Harry Potter and the Show that never ends

Autor: Lori Summers

Deutsche Übersetzung: Claudia, Lilly Black, Nicole, Katrin und Stephanie

http://www.HarryPotter-Translations.de

2. Auflage, Juli 2007

Disclaimer:

Diese Geschichte basiert auf Situationen und Charaktere, die das geistige Eigentum von Joanne K. Rowling sowie von verschiedenen Verlegern (z.B. Bloomsbury Books, Scholacsti Books, Carlsen Verlag, etc.) sind. Weder die Autorin, noch die Übersetzer dieser Geschichte verdienen Geld damit und es liegt nicht in ihrer Absicht Copyrights oder Warenzeichen zu verletzen.

Hinweis für Minderjährige:

Diese Geschichte spielt einige Jahre nach Harry Potter und der Stein der Wesen.

Aufgrund dessen handelt es sich um eine Geschichte für Volljährige Leser.

Um dies genauer zu begründen: Die jeweiligen Charaktere sind nun erwachsen. Das bedeutet, dass in ihrem Leben auch Krieg, Gewalt und Sex eine Rolle spielen, nur um einige zu nennen.

Komplex:

Harry Potter and the Show that never ends ist die Fortsetzung von Harry Potter and the Paradigm of Uncertainty (PoU) von Lori Summers (Übersetzt von Dani + Alina). Zusätzlich gibt es einen dritten Teil, der noch nicht übersetzt wurde, von uns aber weiter übernommen wird. Dieser lautet Harry Potter and The Hero with a thousand faces.

Wer noch nicht genug hat kann ebenfalls die Vorgeschichte zu PoU lesen. Diese Spezialisiert sich jedoch auf Sirius Black und überschneidet sich immer mal im 2. Teil mit PoU.

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen.

Achtes Kapitel:
Rätselhaft verborgen Übersetzt von Lilly Black, Lektoriert von Katrin

If I go crazy, then will you still call me Superman?
If I'm alive and well, will you be there holding my hand?
I'll keep you by my side with my superhuman might...

--Three Doors Down

Ihre Frage hing für einen langen Moment in der Luft, während die anderen Zauberer zweifelnde Blicke austauschten. Schließlich lehnte sich Lupin vor und legte seine Hände auf dem Tisch übereinander. „In Ordnung, ich werde versuchen, es zu erklären." Er richtete sich wieder auf. „Es gibt keine schriftlichen Überlieferungen, keine epischen Gedichte oder Geschichten über den Wächter, aber ich erinnere mich immer wieder seinen Namen gehört zu haben, er war einfach da." Sirius nickte zustimmend. „Niemand hat sich je mit mir hingesetzt und mir erzählt, wer... oder was... der Wächter ist. Ich nehme an, ich habe mir aus dem Zusammenhang meine Schlüsse dazu gezogen, oder daraus, wie andere darüber flüsterten. Ich sage nicht ‚ihn', denn ich weiß nicht, ob es eine Person ist, oder überhaupt ein Lebewesen."

Er stand auf und ließ seine Knöchel knacken, wie er es oft tat, wenn er nervös war. „Es kommt mir so vor, dass der Wächter eine Art Beschützerfigur ist, irgendwie anders als wir." Auf der Suche nach den richtigen Worten wedelte er mit den Händen durch die Luft. „Wir irdischen Zauberer und Hexen sind nur Hüllen für die Magie, die wir nutzen, aber der Wächter ist an dem Ort, wo die Magie herkommt."

Hermione runzelte die Stirn. „Was meinst du?"

Er lehnte sich ihr entgegen. „Hast du dich nie gefragt, woher die Magie kommt?"

„Ich nehme an, ich habe einfach immer gedacht... sie käme von uns."

„Vielleicht, aber das halte ich für fragwürdig. Ich glaube nicht, dass Magie menschlichen Ursprungs sein kann, andernfalls wäre jeder in der Lage, sie zu nutzen. Etwas an dir und mir und jedem an diesem Tisch ist besonders. Wir alle sind von einer Macht ergriffen, die unter den Menschen relativ selten ist. Vielleicht von etwas, das nicht von uns kommt. Alles, was an Magie fremd und seltsam ist... nun, der Wächter ist ein Teil davon. Ich kann das nicht besonders gut erklären."

Sirius unterbrach ihn. „Muggel erzählen Geschichten über Schutzengel", sagte er. „Dieses Bild hatte ich immer."

Hermione schnaubte. „Was, ein schwebendes, leuchtendes Etwas, das aufpasst, dass du nicht über Wurzeln stolperst, und dich daran erinnert zu tanken?"

„Nichts so banales. Nicht um uns zu beschützen, sondern eher... ich weiß nicht. Vielleicht um uns zu bewachen."

Remus schnippte mit den Fingern. „Ja. Um uns zu bewachen."

Hermione sah zu Lefty. „Hast du dem etwas hinzuzufügen?"

Er räusperte sich. „Ich schließe mich dem an, was Sirius und Remus gesagt haben, aber ich werde folgendes ergänzen: was auch immer der Wächter ist, ich glaube, er ist an einem Ort, wo es kein Gut oder Böse gibt, wo alles gleich ist. Ich glaube, es ist Bosheit, ebenso wie Wohlwollen."

„Und Harry träumt von diesem...Wesen", sagte Hermione kopfschüttelnd.

„In gewisser Weise macht das sogar Sinn", sagte Remus. „Wie ich schon sagte, wir sind nur Hüllen für Magie..."

„Mit Ausnahme von Harry", beendete sie seinen Satz. Niemand sagte etwas, das mussten sie nicht. Hermione fuhr sich mit den Händen über ihr Gesicht. „Mein Gott, warum konnte ich mich nicht in jemanden verlieben, der normal ist?"

Sirius lachte. „Ich glaube, du müsstest ewig suchen, bis du jemanden findest, der zu der Beschreibung passt."

Sie rieb sich über die Schläfen. „Warum habe ich niemals von diesem Wächter gehört? Ich glaube nicht, dass irgendjemand in meinem Alter etwas darüber weiß."

