Mrs. Fielding konnte nicht umhin, scharf Atem zu holen, als sie das eheliche Schlafzimmer der Darcys betrat.
Da sie das Herz auf der Zunge trug, sagte sie sogleich: „Liebe Güte, Mrs. Darcy, Sie nächtigen wahrhaft königlicher als die Königin selbst, würde ich mal vermuten."
Elizabeth musste nun lächeln: „Ja, glauben Sie mir, es gibt Momente, da kann ich es noch immer nicht recht fassen, was mir hier widerfährt."
Dann stellte Mrs. Fielding die Fragen: „Wann hatten Sie ihre Blutung zuletzt?"
Elizabeth musste nicht lange nachdenken, da sie dies an den kurzen Besuch bei ihrer Familie in Hertfordshire erinnerte: „Am 26. Februar."
Mrs. Fielding nickte: „Und da war alles in Ordnung, nichts Außergewöhnliches?"
Elizabeth war sich unsicher, sagte deshalb: „Nun ja, mir ging es schlechter dabei als üblich, aber ich schob das auf die Reise, die wir zu diesem Zeitpunkt machten."
Wiederum ein Nicken der Hebamme.
Dann blickte sie ihre Patientin ein klein wenig streng an und stellte eine dritte Frage: „Mrs. Darcy, ich weiß, dass Sie ein sehr erfülltes Eheleben haben, aber erinnern Sie sich in diesem Zusammenhang an eine Besonderheit in den ersten Märzwochen?"
Zunächst war Elizabeth versucht, die Frage zu verneinen, aber dann kam ihr die sehr wilde Liebesnacht kurz nach ihrer Rückkehr in den Sinn und sie blickte zu Boden, als sie sehr leise antwortete: „Ich denke… ich glaube es gab eine außergewöhnliche Begebenheit, da fühlten wir uns beide so merkwürdig, so weltentrückt, so innerlich warm. Man kann es irgendwie nicht beschreiben."
Mrs. Fielding setzte nach: „Können Sie sagen, wann das genau war?"
Elizabeth schüttelte den Kopf: „Nicht genau, aber ich schätze es muss um den 8. März gewesen sein." Mrs. Fielding holte eine mit vielen roten und schwarzen Zahlen beschriebene, abgegriffene Pappscheibe aus ihrer Tasche und drehte umständlich daran herum.
Nach einer Weile drehte sie sich zu Elizabeth um: „Das habe ich mir selbst eingerichtet, aufgrund vieler Aufzeichnungen, die ich mir im Laufe der Jahre gemacht habe. Damit errechnet man den Geburtstermin etwas genauer, als wenn man nur über den Daumen gepeilt neun Monate dazu zählt. Mrs. Darcy, ich schätze, wenn sich unser Verdacht bestätigt, dass Sie spätestens Mitte Dezember ein Kind in den Armen halten werden."
Elizabeth hielt sich überrascht eine Hand vor den Mund.
Doch Mrs. Fielding sprach sogleich weiter: „Aber ich muss mir zunächst noch Ihre körperlichen Anzeichen anschauen, wir wollen es doch genau abklären, nicht wahr?"
Sie bat dann Elizabeth, ihre Brüste zu entblößen, eine Aufforderung, die diese nur mit einer gewissen Scheu nachkam. Doch Mrs. Fielding wusste souverän damit umzugehen und Elizabeth die Befangenheit zu nehmen. Sie forderte sie auf, selbst zu schauen, und ihr die Veränderungen mitzuteilen.
Elizabeth staunte nicht schlecht, aber sie fing stockend an, ihren Bericht abzugeben: „Mir scheint… puh, ich weiß nicht wie ich das sagen soll, mir scheint, alles ist schwerer, umfangreicher geworden, auch hatte ich das Gefühl, die Brüste schmerzen ein wenig, kann das sein?"
