bereitwillig zum CD-Player.
Laura und Justin zogen sich zurück, um zuzuschauen. Harry nahm sanft Hermiones Hand und als die Musik begann, gingen sie in die Mitte der Tanzfläche, ihre Schritte im Rhythmus der Musik, sie sahen aus, als ob sie gerade auf einem Spaziergang wären... dann war das Intro zu Ende, die Musik kam in Gang und ganz plötzlich tanzten sie, bewegten sich in engen Kreisen umeinander herum und hielten abwechselnd eine Hand mit der Anderen. Laura klappte der Mund auf. Sie waren so schnell, dass sie über den Boden zu gleiten schienen, wobei ihre Füße kaum das Holzparkett berührten, als sie die Schritte schnell und leicht ausführten. Hermione begann zu lächeln, ihr Rock wirbelte hoch bis an ihre Hüfte und drehte sich, genau wie George es beschrieben hatte. Ihre Selbstsicherheit schien zu steigen, als ihre Füße sich erinnerten, was sie tun mussten; die Schritte wurden schneller und komplexer. Laura klatschte, als Harry Hermione einfach über seinen Arm schwang, als wenn sie überhaupt nichts wiegen würde. Sie grinsten jetzt beide breit, als sie im Zimmer herumwirbelten, fallend, drehend, springend und werfend.
Laura hätte ihnen stundenlang zuschauen können, aber bald war das Lied zu Ende und alle jubelten. Harry und Hermione klatschten lachend ab. „Ich kann nicht glauben, dass ich noch weiß, wie es geht", sagte sie atemlos.
„Klasse!", sagte Harry strahlend. „Ich hatte vergessen, wie viel Spaß mir das gemacht hat."
„Das war spitze! Brillant!", rief Laura. „Jetzt will ich es wirklich lernen, obwohl ich bezweifle, dass ich jemals so gut sein werde." Sie stieß Justin mit ihrem Ellbogen. „Lust, mein Partner zu sein, Mitbewohner?"
„Mit Vergnügen. Bist du sicher, Sorry macht es nichts aus, wenn du mit einem anderen Mann ausgehst?"
Sie lachten alle... außer Harry. Hermione sah zu ihm auf, und das Lachen blieb ihr im Hals stecken, als sie sein Gesicht sah. Er starrte Laura wie gebannt an und sah aus, als hätte er gerade ein Gespenst gesehen. „Was hast du gesagt?", fragte er scharf. Die Gruppe verstummte.
„Was meinst du?", sagte Laura verwirrt.
„Wem? Wem wird es nichts ausmachen?"
Sie sah Hermione an. „Ähm... Sorry. Meinem Freund? Du kennst ihn doch."
„Ich dachte, er heißt Sorenson", sagte Harry in einem intensiven Ton, als ob es sehr wichtig wäre.
„Tut er auch, aber... die meisten Leute nennen ihn Sorry. Freunde, Familie und so."
Harry nickte. „Und zweifellos andere Zauberer."
Hermione legte eine Hand auf seinen Arm. Er war so angespannt, dass es sich anfühlte, als ob man Marmor anfasste. „Harry, was ist los? Was stimmt denn nicht?"
Er schaute zu ihr herunter, mit einem sehr seltsamen Gesichtsausdruck, als ob er versuchen würde, eine sehr komplizierte Matheaufgabe im Kopf zu lösen. „Ich muss gehen", sagte er.
„Jetzt gleich? Aber..."
„Keine Zeit für Erklärungen. Ich bin bald zurück", sagte er, drehte sich um und rannte aus dem Saal. Die vier Zimmergenossen blieb nichts übrig, als sich gegenseitig anzustarren. „Was zum Kuckuck war das?", murmelte Justin.
Hermione schüttelte den Kopf. „Ich hab keinen blassen Schimmer."
Es war außerhalb der Arbeitszeit, also kam Harry in der Sicherheitszone anstatt innerhalb der Einrichtung an, als er zur Quarantänestation apparierte. Der Zauberer, der den Eingang bewachte, stand auf. „Keine Besucher", sagte er.
Harry schritt nach vorne und zückte sein Abzeichen aus seiner hinteren Tasche. Die Wache überprüfte sie mit etwas, das unter anderen Umständen eine amüsante Intensität gewesen wäre. „Ich muss sofort Dr. Stillwagon sehen."