„Dafür gibt es einen Grund", sagte Sirius. „Als Tom Riddle zu Voldemort wurde und begann die Macht an sich zu reißen, gab es Gerüchte... keine Berichte wohlgemerkt, nur Gerüchte... dass er behauptete, der Wächter sei sein persönlicher Schutzpatron, und dass seine Überlegenheit sich auf dessen Wohlwollen begründete. Niemand hat ihn das je sagen hören, aber die Gerüchte gingen um. Es wurde irgendwie ein Tabu, von dem Wächter zu sprechen, etwa so, wie Voldemorts Namen auszusprechen. Ich nehme an, danach geriet die Legende in Vergessenheit."

„Glaubst du, der Wächter hat Voldemort wirklich unterstützt?"

„Es gibt keine Möglichkeit, das zu wissen, oder? Aber ehrlich gesagt, es passt nicht in mein Bild des Wächters, einen bestimmten Zauberer auszuwählen und ihm eine solche Macht zu verleihen." Sirius wandte sich zu Remus um. „Moony, erinnerst du dich an den Zauber, den Peter hatte?"

Remus nickte. „Peter Pettigrew hatte einen Zauber, als wir in der Schule waren, er sagte, er sei über Generationen in seiner Familie weitergegeben worden. Es hatte ein Symbol, das keinem von uns vertraut war, außer... also, als ich meinen Abschluss machte und zum Arbeiten die Britischen Inseln verließ, sah ich das Symbol einmal mit einigen einfachen lateinischen Zaubern in eine Höhlenwand gemeißelt. Es fiel mir auf, also sah ich es mir genauer an. Das Symbol, es sah etwa so aus", sagte er, zog eine Feder und ein Stück Pergament hervor und malte es auf, „Es wurde nie gedeutet, aber es tritt oft in Kombination mit mächtigen oder mystischen Zaubern auf. Ich glaube, dass man damit gewöhnlich den Wächter darstellen wollte, damit man seinen Namen nicht benutzen musste." Er schob das Pergament Hermione zu.

Das Symbol war ein symmetrisches Dreieck, dessen Spitze nach oben zeigte. Es war von einer senkrechten Linie in zwei Hälften geteilt, die an der Spitze begann und durch die Grundseite ein Stück herausragte. Auf der Spitze des Dreiecks lag ein Kreis. Über diesem Kreis waren drei kurze Linien wie Strahlen, die mittlere zeigte gerade nach oben, die beiden äußeren neben dieser leicht zur Seite.

Hermione starrte gebannt auf die Zeichnung. Es sagte ihr nichts, aber irgendwie doch. Es schien auf einer primitiven Ebene mit ihr zu kommunizieren. Es strahlte Kraft aus. Sie musste Remus' Interpretation völlig zustimmen. „Ja, das ist es", flüsterte sie.

„Was?", sagte Lefty und lehnte sich vor. „Kennst du es?"

„Nein. Ja. Ich weiß nicht. Es ist, als hätte ich davon geträumt."

„Guter Gott, hat jetzt jeder hellseherische Träume?", sagte Sirius.

„Also, dieses Symbol hat vielleicht eine Bedeutung, aber es hilft uns nicht wirklich weiter, oder?", sagte Hermione und schob das Blatt von sich.

„Ich würde sagen, wir warten einfach ab", sagte Remus.

„Ich habe genug davon, einfach nur zu warten", gab Hermione zurück. „Ich habe das Gefühl, ich sollte etwas tun."

„Es gibt nicht viel, das du tun kannst", sagte Sirius und nahm ihre Hand. „Sei einfach nur für ihn da und sei vorsichtig."

Harry knöpfte sein Hemd zu und ließ dabei seine Beine über den Rand des Untersuchungstisches hängen. Napoleon saß mit gekreuzten Beinen in einem nahen Sessel und beobachtete ihn. Sukesh machte einige Notizen in der Krankenakte eines ‚Potter, Major Harry J.' „Also", begann der Arzt, „du hast es wirklich geschafft, mir Angst zu machen, Harry. Deine Mage Kräfte habe sich in einem Ausmaß gesteigert, dass du wahrscheinlich mit nur einem Gedanken uns beide vernichten könntest."

„Fordere mich nicht heraus."

„Das ist nicht gesund. Niemand sollte eine solche Kraft haben."

„Ich habe nicht darum gebeten, Sukesh! Ein verdammter Fluch, das ist es. Ich versuche, mich nicht davon beeinflussen zu lassen und einfach ein normaler Zauberer mit einem normalen Leben zu sein." Er schlug mit der Faust auf den Tisch. „Jeden Tag wache ich auf und ich weiß, dass ich diese Dinge nicht haben kann. Ich kann der Frau, die ich liebe, keine normale Hochzeit oder ein friedliches Leben geben."

„Wenn sie all das wollte, dann wäre sich nicht mit dir zusammen", sagte Napoleon.

Harry wirbelte zu ihm herum. „Verpiss dich, Jones! Was zur Hölle weißt du schon davon? Du machst ständig diese kleinen schneidenden Kommentare über Hermione, als wärst du ihr bester Freund, während ich verdammt genau weiß, dass du nur versuchst, sie hinter meinem Rücken in dein Bett zu bekommen!"

Napoleon sprang mit hochrotem Gesicht auf. „Das ist verdammt noch mal nicht wahr!"

„Harry, beruhige dich..."

„Und erzähl du mir nicht, ich soll mich beruhigen!", schrie Harry Sukesh an. „Du mit deinen endlosen Tests und deinen verpfuschten Diagnosen, und wahrscheinlich benutzt du mich auch nur als Objekt für deinen nächsten Artikel!" Sukesh hob beide Hände beruhigend nach oben. „Ich wette, du versuchst mich zu vergiften. Jeder hier will mich einfach nur loswerden! Keinen Harry mehr, der uns in einem schlechten Licht dastehen lässt, keinen Harry mehr, der sich in unser Rampenlicht stellt!"

„Boss!", stieß Napoleon hervor, die Augen vor Entsetzen geweitet.

Er griff nach seiner Jacke und stürmte zur Tür. „Kommt mir nicht zu nahe, keiner von euch Mistkerlen." Er warf die Tür hinter sich ins Schloss, Sukesh und Napoleon mit hilflosen Mienen zurücklassend.

