Vielen Dank für dein Review- das ist wirklich das Feedback, das man braucht, um weiterzumachen. Und solange wenigstens eins kommt, werde ich auch weiter machen und die Story hier beenden!
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Es war Sonntagnachmittag und Lois lief im Wohnzimmer auf und ab, ging in die Küche, ins Büro, durch den Flur, wieder zurück ins Wohnzimmer.
Richard würde Jason gleich zurückbringen und sie war nicht sicher, wie sie nach diesem Wochenende zurück in ihren Alltag finden sollte, zumal es keinen Alltag in dem Sinne mehr gab, viele Klärungen noch ausstanden und ihr noch nicht wirklich klar war, wie „Alltag" in Zukunft aussehen würde.
Nach dem Wochenende mit Clark schien nichts mehr je „alltäglich" sein zu können. Es waren bei weitem nicht nur die gestohlenen Erinnerungen, die er ihr nun auf eine Art zurückgegeben hatte, es waren auch die langen Gespräche gewesen, die sie geführt hatten, die sie wieder zueinander hatte finden lassen, die aus zwei zerrissenen Seelen wieder eins gemacht hatten.
Lois hatte schnell gemerkt, dass es zwei Clarks gab- zum einen den stotternden, unsicheren „Büro-Clark" und dann den wirklichen, echten Clark, der weder Superman noch der unscheinbare Kollege war. Es war so leicht gewesen, den über allem schwebenden Superhelden beiseite zu schieben und nur den Mann zu sehen- den Mann, der Clark Kent wirklich war.
Und sie hatte durchaus verstanden, warum er seine „Metropolis-Fassade", wie sie es in Gedanken nannte, so lange aufrechterhalten hatte, da er, wie er erklärt hatte, so am ehesten im Hintergrund und damit unentdeckt bleiben konnte, zumindest in den Augen der Erwachsenen- und auch in ihren Augen…
Clark hatte ihr gesagt, dass Jason sich nicht hatte täuschen lassen, dass der Junge bereits wusste, dass er und Superman ein und dieselbe Person waren, was beide vor ein neues Problem gestellt hatte- Richard hatte sie freigegeben, weil er wusste, dass Lois Superman liebte und er herausgefunden hatte, dass dieser Jasons Vater war, aber er wusste nicht, wer die Person war, die hinter Superman stand und er würde sicherlich nicht verstehen, Lois und Clark zusammen zu sehen und auch darüber hatten sie gesprochen.
„Ich will nicht noch einmal so tun müssen, als würde ich nichts für dich empfinden, Clark. Das hat schon beim ersten Mal nicht wirklich gut funktioniert, oder?" Lois lächelte schief und sah ihn an. „Und Richard…"
„…verdient die Wahrheit. Nein, es würde auch bei mir nicht funktionieren, nicht dieses Mal! Ich schätze Richard und ich bin sicher, dass mein Geheimnis bei ihm gut aufgehoben ist, aber ich muss auch sagen, dass es ein ungewohnter Gedanke ist, dieses Geheimnis mit verhältnismäßig vielen Personen zu teilen. Bis vor kurzem waren es nur zwei, ehe mein Vater gestorben ist waren es drei. Mit dir, Jason und Richard sind es dann schon fünf, außer mir natürlich."
Lois sah ihn fragend an. „Dass deine Mutter Bescheid weiß ist mir klar, aber wer ist die fünfte Person?"
Clark grinste. „Batman."
Lois starrte ihn an. „Batman???"
„Du weißt schon, der dunkle Ritter, der schwarze Rächer, was auch immer von Gotham City…"
Lois winkte ungeduldig ab. „Ich weiß, wer Batman ist, ich wusste nur nicht, dass ihr, äh, euch kennt… Lass mich raten, er hat auch eine geheime Identität… Wer ist es?"
Clark lachte. Sie konnte es einfach nicht lassen, wenn etwas nach einer Story aussah. „Das ist sein Geheimnis, nicht meins und deswegen kann und werde ich es auch nicht verraten."
Sie seufzte ergeben. „Also gut… Arbeitet ihr zusammen?"
„Lo-is… Das ist kein Interview." Er sah sie gespielt streng an, fuhr dann aber fort. „Nein, um ehrlich zu sein nur dann, wenn es sich nicht unbedingt vermeiden lässt. Wir respektieren uns, haben aber in vielen Dingen unterschiedliche Ansichten. Er nennt mich einen Pfadfinder."
„Er hat damit angefangen?!"
„Ja… Aber jetzt schweifen wir wirklich vom Thema ab. Es ging um Richard."
„Oh… richtig." Lois wurde wieder ernst und dachte nach. „Ich bin mir ebenfalls sicher, dass er nichts sagen wird und es wäre unfair von mir, wenn ich anfange, mich mit Clark zu treffen, wenn er glaubt, dass er mich für Superman hat gehen lassen. Was den Daily Planet angeht, nun, ich denke, da werden wir mit dem Gerede leben müssen, irgendwann hört das auch wieder auf, denke ich…"
„Gut, dann sollten du und Richard mit Jason reden und dann komme ich dazu, um meinen Teil dazu beizutragen. Das wird nicht leicht werden. Für uns alle nicht."
