Während des Tanzes dann redeten sie kurz über die Aufforderung von eben: „Ich wollte, dass es ähnlich war wie bei unserem ersten Tanz, wo dies doch erst unser zweiter gemeinsamer Tanz ist, unglaublich, nicht wahr?"
Sie lächelte und nickte zustimmend: „Ja, das kommt mir auch sehr unwirklich vor, aber es ist wohl so."
Er sprach weiter: „Ich hatte noch gar keine Gelegenheit, dir zu sagen, wie berauschend schön du heute aussiehst. Ich bin dir auf immer und ewig verfallen. Lizzie, selbst eine Königin könnte nicht erhabener aussehen als du."
Bei der Antwort auf diese Komplimente lächelte sie nun nicht mehr: „Fitzwilliam, du bist unglaublich aufmerksam und liebevoll mir gegenüber, aber wie du dir denken kannst, fühle ich mich in all der Pracht nicht so ganz wohl. Die Juwelen überladen mich, die Krone drückt und verursacht mir Kopfschmerzen, das Kleid ist eine Spur zu elegant und prunkvoll, es ist so gar nicht meine Welt."
Und nach einer Pause, die die beiden im Tanz eh voneinander trennte, knüpfte sie an ihre Vorrede an: „Könnte man nicht eher etwas Gutes für andere Menschen tun mit dem vielen Geld, das so ein Kleid kostet? Das wäre mir tausendmal lieber."
Fitzwilliam nickte nachdenklich mit dem Kopf: „Ja, das könnte man und du hast Recht, das sollte man auch. Aber eines bedenke – es gefällt mir, dich so zu sehen. Einmal wenigstens, also nur hier und heute, ich möchte das selbstverständlich nicht zur Regel machen. Das Geschmeide ist in der Tat nur etwas für ganz große Anlässe, und ich schätze, du wirst es nicht sonderlich oft tragen, oder ich sollte es besser deinen Äußerungen entsprechend formulieren, tragen müssen. Wenn wir in einem Monat oder so nach London reisen, dann wirst du allerhöchstens in der Oper, und dann auch nur, sollten der König oder der Kronprinz anwesend sein, Gelegenheit haben die Juwelen zu tragen. Dann vermutlich lange Zeit nicht mehr. Erleichtert dich das ein wenig?"
Sie hatte ihr Lächeln zum Teil wieder gefunden, denn ihr Gatte hatte einige Wunderworte erwähnt, die das zuwege brachten: „Wir werden in die Oper gehen? Und der König wird dort sein, oder der Thronfolger? Ist Prinz George denn nicht verheiratet?"
Er bestätigte dies knapp: „Zu deiner ersten Frage: Oh ja, das scheint mir sehr gut möglich. Und zu deiner zweiten: Ja, der Kronprinz ist verheiratet, aber Prinzessin Caroline und er… ähm, treten nicht gemeinsam in der Öffentlichkeit auf."
Lizzie schaute ihren Mann fragend an: „Wieso das?"
Er zuckte mit den Schultern. „Genaues weiß ich auch nicht, vielleicht könnte man meine Tante darüber befragen, sie ist in Hofklatsch eher bewandert. Soweit ich informiert bin, hassen sich der Prinz und die Prinzessin abgrundtief."
Lizzie drehte sich wieder zu ihm hin, die Tanzschritte waren sehr günstig für die Fortsetzung des seichten Themas ihrer Konversation: „Sie haben doch ein Kind, oder?"
Abermals nickte ihr Mann: „Ja, eine Tochter, Prinzessin Charlotte. Und ich glaube wir haben mehr Aussicht darauf, den Prinzen zu sehen als den König, der wieder sehr schwer erkrankt sein soll."
Damit war der Tanz zu Ende.
