Als man zum Haus zurückkehrte, hatte man bereits Fackeln und Lampen entzündet, die alles in ein festliches Licht tauchten. Mrs. Reynolds hatte sich zu einem sehr ungewöhnlichen Schritt entschlossen, und das Essen so arrangiert, wie es bei größeren Dorffesten oftmals üblich war. Allerdings hatte man so auf Pemberley noch niemals zuvor gespeist, es war ein völliges Novum. Auf mehreren Tischen hatte man die Beilagen in Schüsseln und auf Platten verteilt. Es gab vielerlei gekochtes Gemüse wie Steckrüben, Karotten, Erbsen, Bohnen, aber auch sauer eingelegtes wie Rote Beete oder Gurken. Frisches Brot zuhauf, aber auch Kartoffeln.
Dann war jeder angehalten, sich einen Teller zu nehmen und mit diesem die Runde zu machen und sich aufzutun, was einem beliebte. Natürlich ging es zuerst zu den Spanferkeln an das Feuer, wo man sich eine ordentliche Portion Fleisch abholte. Mr. Darcy zog zunächst in großem Zweifel über die befremdlichen Tischgewohnheiten seine linke Braue steil nach oben. Derartiges kannte er nur vom Frühstück und selbst da wurde ihm üblicherweise sein Teller gefüllt gereicht. Dann aber fand er schnell Gefallen an dieser außergewöhnlichen Einrichtung.
Er
schmunzelte, als er sein Fleisch konzentriert über die Terrasse
balancierte: „Eine ziemlich Personal sparende Variante des Dinners.
Wenn wir das von nun an immer so handhaben, kann ich die Hälfte
meiner Leute entlassen. Sir Thomas, was halten Sie davon?"
"Nun,
es ist mal etwas ganz anderes, zugegeben, man hat seinen Spaß
daran,
aber als Dauereinrichtung wäre es nichts für mich. Ich bin
es wohl zu sehr gewohnt, bedient zu werden. Vielleicht aber setzt
sich das irgendwann einmal in Zukunft durch, wer weiß. Nur, die
Zeit scheint mir dafür noch nicht reif."
Alle stimmten nickend mit Sir Thomas überein. Die hergerichteten Feuerschalen und Fackeln trugen dazu bei, dass man sich länger auf der Terrasse aufhalten konnte, als dies üblicherweise zu dieser Jahreszeit der Fall war. Doch kurz nach dem Essen wurde es dann doch zu frisch und man musste ins Haus, in den Salon, hinein gehen.
Als der Kaffee gereicht werden sollte, erhob sich Elizabeth und öffnete die Tür. Mit wichtiger Miene schob Mrs. Reynolds eine Torte gewaltigen Ausmaßes herein, auf den unteren beiden Etagen mit jeweils zehn Kerzen dekoriert, nur auf der oberen Etage waren es lediglich acht. Alle schauten verblüfft auf das Kunstwerk. In Elizabeths feiner Handschrift stand auf dem Tortenrand in gefärbter Zuckerschrift „Meinem lieben Fitzwilliam!"
Dieser stand fassungslos vor dem zuckerbäckerischen Prachtstück und fühlte, wie ihm die Tränen in die Augen stiegen. Er hatte alle Mühe, seine Gefühle vor den Gästen zu verbergen.