„Tut mir Leid, es ist außerhalb der Arbeitszeit."
„Sie verstehen mich nicht. Das ist ein Notfall! Ich muss Elektra jetzt sofort sehen!"
„Keine Ausnahmen! Dr. Stillwagen ist nicht zu sprechen!"
Harry richtete seine ganzen 1 Meter 80 auf und setzte den tödlichsten Blick auf, den er hatte und bereitete sich darauf vor, etwas zu tun, was er noch nie zuvor getan hatte... die Promi-Karte auszuspielen. „Wissen Sie denn nicht, wer ich bin? Ich bin Harry Scheiß-Potter und das hier kann nicht warten! Jetzt rufen Sie sie auf der Stelle nach oben!"
Die Wache suchte stotternd nach Worten. Bevor er sprechen konnte, erlosch der Trennwand-Zauber hinter der Tür schimmernd und brachte Elektra zum Vorschein, die dort stand. „Ist schon in Ordnung, Nigel. Lass den Chef rein." Da er aus dem Schneider war, fühlte sich die Wache sicher genug, Harry böse anzuschauen, als er vorbei und durch den Eingang lief. Der Zauber wurde hinter ihnen wieder wirksam und Elektra trabte Harry hinterher, der den Korridor entlang eilte, ohne auf sie zu warten. „Harry, was zum Teufel geht hier vor? Was ist so dringend, dass es nicht bis morgen warten konnte?"
„Ich muss Leland sehen."
„Ich glaube nicht, dass das helfen wird! Es geht ihm schlechter", sagte sie, streckte einen Arm aus und zwang ihn, stehen zu bleiben. Harry seufzte und verdrängte seine Eile für einen Moment.
„Schlechter? Wie?"
„Wir haben es mit jedem Gegenfluch-Trank versucht, den wir haben und nichts hilft. Er ist noch weiter in die Katatonie versunken, er zeigt überhaupt keine Reaktion. Ich weiß nicht, was du dir erhoffst, von ihm zu erfahren."
„Ich muss es versuchen", sagte Harry, lief weiter den Gang entlang und redete beim Gehen weiter. „Erinnerst du dich, was er ständig sagte?"
„Wie könnte ich das vergessen? Das ist alles, was wir aus ihm herausgekriegt haben... er sagte immer wieder ‚sorry' und ‚ettamedab'. Wir verstehen immer noch nicht, was das bedeutet."
„Ich denke, ich habe eine Idee wegen der Entschuldigungen", sagte er, als sie Lelands Tür erreichten. Elektra öffnete sie und Harry schob sich an ihr vorbei in den dunklen Raum. Leland lag auf einer Couch an der Wand.
„Leland!", sagte Harry, neben der Couch kniend. „Leland, kannst du mich hören?" Keine Antwort. Er sah zu Elektra auf. „Kannst du nicht irgendwas tun?"
Sie warf ihre Arme in die Luft. „Was habe ich denn gerade gesagt? Wir haben alles getan, was wir konnten!"
Harry beugte sich wieder über Leland. „Sorry, Leland... gab es etwas, was du mir über Sorry sagen wolltest?" Nichts. „Leland!", sagte er ein letztes Mal. Er stand auf und die Frustration fuhr mit ihren scharfen Krallen über die Innenseite seines Schädels. Er hätte am liebsten einfach etwas gepackt und es in Stücke gerissen, um seinen Drang, es herauszubekommen, loszuwerden... der einzige Mensch, der ihm sagen konnte, ob er Recht hatte, redete nicht.
„Was ist hier los?", sagten Elektra, ihr Ton schärfer und eine Antwort fordernd. Harry drehte sich zu ihr um und fuhr mit einer Hand durch sein Haar.
„Fandest du es nicht seltsam, wie er immer wieder ‚sorry, sorry' sagte, ohne jemals ‚es tut mir Leid' zu sagen? Und einen Augenblick lang brachte er all seine Konzentration auf, um zu mir ‚sorry' zu sagen, als ob es etwas sehr Wichtiges wäre."
„Harry, du kannst keine Schlüsse ziehen aus den Worten eines Mannes, der seinen Verstand fast verloren hat. Vielleicht war die Entschuldigung für ihn so wichtig."
„Aber ich denke nicht, dass es überhaupt eine Entschuldigung ist", sagte Harry. „Ich glaube, es ist ein Name. Ich glaube, er versuchte mir mitzuteilen, wer ihn angegriffen hat."
