Fitzwilliam Darcy presste die Lippen fest zusammen, er hätte nicht gedacht, dass dieser Moment so bald schon für ihn kommen würde, aber nun war er da, der Augenblick, wo er seine Schwester loslassen und langsam aber sicher in die Obhut eines anderen geben musste. Er schloss für einen winzigen Augenblick die Augen, warum nur war Elizabeth nun nicht hier bei ihm? Als er die Lider wieder hob, schaute er in das grünlich schimmernde Augenpaar seines zukünftigen Schwagers.
Er nickte etwas müde: „Mr. Gainsworth, ich gewähre Ihnen die Hand meiner Schwester Georgiana unter den soeben besprochenen Bedingungen. Sie verschieben alle offiziellen Verlautbarungen auf einen noch zu vereinbarenden Zeitpunkt nach Ableistung Ihres Militärdienstes. Bis dahin verbleibt meine Schwester vollständig in meiner Obhut, Während Ihres Urlaubes dürfen Sie ihr selbstverständlich einen Besuch abstatten. Ein gegenseitiges Eheversprechen vor Familienangehörigen ist jedoch ausdrücklich erwünscht. Und wenn es Ihnen nichts ausmacht, würde ich nun noch gerne meine Schwester zu der ganzen Angelegenheit hören. Haben Sie vielen Dank."
Georgiana trat lautlos ein, sehr blass und überaus nervös. Als der Blick ihres Bruders sie traf, lief sie los und warf sich ihm in die Arme. Er fuhr ihr beruhigend über das Haar. Keiner sprach zunächst.
Nachdem sie sich eine lange Zeit stumm umfangen hielten, ergriff Fitzwilliam das Wort: „Liebe George", er lächelte, weil er sie schon lange nicht mehr mit der männlichen Form ihres Namens angeredet hatte, es war nur ganz besonderen Momenten vorbehalten, „ich habe ihm meine Zustimmung gegeben. Aber die Bedingungen sind klar formuliert, du wirst wohl viele Monate auf ihn und die richtige Verlobung warten müssen. Möchtest du das?"
Sie nickte, sagte aber nichts.
Daher sprach er weiter: „Er machte mir den Eindruck, als würde er dich aufrichtig lieben. Hast du diesen Eindruck ebenfalls?"
Abermals ein Nicken.
Er fuhr in seiner Ansprache fort: „Gut, lass mich aber trotzdem noch fragen: Liebst du ihn auch? George, ich möchte nicht, dass du ihn nur nimmst, weil euer Fehlverhalten in London offensichtlich nur diesen einen Schluss zulässt. Wenn du ihn nicht liebst, dann haben wir hier im Prinzip nichts mehr verloren. Ich würde dich niemals in eine Ehe zwingen, die du nicht aus Liebe eingehst. Also, liebst du ihn?"
Die Tränen kullerten nun aus ihren Augen, als sie ein drittes Mal nickte.
Der Bruder schmunzelte etwas mehr: „George, los, sag' es deinem alten Bruder!"
Sie schluchzte: „Ich glaube, dass ich ihn liebe. Aber – genau weiß ich es eben nicht." Sie blickte Hilfe suchend zu ihm auf: „Wie erkenne ich das?"
„Wahrscheinlich ist es bei jedem Menschen ein wenig anders. Ich zum Beispiel konnte nächtelang nicht mehr schlafen, als ich Lizzie damals kennen lernte. Und als sie mir gegenüber so abweisend war, verspürte ich nur wenig Lust, überhaupt noch weiterzuleben."
Georgiana sah ihren Bruder erschrocken an: „Fitzwilliam! Das ist ja furchtbar!"
Dieser nickte: „Ja, es klingt dramatisch, aber es ist ja letztendlich gut ausgegangen. Schildere mir deine Gefühle für Jonathan."