„In Ordnung, das war sein böser Zwilling, richtig?", sagte Napoleon.

Sukesh schüttelte den Kopf. „Ich habe Harry noch nie ein unfreundliches Wort zu jemandem sagen hören... das heißt, mit Ausnahme von dir, Jones, aber nicht so etwas wie das hier."

„Was ist mit ihm los? Er hat sich angehört wie ein durchgedrehter Psychopath!"

„Er ist modifiziert." Mit einem Blick auf Napoleons verwirrtes Gesicht fügte er hinzu, „Entschuldige, Fachausdruck. Er macht eine persönliche Veränderung durch. In den letzten paar Wochen ist es besonders stark geworden. Ich hatte das beobachtet, aber ich habe es ihm gegenüber nicht erwähnt, um es nicht dadurch noch schlimmer zu machen, dass ich ihn aufrege."

„Also sieht dein einzigartiger Plan vor, dass du nichts tust und ihn in Ruhe lässt. Ich verstehe, jetzt macht es völligen Sinn." Der Sarkasmus in seinen Worten war deutlich zu hören.

Sukesh schrieb langsam auf seinem Notizblock. „Wenn ich ihn hier behalte, wird er sich weiter aufregen und ich kann trotzdem nichts für ihn tun. Hermione wird uns berichten, was er tut, und ihn zurückbringen, wenn er irgendwelche Symptome zeigt. Ich kann ihn immer noch von hier aus mit meinem Apparitionsglas überwachen."

„Du könntest sie in Gefahr bringen, das weißt du. Wenn er...modifiziert ist, was auch immer, könnte er..."

„Hermione kann auf sich selbst aufpassen. Außerdem würde Harry ihr niemals etwas tun."

„Jedenfalls nicht der Harry, den wir kennen", murmelte Napoleon.

Hermione konnte sich nicht konzentrieren. Ihre Gedanken wanderten immer wieder zu Nanas Beerdigung und was dort passiert war. Sie fühlte sich schuldig, nicht ihre volle Aufmerksamkeit gegeben zu haben, ebenso wie sie auf Harry wütend war, dass er sie von einem so wichtigen Moment abgelenkt hatte. Er wollte einfach verhindern, dass die Beerdigung durch einen Sturm gestört wurde, dachte sie.

Sie saß an ihrem Schreibtisch und versuchte, an einem Überwachungsbericht zu arbeiten, aber sie kam nicht sehr weit. Sie hatte den ganzen Morgen damit verbracht, etwas über den Wächter herauszufinden. Die Bibliothekarin hatte ihr nicht helfen können (oder, was wahrscheinlicher war, nicht helfen wollen), indem sie ihr etwas genaues gesagt hätte, und sie hatte nichts in den Büchern gefunden, die sie durchsucht hatte, nicht einmal das Symbol, das Remus ihr gezeigt hatte. Isobel hatte genauso wie Sirius und die anderen reagiert... sie erinnerte sich vage an Erzählungen über den Wächter, wusste aber nichts genaues.

Hermione richtete sich in ihrem Stuhl auf, sie war heute Morgen etwas müde. Harry war in der letzten Nacht ungewöhnlich enthusiastisch im Bett gewesen. Nicht, dass er nicht immer enthusiastisch war, aber nie zuvor so... nun, grob. Sie hatte es als eine Reaktion auf die Ereignisse des vergangenen Tages abgetan, aber nun war sie sich nicht mehr sicher. An einem gewissen Punkt war es etwas aufregender geworden und sie hatte darauf reagiert... es hatte der leichten Erregung Luft gemacht, die sie den ganzen Tag über zurückgedrängt hatte.

So sehr sie auch von Harrys Verhalten auf der Beerdigung verwirrt, beängstigt und besorgt war, einem nicht unwesentlichen Teil von ihr, den sie versuchte zu ignorieren, hatte es gefallen. Der Anblick von ihm, so mächtig und wild, hatte sie, so musste sie sich schmerzlich eingestehen, erregt. Sie vermutete, das sei nur natürlich, schließlich war die weibliche Spezies biologisch so programmiert, dass sie starke Männer bevorzugte, jedenfalls wenn man nach den Naturprogrammen auf BBC ging. Dennoch hatte es sich von Grund auf falsch angefühlt, sich so von ihm angezogen zu fühlen, während sie neben dem Sarg ihrer innig geliebten Großmutter stand.

Sie seufzte und nahm eines der Bilder auf ihrem Schreibtisch in die Hand, das von vor einigen Jahren, als sie mit ihren Eltern und Nana Ferien auf der Isle of White gemacht hatte. „Oh, Nana", flüsterte sie und berührte das Glas über dem Bild. „Warum musstest du jetzt gehen?" Sie seufzte, die Tränen stiegen ihre Kehle nach oben und ließen sie eng werden. „Du wirst mich nie vor den Altar treten sehen..." Sie konnte nicht weiter sprechen. Tränen brachen unter ihren Lidern hervor und rannen ihre Wangen hinunter.

Ruckartig stellte sie das Bild zurück und stand auf, um sich auf die Suche nach Harry zu machen. Sie brauchte seine Schulter, um daran zu weinen. Sie hatte schon, als sie von Nanas Tod erfahren hatte, die meiste Nacht in seinen Armen geweint, aber die Tränen kamen jedes Mal wieder, gerade wenn sie gedacht hatte, es sei vorbei.

Napoleon erwischte Terk in einem kleinen Büro, das sie und Tax bezogen hatten. „Hey", sagte sie und lächelte, als er hineintrat. „Was ist los? Was ist das für ein Ausdruck auf deinem Gesicht, ist das Ernsthaftigkeit? Ich erkenne es kaum."

Er ging nicht darauf ein. „Terk, im Bezirk K gehen seltsame Dinge vor sich."

„Ah, die klassische Bill & Ted Anspielung. Exzellente Wahl."

„Schien angebracht."

„Was für seltsame Dinge? Wieder Harry?"

„Hast du davon gehört, was er auf der Beerdigung ihrer Großmutter getan hat?"

Terk nickte ernst. „Jep. Hast du es gesehen?"