Bewegt biss er sich daher schnell auf die Lippen, tauschte einen Blick voller Glut und Leidenschaft mit Elizabeth und war dann endlich in der Lage, sich zu äußern: „Das war in der Tat ein Tag voller Überraschungen. Ich war auf eine so wunderbare, stimmungsvolle und überaus gelungene Feier nicht gefasst. Und ich muss sagen, dass solche Tage sehr gehäuft auftreten, seit ich meine wundervolle, geliebte Frau kenne. Was mir zu meinem großen Glück gereicht. Ein sehr schöner Tag war der unserer Verlobung in Hertfordshire. Ich dachte damals, dass man kaum noch glücklicher würde sein können. Aber der Hochzeitstag und die ersten Tage als Ehepaar übertrafen das natürlich noch um einiges. Und dann der Tag, als ich mit Elizabeth an meiner Seite auf Pemberley eintraf. Ich empfand es als persönlichen Triumph, ich weiß, es hört sich sehr Besitz ergreifend an, aber so meine ich es natürlich nicht. Ich dachte an diesem Tag auch ausgiebig an meine Mutter und meinen Vater und wie sehr es ihnen gefallen hätte, diese junge Frau als Schwiegertochter zu haben. Als wir schließlich an Ostern erfahren hatten, dass ein Kind unterwegs ist, war dies mein allergrößte Freude. Dass auch meine Schwester nun ihr persönliches Glück gefunden zu haben scheint, ist auch für mich eine schöne Erfahrung, denn das ist es, was ich ihr in erster Linie wünsche. Und mir eine so glanzvolle Geburtstagsfeier zu bereiten, ist in der Tat ein weiterer, unglaublicher Höhepunkt im Laufe eines ganzen Jahres. Ich danke allen von Herzen, am meisten jedoch einer ganz besonderen Person – meiner liebsten Elizabeth!"
Er ergriff ihre Hand und küsste diese zärtlich. In Anbetracht des Besuches wagte er keine kühneren Dinge. Aber sein feuriger Blick sprach dabei Bände. Sir Thomas erhob sich und verneigte sich artig vor der Dame des Hauses, gleiches tat sein Sohn. Dann wurde die prachtvolle Torte angeschnitten. Mrs. Reynolds hatte einen Lakaien zur Bedienung abgestellt, dieser reichte nun den Gästen und der Herrschaft die Kuchenteller. Ganz kurze Blicke tauschten Georgiana und Jonathan, sie dachten beide an ihr zukünftiges, gemeinsames Leben und ob es wohl auch so voller ungetrübtem Glück sein würde.
Um diese Uhrzeit hielt Jane in Netherfield bereits ihre neugeborene Tochter im Arm. Bis es soweit gewesen war, hatte sie aber lange Stunden der Qual erdulden müssen. Die Geburt war sehr langsam vorangeschritten und hatte Jane viel Kraft geraubt. Am späten Nachmittag war sie von den schmerzhaften, aber bedauerlicherweise nur wenig effektiven Wehen bereits völlig zermürbt gewesen. Die Hebamme hatte ihr dann ein Schmerzmittel eingeflößt, das zwar den Schmerz erträglicher werden ließ, dafür aber auch die Wehentätigkeit drosselte. Der kurzfristig hinzugezogene Arzt besprach sich mit der Hebamme und man wurde sich einig, dass man der Gebärenden noch drei Stunden einräumte, dann würde man das Kind mit der Geburtszange holen müssen. Mrs. Bennet schlug jammernd die Hände über dem Kopf zusammen, während Jane mittlerweile alles egal war, sie bekam nicht einmal richtig mit, was da genau passieren sollte.
Der Arzt konsultierte den werdenden Vater in seiner Bibliothek, wo dieser vorgab, ein Buch zu lesen, in Wirklichkeit aber kaum mehr als fünf Seiten in der vergangenen Stunde umgeblättert hatte.
„Doktor Headley, was bringen Sie für Nachrichten?"
„Nun, ziemlich indifferente, ich möchte ehrlich zu Ihnen sein, Mr. Bingley. Die Geburt geht nur schleppend voran und ich bin mir mit der Hebamme einig, dass wir gegebenenfalls das Kind mit einer mechanischen Vorrichtung werden holen müssen."
Charles Bingley wurde kreidebleich im Gesicht: „Mit… mit was? Einer mechanischen Vorrichtung? Du liebe Zeit, das klingt sehr… sehr Furcht einflößend. Ich bin mir nicht sicher, ob ich es verstehen werde, aber versuchen Sie bitte, es mir zu erklären."
