Harry Potter and the Show that never ends
Autor: Lori Summers
Deutsche Übersetzung: Claudia, Lilly Black, Nicole, Katrin und Stephanie
http://www.HarryPotter-Translations.de
2. Auflage, Juli 2007
Disclaimer:
Diese Geschichte basiert auf Situationen und Charaktere, die das geistige Eigentum von Joanne K. Rowling sowie von verschiedenen Verlegern (z.B. Bloomsbury Books, Scholacsti Books, Carlsen Verlag, etc.) sind. Weder die Autorin, noch die Übersetzer dieser Geschichte verdienen Geld damit und es liegt nicht in ihrer Absicht Copyrights oder Warenzeichen zu verletzen.
Hinweis für Minderjährige:
Diese Geschichte spielt einige Jahre nach Harry Potter und der Stein der Wesen.
Aufgrund dessen handelt es sich um eine Geschichte für Volljährige Leser.
Um dies genauer zu begründen: Die jeweiligen Charaktere sind nun erwachsen. Das bedeutet, dass in ihrem Leben auch Krieg, Gewalt und Sex eine Rolle spielen, nur um einige zu nennen.
Komplex:
Harry Potter and the Show that never ends ist die Fortsetzung von Harry Potter and the Paradigm of Uncertainty (PoU) von Lori Summers (Übersetzt von Dani + Alina). Zusätzlich gibt es einen dritten Teil, der noch nicht übersetzt wurde, von uns aber weiter übernommen wird. Dieser lautet Harry Potter and The Hero with a thousand faces.
Wer noch nicht genug hat kann ebenfalls die Vorgeschichte zu PoU lesen. Diese Spezialisiert sich jedoch auf Sirius Black und überschneidet sich immer mal im 2. Teil mit PoU.
Wir wünschen viel Spaß beim Lesen.
Neuntes Kapitel:Beruhige mich Übersetzt von Lilly Black, Lektoriert von Katrin
Put me in the wheelchair, get me on some plane
Hurry hurry hurry before I go insane
I can't control my fingers, I can't control my brain
Oh no, oh no, OH NO…
--The Ramones
„Hey ihr alle! Essen ist fertig!"
Hermione konnte Terks überraschend laute Stimme von der Wohngalerie im ersten Stock aus hören. Sie trocknete ihr Haar mit einem Handtuch und kämmte es. Von den Spitzen tropfte Wasser auf ihre Schultern. Sie zog sich einen Pullover und eine Jeans an und ging ins Schlafzimmer. Harry saß mit einem Buch in dem Schaukelstuhl in einer Ecke. Sie sah ihn einen Moment lang an und versuchte, anhand seines Gesichtsausdrucks seine Stimmung zu ergründen, aber es gelang ihr nicht. Er sah normal aus. Seit sie aus dem Hauptquartier nach Hause gekommen waren, war er ruhig, aber so wie immer gewesen. Sie hatte vorgehabt, ihm einige Beruhigungszauber zu geben, aber das schien nicht nötig. „Hast du Terk gehört?", sagte sie.
„Ja. Ich habe nur auf dich gewartet." Er stand auf und sie verließen gemeinsam das Zimmer. Hermione lächelte zu Harry auf, als er ihre Hand nahm und seine Finger mit ihren verschränkte. Das Gewicht, das auf ihren Schultern lastete, schien ein bisschen weniger erdrückend zu sein... was auch passierte, schreckliches oder tragisches, alles schien etwas erträglicher, wenn sie Harrys Hand hielt.
Gerade, als sie in die Eingangshalle traten, öffnete sich die Tür und Justin kam lächelnd herein. „Ihr alle!", rief er. „Kommt alle her!" Sie blieben vor der Tür zum Arbeitszimmer stehen. George und Terk kamen aus der Küche, Tax von der Hintertreppe und Laura aus dem Arbeitszimmer.
„Was'n los, J?", sagte George .
„Ich habe hier jemanden, den ich euch vorstellen möchte", sagte er atemlos. Er steckte seinen Kopf durch die Tür nach draußen. „Komm rein!", flüsterte er.
Herein kam ein Mann und begrüßte sie mit einem vorsichtigen Lächeln. Er war gegen dreißig, durchschnittlich groß und kräftig gebaut, mit kurzem schwarzen Haar und warmen, braunen Augen. Etwas unsicher lächelte er sie alle an.
„Ihr alle", sagte Justin. „Das ist Stephen Eastman."
„Ah, der neue Mann!", sagte George grinsend und trat vor, um ihm die Hand zu geben. „Ich bin George Weasley."
„Oh, George! Ich habe so viel von dir gehört. Schön dich kennen zu lernen." In Stephens Stimme klang ein leichter schottischer Akzent heraus.
„Das ist Laura Chant", sagte George, als Laura Stephens Hand schüttelte.
Stephan ging die Reihe der wartenden Mitbewohner entlang. „Ich bin Harry Potter, das ist Hermione Granger." Stephen schüttelte Harrys Hand mit einem freundlichen Lächeln. „Und das ist Lil", sagte Harry und deutete auf den aufgeregten Hund, der freudig mit dem Schwanz wedelte. Stephen beugte sich hinunter, um sie zu streicheln.
„Ist er nicht zum Anbeißen?", sagte Justin grinsend im Hintergrund.
„Vorsicht, Justin", sagte Stephen, schüttelte Hermiones Hand und lächelte über Justins typische Ausdrucksweise. „Du könntest dich verschlucken."
Daraufhin fingen alle an zu lachen. Harry nickte. „Ich mag ihn."
Es stellte sich heraus, dass Stephen Anwalt in einer erfolgreichen Zaubererkanzlei in Oxford war, woraufhin eine sofortige Nachfrage enthüllte, dass er Daniel Stanfordshire nicht kannte. Justin war sichtlich hingerissen, und dieses Gefühl schien gegenseitig zu sein. Während des Essens wanderte die Unterhaltung von gegenwärtigen Ereignissen über Literatur und Musik zu Zaubererpolitik. Stephen gewann sogar Georges Wohlwollen, als er ihm seine Hilfe beim Abwaschen anbot und Harrys, indem er nicht im Geringsten auf dessen Ruhm einging, wie es neue Bekannte so oft taten.
Nach dem Essen zogen alle in das Wohnzimmer um, um dort zu reden und Kaffee zu trinken. George ließ einen Teller mit Keksen erscheinen, die schnell wieder verschwanden.
„Wir waren also auf Bora Bora", sagte Terk, „Mit nichts außer den Klamotten in unseren Rucksäcken, mitten in einem tropischen Unwetter, in einer winzigen Hütte mit undichtem Dach. Napoleon konnte nicht zaubern, denn sein Zauberstab war in seinem Koffer, auf dem Weg nach Beijing. Und dann gab das Dach nach." Ein allgemeines Stöhnen. „Da waren wir also, auf einer kleinen Plattform auf Stelzen mitten in einer Lagune, nass bis auf die Haut und über und über voll von Blättern und Dreck. Ich habe ihn einfach angesehen und gesagt ‚Ich denke, wir brauchen Urlaub von unseren Flitterwochen.'" Alle lachten. „Ich habe versucht, das Ganze locker zu sehen, aber er war stink sauer. Er hat sich ein großes Stück Holz von dem Dach genommen und ist losgegangen. ‚Wohin gehst du?', fragte ich. Und er sagte, ‚Ich werde ein bisschen mit dem Manager plaudern.' Ich fragte ihn, wofür das Holz sei, und er sagte, ‚Ich sage immer, du kommst mit einem freundlichen Wort und ein paar links und rechts weiter, als nur mit einem freundlichen Wort.'" Dem folgte noch mehr Gelächter.
