Harry Potter and the Show that never ends

Autor: Lori Summers

Deutsche Übersetzung: Claudia, Lilly Black, Nicole, Katrin und Stephanie

http://www.HarryPotter-Translations.de

2. Auflage, Juli 2007

Disclaimer:

Diese Geschichte basiert auf Situationen und Charaktere, die das geistige Eigentum von Joanne K. Rowling sowie von verschiedenen Verlegern (z.B. Bloomsbury Books, Scholacsti Books, Carlsen Verlag, etc.) sind. Weder die Autorin, noch die Übersetzer dieser Geschichte verdienen Geld damit und es liegt nicht in ihrer Absicht Copyrights oder Warenzeichen zu verletzen.

Hinweis für Minderjährige:

Diese Geschichte spielt einige Jahre nach Harry Potter und der Stein der Wesen.

Aufgrund dessen handelt es sich um eine Geschichte für Volljährige Leser.

Um dies genauer zu begründen: Die jeweiligen Charaktere sind nun erwachsen. Das bedeutet, dass in ihrem Leben auch Krieg, Gewalt und Sex eine Rolle spielen, nur um einige zu nennen.

Komplex:

Harry Potter and the Show that never ends ist die Fortsetzung von Harry Potter and the Paradigm of Uncertainty (PoU) von Lori Summers (Übersetzt von Dani + Alina). Zusätzlich gibt es einen dritten Teil, der noch nicht übersetzt wurde, von uns aber weiter übernommen wird. Dieser lautet Harry Potter and The Hero with a thousand faces.

Wer noch nicht genug hat kann ebenfalls die Vorgeschichte zu PoU lesen. Diese Spezialisiert sich jedoch auf Sirius Black und überschneidet sich immer mal im 2. Teil mit PoU.

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen.

Siebtes Kapitel:
Wenn der Sandmann kommt Übersetzt von Katrin, Lektoriert von Lilly Black

Sleep with one eye open
Clutching your pillow tight,
Exit light, enter night,
Take my hand,
Off to Never-Never Land...

--Metallica

Hermione blieb in der Nähe, als Remus und Malcolm Harry auf eine Trage hoben, die von zwei Medizauberern getragen wurde, die sich auf den Weg zum Van machten. Eine bewusstlose Person konnte nicht appariert werden, also mussten sie herkömmlichere Transportwege benutzen. Sie schoben die Trage in den Van, Hermione kletterte hinter ihnen herein und setzte sich an Harrys Seite.

Sie lockerte seinen Kragen und fühlte seinen Puls, während einer der Medizauberer seine Brust abhorchte. „Pulsfrequenz normal", sagte sie. Der Medizauberer öffnete Harrys Augenlider und leuchtete mit einer kleinen Taschenlampe in seine Augen. Hermione legte eine Hand auf seine Stirn und versuchte, ihre eigene Pulsfrequenz zu verlangsamen.

„Was ist passiert?", fragte der Medizauberer.

„Ich weiß es nicht. Er schien abgehoben, dann hatte er einen schrecklichen Wutanfall. Dann ist er einfach zusammengebrochen."

„Hatte er jemals neurologische Probleme? Epilepsie, irgendetwas in der Art?"

„Nein, nichts."

"Hat er sich kürzlich den Kopf gestoßen?"

„Nicht das ich wüsste."

„Hat er sich seltsam verhalten?"

Sie sagte beinahe "nein", musste dann noch mal überlegen. „Ein wenig, ja. Er hatte Alpträume und war ein wenig reizbar und aufbrausend."

Der Medizauberer schwang seinen Zauberstab um Harry herum und suchte nach Flüchen oder Zaubersprüchen. Hermione bemerkte, dass sie die Schule verlassen hatten, aber der Transporter war magisch stabilisiert, so dass sie die Bewegung kaum spüren konnte

„Können Sie ihn nicht aufwecken?", sagte sie.

„Das werde ich nicht tun, bis wir zurück im Hauptquartier sind", sagte er. „Dann werden wir sehen. Er scheint nicht krank zu sein, sein Blutdruck ist normal…es ist sehr seltsam." Hermione umklammerte Harrys schlaffe Hand mit ihren beiden und starrte sein Gesicht an. „Versuchen Sie einfach, sich zu entspannen", sagte der Medizauberer leise. „Wir werden bald da sein."

Remus lehnte sich herüber, was sie erschreckte…sie hatte nicht einmal bemerkt, dass er hinter ihr in den Transporter geklettert war. „Was könnte diese Symptome verursachen?"

„Ich bin nicht sicher", sagte der Medizauberer. „Eine Reihe von Dingen."

Remus sah Hermione in die Augen. „Denkst du, was ich denke?"

Sie seufzte. „Ach, es muss etwas mit seinem Verschwinden zu tun haben."

„Wenn nicht, dann ist es ein verdammter Zufall."

Hermione antwortete nicht. Sie rutschte von der Bank, die an die Wand des Transporters montiert war und hockte sich auf den Boden neben Harrys Kopf. „Bitte wach auf, Harry", flüsterte sie. Tränen liefen ihre Wangen hinunter, als sie seine Hand an ihre Lippen führte. „Oh Gott, was ist, wenn er nicht durchkommt?", sagte sie, ihre Stimme war heiser.

„Er wird", sagte Remus mit Zuversicht.

Hermione sagte nichts, sie kniete nur auf dem Boden des Transporters, hielt Harrys Hand und streichelte sanft seine klamme Stirn. Der Rest der Fahrt verging in grenzenloser Stille, während der Medizauberer Harrys Vitalfunktionen überwachte.

Hermione und Remus saßen still und verdrießlich im Wartebereich in der Nähe von Sukeshs Flügel im Hauptquartier. Schließlich, endlich, sprach Remus leise: „Hast du ihn sich jemals so aufführen sehen?"

„Nein, niemals", flüsterte sie. „Also…nicht wenn Draco Malfoy nicht da war."

„Und das war das zweite Mal. Bei der Abschlussfeier hat er auch versucht, Napoleon anzugreifen."

Hermione hatte das nicht vergessen. „Was ist, wenn er so eine Art Schlaganfall gehabt hat?" Sie wendete ihre Augen ihrem ehemaligen Lehrer zu, hoffend, dass er all die Antworten wusste, wie er es sonst immer getan hatte. „Remus, ich kann ihn nicht verlieren. Nicht noch mal. Ich würde verrückt werden."

Er nahm ihre Hand. „Ich weiß."

Sie beobachtete sein Gesicht einen Moment lang, ihre Neugier angestachelt von der Aufrichtigkeit seiner Worte, als ob er wüsste, wie sie sich fühlte. „Remus...gab es jemals jemand besonderen? Für dich?" Er zögerte und Hermione fühlte sich plötzlich unbehaglich. „Es tut mir leid, wenn das zu persönlich ist…"

„Nein, nein, es ist okay. Es macht mir nichts aus." Er drückte ihre Hand. „Es gab einmal jemanden, den ich geliebt habe. Wir konnten nicht zusammen sein und es ist schlecht ausgegangen." Er seufzte. „Ich fürchte, ich war nicht gerade der Erfolgreichste was Beziehungen angeht. Die Werwolf-Sache scheint immer im Weg zu sein."

„Aber das sollte sie nicht. Sie ist ein so kleiner Teil von dir."

„Er ist nicht so klein, wie du vielleicht denkst."

„Es sollte dich nicht ausgrenzen. Ich finde, du bist wundervoll."

Er lächelte und errötete. „Ähm, danke. Bemitleide mich nicht zu sehr, Hermione. Nur weil ich die Große Leidenschaft nicht besitze, die du glücklicherweise gefunden hast, heißt das nicht, dass ich unglücklich bin. Ich habe viele Freunde und ich genieße meine Einsamkeit. Ich habe dich und Harry, und Sirius und Cordelia…ihre Kinder sind wie meine eigenen Kinder. Es mangelt mir nicht Gesellschaft." Hermione lächelte zurück, ging aber nicht auf den wehmütigen Ton in seiner Stimme ein, als er das Letzte sagte. „Aber ich freue mich für dich und Harry. Es ist eine große Genugtuung, euch zusammen zu sehen." Er schüttelte den Kopf, für einen Moment fehlten ihm die Worte. "Er hat Glück, dass er dich hat, während diesem…was immer das hier ist."

