Der Tag danach I- Smallville

Martha Kent sah ihrem Sohn zu, als er schweigend seinen Kaffee trank, das Frühstück aber unberührt ließ, was eher ungewöhnlich war, denn normalerweise schlug er ein gutes Landfrühstück nicht einfach aus- und es schien ihr nicht sehr wahrscheinlich, dass er nur für Kaffee vor der Arbeit nach Hause gekommen war, zumal er mittlerweile ein Appartement in Metropolis hatte.

Sie sah, dass er mit seinen Gedanken weit entfernt zu sein schien und fragte sich, was er auf dem Herzen hatte- denn das er das hatte, war für sie offensichtlich.

„Clark… Was ist los mit dir? Du hast doch irgendetwas."

Langsam stellte er seine Kaffeetasse hin und sah seine Mutter an, die ihm gegenüber saß und ihn mit diesem „Und tu gar nicht erst so, als wäre alles in Ordnung" Blick musterte.

„Mom, ich will dir die ganze Zeit schon ein paar Dinge sagen, aber ich weiß einfach nicht, wo ich anfangen soll." Er seufzte und Martha ließ ihm die Zeit, die er brauchte, um seine Gedanken zu sortieren.

„Ich bin hier aufgewachsen, die Erde ist mein zu Hause, ich kenne kein anderes und heute weiß ich nicht mehr, warum ich nach Krypton gehen oder eher… die traurigen Überreste mit eigenen Augen sehen musste. Manchmal glaube ich, dass es nicht einmal das war, sondern eher eine Flucht vor meinem Leben hier… Jor-El konnte mir nicht oft genug sagen, dass ich als ein Mensch aufwachsen, aber nie einer sein werde. Dabei hat er aber anscheinend nicht bedacht, dass ich auch wie ein Mensch fühlen würde…"

Martha sah ihn an und der gequälte Ausdruck in seinen Augen schnitt ihr ins Herz. „Daran ist aber nichts Falsches, Clark. So zu fühlen. Deine Eltern haben dich auf die Erde geschickt, weil sie dich liebten und ich kann mir nicht vorstellen, dass sie nicht wollten, dass du hier auch glücklich bist."

Der Damm brach und Clark erzählte von seiner Beziehung zu Lois, dass er für sie seine Kräfte aufgegeben hatte und es nach der Invasion durch die drei kriminellen Kryptonier bitter bereuen musste, wie er sie wieder zurück erlangte und damit seine Entscheidung gegen die Liebe seines Lebens traf, ihr daraufhin die Erinnerung an die gemeinsame Zeit nahm und kurze Zeit später nach Krypton aufbrach.

Martha hatte ihm zugehört, ohne ihn zu unterbrechen, doch jetzt, als er geendet hatte und mit hängendem Kopf vor ihr saß, wollte sie ihren Teil dazu sagen.

„Ich halte das für falsch." Sein Kopf ruckte hoch.

„Ihr die Erinnerung zu nehmen? Ja, ich weiß, dass das-"

„Ja, das auch, Clark! Und ich halte es für falsch, alles, was Jor-El und Lara dir gesagt haben, als unverrückbare Wahrheiten anzusehen. Ich bin sicher, sie wollten nur das Beste für dich, aber sie sind lange tot, Clark und sie haben das Leben auf der Erde nie kennen gelernt. Du musst hier dein Leben leben und Eltern können nur beratschlagen, aber nicht das gesamte Leben ihrer längst erwachsenen Kinder bestimmen, egal, von welchem Planeten sie kommen. Warum meinte Jor-El, du könntest nicht beides haben? Deine Kraft und die Frau, die du liebst?"

Clark sah sie nur an und ließ ihre Worte in sich nachklingen. „Ich… habe nie gefragt. Nach dem warum…"

„Richtig, du hast nicht hinterfragt. Für mich klingt das ein bisschen… zölibatär, weißt du? Aber wenn du glaubst, es spräche im Grunde nichts dagegen, dann tu, was immer du für gut und richtig hältst. Es ist dein Leben, Clark. Und deine Entscheidungen. Als Jor-El und Lara diese Kristalle für dich programmierten, da haben sie vielleicht einfach vergessen, dazu zu programmieren, dass Eltern irgendwann auch loslassen müssen… Und dass Kinder irgendwann auch Entscheidungen für sich treffen, die nicht ihren Erwartungen an sie entsprechen. Aber damit müssen Eltern leben, egal ob irdische oder kryptonische, das ist meine Meinung dazu."