Der Doktor setzte an: „Wenn die Geburt sich noch lange hinzieht, wird Ihre werte Gattin keine Kraft mehr haben, um das Kind auf die Welt zu bringen. Sie kann wegen ihrer großen Erschöpfung den dafür nötigen Druck nicht ausüben. Würden wir das alles der Natur überlassen, wäre die Wahrscheinlichkeit groß, dass das Kind das nicht überleben würde."
Charles Bingley sprang aufgeregt vom Stuhl auf, doch der Doktor bedeutete ihm mit einer ruhigen Geste, sich wieder hinzusetzen und fuhr fort: „Damit dies aber nicht geschieht, gibt es die so genannte Geburtszange, das ist eine Metallkonstruktion, die um den Kopf des Kindes gelegt wird, es ergreift gewissermaßen das Köpfchen und man kann es damit aus dem Mutterleib herausziehen. Das tut dem Kind gewiss kaum weh und der Mutter nur unwesentlich in dem Moment. Ihre Frau hat bereits ein Schmerzmittel erhalten und wird daher nicht sehr leiden, falls dies tatsächlich zur Anwendung kommt."
„Doktor,
dies klingt ganz und gar nicht erbaulich in meinen Ohren. Heißt
das, dass das Leben des Kindes in Gefahr ist?"
"Nun ja, die
Möglichkeit besteht, ich will ehrlich sein."
Charles raufte sich die Haare: „Und wie sieht es mit meiner Frau aus?"
„Sie ist sehr schwach, aber es besteht keine direkte Gefahr für ihr Leben."
„Wird sie diese Sache mit der… der Zange, wie sie sagen, gut überstehen?"
„Im Allgemeinen ja, es wird aber im Augenblick des Eingriffs sehr unangenehm und trotz Schmerzmittel sehr schmerzhaft sein. Da bin ich ganz ehrlich, Mr. Bingley."
„Dafür danke ich Ihnen sehr, aber es macht mir große, sehr große Sorgen. Und Sie sind sicher, das Kind damit retten zu können?"
„Sicher kann man nie sein. Aber es ist eine große Chance, alles zu einem guten Ende zu bringen, das auf alle Fälle."
„Nun gut. Was hat Jane, ich meine, meine Frau dazu gesagt?"
„Ich gehe davon aus, dass sie nicht so recht mitbekommen hat, was da eventuell auf sie zukommt. Aber noch besteht die Chance, dass wir zu der erwähnten Maßnahme gar nicht greifen müssen. In etwa drei Stunden werden wir dann endgültig entscheiden."
„Ich danke Ihnen, dass Sie mich so schonungslos über die Lage aufgeklärt haben. Meine Angst um Mutter und Kind ist unermesslich groß, aber ich hoffe und bete, dass die Sache einen guten Ausgang nimmt. Und mit Ihrer Hilfe, Doktor, ist uns sicher sehr gedient."
Charles sank wie ein Häufchen Elend in sich zusammen, als der Doktor gegangen war. Er legte den Kopf ermattet auf die Schreibtischplatte und spürte die Verzweiflung in Form von heißen Tränen in sich aufsteigen. Er schlug mit beiden Fäusten auf den Tisch und gab einen jammervollen Laut von sich, der den Schmerzensschreien von Jane kaum nachstand.
Es ging einfach nicht so voran, wie sich das alle gewünscht hatten. Von dem Schmerzmittel benommen und von den langen Stunden in den Wehen völlig erledigt, war die Gebärende sogar für ein Weilchen eingeschlafen. Dr. Headley und die Hebamme beschlossen, zu handeln. Auch Mrs. Bennet und alle weiteren Frauen wurden aus dem Zimmer gewiesen. Der Doktor packte die Zangenvorrichtung aus seiner Tasche, während die Hebamme dicke Kissen und mehrere Laken unter den Unterleib von Jane schob. Da es schon dunkel wurde, musste man das Geschehen mit unglaublich vielen Leuchtern erhellen, was eine große Hitze verursachte und allen den Schweiß auf die Stirn trieb.