Diesen Eindruck konnte Mrs. Fielding nur bestätigen. Auch das der Warzenhof dunkler geworden war, wurde Elizabeth nun plötzlich bewusst. Mrs. Fielding erklärte ihr, all das sei nötig, um später das Baby nähren, mit Milch versorgen zu können. Was aber in ihrem Falle doch sicher eine Amme übernehmen würde. Eine Amme? Über diese Frage hatte Elizabeth noch gar nicht nachgedacht.
Mrs. Fielding untersuchte Elizabeth weiter, diese war völlig geschockt über die Vorgehensweise der Hebamme, die vor dem Bett kniete, ihr zwischen die Beine schaute und zum Schluss auch noch mit den Fingern in sie hineintastete.
Elizabeth hatte einen knallroten Kopf, als Mrs. Fielding ruhig zu sprechen begann: „Liebe Mrs. Darcy, ich kann verstehen, dass dies alles sehr ungewohnt und offensichtlich auch schockierend für Sie ist, aber wie bereits gesagt, ich habe sehr lange Jahre Erfahrung auf diesem Gebiet. Es ist nichts, wofür Sie sich schämen müssten. Auch im inneren Bereich sprechen alle Anzeichen für eine Schwangerschaft, ein Hinweis dafür ist die starke Durchblutung dieser Körperteile, außerdem ist innerlich alles fest geschlossen, was das Kind wohl für die kommenden Monate gut unter Verschluss halten wird. Mrs. Darcy, ich darf Ihnen gratulieren!"
Elizabeth erhob sich langsam vom Bett, ihr Kopf dröhnte, von der fürchterlichen Scham, die sie gerade eben empfunden hatte und den vielen Informationen, die sie erst einmal verarbeiten musste.
Mrs. Fielding strahlte sie noch einmal an: „Ihr Gatte wird sich sicher sehr freuen. Und – da ich annehme, Sie beide werden sich nicht trauen, mir diese Frage zu stellen, es bestehen derzeit keinerlei Bedenken, warum Sie nicht weiterhin ihr Glück im Ehebett genießen sollten. Viele Ärzte raten in der Schwangerschaft davon ab, aber wenn Sie meine ehrliche Meinung dazu hören wollen: Das ist Schwachsinn! Nein, kein Grund, wieder rot zu werden, ich bitte Sie, Mrs. Darcy! Sie entscheiden, je nachdem wie Sie sich fühlen, ob Sie mit ihrem Mann körperlich vereinigt sein wollen, oder nicht. Sollten Sie irgendwelche Beschwerden haben, sich unwohl fühlen, oder gar eine Blutung bekommen, dann lassen Sie bitte sofort nach mir schicken."
Elizabeth nickte schwach.
Mrs. Fielding hielt bereits den Türknauf in der Hand: „Ich freue mich sehr, für Sie beide. Alles Gute und einen schönen Tag noch!" Damit zog sie die Tür hinter sich zu.
Elizabeth ließ sich erschöpft auf das Bett sinken. Du liebe Güte, diese Frau war anscheinend sehr gründlich und offensichtlich verstand sie auch ihr Geschäft. Sie raffte sich auf und ging hinunter, der Tee wurde gleich serviert. Georgiana und die Gardiners wurden dazu aus Matlock zurück erwartet, Fitzwilliam hatte am Morgen nicht versprechen können, die Teezeit einzuhalten.
Elizabeth wusste nicht, ob es die Aufregung war oder wirklich die ersten körperlichen Reaktionen oder vielleicht auch nur eine gewisse Einbildung, weil Schwangere gemeinhin so zu reagieren pflegten, aber ihr war nach dem Tee furchtbar schlecht. Sie wollte aber nicht als schlechte Gastgeberin dastehen und quälte sich eine halbe Stunde lang durch die Unterhaltung. Dann entschuldigte sie sich mit bleichen Wangen, froh, dass die Gesellschaft sich sowieso gerade auflöste. Sie legte sich sofort ins Bett, hatte aber nicht erbrechen müssen. Ihr Kopf dröhnte und ihr war, als bekäme sie Fieber.
So fand Fitzwilliam sie vor, als er eine Stunde später ins Schlafzimmer kam: „Fühlst du dich nicht wohl?" fragte er sogleich.
