Das kurze und an diesem Tag auf Grund der Gesindefeier einfache Dinner war vorüber, die beiden Paare spielten einige Runden Karten miteinander. Man kam überein, in Dreitagesfrist bereits nach London zu reisen, um wenigstens noch einige Veranstaltungen und Vergnüglichkeiten mitzubekommen. Eine sehr lockere, heitere Stimmung herrschte untereinander. Es wurde viel gelacht, sich gegenseitig geneckt, insbesondere, wenn etwas im Kartenspiel gründlich schief lief.

Die Damen hatten jeweils ein Likörglas vor sich stehen, die Herren zogen den Brandy vor, obwohl Charles auch neugierig an Janes Glas nippte, wieder sehr zur Erheiterung aller.

Er war nicht mehr so ganz nüchtern, hatte wohl auch auf dem Fest draußen bereits mehr als ein Pint des guten Biers aus Pemberley genossen, daher war es nicht verwunderlich, dass er seine Schwägerin und seinen Freund aus leicht glasigen Augen anstarrte und dann ohne zu Überlegen fragte: „Ha, was habt ihr beiden eigentlich wirklich vor dem Dinner so lange getrieben?"

Dann gluckste er albern, sehr zu Janes Missfallen, die ihn fortwährend anfunkelte, aber er bemerkte die warnenden Blicke seiner Frau leider nicht und fuhr daher leicht lallend fort: „Sag mal Fitz, alter Knabe, hast du mir nicht was von eurem großartigen Badezimmer mit einer fast schon riesig zu nennenden Wanne erzählt? Würde ich auch mal gerne ausprobieren mit meinem süßen Frauchen, nicht wahr Jane, mein Schatz?"

Diese verdrehte die Augen himmelwärts, dann stand sie auf und zog ihren Gatten an beiden Händen vom Stuhl hoch: „Ja, das würdest du wahrscheinlich, aber dazu wird es nicht kommen, weil erstens dies das Bad von Fitzwilliam und Lizzie ist und zweitens du nicht einmal mehr den Weg heraus aus dieser Salontür finden wirst, wenn du nicht gleich mit mir kommst und dich zur Ruhe begibst."

Charles schwankte ein klein wenig und hielt sich an Schulter und Taille seiner Frau fest: „Seht ihr, sie will mich schon wieder ins Bett zerren", er küsste Jane vor den Augen der anderen, so dass sie im ersten Moment peinlich berührt vor ihm zurückwich.

Schnell hatte sie sich aber wieder gefasst, und während sie Charles zur Tür begleitete, flötete sie in zuckersüßesten Tönen: „Liebster Charles, du glaubst gar nicht, wie furchtbar es nun gleich in deinem geliebten Bett sein wird, denn erstens – und ich komme wiederum auf eine Aufzählung zurück – wird sich die Bettstatt vermutlich ordentlich drehen wenn du dich hinlegst und zweitens – wirst du nicht mehr in der Lage sein, irgendetwas anderes zu tun als fest zu schlafen und mir die Ohren voll zu schnarchen."

Damit schob sie ihn aus der Tür und blinzelte den beiden Zurückgebliebenen mit einem triumphierenden Lächeln heiter zu. Lizzie und Fitzwilliam brachen in nicht mehr zu unterdrückendes Gelächter aus.

Die Damen hatte alle Mühe gehabt, in den vergangenen zwei Tagen zu packen. Doch dann war endlich alles zur Abreise bereit. Eine Kutsche war nur für das Gepäck bestimmt, die Bingleys hatten zum Glück eine eigene Equipage, die in den letzten Wochen in der Remise untergestellt gewesen war. Deswegen hatte man auch in dem großen, geschlossenen Landauer der Darcys viel Platz und musste sich in nichts bescheiden. Sowohl Elizabeth als auch Jane waren sehr aufgeregt über die Reise nach London, das beide zwar von Aufenthalten in Cheapside bei Onkel und Tante Gardiner her kannten, aber es war doch etwas ganz anderes, dorthin in ein eigenes Haus zu fahren.