Hermione seufzte einen tiefer rasselnder Seufzer der vom Grund ihres Magens zu kommen schien. „ Er hätte mich sowieso, selbst wenn wir immer noch nur Freunde wären."

Die Tür zum Krankenzimmer öffnete sich und Sukesh trat heraus. Hermione sprang auf und zog Remus mit sich, da sie sich weigerte, seine Hand loszulassen. „Sukesh, ist er…"

Er unterbrach sie mit einem Lächeln. „Sieh selbst." Er trat zur Seite um den Blick auf Harry freizugeben, der hinter ihm aus dem Untersuchungszimmer kam, sein Shirt in die Hose steckend und betretend dreinschauend.

„Harry!", rief Hermione und rannte um ihn zu umarmen. „Bist du okay?"

„Mir geht's gut", sagte Harry und hielt sie fest.

„Geht es ihm gut?", sagte sie zu Sukesh, sie traute Harrys Urteil nicht.

„Ich fühle mich irgendwie, als wenn ich das alles schon einmal durchlebt hätte, aber ich kann nicht sagen, dass ihm irgendetwas fehlt. Auf jeden Fall nichts, dass Gewalttätigkeit oder plötzliche Bewusstlosigkeit verursachen würde."

Hermione wich zurück und sah Harry besorgt an. „Erinnerst du dich daran, was passiert ist?"

Harry räusperte sich und nickte mit einem verwirrten Ausdruck auf dem Gesicht. „Ja. Ich weiß nur nicht mehr warum. Ich hab ihn angesehen…und urplötzlich war da einfach diese blinde Wut. Ich konnte es nicht zurückhalten. Ich hatte mich nicht unter Kontrolle." Er sah zu ihr herunter. „Es war schrecklich, als ob ich jemand anders wäre." Er sah zu Sukesh hinüber. "Bitte sag, dass ich ihn nicht verletzt habe."

„Hast du nicht. Es geht ihm gut, er wird einen netten, langen, gesunden Aufenthalt im Gefängnis haben."

Er seufzte erleichtert. „Tut mir leid, dass ich dir Angst gemacht habe", sagte er und streckte seine Hand aus, um Hermiones zu nehmen. „Ich fühle mich jetzt normal."

Hermione atmete frustriert aus und streckte ihre Arme weit aus. „Das war's also? Er macht nur einen auf wackelig, es gibt keinen Grund dafür, ‚nen schönen Tag noch?"

Sukesh schüttelte den Kopf. "Nein, das war's nicht. Harry, ich schreibe dich ab sofort krank."

"Aber Sukesh…" begann Harry zu protestieren; Sukesh hielt einen schlanken Finger hoch, um ihn zu unterbrechen.

„Keine Diskussion. Ich suspendiere dich nicht. Du kannst weiter arbeiten, aber du bist an den Schreibtisch gefesselt, bis wir herausgefunden haben, was mit dir los ist. Versuch nicht abzuwinken, Harry. Du hast einen wehrlosen Mann angegriffen."

„Einen Mann, der gerade vier Menschen getötet hatte, zwei davon waren Kinder!", rief Harry und Röte stieg ihm ins Gesicht.

„Das ist keine Entschuldigung und das weißt du. Lass uns nicht vergessen, dass du auch deinen eigenen Stellvertreter angegriffen hast. Nun, ich weiß, dass du Jones nicht sehr magst, aber ohne Grund anfangen, Schläge auszuteilen? Das sieht dir nicht ähnlich. Ich mache mir Sorgen, Harry, aber ich will deswegen nicht verrückt werden. Es ist vollkommen möglich, dass dein Verhalten einfach nur in Stress verwurzelt ist. Ich kann deine Wut auf einen Mann, der wehrlose Kinder verletzen wollte, sicherlich verstehen und ich weiß, dass du in letzter Zeit sehr unter Druck gestanden hast, mit Galinos Tod und der Ermittlung wegen deiner Abwesenheit. Trotzdem habe ich die medizinische Vollmacht, dich pausieren zu lassen, und ich benutze sie."

„Das steht in Verbindung mit seinem Verschwinden", sagte Hermione. „Ich bin mir sicher." Sukesh mochte sagen, dass es alles Stress war, er war nicht dabei gewesen…er hatte Harrys Augen nicht gesehen, bevor es passiert war.

Sukesh hielt eine Hand hoch. „Es gibt keinen wirklichen Grund, sich auf diese Schlussfolgerung zu stürzen, so verlockend sie auch sein mag. Im Gegenteil, wenn das zusammenhängen würde, hätte ich erwartet, dass er sehr viel eher Symptome zeigt, als jetzt. Ich vermute, es ist stressbedingt und vielleicht ein verbliebenes Nerventrauma. Wir werden ein paar weitere Tests machen."

Harry nickte. „Was sagt Argo?"

„Sie überlässt in dieser Situation meiner Beurteilung den Vortritt, aber sie besteht darauf, dass wir die Beschaffenheit der Probleme, die du hast, herausfinden." Er hielt ihm ein Pergament auf einem Klemmbrett entgegen. „Hier, du musst diese Vollmacht unterschreiben und jemanden nennen, der medizinische Entscheidungen für dich trifft, wenn du unfähig dazu bist. Auf Grund der Unvorhersehbarkeit dieser Angriffe sollten wir auf alle Möglichkeiten vorbereitet sein."

Harry nahm die angebotene Feder und begann ohne zu zögern zu schreiben. „Hermione wird die Vollmacht haben, Entscheidungen für mich treffen, wenn ich es selbst nicht kann."

Sie legte eine Hand auf seinen Arm. „Harry. Willst du nicht lieber Sirius angeben, oder…"

„In ein paar Monaten wirst du diese Vollmacht automatisch haben, warum macht das einen Unterschied? Ich würde dir mein Leben anvertrauen." Er schrieb seinen Namen in seiner gewohnten, unleserlichen Krakelei, in der die Buchstaben H und P die einzig lesbaren waren.

„In Ordnung", sagte Sukesh. Er nahm Harry das Klemmbrett ab, klopfte ihm auf die Schulter und lächelte ihm ermutigend zu. „Versuch, dich auszuruhen. Geh für heute nach Hause. Rede über Partyservices und mach etwas, das Spaß macht. Denk nicht hierüber nach." Er drehte sich um und ging in den Krankenflügel zurück.

Lupin trat näher. „Also, das war erstaunlich uninformativ."

"Er tut sein Bestes", murmelte Harry und fuhr mit einer Hand durch sein Haar.

Die Tür zum Gang öffnete sich und Napoleon kam herein, die Hainsleys im Schlepptau. „Alles okay, Harry?", sagte er und kam mit einem besorgten Gesichtsausdruck auf sie zu.

Harry nickte. „Für's erste. Aber ich bin ab jetzt an den Schreibtisch gekettet, Jones. Ich brauch dich, um den Rest zu machen."

„Sicher, Boss. Alles was ich tun kann."

Harry drehte sich zu Terk. „Danke fürs Kommen, Terk. Tut mir leid, dass die Unterrichtsstunden abgebrochen wurden."

„Willst du, dass wir da bleiben?", sagte sie. „Wie müssen vor nächster Woche nicht zurück sein. Wir können eine neue Stunde festsetzen. Es wär' eine willkommene Abwechslung vom üblichen Agency-Rumgerenne."

Er überlegte einen Moment und nickte dann. „Ja, das geht. Habt ihr schon etwas gefunden, wo ihr bleiben könnt?"

Sie und Tax tauschten einen Blick aus. „Nein, noch nicht. Wir dachten, wir suchen uns einfach ein Hotel."

"Also, ihr könnt hier in den Behelfsunterkünften bleiben, aber ich würde das nicht empfehlen. Ihr könnt gerne in unserem Haus wohnen. Da ist genug Platz und das Essen ist super. Unser Mitbewohner George kocht sowieso immer genug für eine Armee."