„Ich habe einen ziemlichen Kopfdruck", antwortete sie matt.
Er nahm sie in den Arm, gab ihr einen zarten Kuss auf die Nasenspitze: „Ja, natürlich, es müsste mal wieder soweit sein, ihr armen Frauen, was ihr Monat für Monat durchmachen müsst. In dieser Hinsicht bin ich wirklich froh, ein Mann zu sein."
Er zog den Frack aus und sah zum Bett hin: „Möchtest du baden?"
Sie schüttelte den Kopf, klopfte auf die freie Seite neben ihr und bedeutete ihm so, sich zu ihr zu legen. Die Weste folgte sofort dem Frack, die Krawatte ebenso, dann knöpfte er das Hemd ein Stück auf und kroch neben sie.
Sie schluckte, dann setzte sie an: „Mrs. Fielding war heute hier."
Er schaute kaum interessierter, als wenn Rodgers seinen Frack vom Staub abklopfen würde. „Mrs. Fielding? Ach, wie nett von ihr."
Mehr sagte er nicht dazu.
Sie kuschelte sich etwas näher an ihn heran, spielte gedankenverloren mit einem seiner Hemdknöpfe: „Ich habe keine Monatsblutung momentan."
Er hob ein klein wenig den Kopf, kam aber noch immer nicht auf des Rätsels Lösung: „Hmh, dann scheinst du anderweitig krank zu werden, hast du dich irgendwie verkühlt, vielleicht an Georgianas Geburtstag? Zu schade, dass die erste Reitstunde heute für dich ausfallen musste, ich hatte dir schon ‚Merchant', den sanftmütigen, alten Wallach, ausgesucht."
Sie richtete sich ein wenig auf die Ellbogen auf und sah im direkt in seine vergissmeinnichtblauen Augen: „Ich werde wohl für mehr als nur für ein paar Tage nicht reiten lernen können, Mrs. Fielding sagte, bis mindestens… ähm, Ende Januar nächsten Jahres."
Das stand nun erst einmal im Raum, arbeitete sich langsam durch sein Gehirn: „Wie? Was hat Mrs. Fielding mit deinen Reitstunden zu tun? Und wieso ein dreiviertel Jahr lang kein… „, er brach den Satz ab, schaute sie zweifelnd an, dabei schob sich seine linke Augenbraue allmählich in die Höhe: „Elizabeth, sag es sofort! Ich will es jetzt und hier aus deinem Mund hören!"
Sie platzte raus mit einem Lacher, warf sich wie irre über ihn, küsste und herzte ihn wie von Sinnen und rief immer wieder: „Ja, ja! Es ist wahr! Wir bekommen ein Kind!"
Er hingegen war vollkommen ernst, wehrte ihre albernen Attacken mit den Händen ab und hielt sie dann mit festem Griff in Schach: „Wann?"
„Im Dezember", jubelte sie „wahrscheinlich noch vor Weihnachten!"
Ihr Kopfweh war nun fast ganz weg, nur eine leichte Übelkeit machte ihr noch zu schaffen.
Er hingegen lag auf dem Kissen, als hätte ihn ein Ackergaul von beträchtlichem Ausmaß getreten. Er war nicht fähig, sich zu äußern.
Elizabeth fing an, sich Sorgen zu machen: „Fitzwilliam? Warum sagst du gar nichts dazu?"
Ganz langsam blickte er vom Betthimmel zu ihr rüber: „Ich kann es einfach nicht glauben. Ist Mrs. Fielding sich da auch ganz sicher, wollen wir nicht lieber noch einen Arzt kommen lassen?"
Elizabeth lachte: „Nein, bitte nicht, die Untersuchung und Befragung der Hebamme hat mir durchaus gereicht, danke. Und es ist absolut sicher, ja."
Er stand auf, ging zum Fenster, riss es auf und ließ einen Schwall der frischen Frühlingsluft herein.
Dann drehte er sich um, sehr langsam: „Ich hatte mich schon fast damit abgefunden, dass wir auf längere Zeit kinderlos bleiben würden."