Man würde allerdings unterwegs Quartier nehmen müssen. Sie hatten sich schon überlegt, wieder in Bedfordshire unterzukommen, waren sich dann aber schnell einig, dass dies einfach nicht angebracht wäre. Also wollten sie in Northamptonshire übernachten. 75 Meilen bis Daventry, das war – sofern sich keine Zwischenfälle ereigneten - gerade so in einem Tag zu schaffen. Von dort aus nach London waren es noch einmal gut 70 Meilen. Jeweils für ungefähr zwölf Stunden in der Kutsche zu sitzen, war schon eine anstrengende Sache, aber man würde damit schon zurechtkommen.

Das Wetter war leider ziemlich schlecht und man konnte die angestrebten sieben Meilen pro Stunde wohl nicht ganz einhalten. Auch ging für ein Mittagsmahl in der Nähe von Loughborough in Leicestershire noch einige Zeit drauf. So kam man äußerst durchgefroren und ziemlich entnervt erst gegen Mitternacht in Daventry an. Der sehr kleine Gasthof war bereits wie leergefegt und offensichtlich mit einer so großen und vornehmen Reisegruppe heillos überfordert. Elizabeth hatte Füße wie Eiszapfen und wollte eigentlich ein heißes Bad nehmen, was aber in diesem Inn ein Ding der Unmöglichkeit war. Die Wirtsfrau bemühte sich jedoch redlich, heißen Wein und einen ordentlichen Rest Stew zu servieren, während sie ihre Tochter antrieb, Kohlebecken in die Zimmer und heiße Ziegelsteine in die Betten zu schaffen, damit diese angeheizt waren.

Trotzdem klapperte Elizabeth ganz entsetzlich mit den Zähnen, als sie endlich im Bett lag, völlig erledigt von der langen Reise. Selbst Fitzwilliam konnte wenig zum Wärmen seiner Frau beitragen, da ihm selbst auch kalt war. Aber er versuchte, ihr zumindest einen Rest seiner Körperwärme abzugeben, hielt sie sehr eng an sich gedrückt. Nach einer Weile zeigten die warmen Ziegelsteine ebenfalls ein bisschen Wirkung und beide schliefen erschöpft ein.

Leider mussten ein paar wenige Stunden Schlaf genügen, da man sehr zeitig weiter zu reisen gedachte, wollte man London am späten Abend noch erreichen. Das alles trug nicht gerade zur Erheiterung der Reisegruppe bei. Als man sich gegen drei Uhr am Nachmittag in Dunstable zum Tee traf, waren alle am Limit. Jane war überaus blass und sagte fast kein Wort mehr, Charles hatte Schmerzen im Knie und humpelte leidend durch die Gegend, Elizabeth wollte überhaupt nie mehr wieder eine Kutsche besteigen, während Fitzwilliam nur mürrisch dreinschaute.

Jane machte den zaghaften Vorschlag, doch noch eine Nacht länger zu bleiben und sich hier in Dunstable ordentlich auszuruhen. Dann konnte man wenigstens am nächsten Tag bei Tageslicht in London eintreffen. Doch ihr Schwager bedachte sie mit einem finsteren Blick, der sie sofort zum Verstummen brachte, und schüttelte energisch den Kopf: „Nein, wir fahren weiter. Alle Arrangements sind für heute getroffen, man erwartet uns in den Häusern. Das ist mein letztes Wort in dieser Angelegenheit. Wenn ihr fertig mit dem Tee seid, fahren wir sofort weiter."

Mit diesen Worten ging er mit weit ausholenden Schritten zum Kamin und stellte sich Hände reibend einen Moment davor. Seine große, imposante Gestalt war vom Feuerschein umflackert, aus der Ferne gab ihm dies ein fast diabolisches Aussehen.

Jane zog instinktiv den Kopf ein und flüsterte ihrer Schwester zu: „Lizzie, also manchmal macht er mir immer noch Angst. In solchen Augenblicken frage ich mich ernsthaft, wie du dich so überaus heftig in ihn verlieben konntest. Dann kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass dieser Mann liebevoll, aufmerksam und zärtlich sein kann. Ich meine, Lizzie, das kann er doch – nicht wahr?"

Elizabeth warf der Silhouette ihres Mannes einen nachdenklichen Blick zu, bevor sie antwortete: „Oh ja, das kann er. Und wie. Du ahnst gar nicht, wie gütig und zartfühlend er ist. Aber er hat natürlich auch diese harte, unangenehme Seite, die zum Glück aber nur ganz selten hervorbricht. Und selbst die liebe ich an ihm, irgendwie, es gehört zu ihm wie seine blauen Augen und seine spöttische Augenbraue."