„Nein, ich war nicht da. Hermione hat mir davon erzählt. Sie ist ziemlich fertig."

„Wer wäre das nicht?"

„Du hast wahrscheinlich recht."

Sie legte die Waffe ab, die sie gerade gereinigt hatte und setzte sich ihm gegenüber auf die Kante ihres Schreibtisches, „Bevor ich hierher gekommen bin, habe ich gehört, ihre Beziehung wäre nur... nun, Schauspielerei."

Napoleon runzelte die Stirn. „Wer hat dir das erzählt?"

„Oh, nur Gerüchte. Du kennst das. Es war nicht wahr, wer immer es behauptet hat. Sie scheinen sehr verliebt zu sein."

Er nickte. „Ja."

„Ich bin eifersüchtig."

„Ich auch."

„Aus anderen Gründen", sagte sie mit einem Grinsen und klopfte ihm auf die Schulter. „Du willst sie nur für dich selbst."

Er schüttelte den Kopf. „Ich beginne, daran zu zweifeln."

Terk wurde ernst. „Sicher nicht."

„Oh, versteh mich nicht falsch. Ich habe noch immer sehr starke Gefühle für sie, ich beginne nur langsam zu verstehen, warum."

Sie legte den Kopf auf die Seite. „Also, warum?"

Napoleon sah zu ihr auf. „Weil sie mich an dich erinnert."

Hermione fand Harry in der kleinen Sporthalle, ein gemauerter Raum voller Ausrüstung. Er war in einer Ecke und schlug auf einen schweren Sandsack ein. Er trug eine kurze Sporthose und ein ärmelloses Shirt, Schweiß glänzte auf seinen bloßen Schultern. Er sah zu ihr, als sie eintrat. „Hey", sagte er.

Sie setzte sich auf eine nahegelegene Bank und ließ die Schultern hängen. Sie starrte auf ihre Hände, sie war froh, dass er beschäftigt war, so konnte sie reden, ohne jemanden ansehen zu müssen. Sein freundliches Gesicht würde sie nur noch mehr zum Weinen bringen. „Mach ruhig weiter, ich muss nur kurz mit dir reden." Er hielt inne, sah sie an und wand sich dann wieder dem Sack zu. „Ich kann einfach nicht aufhören, an Nana zu denken. Sie war so lebendig...lebendiger als viele, die nur halb so alt sind. Das ist nicht fair. Sie hat sich so auf unsere Hochzeit gefreut...sie hat sich sogar ein neues Kleid machen lassen." Sie wischte sich mit einer Hand über die Augen. „Sie wollte so gerne auf dem Empfang mit dir tanzen...sie hat dich geliebt, Harry, wie einen Enkel." Sie seufzte, ihr Atem ging zitternd und ungleichmäßig. „Sie hat mich immer gemalt. Sie hat mich auf einen Stuhl gesetzt und mich in ihrem Wintergarten gemalt. Sie war eine schreckliche Künstlerin, einfach furchtbar, aber sie hat es so sehr geliebt. Ich habe mich so hübsch gefühlt, wie ein Model." Hermione lächelte, in Erinnerungen versunken. „Wenn ich im Sommer zu ihr gekommen bin, hat sie..."

Harry trat von dem Sack zurück, sah sie an und ließ sie in ihrer Erzählung inne halten. Er fuhr sich mit den Fingern durch sein feuchtes Haar. „Gott, kannst du nicht mal eine Minute still sein?", stieß er hervor.

Hermione starrte ihn nur an, den Mund geöffnet, so völlig entsetzt, dass sie das Gefühl hatte, in eine Parallelwelt getreten zu sein.

„Ich kann das nicht mehr hören!", fuhr er fort. Sein Gesicht war ungewohnt dunkel. „Warum kommst du nicht zu mir, wenn du ein echtes Problem hast, wie zum Beispiel, oh ich weiß nicht... nie irgendwelche Großeltern gehabt zu haben! Oder für den schrecklichen Mord an deinen eigenen Eltern verantwortlich zu sein!", schrie er. „Halt einfach die Klappe über deine dumme Großmutter! Gott! Sehe ich wie dein persönlicher Seelenklempner aus? Heulen, heulen, heulen, das ist alles, was du tust!" Hermione konnte sich nicht rühren. Sie fühlte sich, als müsste sie sich übergeben. Er nahm eine schreckliche, verzerrte Stimme an, um sie nachzumachen. „Oh Harry, du hast mir nichts von deiner Arbeit gesagt! Oh Harry, du arbeitest zu viel! Oh Harry, ich habe mir einen Nagel abgebrochen!" Plötzlich lehnte er sich ihr entgegen. Hermione wich entsetzt zurück. „Jedes Mal, wenn ich mich umdrehe, stehst du direkt vor mir! Ich bin keine verdammte Vaterfigur für dich, weißt du? Ich bin nicht dein beschissener SCHOSSHUND!" Mit dem letzten Wort drehte es sich um und schlug mit aller Kraft auf den Sandsack. Er riss in der Mitte auseinander und sein Inhalt verteilte sich überall. Er wirbelte herum, seine Augen blitzten gefährlich.

Hermione kam auf die Beine und wich mit zitternd vor ihm zurück. Sie drehte sich um und rannte schluchzend aus dem Raum, so schnell sie konnte.

Harry stand da und sah zu wie sie verschwand, sein Herz raste und sein Verstand war durcheinander und wirbelte in einem Meer aus Gedanken und Impulsen umher.

Er wusste nicht, wie lange er so da gestanden hatte, bis sich der rote Dunstschleier vor seinen Augen legte. Er sah sich verwirrt um und hörte dabei seine letzten Worte in seinen Ohren und seinem Kopf widerhallen. Er schnappte nach Luft und wankte einige Schritte zurück. „Oh mein Gott", krächzte er. Er wollte ihr nachlaufen, aber seine Beine fühlten sich steif und taub an.

„Oh Gott", wiederholte er. Er fiel zwischen den Resten des Sandsacks auf die Knie und vergrub sein Gesicht in den Händen, das Entsetzen über sich selbst und die Erinnerung des Ausdrucks auf ihrem Gesicht brachen über ihm zusammen.