Dann steckte die Hebamme Jane ein dickes Stück Leder in den Mund und bedeutete ihr, mit den Zähnen drauf zu beißen. Diese riss nur entsetzt die Augen auf und wollte sich wehren, doch die Hebamme hielt sie mit eisernem Griff fest. Der Arzt führte das Instrument ein, was Jane zu einem gellenden Schrei veranlasste, der das gesamte Haus erschütterte, was aber der Hebamme Gelegenheit gab, ihr das Leder zwischen die Zähne zu drücken. Darauf biss sie nun und wimmerte ganz entsetzlich. Da sie nun aber durch den Eingriff wieder etwas wacher war, überkam sie eine ordentliche Wehe und die nahm der erfahrene Arzt zum Anlass, um am Kind zu ziehen. Die Hebamme drückte gleichzeitig fest auf den Bauch der Schwangeren. Diese heulte auf wie ein geschundenes Tier.
Man gönnte sich die Wehenpause zum kurzen Verschnaufen, die hunderte von Kerzen verbreiteten eine höllische Hitze. Bei der nächsten Wehe die gleiche Prozedur. Jane schrie wie am Spieß, trotz des Lederröllchens im Mund. Doch der Arzt machte Mut: „Nur weiter, Mrs. Bingley, ich glaube, beim nächsten Mal dürfte es geschafft sein. Ich sehe bereits ein entzückendes Köpfchen."
Die Hebamme hielt sie an beiden Schultern und als sie beim Nahen der nächsten Wehe anfing zu stöhnen, drückte sie ihr den Kopf auf die Brust, damit mehr Druck nach unten ausgeübt wurde. Jane wollte nur noch sterben. Der Arzt jedoch rief: „Wunderbar!" Dann ließen Druck und Schmerzen nach und etwas quäkte wie ein kleines Fröschlein. Ein weiteres schreckliches Ziehen, und das Quäken wandelte sich zu einem Laut, den ein rolliger Kater im Allgemeinen von sich gab. Der Arzt hielt ein krebsrotes Bündel nach oben und grinste die Hebamme an: „Sagen Sie Mrs. Bingley, dass sie eine Tochter hat."
Die Hebamme nahm dem Arzt das Kind ab, dieser durchtrennte die Nabelschnur, nachdem er sie zweimal abgebunden hatte. Dann wickelte die Hebamme das Neugeborene sofort fest in einige Laken und wischte über das winzige, verschmierte Gesichtchen. Das katzenähnliche Weinen schwoll wieder an.
Sie packte das Kind sicher in das Bett an die Seite der Mutter, die aber einfach zu benommen war, um es wahrzunehmen. Der Arzt wartete noch geduldig auf die Nachgeburt, während die Hebamme Mrs. Bennet wieder hereinbat: „Mrs. Bennet, Sie haben eine Enkeltochter. Das Kind scheint bei guter Gesundheit zu sein, Ihre Tochter hingegen ist sehr mitgenommen. Wir hoffen, dass sie kein Fieber bekommt. Die Wahrscheinlichkeit ist um einiges höher, leider, nach so einem Eingriff."
Doch Mrs. Bennet konnte trotz aller Sorge um ihre Tochter so weit denken, dass sie zur Hebamme sagte: „Ich komme sofort, aber Sie werden verstehen, dass ich zuerst meinen Schwiegersohn von seiner Ungewissheit erlösen und ihm die freudige Nachricht überbringen muss."
