Der Morgen kam und Elizabeth hatte Kopfschmerzen. Vielleicht von den Reisestrapazen gestern? Sie hatte meist nur Kopfschmerzen, wenn…. Sie schreckte hoch, natürlich klar, sie brauchte nicht einmal im Kopf nachzurechnen, sie bemerkte es bereits auch an den anderen Symptomen. Unsicher schielte sie zu ihrem schlafenden Mann hinüber. Ganz vorsichtig begann sie, sich aus der Decke zu winden. Außerdem verspürte sie auch ein dringendes anderes Bedürfnis. Wo hatte Fitzwilliam noch mal gesagt, sei das Badezimmer? Sie hoffte, dort auch eine gewisse Örtlichkeit zu finden, auf Netherfield jedenfalls war ein solches Klosett eingerichtet, auf Longbourn hingegen kannte man nur die ländliche Variante auf dem Hof.

Sie hatte sich kaum einige Zentimeter im Bett nach links bewegt, als ihr Gatte sie mit strahlend blauen Augen anblickte. Sie rollte entnervt mit den Augen, es war ihr fast schon klar gewesen, dass er aufwachen würde. Er griff nach ihr, doch sie entzog sich ihm sofort. Er runzelte die Stirn und zog sogleich seine linke Augenbraue in eine Stellung, die auf sofortige Antwort einer nicht verbal geäußerten Frage drängte.

Sie seufzte kurz und sagte: „Entschuldige, ich muss mal… ähm, dringend."

Die Augenbraue verließ ihre bedrohliche Position und ein Lächeln zog über sein Gesicht. Er erklärte ihr den Weg und forderte sie auf, sich zu beeilen. Er bemerkte jedoch nicht, dass sie merkwürdig verkrampft, bedeckt mit seinem Hausmantel, durch das Zimmer in die ihr gezeigte Richtung ging.

Während seine Gattin im Bad beschäftigt war, zog Fitzwilliam Darcy die Vorhänge zurück und hängte sie wieder in die schweren Kordeln und Quasten ein. Das diffuse Morgenlicht kroch durch die großen Fenster in den Raum. Er hechtete zurück ins Bett, das Feuer im großen, marmorgefassten Kamin war schon lange erloschen und es war ziemlich kalt im Zimmer. Doch Elizabeth ließ sich Zeit. Was zur Hölle trieb sie da? Baden konnte sie wohl nicht, es war noch kein warmes Wasser herangeschafft worden zu dieser frühen Stunde. Es vergingen weitere Minuten, er begann sich zu wundern.

Dann plötzlich hörte er die klägliche Stimme seiner Frau aus der Entfernung des Badekabinetts klingen: „Oh, ähm, Fitzwilliam, ich glaube du solltest nach Clarice klingeln, bitte!"

Stattdessen machte er sich in ein Laken gewickelt auf den Weg durch sein Ankleidezimmer, vor der nächsten Tür blieb er stehen. „Liebes, stimmt etwas nicht? Was brauchst du denn?"

Lizzie entgegnete nachdrücklich: „Hast du der Zofe geläutet?"

„Nein, habe ich nicht, weil ich dachte, ich könnte dir vielleicht behilflich sein…".

Er wurde rüde von seiner Frau unterbrochen, die nun recht ungeduldig klang: „Fitzwilliam, es ist wichtig, sonst würde ich nicht danach verlangen, bitte!"

„Ja, ja, schon gut, ich läute ihr", er betätigte die Klingeschnur „aber nun sagst du mir gefälligst, was nicht in Ordnung ist, Elizabeth, bitte, bevor ich mir wirklich Sorgen mache!"

„Liebster", tönte es aus dem Badezimmer „du musst nicht alles wissen, mach dir keine Sorgen, es geht mir gut, ich brauche nur für einen Moment Clarice, das ist alles."