Elizabeth tanzte dann später noch mit ihrem Onkel und mit Charles Bingley, sowie mit zwei oder drei wichtigen anderen Gästen. Fitzwilliam tanzte einen Tanz mit Jane und einen mit Mrs. Gardiner. Seine Tante oder seine Cousine forderte er nicht auf. Schließlich kündete die Uhr, dass der Jahreswechsel unmittelbar bevorstand. So stand man dicht gedrängt beisammen, mit Punschgläsern und Weingläsern in der Hand. Als die Zeit bestimmender Chronograf wurde die Taschenuhr des Hausherrn ausgewählt. Sobald der Zeiger auf Mitternacht wanderte, erhob Fitzwilliam Darcy sein Glas und wünschte ein lautes „Glückliches Neues Jahr" in den Saal. Alle riefen sich das ebenso zu und prosteten sich laut zu. Dann wurde ein fröhlicher und sehr lebhafter Tanz angestimmt.
Lizzie machte Fitzwilliam ein Zeichen, dass sie sich gerne zurückziehen würde, er kam sofort zu ihr geeilt. Ungeachtet der vielen Leute nahm er sie am Ellbogen, zog sie aus dem Saal, hinaus auf den Korridor, öffnete eine Tür und schob seine Frau in ein dunkles, kaltes Zimmer. Er küsste sie sofort wild und verlangend, als er wieder zu Atem kam, sprach er: „Das wollte ich schon den ganzen Tag über tun, ich habe mich sehr danach gesehnt, dich zu küssen. Und nun ist es eine wundervolle Gelegenheit, dir dadurch auch ein frohes neues Jahr zu wünschen. Möge es weiterhin von unserem großen Glück erfüllt sein. Ich liebe dich!"
Durch die stürmische Attacke hing die Tiara nun recht schief in Elizabeths Haar, daher zog Fitzwilliam das prunkvolle Teil vorsichtig aus ihren Locken heraus. „Ich nehme es wieder in Verwahrung, das ist dir doch Recht?" „Ja", antwortete sie sogleich „denke aber nicht, ich hätte sie absolut ungern getragen, dem ist nicht so. Ich war schon sehr stolz, die Darcy-Juwelen vorführen zu dürfen. Und – was ich noch sagen wollte, bevor ich mich in mühevoller Arbeit von Clarice von dieser Robe und allem anderen befreien lassen werde…", sie fasste ihren Gatten mit der noch immer behandschuhten Hand in den Nacken und zog ihn sanft zu sich herab, schenkte ihm einen ebenfalls glühenden Kuss „ich liebe dich auch. Auf später, Liebster!" Damit löste sie sich von ihm und ging.
Man feierte noch ausgelassen Dreikönig. Charles Bingley war der Held des Tages, da er die begehrte Bohne im Dreikönigskuchen gefunden hatte. Unter großem Gelächter ließ er sich von Georgiana eine Pappkrone auf den Kopf setzen. Dann kam die Zeit der Verabschiedungen. Sofort am nächsten Tag setzten sich die Gardiners mit Georgiana nach London in Bewegung. Unter halb scherzhaft und halb ernst gemeinten Ermahnungen ihres Bruders sank sie schließlich in die Polster der Kutsche und winkte heftig bei der Abfahrt. Drei Personen weniger machten sich bereits am Abend beim Dinner bemerkbar, es ging deutlich ruhiger als die ganze letzte Zeit über zu. Auch die Bennets machten sich reisefertig, die beiden Mädchen wollten noch einige Gesellschaften in Meryton und Umgebung besuchen und drängten daher allmählich zum Aufbruch. Nur Charles und Jane bekundeten die Absicht, noch bis zum Gesindefest dableiben zu wollen, da so ein Anlass, wie Charles sich ausdrücken pflegte, mit einer gehörigen Portion Spaß und guter Laune verbunden sein dürfte.
Am 9. Januar fuhren Elizabeths Eltern und die beiden Schwestern nach Hertfordshire zurück. Mrs. Bennet gab sich seit dem vorangegangenen Abend bereits dem Abschiedsschmerz hin: „Ach, wie gerne würden wir noch dableiben, du gute Lizzie. Stell dir vor, ich habe noch immer nicht alle Räume hier im Haus gesehen, das sagt doch schon alles, oder? Aber ihr müsst unbedingt bald nach Hertfordshire kommen, alle warten schon sehr ungeduldig auf dich und deinen Mann. Man soll nicht meinen, dass die Hochzeit nicht einmal sieben Wochen her ist, also wirklich, mir kommt das sehr viel länger vor. Nun ja, was ich noch sagen wollte, aber Lizzie das musst du für dich behalten, ich glaube, Lydia und Wickham wollen uns auch besuchen kommen, aber sie schreibt ja so selten, wirklich, ich weiß gar nicht, warum sie sich derart rar macht. Und jetzt, wo auch Jane und Bingley, also Charles, noch hier bleiben, ach, da habe ich ja gar keine Abwechslung mehr zu Hause."