Wieder dieser kurze Blick. Hermione überkam das Gefühl, dass Terk und ihr Bruder eine Art Zwillingstelepathie benutzten, um zu kommunizieren. „Das klingt super, Harry, danke. Aber wir wollen euch keine Umstände machen. Du bist sicher, dass genug Platz ist?"

"Oh, wirklich. Sechzehn Schlafzimmer sogar."

Die Hainsleys schienen von dieser Information verblüfft zu sein. „Gut, also in Ordnung", sagte Terk lächelnd. "Abgemacht. Wir müssen nur noch unsere Sachen packen und unsere Taschen holen…"

„Wir gehen jetzt nach Hause", sagte Hermione steif, Harrys bevorstehenden Einwänden zuvorkommend. „Aber lasst euch Zeit. Napoleon, kannst du sie zum Haus bringen, wenn sie fertig sind?"

Napoleon, der sich im Hintergrund gehalten und nicht viel gesagt hatte, nickte. „Sicher."

„Alles klar. Wir sehen euch dann zuhause." Sie und Harry verließen zusammen das Zimmer, wobei sie leise miteinander sprachen. Die verbliebenen Drei tauschten unbequeme Blicke aus.

„Kann ich euch packen helfen?", sagte Napoleon, seinen Ton flach haltend.

„Das geht schon", antwortete Terk. „Wir kriegen das hin."

Keiner bewegte sich. „Du siehst gut aus", sagte Napoleon schließlich. „Wirklich gut."

„Danke. Du auch." Sie schüttelte den Kopf. „Ich muss sagen, ich hätte nie gedacht, dass noch was Richtiges aus dir wird. Als ich gehört habe, dass du ein echter Agent bist, konnte ich es nicht glauben, ich musste es selber sehen."

„Aha, warst du deshalb einverstanden, hierher zu kommen? Um mich zu überprüfen? Und hey, wenn ich früher so verrufen war, warum hast du mich dann geheiratet?"

Sie zog eine Augenbraue hoch. „Das gehörte zum Reiz."

Er seufzte. „Ich glaube, ich hab gerade nicht die Kraft, mit dir umzugehen, T. Es war ein langer Tag. Erst diese Schulhof-Sache, jetzt ist Harry los, um den Mitternachtsexpress nach Spinnerhausen zu nehmen..."

„Also, wie lange bist du schon in die Frau von deinem Chef verliebt?"

"Sie ist nicht seine Frau", sagte Napoleon, zu schnell, bevor er merkte, dass sie ihn hereingelegt hatte. Er seufzte und ließ seine Schultern hängen. „Oh Mist. Woher wusstest du das?"

Sie lachte. „Du bist nicht Sir Laurence Olivier, Leo. Du kannst mich nicht täuschen, ich würde diesen Galgenvogel-Blick überall erkennen."

„Also dann, einen Punkt für dich."

„Ich finde es nur amüsant, dass du dich entschieden hast, dich in eine Frau zu verlieben, die unwiederbringlich an den berühmtesten Zauberer der Welt vergeben ist, welcher zufällig auch verdammt niedlich ist…"

„Hey! Ich wär' dir dankbar, wenn du's mir nicht auch noch unter die Nase reiben würdest! Weißt du, es war nicht meine verdammte Idee. Solche Sachen passieren eben einfach."

"Verachtet sie dich?"

„Nein! Wir sind…Freunde."

„Aha, aber du hegst die geheime Hoffnung, dass ihre Gefühle für dich tief und leidenschaftlich sind, jedoch kann sie sie nicht zugeben aus Angst, ihren Verlobten zu verletzen, den sie nicht mal annähernd so mag wie dich…" Tax lachte leise, während Terk sprach.

"Alles klar, ist mein Schädel total durchsichtig oder hast du Gedankenlesen zu deinen vielen Talenten hinzugefügt?"

Terk lachte. „Denk mal drüber nach." Sie klopfte ihm auf die Schultern, als sie den Raum verließen.

„Hier ist dein Zimmer, Terk", sagte Hermione und drückte die Tür zu einem der Zimmer im zweiten Stock auf. Es war eines ihrer Lieblingszimmer, sonnig und fröhlich mit einer breiten Fensterfront zum Vorgarten und in kalifornischem Stil dekoriert, mit Rattanmöbeln, flott bedrucktem Stoff und vielen Pflanzen.

„Oh es ist wunderschön!" rief Terk und stellte ihre Reisetasche auf einen der Stühle. „Ihr solltet eine Pension aufmachen."

Hermione lächelte matt, immer noch mit Harrys Zwischenfall beschäftigt. „Ich liebe dieses Zimmer", sagte sie. Sie zeigte auf die Tür, die zum anliegenden Badezimmer führte. „Ich habe deinen Bruder nebenan untergebracht. Ihr teilt euch das Badezimmer…"

„Sicher, was auch immer. Tax ist nicht wählerisch, was Unterkünfte angeht. Er war ein Navy SEAL, da gewöhnt man sich an raue Bedingungen." Hermione begann zu gehen, zögerte aber. Terk lächelte sie an und legte ihre Hände auf ihre Hüften. „Du willst mich nach Leo fragen, oder?"

Hermione runzelte die Stirn. „Leo?"

„Jep. So heißt er, weißt du. Leon Theseus Jones. Er mochte Leon nicht, also hat er ‚Napo-‚ vorne drangehängt. Er hasst es, durchschnittlich zu sein."

„Ja, das habe ich auch bemerkt." Hermione lachte. „Du musst ein paar klasse Stories über ihn kennen."

„Keine von der er wollen würde, dass ich sie mit dir teile, da bin ich sicher. Nicht, dass mich das aufhalten würde." Sie betrachtete Hermione, während sie ihre Sachen faltete und in eine der Kleiderschrankschubladen legte. „Du weißt es, oder? Dass er…äh…"

„Jep, ich weiß es. Ich weiß es seit einer Weile."

„Ist das unangenehm für dich? Er kann sehr hartnäckig sein."

„Nein, nicht wirklich. Ich muss sagen, er ist ein perfekter Gentleman was das angeht. Es muss schwer für ihn sein, mich an jedem verdammten Tag in der Woche mit Harry zu sehen."

„Ach, zur Hölle, er liebt es. Er liebt es, den ewig leidenden Märtyrer zu spielen. Hat er bei mir mehrere Monate gemacht, bevor ich endlich mit ihm ausgegangen bin."

Hermione setzte sich in einen der Rattanstühle und beugte sich vor, begierig darauf, diese kleinen Blicke in Napoleons Vergangenheit zu erhaschen. „Hast du dich sofort verliebt?"

„Machst du Witze? Es hat ewig gedauert. Nach unserem ersten Date dachte ich, er wäre völlig abgedreht. Er ist praktisch über sich hinausgewachsen, während er versuchte, mich zu beeindrucken."

„Hast du gewusst, dass er ein Zauberer ist?"

„Oh, nein. Hat mich aber nicht überrascht. Die Spiontypen unter den Muggeln lieben es, Gerüchte über magische Menschen in Umlauf zu bringen. Ich hab mich ehrlich gesagt irgendwie bestätigt gefühlt, einen persönlich zu treffen. Hab nicht lange gebraucht, Leos Wesen zu verstehen. Er ist nicht gut darin, es zu verstecken, wie du vielleicht bemerkt hast. Ich glaube, er muss mehr Muggel-Warnungen als alle Zauberer der Geschichte bekommen haben." Hermione lachte. „Jedenfalls ist er irgendwie an mir festgewachsen. Bevor ich es merkte, war ich in ihn verliebt."

„Bist du es immer noch?"

Terk blies Luft durch die Zähne. „Also, wenn ich es noch wäre, wären wir wohl immer noch verheiratet, oder?" Der Klang ihrer Stimme hielt Hermione davon ab, nach ihrer Trennung zu fragen, obwohl sie es dringend wissen wollte.

„Also dann", sagte sie und stand auf, „ich gehe nachsehen, ob es deinem Bruder gut geht. Sag mir Bescheid wenn du irgendwas brauchst."

Hermione ging nach nebenan in ein Schlafzimmer, das in dunkelgrün mit goldenen Akzenten dekoriert war. Tax öffnete gerade den Reißverschluss seines Koffers und nahm ein paar Klamotten raus. „Alles klar, Tax?"