Sie schaute ihn mit großen Augen ungläubig an. Sie sollte mit ihrem so strengen, sachlich-nüchternen Bruder derlei Dinge besprechen? Nun ja, es war nicht zu leugnen, dass er viel weicher, emotionaler seit seiner Heirat geworden war, aber das gab er nur selten zu erkennen. Ihr kam er meist noch kühl und distanziert vor. Sie musste sich erst an den Gedanken gewöhnen, dass sie in ihm nicht nur den Vormund, sondern auch den engsten Vertrauten sehen durfte.
Sie wusste nicht so recht, wo sie ansetzen sollte: „Oh, ja… ich bin sehr gerne mit Mr. Gainsworth, also Jonathan natürlich, zusammen. Er hat mich schon oft zum Lachen gebracht, das hat mir gefallen. Ich fühle mich wohl in seiner Gegenwart."
„Was noch?" bohrte ihr Bruder weiter, „wie war das in London bei eurer letzten Ausfahrt in den Park?"
Georgiana konnte ein Erröten nicht ganz unterdrücken: „Fitzwilliam, bitte!"
Er ließ sich langsam auf einem Stuhl nieder, ohne sie aus den Augen zu lassen: „Du sagtest, dass du wissen wolltest, wie es sich anfühlt geküsst zu werden. Nun frage ich dich, wie hat es sich denn angefühlt?"
Sie wurde noch eine Spur röter: „Das kannst du nicht im Ernst von mir wissen wollen, oder?" Nach einer Pause, die von beharrlichem Schweigen seinerseits gekennzeichnet war, fuhr sie sich nervös über die Haare und gab dann Antwort: „Es fühlte sich… gut an."
Mehr offenbarte sie nicht. Er schwieg noch immer. Sie wurde immer nervöser.
Unruhig ergänzte sie: „Nun ja, es war sehr schön. Ich… ich habe vor Aufregung gezittert, meine Knie waren ganz schwach und – ich wollte, er hätte es noch mal getan! Reicht dir das?"
Er schürzte seine Lippen, auf seinem Gesicht lag ein zufriedener Ausdruck.
Dann schickte er sie mit den Worten weg: „Weißt du was? Gehe zu ihm und probiere es noch einmal aus. Dann kommst du wieder her und hoffentlich kannst du mir dann endgültig sagen, ob du ihn liebst oder nicht!"
Georgiana hielt sich erschrocken die Hand vor den Mund: „Was ist nur mit dir los? Ich glaube einfach nicht, was ich da höre! Wie kannst du nur…"
Er unterbrach sie: „Meine Liebe, du bist nun quasi eine verlobte Frau und es spricht meiner Meinung nach nichts dagegen, dass du dir Gewissheit verschaffst, was deine Gefühle für deinen zukünftigen Gatten anlangt. Also bitte, geniere dich nicht. Ich habe übrigens meine zugegeben sehr kurze Verlobungszeit ausgiebig genossen!"
Ohne ein weiteres Wort stürzte Georgiana entsetzt davon.
Sie musste den Butler nach dem jungen Herrn fragen. Der wies ihr den Weg in dessen Arbeitszimmer. Sie klopfte vorsichtig an die Tür.
Ein dumpfes „Bitte einzutreten" war zu hören.
Sie schlüpfte durch die Tür in den Raum. Jonathan Gainsworth legte erstaunt seine Stirn in Falten, als er sie hereinkommen sah.
Er sprang sofort vom Stuhl auf: „Miss Georgiana, wie schön, Sie zu sehen. Was kann ich für Sie tun?"
Sie blickte scheu zu Boden, wie sollte sie ihm klarmachen, dass ihr Bruder sie für einen Verlobungskuss hierher geschickt hatte? Es war einfach völlig absurd. Jonathan kam langsamen Schrittes auf Georgiana zu: „Ähm, was führt Sie zu mir, Miss Georgiana?"
Sie musste etwas sagen: „Oh, ich möchte Sie nicht weiter stören, auch nicht, nachdem nun mein Bruder die Erlaubnis zur Verlobung erteilt hat."
Der junge Gainsworth nickte: „Sie stören nicht, im Gegenteil. Ich hoffe, Ihr Gespräch mit ihm verlief angenehm."