Knapp vier Stunden später passierte man Watford und kurz vor Mitternacht rumpelten die Kutschen am Grosvenor Square vor. Kaum waren die schweren Reisewagen zum Stehen gekommen, da rissen auch schon beflissene Bedienstete die Haustür des imposanten dreistöckigen Gebäudes auf und strömten mit Lampen in der Hand heraus. Ein paar knappe Befehle wurden gegeben, dann fuhr die Kutsche der Bingleys wieder an, ein paar Ecken weiter zum Berkeley Square.

Elizabeth war viel zu müde, um noch irgendwelche Eindrücke aufzunehmen, sie nahm nur eine geräumige, holzgetäfelte Eingangshalle wahr und eine große, über mehrere Absätze gehende Treppe, die sie hinter ihrem Mann schweigend hochstieg. Das zu der späten Stunde noch anwesende Personal hatte ehrerbietig geknickst, aber es war kein Wort gesprochen worden, als die Darcys das Haus betraten. Fitzwilliam hatte nur knapp zum Gruß genickt.

Im oberen Stockwerk öffnete er stumm eine Tür, ließ Elizabeth den Vortritt und seine ersten Worte innerhalb des Hauses, des Raumes waren dann endlich: „Herzlich willkommen in London, Lizzie."

Sie löste die Bänder ihrer Schute und legte den Kopfputz auf die Kommode an der Seite.

Müde schlurfte sie zum Bett, ließ sich völlig erledigt darauf niedersinken, schloss die Augen und murmelte: „Danke, ich glaube, ich schlafe schon fast."

Sie knöpfte noch den Pelzkragen ab und öffnete den Mantel, um sich mühsam aus dem Kleidungsstück heraus zu schälen, denn das Zimmer war überaus gut geheizt und rollte sich schließlich in ihrer restlichen Reisekleidung zusammen wie ein Baby. Fitzwilliam stand am Feuer, wärmte seine ausgekühlten Knochen auf und schaute zu ihr rüber.

Es klopfte. Fitzwilliam öffnete die Tür und zwei Lakaien brachten Koffer und Taschen herein. Clarice, die im Baggagewagen mitgereist war, stand dahinter und wartete, bis die Gepäckstücke alle im Zimmer waren. Dann öffnete sie zielstrebig einen Koffer und holte mit sicherem Griff ein Nachtgewand und einen Morgenrock heraus. Fitzwilliam nahm ihr die Kleidungsstücke aus der Hand und sagte: „Es ist gut, Clarice. Gehen Sie schlafen, Sie sind ja auch völlig durchgefroren. Ich mache das schon, danke." Die Zofe knickste und ging.

Da das Herrenschlafzimmer gut geheizt war, fror zumindest der Hausherr nun nicht mehr. Er ging hinüber zu dem Bett, das mit ockerfarbenem Stoff umhängt war, alles noch die alte Einrichtung, er hatte hier im Stadthaus noch nichts verändern lassen seit seiner Heirat, wollte sich mit Umbau- und Renovierungsmaßnahmen zunächst auf Pemberley konzentrieren, und schaute auf seine Frau, die vollständig angezogen eingeschlafen war. Seine schlechte Laune besserte sich bei ihrem Anblick um etliche Nuancen. Sie musste aber aus den Kleidern raus, es war zu unbequem zum Schlafen und überdies würde es der Garderobe nicht gut tun. Er seufzte und schickte sich an, sie aufzuwecken, sehr ungern, wie er zugeben musste.

Sanft rüttelte er sie an der Schulter: „Lizzie! Wach auf, bitte, du musst dir etwas anderes anziehen."

Sie reagierte nicht. Er fuhr sich mit einer fahrigen Bewegung durch die Haare und zog in Ratlosigkeit seine linke Braue nach oben. Auch er war hundemüde und wollte nichts sehnlicher, als unter die Decke schlüpfen und außergewöhnlich lange schlafen. Also beschäftigte er sich zuerst mit sich selbst.