Er nickte. "Kein Problem." Hermione erschrak ein wenig; das waren die ersten Worte, die sie ihn hatte sprechen hören.

„Gut…in ungefähr einer Stunde gibt's Abendessen."

„Okay."

Hermione lächelte und trat heraus, wobei sie die Tür hinter sich schloss, und ging die nahe Treppe zum Kloster hoch. Harry saß in gekrümmter Haltung in einem der üppig gepolsterten Stühle, sein Umhang um seine Schultern gerafft. „Hi", sagte er dunkel.

„Hi", sagte sie kurz angebunden. Als sie ihn sah, kochte ihre Wut erneut hoch. Er hatte auf dem Weg nach Hause so gut wie nichts gesagt, trotz ihrer nicht ganz feinfühligen Versuche, etwas aus ihm heraus zu bekommen. Es war frustrierend, ihm helfen zu wollen und dennoch so wenig zu haben, mit dem man arbeiten konnte. Sie ging einen Moment ziellos umher, ihre Hände in den Hüften, dann hielt sie in der Mitte des Zimmers und sah ihn an. „Wirst du mir erzählen, was los ist?"

„Kann ich nicht. Ich erkenn' mich selbst nicht."

"Erzähl keinen Scheiß, Harry!"

"Wieso Scheiß? Es ist die Wahrheit!"

"Du fährst aus der Haut, in wahnsinniger Wut wegen der geringsten Provokation, und du kannst mir nichts darüber sagen, was in deinem Kopf vorgeht?"

Harry stand auf und warf seinen Umhang zum Fensterplatz. „Gut, du bist diejenige, die hier das große, aufgeblasene Genie ist, warum sagst du es mir nicht? Du bist immer so verdammt bemüht um die geheime Funktion meiner Seele, also lass uns damit anfangen!"

Sie trat näher. „Werd nicht sarkastisch mir gegenüber! Ich versuche, dir zu helfen!"

„Ich brauche keine Hilfe!"

„Nein, du brauchst es nur, Leute zu blutigem Brei zu schlagen…"

„Das ist es nicht, was passiert ist!" brüllte er.

„Wie kannst du das überhaupt wissen? Du hast dich nicht selbst gesehen, Harry! Du warst angsteinflößend! Du hast mir Angst gemacht! Was um Himmels Willen passiert mit dir? Du hast dich verändert!"

„Natürlich hab ich mich verändert!" schrie er und drehte sich zu ihr um, um sie anzusehen. „Ich habe zwei Monate meines Lebens verloren! Ich weiß nicht, wo ich war, was mir angetan wurde, ich wache jeden Morgen verwirrt und erschrocken auf und ich weiß nicht WARUM!" Bei dem letzten Wort nahm er ein Glas, das auf dem Nachttisch stand, und schleuderte es durch den Raum, wo es an der Wand in hundert Stücke explodierte. Das Geräusch brachte sie beide dazu, dorthin zu starren, wo die Glasscherben kleine Löcher in die Farbe geschnitten hatten.

Hermione plumpste aufs Sofa und ließ ihren Kopf in ihre Hände fallen. „Oh Harry…wir können das nicht zwischen uns kommen lassen."

„Nichts kann zwischen uns kommen", sagte er. Die Sicherheit in seinen Worten beruhigte sie, obwohl sie es in diesem Moment nicht erwidern konnte.

„Ich bin nicht so sicher. Wir sind menschliche Wesen, und so sehr wir uns auch lieben…na ja, jede Liebe ist zerbrechlich. So viele Dinge können sie durcheinander bringen."

Harry kniete sich vor sie hin und legte seine Hände auf ihre Knie. „Das dachte ich auch mal, aber es muss nicht so sein. Das hast du mir beigebracht. Was ich für dich fühle, ist nicht zerbrechlich. Was ich für dich fühle, fließt durch mein ganzes Wesen und verankert mich in der Welt. Was immer es ist, es ist der Fels, an den ich mich in all diesem Durcheinander

Sie lächelte ein wenig. „Meine Güte, so poetisch zu sein ist gar nicht deine Art."

„Ich habe meine Momente von Redegewandtheit." Er zog sie vom Sofa auf den Boden. Sie machte es sich in seiner Umarmung gemütlich, legte die Arme um ihn und versuchte, ihm zu glauben, wie sie es sonst tat. „Ich weiß, dass du frustriert bist. Ich bin es auch. Ich weiß nicht, warum ich so reagiert habe. Vielleicht hat Sukesh Recht und es ist nur Stress, Angst um…na ja, Dinge. Aber du bist alles, was ich habe, Hermione. Ohne dich bin ich verloren."

Sie schniefte. „Es tut mir leid, dass ich so pessimistisch klinge. Normalerweise bist du derjenige, der unsicher ist."

„Ich war mir niemals unsicher darüber, was ich für dich empfinde. Manchmal frage ich mich nur…ob ich es verdiene."

Hermione half Laura, den Tisch zu decken, wobei sie vor sich hin summte. „Also Gäste zum Abendessen, wie?" sagte Laura. „Seltsames Paar. Wer sind sie?"

„Terk und Tax Hainsley. Muggel, CIA Agenten. Freunde von Harry."

„Verheiratet?"

„Bruder und Schwester."

„Aha", sagte Laura und ein kleines Lächeln wanderte auf ihr Gesicht.

Hermione zog eine Augenbraue hoch. „Was geht in diesem teuflischen kleinen Gehirn vor?"

„Also…der Mann. Tax, oder? Er ist ziemlich sexy."

„Findest du?"

„Mm-hmm. Ich liebe diese bösen Jungs."

„Und ich frag mich, was Sorry gerade macht?"

Laura zuckte mit den Schultern. „Ich wäre die letzte Person, die es erfährt." Ihre Stimme wurde leicht gereizt, als sie dies sagte. Hermione öffnete den Mund, um dem nachzugehen, überlegte es sich dann aber anders.

Terk kam, erfrischt aussehend, in die Küche, in lockere Jeans und einem Sweatshirt gekleidet, ihr Haar war aus dem Knoten gelöst und floss ihre Schultern herunter. „Kann ich helfen?", sagte sie.

„Nein, wir haben's schon. Willst du was trinken?"

Terk erspähte die Bar in der Ecke. „Erlaubt mir." Sie stand dort mit dem Rücken zu ihnen und sie beobachteten sie eine Minute lang, während sie etwas einschüttete, umrührte, schüttelte, etwas mehr schüttete…schließlich drehte sie sich um und hielt irgendwie vier Gläser in den Händen. Sie gab jeweils Hermione, Laura und George eins.

Hermione nahm einen Schluck von dem klaren Gebräu. „Oh Mann", sagte sie.

George seufzte. „Das ist das Beste, was ich jemals im Mund hatte, eingeschlossen Cornelia Prinzmetle."

„Was ist das?" sagte Laura und leerte ihr Glas.

„Vorsichtig", sagte Terk lachend. „Es ist ziemlich stark."

„Es schmeckt nicht stark."

„Ah, das ist das Schöne daran. Wir sind ein hinterhältiger Haufen, wir Spione."

Harry kam mit Tax herein und knöpfte ein sauberes Hemd zu. Er ging zu Hermione herüber, umarmte sie von hinten und duckte seinen Kopf, um die Seite ihres Halses zu küssen. Hermione konnte die Seife von einer schnellen Dusche riechen. „Was machen wir denn hier? Uns in einen veränderten Wahrnehmungszustand trinken?" fragte er.

„Wir warten nur aufs Abendessen."

„Ja, George, lass uns essen! Ich bin am verhungern!", sagte Laura.

„Wo ist Justin?"

„Ich bin hier", sagte Justin und streckte seinen Kopf hinter der Zeitung, die er las, hervor.

„Also dann, das Abendessen ist serviert!"

Das Abendessen war eine fröhliche Angelegenheit. Georges Küche war, wie immer, östlich und die Anwesenheit von Muggeln an ihrem Tisch veranlasste die fünf Zauberer, mehr Dinge durch den Raum schweben zu lassen, als sie es sonst getan hätten. Terk und Tax kooperierten, indem sie pflichtgemäß von Georges schwebendem, selbst-schneidendem Fleischermesser und Lauras ohne-Hände-Limonade-einschütten beeindruckt waren.