Clark brauchte eine Zeit, um sich zu sammeln. „Mom… du ahnst nicht, wie sehr du mir damit geholfen hast… Ich habe das nie auf diese Art betrachtet, ich dachte einfach immer nur, dass… sie einfach Recht haben müssen und es… na ja, es zu gefährlich wäre, wenn Superman so etwas wie eine Familie hat, dass sie zum Ziel würde für die, die ihn bekämpfen und…"

Martha lächelte ihn an. „Nun, Superman kann sicher keine Familie haben. Aber Clark Kent kann eine haben. Wenn du schon unbedingt von dir in der dritten Person sprechen musst, dann sieh es doch so: Superman ist die Kraft, die Macht, die Fähigkeiten, das Symbol. Und Clark Kent ist der Mann, den dein Vater und ich großgezogen haben…"

„Clark Kent hatte eine Familie, also außer dir und Dad… Aber er hat's vermasselt, indem Superman nach Krypton fliegen musste…"

„Clark…"

„Ich habe Lois' Leben ruiniert, Mom!"

„Schatz, sie hat ihr Leben weiter gelebt, sie ist verlobt und hat ein Kind, aber das kannst du ihr nicht verdenken, schließlich warst du derjenige, der entschieden hat, ihr ihre Erin-"

„Die Verlobung ist gelöst und das Kind ist von mir!"

Martha wurde blass. „Er ist dein Sohn?! Aber natürlich, seine Augen… Ich habe sie vor dem Krankenhaus gesehen…" Sie sah ihn nun direkt an. „Clark, wie konntest du gehen, ihr das Gedächtnis löschen, wenn-"

„Ich wusste es nicht! Hätte ich es gewusst, wäre ich nie gegangen!"

„Was willst du jetzt tun?"

„Ich weiß es noch nicht. Natürlich werde ich mich um sie beide kümmern, aber Lois liebt Superman, nicht Clark. Und wie du schon so passend sagtest: Superman kann keine Familie haben und Clark steht für sie nicht zur Diskussion. Also bleibt alles, wie es ist… Trotzdem hat es mir wirklich geholfen- das, was du gesagt hast."

„Oh, Clark…" Martha sah ihn traurig an, dennoch hielt sie sich an ihre eigenen Grundsätze. Sein Leben, seine Entscheidungen…

Der Tag danach II- Daily Planet

Lois hatte Kopfschmerzen, als sie sich an diesem Morgen in ihren Schreibtischstuhl sinken ließ. Sie hatte nicht einschlafen können, frühstücken sowieso nicht und jetzt zahlte sie die Rechnung dafür.

Irgendwie kam es ihr in einem Anfall von Selbstmitleid momentan so vor, als würde sie seit über 5 Jahren für irgendetwas bezahlen… Aber das war ungerecht und sie wusste es. Und ganz besonders Jason war ein Geschenk! Sie musste mit ihm über so viele Dinge sprechen…

Der Junge war zwar wirklich clever für sein Alter, aber Himmel, er war noch keine 6 Jahre alt und sie musste mit ihm in allernächster Zukunft Themen besprechen wie „Daddy ist nicht dein richtiger Vater," „Mom und Daddy werden von nun an nicht mehr in einem Haus wohnen," „Dein richtiger Dad ist ein Außerirdischer," und „Dein richtiger Dad führt ein Doppelleben, aber hey, kein Grund zur Sorge, das hat Arnold Schwarzenegger in True Lies auch gemacht…"

Großartig!

Sie war froh, dass heute Freitag war und sie an ihren laufenden Artikeln nur noch die Feinarbeit machen musste und ihr Hauptartikel seit gestern auf Perrys Schreibtisch lag; er sollte in die heutige Abendausgabe.

Verstohlen sah sie zu Clarks Schreibtisch herüber, er schien schwer beschäftigt zu sein, zumindest tippte er mit atemberaubender Geschwindigkeit auf seiner Tastatur herum, man könnte sogar fast sagen… superschnell?!

Jetzt bilde dir nichts ein! ermahnte sie sich streng. Perry hatte immer schon gesagt, er wäre der schnellste Schreiber des Daily Planet und Himmel, wirklich ungewöhnlich war diese Geschwindigkeit nun auch wieder nicht.

Andererseits stimmte das Profil, die Nase… Mein Gott, er musste es sein. Wie konnte ihr das die ganze Zeit entgangen sein?!

Oh nein, Lane, es ist dir nicht die ganze Zeit entgangen, du musst es vorher schon mal raus gefunden haben, denk an das, was er gesagt hat…

Was sie nicht gesehen hatte war, dass Clark seinerseits in ihre Richtung gesehen hatte, ehe sie sich zu ihm umgedreht hatte.