Fitzwilliam hatte sich inzwischen den zweiten Hausmantel übergeworfen, ein Glück dass er das gute Stück seines Vaters aufgehoben hatte. Er war ihm zwar ein wenig zu weit, aber mit dem Gürtel konnte man das recht gut regulieren. Dann trat auch schon Clarice ein. Sie begrüßte den Hausherrn mit gesenktem Blick und einem Knicks, wünschte höflich einen guten Morgen und verschwand dann bei seiner Frau im Badekabinett. Keine halbe Minute später kam sie wieder herausgestürzt, durchquerte mit schnellem Schritt das Schlafgemach und öffnete zielstrebig die Tür zur Elizabeths Ankleidezimmer. Fitzwilliam war nun vollends verwirrt. Elizabeth behauptete, es ginge ihr gut, aber Clarice sauste hier durch die Räume als wäre etwas ganz und gar nicht Ordnung. Die Zofe kam wieder zurück mit einer Hand voll Leinentücher. Keine fünf Minuten später trat sie aus der Tür, dicht gefolgt von Elizabeth. „Danke Clarice, ich läute dann, wenn ich Sie zum Ankleiden und Frisieren brauche."

Die Zofe verschwand nach einem Knicks und ließ das Paar alleine.

Fitzwilliam wickelte sich wieder aus dem Morgenrock seines Vaters und sprang zurück ins Bett. Auffordernd hielt er Elizabeth die Hand hin. Diese schüttelte mit bedauerndem Blick den Kopf.

Er drängte: „Darling, ich habe auf die Uhr geschaut, es ist gerade mal erst halb sieben, es ist noch viel Zeit bis zum Frühstück, glaub mir!"

Sie kam etwas näher ans Bett heran, sie musste es ihm so oder so sagen, warum also nicht gleich. Sie öffnete den Mund und wollte gerade zum Sprechen ansetzen, da packte Fitzwilliam sie am Arm und zog sie zu sich ins Bett. Er öffnete den Morgenmantel den sie trug, aber sie stemmte sich mit beiden Händen auf seine Brust, um ihm Einhalt zu gebieten. „Bitte, ich muss etwas mit dir besprechen", verlangte sie.

„Hat das nicht einen Moment Zeit?" raunte er in noch zärtlicher Laune an ihr Ohr.

„Ich schätze, es duldet keine Sekunde mehr Aufschub", konnte sie ihn gerade noch davon abhalten, seine Hand auf Wanderschaft gehen zu lassen.

„Ich kann heute und in den kommenden Tagen nicht mit dir …. ähm, nicht das Bett mit dir teilen, ich meine, schon, aber nicht – so", sie schob in eindeutigem Signal seine Hand von ihrer Brust.

Sie sah, dass die besagte Augenbraue bereits wieder steil in die Höhe schoss, daher fuhr sie rasch fort: „Oh, ich bin so froh, dass es nicht schon gestern aufgetreten ist, denn es hätte uns die erste gemeinsame Nacht", sie fuhr ihm zärtlich mit zwei Fingern durch sein wirres, aber glattes Haar, „hier auf Pemberley völlig verdorben und darüber wäre ich und sicher auch du untröstlich gewesen."

Sie legte ihren Kopf auf seine behaarte Brust und verstummte.

Sie vernahm keinerlei Reaktion von ihm, außer dass nach ein paar Minuten ein fast mechanisches Streicheln ihres Rückens einsetzte. Sie hörte sein Herz regelmäßig und fest schlagen – und dann hörte sie noch ein anderes, leises Geräusch, fast wie ein Schniefen. Elizabeth glaubte zunächst, sich verhört zu haben. Aber da war es wieder, ganz eindeutig. Hatte Fitzwilliam sich verkühlt und sich einen Schnupfen eingefangen? Sie hob langsam ihren Kopf und traute ihren Augen kaum. Er weinte, heiße Tränen zeichneten ihre Spuren auf sein Gesicht. Warum?