Lizzie lächelte nachsichtig: „Mama, Jane und ihr Mann waren doch bis Weihnachten auch nur ein- oder zweimal bei euch, wie kommst du darauf, dass dies nun anders sein würde?" Mrs. Bennet wedelte abschlägig mit dem Taschentuch: „Ach ja, ich weiß, diese unersättlichen Turteltauben. Oder glaubst du etwa", und hier senkte sie doch tatsächlich etwas ihre Stimme, was ihr augenscheinlich sehr schwer fallen musste, „ich wüsste nicht ganz genau, was die beiden den ganzen Dezember über in Netherfield zu tun gehabt haben? Pah, der ganze Ort redete ja schon davon, dass man das junge Paar nie zu Gesicht bekommt und die Flitterwochen wohl sehr intensiv ausfallen würden bei den beiden!"
Sie beugte sich neugierig vor und wollte flüstern, aber es gelang ihr einfach nicht ganz: „Wobei es sich natürlich auf Grund der Distanz meiner Kenntnis entzieht, wie ihr hier auf Pemberley diese Zeit miteinander verbracht habt. Da ich jedoch Augen im Kopf habe und sehen kann, wie vernarrt ineinander auch ihr beide seid, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, wann man mich und wer mich zuerst zur Großmutter macht. Du liebe Güte! Ich und Großmutter! Lizzie, ist das nicht unglaublich?"
Darauf gab Elizabeth nun keine Antwort.
Das war das letzte ausführliche Gespräch, das Mrs. Bennet (wohl mehr Mrs. Bennet allein) und Elizabeth geführt hatten, am Morgen darauf quetschten die vier Bennets sich in die Kutsche, nicht ohne wort- und tränenreichen Abschied. Von da an war es sehr ruhig im Haus, denn Charles und Jane waren unauffällig, man hörte und sah sie kaum. Die Mahlzeiten zu viert bekamen einen mehr familiären, ja fast könnte man sagen überaus intimen Charakter. Charles war eindeutig der Aufgekratzteste unter ihnen, er stimmte auch Jane um, erst gar nicht mehr zurück nach Netherfield zu fahren, sondern ebenfalls zusammen mit Elizabeth und Fitzwilliam den letzten Teil der Saison in London zu verbringen. Jane willigte nur zögernd ein, weil sie dort unweigerlich ständig auf die Schwestern von Charles treffen würde, ließ sich aber von ihrem Mann überzeugen, dass dies allemal noch besser sei, als jeden zweiten Tag einen Besuch in Longbourn machen zu müssen. Außerdem lockte auch sie die Aussicht auf Amüsements wie Oper und Theater, Vergnügungen, an denen sie zuvor noch nie teilgenommen hatte.