Harry legte eine Hand auf seine Stirn und stöhnte leise. „Ist alles in Ordnung bei dir?", sagte Hermione leise und legte eine Hand auf seinen Arm.
„Es geht mir gut. Nur etwas Kopfschmerzen. Ich werde schnell etwas dagegen nehmen." Er stand auf und verließ den Raum. Lil' trottete hinter ihm her, wahrscheinlich in der Hoffnung, etwas erbetteln zu können, während er in der Küche war. Hermione war über seine Kopfschmerzen nicht verwundert, wenn sie daran dachte, wie viel hier los war.
„Also, Hermione", sagte Terk. „Ein kleines Vögelchen hat mir erzählt, dass du ziemlich gut Swing tanzt."
Hermione errötete. „Ich denke schon. Harry und ich haben wirklich viel Spaß dabei."
„Ich würde es furchtbar gerne lernen."
„Es ist ziemlich einfach. Du musst nur..."
Hermione wurde von dem Zuschlagen der Vordertür unterbrochen. „Leute!", rief eine fröhliche, weibliche Stimme.
„Cho ist zu Hause!", schrie Justin und sprang gerade in dem Moment auf, als Cho den Raum betrat, lächelnd und gerade dabei war, ihre Jacke auszuziehen. Ihr langes Haar war durcheinander, wahrscheinlich von der Fahrt auf dem Motorrad.
„Hallo, ihr alle", sagte sie. „Wir haben uns so lange nicht gesehen!" Sie trat nach vorn, um Hermione und Laura zu umarmen und sich von den Männern auf die Wange küssen zu lassen. „Hey, habt ihr mein Zimmer vermietet?", sagte sie und nickte den drei Fremden zu.
Schnell wurden ihr Terk, Tax und Stephen vorgestellt. „Und wo ist der Potter?", fragte sie.
„Er nimmt gerade etwas gegen seine Kopfschmerzen."
„Ah", sagte Cho nickend. Hermione hatte sie über Harrys Gesundheitszustand per Eulenpost auf dem Laufenden gehalten.
Harry kam lächelnd aus der Küche zurück. „Willkommen zu Hause, Chang!" Er umarmte sie, während Lil an ihr hochsprang, um ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen.
„Hey, Potter", sagte sie, die Umarmung erwidernd. Hermione wusste nicht, wann die beiden sich angewöhnt hatten sich gegenseitig beim Nachnamen zu nennen, sie waren die Einzigen, die das taten. Sie musste sich eingestehen, dass es ihrem eifersüchtigen Herz gut tat, dass die zuvor konkurrierende Cho nun auf eine so platonisch kumpelhafte Art mit ihm umging. Sie lächelte in sich hinein, wissend, dass nur Liebe es schaffte, die Persönlichkeit eines Menschen in die eines Zweijährigen zu verwandeln. Kriegst du nicht. Ist meins. „Schön wieder zu Hause zu sein, besonders heute Nacht", sagte Cho mit einem vielsagenden Blick auf ihre Mitbewohner.
„Natürlich!", sagte George. „Spieleabend."
„Dein Arsch gehört mir", sagte Harry mit einem tödlichen Blick an Cho gewandt.
„Dann komm her und nimm ihn dir."
„Das hättest du wohl gerne. Aber in diesem Haus spielen wir nach den Regeln."
Hermione sah sich am Tisch um und betrachte die Gesichter der Anwesenden. Laura war abgelenkt. George starrte angestrengt in seine Karten. Justin sah entspannt aus, aber das konnte aufgesetzt sein. Cho sah übertrieben zur Seite. Harrys Gesicht war unlesbar.
Sie kratzte ihren ganzen Mut zusammen. „Ich gehe mit und erhöhe um drei", sagte sie und warf drei Galleonen in den Topf.
„Ich gehe mit", sagte George und legte sein eigenes Geld dazu.
„Verdammt. Ich bin draußen", sagte Justin, die Karten auf den Tisch werfend.
„Zu hoch für mich", stimmte Cho zu und tat es ihm gleich.
Harry wandte sich um. Er betrachtete einen Moment lang ruhig seine Karten. „Ich nehme deine drei und erhöhe um zwanzig." Ein Murmeln ging durch die Spielenden.
George flüsterte „Der Tod kommt zu uns allen", schüttelte ungläubig den Kopf und warf seine Karten auf den Tisch.
Hermione starrte quer über den Tisch zu Harry, der nun ihr einziger Gegenspieler war, und versuchte, den Ausdruck auf seinem Gesicht zu ergründen. Harry war für gewöhnlich schwer zu durchschauen und seine Bluffs waren immer gut durchdacht... aber das ging zu weit. Er schwitzte nicht einmal. Er sah sie einfach nur ruhig an. „Hat man als Mage Kräfte, die dir hier weiterhelfen, von denen du mir nichts erzählt hast?", fragte sie.
„Es wird dich zwanzig kosten, das herauszufinden."
Sie hielt seinem Blick einige Momente stand, dann warf sie angewidert die Karten auf den Tisch. „Ich bin draußen", sagte sie.
„Ha!", stieß Harry aus und brach dabei sein Lächeln zum ersten Mal, seit er die Karten aufgenommen hatte, während er die Münzen auf dem Tisch zu sich hin zog.
„Was hattest du?"
„Was hattest du?"
Sie drehte ihre Karten um. „Vier gleiche. Neunen." Harry lächelte und zeigte ihr seine Karten. Hermione sprang auf. „Du hast mit einem Paar Fünfen geblufft?"
Er zuckte mit den Schultern. „Regt dich nicht zu sehr auf, du bist diejenige, die darauf reingefallen ist."
„Oh, du wirst heute Nacht soooo was von gar nichts bekommen."
Er grinste. „Gut. Dann kann ich endlich meine Korrespondenzen erledigen." Sie warf ihre Karten nach ihm, unfähig ihren Ärger aufrecht zu erhalten und schloss sich dem Gelächter der Anderen an. Es gab nicht wirklich etwas, über das sie sich aufregen musste, Harry und sie teilten ein Bankkonto. Sie konnte morgen zur Bank gehen und sich von seinem Gewinn etwas kaufen, wenn sie wollte.
„Noch eine Runde?", sagte George und mischte die Karten.
„Ich bin müde", sagte Laura. „Und völlig pleite. Harry gewinnt sowieso immer."
„Nicht immer."
„Na ja, so gut wie immer. Genauso, wie Prinz Charles meistens einen Anzug trägt." Sie stand auf. „Ich schlage vor, wir machen uns lieber über den traditionellen Nach-Poker-Pudding her. Natürlich nur, wenn George welchen gemacht hat."
„Wenn ich Pudding gemacht habe, sagt sie", sagte George ironisch. „Ist der Himmel blau? Ist Snape eine Fledermaus? Ist Harry ein verdammter Schummler beim Poker?"
„Pass auf, Weasley. Ich könnte dir mit meinen zischenden Augenstrahlen deine Augenbrauen wegbrennen."
„Ich zittere schon. Komm schon, Sohn von Jor-El, ich glaube du hattest was in deinem Kaffee. Kniet nieder vor Zod." Harry folgte ihm in den Flur, während der Rest es sich wieder bequem machten.