„Macht es dir wirklich so viel aus, ein paar Tage ohne körperliche Vereinigung zu verbringen, Liebster?" fragte sie ihn schließlich.

Er schüttelte den Kopf, wischte sich die Tränen mit dem Handrücken weg und antwortete: „Lizzie, das ist es nicht, darum geht es mir gar nicht, ich bin auch glücklich, wenn ich dich nur in den Armen halten darf. Ich wusste nur nicht", er drehte seinen Kopf zur Seite, damit sie ihn nicht direkt ansehen konnte, „ich wusste nur nicht, wie sehr ich auf – wie sehr ich darauf gehofft hatte, du würdest vielleicht schon unser Kind unter dem Herzen tragen. Ich wusste es nicht bis vor wenigen Minuten, da ist mir klar geworden, dass ich mich wohl zu sehr darauf versteift hatte. Die Natur hat anscheinend ihren eigenen Plan und das ist ja auch gut so." Und nun fing auch Elizabeth an zu weinen. So lagen sie wohl mehr als eine Stunde, sich gegenseitig tröstend.

Bevor Fitzwilliam sich erhob, um nach seinem Kammerdiener und nach der Zofe für Elizabeth zu läuten, damit das Bad gerichtet wurde, Elizabeth frisiert und er rasiert werden konnte, küsste er seine etwas matt wirkende Frau inbrünstig und sehr leidenschaftlich und sprach dann: „Meine allerliebste Lizzie, du bist der Himmel auf Erden für mich. Wir stehen ja erst ganz am Anfang unseres gemeinsamen Lebens und es werden sich demnächst weitere Chancen eröff… – ach was soll ich vornehm drum herum reden, so bald diese Unpässlichkeit von dir wieder vorüber ist, gehen wir die Sache schnellstmöglich wieder an, nicht wahr?"

Nun konnte Elizabeth ebenfalls wieder lachen, sie lachte sogar noch während sie sich in ihr Ankleidezimmer begab.

Elizabeth war es gar nicht gewohnt, derart bedient zu werden. Eine Zofe zu haben war für sie der Inbegriff von Luxus. Im Ankleidezimmer hatte Clarice drei verschiedene Kleider für Elizabeth zurechtgelegt, von denen sie meinte, dass sie passende Tageskleidung für die Herrin des Hauses seien. Elizabeth suchte sich das unauffälligste davon aus, wobei auch dies für ihre Begriffe noch wesentlich zu vornehm war. Dann frisierte Clarice sie, überaus fein für Elizabeths Begriffe, Clarice jedoch meinte, es sei recht adrett und für den Tag auf Pemberley völlig angemessen. Eine Sache, an die man sich wohl erst gewöhnen musste, dachte Mrs. Darcy bei sich.

Währenddessen lag ihr Gatte in der warmen Badewanne. Er hatte eine Tasse starken Kaffee neben sich stehen, etwas was er in den letzten Tagen im Gasthof total vermisst hatte. Er hatte den ewigen Tee schon fast nicht mehr sehen können. In seinem Ankleidezimmer rumorte Rodgers, der bereits dem verstorbenen Mr. Darcy dienlich gewesen war, auch er machte sich offensichtlich an der Kleidung seines Herren zu schaffen. Dann kam der gute Geist hinüber in die Badekammer, ausgerüstet mit dem Rasierzeug. Das war auch bitter nötig, denn nur einmal nach der Hochzeit hatte sich Fitzwilliam Darcy in Bedfordshire notdürftig selbst rasiert und das auch nur, weil Elizabeth Protest eingelegt hatte, da ihre feine Haut sichtlich unter den Attacken seines zunehmend bärtiger werdenden Kinns gelitten hatte. Auch Georgiana hatte ihm gestern nach der Ankunft einige merkwürdige Blicke zugeworfen, als würde sie in ihm nicht den Bruder, sondern einen Wilden erkennen.

