Die Nächsten, die eintrafen, waren die Gardiners aus London. Die Freude auf beiden Seiten war so groß, dass man fast bei der Begrüßung alle Förmlichkeit beiseite gelassen hätte. Fitzwilliam Darcy und Edward Gardiner schüttelten sich sogar die Hände in äußerst freundschaftlicher Manier. Lizzie umarmte ihre Tante so fest sie nur konnte, während ihr Mann sich zunächst nur zuvorkommend verbeugte, durch die freudige Stimmung aber so angesteckt wurde, dass er sich dazu hinreißen ließ, Mrs. Gardiner einen galanten Handkuss zu verabreichen. Alle lachten, das Eis war damit gebrochen.
Einer kurzen Hausführung mit Elizabeth schlossen sich die Gardiners nicht an, da sie bereits einiges von Pemberley im Sommer gesehen hatten. Aber Familie Bennet kam beim Rundgang aus dem Staunen fast kaum noch raus. Mrs. Bennet fuchtelte ständig wie wild mit ihrem Taschentuch herum und geriet von einer Verzückung in die nächste. Der Ballsaal blieb jedoch allen verschlossen, weil dieser am Silvesterabend den Festhöhepunkt bilden sollte. Mr. Bennet interessierte sich vor allem für die Schätze in der Bibliothek, war aber auch von den Wirtschaftshöfen des Anwesens sehr angetan. Dort hatte er insbesondere über die Brauerei vieles wissen wollen und mehr als eine Frage über deren Betrieb gestellt. Er kam jedenfalls sehr entspannt von der großen Runde über das Gut zurück.
Das erste gemeinsame Abendessen mit denen, die bereits da waren, verlief entsprechend lebhaft. Fitzwilliam Darcy bewies eine Engelsgeduld mit allen, unterhielt sich mit jedem zumindest kurz, wurde aber mit zunehmender Lautstärke und Fröhlichkeit der Anwesenden immer ruhiger und in sich gekehrter. Er war einen so großen Trubel im eigenen Haus einfach nicht gewohnt. Er gab sich aber bis zum Schluss große Mühe, ein aufmerksamer Gastgeber zu sein, auch wenn er nicht mehr zu jedem Thema in der Konversation etwas beizutragen hatte. Eine halbe Stunde zum Durchatmen gewährte man ihm, als er sich mit seinem Schwiegervater und Mr. Gardiner zu Brandy und Zigarre zurückzog. Das Lachen der Damen aus dem Salon und das Klavierspiel von Mary und Georgiana jedoch ließen sich auch dabei nicht ganz abstellen. Man hörte es durch viele Räume hindurch.
Mr. Bennet richtete nur einmal im Herrenzimmer das Wort direkt an seinen Schwiegersohn: „Mein lieber Mr. Darcy, obgleich wir erst wenige Stunden unter Ihrem Dach weilen, möchte ich Ihnen sagen, dass ich von Pemberley wirklich sehr beeindruckt bin. Aber ich meine nicht die exquisite Ausstattung, die Pracht, die Eleganz, oder der Reichtum, der hier sich niederschlägt. Ich meine vor allen Dingen die Art, wie der Besitz geführt, geleitet wird. Aber ich bin auch überaus angetan vom Besitzer des Anwesens. Mr. Darcy, Sie wissen, dass wir alle – vielleicht nicht ohne Grund – skeptisch waren, als Sie um Elizabeth angehalten hatten. Die ersten Zweifel konnte Elizabeth selbst direkt ausräumen, und auch Sie haben wirklich Ihr Bestes getan, um uns von Ihren guten Eigenschaften zu überzeugen. Eine Restunsicherheit jedoch ist geblieben. Allerdings nur bis zum heutigen Tage, ich muss sagen, verehrter Schwiegersohn, dass ich Sie als durch und durch integeren Mann ohne Fehl und Tadel ansehe. Mein Kompliment! Ich bin sehr froh, dass ich Ihnen meine Tochter anvertraut habe. Ich hatte noch keine Gelegenheit, mit Lizzie alleine zu sprechen, aber nach allem was ich heute beobachtet habe, ist sie wohl sehr glücklich mit Ihnen. Sie hingegen kann ich nun direkt fragen, da es eine Beruhigung für mich wäre, dies zu wissen: Sind Sie glücklich mit meiner Tochter?"