Eine weitere Sache stand noch an, und man hatte sich das Gesindefest Mitte Januar, wofür extra ein Ochse geschlachtet wurde, zum Anlass genommen, mit Mrs. Fielding, der Hebamme ein paar Worte zu wechseln. Zuerst hatte Fitzwilliam vor gehabt, mit der Frau alleine zu reden, aber dann kam es ihm doch in den Sinn, dass es günstiger wäre, als Paar aufzutreten. Es würde ganz sicher auch auf Mrs. Fielding einen besseren Eindruck machen, die sich sonst ganz sicher ein wenig gewundert hätte. Während sich also alle in der extra für diesen Tag ausgeräumten Remise trefflich amüsierten, den riesigen Ochsen nach und nach verspeisten, das hauseigene Bier (das ebenfalls in einer ganz leicht verdünnten Variante nur für diesen Tag gebraut worden war) konsumierten, tanzten und sangen, trafen sich Mr. und Mrs. Darcy im Verwalterhaus, ganz in der Nähe der Remise, mit der Hebamme. Sie machte einen sehr netten Eindruck, trotzdem fiel es Fitzwilliam sichtlich schwer, das Thema ohne Umschweife anzusprechen, weswegen er sich zunächst erst einmal langatmig nach dem Befinden von Mrs. Fielding und ihrem Mann erkundigte. Mrs. Fielding war dann diejenige, die nach dem Austausch der ersten Höflichkeiten auf den Punkt kam: „Mr. Darcy, Sir, man sagte mir, Sie und Ihre Gattin hätten ein bestimmtes Anliegen und wenn es Ihnen nicht allzu aufdringlich erscheint, möchte ich Sie hiermit ermutigen, sich völlig offen zu äußern."
Er nickte und holte tief Luft, dann setzte er zu der Erläuterung an: „Also, es mag vielleicht sehr ungewöhnlich sein, dass man sich mit derartigen Belangen an Sie wendet, vor allen Dingen dass ein Paar dies gemeinsam tut, ich denke, dies ist ganz und gar unüblich. Es verhält sicher aber so, dass ich mich doch ganz wesentlich für dieses Thema interessiere und vor allen Dingen meine Frau nicht mit derartigen Problemen, so es denn welche sind, alleine lassen möchte."
Er räusperte sich umständlich und fuhr dann fort: „Kurzum, es scheint uns partout nicht gelingen zu wollen, ein Kind zu zeugen und nun wollten wir wissen, woran das liegen kann."
Lizzie hatte bei den letzten Worten ihres Mannes scheu zu Boden geblickt, ihr war es nun sichtlich unangenehm.
Die Hebamme war eine sehr einfühlsame Frau, sie blickte die beiden weder eindringlich noch ratlos an, sondern nickte nur verständnisvoll mit dem Kopf und sagte dann in völlig natürlichem Tonfall, als wäre dies alles das Normalste der Welt: „Es ehrt Sie sehr, dass Sie sich darum Gedanken machen. Um mich aber speziell zu Ihrem Fall äußern zu können, muss ich noch mehr Informationen haben. Generell aber möchte ich schon einmal vorausschicken, dass es sich bei allen Leuten anders verhält, manchmal reicht schon ein einziges Zusammensein für die Zeugung aus, manchmal gibt es auch den Fall, dass es gar nicht möglich ist. Die breite Masse liegt natürlich dazwischen. Ich werde Ihnen, wenn Sie erlauben, einige Fragen stellen, und bitte Sie, ohne Scheu zu antworten, auch wenn die Fragen wahrscheinlich teilweise über Sitte und Anstand hinausgehen. Wie lange sind Sie nun verheiratet?"
Elizabeth entschied, diese Frage selbst zu beantworten, da sie unverfänglich war: „Knapp zwei Monate, Mrs. Fielding."
„Gut", sagte die Hebamme „und wie oft hatten Sie in dieser Zeit ihre Blutung?"
Elizabeth wurde rot, antwortete aber wahrheitsgemäß: „Zweimal."
Mrs. Fielding blickte ruhig auf das nervöse Paar: „Dann komme ich jetzt zu einer wahrscheinlich absolut unschicklichen Frage, die sich aber nicht vermeiden lässt: Wie oft vollziehen Sie den ehelichen Beischlaf?"
Fitzwilliam versuchte, eine Fliege an der Wand zu fixieren, während Elizabeth völlig beschämt knallrot anlief. Er suchte ihre Hand und drückte sie in stillem Einvernehmen, dann presste er leicht stotternd heraus: „Ähm, eigentlich… ja, wenn Sie so fragen – bis auf ganz wenige Ausnahmen jede Nacht, also gewissermaßen… täglich."