Nachdem auch er mit der Morgentoilette fertig war, durchmaß er das Schlafzimmer mit ausholendem Schritt und klopfte an die Tür zum Ankleidezimmer seiner Frau. Sie öffnete fast augenblicklich, er war maßlos entzückt über den atemberaubenden Anblick, den sie bot und er folgte sofort einem Reflex und küsste galant ihre Hand.

Sie lächelte zunächst stumm, dann sprach sie ihn ganz gezielt auf seine Veränderung an: „Verehrter Mr. Darcy, Sie sehen nun endlich wieder aus wie Sie selbst. Obwohl", fügte sie schelmisch blickend hinzu „ich mir nicht so ganz sicher bin, ob mir nicht der bärbeißige Pirat ein klein wenig lieber war."

Er fasste sie lachend um die Taille und platzierte einen schnellen Kuss auf ihre Schulter. Dann sprach sie weiter, es fiel ihr leichter, weil er hinter ihr stand und sie so nicht direkt ansehen konnte. „Hmh, ich möchte gerne auch das angrenzende Zimmer sehen, es ist das einzige zu diesem Trakt gehörige, das du mir gestern nicht gezeigt hast."

Er löste sich ein wenig von ihr und sie spürte in ihrem Nacken, dass er nickte. „Natürlich, wenn du es gerne sehen möchtest, aber es ist nur ein Raum, die Einrichtung ist natürlich noch nicht vorhanden…", er führte sie durch die nächste Tür und ein ebenfalls großzügig geschnittenes Zimmer mit zwei hohen Terrassenflügeltüren kam zum Vorschein.

In einer Ecke stand jedoch eine wundervolle Wiege, aus sehr hellem Holz, vermutlich Birke oder Ahorn, gearbeitet, das im Laufe der Jahre wohl ein klein wenig nachgedunkelt hatte. Nichtsdestotrotz war die Wiege prachtvoll anzusehen, darüber ein luftiger Betthimmel aus weißem Musselin und Spitze.

Elizabeth drehte sich zu ihrem Mann herum. „Ist das deine Wiege?"

„Meine, Georgianas, und die meines Vaters. Mein Großvater hat sie vor seiner Geburt in Auftrag gegeben. Die restliche Einrichtung des Raumes würde ich gerne dir überlassen, ich bin da wahrscheinlich nicht der richtige Ansprechpartner, schätze ich. Ich weiß nur, dass man in einem Kinderzimmer eine Wiege braucht, ansonsten kenne ich mich da ganz und gar nicht aus."

Elizabeth schüttelte leicht den Kopf. „Ja, glaubst du etwa ich wüsste alles darüber? Ich habe davon genauso wenig Ahnung, um ehrlich zu sein."

Er entgegnete sogleich: „Aber du hast eine Mutter, die fünf Kinder großgezogen hat, die du fragen kannst. Ich habe nur eine um viele Jahre jüngere Schwester, wie du dich erinnern kannst. Es ist deine Aufgabe und ich übertrage sie dir von Herzen gerne."

Er nahm ihre beiden Hände in die seinen und fügte mit einem treuherzigen Augenaufschlag hinzu: „Bitte!"

Sie schaute ihn ein Weile mit ernstem Gesichtausdruck an, dann zog ein Lächeln über ihr Gesicht: „Dir könnte ich niemals etwas abschlagen, nicht wenn du mich so dabei ansiehst, Fitzwilliam. Da dir so viel daran gelegen zu sein scheint, werde ich mich natürlich gerne darum kümmern."

Ihr Gatte drückte ihr einen sehr sinnlichen Kuss auf einen ihrer Handrücken. „Danke mein Herz und nun sollten wir zum Frühstück gehen, danach werde ich eine ausführliche Hausführung für dich in die Wege leiten."

Mit diesen Worten geleitete er Elizabeth auf den Korridor und weiter durch das Haus bis zum Morgenzimmer.

