Fitzwilliam fuhr vom Sofa hoch, er polterte los. „Er hat waaaas? Dieser Schuft. Und jetzt erst meldet er sich. So verhält sich kein Gentleman!"
Das Mädchen fing wieder an zu weinen. Elizabeth und Fitzwilliam blickten sich über ihren Kopf hinweg hilflos an.
Nach ein paar Minuten hatte sich Georgiana ein klein wenig beruhigt, jedenfalls so weit, dass sie die tränennassen Augen zu ihrer Schwägerin heben konnte und sie flüsterte: „Ich habe ihn dazu ermutigt. Ich wollte wissen, wie das ist, wenn man geküsst wird. Ich sah, dass ihr dabei immer so glücklich wart und wollte dies auch sein."
Fitzwilliam setzte sich wieder und nahm die Hand der Schwester erneut auf. „Ach, meine arme, kleine Georgiana! Und nun fühlt er sich natürlich verpflichtet, dir die Ehe anzubieten, obwohl der Antrag wie ich finde, reichlich spät kommt. Liebst du ihn?"
Georgiana zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht so recht. Glaube schon. Oder? Ach, ich bin so durcheinander."
„Möchtest
du seinen Antrag annehmen?"
"Ja. Nein. Oh, Fitzwilliam, was
soll ich tun?"
Dieser
überlegte einen Moment, dann antwortete er: „Ich denke, ich
sollte dem Baronet erst einmal schreiben, dass wir ihm einen kurzen
Besuch abstatten werden. Dann solltest du dir vor Ort, direkt in
Rutland, darüber klar werden, was dich mit dem jungen Gainsworth
verbindet. Wäre das in deinem Sinne?"
Georgiana seufzte:
„Ja, das klingt vernünftig. Es tut mir sehr leid, dass ich dir
und Lizzie Kummer bereite. Das wollte ich nicht."
Der Bruder nickte. „Ist schon gut. Ich verfasse nun die Antwort an den Baronet. Entschuldigt mich, bitte."
Fitzwilliam Darcy tat sich schwer mit dem Brief. Weniger mit den Fakten bezüglich der beiden jungen Leute, aber sollte er nun alleine mit seiner Schwester die Reise nach Rutland antreten, oder doch auch Elizabeth mitnehmen? Es ging ihr recht gut, sie klagte so gut wie nie über typische Schwangerschaftsbeschwerden. Aber nun war jüngst erst ihre Mutter zu Besuch gekommen und es wäre unschön, diese Zusammenkunft gleich wieder auseinander reißen zu müssen. Und er selbst? Konnte er überhaupt noch getrennt von seiner Frau sein? Kopfschüttelnd legte er die Feder zur Seite und stand auf. Er trat ans Fenster und blickte hinaus in die von der Maisonne durchfluteten Parkanlagen. Er würde zu keiner Entscheidung fähig sein, ohne mit Elizabeth gesprochen zu haben. Also suchte er sie auf.
Eine gute Stunde später war der Brief an Baronet Gainsworth fertig. Er hatte ihm sein und Georgianas Kommen angekündigt. Elizabeth und er waren nach einem längeren Gespräch, das überaus sachlich angefangen hatte und um ein Haar im Ehebett geendet wäre, übereingekommen, dass sie beide eine kurze Trennung in Kauf nehmen wollten. Das Schreiben wurde sorgfältig versiegelt, fest drückte Fitzwilliam das Familienwappen in den dunklen Siegellack. Damit war das erste Getrenntsein zwischen ihm und seiner Frau beschlossene Sache. Dieser Tag hatte früher oder später kommen müssen, aber für seine Begriffe wäre ihm später wesentlich lieber gewesen. Nun – es musste wohl sein, um Georgianas Zukunft willen.