Fitzwilliam Darcy schwenkte das Glas mit der honigfarbenen Flüssigkeit einige Male in seiner Hand, bevor er antwortete: „Mr. Bennet, ich danke Ihnen sehr für diese wunderbaren, ja um nicht zu sagen rührenden Worte, Ihre Komplimente machen mich, um ehrlich zu sein, sehr verlegen. Ich weiß daher auch gar nicht genau, was ich entgegnen soll. Auf alle Fälle dies: Es macht mich sehr stolz, dass Sie mir Ihr uneingeschränktes Vertrauen ausgesprochen haben, dafür danke ich Ihnen von ganzem Herzen. Ich versichere Ihnen, dies stets und jederzeit zu rechtfertigen. Was Ihre Frage anlangt, so kann ich Ihnen nur mit vollster Überzeugung eine Antwort geben: Mit Ihrer Tochter verheiratet zu sein macht mich zum glücklichsten Mann der Welt!"
Mr. Bennet musste ob dieser Worte doch ein wenig schmunzeln: „Na, nun schießen Sie mal nicht über Ihr Ziel hinaus, lieber Schwiegersohn. Natürlich freut es mich sehr, dies zu hören und ich habe es auch gar nicht anders erwartet, da man es Ihnen beiden ganz augenscheinlich ansieht, wie groß Ihre Liebe zueinander ist. Nicht wahr, Schwager, Sie haben dies auch bemerkt?"
Mr. Gardiner blies den Rauch der Zigarre in die Luft und nickte dann bedeutungsvoll den beiden anderen Herren zu: „Das ist kaum zu übersehen, ja."
Einen Tag vor Weihnachten hatten es endlich auch Jane und Charles geschafft, auf Pemberley anzukommen. Sie stiegen bis über beide Ohren grinsend aus der Kutsche und huschten gleich ins Haus, da es ziemlich kalt geworden war. Charles und Fitzwilliam begrüßten sich wie zwei verlorene Brüder, obwohl es gerade mal knapp vier Wochen her war, dass man sich das letzte Mal gesehen hatte. Lizzie und Jane hingegen waren komischerweise mehr von stiller Freude erfüllt, aber man sah ihnen an, dass sie darauf brannten, sich unter vier Augen über das Eheleben auszutauschen.
Da man den Besuch aus Matlock erst für den Weihnachtstag erwartete, auch wollten die Countess und ihre Tochter nicht auf Pemberley übernachten, sie zogen es stattdessen vor, an Silvester extra wieder zu kommen, konnte man sich den Neuankömmlingen aus Netherfield intensiver widmen. Sogleich wurden Jane und ihr Mann aber von der restlichen Familie ebenfalls in Beschlag genommen. Das verwunderte zwar ein wenig, aber Kitty verriet, dass in den vergangenen Wochen Jane lediglich einmal allein in Longbourn zu Besuch geweilt hatte und einmal gemeinsam mit Charles. Ansonsten hatte man dort die jung verheirateten Nachbarn nicht zu Gesicht bekommen. Was, soweit es Mrs. Bennet anlangte, nun natürlich den großen Nachholbedarf erklärte.
Das glanzvolle Weihnachtsdinner erinnerte an frühere Zeiten auf Pemberley, an die ersten Ehejahre von Squire George Darcy und Lady Anne, an die erste Zeit mit dem jungen Master Fitzwilliam bis hin zu Lady Annes zweiter Schwangerschaft. Sogar die Countess of Matlock war an diesem Abend geneigt, diese glücklichen Tage zu erwähnen. Zuerst hatten sich alle im großen Empfangssalon versammelt, Lizzie trug zum ersten Mal eines der ganz neuen Kleider aus den Händen der fähigen Schneiderin in Matlock. Es war aus hellgrüner Seide, die aber bis auf die Ärmel komplett mit cremefarbener Spitze überzogen war. Mrs. Bennet verschlug es schier die Sprache angesichts des Kleides, wenn auch nur für wenige Sekunden, denn dann war das Kleidungsstück bis zum Beginn des Essens ihr bevorzugter Gesprächsgegenstand. Die Mädchen am Klavier spielten ein Stück von Bach, sie hatten lange dafür geübt, es war sehr anspruchsvoll, aber dem Tag natürlich angemessen.