Mrs. Fielding unterdrückte ein leichtes Grinsen und sagte freundlich: „Sie machen mir auch einen überaus verliebten Eindruck, wenn ich das sagen darf, und es ist ein großes Glück, heutzutage eine Heirat aus Liebe eingehen zu können und nicht aus materiellen oder erbrechtlichen Gründen. Ich beglückwünsche Sie ausdrücklich zu dieser glücklichen Verbindung. Noch eine weitere, sehr unbequeme Frage, das ist dann aber auch meine letzte: Sie ergießen sich aber schon an der richtigen Stelle, ich meine", und nun war es sogar an der erfahrenen Frau rot zu werden „überwiegend, oder?"
Jetzt war ohnehin schon alles egal, deswegen brach Fitzwilliam prompt in ein fast irre zu nennendes Gelächter aus, schnappte nach Luft und versuchte, sich schnellstmöglich wieder zu beruhigen: „Sie verzeihen meinen Lachanfall, Mrs. Fielding, aber Sie scheinen mir schlimmer als es jeder spanische Inquisitor hätte sein können und mittlerweile finde ich schon gar nichts mehr dabei, mich Ihren Fragen zu stellen. Ja, ich denke schon, dass wir da auf dem richtigen Weg sind - überwiegend jedenfalls, wie Sie so schön bemerkten." Er lachte wiederum offenherzig. Elizabeth knuffte ihn ermahnend in die Seite.
Mrs. Fielding fing an zu reden: „Sie sind ein sehr ungewöhnliches junges Paar, und ich finde das sehr erfrischend und wünschte, es wären mehr Leute so freimütig wie Sie. Nun ja, leider leben wir diesbezüglich oftmals noch wie im Mittelalter. Um aber zu Ihrem Anliegen zurück zu kommen: Es gibt natürlich seltene Fälle von Kinderlosigkeit, bei denen nicht genau ersichtlich ist, aus welchem Grund der Nachwuchs ausbleibt. Ob dabei die Frau unfruchtbar ist, oder der Mann keinen zeugungsfähigen Samen aussendet, wir werden bei diesen Fällen kein Licht ins Dunkel bringen. Dies ist alles unerforschtes Gebiet. Ob und wie sich Mediziner damit befassen, ist mir leider nicht geläufig. Wir sollten aber bei Ihnen nicht von derlei Voraussetzungen ausgehen. Ich denke, dass Sie vielleicht Ihr Tun und Denken sogar zu sehr auf den Kinderwunsch ausgerichtet haben, obwohl, so wie ich Sie als Liebespaar einschätze, die Häufigkeit der Vereinigung bei Ihnen andere Ursachen hat, also wirklich mehr aus Verlangen, Lust und Leidenschaft heraus geschieht. Eigentlich sind Sie sehr zu beneiden. Ich bin überzeugt, dass sich bei Ihnen noch Nachwuchs einstellen wird, fragen Sie mich jetzt nicht wieso ich das behaupten kann, es ist nicht vernünftig zu begründen, es ist ein warmes Gefühl in mir, das mir das sagt. Es war mir eine große Freude, dass ich Sie kennen lernen durfte und Gelegenheit hatte, mit Ihnen zu sprechen. Sollten Sie es wünschen, dann stehe ich Ihnen jederzeit wieder gerne zur Verfügung. Aber vor allem wünsche ich, dass Sie bald mit einem reizenden Baby gesegnet sein werden. Es wäre für Sie beide und auch für das Kind ein großes Glück."
Fitzwilliam neigte seinen Kopf dankend ein wenig in Richtung von Mrs. Fielding und sagte schließlich: „Haben Sie vielen Dank, dass Sie sich heute während des Festes so viel Zeit für uns genommen haben, das war sehr freundlich von Ihnen. Sie haben uns sicher ein gutes Stück weitergeholfen und nun sollten Sie sich beeilen, damit Ihr Mann Ihnen nicht Ihr Stück vom gebratenen Ochsen schon weggegessen hat."
Mrs. Fielding knickste und verließ das Verwalterhaus.
Fitzwilliam hakte den Arm von Elizabeth unter und blickte sie fragend an. Sie schaute zu ihm schräg hoch und sagte: „Bei Gott, das war das peinlichste Gespräch, das ich jemals geführt habe. Aber vielleicht war es ganz gut so, dass wir, vor allen Dingen, dass du dich ihr anvertraut hast. Obwohl, ich wiederhole mich, es sehr beschämend war, wirklich."