Die Nacht vor der Abfahrt nach Rutland verbrachten er und Elizabeth in einem einzigen Sinnesrausch. Er wusste, es war völliger Blödsinn, aber er litt Höllenqualen bei dem Gedanken, dass sie nun ein paar Tage lang nicht an seiner Seite sein würde. Er versuchte, sich nicht total seinem Trieb, seiner Lust nach ihr hinzugeben, jedoch umsonst – es gelang ihm nicht. Er war Besitz ergreifend wie sonst nie, ließ sie keine Minute aus seinem Arm. Wie besessen starrte er wieder und wieder auf ihren noch immer flachen Bauch, aber so sehr er sich auch anstrengte, er konnte an dieser Stelle noch kein äußeres Anzeichen der Schwangerschaft an ihr ausmachen. Er hätte liebend gerne eine Wölbung ihres Leibes bemerkt, war schier verzweifelt am Suchen, fand aber nichts Entsprechendes. Fiebrig glitten seine Hände an ihr auf und ab. Das wohlriechende Öl, das Mrs. Fielding vor kurzem der Hausherrin zur geflissentlichen Vermeidung unschöner Dehnstreifen gegeben hatte, und das er mit Wonne auf ihrem Körper verteilt und einmassiert hatte, verbreitete seinen ätherischen Duft, der ihm noch zusätzlich alle Sinne raubte. Er vergrub sich in Elizabeth, im wahrsten Sinne des Wortes. Nicht einmal, nicht zweimal – er war schier unersättlich. Irgendwann fiel er dann doch in einen unruhigen Schlummer, einen Arm noch immer fest um seine Frau geschlungen. Er träumte wirr – von seiner eigenen Taufe, von einer Kirche, die mit blauen Blumen derart überladen war, dass deren Duft einem förmlich zu ersticken drohte.
Übermüdet saß Fitzwilliam Darcy sehr früh am Frühstückstisch. Er hatte kaum geschlafen und sich nicht von Elizabeth verabschiedet, er hatte es nicht übers Herz gebracht, sie zu dieser Stunde bereits zu wecken. Er war heilfroh, dass ihre Mutter zurzeit bei ihr war, das gab ihm eine gewisse Beruhigung. Mit nachdenklicher Miene nahm er den Frühstücksteller auf, um sich ein bisschen Schinken zu holen und stutzte…, da lag eine zusammengefaltete Notiz auf dem Tischtuch, genau da, wo soeben der Teller stand.
Er nahm den Zettel auf, entfaltete ihn und las:
Weine nicht, sonst weine ich auch. Ich trinke von deinen Lippen, genau jetzt in diesem Moment, fühle dich von mir geküsst mit so viel Leidenschaft, deren ich nur irgendwie fähig bin. Ich liebe dich sehr und werde dich schmerzlich vermissen. Deine sich nach dir verzehrende Elizabeth.
Es war die Handschrift seiner Frau, es waren die gleichen Worte, die er ihr vor ziemlich genau sechs Monaten in Longbourn überreicht hatte, als er während ihrer Verlobungszeit für einige Zeit nach London hatte reisen müssen. Er schluckte und hatte redlich Mühe, die Tränen der Rührung zu unterdrücken.
Mit einer sehr wortkargen und blassen Georgiana kam er schließlich nach strapaziöser Reise in Gainsworth Hall, Rutland, an. Das Anwesen machte einen sehr guten Eindruck, etwa in der Größenordnung und Ausstattung von Netherfield Park. Der Butler des Baronet geleitete die Ankömmlinge in den Salon.
Mit leiernder Stimme verkündete er: „Mr. Darcy und seine Schwester, Miss Georgiana, Sir!"
Sir Thomas, Baronet of Gainsworth hatte sich sofort erhoben und grüßte überaus höflich: „Danke, dass Sie sich persönlich die Mühe gemacht haben herzukommen, willkommen auf Gainsworth Hall, Mr. Darcy, Miss Georgiana. Sie kennen meinen Sohn Jonathan bereits aus London."
Der junge Mann verbeugte sich wortlos, Georgiana knickste erneut, Fitzwilliam beobachtete die beiden jungen Leute genau und es blieb ihm nicht verborgen, dass sowohl Jonathan als auch Georgiana mächtig rot anliefen.