Er legte den Frack ab, nachdem ihm der Mantel schon beim Betreten des Hauses abgenommen worden war. Dann knöpfte er die Weste auf, zog sie aus und hängte sie zum Frack über eine Stuhllehne. Natürlich gab es auch hier ein Ankleidezimmer, aber Fitzwilliam war froh für jeden Schritt, den er heute nicht mehr machen musste. Mit Bedacht löste er das kunstvoll geschlungene Krawattentuch vom Hemdkragen und öffnete dann diesen sowie alle weiteren Knöpfe am Hemd. Es sprang auf und gab den Blick auf seine breite, dicht behaarte Brust frei. Ein Anblick, so überaus männlich, so unglaublich attraktiv, der Elizabeth sonst stets den Atem verschlug, nur hatte sie im Moment leider nichts davon, da sie ja fest schlief. Er setzte sich auf einen Stuhl und kämpfte einen Augenblick lang mit den Stiefeln. Der eine wollte partout nicht vom seinem Fuß rutschen. Dann endlich gab das Leder nach und er stand in Strümpfen da. Mit einer geschmeidigen Bewegung streifte er sich diese von den Füßen, dann zerrte er ungeduldig am Verschluss seiner Hose und schlüpfte heraus. Das Hemd warf er zu guter Letzt achtlos auf den Teppich und kroch vollkommen nackt unter die Laken.

Dann versuchte er, seine Frau wach zu bekommen. Er schlang einen Arm um sie und küsste sie zart. Sie schlief unbeirrt weiter. Er drückte seinen Mund sehr intensiv auf den ihren, endlich kam sie etwas zu sich. Sie lächelte ihn schläfrig an und kuschelte sich näher an ihn. Er hielt sie schnell davon ab, weiterzuschlafen, in dem er laut und vernehmbar sagte: „Liebste, du muss die Reisekleidung ablegen, so kannst du nicht schlafen. Ich habe die entsprechenden Sachen für dich hier, Clarice hat sie mir gegeben."

Schlaftrunken legte Elizabeth einen Arm um ihren Mann, tastete sich an seinem warmen Körper entlang und grinste dann verzückt: „Hmh, du hast ja gar nichts an."

Er schüttelte den Kopf, zog sie zu sich und begann, ihr Kleid aufzuknöpfen. Langsam schälte er sie aus den Gewändern. Es war furchtbar spät und er war furchtbar müde, sie natürlich auch. Sie half mit, so gut es ging, dann lag sie endlich in der Wäsche da. Er zog ihr das Hemd aus und wollte das Nachtgewand geschwind über sie werfen, aber da war es um ihn geschehen.

Trotz der unglaublichen Müdigkeit regte sich sein Blut ganz außerordentlich. Sie hatten auf der Reise, während der Nacht in Daventry, keinen intimen Kontakt gehabt. Und jetzt war eigentlich nicht die Zeit, dies nachzuholen, denn sie waren beide viel zu erschöpft dafür. Doch ihr Anblick machte ihn wahnsinnig, er musste einfach…. Er küsste sie mit wachsender Leidenschaft, riss sie stürmisch an sich, sie bekam kaum noch Luft, so voller plötzlicher Begierde war seine Attacke. Er schob ihren Unterrock hoch, das letzte noch verbliebene Kleidungsstück, und nahm sie sofort in Besitz. Sie war überaus überrascht, biss sich auf die Lippe und bog sich zurück. Diese ungewohnte Heftigkeit war auch für Lizizie sehr erregend. Sie keuchte und fühlte die Welle anrollen. Dann ging alles sehr schnell, er entlud sich nach kurzer Zeit, energisch und mit einem sehr deutlichen Laut, während sie unter ihm zusammenzuckte und unterdrückt stöhnte.

Kurz darauf lachte er rau auf, schüttelte abermals den Kopf und sagte mit leicht belegter Stimme: „Bei Gott, vor zehn Minuten hätte nichts und niemand mich vom Einschlafen abhalten können, aber du, mein Herz, machst das Unmögliche möglich."

Er stülpte ihr fürsorglich das Nachthemd über den Kopf, küsste sie liebevoll und ließ sich dann ermattet in die Kissen sinken: „Aber jetzt kann wirklich kommen was will, ich kann meine Augen absolut nicht mehr offen halten."

Zu diesem Stichwort klappten die müden Lider über seine kornblumenblauen Augen und mit einem winzigen Lächeln auf den Lippen sank er in Schlummer.