Seine Schultern bebten und er schluchzte, der Sand des zerstörten Sacks vermischte sich mit der Nässe seines Gesichts.

Harry eilte die Haupttreppe nach oben und nahm dabei jedes Mal zwei Stufen mit einem Schritt. „Hermione!", schrie er. Er rannte durch die Wohngalerie der ersten Etage, auf die Treppe zum Kloster zu. Laura erschien vor ihm aus dem Durchgang, ihr Ausdruck war unlesbar. Sie hob eine Hand und hielt ihn auf.

„Sie will dich nicht sehen, Harry. Sie will nicht mit dir reden oder dir auch nur zuhören."

Er ergriff sie bei den Unterarmen. „Laura, bitte. Ich muss sie sehen. Du verstehst das nicht..."

„Ich verstehe, dass du einige Dinge zu ihr gesagt hast, die ich dir niemals verzeihen werde, ganz zu schweigen von ihr." Sie seufzte und der wütende Ausdruck auf ihrem Gesicht verblasste etwas. „Harry, was ist nur los mit dir? Gestern noch hätte ich niemals geglaubt, dass du etwas sagen könntest, um sie so sehr zu verletzen."

Er senkte den Kopf. „Ich weiß. Ich kann es nicht erklären...lass mich bitte einfach mit ihr reden."

„Ich kann das nicht tun. Sie will dich nicht sehen und das wird sich wahrscheinlich so schnell nicht ändern."

Er löste den Griff um ihre Arme und sah zu der Treppe hinüber. „Ich denke daran, was ich gesagt habe, und ich würde mir am liebsten die Zunge dafür rausreißen. Ich weiß nicht, wie ich solche Dinge zu ihr sagen konnte. Es ist als ob...jemand anderes gesprochen hätte."

„Harry, das ist wirklich unheimlich."

„Ich weiß. Aber das muss warten. Ich muss sie jetzt einfach sehen." Er sah in Lauras große braune Augen. „Ich kann das nicht ohne sie durchstehen."

Laura sah ihn für einen langen Moment an und trat dann mit einem Seufzen zur Seite.

„Danke", sagte er und eilte an ihr vorbei und die Stufen nach oben.

An der Tür hielt er inne und fragte sich, was um alles in der Welt er sagen konnte. Seinen ganzen Mut zusammennehmend schob er die Tür auf. Das Kloster war in ein gedämpftes Licht getaucht, die untergehende Sonne färbte die Wände orange und rot.

Er schloss die Tür mit einem leisen Klicken hinter sich. Er sah Hermione auf ihrem Lieblingsschaukelstuhl am Fenster sitzen, sie saß mit dem Rücken zu ihm und sah hinunter in den Garten. Für einen Moment stand er einfach nur da und fühlte sich seltsam hilflos.

„Verschwinde", sagte sie, ihre Stimme war flach und kalt.

Harry ging einen Schritt auf sie zu. „Liebling..."

„Nenn mich nicht so", schnappte sie. „Verschwinde einfach. Bitte...gib mir ein bisschen Zeit."

Er dachte daran, zu ihr zu gehen, aber fragte sich, ob es dadurch nicht noch schlimmer würde. Es wäre wohl das Beste, ihr etwas Freiraum zu lassen. Ohne ein Wort wandte er sich um, ging und schloss die Tür hinter sich.

Als Hermione aus dem Kloster trat, fühlte sie sich zerschlagen und verletzlich. Sie hörte immer wieder diese furchtbaren Worte. Sie allein waren schon schlimm genug, aber sie von Harrys süßer Stimme zu hören, die Stimme, die sonst Worte der Liebe und Unterstützung für sie hatte, machte es zehn Mal schlimmer.

In ihrem Herzen wusste sie, dass er es nicht gemeint hatte. Sie wusste, dass etwas mit ihm passierte, etwas, dass ihn sich seltsam verhalten ließ...auch, wenn er es sich nicht eingestehen wollte. Dennoch fragte sich ein Teil von ihr, ob er die Dinge, die er gesagt hatte, wirklich glaubte und nur unter normalen Umständen niemals gesagt hätte. Die Vorstellung machte ihr Angst.

Auf dem Weg die Treppe hinunter kam ihr Klaviermusik entgegen. Sie folgte dem Klang in das Wohnzimmer, wo sie Harry an den Tasten sitzen fand. Er spielte „Chantique de Jean Racine" von Gabriel Faure, ein altes, wunderschönes Kirchenstück, dem er an dem Klavier irgendwie gerecht wurde. Er wusste, dass dies ihre Lieblingsmusik war. Sie stand da und sah ihm zu, wie er das Stück zu Ende spielte und dann von vorn begann. Die Melodie sank und stieg unter seinen Fingern, die Crescendos erfüllten den ganzen Raum.

Sie stand einige Meter hinter ihm und beobachtete, wie seine langen, eleganten Finger über die Tasten tanzten. Er hatte keine Noten vor sich und nach allem, was sie wusste, gab es zu diesem Stück keine Version für ein Klaviersolo... er spielte es aus dem Kopf. Hermione sank in den nächstgelegenen Stuhl, plötzlich unsicher auf den Beinen.

Er spielte das Stück zu Ende und hielt dann inne, noch immer über die Tasten gebeugt, die Hände auf den Knien. Hermione konnte an seinen gesenkten Schultern sehen, wie schlecht er sich fühlte... sie war sich plötzlich sicher, dass er das Stück immer und immer wieder gespielt hatte, seit sie ihn aus dem Zimmer geworfen hatte, obwohl er wusste, dass sie ihn von dort oben nicht hatte hören können.

Er drehte sich auf dem Klavierhocker zu ihr um und sah sie an; sie konnte die Angst und die Verzweifelung in seinen Augen sehen. Er wandte sich ab. „Es tut mir ll... Es tut mir so... Es tut mir lllei..." Seine Stimme zitterte und brach bei dem Wort, das er so gerne sagen wollte.

„Ich weiß", flüsterte sie.