Der Baronet machte nicht viel Aufhebens und kam sehr rasch und deutlich zur Sache. „Ich fürchte, mein Junior hat noch mehr Dummheiten gemacht. Nachdem ich den Brief an Sie abgeschickt hatte, beichtete er mir noch, dass er sich kurz vor seiner Rückkehr aus London bei einem Regiment hat eintragen lassen. Das war wohl seine erste panikartige Reaktion auf das, was zwischen ihm und Ihrer Schwester, ähm, Ihnen, Miss Georgiana, vorgefallen war. Er vertraute mir den Zwischenfall im Hyde Park ja zunächst nicht an. Ich war aber sehr erstaunt, dass er sich für das Militär entschieden hatte, wo das doch zunächst überhaupt nicht zur Debatte gestanden hatte. Nun hat er sich bei den Dragonern eingetragen und muss in Kürze dort zum Dienst erscheinen, sonst gilt er als fahnenflüchtig. Da er aber zuvor schon den Antrag an Miss Georgiana formuliert hatte, sind wir in einer gehörigen Zwickmühle. Was sagen Sie dazu, verehrter Sir Fitzwilliam?"
Dieser sah den Baronet erstaunt an: „Also, zuerst lassen Sie mich richtig stellen, dass ich nicht in den Adelsstand erhoben wurde. Nur Mr. Darcy, weiter nichts."
Er wurde durch eine Handbewegung von Sir Thomas unterbrochen: „Nein, nein, mein Guter, stellen Sie Ihr Licht nicht unter den Scheffel. Wohl können Sie es noch nicht wissen, aber mein Sohn hat London ja erst geraume Zeit nach Ihnen und Ihrer Familie verlassen und da war es bereits aller Orten zu hören, dass Sie, sobald Sie in der nächsten Saison in die Stadt zurückkehren werden, vom Kronprinzen zum Knight geschlagen werden sollen. Der Herzog von Rutland hat mir gegenüber übrigens das Gleiche erwähnt."
Fitzwilliam Darcy war völlig perplex: „Das muss ein wildes Gerücht sein, dem man keinerlei Bedeutung beimessen sollte. Außerdem wird es kaum dazu kommen, dass wir die nächste Saison in London verbringen, da meine Frau noch vor Weihnachten unser erstes Kind erwartet. Und sollte es zu einer Verbindung zwischen Ihrem Sohn und meiner Schwester kommen, benötigen wir sowieso keine Saison in der Betriebsamkeit der Stadt mehr."
„Wobei wir wieder beim Thema wären", fügte Sir Thomas an, „stimmen Sie meinem Vorschlag zu, dass wir die beiden jungen Leute einfach auf einen gemeinsamen Spaziergang schicken sollten, damit sie sich aussprechen können?"
Zögerlich nickte Mr. Darcy: „Wenn Ihr Sohn sich dabei als Gentleman verhält, gerne."
Der Baronet konnte sich ein süffisantes Grinsen nicht verkneifen: „Oh, er wird sich nicht noch einmal etwas zu Schulden kommen lassen, denke ich. Dann mal los, ihr beiden!"
Der junge Mann stand gehorsam auf, verbeugte sich vor Georgiana und bot ihr wortlos den Arm. Diese erhob sich sehr langsam aus ihrem Sessel, legte sehr vorsichtig ihre behandschuhte Hand auf den Unterarm von Jonathan Gainsworth und blickte beständig zu Boden. Die beiden schritten steif zur Tür hinaus.
Während der Butler im Salon den ersten Brandy an die Herrschaften ausschenkte, begaben sich Georgiana und Jonathan über die Terrasse hinunter in den Park. Glücklicherweise war das Wetter recht angenehm, es war mild, wenngleich leicht bewölkt, aber trocken. Sie waren nur ein paar Stufen die Treppe hinab gegangen, als Georgiana langsam den Arm von Jonathan losließ.
Dieser drehte sich zu ihr um: „Miss Georgiana? Es ist Ihnen alles sehr unangenehm, oder?"
Georgiana Darcy schüttelte den Kopf. Sie nagte an ihrer Unterlippe, dann konnte sie es nicht länger an sich halten: „Was machen wir nur? Es ist alles so verworren."
Jonathan nickte: „Das ist es wohl. Ich habe tausend Fehler gemacht, völlig kopflos reagiert, aber ich wusste mir einfach nicht anders zu helfen. Ich dachte, wenn ich zum Militär gehe, vergesse ich das Ganze, vergesse ich, was sich zwischen Ihnen und mir angebahnt und abgespielt hat, vergesse ich vielleicht sogar Sie! Aber – jetzt, wo Sie hier sind, auf Gainsworth Hall, nah bei mir, was ich übrigens sehr schön finde, möchte ich das alles nicht mehr vergessen. Jedoch bin ich an beides gebunden – an mein Eheversprechen an Sie und an meine Verpflichtung als Offizier. Und ich bin nicht minder verwirrt als Sie es sein müssen."