Hermione zeigte mit ihrem Zauberstab auf den Topf auf dem Herd und dieser begann zu brodeln und zu blubbern; sie schüttete etwas Kakaopulver hinein und rührte um. „So, lass mich sehen, ob ich das richtig verstehe", sagte sie. „Du denkst, dass Lauras Freund ein Anhänger der dunklen Kräfte ist, bloß weil ein Spion, der nur noch einen kleinen Schritt vom Gehirntod entfernt ist, kein richtiges Subjektivpronomen benutzte, als er sich bei dir dafür entschuldigt, dass er sich hat entführen lassen?"
Harry seufzte, nahm eine Tasse Kakao entgegen und sah sie verlegen an. „Es klingt nicht ganz so plausibel, wenn du es sagst."
Sie setzte sich neben ihn an den riesigen Küchentisch. „Du musst zugeben, dass es ein bisschen weit hergeholt ist."
„Du warst nicht da", sagte er und schlug mit der Faust auf den Tisch. „Ich sag es dir, es klang so eigenartig, irgendwie unnatürlich. In dem Moment wusste ich auch nicht, was es bedeutet, aber es klang einfach nicht so, als würde er sich bei mir entschuldigen. Er verhielt sich so, als wäre das Wort ‚Sorry' sehr wichtig."
„Das heißt nicht, dass es ein Name ist."
„Nein, aber ich weiß nicht, was es sonst sein könnte."
„Ein Ort? Ein Gegenstand oder ein Straßenname oder der Name eines Haustieres?"
„Ich habe im Lexikon für Magische Nominative nachgeschaut, und es gab keinerlei Zauberspruchvariation, die Sinn machte."
„Mir fällt ein, dass es eine ganze Reihe von Sprüchen gibt, die mit dem Wortlaut ‚Sorry' anfangen. Sauriarbus maximacatis, zum Beispiel… obwohl ich mir nicht vorstellen kann, wieso er dich in ein großes, lila Monster verwandeln sollte. Vielleicht hat er irgendwie versucht zu zaubern, oder dir mitzuteilen, welcher Spruch an ihm angewandt wurde."
Harry lächelte sie an. „Du bist gar nicht schlecht darin, weißt du."
Sie zuckte mit den Schultern. „Ich könnte es für dich nachgucken."
„Danke. Wir sollten es zumindest ausschließen können. Ich denke immer noch, dass ein Name am wahrscheinlichsten ist. Und zufällig ist es der Name eines Zauberers, den wir kennen? Ich glaube nicht an Zufälle."
„Aber wir behaupten, dass er böse ist."
„Wissen wir, dass er es nicht ist? Wir haben ihn noch nicht einmal getroffen."
„Ich kann mir nicht vorstellen, dass Laura was mit so einem zu tun hat."
„Kann ich auch nicht, aber wer sagt denn, dass sie es weiß? Seit sie hier her gezogen ist, hat sie ihn nur einmal getroffen und in drei Jahren kann sich eine Menge ändern."
Hermione seufzte. „Ich hoffe, du irrst dich. Sie liebt ihn wirklich, und nach dem, was sie mir erzählt hat, beruht das auf Gegenseitigkeit."
„Ich möchte Laure keine Schmerzen zufügen, aber ich muss wissen, ob Sorry der ist, der er behauptet zu sein, oder ob er jemand ist, den ich im Auge behalten muss.
„Du wolltest mich sehen, Chef?"
„Ja, Remus, komm rein. Und du weißt, dass du mich Harry nennen darfst."
Lupin setzte sich auf einen der Stühle vor Harrys Schreibtisch. „‚Chef' klingt besser, findest du nicht?"
„Ich hab immer Angst, dass das so klingt, als wäre ich der Schichtleiter in einer Imbissbude."
„Nur wenn du fragst, ob ich Tee dazu möchte."
Harry räusperte sich. „Du hast keine Vorstellung, wieso ich dich hab rufen lassen."
Lupin schüttelte den Kopf. „Ich könnte mir vorstellen, dass es darum geht, was ich zufällig mitgehört habe, kurz bevor du zusammengebrochen bist."
„Argo hatte kein Recht es zu erzählen, diese Information war geheim."
„Wenn es dir dann besser geht; ich habe keine Ahnung, wovon ihr geredet habt. Aber wenn du mich mit einem Erinnerungszauber belegen musst, dann verstehe ich das."