Hermione setzte sich in ihren Lieblingssessel. „Oh, wer ist ein gutes Mädchen?", murmelte sie und kraulte Lil hinter dem Ohr. „Das ist mein Mädchen." Terk setzte sich in die Nähe, während Lil, von so viel Aufmerksamkeit begeistert, mit ihrem buschigen Schwanz wedelte.
„Sie ist so ein süßer Welpe", sagte Terk. „Nicht nervig oder langweilig."
„Ja, sie ist ein gutes Mädchen. Wir lieben sie."
Stephen blieb bei ihr stehen, um Lil zu streicheln. „Ich habe auch einen Hund. Wir sollten die Beiden mal zusammen bringen."
„Oh, Miss Lil würde es lieben, einen Spielgefährten zu haben", sagte Hermione. „Welche Rasse ist es?"
„Sie ist ein Schäferhund. Drei Jahre alt."
„Schäferhunde sind so hübsch. Welche Farbe?"
„Beige und weiß."
„Du solltest sie unbedingt mal mitbringen", sagte Hermione. „Lil braucht ein bisschen tierische Gesellschaft. In der Gegend gibt es keine Hunde, mit denen sie spielen könnte."
„Wie lange hast du Lil schon?", fragte Terk.
„Etwa einen Monat. Sie war ein Geschenk von Harry."
„Ohh, das ist so süß."
„Er hat seine Momente."
„Sogar ziemlich viele, würde ich sagen. Ich wünschte, ich hätte einen Mann, der mir so viel Aufmerksamkeit schenkt wie deiner."
„Wenn er mich nicht gerade beim Poker ausnimmt." Sie nahm die Möglichkeit wahr und wandte sich an Terk. „Triffst du momentan jemanden?"
„Nee. Ich habe mich mit diesem ATS Agenten getroffen... das ist das Büro für Alkohol, Tabak und Schusswaffen", erklärte sie auf Hermiones verwirrten Blick hin, „aber es hat nicht funktioniert. Er war zu kontrollierend. Als ich mit ihm Schluss gemacht habe, hat er die ganze Kontroll-Freak-Show abgezogen, von wegen ‚Du machst nicht mit mir Schluss, ich werde dich umbringen.'" Sie sagte das so beiläufig, dass es Hermione schockierte, aber sie ließ es sich nicht anmerken. „Aber das funktioniert nicht bei mir, nicht wenn wir beide wissen, dass ich ihm in den Hintern treten könnte. Ich habe ihm unmissverständlich klargemacht, ihn an seinem eigenen Ding zu ersticken, wenn er etwas unternehmen würde. Und ich würde Tax auf ihn ansetzten und der würde seinen schwarzen Gürtel mitbringen. Dann hat er ziemlich schnell die Klappe gehalten."
Hermione seufzte. „Ich habe mich auch mal mit jemandem getroffen, der nicht wirklich gut für mich war."
„Auch einen Kontroll-Freak?"
„Das nicht gerade. Er musste sich nur immer als der Mann fühlen. Er brauchte immer meine vollständige und ungeteilte Aufmerksamkeit, die ich ihm zugegebener Weise eine Zeit lang auch zugestanden habe. Und oh mein Gott, wie er Harry gehasst hat."
„Jaah?"
„Er konnte die Tatsache nicht ertragen, dass er mein Mitbewohner war, und die Tatsache, dass Harry mich besser behandelte, als Abel es je getan hat. Abel war ein ziemlich berühmter Schriftsteller und die Leute schmissen sich ihm gewöhnlich vor die Füße, aber Harry hat das nie getan."
„Hey, dass sollte er eigentlich kennen. Die Leute werfen sich ja auch ihm vor die Füße."
„Ich schätze schon. Ich denke, Abel hat sich bedroht gefühlt. Und das mit Recht. Er hat wohl gespürt, dass ich Harry liebte, wie wahrscheinlich die meisten meiner Freunde, und Harrys Freundinnen auch."
„Du hast ihn damals schon geliebt?"
Hermione sah lächelnd zu Terk auf. „Ich habe ihn immer geliebt."
Sie hätte vielleicht noch mehr gesagt. Sie hätte Terk vielleicht von ihrer langen Geschichte mit Harry erzählt, und von der Nacht, in der sie zueinander gefunden hatten, unfähig, ihre Gefühle füreinander zurück zu halten, ein Tag, der sowohl wundervoll wie auch schrecklich gewesen war. Sie hätte vielleicht Harrys Antrag wieder aufleben lassen, und ihr ihren Verlobungsring gezeigt. Sie hätte ihr vielleicht sogar von Ron erzählt, und davon, wie sein Tod sie beide und ihre Beziehung beeinflusst hatte.
Aber sie sagte all diese Dinge nicht, denn als sie zum sprechen ansetzte, hörte sie ein lautes klirrendes Geräusch aus Richtung der Eingangshalle, hinter der die Küche lag. Jeder hielt in seinen Gesprächen inne und sah auf. Hermione stand da, die Angst stieg in ihr auf. Großer Gott, was war nun?
„George?", rief Justin. „Alles in Ordnung?"
Es gab eine lange Pause. „Ähm... ihr kommt besser mal hierher", kam Georges Antwort, entsetzt und verwirrt.
Jeder rannte aus dem Zimmer in die Haupthalle. Hermione kam jäh zu stehen, als sie sich der Küche näherte. Die anderen blieben hinter ihr. Niemand sprach einen langen Moment lang. „Oh Gott", flüsterte sie.
Auf dem Boden vor Harrys Füßen lag ein silbernes Tablett und ein dutzend zersprungene Tassen in einem See aus verschüttetem Kaffee. George stand in der Küchentür, mit blassem, verängstigtem Gesicht, der ruinierte Pudding zu seinen Füßen, wo er ihn fallen gelassen hatte.
Harry stand in der Mitte des Zimmers, von den Anderen abgewandt. Er zitterte am ganzen Körper, die Arme erhoben und die Hände neben seinem Gesicht. Der Kopf rollte auf seinen Schultern und von ihm kam ein leises Stöhnen.
Er wirbelte herum, um sie anzusehen. Hermione atmete bei dem Anblick seines Gesichtes scharf ein. Es war angstvoll verzerrt, weiß bis auf die kleinen Flecken auf seinen Wangen. Seine Zähne waren fest aufeinander gepresst und seine Augen starrten weit aufgerissen vor ihn . „Es... es...", stammelte er. Es endet niemals, dachte Hermione. Richtig, Harry? Es endet niemals.
Aber das war es nicht, was er sagen wollte. „Es kommt", schaffte er es schließlich hervorzustoßen. „Er... kommt... jetzt..."
„Kannst du es aufhalten?", fragte Hermione leise, versucht, ihre Stimme so ruhig wie möglich zu halten.
Harrys Kopf wirbelte herum, ein seltsamer Schrei entfuhr seinen Lippen. „Ich kann nicht", stöhnte er.
Hermione seufzte. „Blase. Napoleon." Nach einer kurzen Verzögerung erschien Hermiones Blase vor ihr in der Luft.
„Jaah?", erklang Napoleons Stimme.
„Ich bin es, Hermione. Code Rom, Level drei."
„Wo seid ihr?", fragte er sofort. Keine Fragen, keine Rückversicherungen. Dies war sicherlich etwas, auf das sie sich vorbereitet hatten.
„Zu Hause. Bring ein Team, jetzt."
„Auf dem Weg." Die Blase verschwand.
„Es wird fünf Minuten dauern, bis sie hier sind", flüsterte sie. „Zieht euch vorsichtig zurück."