Georgiana schüttelte betrübt den Kopf: „Gehen Sie nur zu den Soldaten, mir schulden Sie nichts. Ihr Ehrgefühl mir gegenüber spricht sehr für Sie, aber – ich glaube nicht, dass ich Ihren Antrag annehmen werde."
Der junge Mann blickte sie voller Schrecken an: „Georgiana!"
Er rief es so laut, dass sie erschrocken zusammenzuckte.
Dann sank er auf die Knie vor ihr, ergriff ihre Hand und stammelte: „Nein, bitte, lehnen Sie mich nicht ab. Ich… ich… würde nur noch sterben wollen, wenn Sie mich nicht erhören. Wenn Sie vielleicht warten wollen mit einer offiziellen Verlobung, bis ich den Militärdienst absolviert habe? Es ist nur ein Vorschlag, ich meine… ach, ich weiß gar nicht, wie ich das alles sagen soll. Bitte, ich… ich… würde mich sehr geehrt fühlen, wenn Sie meinen Antrag noch einmal wohlwollend überdenken würden. Ich…", er fuhr sich nervös durch die ungewöhnlich kurzen, blonden Haare „ – mein Gott, Georgiana, was soll das alles, ich liebe Sie!"
Er lehnte seine heiße Stirn an ihre Hand, die noch immer in den Handschuhen steckte. Sie lief so rot an, wie erst einmal zuvor in ihrem Leben, nämlich nachdem sie sich in London geküsst hatten. Doch nun entzog sie ihm ihre Hand. Er schaute sorgenvoll auf zu ihr. Doch sie zog nur ihren Handschuh aus, ihre unverhüllte Hand näherte sich seinem Gesicht, mit einer einfachen Geste legte sie ihm ihre kühlen Finger an seine erhitzte Wange. Dabei lächelte sie ein ganz klein wenig.
Das Gespräch mit seinem zukünftigen Schwager bereitete Jonathan am meisten Sorgen.
Er wappnete sich innerlich und trat leise in das Zimmer ein, in welchem Fitzwilliam auf ihn wartete. „Sir, ich stehe Ihnen nun zur Verfügung", kam es leise von seinen Lippen.
Der um nur ein paar Jahre ältere Mann drehte sich mit nach oben gezogener Augenbraue zu ihm um: „Lieber Himmel, Gainsworth, wir sind hier doch nicht zu einem Duell zusammen gekommen!"
„Natürlich nicht, Sir".
„Gut. Wie sind Sie mit meiner Schwester verblieben?"
„Ähm… ich weiß… ich meine, wir wissen es nicht."
Fitzwilliam Darcy seufzte: „Wie darf ich das verstehen?"
„Also, missverstehen Sie mich nicht, Sir, ich... ähm, ja, ich liebe ihre Schwester sehr und das habe ich ihr auch gesagt. Aber – wir sind uns unschlüssig, ob wir uns ganz offiziell verloben sollen und vielleicht auch rasch heiraten, bevor ich ein einrücken muss oder ob wir es bei einer inoffiziellen Verlobung belassen, meine Militärzeit abwarten und es danach erst offiziell verlautbar machen sollen. Wenn es Ihnen nichts ausmacht, möchte ich gerne Ihre Meinung dazu hören."
„Ja, und die werde ich Ihnen auch sogleich kundtun. Bitte setzen Sie sich, es kann sich ein wenig in die Länge ziehen."
Fitzwilliam Darcy schlug die langen Beine übereinander, nahm einen Schluck aus dem neben ihm stehenden Weinglas, räusperte sich dann und begann: „Sie sind beide noch sehr jung…"
„Oh, ich bin bereits zweiundzwanzig, werde dieses Jahr sogar noch dreiundzwanzig…", warf Jonathan Gainsworth sogleich ein.
„Schön, dann sind Sie genau um ein halbes Jahr älter, als ich Sie geschätzt habe", antwortete Darcy mit trockenem Humor, ein Satz der ihm vor einem Jahr sicher noch nicht so locker von den Lippen gekommen wäre, doch nun fielen ihm derartige Wortplänkeleien nicht mehr schwer - Elizabeth sei Dank!