Harry stand auf, kam um den Schreibtisch herum und setzte sich auf dessen Kante. Er musterte Lupin und entschied, wie sehr er ihm vertraute. Wenn ich ihm jetzt nicht vertraue, dann werde ich es niemals, dachte er. Er hat nie etwas getan, das mich seine Integrität anzweifeln ließ... und er ist einer meiner engsten Freunde. „Ich werde dich einweihen", sagte er, als er seine Entscheidung gefällt hatte. „Weil ich deine Hilfe brauche, und angesichts dessen, was mit Leland passiert ist, kann ich es nicht mehr rechtfertigen, dich da raus zu halten."
Lupin richtete sich auf. „Ich weiß das Vertrauen zu schätzen."
„Du hast es dir verdient." Er sah Lupin durchdringend an. „Argo hat mich nach ‚dem Muster' gefragt und ob Lelands Verschwinden hineinpasst."
„Ja. Was ist das genau?"
„In den letzten paar Jahre haben diejenigen von uns, die sich damit beschäftigten, in den Aktivitäten der dunklen Kräfte eine Entwicklung bemerkt. Gewalttätige Handlungen, die keinen Sinn zu machen scheinen, aber nur, bis du sie in einen größeren Zusammenhang bringst. Diebstahl von altertümlichen magischen Artefakten und Talismanen. Bedrohungen, Einschüchterungen, Erpressungen... Druck auf Zauberer in wichtigen Positionen."
„Klingt recht gewöhnlich."
„Nicht im Großen und Ganzen. Fakt ist, dass diese Aktivitäten stark an Voldemorts Taktiken, Macht zu gewinnen erinnern. Es ist zu viel, als dass man es als Zufall abtun könnte."
Lupins Augen weiteten sich. „Das kann nicht sein. Er ist tot... du solltest das besser wissen als irgendein anderer!"
„Tot mag er sein, aber vergessen ist er sicherlich nicht. Wir nehmen an, dass jemand seinen Namen, sein Markenzeichen und seine Strategien benutzt, um eine neue Anhängerschaft der dunklen Magie aufzubauen. Seit wir das erste mal darauf aufmerksam geworden sind, sind die Geschehnisse, die in das Muster passen, häufiger geworden, obwohl wer auch immer es instrumentiert, sehr darauf bedacht ist, seine Aktivitäten im Dunklen zu halten. Lelands Entführung war bisher die offenkundigste Tat, und es macht den Eindruck, als sollten wir uns auf eine Eskalation einstellen."
„Harry... wenn wirklich jemand versucht in Voldemorts Fußstapfen zu treten, dann würde das bedeuten..."
„Dass sie sich auf mich fixieren, ja, ich bin mir dessen völlig bewusst. Ich habe, seit ich dieses Büro übernommen habe, sehr viel Zeit damit verbracht, die Wege durchzugrübeln, durch die Voldemort versucht hat mich zu beseitigen, bis ich ihn schließlich besiegen konnte."
„Nicht nur du könntest ein Risiko sein. Er hat jeden um dich herum angegriffen, Menschen die dir nahe standen."
Harry atmete schwer. Lupin hatte gerade seine tiefsten Ängste ausgesprochen... dass es Voldemorts neuer Jünger auf die Menschen abgesehen hatte, die ihm am Wichtigsten waren. Seine Mitbewohner, seine Freunde... und die eine gute Freundin welche dieser dunkle Zauberer beim ersten Mal nicht töten konnte. Sein Geist entfernte sich von dem Gedanken, dass Hermione Schmerz zugefügt werden könnte, es war ganz einfach eine Vorstellung, die er nicht aushalten konnte. „Dessen bin ich mir ebenfalls bewusst. Ich habe einige Schritte ausgeführt, um die Sicherheit der Leute um mich herum zu erhöhen, aber ich würde das Risiko gerne dadurch beseitigen, dass ich diesen neuen Anhänger finde und ihm haargenau demonstriere, wie ich seinen Meister ins Jenseits befördert habe."