„Was tun wir, wenn er die Kontrolle verliert?", fragte Terk mit leiser Stimme.
Hermione hielt für einen Moment inne. „Wir hoffen, dass er nicht beschließt, uns zu töten."
George zog sich stückweise von der Tür zurück, die Wand entlang an Harry vorbei und schloss sich der Gruppe an. Jeder näherte sich dem Wohnzimmer, außer Hermione, die stehen blieb und ihn beobachtete, „Harry? Kannst du mich hören?"
Er starrte seine vor sich ausgestreckten Hände an, die beide stark zitterten, seine Augen stachen fast hervor. „Ich fühle ihn", murmelte er. „Er ist stark."
„Versuch, ihn zurückzuhalten. Sie mich an." Ihre Stimme kam fest, fast befehlend hervor. Harry hob seinen Blick und traf ihren. „Sieh mir einfach in die Augen. So ist es gut. Sie kommen."
„Ich ... kann... nicht..."
„Komm schon, Harry. Wir sind alle hier. Du willst uns doch nicht verletzen." Er schüttelte fest den Kopf, Schweißtropfen flogen aus seinem Haar. „Sieh mich einfach an." Er nickte, sein Atem ging stoßweise. Eine Ewigkeit lang standen sie so da. Harrys Körper zitterte mehr und mehr mit jeder Sekunde, die verging. Sein Kopf flog von einer Seite auf die andere, seine Augen fielen in ihre Höhlen zurück, dass nur noch das Weiße sichtbar war. „Harry!", befahl Hermione. "Sieh mich an! Sie mich an, verdammt!"
Er konnte oder wollte nicht mehr das tun, was sie sagte. Seine Hände hoben sich, um an seinen Haaren zu ziehen, markerschütternde Schreie kamen zwischen seinen Zähnen hervor. Plötzlich richtete er seinen Kopf auf und sah sie alle an. „Rennt", schaffte er herauszupressen, wobei seine Stimme ein tiefes Brummen war.
Seine Arme flogen zur Seite und sein Kopf nach hinten, sodass er mit leerem Blick an die Decke starrte. Ein unmenschlicher Schrei entkam seiner Kehle und der Boden unter ihren Füßen bebte. Das Glas des nahen Wintergartens schepperte und die Scheiben der Fenster und Türen zerbrachen mit einem hellen Klirren. Alle duckten sich, als er der hohen Decke der Halle entgegenschrie. „Alle in das Arbeitszimmer", rief Hermione. Sie blieb abwartend stehen und bemerkte, dass sich keiner rührte.
Harry wurde ruhig und seine Arme fielen an seinen Seiten nach unten. Langsam hob er den Kopf und lächelte sie an. Hermione fühlte sich, als würde eine kalte Hand ihren Rücken hinaufwandern...wie so oft zuvor wurde ihr wieder einmal klar, dass, wer immer vor ihnen stand, es nicht Harry war, jedenfalls nicht der Harry, den sie kannte und liebte. Sie erkannte in ihm fast den Mann wieder, dessen festen Blick sie gesehen hatte. Sie erinnerte sich an seine grausamen Worte in der Sporthalle, an seine blinde Wut auf dem Schulhof. Kleine Einblicke in die Person, die sich in ihm niedergelassen hatte und die jetzt, wie es schien, völlig von ihm Besitz ergriffen hatte, „Harry?", fragte Laura unsicher.
Er wandte sich ihr zu. „Ich bin nicht Harry!", schrie er. Laura wich vor ihm zurück.
„Wer bist du?", flüsterte Hermione, während sie sich vorwärts tastete.
Harry sah sich einfach nur um, nach vorn gekrümmt und noch immer zitternd. „Sollten wir nicht etwas tun?", murmelte Terk.
„Was denn? Wir können ihn nicht kontrollieren. Er könnte uns alle mit seinen bloßen Gedanken einfrieren." Sie seufzte. „Ich hatte gehofft, ihn ruhig halten zu können, bis das Team hier ist."
„Und was werden die tun?"
„Ich weiß nicht. Vielleicht ihn beruhigen. Ihn auf irgendeine Art ruhig stellen. Sie können einen Mage nicht zwingen, etwas zu tun, das er nicht tun will."
„Wir können ihn betäuben."
Hermione schüttelte den Kopf. „Nein. Harry kann eine Betäubung abwehren, besonders, wenn er so ist wie jetzt."
„Was ist nur mit ihm passiert? Mein Gott, er sieht aus wie ein Wahnsinniger", sagte George.
„Das ist nicht er selbst, George."
Harry machte eine wegwerfende Bewegung, richtete sich auf und schüttelte seine Arme aus. „Du glaubst, du weißt die Antwort, oder Hermione?" Er richtete sich noch weiter auf und kam auf sie zu. Alle wichen zurück, während er sich näherte. Seine Augen waren tot, gefüllt von Magie. „Du liebst es, Recht zu haben." Seine Lippen verzogen sich zu einem falschen Lächeln. „Wusstest du, dass Ron und ich uns immer über dich lustig gemacht haben? Die ganze Zeit. Sogar noch nach der Sache mit dem Troll. Du hast es nie gemerkt." Hermione schüttelte den Kopf. „Oh ja. Er hat dich immer für einen einzigen großen Witz gehalten. Es war nicht seine Idee, dass ihr zusammen ausgehen solltet, es war meine. Ich wollte wissen, was passiert. Ich wollte wissen, wie lange er dich ertragen konnte. Wie sich herausstellte, konnte er dich länger ertragen, als ich es ihm zugetraut hätte. Er sagte, er wollte nur noch warten, bis er dich flach gelegt hatte, bevor er dich fallen lassen wollte."
„Das ist nicht wahr", sagte sie mit einem flauen Gefühl im Magen.
„Woher willst du wissen, was wahr ist?" Er lachte. „Du hast nie von meiner Arbeit gewusst. Du wolltest es auch nicht wissen, oder? Du kannst mir nicht erzählen, dass du nichts vermutet hast, du hast eine Wohnung mit mir geteilt! Es war für dich nur bequemer, dumm zu bleiben, als dich zu fragen, warum ich dir nichts gesagt habe." Hör nicht auf ihn, redete Hermione sich ein. Er lügt. Er wird es mit der Wahrheit mischen, um mich anzugreifen. Hör nicht zu. Es ist nicht wahr. Aber es könnte doch trotzdem ein bisschen wahr sein, flüsterte ihr Verstand.
„Harry, vielleicht solltest du...", begann Laura.
Er wirbelte zu ihr herum. „Halt die Klappe, Chant. Ich fühle, was du denkst." Laura schloss erschrocken den Mund. „Du liebst ihn nicht mehr, oder?" Er lächelte, sein Gesicht war zu einer Maske verzerrt. „Wie fühlt es sich an, zehn Jahre seines Lebens an einen Mann verschwendet zu haben, der nicht einmal mit dir im selben Land bleibt?" Laura fiel mit fahlem Gesicht einen Schritt zurück.
Aber Harry war noch nicht fertig. „Und du", sagte er, während er sich an Justin wandte. „Du hast so viel Selbsthass in dir, dass ich ihn praktisch schmecken kann." Plötzlich änderte sich Harrys Stimme, sogar sein Körper schien sich zu verändern, um jemanden anders zu vertreten. „Verschwinde aus diesem Haus, du widerwärtiger Abschaum", sagte er in einer tiefen Stimme. Justin wich einen Schritt zurück.
„Dad?", flüsterte er.