Nach dem Essen saßen sie mit Kaffee und Siruptorte am Tisch und plauderten eine Zeit lang. Justin entschuldigte sich indem er behauptete, dass die Arbeit ihn rief. Auch Harry verließ früh den Tisch, er war während des Essens unnatürlich still gewesen.

„Geht's dir gut?" sagte Hermione leise, als er vorbeiging.

Er nickte. „Nur müde." Er verschwand die hintere Treppe hoch und außer Sichtweite.

George stand auf. „Also ihr alle, Zeit aufzuräumen." Er schwang seinen Zauberstab zum Tisch hin und das Geschirr erhob sich von der Tischdecke und wanderte gehorsam zum Spülbecken, wo es begann, sich selbst abzuwaschen. Terk schüttelte den Kopf.

„Ihr habt keine Ahnung, wie leicht ihr's habt."

„Jep, es ist gut, magisch zu sein", sagte Laura. „Es hat wirklich keine Nachteile...gut, abgesehen von dieser ganzen Sache mit dem drohenden Bösen."

„Also, Laura", sagte Terk, während sie Servietten vom Tisch nahm. Laura hob sofort den Kopf. „Hermione sagte mir, dass du für das Ministerium arbeitest?"

„Ich arbeite für mein Ministerium, in Neuseeland. Ich bin eine Verbindungsperson."

„Klingt…interessant."

„Du meinst langweilig." Alle lachten.

„Das hast du gesagt, nicht ich."

„Es ist eigentlich ziemlich langweilig. Aber es hält mich über Wasser."

Durch die Tür klangen die Töne des Klaviers im vorderen Salon. Es war Pachelbels Kanon in D, das alte Klavierschüler-Standardstück.

Hermione kicherte. „Das ist eine Abwechslung. Justin bleibt normalerweise bei Showmelodien."

„Jep", brummte Laura. „Wenn ich ‚Get Happy' noch ein verdammtes Mal höre..."

Die Unterhaltung verebbte, als die einfachen Akkorde von Pachelbels berühmtem Kanon ausgeschmückt, erweitert und beschleunigt wurden. Es klang, als ob Justin über die Hauptmelodie improvisierte und sehr darin vertieft war. Die Noten schmetterten durchs Haus, lauter und lauter, schnelle Arpeggios unter den gewohnten Akkorden.

„Wer spielt?" Alle drehten sich überrascht um, als sie Justin nahe der hinteren Treppe stehen sahen, welche er offensichtlich gerade heruntergekommen war. Hermiones Mund klappte auf, als ihr klar wurde, wer es sein musste, der da spielte.

Sie eilte aus der Küche am Wintergarten vorbei in den Salon, die Anderen waren ihr dabei dicht auf den Fersen. Sie hielten, im Raum angekommen an und erstarrten.

Dort am Klavier saß Harry, seine Gewänder um ihn herum ausgebreitet und einen Ring auf dem Boden bildend, sein Kopf gesenkt während er auf das Klavier hämmerte. Seine Finger flogen über die Tasten und seine Füße bearbeiteten die Pedale, während sein Kopf sich ruckartig im Takt der Musik bewegte.

Er hörte inmitten eines Akkords auf und wirbelte auf dem Klavierhocker herum, seine Augen geweitet und sein Gesicht blass. „Oh mein Gott", flüsterte Hermione.

„Wow, er ist gut", sagte Terk.

„Ja", sagte Hermione. „Davon abgesehen, dass er kein Klavier spielt."

„Ich würde sagen, er tut es. Und zwar ziemlich gut."

„Nein, tu ich nicht. Ich meine, ich kann es nicht", sagte Harry, stand auf und starrte auf seine Finger, als wenn sie ihn betrogen hätten. „Hab' in meinem ganzen Leben nie eins angefasst. Ich bin nicht das, was man musikalisch nennen würde."

„Kann noch nicht mal ‚Happy Birthday' singen", flüsterte Justin, als ob das ein sehr großer Skandal wäre.

„Ich hab nur…ich bin durch den Raum gegangen und hab das Klavier gesehen und…" Harry seufzte. „Ich dachte, ich könnte darauf spielen. Also hab ich's gemacht."

Hermione trat vor und nahm seinen Arm. „Fühlst du dich okay?"

Er nickte. „Gut, ja."

Laura räusperte sich. „Lasst uns alle hinsetzen, oder?" Sie bewegten sich nach nebenan ins Wohnzimmer und setzten sich. Terk und Tax blieben in der Nähe der Tür, interessiert, fühlten sich aber in dieser Welt voller Zauberei eindeutig an den Rand gedrängt. „Also…du dachtest, du könntest es spielen?"

Harry, der sich weigerte, sich hinzusetzen und stattdessen durch den Raum lief, zuckte mit den Schultern. „Es ist nicht gerade so, dass ich dachte, ich könnte, es kam mir nur in den Sinn, dass ich es könnte. Als ob ich es immer wusste und es bis zu diesem Moment nur vergessen hatte."

„Du weißt aber, warum", sagte Hermione.

Harry sah sie schneidend an. „Was lässt dich das denken?"

„Weil du mich nicht fragst."

Schließlich setzte er sich neben sie. „Okay. Hier ist meine Theorie. Als ich von der Gesellschaft zum ersten Mal etwas über den Mage Faktor erfuhr, haben sie mir einige ihrer Texte geliehen...viele davon sind sehr alt. Ich habe jeden einzelnen von vorne bis hinten gelesen. Der Informativste war das „Toltec Buch der Mage". Ich denke, die Toltecs müssen eine sehr ernsthafte Untersuchung von magischen Kräften durchgeführt haben und durch die Jahrhunderte einige lebende Magen beobachtet haben."

„Ich dachte, du wärst der Erste."

„Der erste, von dem wir wissen. Es muss andere gegeben haben. Es kann von der Art, wie über sie geschrieben wurde, darauf geschlossen werden, obwohl sie niemals direkt besprochen werden. Es scheint einen Aberglauben zu diesem Thema gegeben zu haben." Er atmete tief ein. „Wie auch immer, die Toltecs sprachen von den Kräften der Mage wie die Anderen auch, aber ich erinnere mich an eine beträchtliche Erörterung von etwas, das sie ‚die wissende Berührung' nannten."

„Die wissende Berührung?", sagte George. „Klingt pervers."

„Nicht wirklich. Es ist schwierig, zwischen Legende und Beobachtungen zu unterscheiden, aber von dem, was ich zu dem Zeitpunkt erarbeiten konnte, bedeutete es, dass ein Mage, mit genügend Übung, ein Objekt berühren und dessen innerste Funktionen verstehen könnte. Sie sprachen davon, die Geheimnisse von etwas zu sehen…beinahe seine Gedanken zu lesen. Die Sprache war dicht und voller Metaphern, aber ich denke, was sie meinten, könnte...so etwas sein, wie ich gerade getan habe sein. Ich habe das Klavier berührt und ich wusste, wie man es spielt, aber ich weiß nicht, woher ich es wusste."

„Du hast die Waffe aufgehoben und du wusstest, wie man sie abfeuert", sagte Hermione.

„Daran hab' ich gedacht, ja."

„Aber Harry, du hast gesagt, dass ein Mage das nur mit genügend Übung tun könnte."

„Ja. Das ist der Knackpunkt. Die Übung. Ich sollte an diesem Punkt in meiner Entwicklung nicht in der Lage sein, die wissende Berührung zu benutzen. Ich habe es nicht geübt."

„Jedenfalls nicht, dass du dich daran erinnern kannst", sagte Justin. Alle sahen sich an, die Bedeutung seiner Worte blieb nicht ohne Wirkung.

Hermione lag im Bett und starrte an die Glasdecke des Klosters. Harry lag schlafend neben ihr und drehte sich von ihr weg, auf seine Seite. Entgegen ihrer Bedenken hatte er niemanden über den Klaviervorfall informiert, er hatte behauptet, dass er zu müde war, um noch eine von Sukeshs und Argos Untersuchungen zu bewältigen. Das konnte bis morgen warten. Sie gab nach, obwohl ihre Gedanken kreisten und sie nicht schlafen ließen.