Dann sprach Fitzwilliam ganz kurz zu den Anwesenden, er fühlte sich nicht ganz wohl dabei, aber er hatte als Gastgeber nun mal die Pflicht dazu: „Geschätzte Familie, liebe, liebste Elizabeth, es freut mich ganz außerordentlich, so viele vertraute und liebenswerte Gesichter heute hier auf Pemberley zu sehen. Lange, zu lange, hat dieses Haus keine so große Gesellschaft mehr gesehen. Zwei Anlässe haben uns hier und heute zusammengeführt, zum einen das Weihnachtsfest, das einem traditionsgemäß in den Schoß der Familie führt und zum zweiten die Ankunft meiner geliebten Frau Elizabeth auf Pemberley. Dies ist ihr großes Willkommen, der Abend ist ihr allein gewidmet."
Er lächelte ihr liebevoll zu, fuhr dann aber gleich fort: „Bevor wir uns nun alle zum Essen begeben, möchte ich Sie bitten, noch kurz mir in die Skulpturensammlung zu folgen, denn dort stehen ein paar kleine Überraschungen parat. Wenn Sie mich nun bitte begleiten würden!"
Mit diesen Worten ging er gemessenen Schrittes zur Tür. Alle anderen standen auf und folgten ihm.
Die Unterhaltungen wurden nur noch im Flüsterton fortgeführt, insbesondere Jane raunte Charles zu: „Was denkst du hat er vor?"´
Doch Charles zuckte nur gleichmütig mit den Schultern. Mrs. Bennet tippelte sehr nervös durch die Flure.
Seit zwei Tagen war niemand mehr in die Skulpturensammlung gelassen worden. Die einzigen Personen, die Zutritt hatten, waren der Hausherr selbst, einige ausgewählte Dienstboten und seit seiner Ankunft auch Charles Bingley. Fitzwilliam Darcy zog einen Schlüssel aus seinem Frack und öffnete mit geheimnisvoller Miene die Tür. Alles drängte hinter ihm her, und das was sie zu sehen bekamen, machte ihnen Augen und Mund offen stehen.
Eine mit leuchtenden Kerzen bestückte große Tanne stand an einem extra dafür ausgewählten Platz. „Liebe Familie, das ist ein Weihnachtsbaum, etwas, das in Deutschland bereits eine gewisse Tradition zu haben scheint. Möglicherweise sind wir die ersten in England, die einen solchen Weihnachtsbaum ihr Eigen nennen."
Beim Näherkommen sahen alle, dass nicht nur Kerzen kunstvoll daran angebracht waren, sondern auch kleine Figürchen aus Holz und etliches an Naschwerk. Etliche „Ah's" und „Oh's" waren zu vernehmen.
(Anm. der Autorin: In Deutschland war der Weihnachtsbaum zu der Zeit bereits in Familien der Oberschicht etabliert. Nach England schwappte dieser Brauch erst nach und nach und vor allen Dingen in größerem Stile erst nach 1840 über. Restlos bekannt in allen Schichten machte ihn dort vor allen Dingen der deutsche Gemahl von Königin Victoria, Prinz Albert).
Von einem kleinen Tisch in der Nähe des Baums nahm Fitzwilliam eine mit Seide bezogene Schachtel. Diese reichte er mit einem galanten Handkuss an Elizabeth. Sie blickte ihn erstaunt an.
„Mein Weihnachtsgeschenk", sagte er schlicht.