Harry fuhr mit einer Stimme fort, die nicht seine eigene war. „Ich kann nicht glauben, dass ich einen Freak großgezogen habe." Justin sagte nichts, aber Stephen wurde rot vor Zorn. Er schritt vorwärts und stieß sich an Justin vorbei.
„Warum hältst du nicht die Klappe, wer immer du bist?", begann er. Harry sah ihn einfach nur an und es traf ihn wie eine unsichtbare Faust, so stark, dass es ihn rückwärts auf den Boden warf. Justin eilte an seine Seite.
„Du Ausgeburt der Hölle", zischte er zu Harry.
Harry lächelte. „Oh ja. Das ist es. Sag mir die Wahrheit. Es wird nicht wehtun...nicht sehr." Er ging unverständlich murmelnd an ihnen vorbei in das Arbeitszimmer. Sie folgten ihm in gebührendem Abstand. Der Wind heulte durch die zerbrochenen Fenster in den Raum und ließ die Vorhänge wehen.
Hermione bedeutete ihnen, stehen zu bleiben, während sie nach vorn trat. „Harry, ich möchte, dass du dich beruhigst. Atme tief durch. Versuch dich zu konzentrieren. Du bist stärker als er. Übernimm die Kontrolle."
Er stand mit gesenktem Kopf mit dem Rücken zu ihnen. Das Geräusch von leisem Gelächter drang an ihre Ohren. Er drehte sich um, sein Gesicht strahlte Bosheit aus. „Versuch nicht, mich zu verarschen", sagte er mit einem freudlosen Lächeln auf den Lippen. Er tat einen Schritt auf sie zu. „Versuch nicht, mich aufzuhalten. Ich weiß, was du willst."
„Ich will nur, dass du dich beruhigst, damit wir dir helfen können."
„Oh, JA!" schrie er zur Decke hinauf. „Alle wollen mir immer nur helfen! Mir ins Grab helfen! Und vielleicht wäre es sogar eine Erleichterung!" Er sah an ihnen vorbei. „Oh ja, hier kommen sie!"
Hermione wandte sich um und sah Napoleon und Remus mit drei anderen Agenten. „Er hat die Kontrolle über sich verloren", sagte sie leise. „Er ist nicht er selbst."
„Oh, bin ich nicht?", sagte Harry. „Natürlich bin ich das nicht! Wer sollte ich denn auch sein? Es gibt keinen echten Harry Potter! Er ist nur eine Figur, jemand, den ihr euch aus lauter Angst und Verzweifelung erschaffen habt!" Die Muskeln in seinem Gesicht verkrampften sich, während er mit kurzen Schritten im Zimmer herum ging.
Hermione sah ihm direkt in sein Gesicht. „Wo bist du, Harry?" Sie reckte den Kopf und sah ihn eindringlich an. „Bist du irgendwo da drinnen und siehst zu?"
Er wich zurück. „Du glaubst, ich bin verrückt."
„Bist du das nicht?" Hermione drehte sich noch einmal um und sah Sirius atemlos das Zimmer betreten. „Bleibt alle, wo ihr seid", sagte sie zu den anwesenden Agenten.
„Hermione, komm da weg. Du bist in Gefahr. Du wärst die erste, die er angreift", sagte Napoleon beschwörend.
„Ich kann ihm helfen", sagte sie und drehte sich wieder zu Harry um. Er achtete nicht auf sie und zog an seiner Kleidung und seinen Haaren. „Harry, kannst du mich hören?", sagte sie mit nach vorn ausgestreckter Hand.
Harry hielt inne und seine Arme versteiften sich, seine Hände rollten sich zu Fäusten zusammen. „Du hast keine Ahnung, wie viel Kraft in diesem Körper steckt", sagte er mit angeschlagener Stimme. „Ich kann fühlen, wie es durch mich fließt." Er schloss die Augen und atmete tief durch. „Ich bin lebendiger, als jeder von euch jemals sein wird."
Napoleon tastete sich nach vorne. „Boss...ich bin es, Napoleon."
„Ah, ja. Harry kennt dich, also tue ich es auch." Er schnaubte. „Du willst sie vögeln, oder? Bis sie nach mehr schreit. Du willst es, sogar jetzt gerade. Du stinkst förmlich danach." Mit einem lässigen Schnippen seiner Finger flog Napoleon durch die Luft und traf die entfernte Wand, an der er zu Boden sank. Harry wandte sich an Hermione. „Und du willst es auch."
„Nein. Das ist nicht wahr", sagte sie, unfähig, das Zittern aus ihrer Stimme zu vertreiben, ihre Augen wanderten zu Napoleon, der gerade wieder vom Boden aufstand.
„Du willst ihn. Du willst ihn reiten, bis du nicht mehr atmen kannst, bis deine Knie zittern. Der arme Harry."
„Nein!", schrie Hermione der verhassten Person entgegen, der Person, die sie mit ihren eigenen Händen umbringen würde, wäre sie nicht an Harrys Körper gebunden. „Ich liebe Harry!"
„Du glaubst, du liebst ihn. Aber in Wirklichkeit liebst du nur seine Kraft, seinen Ruhm, seine Position. Das ist alles, was du wirklich willst. Und er weiß das. Tief in sich weiß er es. Was glaubst du, warum er jede Frau flach legt, die Interesse an ihm zeigt? Weil er spüren kann, dass du ihn nicht wirklich liebst."
„Das reicht", sagte Sirius mit vor Zorn bebender Stimme und trat vor, an Hermiones Seite. Sie war zu erschüttert, um Worte zu formen. Sie wusste, dass das, was dieser Mann sagte, nicht der Wahrheit entsprach...aber es konnte wahr sein, und dass reichte schon. „Du dreckiger Lügner", spie Sirius aus.
„Ah, der große Vizekanzler...oder sollte ich sagen Kanzler?" Sirius wurde blass. „Niemand weiß das mit Sicherheit, oder? Wissen die, wie du seine Eltern umgebracht hast? Harry weiß es natürlich. Er weiß, dass du dafür verantwortlich bist. Du hast keine Ahnung, wie sehr er dich unter dem Lächeln hasst, das er wie eine Maske trägt." Harry grinste und ein boshaftes Glimmen umgab ihn. „Harry ist nichts als eine Maske, wenn man es genau betrachtet. Eine Hülle, eine Fassade, die ihr alle errichtet habt. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was hinter dieser Maske liegt."
Hermione trat mit der Bestimmtheit, ihn zu erreichen, nach vorn. „Harry, hör dir nur an, was du sagst. Sieh uns an."
„Halt die Klappe."
„Versuch, dich an dich selbst zu erinnern, Harry", sagte Remus, der einige Schritte vorwärts trat, um sich der kleinen Gruppe anzuschließen, während Harry in der Mitte des Raums auf und abging. „Das bist nicht du."
„Komm zurück zu mir", sagte Hermione mit zitternder Stimme und streckte eine Hand nach ihm aus. Er hatte sich abgewandt und starrte hinauf zur Decke. „Komm zurück."
„Ich sagte, halt die Klappe!" brüllte er plötzlich. Vor den entsetzten Augen aller, wirbelte er herum und schlug Hermione hart mitten in ihr Gesicht. Napoleon stürzte vorwärts, aber Sirius hielt ihn zurück.
Hermione taumelte einige Schritte zurück, stolperte dann und fiel auf ihre Knie. Sie starrte zu ihm auf, eine Hand auf ihrem bereits anschwellenden Gesicht. „Harry...", flüsterte sie und ihr versagte die Stimme.