Harry drehte sich auf seine andere Seite und kuschelte sich in die Decken. Sie drehte den Kopf auf ihrem Kissen, so dass sie sein Gesicht sehen konnte. Er sah ohne seine Brille so anders aus…jünger, verletzlicher. Seine klaren grünen Augen waren so ein dominantes Merkmal in seinem Gesicht, dass er, wenn sie geschlossen waren, nicht ganz wie er selbst aussah.

Er bewegte sich, wälzte sich unruhig unter der Decke. Hermione verspannte sich; so verhielt er sich vor seinen Alpträumen. Sie griff in ihrem Nachtschrank nach dem Notizbuch, welches sie dort aufbewahrte, um alles, was er sagen würde, aufzuschreiben. Er warf seinen Kopf hin und her und begann, leise Geräusche der Verzweiflung von sich zu geben.

In Zeiten wie diesen musste sich Hermione immer davon abhalten, ihn zu trösten. Wenn ein Alptraum ihn im Griff hatte, könnten seine Worte im Schlaf Hinweise liefern, trotzdem wollte sie nichts mehr, als ihn in den Arm zu nehmen und zu beruhigen bis der Alptraum vorbei war.

„…endet niemals…", murmelte er. Hermione seufzte. Das war nichts Neues. „…es endet niemals...", sagte er mit etwas mehr Kraft als vorher.

Sie bereitete sich auf fünfzig weitere Wiederholungen dieses Satzes vor (so lief das normalerweise), als Harrys Traum eine Wendung ins Ungewöhnliche nahm.

„…Wächter…", flüsterte er. Hermione lehnte sich näher zu ihm und spitzte die Ohren. Das war etwas Neues. „...wo ist der Wächter...es endet niemals..." Wer war dieser Wächter? Verwirrt kritzelte sie seine Worte in ihr Notizbuch. „…war immer...endet niemals...immer ein Wächter", murmelte er. „Hmmmm...die Ewigen...Hilfe!" schrie er plötzlich, was sie aufspringen ließ. „Hilfe!" schrie er wieder und zerrte an der Decke. „Mmm...äh...mione...uhnhmmm…" Seine Stimme verlor sich.

Hermione hielt es nicht länger aus. Sie reichte zu ihm hinüber und zog ihn nah zu sich. „Schhh, ich bin hier", flüsterte sie. „Schlaf weiter." Er kuschelte sich an sie und fiel in einen ruhigeren Schlaf. Hermione hielt ihn fest und starrte wieder an die Decke, sorgenvolle Gedanken hielten ihren eigenen Schlaf fern.

Remus Lupin rührte Sahne in seinen Kaffee und wirbelte launisch den winzigen und untauglichen Plastikrührer in seinem Becher herum. Diese Monstrosität aus Keramik war ein Geburtstagsgeschenk von Charlotte gewesen, ein Produkt aus ihrem Grundschul-Kunstunterricht. Es hatte die Form von etwas, dass ein Wolf sein sollte, dessen sich kringelnder Schwanz den Griff darstellte. Die Tasse stand auf Pfoten, die aus der unteren Krümmung herausragten und die Schnauze des Wolfs zeigte von der vorderen Kante aus zur Decke. Sie war mit klaren gelben und blauen Streifen bemalt; in den Ton waren die Worte "Küss das Wölfchen" geätzt, umrahmt mit Farbe, die glitzerte und die Farbe wechselte. Es war ein ziemliches Kunstwerk wenn man bedachte, dass eine Fünfjährige es angefertigt hatte...aber andererseits war Charlotte, immer schon schlauer gewesen, als gut für sie war.

Sirius war es beinahe peinlich gewesen, als Charlotte ihrem Onkel Remus stolz dieses Geschenk feierlich überreicht hatte, aber Remus mochte es. Er nahm an, dass es einen gewissen Grad von Bequemlichkeit mit seiner doppelten Natur wiederspiegelte, dass er täglich unbeschämt seinen Kaffee daraus trank. Er hatte keine Geheimnisse vor keinem hier, das wollte er auch nicht.

Er sah sich im ‚Downroom', wie er von den Agenten genannt wurde, um. Es war eine Art Allzweck-Pausenraum und Versammlungsplatz. Es waren eine ordentliche Anzahl Agenten hier, da es kurz nach Mittag war. Er erblickte Hermione an einem Tisch sitzend, sie machte Notizen in ihrem Folio und schlug periodisch in einem Stapel Papier nach, der vor ihr lag. Er dachte kurz darüber nach, sich ihr anzuschließen, überlegte es sich aber anders...sie sah beschäftigt aus und er musste bei seinen Dingen bleiben.

Die silberne ID-Blase erschien schwebend nahe der Decke, was alle anwesenden Agenten dazu brachte, mit dem was sie taten auf zuhören und darauf zu warten, dass sie sprach. „Lt. Granger, Telefongespräch auf Leitung 2. Lt. Granger, Leitung 2." Sie verschwand mit einem Knall nachdem sie ihre Nachricht überbracht hatte. Muss Smitty am anderen Ende sein, dachte Remus. Sie benutzte immer die Dienstgrade um Leute anzusprechen.

Hermione stand auf und ging zum Telefon. Das ID war an das lokale Telefonnetz angeschlossen. Da die Agenten regelmäßig mit Muggel Autoritäten sowie mit ihren nichtmagischen Helfern Kontakt halten mussten, war diese Anlage sinnvoll. Ganz zu Schweigen davon, dass mehr und mehr Zaubererhaushalte in diesen Tagen einen Telefonanschluss hatten.

Er nippte an seinem Kaffee und beobachtete, wie Hermione den Hörer nahm und herein sprach. Sie sagte einen langen Moment lang nichts, während sie der Person, die am anderen Ende sprach, zuhörte. Remus beobachtete mit wachsender Besorgnis wie die Farbe aus ihrem Gesicht wich.

Sie legte eine Hand an ihre Augen und er sah, dass ihr Kinn zu zittern begann. Er setzte seinen Kaffee ab und beobachtete sie näher; niemand sonst schien zu bemerken, dass etwas nicht stimmte.

Hermione legte das Telefon auf, ihre Hände zitterten sichtbar, und lehnte sich für einen Moment schwer atmend an die Kante des Schreibtisches. Remus stand auf und ging zu ihr. „Hermione?" Sie sah zu ihm auf, ihr Gesicht blass und ihre Augen geweitet, als ob sie nicht ganz sicher war, wer er war. „Bist du okay?"

Sie drängte sich an ihm vorbei, ihr Atem rasselte in langen, schweren Zügen und sie ging zur Wand hinüber, ihre Hände vom Körper weg gestreckt. Sie rutschte an der Wand herunter in die Hocke und ließ ihren Kopf gegen ihre Brust fallen. Remus kniete sich beunruhigt vor sie hin. Andere Hexen und Zauberer versammelten sich nun um sie, um sie mit besorgtem Gesichtsausdruck zu beobachten. „Hermione, was ist los?" Er konnte sehen, dass Tränen ihre Wangen herunterliefen; sie drückte ihre Hände vor ihr Gesicht und schüttelte den Kopf.

„Was ist los?", fragte Napoleon und drängelte nach vorne.

Remus schenkte ihm nur einen kurzen Blick. „Hol' Harry." Napoleon bewegte sich nicht. „Sofort!" Napoleon drehte sich um und rannte aus dem Raum. Remus konnte ihn hören, wie er nach seiner Blase rief. „Hermione, sag mir, was los ist", sagte er und legte seine Hände auf ihre Schultern. Sie hatte jetzt ihren Kopf auf ihre Beine gelegt und schluchzte leise.

Er konnte sie nicht dazu bringen, etwas zu sagen. Remus blieb neben ihr und scheuchte die Schaulustigen weg, bis er Schritte hörte, die sich dem Downroom näherten. Harry rannte, mit Napoleon direkt hinter ihm, herein. Er eilte vorwärts, dahin, wo Hermione immer noch gegen die Wand gepresst saß. Remus stand auf, um ihm Platz zu machen. „Danke, Remus", sagte Harry leise, als er sich neben sie kniete. Er legte seine Hände auf ihre Schultern. Sie hob den Kopf und als sie sah, dass er es war, fiel sie nach vorne und legte ihre Arme um seinen Hals. Harry hielt sie und wiegte sie vor und zurück mit einem verwirrten und beunruhigten Ausdruck im Gesicht. „Liebling, was ist los?", sagte er.