Hermione sah Laura verstohlen an, deren Kopf über den Arbeitstisch gebeugt war, als sie die Stiele umwickelte und zum Haltbarmachen in den Feuchtraum brachte. Sie waren im Töpferraum, den sie in einen Arbeitsraum zum Zubereiten von Zaubertrankzutaten und Anbauen von Kräutern und magischen Pflanzen umgewandelt hatten. Seit Wochen drückten sie sich davor, ein neues Bündel Drachenkrautstiele haltbar zu machen. Es war ein mühsamer und zeitaufwendiger Prozess, aber heute Abend hatte Hermione vorgeschlagen, sich darum zu kümmern. Sie hatte bestimmte Hintergedanken; die Tätigkeit gab ihr genügen Zeit, Laura zu befragen. Hermione erntete die Stiele, enthäutete sie vorsichtig und gab sie Laura, die sie mit totem Seegras umwickelte und für einen Mondzyklus in einem speziellen Konservierungskasten zum Dünsten in eine Dampfkammer brachte.
„Ich hab gesehen, dass du heute einen Brief von Sorry bekommen hast", sagte Hermione.
„Jaaa. Er versucht mindestens einmal die Woche zu schreiben."
„Wo ist er im Moment?"
„Grönland. Er versucht mit einer Gruppe einheimischer Zauberer ihre magischen Pflanzen zu entseuchen, die von großen ostasiatischen Kletterpflanzen befallen sind." Sie lächelte Hermione an. „In der Stimmung für Geständnisse?"
„Wie meinst du das?", fragte sie unschuldig.
„Du warst schon immer an meiner Vergangenheit interessiert."
„Du sprichst nie darüber, natürlich bin ich dann neugierig."
„Ich spreche nicht darüber, weil es so persönlich ist... und sonderbar." Sie zögerte. „Ich schätze ich habe Angst, dass die Leute denken, ich wäre unnormal, wenn sie die Wahrheit wüssten."
Hermione hielt fasziniert mit ihrer Arbeit inne. Sie hatte nichts aus Lauras Vergangenheit erwartet, sie wollte einfach nur mehr Informationen über Sorry. „Laura, du bist mir eine der Liebsten. Ich würde niemals denken, dass du unnormal wärst!"
„Ob du würdest oder nicht, ich schätze, es ist Zeit, es dir zu erzählen." Sie legte ihren Bindedraht zur Seite und drehte sich in ihrem Stuhl herum und wandte sich Hermione zu, die auf der Bank saß und sie ansah. „Herm... ich wurde nicht als Hexe geboren."
Hermione runzelte die Stirn. „Was meinst du damit?"
„Ich meine, ich bin mehr als nur als Muggel geboren. Ich bin als ein Muggel geboren, der keine erwähnenswerte magische Fähigkeit hat."
„Ich wusste nicht, dass das möglich ist."
„Ist es aber, ich bin der lebende Beweis. Trotzdem war ich anhand eines Muggel-Maßstab nicht gerade normal. Ich war... besonders. Ich wusste Dinge, ich konnte Dinge fühlen."
„Du musst eine Sensitive gewesen sein."
Laura sah verwirrt aus. „Eine was?"
„Eine Sensitive. Manche Muggel haben einen Schuss magischen Blutes in ihnen, nicht genug, um selbst Magie zu betreiben, aber sie können ihre Anwesenheit spüren. Sie nennen sich normalerweise Medien... einige von ihnen können in die Zukunft sehen, oder bekommen Eindrücke von Objekten oder Leuten oder Orten. Manche können Dinge mit Hilfe ihrer Gedanken bewegen, solche Sachen."
„Na ja, falls ich eine Sensitive war, war ich ziemlich wenig sensitiv.Ich bekam früher Warnungen. Ich kann nicht wirklich erklären, was sie waren, nur dass ganz auf einmal die Welt komisch wurde und alles in meinem Verstand ‚Warnung!' kreischte. Ich bekomme sie manchmal noch. Der Mensch, der mich am allermeisten beeinflusst hat, war Sorry. Er ist drei Jahre älter als ich, und er war Vertrauensschüler an meiner Schule. Ich wusste, dass er ein Zauberer war, in dem Augenblick, wo ich ihn gesehen habe, und ich habe mich nicht geirrt."
„Du wusstest es einfach?"
„Ja. Und er wusste, dass ich es wusste. Er konnte es in meinen Augen sehen. Es wäre vielleicht nie zu etwas gekommen, aber dann wurde mein kleiner Bruder Jacko von einem Inkubus angegriffen. Ich ging zu Sorry und seiner Familie, um Hilfe zu bekommen."
„Seiner Familie?"