Er fühlte sich so schlecht, wie sie heute aussah, insbesondere, weil er wusste, dass er dafür verantwortlich war. Er versuchte, die Gedanken daran zumindest hier und jetzt abzuschütteln und konzentrierte sich auf seine Arbeit- bis 12 Uhr wollte Perry den Artikel auf seinem Tisch haben.

Es war Zufall, als Lois ausgerechnet in dem Moment wieder zu Clark hinüber sah, als dieser abrupt aufhörte zu schreiben und den Kopf mit einem Blick hob, den sie nicht sofort einordnen konnte, ehe er seinen Stuhl zurückschob, aufstand, und-

„Oh, hey L-Lois, ich wollte mal eben zum Starbucks, schätze, ich könnte einen richtigen Kaffee brauchen, willst du auch einen?"

Aus dem Augenwinkel heraus bekam sie mit, wie über einen der Monitore, die im Büro hingen, die neuesten Nachrichten kamen. Eine Gasexplosion in einem großen, bewohnten Gebäude…

„Klar… Und bring mir bitte 'ne Packung Kopfschmerztabletten mit…"

„Okay…" Und wieder einmal war Clark Kent verschwunden…

Sie wandte sich nun ganz den Nachrichten zu und zählte im Geiste Fünf, vier, drei, zwei, eins…

Aufgeregt deutete der Fernseh-Reporter vor Ort nach oben „Superman erreicht soeben das Gebäude…"

Sie verfolgte die gesamte Aktion, sah, wie die Situation dank der zusätzlichen Hilfe schnell unter Kontrolle gebracht und sämtliche Menschen, die sich noch in dem Gebäude befunden hatten, herausgeholt werden konnten und wie Superman, nachdem die Flammen komplett erstickt waren, noch kurz mit dem Einsatzleiter der Feuerwehr sprach, ehe er die Szene verließ.

Wieder begann sie die Sekunden zu zählen Bei Starbucks Kaffee kaufen, Kopfschmerztabletten besorgen, fünf, vier, drei, zwei, eins…

Clark stolperte aus dem Aufzug, in der Hand zwei Becher Kaffee. Er kam zu ihr, reichte ihr einen und zog aus der Tasche seines Jacketts eine Packung Kopfschmerztabletten.

„Hat etwas gedauert, es, äh, war ziemlich… v-voll da."

Sie sah ihn nur an und dachte Wenn man bedenkt, dass in dem Gebäude noch ziemlich viele Leute waren, dann ist das noch nicht mal eine Lüge… Mistkerl!

„Danke…" Sie nahm den Kaffeebecher und die Kopfschmerztabletten, als sie Perry hörte, der seinen Kopf, der ein bedrohlich hypertones rot angenommen hatte, aus seiner Tür streckte.

„LANE!!! BÜRO!!!"

Sie verdrehte die Augen. „Ich hoffe, er ist noch heiß, wenn ich zurückkomme…"

Clark verzog das Gesicht zu einem schiefen Grinsen, als ob er das nicht unbedingt erwarten würde und trollte sich schleunigst an seinen Schreibtisch.

Perry tobte und tigerte in seinem Büro auf und ab, während er sich lautstark darüber aufregte, dass Lois nicht vor Ort war, doch sie bekam eh nur die Hälfte von dem mit, was er sagte.

Clark hat blaue Augen…

„Nennen Sie mir einen vernünftigen Grund, warum Sie nicht da waren!"

Ich musste eine Theorie testen…

„Ist Ihnen klar, dass uns dadurch eine gute Schlagzeile flöten gegangen ist?!"

Eine Brille…

„Hören Sie, es ist mir egal, was Sie in letzter Zeit für ein Problem mit dem Thema zu haben scheinen, für mich zählt nur…"

Eine lächerliche, blöde BRILLE hat mich die ganze Zeit über getäuscht?!

„…Zeitungen zu verkaufen…"

Ein bisschen Gestotter…

„…Auflage steigern…"

Die unsichere Art…

„…doch nicht einfach so den Nachrichten zusehen, ohne…"

Eine andere Frisur…

„MISS LANE! Hören Sie mir überhaupt zu???"

Sie sah Perry nun direkt an und nicht mehr durch ihn hindurch.

„Chief, mir platzt der Schädel, ich habe letzte Nacht nicht geschlafen, bisher noch keinen anständigen Kaffee gehabt und meine laufenden Artikel noch immer nicht komplett überarbeitet! Soweit ich weiß, arbeiten hier auch noch andere Reporter außer mir, warum muss nur ich dauernd springen, wenn es um Superman geht? Einer meiner Artikel zu dem Thema erscheint heute Abend, ich habe das erste Interview nach seiner Rückkehr bekommen und zudem war die ganze Geschichte am anderen Ende von Metropolis! ICH kann nicht fliegen!"