Er kam dicht an ihr Ohr und flüsterte hinein: „Wir sollten nicht mehr allzu lange auf dem Fest bleiben, die Schilderungen, die ich Mrs. Fielding habe abliefern müssen, haben mich ziemlich… nun ja, sagen wir mal… inspiriert. Ich hätte große Lust, ein heißes Bad, es ist ja so kalt im Januar in Derbyshire, zusammen mit dir zu nehmen. Was meinst du?"
Sie knuffte ihn abermals in die Rippen, so dass er lachend zusammenzuckte und heiter verkündete: „Oh, junge Frau, ich werde einen blauen Fleck an dieser Stelle bekommen."
Sie hatten sich nicht so schnell von der Feierlichkeit lösen können, waren da und dort von vielen Leuten aufgehalten worden. Dann aber war die Gelegenheit günstig, und sie stahlen sich davon, zum Haus hin immer schneller laufend. Atemlos kamen sie im Foyer an, dann klatschte sich Fitzwilliam mit der flachen Hand auf die Stirn: „Nein, ich habe gar nicht bedacht, dass alle Dienstboten auf dem Fest sind, es ist gar niemand da, um uns das Bad zu richten." Elizabeth sah in prüfend an: „Nun, du machst mir einen wohlgenährten und nicht zu schwachen Eindruck, ich weiß, wo man das heiße Wasser herholen muss, du musst es nur nach oben bringen." Er stöhnte, beeilte sich aber gleich zu sagen: „Gewiss doch Ma'am, stets zu ihren Diensten, Ma'am." Dann stakste er schicksalsergeben hinter ihr her, um das heiße Wasser eimerweise nach oben zu schleppen.
Eine gute halbe Stunde später räkelte er sich im warmen Wasser: „Ich muss mir ein anderes System zur Befüllung der Wanne einfallen lassen, diese Methode von eben ist definitiv dazu nicht mehr geeignet, sie ist geradezu vorsintflutlich. Wenn sich einer das Bad redlich verdient hat, dann bin ich das!"
Elizabeth rief aus dem Schlafzimmer: „Lieber Schatz, rede lauter, ich verstehe kein Wort von dem, was du da vor dich hin murmelst!"
Er rief zurück: „Schon gut. Kommst du jetzt endlich?" Keine zehn Sekunden später stand sie barfuss und im Morgenrock hinter ihm, beugte sich nach unten, drückte ihm einen Kuss auf sein Haar: „Bin schon da!"
Er streckte verlangend die Hand nach ihr aus, sie öffnete den Morgenrock und ließ ihn in einer geschmeidigen Bewegung fallen, dann hob er sie in das Becken, nicht ohne einen begehrlichen Blick auf ihren vollendeten Körper geworfen zu haben.
Er gratulierte sich selbst erneut in Gedanken zu dem hervorragenden Badezimmer und dass er wohlweislich das Bassin hatte so großzügig anlegen lassen. Die Wassertropfen perlten über Lizzies Schultern und Rücken, er begann in kreisenden Bewegungen ihren Nacken und die Schulterpartie zu massieren, was ihr ein wohliges Stöhnen entlockte. Derart entspannt legte sie sich mit dem Rücken auf ihn, ließ den Kopf zufrieden auf seiner behaarten Brust ruhen. Seine Hände wanderten. Eine Hand legte sich fest um ihre Taille und hielt sie dort, die andere strich sanft im Wasser über ihre Brüste. Sie fühlte sich wunderbar leicht und entrückt. Einige sinnliche Küsse trafen sie auf der nassen Schulter. Dann war ihr Ohr dran, sie erschauerte, als seine Lippen am Ohrläppchen zogen, seine Zunge die Form der Ohrmuschel nachzog. Die Hand, die zuvor noch mit ihrem Busen beschäftigt war, wanderte weiter und senkte sich zielstrebig zwischen ihre Beine. Sie gab einen weiteren zufriedenen Laut von sich, dann aber drehte sie sich plötzlich um, war nun halb auf ihm, halb neben ihm positioniert. Daraus ergab sich als erstes ein sehr tiefer, leidenschaftlicher Kuss.