Er legte wieder eine ernste Miene an den Tag und fuhr fort: „Aber nun wieder zur Sache: Meine Schwester ist unlängst erst siebzehn Jahre alt geworden. Ich weiß, das gilt als absolut heiratsfähiges Alter. Aber bei Georgiana verhält es sich ja nicht so, dass sie unbedingt vermählt werden sollte, damit sie versorgt ist. Sie hat bei mir ein sorgloses und gutes Leben, und das so lange es ihr beliebt. Und sie bekommt an ihrem einundzwanzigsten Geburtstag ein nicht unerhebliches Erbe ausgezahlt. Ich nehme an, dass Ihnen das geläufig ist, allerdings schätze ich, dass diese Tatsache relativ wenig mit Ihrer Zuneigung zu meiner Schwester zu tun haben dürfte. Wenn ich mir diesen herrlichen Besitz hier so ansehe, so darf ich annehmen, dass Sie nicht unbedingt auf das Erbe meiner Schwester angewiesen sind. Jedoch muss ich Ihnen sagen, dass wir in dieser Hinsicht schlechte Erfahrung gemacht haben. Vor knapp zwei Jahren hat sich ein guter Bekannter unserer Familie sehr für das Erbe meiner Schwester interessiert und ist vor fast nichts zurückgeschreckt, um sich über Georgianas jugendliche, naive Zuneigung das Erbe zu sichern. Ich bin deswegen so absolut offen zu Ihnen, Mr. Gainsworth, weil ich selbst erlebt habe, wohin Unehrlichkeit, Missverständnisse, Geheimniskrämerei und Verschlossenheit führen können. In meiner Familie gibt es derlei Dinge nicht, oder besser gesagt, nicht mehr."
„Das finde ich sehr gut, Sir, wenn ich das sagen darf", bemerkte der junge Mann gegenüber von ihm.
„Sie dürfen. Ich möchte Ihnen nun einen Rat geben: Warten Sie noch mit der Verlobung. Nicht, dass ich Ihre Gefühle für meine Schwester in Frage stellen würde, nein, dazu ist es mir selbst viel zu sehr bewusst, was Liebe bedeutet. Sie müssen wissen, ich habe sehr lange gebraucht, um mir über meine eigenen Gefühle klar zu werden. Und ich bin heute sehr glücklich, diese Emotionen endlich zugelassen zu haben. Sie, junger Mann, sind mir da offensichtlich schon einen Schritt voraus, das nötigt mir großen Respekt ab. Trotzdem bitte ich Sie, sich mit Verlobung und Heirat noch Zeit zu lassen. Ich habe nichts dagegen, wenn Sie mit meiner Schwester überein kommen, sich hier im Familienkreis ein gegenseitiges Versprechen zu geben, aber ich würde sagen, es täte Ihnen beiden gut, mit allem anderen zu warten, bis Ihr Dienst am Vaterland vorüber ist."
Jonathan nickte bedächtig, atmete einmal tief durch und sagte dann: „Ja, ich glaube, Sie haben mir da eine große Entscheidungshilfe gegeben. Im Prinzip denke ich genauso darüber, nur – ich war für einen Augenblick versucht, Ihre Schwester gleich vom Fleck weg zu heiraten, aber ich sehe ein, dass die Vernunft über das Gefühl – in diesem Fall – siegen sollte. Danke, Sir."
Damit stand er auf und ging zur Tür. Bevor er den Knopf drehen konnte, hörte er seinen Gast mit scharfer Stimme sagen: „Mr. Gainsworth! Haben Sie mir nicht noch eine ganz bestimmte Frage zu stellen?"
Abrupt drehte er sich um, blickte fest in Mr. Darcy's blaue Augen, sammelte seine Gedanken und antwortete: „Natürlich, verzeihen Sie meine Nachlässigkeit, es wird nicht wieder vorkommen." Er machte einige Schritte vorwärts, der entschlossene Gesichtsausdruck verlor sich ein klein wenig, er deutete eine knappe Verbeugung an und fuhr fort: „Mr. Darcy, erlauben Sie mir bitte, hiermit in aller Form um die Hand Ihrer Schwester, Miss Georgiana, anhalten zu dürfen."