Elizabeth Darcy staunte nicht schlecht über die Dinge, die London zu bieten hatte. Gleich nachdem Georgiana vom Palais der Matlocks zu ihnen ins Darcy'sche Stadthaus übersiedelt war, gingen die gesellschaftlichen Verpflichtungen los. Georgiana erhielt als Debütantin ständig Einladungen von irgendwelchen mehr oder weniger wichtigen Leuten. Manchmal wurde sie von Gardiners begleitet, bei denen sie ja ganz zu Anfang ihres London-Aufenthaltes gewohnt hatte, und die nun einen sehr großen Sprung auf der gesellschaftlichen Leiter gemacht hatten, manchmal von ihrer Tante und Cousine, und neuerdings natürlich auch ab und zu von ihrem Bruder und ihrer Schwägerin.

Der absolute Höhepunkt aber war, als sie auf einer Abendgesellschaft bei Almack's auf Prinzessin Esterhazy, den Prince of Wales und den sich stets in dessen Fahrwasser befindlichen Beau Brummell trafen. Die Countess of Matlock konnte es durch geschickte Verhandlungen mit Lady Sefton arrangieren, dass Georgiana den Hoheiten vorgestellt wurde, natürlich gemeinsam mit ihrer Familie. Elizabeth blieb fast das Herz stehen, als sie in der ganzen Gruppe auf die Prinzessin und den Prince of Wales zugingen.

Lady Sefton ergriff das Wort: „Königliche Hoheit, darf ich Ihnen eine ganz bezaubernden junge Dame aus Derbyshire vorstellen: Miss Georgiana Darcy."

Georgiana versank errötend in einen nicht enden wollenden Hofknicks.

Lady Sefton fuhr unbeirrt fort: „Sie wird begleitet von ihrer Tante, der Countess of Matlock, ihrem Bruder, Mr. Fitzwilliam Darcy of Pemberley und dessen Gemahlin, Mrs. Elizabeth Darcy of Pemberley."

Elizabeth musste sich alle Mühe geben, um nicht zu lachen, denn der Prince of Wales sah vollkommen lächerlich aus in seinen Schuhen mit hohem Absatz, einem aus rosa Seide gemachten Frack und einem Kragen der so hoch und so steif war wie eine Blechtonne. Aber dafür war „Prinny" nun mal bekannt.

Er schaute auf die vor ihm in Verneigung verharrende Gruppe und nölte dann gnädig: „Schön, schön, sehr schön."

Prinzessin Esterhazy zeigte sich etwas umgänglicher und lächelte den Darcys und der Countess zu: „In der Tat, ein schöner Anblick. Countess, ich gratuliere zu Ihrer reizenden Nichte. Mr. Darcy, Mrs. Darcy, es hat mich sehr gefreut."

Damit war das höfische Protokoll zu Ende.

Als man an der einen Seite des Saals sich in der Nähe des Kamins postierte, hörte Elizabeth (und es schien nach wie vor eine Eigenheit von ihr zu sein, nicht unbedingt für ihre Ohren bestimmte Gespräche auf Gesellschaften aufzuschnappen) wie ein sehr elegant und geschmackvoll gekleideter Herr, der aber lange nicht so künstlich aufgedonnert wirkte wie der Prinz, sich zu diesem rüberbeugte und sagte: „Hoheit, ich muss gestehen, es hat mich verdammt noch mal sehr beeindruckt, wie dieser Darcy aus Derbyshire heute sein Krawattentuch geschlungen und geknotet hat. Ich meine, da noch etwas von ihm lernen zu können, und das will was heißen."

Elizabeth staunte nicht schlecht, hatte dieser Mann doch tatsächlich vor dem Prinzen das Wörtchen „verdammt" benutzt und überdies noch ihren Gatten für seinen modischen Geschmack gelobt.

Sie wagte kaum zu fragen, zupfte dann aber doch die Countess kurz am Ärmel: „Verzeihung, Ma'am, aber wer ist dieser elegante Mann dort drüben beim Prinzen? Auch jemand vom Hofe?"

Die Countess of Matlock blickte etwas irritiert in die ihr angezeigte Richtung und antwortete dann: „Aber Kindchen, das wissen Sie nicht? Das ist Beau Brummell, ohne den der Prince of Wales kaum noch einen Schritt macht. Der angesehene Experte in Stil- und Modefragen." Elizabeth konnte es nicht fassen: Das also war der berühmte Beau Brummell!