Nun wanderten ihre Hände. Sie fuhren durch das dichte Haar auf seiner Brust, tasteten sich über die Bauchmuskeln weiter, eine Hand glitt zurück nach oben, klammerte sich an seiner Schulter fest, während die andere ihr Ziel an seiner bereits vollständigen Erregtheit fand. Er hielt die Augen geschlossen, genoss jede ihrer Berührungen in all ihrer Intensität.
Dann riss er die Augen jedoch in plötzlicher Erkenntnis auf: „Lizzie, wir sollten vielleicht doch zum Bett wechseln, also ich meine, es ist einfach traumhaft hier im Bad, du weißt, dass ich das sehr mag, aber mir ist gerade eingefallen, dass die Sache mit dem Wasser vielleicht Einfluss auf… du weißt schon, auf die Zeugung haben könnte."
Er lachte, halb amüsiert, halb bitter: „Wir haben es anscheinend etwas übertrieben, was das Liebemachen im Bad anlangt. Man darf das gute alte Bett anscheinend nicht unterschätzen. Nun los, bevor ich gar nicht mehr aus dem Wasser finde."
Er kam aus dem Becken, natürlich in einem total erregten Zustand, was ihn aber nicht zu stören schien, was Elizabeth aber ein kurzes Glimmen in den Augen entlockte. Dann zog er sie nach draußen, legte ihr fürsorglich ein frisches Laken um und sie sputeten sich, ins Bett zu kommen.
Eine Stunde voller Sinnlichkeit und heißer Leidenschaft lag hinter ihnen. Jane und Charles sowie das Personal würden bald vom Fest zurückkommen.
Fitzwilliam schüttelte ungläubig seinen Kopf, als er sagte: „Lizzie, Geliebte, weißt du eigentlich wie sehr du mich verändert hast? Vor Wochen noch wäre vieles für mich undenkbar gewesen. Du hast so vieles in mir geöffnet, vor allen Dingen natürlich mein Herz. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal in der Lage sein würde, zum Beispiel über intime Dinge derart offen zu sprechen. Es ist sogar mittlerweile so, dass ich es liebe, mich darüber auszutauschen, ich muss gestehen, ich bin, was das anlangt, eine rechte Plaudertasche geworden. Ich kann mich nur über mich selbst wundern. Du tust mir ganz entschieden gut, mein Herz. Ich liebe dich sehr."
Sie lächelte, fuhr ihm spielerisch mit den Fingern durch die Brusthaare.
Zwischen den kleinen Küssen, die sie nun auf seinem Brustkorb verteilte, sagte sie: „Das ist ganz sicher nicht allein mein Verdienst. Es lag alles schon in dir drinnen, du musstest es nur wagen, es raus zu lassen. Mehr nicht. Du bist ein wunderbarer Mensch, liebevoll, großzügig, humorvoll, galant, gut aussehend…"
„… reich", ergänzte er trocken.
Sie lachte: „Nein, das spielt keine Rolle, das weißt du doch. Fitzwilliam, wenn wir jetzt nicht gleich aufstehen und uns für das Dinner umziehen, werden wir uns noch zum Gespött von ganz Derbyshire machen."
Er nickte bestätigend, küsste sie ein letztes Mal, dann schwang er die langen Beine aus dem Bett. „Brauchst du Clarice?" fragte er.
„Nein, besser nicht", gab sie zur Antwort, „ich komme alleine klar."
Jane und Charles sahen sich viel sagend an, als das Gastgeberpaar eilends zur Salontür hereinkam. Fitzwilliam räusperte sich ein wenig: „Hmh, ich hoffe, ihr habt noch nicht allzu lange gewartet. Tut uns leid, aber… aber es gab ein paar Probleme mit… mit dem Badewasser heute."
Charles nickte ernsthaft, aber mit einem penetranten Grinsen auf dem Gesicht: „Natürlich, ich verstehe – das Badewasser."