Harry wischte sich mit dem Handrücken über die Augen und hob seinen Blick langsam zu ihrem, als hätte er Angst vor dem, was er in ihren Augen sehen würde. Als sein Blick schließlich ihren traf und er ihre Vergebung sah, entspannte sich sein Gesicht und er kam zögernd auf die Füße. Er bewegte sich vorwärts und fiel vor ihrem Stuhl auf die Knie, seinen Kopf ließ er in ihren Schoß sinken. Sie strich ihm durch das Haar und murmelte beruhigende Worte, als er sein Gesicht in ihren Bauch drückte und seine Arme um ihre Hüfte legte. „Schh. Es ist in Ordnung", flüsterte sie.

Er hob den Kopf und sah auf in ihr Gesicht, seine Wangen nass von Tränen. „Bitte hilf mir, Hermione. Hilf mir", sagte er und sank gegen sie.

Sie hielt ihn noch fester. „Das werde ich. Es wird alles gut werden."

„Irgendetwas passiert mit mir", sagte er, seine Stimme war gegen ihre Jeans gedämpft. Sie seufzte, erleichtert, dass er es zugab. „Ich habe...es kommen gespürt. Ich fühle es in mir. Es ist so stark, und es erschreckt mich. Es hat mich dazu gebracht, Napoleon zu verletzen, und diesen Zauberer auf dem Schulhof und ich dachte, ich könnte damit umgehen, denn irgendwie wollte ich sie beide verletzen." Er sah wieder zu ihr auf. „Aber dann hat es mich dazu gebracht, dass ich dich verletzt habe. Diese schrecklichen Dinge, die ich gesagt habe..."

„Ja. Sie waren ziemlich schrecklich."

„Aber das war nicht ich!" Sie sagte nichts, wollte nicht ihre eigenen Zweifel darüber zum Ausdruck bringen. „Ich hätte nie gedacht, dass es etwas geben könnte, das mich dazu bringt, dich zu verletzen." Er seufzte und zog sich von ihr zurück, um aufzustehen und auf sie hinabzusehen. „Es wird stärker", sagte er leise. „Jeden Tag wird es stärker."

Sie starrte ihn an. „Und du hast nichts davon gesagt, von diesem...was immer es ist. Hast uns in dem Glauben gelassen, es wäre nur Stress, oder deine Mage Kräfte, oder Gott weiß was sonst?"

„Ich wollte selbst glauben, dass es diese Dinge waren! Ich weiß nicht, was mit mir passiert und ich habe schreckliche Angst, dass es Überhand nimmt und alles zerstört, das mich ausmacht!" Er kniete sich wieder vor sie und ergriff ihre Hände. „Ich hoffe, ich bin ein guter Mensch, Hermione."

„Das bist du. Natürlich bist du das."

„Was immer mich so seltsam macht, es ist mächtiger als ich. Ich dachte, ich könnte es kontrollieren. Ich dachte, ich könnte es bekämpfen. Ich weiß nicht, ob ich es kann. Und ich könnte es nicht ertragen, wenn ich zu jemandem würde, den ich hassen würde, den du hassen würdest."

Sie lehnte sich nach vorn, bis ihre Stirn gegen seiner ruhte. „Da ist etwas, das ich dir sagen muss. Ich habe es bisher nicht getan, weil ich dich nicht aufregen wollte, aber..." Sie seufzte. „Es geht um deine Träume. Deine Albträume."

Hermione und Napoleon standen im Beobachtungsraum und sahen durch ein Fenster in das Behandlungszimmer. Harry lehnte mit geschlossenen Augen in einem weichen Ledersessel. Vor ihm saß Johns Biedermann, der I.D. Psychiater. Sukesh stand neben ihm. John schwang seinen Zauberstab vor Harrys Augen vor und zurück, bis er überzeugt war, dass Harry vollständig hypnotisiert war. Eine Feder schwebte über einem Notizblock, um jedes Wort aufzuzeichnen, das Harry sagen würde.

„Harry, kannst du mich hören?", sagte Johns.

„Ja", antwortete Harry. Es war seine normale Stimme, aber langsamer und etwas tiefer.

„Fühlst du dich völlig entspannt?"

„Ja."

„Ich werde dir jetzt einige Fragen stellen und du musst sie mir wahrheitsgemäß beantworten. Hast du das verstanden?"

„Ja."

„In Ordnung. Ich möchte, dass du an eine glückliche Erinnerung denkst. Etwas, eine kleine Erinnerung, die dich froh und entspannt fühlen lässt. Hast du eine?" Harry nickte. „Erzähl mir, wo du bist."

„Zu Hause. Im Hinterhof. Neue Blumen pflanzen und saubermachen für eine Party. Große Party...viele Freunde. Fenster putzen. Heiß, verschwitzt. Hermione im Blumenbeet. Sitzt auf dem Boden...großer Strohhut. Gräbt in der Erde. Jeder lacht und lächelt. Perfekter Tag. Die Träger von ihrem Oberteil auf ihre Arme gefallen." Seine Hände bewegten sich in der Luft, verfolgten, was er in seinen Gedanken sah. „Ich kann ihren BH Träger sehen. Blasse Haut darunter. Will hingehen und sie küssen. Sie sieht auf und sieht, dass ich sie beobachte...sie lächelt mir zu." Er lächelte.

Napoleon sah zu ihr herüber. „Erinnerst du dich daran?"

„Ich erinnere mich an den Tag, aber ich erinnere mich nicht an das, was er beschreibt." Dennoch zog sich ihr Herz zusammen, als sie ihn darüber sprechen hörte. Einer dieser kleinen Augenblicke, von denen das Leben voll ist. Sie konnte selbst an Dutzende andere denken. Johns fuhr fort.

„Weißt du, warum du hier bist?"

„Schlimme Dinge."

„Welche schlimmen Dinge?"

„Dinge in meinem Kopf."

„Warum sind sie schlimm?"

„Sie lassen mich Dinge tun. Dinge sagen. Ich habe Napoleon geschlagen."

„Tut dir das Leid?"

„Nein. Ich mag ihn nicht." Hermione sah, wie Napoleon darauf zusammenzuckte und den Kopf hängen ließ.

„Warum magst du ihn nicht?"

„Er will, was mir gehört. Er will meinen Job. Er sagt, er will ihn nicht, aber ich weiß, dass er ihn will. Er will meine Frau."