Mrs. Reynolds persönlich begrüßte das Paar und teilte mit, dass Miss Georgiana noch nicht zum Frühstück erschienen sei. Dann zog sie sich diskret zurück. Elizabeth schenkte sich eine Tasse Tee ein, im Gegensatz zu Fitzwilliam mochte sie keinen Kaffee. Der trank nun eine weitere Tasse, köpfte ein hart gekochtes Ei gekonnt mit dem Messer und strich etwas Butter auf ein Stück Brot. Doch er aß nur das Ei, das Brot rührte er gar nicht an. Elizabeth wunderte sich einmal mehr über die spartanischen Frühstücksgewohnheiten ihres Gatten. Sie probierte von den meisten der angerichteten Dinge zumindest ein klein wenig, etwas Rührei, etwas Schinken, eine winzige Portion Räucherfisch und was sonst noch auf der Anrichte zu finden war. Eine Tatsache, die wiederum Fitzwilliam köstlich amüsierte. Er zog sie gerne damit auf, zwickte sie in die Taille und warnte sie scherzhaft, dass sie irgendwann einmal die Ausmaße eines Shirehorse haben würde. Sie protestierte energisch, stellte ihren Teller auf dem Tisch ab und drohte ihm mit erhobenem Zeigefinger. Lachend zog er sie zu sich auf den Stuhl, und hauchte einen Kuss auf ihr Ohr.

In diesem Moment betrat Georgiana das Frühstückszimmer und errötend sprang Elizabeth schnell vom Schoß ihres Mannes auf. Die beiden Frauen knicksten und wünschten sich gegenseitig einen guten Morgen. Dann kam Georgiana auf ihren Bruder zu, streckte ihm beide Hände entgegen. Dieser erhob sich nun vom Stuhl und reichte der Schwester seine Hände.

Dann grinste diese ihn an und meinte lapidar: „Wurde aber auch wirklich Zeit, dass du dich in die Hände von Rodgers begeben hast, nachdem ich dich gestern kaum erkannt habe."

Dann drehte sie sich zu ihrer Schwägerin um: „Elizabeth, wie haben Sie das nur mit diesem stachelbärtigen Etwas ausgehalten?"

Georgiana war Dritten gegenüber wie immer ein Muster von guten Manieren, aber es schwang dabei eine gehörige Portion Unsicherheit mit, ob die Förmlichkeit nun weiterhin noch angebracht sein würde.

Elizabeth deutete das völlig richtig und daher antwortete sie: „Als erstes bestehe ich darauf, da wir hier doch ganz unter uns sind, dass wir alle förmlichen Anreden beiseite lassen. Und um auf deine Frage zurückzukommen Georgiana, ich habe zwar gehofft, dass dein Bruder sich bald wieder rasiert, aber in der Zeit in der es dies nicht tat, war es eine nette Abwechslung ihn einmal derart ungewohnt zu erleben."

Ein dankbarer Blick ihres Gatten für diese gelungene Umschreibung ihrer Flittertage traf sie nun.

Jetzt erhob sich der Mann des Hauses und blickte tatendurstig in die Runde. „Nun, ich habe lange genug meine Pflichten hier vernachlässigt, ich weiß schon gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal hier gewesen bin, es muss Monate her sein, deswegen müsst ihr mich für eine Weile entschuldigen. Georgiana, du solltest Elizabeth unbedingt ein wenig durch das Haus führen, vor allen Dingen wollte sie mir gestern Abend nicht glauben, dass der Ballsaal größer ist als unser Schlafzimmer. Alles, was diese repräsentativen Räumlichkeiten anlangt, kannst du in die Führung mit aufnehmen. Den Wirtschaftstrakt wird sich Mrs. Reynolds wohl kaum nehmen lassen selbst zu zeigen. Ob ich zum Lunch bei euch sein werde, kann ich nicht versprechen, ich werde es aber versuchen."