Als sie den Deckel von der Schachtel hob, hielt sie sich in einem Reflex die Hand vor den Mund, so überrascht war sie über die makellosen Perlen, die zu einer doppelreihigen Kette aufgezogen waren.
„Ich dachte nur, da du zu diesem Kleid heute auf keinen Fall die Darcy-Saphire tragen konntest, weil diese farblich mit dem wundervollen Kleid nicht harmonieren…", er ließ den Satz offen.
Dann legte er ihr die Kette um. Die anderen applaudierten verhalten. Aber damit war es nicht genug, er hieß einen Lakaien mehr Licht im Saal zu machen, eine Anweisung die prompt und unauffällig ausgeführt wurde. Eine Skulptur, die direkt neben seinem Konterfei stand, war mit einem Tuch abgedeckt. Er zog Elizabeth an der Hand dorthin und forderte sie auf, das Tuch wegzunehmen. Mit zittrigen Fingern griff sie nach dem Stoff und zupfte leicht daran, er kam ihr zu Hilfe und mit einem kurzen Ruck war die Abdeckung weg.
Elizabeths Büste kam zum Vorschein.
Das war der Moment, in welchem Mrs. Bennet hemmungslos in Tränen ausbrach.
Das siebengängige Festtagsmenu lenkte schnell von den Geschehnissen im Skulpturensaal ab. Ein gutes Dutzend Lakaien in der Gala-Livree der Darcys servierten das Essen. Die ein oder andere kleine Ungeschicktheit wurde ihnen nachgesehen, da es sich teilweise um das vorübergehend rekrutierte Personal handelte. Die Unterhaltung wurde nur verhalten geführt, da die Gesellschaft am Tisch so groß war, dass nicht jeder die am anderen Ende des Tisches gesprochenen Dinge verstehen konnte. Also bildeten sich kleine Grüppchen in der Konversation. Elizabeth kam sich ein wenig verloren vor, da sie am weitesten weg von ihrem Gatten saß, durch die gesamte Länge des großen Esstisches getrennt. Aber sie hatte ihren Vater neben sich, das tröstete sie ein wenig. Ungewohnt ruhig ging es in der Mitte der linken Tafelseite zu, da Mrs. Bennet und die Countess of Matlock sich recht wenig zu sagen hatten. Zum Glück befand sich Charles Bingley wie ein Puffer zwischen den beiden Damen. Auf der anderen Seite wurde ein sichtlich aufgeräumter Edward Gardiner von Jane und von Lady Harriet flankiert. Daran schlossen sich Mary und Georgiana an, direkt gegenüber von ihnen Kitty und Mrs. Gardiner. Diese hatte ihren Platz genau an der Ecke von Mr. Darcy.
Nach dem Essen ließen Fitzwilliam und Elizabeth ihre Gäste notgedrungen für eine knappe halbe Stunde alleine im Salon zurück, jedoch mit guter musikalischer Unterhaltung, während Hausherr und Hausherrin in den Wirtschaftstrakt zu den Dienstboten gingen, um dort überall frohe Weihnacht zu wünschen. Sie wurden von recht fröhlichen Gesichtern empfangen, da Fitzwilliam erlaubt hatte, dass Punsch und Glühwein ausgeschenkt werden durften. Einige hatten ihre Instrumente mitgebracht, und so fand sich schnell ein Ensemble mit Flöte, Geige und Dudelsack zusammen. Als das junge Paar hereinkam, spielte man gerade einen Reel. Es wurden keine Ausreden gelten lassen, beide wurden förmlich in den Tanz mit hinein gezogen. Mit gerötetem Gesicht ließ sich Elizabeth schließlich auf einen Stuhl plumpsen, sah wie Mrs. Reynolds mit ihrem Gatten ordentlich herumwirbelte und konnte sich vor Lachen kaum noch auf dem Stuhl halten.
Er sank schließlich atemlos neben ihr auf einem zweiten Stuhl nieder: „Ich wüsste nicht, was es da zu lachen gibt, verehrte Mrs. Darcy!"
Die Stimme klang streng, aber der Schalk in den tiefblauen Augen strafte seinen Ton Lügen.