„Du bist nicht verheiratet, Harry."

„Irgendwie bin ich das. Innen."

„Was meinst du?"

„In meinem Kopf."

„Welche anderen schlimmen Dinge hast du getan?"

„Ich habe den Mann geschlagen, der die Kinder verletzt hat. Tut mir nicht Leid. Er verdient es."

„Warum ist es dann schlimm?"

„Weil...war nicht ich. War nicht wie ich. Wollte das nicht tun."

„Warum hast du es dann getan?"

„Musste. Konnte es nicht verhindern."

„Was noch?"

Harry hielt für einen Moment inne. „Ich habe gemeine Dinge zu Hermione gesagt. Ich habe sie zum Weinen gebracht."

„Tut dir das Leid?"

„Ja. Nicht so gemeint. Wollte sie nicht verletzten, nie."

„Warum nicht?"

„Ich liebe sie. Kann es nicht ertragen, sie leiden zu sehen. Konnte das nie."

„Hast du gemeint, was du gesagt hast?"

„Nein."

„Als du diese Dinge gesagt hast und diese schlimmen Dinge getan hast, wie hat sich das angefühlt?"

„Angefühlt wie...jemand anderes. Nicht ich. Konnte es nicht kontrollieren. Ist durch gegangen."

„Durch was gegangen?"

„Meinen Kopf. Durch mein Gehirn gegangen."

„Hat es sich wie eine andere Person angefühlt?"

„Nein. Weiß nicht. Vielleicht. Schwer zu sagen."

John dachte einen Moment lang nach. „In Ordnung, Harry. Jetzt möchte ich, dass du an deine Träume denkst. Kannst du mir von ihnen erzählen?"

Harry begann, etwas schneller zu atmen. „Ich bin da. Ich bin nicht da. Der Wächter ist bei mir. Der Wächter ist immer bei mir. Der Wächter ist nie bei mir. Der Wächter kann mir nicht helfen." Diese Worte kamen schnell und verwirrt. „Ich kann nicht denken. Kann nicht sehen. Kann mich nicht bewegen. Es endet niemals."

„Was endet niemals, Harry?"

„Es endet niemals. Der Wächter kann es nicht aufhalten."

John wechselte das Thema, als er Harrys Ablehnung sah. „Harry, ich möchte, dass du an den Tag zurückdenkst, an dem du verschwunden bist. Kannst du dich an irgendetwas in der Zeit erinnern, in der du weg warst?"

Harrys Kopf schwang von Seite zu Seite. „Ich bin...ich bin..." Plötzlich spannte sich sein Rücken wie ein Bogen und er schrie der Decke entgegen. Jeder sprang auf. Sukesh eilte vorwärts. „Es endet niemals!" schrie Harry. „Es endet niemals!" Seine Schreie gingen immer weiter, klagend und gequält. Es schmerzte Hermione, es zu hören.

Sukesh und John versuchten, ihn zu beruhigen, als er auf die Lehne einschlug. Hermione rannte aus dem Beobachtungsraum in das Untersuchungszimmer, aber Sukeshs Helferinnen hielten sie von Harry fern. „Harry!", schrie sie.

Augenblicklich fiel Harry nach vorn, seine Arme fest angespannt, die Muskeln zeichneten sich auf Brust und Armen ab. Eine helle, goldene Welle Magie brach aus seinem Körper hervor und riss Sukesh und John von den Füßen. Hermione spürte es wie eine Druckwelle durch sie hindurchfahren. Harry warf den Kopf zurück, die Sehnen in seinem Hals traten hervor und Blitze grünen Feuers stießen aus seinen Augen hervor. Die Deckenbeleuchtung explodierte unter Blitzen und in der Decke entstand ein Loch.

Sukesh kam auf die Beine, den Zauberstab gezückt. „Stupefy!", schrie er. Der Fluch traf Harry in die Brust und er brach steif zusammen. Hermione rannte zu ihm und legte ihre Hände auf sein Gesicht.

„Heilige Scheiße", sagte Napoleon, der in den Raum trat.

„Was zur Hölle ist gerade passiert?", stieß Hermione hervor.

John richtete seine Brille. „Nun. Ich bin mir sicher, dass ich es nicht weiß."

Sukesh schüttelte den Kopf. „Es wird ernst."

Wird ernst?", schrie Hermione, ihr Gesicht wurde rot. „Hast du ihn gesehen? Er hat Magie von sich geschüttelt, wie ein Hund Wasser! Es sah aus wie eine Szene aus ‚Der Exorzist'!"

„Nun, er ist nicht besessen", sagte John. „Aber ich sehe Anzeichen einer gespaltenen Persönlichkeit. Etwas ist sehr verkehrt in seinem Kopf."

„Um Gottes Willen, kann mir nicht einer von euch sagen, was mit ihm los ist?", sagte Hermione, ihre Stimme war von Hilflosigkeit erfüllt und höher als gewöhnlich.

John und Sukesh tauschten Blicke aus. „Ich hasse es, das immer wieder zu sagen, aber wir brauchen mehr Informationen", sagte Sukesh. „Er wird bald wieder zu Bewusstsein kommen. Ich werde ihn ab sofort von seiner Arbeit beurlauben. Morgen früh bringst du ihn hierher zurück und wir werden ihn für einige Tage einer intensiven Therapie und einigen psychologischen Tests unterziehen. Die Hypnose scheint einige Informationen zu verdrängen." John nickte zustimmend.

„In Ordnung", sagte Hermione. „Aber erst mal bringe ich ihn nach Hause."

„Also...du bist nicht schwul, willst du das damit sagen?"

George seufzte, stellte einen Kelch Cidre vor Terk auf den Tisch und setzte sich neben sie. „Auf wie viele verschiedene Arten soll ich es dir sagen?"

„Entschuldige."

„Erwecke ich den Eindruck, ich wäre schwul?", sagte George stirnrunzelnd.

„Nein, überhaupt nicht. Na ja, außer die Sache mit dem Kochen."

„Nur weil ich mit Justin rumhänge, gehöre ich nicht automatisch zu seinem Team. Wir waren Zimmernachbarn, seit er seinen Abschluss in Hogwarts gemacht hat. Weißt du, wie er mich manchmal nennt?"