Er machte einige Schritte auf das Bett in der Raummitte zu, brach plötzlich in die Knie und redete dann in einer Art Lach-Weinen weiter, den Kopf in den Händen geborgen: „Lizzie, oh Lizzie, ich freue mich so, ich kann es nicht fassen! Sag' mir, bin ich verrückt? Wie kann ein Mann Ende Zwanzig so außer sich sein? Ich werde Vater!"
Er schrie es nun fast, machte dabei eine Geste mit den Händen zum Himmel: „Ich werde Vater!"
Elizabeth eilte zu ihm, kniete sich ebenfalls hin, umarmte ihn fest, strich ihm liebevoll über das Haar: „Psst, nicht so laut, es muss nicht gleich das ganze Haus wissen. Wir sollten vielleicht bis zum Osterfest warten, dann können wir es allen mitteilen, ja?"
Er nickte glücklich. Er hielt sie so fest, dass sie fast nicht mehr atmen konnte.
Sie wand sich ein bisschen aus der Umklammerung: „Liebster bitte, du zerdrückst mich ja!"
Er lockerte seinen Griff, kam auf seine Füße und zog sie vorsichtig mit hoch.
Sie setzten sich beide auf das Bett, dann brach alles aus ihm raus: „Wann hast du es bemerkt? Was genau hat Mrs. Fielding gesagt? Wann genau im Dezember ist es soweit? Kommen deine Kopfschmerzen davon, ich meine, sind das typische Beschwerden? Und – Lizzie, meine Güte, ich glaube ich kann gar nicht… also ich denke, nicht dass ich… es wird mir sehr schwer fallen, mit dir nun intime Dinge zu vollziehen, denn das schadet dir und dem Kind doch sicherlich, oder?"
Sie ließ sich auf das Bett niedersinken und zog ihn am Ellbogen mit.
Sie beugte sich halb über ihn, gab ihm einen kurzen Kuss, legte sich dann wieder an seine Seite und berichtete dann so ziemlich der Reihe nach: „Bemerkt habe ich es eigentlich erst heute morgen so richtig. Aber natürlich ist die Blutung schon länger überfällig, nur ich hatte nicht so drauf geachtet. Mrs. Fielding ist wirklich eine sehr aufgeschlossene und wie mir scheint neuen Methoden gegenüber offene Frau, das muss ich sagen. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, da muss man sich erst einmal dran gewöhnen. Sie hat den voraussichtlichen Termin für die Geburt auf Mitte Dezember errechnet, aber sie sagt, auf den Tag genau kann man das natürlich nicht festlegen, obwohl sie da wohl eine besonders gründliche Art der Berechnung zugrunde legt. Alles Erfahrungswerte, die sie sich da zunutze macht. Ich denke eher, dass meine Beschwerden heute durch die ganze Aufregung gekommen sind, man bekommt schließlich nicht alle Tage gesagt, dass man Mutter wird."
Er lachte kurz dazwischen, sie sprach weiter; „Und was das andere anlangt, also Mrs. Fielding sagte zwar, die Ärzte würden meist davon abraten in der Schwangerschaft – ähm, miteinander engen körperlichen Kontakt zu haben, aber sie hält es unter normalen Bedingungen für ausgemachten Blödsinn. Deswegen musst du also keine Bedenken haben, ich schätze, wir müssen uns da nicht sonderlich einschränken."
Er lachte abermals, zog sie zu sich herüber und küsste sie mit großer Zärtlichkeit.
Dann ließ er allmählich von ihr ab, bettete sie ordentlich in die Mitte des großen Bettes und stand auf: „Ich würde gerne ein Bad nehmen, du solltest dich auf alle Fälle weiter ausruhen, damit die junge werdende Mutter mich nachher zum Dinner begleiten kann. Schlaf ein wenig, ich wecke dich rechtzeitig, ja?"