Hermione sprach in Harrys Ohr, aber sie konnten sie nicht hören. Ihre Worte waren halbverdeckt von Schluchzen und ihre Stimme war nur so laut, dass er sie hören konnte. An einem Punkt schloss Harry seine Augen und Remus sah, dass sich seine Kiefermuskeln anspannten. „Oh nein", flüsterte Harry.

„Harry...?", sagte Napoleon.

Harry sah zu ihnen auf. „Ihre Großmutter ist tot." Er drehte sich wieder zu Hermione, die immer noch, mit ihrem Kopf auf seiner Schulter, leise weinte. „Komm. Steh mit mir auf." Er stand auf und zog sie mit sich. Er sah zu Napoleon hinüber. „Ich bringe sie nach Hause. Sagst du Argo Bescheid?"

„Klar", sagte Napoleon und nickte.

Harry führte sie leise aus dem Raum heraus und hielt seinen Arm eng um sie. Hermione lehnte sich schwer an ihn, ihre Schritte schlurften, als sie gingen.

„Sie muss ihrer Großmutter sehr nahe gestanden haben", sagte Remus.

"Oh, ja. Hat als kleines Mädchen die meisten ihrer Sommer mit ihr verbracht. Sie standen sich sehr nah." Napoleon seufzte. "Armes Ding."

Harry parkte sein Auto im Hof und schaute zum Beifahrersitz herüber. Hermione saß gegen die Tür gesunken, das Kinn in der Hand und starrte ausdruckslos aus dem Fenster. Ihr Gesicht war tränenüberströmt. Er kam herüber, um ihr die Tür zu öffnen, aber sie kletterte schon heraus. Sie sah müde und traurig aus. „Es tut mir so leid, Liebling", sagte er, wobei er eine Hand schützend um ihr Gesicht legte.

Sie lächelte schwach. „Danke." Er nahm sie einen Moment lang fest in den Arm und behielt einen Arm um ihre Schultern, als sie zur Haustür gingen.

Laura wartete auf sie, als sie hereinkamen; Harry hatte vorher im Haus angerufen, um ihnen zu sagen, was passiert war. Sie umarmte Hermione und murmelte ihr mitfühlende Worte ins Ohr. „Hier, ich hab dir eine Tasche gepackt. Ich dachte, du würdest zu deinen Eltern fahren wollen."

„Danke, Laura. Ja, sofort…sobald…" Ihre Stimme verlor sich, abgelenkt.

„Dir hab ich auch eine gepackt, Harry", sagte Laura und zeigte auf die Koffer, die sie für die beiden vorbereitet hatte und die auf dem Boden des Flurs standen.

Ohne gefragt worden zu sein, nahm Justin beide Taschen und ging nach draußen, um sie in Harrys Auto zu packen. Harry sah Laura an, dankbar, dass sie sich um die naheliegendsten Dinge gekümmert hatte. „Ich schätze das sehr, Laura." Er sah zu Hermione herunter. „Willst du dich ein bisschen ausruhen? Einen Happen essen?"

Sie schüttelte den Kopf und umarmte sich selbst. „Nein, lass uns einfach nur fahren. Bitte?"

„Natürlich." Harry lächelte die Freunde matt an. „Wir eulen euch wegen der Beerdigung. Danke."

Justin starrte auf den Boden, Lauras Arm war in seinen rechten Ellbogen gehängt. Die versammelten Trauernden standen in Gruppen um den Sarg herum, während dieser über dem offenen Grab hing. Der Pfarrer leierte in einem fort, er leitete diesen scheinbar endlosen Friedhofsgottesdienst. Der Wind wurde stärker und schwarze Wolken hingen drohend am Himmel und kamen mit jeder Minute näher. Der Wetterdienst hatte heute schwere Stürme angesagt, aber sie schienen dem Zeitplan ein wenig voraus zu sein.

Ihm gegenüber waren Hermiones Eltern, die sich an der Hand hielten. Ihre Mutter hielt sich ein schwarzes Taschentuch vor den Mund. Links neben Justin waren Harry und Hermione. Harry stand näher zu ihm, sein Arm fest um Hermiones Hüfte. Sie lehnte schwer gegen ihn und tupfte sich in regelmäßigen Abständen über die Augen.

Ein Donnergrollen kam von Westen und der Wind wurde wieder stärker und peitschte Justins Mantel um seine Beine. Er sah, dass Harry dem näher kommenden Sturm einen zweifelhaften Blick zuwarf. Die Trauernden begannen, sich unbehaglich zu bewegen. Blitze stachen durch den Himmel. Bis jetzt bewegte sich niemand, aber der Sturm kam schnell und bald würden sie alle in Deckung gehen und Hermiones arme Großmutter sich selbst überlassen müssen.

Hermione begann wieder zu schluchzen. Harry umarmte sie und versuchte, sie zu trösten, während er ein Auge auf den Himmel behielt. Nach ein paar Augenblicken bewegte er sich sanft von ihr weg und trat neben ihr weg. Hermione bemerkte es kaum. Justin, der seinen Wink verstand, legte seinen eigenen Arm um ihre Schultern. Er drehte sich um, um Harry verwirrt anzusehen.

Harry sah zu den Sturmwolken hinauf, einen seltsamen Ausdruck in seinen Augen. Er sah distanziert, fremd aus. Er lehnte sich herüber und flüsterte Justin ins Ohr: „Stell einen ZAZ auf."

„Warum?" zischte Justin zurück.

„Mach es einfach. Ich lasse nicht zu, dass ein blöder Sturm ihr das hier verdirbt." Justin sah zu den Sturwolken hoch. Sie waren jetzt direkt über ihnen, lila-schwarz und bedrohlich. Die Blitze nähten einen Saum über ihre untere Oberfläche und der Wind peitschte über den Friedhofshügel.

Justin zuckte mit den Schultern. Ein ZAZ war ein Zauberei-Abschirmungs-Zauber, eine Art tarnendes Feld, das Muggel davon abhielt, zu sehen wie ein Zauberer Magie anwendete. Sie waren eine neue Erfindung aus Justins eigener Abteilung und bewiesen sich weitläufig erfolgreich. Er löste seinen Zauberstab aus der Innentasche seines Mantels, wobei er Lauras Arm fallen ließ. Er hielt ihn unauffällig an seiner Seite und flüsterte den Zauber. Nebelige Ranken aus grünem Licht gingen aus der Spitze seines Zauberstabs hervor und schossen um die Gruppe der Trauernden herum, dabei teilten sie sich in kleine Impulse aus Magie, die in den Augen aller Muggel tauchten. Sie würden nichts sehen.

Justin beobachtete, wie Harry sich von der Gruppe weg an das Ende des Sargs bewegte, er stand dem Pfarrer gegenüber, der an ihn überhaupt keinen Gedanken verschwendete. Ein nervöser kleiner Knoten formte sich in seiner Magengrube, weil er keine Ahnung hatte, was Harry vorhatte. Was könnte er tun? Ein paar magische Regenschirmzauber hochwerfen, so dass sie nicht nass würden?

Während er zusah, hielt Harry seine Arme an seinen Seiten herunter, die Handflächen nach vorne und leicht vom Körper weggestreckt. Er senkte den Kopf und starrte den herannahenden Sturm mit einer gruseligen Intensität an, seine Augen guckten über seinem Brillenrand hervor. Während Justin zusah, begann etwas zu passieren. Der Wind fing an, starker zu wehen, aber aus der entgegengesetzten Richtung, hinter Harry...oder, noch präziser, von Harry weg. Seine Haare peitschten um seinen Kopf und sein Mantel blähte sich um seine Beine. Die beiden gegnerischen Stürme krachten zusammen und wirbelten über der Beerdigungsgesellschaft. Die anwesenden Muggel ignorierten es, während die Zauberer Harry beobachteten. Hermione, die neben Justin stand, war angespannt wie eine Marmorstatue, als sie ihn ansah. Ihr tränennasses Taschentuch fiel ihr vergessen aus den Fingern und wurde vom heftigen Wind weggeweht. Er konnte fühlen, wie ihre Schultern unter seinem Arm zitterten und wie ihr Atem in ihre Lungen und wieder heraus raste. „Was passiert hier?", fragte er flüsternd. Sie schüttelte nur sprachlos den Kopf. „Ich denke...versuch, dich einfach normal zu verhalten. Sie sehen ihn nicht." Hermione nickte und drehte ihren Kopf zurück zum Sarg, aber sie schaute immer wieder zu Harry hinüber. Justin beobachtete ihn aus dem Augenwinkel.