Er blickte zu ihr herunter, seine Brust hob und senkte sich schwer und sein Gesicht trug einen finsteren Ausdruck. Niemand rührte sich, es schien fast so, als würden sie nicht einmal atmen. Während sie Harry beobachteten, geschah etwas. Sein Gesicht verzog sich zu einer schrecklichen Grimasse und seine Hände hoben sich, die Fäuste öffneten und schlossen sich. „Argh...ohh...ahh" Ächzen und Stöhnen erklang durch seine zusammen gepressten Zähne, als sein gesamter Körper zu zittern begann. Er warf seinen Kopf vor und zurück, schrie vor Schmerz und Anstrengung, als ob ein Kampf in seinem Körper tobte. „Ver-...SCHWINDE!!!", schrie er schließlich.
Harry öffnete die Augen und sah auf Hermione herunter, die noch immer am Boden kniete und ihn anstarrte. Er zitterte, war blass, seine Kiefer waren so stark auf einander gepresst, dass die Muskeln an seinen Schläfen hervortraten...aber es war Harry. „Oh Gott...", brachte er über die Lippen. „Hermione..." Sie konnte sich nicht rühren, fühlte sich wie erstarrt. Sein Körper krümmte sich plötzlich vor Schmerz und er riss sich an den Haaren. „Was habe ich nur...oh Gott...", flüsterte er, dann wirbelte er zu den Agenten herum.
Er streckte die Arme aus, die Augen krampfhaft geschlossen und unter schweren, zitternden Atemzügen. „Schnell", sagte er. „Bringt mich hier weg, bevor er zurückkommt. Ich kann die Kontrolle nicht lange halten." Niemand rührte sich. Er öffnete die Augen und sah in ihre entsetzten Gesichter. „Bringt mich hier weg, bevor ich noch jemanden verletze. JETZT!", schrie er.
Remus nickte den Agenten zu und sie eilten mit Stricken und Ketten bewaffnet vorwärts. Sie banden Harrys Hände und ein orangefarbener Schimmer breitete sich über seinen gesamten Körper aus. Es würde ihn daran hindern, Magie anzuwenden. „Nehmt ihn in Verwahrung", sagte Remus. „Napoleon, geh mit ihnen. Ich werde bald nachkommen." Sie führten Harry aus dem Raum, sein Kopf war gesenkt und seine Schultern zitterten noch immer.
Hermione starrte einfach nur hinter ihnen her, die ganze Seite ihres Gesichts pochte. Sie konnte hören, wie Laura etwas von kalten Kompressen sagte und davon rannte. Die Anderen blieben in der Nähe, unsicher, was sie tun sollten.
Sie sah ein Paar Schuhe in ihr Blickfeld treten...Sirius. Er kniete sich neben sie auf den Boden, sein Gesicht zeigte das gleiche Gefühl von Schock und Entsetzen, von dem sie wusste, dass es in ihrem Gesicht zu lesen war. Sie traf seinen Blick und er legte eine Hand auf ihre Schulter. Als ihre Selbstbeherrschung schwand und ihre Nerven nicht mehr konnten, brach Hermione in Tränen aus. Sirius legte seine Arme um sie und sie weinte an seiner Brust, auf dem Boden des verwüsteten Arbeitszimmers sitzend, durch das der kühle Nachtwind strich.
Napoleon war dort, um sie zu treffen, als sie bei den Verwahrungszellen ankam. „Wie geht es dir? Hast du ein bisschen schlafen können?", fragte er, während er auf sie zu ging, um sie zu umarmen.
„Nicht eine Minute", sagte sie und rieb sich die Augen. „Ich habe immer sein Gesicht gesehen...weißt du..."
„Ich weiß. Ich muss auch ständig daran denken." Er führte sie durch das Sicherheitstor in die Einrichtung. „Nichts von dem, was er gesagt hat, ist wahr, das weißt du, oder?"
„Ich weiß."
„Du klingst nicht sehr überzeugt."
„Na ja...er war geschickt. Er hat furchtbare Lügen erzählt, die aber trotzdem einen Hauch Wahrheit hatten. Gerade genug, dass man drüber nachdenken muss."
„Hitler hat einmal gesagt, je größer die Lüge, desto mehr Menschen glauben sie."
„Ich denke, er hatte Recht." Eine Zeit lang gingen sie schweigend durch die sauberen Gänge der Verwahrungstrakt, und dann durch weniger saubere und schließlich durch nackte Steinkorridore. „Ich war noch nie so tief in diesem Trakt."
Napoleon seufzte. „Sie mussten ihn in die Abteilung mit den höchsten Sicherheitsvorkehrungen bringen."
Hermione blieb stehen. „Was?"
„Er war...na ja, er hat so starke Magie abgegeben, dass ein normaler Unterbringungsraum nicht hätte standhalten können. Mehrere Wärter müssen sich gerade davon erholen. Er ist aus dem Abwehrfeld ausgebrochen und dann aus den magiesicheren Zellen."
„Oh", flüsterte Hermione und machte sich wieder auf den Weg den Gang hinunter. Napoleon führte sie zu einer schweren Eichentür mit Eisenbeschlägen. Dahinter lag ein erstaunlich modern eingerichtetes Labor. In dem Raum verteilt standen und saßen in verschiedenen Haltungen Remus, Sirius, Argo, Sukesh, John Biederman und Henry Ubigando. Sukesh und John sahen durch ein großes Fenster, das in die gegenüberliegende Wand eingelassen war.
„Hermione", sagte Sirius und kam auf sie zu, um sie zu begrüßen. „Wie geht es dir?"
„Du kannst es dir wahrscheinlich denken. Wie geht es ihm?"
„Sieh es dir selbst an." Sirius Lippen waren so fest zusammengepresst, dass sie zu einer dünnen weißen Linie verschwanden. Er führte sie zu dem Fenster, das den Blick in einen kleinen Raum aus weißem Marmor frei gab.
In der Mitte des Raums stand ein schwerer Eichenstuhl. Harry war darauf festgebunden. Er war mit dicken Eisenseilen an Brust, Armen, Beinen, Arm- und Fußgelenken festgekettet. Ein Lederband auf seiner Stirn hielt seinen Kopf an der Rückenlehne fest. Seine Finger waren zu Fäusten geballt und seine Augen waren krampfhaft verschlossen. Er zitterte stark, rasselnder Atem kam durch seine aufeinander gepressten Zähne. Gelegentlich kam ein fremdartiger Schrei über seine Lippen. Hermione biss sich auf die Lippen und riss sich zusammen. „Ist...ist das..."
„Es ist Harry", sagte Sukesh. „Die andere Persönlichkeit ist so stark geworden, dass das alles ist, das er tun kann, um sie zurückzuhalten. Er braucht seine völlige Konzentration, um sie zu kontrollieren. Wir haben ihn festgebunden, weil er sie nicht die ganze Zeit zurückdrängen kann, und wenn er die Kontrolle verliert, dann wird er so wild, dass wir befürchteten, er könnte sich selbst verletzen."
John ergriff das Wort. „Die andere Persönlichkeit wird mit jeder Minute stärker und jedes Mal, wenn sie an die Oberfläche tritt, ist es schlimmer."
„Wer ist es? Wer ist in ihm?" Sukesh und John tauschten Blicke aus. „Kommt schon! Ist er besessen? Was ist mit ihm passiert?"