Er war schon im Gehen begriffen, als er sich noch einmal umdrehte und zum Bett zurückkehrte, sich darauf kniete und seiner Frau tief in die Augen sah: „Es bedeutet mir so unendlich viel, ich muss tatsächlich nach Worten ringen, um meiner Freude Ausdruck zu verleihen. Aber eines sollst du wissen: Ich wäre auch weiterhin ein sehr glücklicher Mensch gewesen, wenn dieses Kind sich noch länger Zeit gelassen hätte. Du bist alles für mich. Und nun noch das Baby dazu, ich platze vor Glück, es bringt mein Herz zum Überlaufen. Ich liebe dich und das kleine Stückchen Leben in dir natürlich auch!"
Bevor er im Bad verschwand, warf er ihr noch einen galanten Luftkuss zu.
Ostern kam und damit die Bekanntgabe der Schwangerschaft an die Familie. Fitzwilliam hatte erneut kurz das Thema Rosings aufgeworfen, es war für ihn sehr ungewohnt, die Osterfeiertage auf Pemberley zu verbringen. Doch das Schweigen von Lady Catherine war demonstrativ und somit ein eindeutiges Zeichen. Nachdem man am Ostersonntag schon recht früh in der Kirche in Lambton gewesen war, zog man sich danach zu einem umfangreichen Osterfrühstück in das große Esszimmer zurück. Elizabeth fühlte sich sehr wohl, sie klagte über keinerlei Beschwerden bislang.
Als alle sich gestärkt hatten und eine lebhafte Konversation im Gange war, räusperte sich Fitzwilliam nach einem vergewissernden Blick auf Elizabeth laut und vernehmlich: „Hmh, liebe Familie! Es tut mir leid, wenn ich euch durch meine Ansprache in der allgemeinen Osterfreude ein wenig störe, aber was ich zu sagen habe, kann eigentlich nur dazu beitragen, die schöne Stimmung noch zu verstärken. Zunächst jedoch möchte ich bedauern, dass weder Elizabeths Familie, noch meine nächsten Verwandten aus Matlock heute da sein können. Auch finde ich es sehr schade, dass wir dieses Ostern nicht wie üblich in Kent verbringen. Ich hoffe jedoch, Pemberley ist ein adäquater Ersatz. Doch nun zu dem, was ich euch anzukündigen habe…", die Stimme versagte ihm fast den Dienst bei diesem letzten Satz, er blickte Hilfe suchend zu seiner Frau, nahm ihre Hand auf und zog sie vom Stuhl hoch zu sich, dann versuchte er, weiter zu reden „also,… bei Gott ich bin so durcheinander, verzeiht bitte!"
Er nahm einen Schluck aus seiner Kaffeetasse, während alle das Paar schweigend anstarrten.
Elizabeth lächelte Fitzwilliam aufmunternd zu, dieser fuhr sich nervös mit der Hand über die Stirn und setzte erneut an, um einiges leiser nun: „Kurz und gut, bevor ich es überhaupt nicht raus bringe – Wir erwarten ein Kind!"
Eine Sekunde lang herrschte fast gespenstische Stille im Raum, dann brach ein unglaubliches Stimmgewirr los: „Nein, wie wundervoll!"
„Oh, das ist eine so schöne Nachricht, wir freuen uns wirklich sehr für euch."
„Lizzie, Fitzwilliam, seid ihr ganz sicher?"
„Wann wird es soweit sein?"
„Lizzie, geht es dir auch gut?"
„Fitzwilliam, nun kommt bald Leben in die Bude."
„Ist das Kinderzimmer denn schon hergerichtet?"
„Ach Gott, wenn das deine Eltern hören, Lizzie, die werden völlig aus dem Häuschen sein!" Das junge Paar wurde mit guten Wünschen und Zuneigungsbeteuerungen geradezu überhäuft. Man stand Rede und Antwort, so gut man es vermochte.