Dann verstummte die Musik und er setzte zu seiner Ansprache an die Dienerschaft an: „Mrs. Reynolds, Mr. Portland, guter Rodgers sowie alle anderen Anwesenden! Meine Frau und ich – und ich bin überaus glücklich den Satz so beginnen zu können, was vor wenigen Wochen noch kaum denkbar gewesen wäre – wir möchten euch ein gesegnetes Weihnachtsfest wünschen. Wir wissen, dass wir euch sehr in Anspruch nehmen, gerade in dieser Zeit, da wir das Haus voller Gäste haben und entsprechende Gesellschaften auf dem Plan stehen. Bedauerlicherweise ist das fröhliche Zusammensein, das hier herrscht das einzige Zugeständnis, dass ich, dass wir euch im Augenblick machen konnten. Aber ich verspreche euch, dass wir, sobald die Gäste abgereist und etwas Ruhe eingekehrt ist, wahrscheinlich also Mitte Januar, auf dem Gut ein Schlachtfest feiern, allein um euch ordentlich freizuhalten. Ich werde prüfen lassen, ob es möglich sein wird, einen Ochsen am Spieß dafür herzurichten oder ob eher mehrere Schweine ihr Leben lassen müssen. Und nun bitte ich euch, feiert schön weiter, ihr habt es euch verdient! Danke."
Frenetischer Jubel brach aus, viele, viele wollten dem Ehepaar Darcy die Hand in Dankbarkeit schütteln. Elizabeth hatte fast Tränen in den Augen wegen dieser zahlreichen netten Gesten. Dann mussten beide wieder zurück zu ihren Hausgästen.
Elizabeth war total fertig, als Clarice ihr weit nach Mitternacht beim Auskleiden half. Sie konnte sich kaum noch bewegen. Es war doch alles ein bisschen viel. Sie schlüpfte unter die Decke und wünschte Clarice eine gute Nacht, als diese ging. Sie hörte die gedämpften Stimmen von Rodgers und ihrem Gatten aus dessen Ankleidezimmer. Als auch Rodgers sich diskret zurückgezogen hatte, wickelte Elizabeth sich aus ihrem Morgenmantel, deckte sich aber sofort wieder zu. Sie hatte nun lediglich noch die Perlen um den Hals – sonst hatte sie nichts mehr an….
Ihr Mann schlüpfte ins Bett, drückte sich an sie, zwei kräftige Arme umschlangen sie und eine Augenbraue geriet aus ihrer normalen, natürlichen Lage. „Frierst du nicht?" fragte er leise.
„Doch, ein wenig", gab sie zu, „aber ich wollte unbedingt, dass die Perlen noch besser zur Geltung kommen" und mit diesen Worten legte sie sich flach auf den Rücken und zog die Decke von ihrem Körper.
Er dachte, er hätte mittlerweile alles an ihr gesehen, alles entdeckt, aber dieser Anblick verschlug ihm erneut den Atem. Die Perlen schimmerten an ihrem Hals, ihr Körper lag auf dem Laken wie aus Honig modelliert. Das Blut pochte in all seinen Adern. Wenn er noch eine Sekunde länger auf sie starrte, würde er sie auf der Stelle nehmen müssen.
Er blickte rasch woanders hin und atmete kurz durch. Dann drehte er sie etwas zur Seite und öffnete den Verschluss der Perlen.
Herausfordernd legte er die Perlen auf ihren Busen. „Ich finde, hier kommen sie ebenfalls hervorragend zur Geltung."
Bevor sie sie von dort nehmen konnte, hatte er sie bereits wieder in der Hand und drapierte sie diesmal kunstvoll in ihrem Haar. „Hmh, hier sehen sie zwar auch gut aus, jedoch – ich weiß nicht…."
Er holte die Pretiosen dort weg. Langsam ließ er den Verschluss der Kette in ihren Bauchnabel sinken, legte den langen Rest der Kette auf ihren Bauch. Sie zuckte zusammen.
„Das ist nicht übel, wie ich finde", rief er aus.