Sie eilte nach unten, wo sie von Jones in die Bibliothek geführt wurde. Charles blickte sie mit rotgeränderten Augen an: „Ich habe sie schreien hören. Es war furchtbar. Ich habe mich so elend und machtlos gefühlt. Warum muss diese zarte, schöne, elfengleiche Frau so schrecklich leiden. Sie hat es nicht verdient."
Mrs. Bennet war zutiefst erschrocken über den Zustand ihres Schwiegersohnes. Sie trat an ihn heran und wagte zum ersten Mal eine sehr vertrauliche Geste und eine vertrauliche Anrede. Sie strich ihm über sein welliges Haar: „Charles, ich gebe dir Recht. So etwas hat sie nicht verdient. Aber – sie hat es überstanden und euer Kind ist nun da."
Er schaute auf und schniefte: „Wie bitte?"
„Es ist alles gut gegangen, das Baby ist da. Zwar musste der Doktor die Zange benutzen, aber nun ist es überstanden."
„Was…
was ist es? Ein Mädchen? Ein Junge?"
"Wir gehen gemeinsam
zu ihr und schauen. Ich verrate es nicht."
Er stand auf, lächelte sehr zaghaft und bot seiner Schwiegermutter dann den Arm: „Bitte, Ma'am."
Und auf der Treppe fiel es ihm ein: „Oh Mrs. Bennet, Frau Mama, wissen Sie was mir gerade einfällt?"
„Nein, aber ich bin sicher, Sie werden es mir gleich sagen."
„Haben wir heute den 25. September?"
„Soweit
ich weiß schon."
"Dann hat das Kind zusammen mit
jemandem Geburtstag, den Sie auch gut kennen!"
„Ich? Nein, das muss ein Irrtum sein. Ich kenne niemanden, der heute Geburtstag hat. Wirklich."
„Doch, doch. Sie kennen den betreffenden Herrn. Recht gut sogar. Und – Sie sind gewissermaßen mit ihm verwandt."
„Ach Charles, treiben Sie keine Späße mit mir! Sie haben doch im Mai Geburtstag!"
„Es handelt sich nicht um mich! Es handelt sich um… nein, Sie müssen raten. Unbedingt!"
Doch dann war alles vergessen, denn sie waren im Schlafzimmer angekommen. Jane war etwas manierlicher hergerichtet worden, aber sie schlief. Der Arzt packte gerade seine Tasche. Die Hebamme hatte das Kind mit einer Elle gemessen, außerdem gewogen. Es maunzte noch immer und war recht am Protestieren. Dann kam sie mit dem eingeschnürten Bündel auf Mr. Bingley und seine Schwiegermutter zu: „Ich darf Ihnen von Herzen gratulieren. Sie haben eine gesunde Tochter, und sie ist, wenn ich anmerken darf, ein recht munteres Etwas. Sie hat, seit sie aus dem Mutterleib gekommen ist, noch nicht eine Minute Ruhe gegeben. Das dürfte eine anstrengende Kinderstube werden. Die Amme wird sicher auch gleich da sein, damit das Kind Nahrung erhält. Wem darf ich das Kind reichen?"
Mrs. Bennet streckte sofort verlangend ihre Arme aus, schüttelte aber im letzten Moment den Kopf und sagte: „Geben Sie die Kleine nur zuerst ihrem Vater. Er muss lernen, wie man ein Kind in den Armen hält."
So hatte Charles ganz plötzlich seine Tochter im Arm. Er hatte furchtbare Angst, dass er dem kleinen Wesen nicht gerecht werden konnte, dass er etwas falsch machen und dem Kind wehtun würde. Deswegen reichte er es schnell an Mrs. Bennet weiter: „Bitte. Ich… ich bin… ich muss das erst verarbeiten. An mir zittert alles. Nehmen Sie sie."
Mrs. Bennet übernahm das Baby mit Vergnügen, während Charles an das Bett von Jane eilte. Er war sehr mitgenommen über ihren erbarmungswürdigen Zustand. Er hielt ihre Hand und streichelte sie unentwegt.