Kleine Elektrizitätsentladungen knisterten zwischen Harrys Fingern, um sein Gesicht und in seinen Augen. „Ach du Scheiße", flüsterte Justin. Harry stieß seine Arme in einem breiten V in die Luft und Blitze schossen aus seinen Händen, nach oben in den schwarzen Himmel. Der Wind sprang von dort, wo er stand, nach vorne und kreiste in den Himmel hinauf, die Sturmwolken zerreißend. Harrys Gesicht war wie wild, von unten erleuchtet, seine Augen leuchteten mit einer fremdartigen Macht, die kein Zauberer ausüben sollte.

Die Sturmwolken kochten und wandten sich am Himmel, zerschlagen von dem Wind, den Harry aus dem Nichts heraufbeschworen hatte. Der Himmel leuchtete auf und Justins Kiefer klappte nach unten als der Sturm sich dorthin zurückzog, wo er hergekommen war, die Gewitterwolken lösten sich derweil in harmlose Schlieren auf. Als der Pfarrer die Zeremonie beendete, spähte die Sonne aus dem bewölkten Himmel hervor. Harry senkte langsam seine Arme, seine Augen starrten immer noch nach oben. Er kam wieder an die Seite des Grabes zurück und schloss sich wieder Hermione an, die sich wieder auf die Beerdigung zu konzentrieren schien. Die Trauernden begannen, auseinander zu gehen. Die Familie trat näher, als der Sarg in die Erde hinab gelassen wurde.

Hermione ging auf die andere Seite, um ihre Eltern zu umarmen, als sich alle anderen ein Stück weit von der Grabstätte wegbewegten. „Harry?", sagte Justin. Er drehte sich um und Justin fiel beinahe einen Schritt zurück. Harrys Augen knisterten immer noch mit der Elektrizität, die in der grünen Iris glühte und blitzte. Hermione kam mit festen Schritten und stirnrunzelnd herüber.

„Harry Potter, erklär mir was gerade passiert ist", sagte sie. Harry drehte langsam den Kopf um sie anzusehen. „Harry?" wiederholte sie unsicher.

Auf einmal sackte Harry zusammen und fasste sich mit einer Hand an die Stirn. Seine Augen fielen zu und er stolperte. Justin streckte einen Arm aus, um ihn festzuhalten. „Whoa", sagte Harry, streckte seine Hände aus und fand seine Balance wieder. Als er den Kopf wieder hob, sah er wieder wie er selbst aus. „Was war das?"

Hermione packte ihn fest am Arm. „Das war eine Einbahnstraße zurück in Sukeshs Labor, Mister."

„Aber…die Totenwache…"

"Die kann warten. Nana ist tot, sie wird es verstehen. Du bist es nicht und ich beabsichtige, es dabei zu belassen."

„Lass mich das klarstellen", sagte Sirius. „Er hat ein ganzes Gewitter zurückgedrängt?"

„Ja", antwortete Hermione. Sie versuchte immer noch, es zu realisieren. Das Bild war in ihr Gehirn gebrannt, der Anblick, wie er dort mit hochgestreckten Armen stand und das Wetter mit bloßer Willenskraft umgestaltete und aussah wie...na ja, wie ein Mage. Es war gruselig.

Sie saßen in einem von Sukeshs Sprechzimmern. Sirius war auf ihrer einen Seite und Lefty war auf der Anderen. Remus saß ihnen gegenüber und machte sich Notizen. „Wirkte er psychisch angegriffen?", fragte Lefty.

„Ich weiß es nicht. Er sah anders aus. Und als es vorbei war, schien er verwirrt zu sein."

„Und das, kurz nachdem er Anzeichen der wissenden Berührung aufgewiesen hat." Lefty war extrem interessiert gewesen, als er davon gehört hatte. Als Mitglied der Gesellschaft hatte er die meiste Zeit seines Lebens damit verbracht, solche Dinge zu studieren.

„Er hat das zum ersten Mal vor zwei Wochen gemacht", sagte sie und dachte an die unheimlich gekonnte Massage, die er ihr nach ihren Prüfungen gegeben hatte.

Die Tür öffnete sich und Sukesh kam verblüfft herein. „Also", sagte er und setzte sich. „Du hattest Recht, Lefty."

„Recht mit was?" sagte Hermione und sah Lefty an.

Er drehte sich zu ihr um. „Nach deiner Beschreibung von seinem Verhalten hatte ich Verdachte. Ich habe Sukesh gesagt, nach was er in den Untersuchungen suchen sollte."

„Was für Verdachte?"

„Dass seine Mage Kräfte beeinflusst wurden", sagte Sukesh. „Sie sind, seitdem wir sie das letzte Mal getestet haben, bedeutend verstärkt, was vor seinem Verschwinden war. Ich würde sagen, sie sind mindestens fünfzig Mal stärker, als sie vorher waren."

„Als ob er sie häufig benutzt hätte", sagte Sirius bedächtig.

Lefty nickte. "Die wissende Berührung tritt in einem Mage mit Übung und Fleiß hervor. Die außerordentliche Leistung von Wetterkontrolle, die er heute fertiggebracht hat, ist etwas, dass nur ein Mage leisten könnte, der im Vollbesitz seiner Kräfte ist."

„Also…die Theorie ist, dass er, während er weg war, gezwungen wurde, seine Mage-Kräfte zu benutzen, viel mehr, als er es in seinem normalen Leben tut." Hermione biss sich auf die Lippe. „Das macht Sinn."

Remus nickte. „Es ist mir eingefallen, dass er wegen dem Mage Faktor das Ziel gewesen sein könnte. Wenn ihn jemand testen, oder entwickeln wollte, könnte uns das ein Motiv dafür geben, dass man ihn entführt hat."

„Aber wer?", sagte Hermione. „Wer könnte das getan haben? Wer könnte ihn so komplett vergessen lassen?" Niemand antwortete, das mussten sie nicht. Es war klar, ohne dass sie etwas sagten, dass sie keine Ahnung hatten. Hermione atmete tief durch. „Da ist noch etwas, was ich euch sagen sollte." Alle sahen sie an. „Seine Alpträume haben sich verändert."

„Wie denn?"

„Die letzten Male, als er sie hatte, hat er etwas anderes gesagt. Er sagt immer noch diesen ‚endet niemals'-Teil, aber in letzter Zeit hat er jemanden mit dem Namen ‚Wächter' erwähnt. Oder so. Ich weiß nicht, worauf sich das..." Sie hörte mitten im Satz auf und sah die älteren Zauberer um sie herum an. Als sie das Wort ‚Wächter' gesagt hatte, hatten sich alle in ihren Sitzen aufgerichtet und sahen sich an. „Was? Sagt euch das etwas?"

„Also…äh…", begann Sirius. Er sah zu Remus, der nur mit den Schultern zuckte. „Ich denke nicht."

„Sirius! Erzähl mir keinen Mist, ich habe gesehen, wir ihr alle reagiert habt! Es bedeutet etwas! Wer ist dieser Wächter?"

„Das ist es eben", sagte Lefty. "Es ist niemand."

„Häh?"

„Der Wächter ist nur ein Mythos. Wie…ach, der Weihnachtsmann oder der ‚Schwarze Mann'. Eigentlich eher wie der ‚Schwarze Mann'."

Hermione sah in die Runde und abwechselnd in jedes ihrer Gesichter. „Ich denke, ihr erzählt mir besser von diesem Mythos.