Elizabeth trat ein panikartiger Ausdruck ins Gesicht. Fitzwilliam entging dies nicht, er konnte aber seine verwalterischen Tätigkeiten nicht mehr länger aufschieben, deswegen hob er zärtlich die Hand seiner Frau, küsste diese und ließ dann die beiden Damen alleine.

Elizabeth wartete geduldig bis Georgiana fertig gefrühstückt hatte. Dann hakte sie sich bei ihrer Schwägerin unter und die beiden jungen Damen gingen vergnügt los. Meist kam Elizabeth aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ein Empfangssalon, ein Schreibzimmer, ein Musikzimmer (das kannte sie bereits), ein Teezimmer, ein Speisezimmer (geläufig), eine kleine Gemäldegalerie (wo sie zum ersten Mal ihres Schwiegervaters und ihrer Schwiegermutter ansichtig wurde, die aus bronzierten Rahmen auf sie herabblickten), der Frühstücksraum, dann die riesengroße Bibliothek, das Arbeitszimmer des Hausherrn, das Entrée, das Treppenhaus, natürlich die Skulpturensammlung. Gesäumt war das Haus von großen Terrassen, die ihr teilweise auch schon bekannt waren.

Dann aber öffnete Georgiana eine doppelte Flügeltür und zog Elizabeth in den bereits mehrmals erwähnten Ballsaal, der im ersten Stock fast die gesamte Frontseite des Hauses einnahm. Elizabeth stockte der Atem. Dieser Raum war in der Tat noch um einiges größer als ihr Schlafzimmer. Die Freude und Überraschung über all die Pracht machten sie zunächst vergessen, dass sie zum ersten Mal seit vielen Tagen längere Zeit von ihrem Mann getrennt war. Der Ballsaal war wundervoll, allerdings in einer ungewöhnlichen Optik gehalten. Im Allgemeinen waren Ballsäle in Rot, Gold und Weiß dekoriert, so sollte man meinen. Dieser aber hatte zwar die obligatorischen weißen Vertäfelungen, aber alles andere hielt man komplett in Silber und Grün, die Vorhänge, die Kandelaber, die Verzierungen, die Polster, einfach alles. Das verlieh dem Raum etwas ganz Spezielles, eine Art kühle Distanziertheit. Wie es wohl sein würde, wenn man hier eine Gesellschaft abhalten würde?

Dann zeigte Georgiana noch einige weitere Schlafräume, unter anderem ihr eigenes Gemach, das bisherige Schlafzimmer ihres Bruders, das nun in ein Gästezimmer umgewandelt werden sollte, und einige weitere Gästezimmer. Für das neue Hauptschlafzimmer hatte Fitzwilliam Darcy die schon lange leer stehenden Gemächer seiner Eltern zu einem Raum zusammenfassen lassen, alles komplett renoviert, völlig neu und überaus geschmackvoll einrichten lassen, sowie durch angrenzende Zimmer noch die Flucht erweitern lassen. Das Bad war total neu ausgestattet, ebenso die Ankleidezimmer. Lediglich das vorgesehene Kinderzimmer war ein umfunktioniertes ehemaliges Gästezimmer. Aber das war ja auch noch nicht fertig eingerichtet. Elizabeth war derart beeindruckt von dem, was Georgiana da berichtete, dass sie sich einen Moment auf ihr Bett setzen musste. Selbst ihre Schwägerin, die den Raum nur einmal kurz vor seiner endgültigen Vollendung gesehen hatte, war völlig hingerissen.

Sie hielt Elizabeth ihre Hand hin, damit diese sie ergreifen konnte und sagte dann seufzend: „Ich wünschte, ich würde ebenfalls einen Mann finden, der mich so sehr liebt und auf Händen trägt wie mein Bruder dich!"

So blieben sie eine ganze Weile einträchtig nebeneinander auf dem Bett sitzen.