Die Stimme seiner Schwiegermutter riss ihn aus seinen Gedanken: „Wie wird der Name des Kindes denn nun sein? Darüber herrschte ja bis zuletzt Unklarheit. Während Mr. Bennet schon mit den angedachten Namen des Nachwuchses von Elizabeth und Fitzwi… ähm, Mr. Darcy aus Pemberley zurückkehrte, war ja weder von Ihnen noch von Jane etwas zu vernehmen."
„Ja eben. Es ist ein großer Zufall, dass die Kleine hier am 25. September geboren wurde. Wie sind die weiteren Namen von Fitzwilliam, wissen Sie das?"
„Nein, ich glaube nicht. Wozu brau…" ihr blieben die Worte im Halse stecken, denn plötzlich fiel ihr ein, wer heute noch Geburtstag hatte.
Elizabeth hatte ihr geschrieben, dass sie den Geburtstag ihres Mannes vorbereitete.
Sie ließ sich mit dem Kind auf dem Arm auf einen Stuhl fallen: „Mr. Darcy hat auch heute Geburtstag!"
„Genau! Und deswegen könnte einer seiner Namen auch in den Namen meiner Tochter vorkommen. Nur – es gibt keine weibliche Form von Fitzwilliam."
Und als hätte sie die ganze Zeit an Gedächtnisschwund gelitten und würde nun mit einem Mal all ihre Erinnerungen wieder erhalten, flüsterte sie: „Er heißt weiter Gregory Richard. Richard nach seinem Onkel, dem Earl."
Bedauernd schüttelte Charles den Kopf: „Jetzt wo Sie es sagen, Richard war mir geläufig, natürlich. Ich hatte es vergessen. Aber - diese Namen sind ja völlig ungeeignet für ein Mädchen. Was machen wir da nur?"
„Nennen Sie sie nach den Geschwistern von Jane: ‚Catherine Mary Elizabeth'. Wie hieß Ihre Mutter?"
„Margaret Ruth, mehr weiß ich leider nicht. Aber wir sollten auch Jane fragen, meinen Sie nicht? Vielleicht wäre es auch schön, wenn wir die Mutter von Fitzwilliam statt seiner bedenken würden. Margaret Anne Jane Bingley. Das würde mir gefallen."
„Wissen Sie was? Mir auch!"
Jane erwachte eine Stunde später und musste sofort eine Brühe trinken. Dann endlich verlangte sie matt nach ihrem Kind. Die Amme war inzwischen da gewesen und die Kleine hatte zum ersten Mal getrunken. Nun war sie endlich ruhig und schlief. Mrs. Bennet strich ihrer Tochter über die bleiche Wange und fragte, welchen Namen sie sich für das Kind wünschen würde.
Doch Jane zog nur leicht die Mundwinkel nach oben und hauchte: „Ach Mama, das überlasse ich Charles. Er wird der Kleinen sicher wundervolle Namen aussuchen. Was hat er zu ihr gesagt? Hat er sie schon gesehen?"
"Ja, er hat sie bereits einmal kurz im Arm gehalten und er war sehr bewegt. Und er lässt fragen, ob dir Margaret Anne Jane Recht wäre?"
„Oh, Margaret war der Name seiner Mutter. Ich dachte mir schon, dass er ihn wählen würde. Und Anne? Bei uns gibt es keine Anne in der Familie, bei ihm, soweit ich weiß, auch nicht."
„Das mag stimmen, doch er hat es als Reminiszenz an Lady Anne Darcy gedacht. Dein Schwager, Mr. Darcy, hat nämlich zusammen mit deiner Tochter Geburtstag."
„Oh, wie schön. Ja, dann ist Anne doch passend."
Fasziniert betrachtete Jane noch einen Augenblick ihre kleine Tochter, die sie in der Armbeuge hielt, dann fielen ihr wieder die Augen zu und sie schlief abermals ein.