„Wie?"

„Seinen Hetero-Lebensgefährten." Sie lachten. „Trotzdem, wenn schwul sein das Schlimmste ist, was die Leute von mir denken, dann kann ich mich wohl nicht beschweren."

„Ich habe gehört, du gehörst auch zum Club der Zwillinge. Seid ihr eineiig?"

„Ja. Fred lebt mit unserem älteren Bruder Charlie in Russland."

„Und seid ihr die jüngsten Brüder?"

George hielt inne. „Jetzt sind wir es."

Terk blinzelte, als sie sich erinnerte, dass Laura ihr von dem jüngsten der Weasley Söhne erzählt hatte. „Oh, tut mir Leid."

„Das ist in Ordnung."

„Vermisst du deinen Zwillingsbruder?"

„Sicher. Wir waren unzertrennlich, als wir aufwuchsen. Hast du Tax immer nahe gestanden?"

„Immer mal wieder. Wir haben unsere Kämpfe ausgefochten. Wir sind natürlich nicht eineiig, also waren wir nicht mehr als einfach Bruder und Schwester. Warum ist Fred weggezogen?"

George trommelte mit den Fingern gegen seinen Kelch. „Gleich nach der Schule haben wir einen Laden gegründet. Weasleys Zauberhafte Scherzartikel. Harry hat sich an dem Startkapital beteiligt. Unglücklicherweise waren wir im Erfinden von Zappelfingern besser als im Führen eines Geschäftes. Ich wollte jemanden einstellen, der sich damit auskannte, aber Fred war von der Idee besessen, es alleine zu schaffen, also haben wir es alleine gemacht. Ergo sind wir innerhalb von einem Jahr untergegangen. Ich habe sofort einen neuen Job gefunden und wollte mit meinem Leben weitermachen, aber Fred hat es sehr viel schwerer aufgenommen. Er hat sich...ich weiß nicht, entzaubert gefühlt. Als Charlie ihm angeboten hat, ihn nach Russland zu holen und in die Drachenhaltung einzuführen, hat er die Chance ergriffen. Wir haben es trotzdem geschafft, ein großes dramatisches Ende zu vermeiden. Wir schreiben uns mehrmals die Woche."

„Das ist gut. Ich weiß nicht, was ich tun würde, wenn Tax und ich getrennt wären. Er ist mein bester Freund."

„Was ist mit Napoleon? Das ist wahrscheinlich eine lange Geschichte."

Sie wurde ein bisschen rot. „Wir haben uns getroffen. Haben geheiratet. Wurden geschieden."

„Ich schätze, das ist nicht so lang." Er stand auf und stellte seinen Kelch in die Spüle. „Willst du mir helfen, den Tisch zu decken?"

„Sicher." Terk stand auf und nahm George die Teller ab. Sie begann die sieben Teller auf einer Seite des langen Küchentischs zu verteilen. „Sind Harry und Hermione noch oben?"

„Ich habe sie nicht runterkommen hören. Hermione wollte einige Beruhigungszauber über ihn sprechen."

„Glaubst du, er ist in Ordnung?"

George zögerte. „Nein, ich glaube, das er es nicht ist."

„Ich gebe zu, ich verstehe eure ganze Magie nicht, aber ich weiß, dass er Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen hat."

„Jep. Ich versuche, mich da heraus zu halten. Nicht, weil ich mich nicht sorge, sondern weil ich weiß, dass Hermione die Dinge am liebsten selbst regelt. Sie hat mir von seinen Alpträumen erzählt. Er redet im Schlaf und ruft nach dem Wächter."

Sie drehte sich um und griff nach dem Besteck. „Wer ist das?"

„Offensichtlich irgendeine alte Zaubererlegende. Ich habe nie davon gehört, aber mein Dad. Ich bin etwas im Unklaren über die ganze Sache. Sagst du allen Bescheid, dass das Essen fertig ist?"

„Sicher." Terk verließ das Zimmer und ging die Treppe nach oben. In der Wohngalerie hielt sie inne, dann drehte sie sich um und ging zu Tax' Zimmer. Sie fand ihn, wie er seine Stiefel polierte.

„Zeit zum Essen?", fragte er. Terk sagte nichts, stand einfach nur da, die Arme nachdenklich über der Brust verschränkt. Tax sah die Stirn runzelnd zu ihr auf. „Stimmt etwas nicht?"

„Harry träumt von dem Wächter."

Tax hielt in seiner Beschäftigung inne und stellte den Stiefel auf den Boden. „Wirklich?"

„Ja."

„Und?"

„Nun, sollten wir etwas sagen?"

„Was zum Beispiel?"

„Wir könnten helfen!"

„Das steht uns nicht zu. Wir können nicht zum Wächter gehen und ihm sagen, was zu tun ist. Wir sind nichts."

Terk seufzte und setzte sich auf die Kante des Bettes. „Jep, nichts." Sie sah zu ihrem Bruder auf. „Glaubst du, sie wissen, was mit Harry los ist?"

„Ich bin mir sicher, dass sie es wissen. Er beobachtet uns wahrscheinlich jetzt gerade."

„Ich möchte etwas tun, um zu helfen."

„Ich weiß. Aber wir haben Anweisungen, die wir befolgen müssen, das weißt du."

Terk nickte. „In Ordnung. Aber ich werde nicht daneben sitzen und nichts tun, wenn es schlecht um Harry steht. Nicht wenn etwas getan werden kann."

„Der Wächter wird angemessen reagieren."

„Und wenn die angemessene Reaktion ist, Harry sterben zu lassen?"

„Warum denkst du, er könnte sterben?"

„Oh, komm schon! Du kennst die Symptome! Die fehlende Zeit, die Amnesie...Ich denke, er hat etwas gesehen, das er nicht sehen sollte."

Tax seufzte. „Die verdammten Ewigen bedenken nie die Konsequenzen. Sie verstehen einfach nicht, dass Menschen zerbrechlich sind."

„Es wird ihn zerreißen. Der Wächter wird vielleicht nicht helfen können."

„Dann können wir es auch nicht." Sie sahen sich einfach nur zerschlagen an. „Selbst wenn er stirbt."