Perry öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Erst jetzt sah er die dunklen Schatten um ihre Augen. Richard hatte heute Morgen nicht viel besser ausgesehen.

Er wechselte vom dienstlichen „Sie" zum familiären „Du".

„Ist… bei Richard und dir alles in Ordnung?"

„Wir haben uns getrennt."

„WAS? Aber…"

„Perry, bitte. Das ist wirklich privat und ich will ganz sicher nicht hier und jetzt darüber reden, okay?"

Er schwieg einen Moment und nickte dann. „Okay… Dann… schick mir deine Artikel so schnell es geht, nimm eine Kopfschmerztablette und dann geh nach Hause und leg dich hin, ja? Weiß… ich meine nur… Was ist mit Jason?"

„Wir werden es ihm erklären."

„Oh… natürlich… Natürlich. Also… die Artikel und dann… Bis Montag dann."

Lois nickte nur und verließ sein Büro.

„Es gibt nichts Schlimmeres als lauwarmen Kaffee," murmelte sie und verzog das Gesicht, als sie den ersten Schluck genommen hatte. „Egal, immerhin ist Coffein drin."

Sie sprach mehr mit sich selbst, als das sie ihr Gemurmel an irgendwen gerichtet hätte und zuckte erschrocken zusammen, als ihr von hinten jemand auf die Schulter tippte. Sie wirbelte herum.

„Richard! Du hast mich erschreckt…" Sie sah seinen verwirrten und leicht verletzten Gesichtsausdruck und fügte hinzu „Ich war nur in Gedanken und vor allem… muss ich jetzt endlich diese Kopfschmerztablette nehmen, sonst drehe ich durch."

„Kann ich dich ein paar Minuten allein sprechen?" Er deutete mit dem Kopf zu seinem Büro.

Sie seufzte innerlich. Nicht noch mehr Komplikationen, das konnte sie jetzt wirklich nicht auch noch gebrauchen.

„Ja, sicher." Sie spülte eilig zwei Tabletten mit dem nun kalten Kaffee herunter, schüttelte sich und folgte ihm in sein Büro.

„Ich wollte dich fragen, ob du etwas dagegen hast, wenn ich Jason übers Wochenende mitnehme. Ich wollte wegfahren, ein bisschen andere Luft atmen und es wäre wichtig für mich wegen einiger Entscheidungen, die ich zu treffen habe und-"

„Du musst dich nicht rechtfertigen, Richard. Natürlich kannst du ihn mitnehmen. Aber… von was für Entscheidungen sprichst du?" Sie war nicht sicher, ob sie das hören wollte.

„Dazu will ich jetzt noch nichts Konkretes sagen. Ich will einfach nur ein Wochenende mit ihm verbringen, ehe wir mit ihm sprechen. Über die Trennung meine ich. Und darüber, wie es weitergehen wird."

Sie senkte den Kopf. „Gut, das verstehe ich…" Das tat sie wirklich, aber die Aussicht auf ein ganzes Wochenende alleine in diesem großen Haus stimmte sie auch nicht gerade froh. Und was noch schlimmer war- allein mit ihren Gedanken und Gefühlen!

„Okay, dann hole ich ihn später von der Schule ab und wir sehen uns dann Sonntagabend, ja?"

Sie nickte nur, machte den Versuch, tapfer zu lächeln und verließ dann das Büro. Wieder an ihrem wie immer chaotisch aussehenden Schreibtisch angekommen wurde ihr klar, dass sie heute nicht eine vernünftige Zeile mehr würde schreiben können, also schickte sie ihre Artikel an Perry, ohne sie noch mal durchzusehen und fuhr ihren Computer herunter.

Clark schaute unsicher auf, als sie ihre Tasche nahm. „L-lois, du gehst schon?!"

„Ja, ich muss mich hinlegen. Und dann noch etwas erledigen."

„Oh… Ja, also dann… gute B-besserung."

„Danke…"

Sie sagte nichts weiter und verließ das Büro, nicht jedoch, ohne vorher einen Abstecher in die Personalabteilung zu machen und sich die neue Adresse von Clark Kent geben zu lassen, vorbei sie vorgab, ihm später noch dringend etwas bringen zu müssen, was mit einer Story zusammenhing, an der sie beide arbeiteten, leider würde sie diese aber erst nach Büroschluss haben, da sie sich noch mit einem Informanten treffen müsste…

Sie bekam die Adresse und draußen angekommen lächelte sie grimmig.

So, Mr. Kent! Sieht so aus, als müssten wir beide uns dringend mal unterhalten…