John stand auf und griff nach seinem Schreibbrett. „Ich habe einige Tests über die andere Persönlichkeit durchgeführt, während er ruhiggestellt war. Es sind psychoanalytische Zauber, die einem erfahrenen Anwender eine Menge über die getestete Person eröffnen."
„John, diese Psychoblabla Zauber sind mir egal. Gibt es oder gibt es keine andere Persönlichkeit innerhalb von Harrys Körper?"
„Ja, mit ziemlicher Sicherheit."
„Also, wer ist es?" John seufzte. „Oh, um Himmels Willen, sag mir einfach, wer es ist."
Johns sah sie fest an. „Es ist Harry. Die andere Persönlichkeit ist Harry."
Seine Worte hingen für einen Moment in dem Raum, während Hermione ihn einfach nur anstarrte, als sei er verrückt geworden. „Was? Nein. Das ist nicht möglich. Dieses...Ding...ist nicht Harry."
„Ich fürchte, es ist so."
„Das glaube ich nicht."
„Hermione, setz dich." John führte sie zu einem Stuhl und setzte sich ihr gegenüber. „Ich bin mir hundertprozentig sicher. Sukesh stimmt mir zu." Hermione sah zu Sukesh auf, der nur nickte. „Die andere Persönlichkeit ist Harry. Seine Aura, seine psychotropischen Reaktionen auf Reize, sein Intelligenzquotient, seine magischen Anhaltspunkte, alles ist identisch. Er ist es. Aber du hast Recht, es ist nicht der Harry, den wir kennen."
Sukesh sprang ein. „Sieh mal, Hermione, die andere Persönlichkeit ist vielleicht Harry, aber er ist gefährlich. Trügerisch, paranoid und sogar mordlustig."
„Nein, versteh doch. Er ist nicht verrückt. Er wusste, was er tat...er war nur ein mieser Bastard."
„Wir verstehen das auch nicht wirklich. Ohne weitere Untersuchungen der zweiten Persönlichkeit...werden wir ihn der Klarheit halber einfach Harry2 nennen...es ist schwer, eine genaue Diagnose zu geben. Wir können es nicht verantworten, Harry2 bei Bewusstsein zu lassen, wenn er die Kontrolle über Harrys Körper hat."
„Aber...er sagte, er wäre nicht Harry."
„Er weiß wahrscheinlich nicht, wer er ist. Seine Selbstwahrnehmung ist stark eingeschränkt. Harry2 nimmt die Welt um ihn herum nicht wirklich wahr."
Hermione nickte nachdenklich. „Woran liegt das?"
„Dass ist fast unmöglich feststellbar. Aber es gibt ein paar Dinge, die wir beobachtet haben. Es schein Harry2 zu sein, der die wissende Berührung hat. Er ist derjenige mit den ausgeprägten Mage Fähigkeiten."
„Aber wir haben schon vorher gesehen, wie Harry diese Kräfte benutzt hat."
„Aber es war eine Überraschung für ihn, fast eine unterbewusste Handlung. Harry2 hat sich schon seit einiger Zeit in Harrys Bewusstsein geschlichen. Sein Angriff auf Napoleon auf der Feier, der Zwischenfall auf dem Schulhof. Wir sind von euren Mitbewohnern über weitere Vorkommnisse unterrichtet worden. Wir glauben, dass Harry2 sich schon seit einiger Zeit immer wieder in Harrys Kopf festgesetzt hat, fast als wäre er hinter einer Wand gefangen, die er langsam untergräbt."
„Und je mehr er das Leben spürte, desto stärker wurde er", sagte Remus. „Bis er schließlich völlig die Kontrolle übernehmen konnte."
„Und es scheint in beide Richtungen gegangen zu sein", fuhr John fort. „So wie Harry2 gelegentlich die Kontrolle über Harrys Körper und Geist hatte, so hatte Harry von Zeit zu Zeit Zugriff auf die erweiterten Mage Fähigkeiten und die wissende Berührung von Harry2."
Hermione rieb sich das Kinn. „Wenn wir also annehmen, dass Harry gezwungen wurde, seine Mage Kräfte zu benutzen, während er verschwunden war..."
„Können wir davon ausgehen, dass, was auch immer während seiner Abwesenheit mit ihm passiert ist, es für diese Situation verantwortlich ist, denn die Benutzung dieser starken Mage Kräfte ist nur auf eine Persönlichkeit beschränkt. Ich denke, dass etwas passiert ist, das dazu geführt hat, dass sich seine Persönlichkeit gespalten hat. Was passiert ist, können wir nicht wissen."
Sie nickte. „Was tun wir also?" Sie tauschten wieder Blicke aus. „Kommt schon, was kommt als nächstes? Wie werden wir ihm helfen?"
Remus setzte sich neben Hermione und nahm ihre Hand. „Wir können nichts tun."
Einen Moment lang starrte sie ihn einfach nur an. „Bitte?"
„Sein Zustand ist nicht umkehrbar."
„Das akzeptiere ich nicht."
„Hermione, hör mir zu", sagte Sukesh. „Harry2 ist zu stark und er wird stärker. Ich weiß nicht, wie lange Harry ihn noch zurückhalten kann. Es handelt sich nicht um eine gespaltene Persönlichkeit. Harry erinnert sich, was Harry2 getan hat und umgekehrt. Sie haben Zugriff auf Gedächtnis, Wissen und Fähigkeiten des jeweils Anderen. Sie sind gespalten, aber sie sind eins. Wir können Harry2 nicht eliminieren. Nicht ohne einen Teil oder sogar alles von Harry zu vernichten."
Sie starrte hinauf in ihre freundlichen Gesichter. „Was willst du mir damit sagen, Sukesh."
„Ich will dir erklären, dass Harry2 wahrscheinlich vollständig übergreifen wird. Wenn das passiert, wird Harrys Persönlichkeit verkümmern. Ohne ihn, kann sein Körper nicht weiterleben. Er wird an einem Nervenschock sterben. Es wird zuviel für ihn sein."
Hermione fror am ganzen Körper. Ihr Verstand bestand noch immer darauf, dass das nicht wahr war, es musste eine Möglichkeit geben, das zu verhindern. „Warum gerade jetzt? Ich meine, es ging ihm gut und dann..."
„Es ging ihm nicht gut", sagte Sukesh. „Es ging ihm Wochen lang immer und immer schlechter. Ich konnte bisher noch keine Diagnose stellen, weil nicht genug von Harry2 da war, um ihn zu entdecken."
Hermione stand auf und ging zurück zu dem Fenster. Sie sah ihn an, wie er da saß und außer dem Kampf in seinem Inneren nichts wahrnahm. Sie schlang ihre Arme um sich, als ein Schauer über ihren ganzen Körper ging. „Harry", flüsterte sie. Sie spürte, wie Sukesh auf sie zu trat und einen Arm um sie legte.
„Es tut mir Leid, Hermione."
„Mir auch."
Terk kniete auf dem Boden und sammelte vorsichtig die größeren Scherben ein, um sie in die Kiste zu werfen, die Tax ihr hinhielt. Sie trug schwere Handschuhe und kniete auf einem Kissen, um Hände und Knie vor Schnitten zu schützen. „Was für ein Durcheinander", murmelte sie. Tax ließ einen unverständlichen Laut hören. Sie warf eine weitere Scherbe in die Kiste, wobei ein Klirren erklang, als sie zersprang.
„Ist Hermione zu Harry gegangen?"
„Heute Morgen schon."
Er sah sich um. Sie waren allein. Justin und Laura waren beide auf der Arbeit und George war in seiner Werkstatt. „Ich weiß, was du denkst", sagte er.