„Seine Mutter Miryam und seine Großmutter Winter sind beide Hexen. Sie sagten mir, dass nur ich meinem Bruder nur helfen konnte, wenn ich selber eine Hexe werden würde."
Hermione sah sie mit ernster Miene an. „Du weißt, dass das nicht wahr ist, oder?"
„Ja, das weiß ich. Sie hatten ihre eigenen Gründe, mich in ihrem Team zu wollen. Winter und Miryam halfen mir, eine Verwandlung durchzuführen, und ich wurde eine Hexe."
Hermione war fasziniert. „Diese Verwandlung... wie ging sie vor sich?"
„Ich weiß jetzt, dass ich in einem tiefen Zustand der Selbsthypnose war, in dem es mir möglich war, mein Gehirn neu zu verkabeln, so dass es empfänglich für Magie war. Es fand alles in ihrem Badezimmer statt, aber ich fühlte mich, als wäre ich auf einer Reise durch ein fremdes Land... Wälder aus Dornen, Flüsse, in denen mein Blut floss. Aber ich war die ganze Zeit im Badezimmer. Ich war... ich nehme an, man würde sagen, ich war auf der anderen Seite des Badezimmers; gelegentlich während der Verwandlung, wenn meine Konzentration nachließ, sah ich das Wort ‚ettamedab' vor mir in der Luft schweben."
„Ettamedab?"
„Ja. Es gab einen Teppich in diesem Badezimmer, auf dem ‚Badematte' gedruckt war, und meine Augen sahen ihn umgekehrt. Jedenfalls, als ich zu mir kam, hielt Sorry mich... er hatte eine spezielle Rolle in meiner Verwandlung gehabt... und ich wurde eine Hexe."
„Laura, das ist erstaunlich! Ich wusste gar nicht, dass so eine Prozedur existierte!"
„Tut sie aber, obwohl man sehen kann, warum sie vielleicht am besten geheim gehalten wird. Es gibt welche unter uns, die entsetzt über die Aussicht wären, dass Muggel sich bei uns einreihen. Einige denken, dass es schon schlimm genug ist, dass Zauberer von Muggel-Eltern geboren werden."
Hermione dachte an die Malfoys. Lucius war der Prozess gemacht worden und er wurde verurteilt, da er Anschläge auf Harrys Leben Jahre zuvor Beihilfe geleistet zu haben, aber er war verschwunden, bevor er nach Azkaban gebracht werden konnte. Was Draco anbelangte, beendete er seine Jahre in Hogwarts mit einem viel freundlicherem Verhältnis zu Harry, als es irgendjemand erwartet hätte, obwohl er als Freund wohl zu hoch betitelt worden wäre... trotzdem war es erschreckend gewesen, als er auf dem Weg zurück zur Schule nach den Weihnachtsferien aus dem Hogwarts Express verschwunden war. Er war in seinem Abteil gewesen, als der Zug King's Cross verließ, und als er in Hogsmeade ankam, war er wie vom Erdboden verschwunden. Hermione wechselte schnell das Thema. „Was war mit deinem Bruder?"
„Ich habe den Inkubus ausgetrieben und mein Bruder hat sich wieder erholt. Ich jedoch nicht. Sorry und ich sind seitdem zusammen."
„Also warst du nie auf einer Zauberschule wie Hogwarts?"
„Oh nein. Was ich über Magie weiß, habe ich selbst gelernt, oder von Sorry und seiner Familie. Miryam ist sehr höflich und anständig, aber Winter ist eine sehr mächtige Hexe. Sie weiß nicht, ob ich mir darüber bewusst bin, wie mächtig sie ist."
Hermione dachte über diese Information nach. Es war erstaunlich, aber bis jetzt nichts Verdächtiges. „Erzähl mir von Sorry", bat sie.
Laura grinste und begann wieder, Stiele einzuwickeln. „Was willst du wissen?"
Hermione dachte schnell nach. Ach, nicht viel... ist er vielleicht so ein Typ, der total böse werden würde? „Wie ist er so?"
„So eine komplizierte Frage. Ich bin seit zehn Jahren mit ihm zusammen und kenne ihn kaum selbst." Sie dachte kurz nach. „Er ist ruhig und zurückhaltend, aber er hat einen richtig rebellischen Kern, der an den seltsamsten Momenten zum Vorschein kommt."
„Zehn Jahre", grübelte Hermione beeindruckt. „Ich kann mir nicht vorstellen, einen Mann so lange halten zu können."