Jetzt nickte sie: „Danke, ja es verlief soweit angenehm. Er möchte lediglich, dass… dass ich mir noch mehr über meine wahren Gefühle für Sie klar werde."
Jonathan machte ein besorgtes Gesicht, er ging einen weiteren Schritt auf Georgiana zu: „Sind Sie sich denn nicht ganz klar darüber?"
Sie schüttelte ganz leicht den Kopf: „Vielleicht brauche ich…", sie brach den Satz unvollendet ab. Sie konnte es nicht sagen.
Er hakte nach: „Was brauchen Sie? Etwas von mir? Ein Pfand meiner Liebe und Ehrerbietung und Treue? Gerne. Aber welches?"
Jetzt war es ihr leicht gemacht.
Trotzdem kostete es sie große Überwindung, sich zu äußern: „Das gleiche wie an unserem letzten gemeinsamen Tag in London", kam es ganz zart und leise von ihr.
Er schien nicht gleich zu begreifen, runzelte erneut seine noch recht jugendliche Stirn: „Das gleiche wie in London?"
Es klang fast wie ein Echo zu ihrem vorhergehenden Satz.
Er brauchte noch einen weiteren Moment, dann hatte er endlich verstanden: „Oh!"
Mehr brachte er nicht heraus. Er lief fast ebenso rot an wie die junge Frau vor ihm.
Tapfer umklammerte er ihre Handgelenke und versuchte, ihr in die Augen zu schauen: „Möchten Sie, dass ich Sie küsse?"
Sie schüttelte den Kopf, presste fest ihre Lippen aufeinander.
Er gab nicht auf: „Georgiana, möchtest du, dass ich dich küsse?"
Ihre Knie versagten ihr jetzt schon fast den Dienst, sie glaubte auf der Stelle ohnmächtig werden zu müssen, als er so dicht vor ihr stand. Langsam hob sie Augen und schaute ihn direkt an. Er brauchte keine weitere Aufforderung mehr.
Auf dem Rückweg in den Salon musste sie sich zweimal an den Wurzelholzkommoden im Korridor festhalten. Sie kam sich ungeheuer erwachsen und – sündig vor! Das hatte den zarten, vorsichtigen, ja fast brüderlichen Kuss in London um Klassen übertroffen. Jonathan hatte sie an die Tür gedrückt, ihren Nacken mit einer Hand umfasst, ihre linke Wange mit der anderen und dann hatte er mit Nachdruck seine Lippen auf die ihren gesenkt. Sie hatte nicht anders gekonnt, als instinktiv einen Arm um seinen Hals zu schlingen und ihn somit noch mehr zu sich heran zu ziehen. Wie von Zauberhand hatten sich ihre bislang fest verschlossenen Lippen geöffnet und waren seinem Vorstoß willig entgegengekommen. Als sie zum ersten Mal seine warme, feuchte Zunge in ihrem Mund gespürt hatte, hatte sie einen Laut von sich gegeben, der sich nicht hatte unterdrücken lassen, der sie selbst aber zutiefst schockierte. Sie hatte Zeit und Raum vergessen.
Nach einer unendlich langen Zeitspanne, die ihr andererseits aber auch wahnsinnig kurz vorgekommen war, hatte sich Jonathan von ihr gelöst und sie liebevoll angelächelt: „Haben Sie nun Klarheit, Madam?"
Sie war nicht einmal mehr fähig gewesen, zu erröten, so berauscht war sie von der neuen Erfahrung. Sie hatte genickt, ohne ihren Arm von seinem Hals wegzunehmen und hatte ihn erneut nah zu sich heruntergezogen.
An ihrem Hals hatte er gemurmelt: „Ich liebe dich, Georgiana, ich werde dich sehr vermissen, wenn ich den Militärdienst antrete. Aber wir werden es durchhalten, das werden wir doch, oder?"
Es war ihr in dem Augenblick als vollkommen richtig erschienen, zu antworten: „Ja, das werden wir, auch wenn es sehr schwer fällt. Und wiederum ja, ich habe endgültige Klarheit erlangt."