Sie hielt den Atem an, denn sie ahnte, was als Nächstes kam. Doch sie hatte nicht mit dem Ideenreichtum ihres Mannes gerechnet. Statt wie erwartet, die Perlen noch eine Etage tiefer auf Lizzies Körper zu platzieren, nahm er sie aus dem Bauchnabel weg und warf sie achtlos auf die Messingplatte seiner Nachtkonsole. Es klimperte laut. Dann küsste er seine Frau mit so großer Begierde, dass sie kaum noch Atem schöpfen konnte. Sekunden später war er bereits in ihr, wiederum wenig später ergoss er sich mit kehligem Laut.
Sie lagen nicht lange danach beisammen, als er das Schweigen mit einem unmutsvollen Auflachen brach: „Entschuldige, mein Engel, aber du hattest mich mit den Perlen so verrückt gemacht, ich konnte nicht anders, als ganz rasch… ähm, ja, zur Sache zu kommen."
Er küsste sie sanft. „Kannst du mir verzeihen? Ich bin aber eindeutig dein Opfer, das möchte ich zu meiner Verteidigung sagen. Wenn du nicht so unverschämt verführerisch ausgesehen hättest, wäre vielleicht etwas anderes draus geworden, aber so – ich bitte dich, ich konnte ja gar nicht anders!"
Er grinste nun frech.´
Sie musste jetzt ebenfalls lachen. Sie zogen sich die Decke über den Kopf, damit niemand auf ihr immer lauter werdendes Gelächter aufmerksam wurde.
Dann, nachdem sie sich beide beruhigt hatten, sprach Elizabeth: „Ich müsste eigentlich Wiedergutmachung von dir fordern, aber weißt du was? Ich bin zu müde, um das jetzt noch einzuklagen. Betrachte die Angelegenheit fürs Erste als vertagt. Schlafen ist alles, was ich jetzt noch im Sinn habe."
Sie küsste Fitzwilliam, auf die Augenbraue mit dem Eigenleben, auf die Nase, auf das Kinn, dann mit großer Hingabe auf den Mund und murmelte danach: „Du kannst dir nicht im Entferntesten vorstellen, wie sehr ich dich liebe!"
Er lächelte stumm. Aber er gab keine Antwort mehr, als er das Licht löschte.
Die Tage nach Weihnachten vergingen wie im Fluge, da stets für Abwechslung gesorgt war. Entweder unterhielt man sich, es wurden Bücher gelesen, insbesondere Mr. Bennet war kaum aus der Bibliothek rauszukriegen, oder man musizierte. Sofern das Wetter es erlaubte, gingen die Männer auch mal zum Jagen für einen halben Tag. Außerdem nahmen die Vorbereitungen für den Silvesterball einen Großteil des Tagespensums ein, gerade was Elizabeth anlangte. Georgiana war schon recht aufgeregt, insbesondere als ihre Ballgarderobe geliefert wurde. Auch ein weiteres Abendkleid für Lizzie war dabei, diesmal farblich exakt passend zu den wertvollen Saphiren.
Dann kam der Tag vor Silvester, alle waren sehr in ihre Pflichten eingespannt, doch gegen Mittag, als sich eine kleine Lücke im Ablauf auftat, nahm Elizabeth kurz ihren Gatten beiseite, nötigte ihn in eine Nische auf dem Korridor, was ihm sichtlich zu gefallen schien, aber als er sich zu einem leidenschaftlichen Kuss leicht zu ihr herunterbeugte, raunte sie ihm mit hochrotem Kopf zu: „Keine Empfängnis, auch diesmal nicht, ich habe es gerade festgestellt… meine... ähm, Unpässlichkeit ist gekommen."
Er schaute sie mit hochgezogener Augenbraue einen Moment lang an, dann atmete er tief ein und nickte: „Gott allein weiß, was wir falsch machen."
Mehr sagte er nicht, aber er hielt Elizabeth eine ganze Weile fest im Arm. Dann küsste er sie liebevoll auf die Stirn und ging wieder seiner Wege – es war enorm viel zu tun.