Klar war auch, dass man nun den anderen Familienteilen diese Nachricht zu kommen lassen musste. Was das gräfliche Haus in Matlock anlangte, so wollte man am morgigen Tag dorthin fahren und die frohe Kunde persönlich überbringen. Nach Longbourn schrieb selbstverständlich Elizabeth selbst, Fitzwilliam wollte sich dann mit einigen eigenen Absätzen daran anschließen. Nach Rosings wollte er alleine Nachricht schicken. Aber an die Nachbarschaft in Hunsford, die Collins', wollte Elizabeth wiederum selbst schreiben. Einen Brief nach Netherfield wollten sie am Abend gemeinsam verfassen. Nur – wer nach Newcastle an Wickhams schreiben sollte, war unklar, ebenso ob überhaupt. Man konnte es wahrscheinlich getrost Mrs. Bennet überlassen, die Nachricht dorthin weiterzuleiten.
Ein weiterer Punkt war das Personal. Es war nicht ganz auszuschließen, dass bereits getratscht wurde. Rodgers hatte vor einigen Tagen die Hebamme herein gelassen, ebenso musste es Clarice aufgefallen sein, dass ihre Herrin keine Menstruation gehabt hatte. Deswegen verfügte Fitzwilliam, als Mrs. Reynolds zum Abräumen des Osterfrühstücks erschien, dass sie das Personal in einer Stunde in der Halle sich versammeln lassen sollte. Diese nickte nur, stellte aber keinerlei Fragen.
Als Elizabeth und ihr Gatte sich dann auf den Weg dorthin machten, fragte sie ihn schelmisch: „Sollte nicht vielleicht ich die Ankündigung machen, nicht dass es dir wieder die Sprache verschlägt."
Er sah sie vollkommen ernst an und antwortete dann in ebenfalls ernsthaftem Ton: „Das finde ich keine schlechte Idee. Warum eigentlich nicht?"
Sie schüttelte den Kopf: „Nein, das muss du schon selbst tun."
Er entgegnete: „Vorschlag: Wir teilen es uns auf, ja?"
Sie stimmte zögerlich zu, wenn er unbedingt wollte.
Es standen viele Leute auf dem schwarz-weißen Marmorfußboden, das vielstimmige Gemurmel hörte sofort auf, als das Paar in Sichtweite kam.
Er stellte sich mit Elizabeth auf eine Treppenstufe, dann sprach er: „Danke, dass ihr so schnell hergekommen seid, wohl ein Beweis dafür, dass die interne Verständigung hier ziemlich gut funktioniert. Zu allererst aber lasst mich euch, Ihnen allen ein gesegnetes und gutes Osterfest wünschen. Ich habe mir sagen lassen, dass es heute bereits Kuchen für alle gegeben hat. Ich hoffe, es hat geschmeckt. Wir haben aber noch etwas zu sagen und dafür habe ich meine Frau mitgebracht, die sich es nicht nehmen lassen wollte, es persönlich mitzuteilen. Bitte."
Elizabeth wurde tatsächlich etwas rot und fing dann mit leiser Stimme an, zu reden: „Mein Mann hat bereits alle netten Wünsche zum Fest übermittelt, dem kann ich mich nur anschließen. Weswegen wir euch aber vornehmlich hierher gebeten haben, ist weil… weil wir uns dachten, dass wir euch die Nachricht nicht länger vorenthalten sollten", sie schaute sich ein wenig unsicher um, fuhr dann aber tapfer fort, „bevor der Tratsch sich auch vielleicht ausbreitet. Fitzwilliam, also ich meine - mein Mann und ich, also eigentlich ja ich… großer Gott ich rede wirr, entschuldigt, ich fange noch einmal ganz von vorne an."
Sie holte tief Luft und sagte dann gerade heraus: „Ich… wir bekommen ein Kind!"
Das Stimmengemurmel setzte wie aufs Stichwort wieder ein, zusätzlich wurde freundlich ein wenig Applaus gespendet. Mrs. Reynolds trat vor und gratulierte im Namen des gesamten Personals. Während sich der Rest der Bediensteten langsam wieder zerstreute, grinsten der alte Rodgers und die junge Clarice sich nur viel sagend an. Da sie nach Mrs. Reynolds und vielleicht noch Mr. Portland am engsten in Kontakt zu der Herrschaft standen, machten auch sie brav Knicks und Verbeugung und schlossen sich den guten Wünschen der Haushälterin an.