„Du denkst das gleiche."
„Das geht uns nichts an."
„Wir könnten helfen, Tax."
„Das weißt du nicht."
„Oh doch, das weiß ich. Und wir sitzen nur hier. Tun nichts. Aber das tun wir ja immer, oder?" Sie warf wieder eine Scherbe in die Kiste, dieses Mal mit mehr Kraft.
Tax seufzte. „Wir könnten anfragen, wenn du willst."
Sie sah zu ihm auf. „Und ob ich das will!" Sie sprang auf. „Lass es uns tun!"
„Beruhige dich. Ein paar Sekunden werden keinen Unterschied machen."
„Vielleicht doch." Sie zog sich die Handschuhe aus. „Wo?"
„Am besten in meinem Zimmer. Besseres Licht." Sie eilten die Stufen nach oben zu Tax' Raum. Er zog den Nachttisch in die Mitte des Zimmers, während Terk zwei Stühle und ihre Handtasche holte. Aus der Tasche zog sie mehrere Seiten Papier und einen durchsichtigen Füller aus mundgeblasenem Glas. Sie legte Papier und Stift auf den Tisch und setzte sich ihrem Bruder gegenüber.
„Willst du schreiben?", fragte sie ihn.
„Nein, schreib du. Ich weiß nie, was ich sagen soll."
Terk nahm den Stift wieder in die Hand und setzte die Spitze auf das Papier. „Die Hainsleys bitten um Gehör", schrieb sie, die Worte bildeten sich auf dem Papier, obwohl der Stift keine Tinte enthielt.
Sie beobachteten das Papier. Nach einigen Sekunden erschienen zwei Worte darauf, Worte, die von keinem Stift und von keiner Hand geschrieben worden waren. „North hier", stand in einer schönen, geschwungenen Schrift dort.
Terk schrieb weiter. „Wisst ihr über alles Bescheid?"
Dieses Mal erschien die Antwort sofort. „Natürlich."
„Erbitten Erlaubnis einzugreifen."
Dieses Mal dauerte es länger. „Abgelehnt."
Terk grummelte leise und schrieb schneller. „Kommen diese Anordnungen von dem Wächter?"
„Du weißt, dass ich für den Wächter spreche."
„Ich möchte mit dem Wächter sprechen." Tax warf ihr einen warnenden Blick zu. Niemand verlangte danach, mit dem Wächter zu sprechen.
„Sehr witzig."
Sie seufzte. „Kann der Wächter Harry helfen?"
„Das geht euch nichts an."
„Natürlich geht es uns etwas an. Ist sein Zustand nicht euer Fehler?"
„Antwort unklar, fragt später noch mal." Das war Norths ziemlich seltsamer Humor. Terk fand es nicht lustig.
„Wir müssen etwas tun."
„Es ist egal, was du oder ich denken."
„Weiß der Wächter überhaupt, was hier vor sich geht?"
„Der Wächter weiß alles."
„Dann verstehe ich nicht, warum ihr nichts tut."
„Du wirst es bald verstehen. Du hast deine Anordnungen."
„Unsere Anweisungen sind sehr unklar. Wir sind es nicht gewohnt, mit so wenig Informationen zu handeln."
„Terk, ich weiß, dass du frustriert bist. Mach einfach weiter. Ihr werdet bald zum Einsatz kommen. Es ist nicht deine Aufgabe, ihn zu retten." Das Wort ‚deine' war unterstrichen.
„Dann ist es die von..." Sie hielt inne, dann schnippte sie mit dem Finger. „Hermione. Es ist ihre Aufgabe, richtig?"
„Das habe ich nicht gesagt."
„Das musstest du nicht. Dürfend wir Hermione unsere Hilfe anbieten, wenn sie sie braucht?"
Wieder eine Pause. „Das zu entscheiden, liegt in eurem Ermessen." Das war Norths Art, ihnen zu sagen, dass sie ihr helfen sollten, wenn sie konnten. „Gespräch beendet."
Terk legte den Stift auf den Tisch und beobachtete, wie die Worte, die geschrieben worden waren, verblassten. Innerhalb weniger Sekunden waren sie verschwunden. Sie lächelte Tax an.
„Fühlst du dich jetzt besser?", sagte er.
„Ja. Jetzt müssen wir nur noch auf sie warten."
Hermione saß an das Fenster gelehnt da und beobachtete Harry. Sie saß nun schon seit Stunden dort und ihre Beine waren inzwischen beide eingeschlafen. Sie bemerkte es kaum. Harry war vor einiger Zeit bewusstlos geworden und saß nun zusammengesunken in dem Stuhl, nur von den Seilen aufrecht gehalten.
Sie fühlte eine Hand auf ihrer Schulter und sah auf. Napoleon stand neben ihr und hielt ihr einen Becher mit einem dampfenden Getränk entgegen. Erleichtert sah sie ihn an. „Danke."
„Wie geht es ihm?", sagte Napoleon und setzte sich neben sie.
„Unverändert." Sie sah sich in dem Labor um. Sukesh und John brüteten über Büchern. Remus, Argo und Henry waren zurück an die Arbeit gegangen. Sirius schlief in einem Sofa in der Ecke. Halb wünschte sich Hermione, sie könnte auch schlafen. „Es muss doch etwas geben, das man für ihn tun kann, Napoleon."
„Sukesh und John tun ihr bestes."
„Ich weiß. Ich weiß nur nicht, ob das genug sein wird." In seiner Kammer bewegte Harry sich leicht. Hermione richtete sich etwas auf. Sein Kopf schlug leicht vor und zurück. Sie erkannte das Zucken, es war ein Alptraum.
„Uhh...endet niemals...", murmelte er.
Hermione seufzte. „Der selbe Alptraum wie immer", sagte sie. „Es endet niemals."
„...Wächter...mmph...urrhh...endet niemals...", sagte er.
Sie sah, wie er in dem festen Griff des Alptraums leise aufschrie, und wünschte sich, sie könnte ihn halten, wie sie es sonst tat. „Der Wächter", murmelte sie. Sie saß noch einige Augenblicke lang still da, dann stand sie ruckartig auf, wobei ihre Beine bedenklich zitterten. „Sukesh! Sirius!", sagte sie scharf. Sirius richtete sich auf dem Sofa auf und sah dann verschlafen und desorientiert um sich. Sukesh und John standen auf und kamen an das Fenster. Hermione legte beide Hände auf das Glas.
„Was ist los?", sagte Sukesh. „Hast du etwas gesehen?"
„Nein. Etwas gehört. Er sagt immer wieder ‚Wächter'. Wisst ihr, was ich denke? Ich denke, der Wächter ist der Schlüssel zu diesem ganzen Geheimnis."
„Aber der Wächter ist nur eine Legende", sagte Sirius sanft und rieb sich die Augen.
„Vielleicht. Vielleicht auch nicht." Sie wandte sich mit einem bestimmten Ausdruck auf dem Gesicht von dem Glas ab. „Ich werde es herausfinden."
„Hermione...du klammerst dich an einen Strohhalm", sagte Napoleon.
Wütend drehte sie sich zu ihm um. „Nun, ein Strohhalm ist immer noch besser, als hier zu sitzen und nichts zu tun, während er stirbt!" Sie sah Sukesh und Johns an. „Ihr habt gesagt, es gäbe keine Rettung?"
„Richtig."
„Dann haltet ruhig daran fest, denn ich werde euch eine besorgen."