Sie hatte tief Atem geholt, dann hatte sie es gewagt auszusprechen: „Ich liebe dich auch, Jonathan!"
Ihrem Bruder brauchte sie eigentlich nichts zu sagen, er sah es ihr sofort an. Sie war atemlos, erhitzt, hatte ein zerdrücktes Kleid und verrutschte Bänder. Es gab ihm einen ganz kurzen, heftigen Stich in die Herzgegend, dann hatte er sich wieder gefangen.
Trotzdem fragte er nach: „Nun? Wie steht's?"
Sie war viel zu aufgewühlt, um Zurückhaltung zu üben, also sprudelte es aus ihr heraus: „Ich liebe ihn. Wirklich. Fitzwilliam, du kannst ganz beruhigt sein. Meine Gefühle für ihn sind wunderbar und tief."
Der Bruder war noch nicht ganz zufrieden, er nutzte ihre euphorische Stimmung aus, das war ihm wohl bewusst, aber nur so erfuhr er wirklich, was in seiner Schwester vorging.
Er stellte daher eine letzte Frage: „Ist er ein guter Küsser?"
Ein entsetzter Blick traf ihn, er schaute amüsiert in das Gesicht Georgianas. Doch sie hatte ihn mittlerweile durchschaut, wusste nun, dass er sich auch teilweise einen Spaß mit ihr erlaubte.
Sie reckte daher das Kinn und entgegnete schnippisch: „Hmh, ich habe natürlich keinerlei Vergleichsmöglichkeit, aber was meine bescheidenen Bedürfnisse anlangt, würde ich sagen, dass diese von Mr. Gainsworth vollauf befriedigt werden können. Vielleicht küsst er ja besser als du, ich sollte Elizabeth unbedingt einmal darüber befragen."
Die Stimmung war damit endgültig gelöst, beide brachen in herzliches Gelächter aus. Sie lachten so lange, bis es an die Tür klopfte und der Butler meinte, es sei Zeit sich zum Dinner umzuziehen.
Dann erst lernten die Darcys den Rest der Familie Gainsworth kennen. Lady Mabel, die Frau des Hauses, klein, zierlich und blond, aber offensichtlich sehr resolut. Und schließlich die ältere Schwester von Jonathan, Mrs. Sophie Woodhouse und deren Gatten, Connor Woodhouse, ein Großgrundbesitzer aus der näheren Umgebung. Da während des Gespräches zwischen Fitzwilliam und Georgiana auch Jonathan seinen Vater über die jüngsten Entwicklungen informiert hatte und der wiederum dann seine Frau und diese kurz vor dem Dinner ihre Tochter und ihren Schwiegersohn, wurde Georgiana neugierig beäugt, was ihr sehr unangenehm war, aber ansonsten recht herzlich aufgenommen. Connor Woodhouse murmelte nur etwas Unverständliches, ob das mit dem Militär denn wirklich hätte sein müssen, er könne die überstürzten Handlungen seines jungen Schwagers absolut nicht nachvollziehen, aber ein kurzer Blick seitens seiner Schwiegermutter brachte ihn rasch zum Schweigen.
Bevor das Dessert zum Schluss aufgetragen wurde, erhob sich Sir Thomas und nahm sein Glas in die Hand: „Werte Gäste, liebe Familie! Die unliebsamen Ereignisse und Verwicklungen der letzten Wochen haben sich heute glücklicherweise zu unser aller Zufriedenheit lösen lassen. Wir begrüßen noch einmal auf das herzlichste Mr. Darcy und seine reizende Schwester Georgiana in unserem Haus und ich darf dies hier und heute so sagen, in unserer Familie, denn ich kann mit großer Freude verkünden, dass sich Jonathan und Miss Georgiana darauf verständigt haben, den Bund fürs Leben einzugehen, dies allerdings erst, wenn Jonathan seine Offiziersausbildung beendet hat. Deswegen gibt es auch keine große, öffentliche Verlobung, uns allen soll es genügen, wenn nun beide vor uns bezeugen, dass sie bereit sind, zwei Jahre lang aufeinander zu warten und danach, nach einer wahrscheinlich sehr, sehr kurz bemessenen offiziellen Verlobungszeit, den Gang zum Altar zu wagen. Bist du bereit, dieses Versprechen Miss Georgiana Darcy zu geben, Jonathan?"