„Blödsinn. Du musst doch schon so einige Männer gehalten haben."
Hermione schnaubte sarkastisch. „Na ja, sie haben sich nicht gerade bis vor meine Haustür durchgekämpft."
„Sie sollten aber. Du bist intelligent und interessant und schön..." Hermione konnte sich das Lachen nicht verkneifen. „Das bist du!", rief Laura aus. „Ich würde einen Mord begehen, um solche Haare zu haben wie du!"
„Oh Laura, du bist ein lieber, süßer Mensch und hab dich sehr gern, aber ich glaube, du bist blind. Ich bin total 08/15."
„Tja, ich denke, du bist umwerfend und du wirst mich nicht vom Gegenteil überzeugen." Hermione beugte sich wieder über die Stiele und lief pink an. „Und ich bin nicht die einzige, die so denkt", sagte sie in einem Sing-Sang, der einen stichelnden ‚Ich weiß etwas, das du nicht weißt'- Ton hatte.
„Was soll das heißen?"
„Gleich nachdem ich hier eingezogen war, hatten Harry und ich eine dieser dummen Unterhaltungen über Rockstars und Filme und welche Berühmtheiten wir zum Anbeißen fänden, solche Sachen. Ich sagte, dass ich Paul McGann für den tollsten Mann in England hielt und ihn sofort vernaschen würde. Als ich ihn fragte, wen er sich aussuchen würde, sagte er, er kenne niemanden, der so hübsch sei wie du."
Hermiones Mund klappte auf. „Hat er nicht!"
„So wahr ich hier stehe, er hat es getan."
Sie lächelte verlegen und beugte sich wieder über die Stiele. „Er hat dich wahrscheinlich auf den Arm genommen."
„Denk das ruhig, wenn du dich dann besser fühlst, Herm."
Hermione legte ihre Schere beiseite und wandte sich Laura zu, als ihr plötzlich ein Gedanke kam. „Kann ich dich etwas fragen?"
„Nur zu."
„Hast du je den Eindruck bekommen, dass Harry und ich... na ja, Sex hatten?"
Laura schaute überrascht auf. „Willst du andeuten, dass ihr es nicht getan habt?"
Hermione warf die Hände in die Luft. „Unglaublich! Harry hat mir gesagt, dass das allgemein geglaubt wird, aber ich habe ihm nicht ganz geglaubt."
Laura sah sie mit durchdringendem Blick an. „In Ordnung. Schau mir in die Augen und sag mir, dass während all dieser Jahre in dem selben Schloss, der selben Wohnung, dem selben Leben... du noch nie eine Testfahrt mit ihm gemacht hast?"
Hermione lehnte sich ihr entgegen, die Hände auf dem Tisch, und gab ihren Blick geradewegs zurück. „Nein. Niemals."
Laura schien widerwillig, ihr zu glauben. „Also hast du noch nie mit ihm geschlafen."
„Ich habe an einigen Gelegenheiten das Bett mit ihm geteilt, wenn es die Umstände verlangten, aber alles was wir getan haben, war, zu schlafen und um die Bettdecke zu kämpfen."
Laura schüttelte den Kopf. „Du hast dann mehr Willensstärke als ich. Ich glaube nicht, dass ich unter ähnlichen Umständen meine Hände bei mir hätte lassen können."
Die Art, wie sie das sagte, machte Hermione misstrauisch. „Laura, bis du in Harry verknallt? Ich glaube nicht, dass Sorry das gefallen würde!"
„Ich sage nicht, dass ich es mit ihm treiben will, ich sage, dass ich erstaunt bin, dass du es nicht tust. Er ist so sexy. Und bevor du mich beschuldigst, total jugendlich und hormongesteuert zu sein, ich mache diese Beobachtung objektiv und mit der größten klinischen Distanz."
„Er ist mein bester Freund, und das ist alles. Wir haben nicht solche Gefühle für einander", sagte Hermione, die dringend das Thema beenden wollte. Sie hatte diese Unterhaltung begonnen, um mehr über Sorry herauszufinden... wie um alles in der Welt waren sie am Ende dazu gekommen, über sie und Harry zu reden?
„Wenn du meinst", sagte Laura und nahm sich einen neuen Stiel. „Aber ich glaube doch, dass das die so genannten ‚berühmten letzten Worte' sind."