Der junge Mann stand mit gesenktem, hochrotem Kopf auf und nickte.
Der Vater blickte ihn streng an: „Jonathan, ich höre nichts!"
Dieser atmete tief durch, hob seinen Kopf ein klein wenig und schaute Georgiana an, die wie gelähmt auf ihrem Stuhl saß: „Ja, dazu bin ich bereit!"
Sir Thomas grinste zufrieden, dann machte er eine auffordernde Handbewegung in Richtung von Mr. Darcy. Fitzwilliam erhob sich sehr langsam von seinem Stuhl. Georgiana tat es ihm gleich, obwohl sie nun am liebsten im Erdboden versunken wäre.
Mit gemessenem Schritt kam ihr Bruder auf sie zu, nahm ihre Hand in die seine und fragte dann: „Georgiana, bist auch du bereit, dieses Versprechen Mr. Jonathan Gainsworth zu geben?"
Ein sehr leises, kaum zu vernehmendes „Ja, dazu bin ich gerne bereit" kam ihr von den Lippen.
Fitzwilliam schob ihren Arm unter den seinen und geleitete sie daraufhin zur anderen Tischseite, wo Jonathan mit angehaltenem Atem auf sie wartete. Dieser verbeugte sich sehr galant, nahm ihre Hand auf und hauchte einen kurzen, unverfänglichen Kuss darauf.
Während die Familie leicht Beifall klatschte, polterte unvermutet Sir Thomas los: „Nein, also wenn sie schon das große Opfer bringen, die beiden, und eine so lange Wartezeit in Kauf nehmen, dann sollten wir ihnen wenigstens heute in diesem kleinen Kreis einen weniger formellen Kuss erlauben!"
Der wohlwollende Beifall endete abrupt mit diesem Vorschlag, alle starrten den Baronet mit offenem Mund an. Mrs. Woodhouse hielt sich entsetzt die Hand vor den Mund, Lady Mabel funkelte ihren Gatten erbost an, nur Mr. Woodhouse, Mr. Darcy und Sir Thomas waren die Ruhe selbst. Sir Thomas blickte auf seinen Gast.
Fitzwilliam nickte zustimmend und versuchte, die Ungeheuerlichkeit des Vorschlags abzumildern: „In Anbetracht der wirklich besonderen Umstände, denke ich, spricht nichts dagegen, dies hier und heute einmal zu gestatten. Ladies, ich appelliere an Ihren Sinn für Romantik und da wir alle anwesend sind, sehe ich keine Gefahr für Sitte und Anstand."
Er lächelte relativ entspannt und ermunterte Jonathan damit ungemein. Georgiana stand stocksteif neben ihrem inoffiziellen Verlobten und hatte einen enormen Kloß im Hals. Es würde doch nicht ernsthaft dazu kommen, dass sie Jonathan hier vor allen Leuten küssen musste? Doch sie sah bereits das Gesicht von Jonathan auf sie zukommen, sie schloss einfach die Augen und war bereit, sofort in eine Ohnmacht zu versinken, falls diese sie heimsuchen würde. Sie spürte den Hauch seines warmen Atems an ihren Lippen, dann streiften seine Lippen die ihren, sie glaubte, in einen Schmelzofen geraten zu sein, sie vergaß alles um sie herum und wollte wieder so ein Erlebnis wie am Nachmittag, doch Jonathan hatte glücklicherweise seinen Kopf nicht ganz abgeschaltet und der Kuss fiel knapp und keusch aus. Sie riss die Augen wieder auf, weil sie fühlte, dass sie ganz alleine am Tisch stand. Jonathan war bereits wieder auf angemessene Distanz gegangen, ihr jedoch brannten die Wangen wie von tausend Flammen. Die Anwesenden hatten nun zwar nicht mehr geklatscht, aber sie lächelten alle und prosteten sich gegenseitig zu.