„Ich weiß… Aber ich will diese Klarheit. Für uns alle. Und wir sollten nicht mehr allzu lange damit warten, denn Jason wird schon bald deine Hilfe brauchen. Seine Kräfte sind unkontrolliert und ich will nicht, dass noch einmal so ein… Unfall passiert und es dann vielleicht jemanden trifft, der-"
Sie brach ab und sah ihn nur an.
Clark legte die Hände auf ihre Schultern und sah sie fest an. „Das war eine Nothilfe Situation, Lois. Niemand, und am allerwenigsten er selbst, wusste, dass er dazu fähig ist. Und in eine solche Situation wird er nicht noch einmal kommen, das verspreche ich."
Sie nickte nur. „Gut…"
Lois' Gedanken und ihr ruheloses hin- und herwandern wurde durch die melodische Türglocke unterbrochen. Sie runzelte die Stirn, da sie keinen Besuch erwartete und ging zur Tür.
„Richard! Warum um alles in der Welt klingelst du? Das ist dein Haus!?" Ehe Richard etwas dazu sagen konnte, warf sich Jason in ihre Arme, seinen Rucksack in die Ecke und fing an, aufgeregt von seinem Wochenende zu erzählen, doch Lois war momentan nicht wirklich aufnahmefähig und hörte nur mit halbem Ohr zu.
„Schätzchen, bring bitte deine Sachen nach oben und komm dann wieder nach unten, wir müssen noch mit dir reden…"
Jasons Redefluss verstummte und obwohl er nicht wusste, was eigentlich los war spürte er doch deutlich eine gewisse Spannung. „Okay." Er nahm seine Sachen und ging damit in sein Zimmer, während Lois in die Küche ging, um Kaffee zu kochen.
„Oh, lass mich das lieber machen," sagte Richard und nahm ihr die Dose mit dem Kaffeepulver aus der Hand.
Lois stemmte die Hände in die Hüften. „Warum um alles in der Welt hast du geklingelt?"
„Ich habe meine Schlüssel vergessen, das ist alles."
„Die… oh… gut. Und wo wir gerade über das Haus sprechen, ich werde mich ab morgen nach etwas kleinerem für Jason und mich umsehen, ich weiß nur noch nicht, wie lange alles dauern wird, aber-"
Richard unterbrach sie mit einer Handbewegung. „Lois! Ich verlange nicht, dass du Hals über Kopf ausziehst. Außerdem dachte ich eigentlich eher daran, dass du das Haus behalten solltest, da ich ab nächste Woche für ein paar Wochen für eine Auslandsreportage nach England gehen werde."
„Was? Aber…"
„Ich brauche diesen Abstand, Lois. Und es ist ein gutes Angebot."
„Das, ich meine, ja, das verstehe ich ja, aber… Dann… vielleicht solltest du das Haus dann besser vermieten. Es ist zu groß für uns und ich… muss einfach… auch neu anfangen."
„Oh… sicher. Dann… werde ich jemanden suchen, wenn du etwas für euch gefunden hast." Richard versuchte, sich die Traurigkeit in seiner Stimme über diese Endgültigkeit nicht anmerken zu lassen. Schließlich war ihm das klar gewesen, doch nichts desto trotz tat es einfach weh, dem allem hier so offen ins Gesicht sehen zu müssen, auch wenn er fand, dass sie sich bis jetzt beide ganz tapfer schlugen.
Allerdings stand das Schwierigste ja auch noch bevor: das Gespräch mit Jason. Und ein weiterer Schlag für Richard, von dem dieser nicht einmal ahnen konnte…
Beide sagten nichts mehr, jeder zu sehr mit den eigenen Gedanken beschäftigt.
Der Kaffee, dank Richard ein durchaus genießbares Getränk, war fertig und sie setzten sich schweigend ins Wohnzimmer. Jason kam nach unten und sah sie unsicher an. Seine Eltern wirkten ernst und Daddy sah so… traurig aus.
Irgendetwas stimmte nicht. Er hätte nicht in Worte fassen können, was es war, aber das Gefühl war deutlich.
Lois merkte, wie unsicher er war und streckte die Arme nach ihm aus. „Daddy und ich müssen etwas Wichtiges mit dir besprechen, aber ehrlich gesagt wissen wir nicht richtig, wo wir anfangen sollen, weil das, was wir dir sagen wollen, nicht ganz einfach für uns beide ist."
Jason setzte sich auf ihren Schoß und sah von einem zum anderen. Lois fuhr fort „Weißt du, es ist vielleicht ein bisschen schwer zu verstehen, aber wir wollten dir sagen, dass dein Dad nicht dein richtiger Vater ist. Er war für dich da, seit du auf der Welt warst und so gesehen ist er natürlich dein Daddy und das wird er auch bleiben- aber es gibt da noch deinen richtigen Vater."
„Aber… ich will keinen anderen Vater!"
Richard und Lois wechselten einen Blick und Richard legte ihm eine Hand auf die Schulter, als er sagte „Jason, ich bleibe auf eine Art auch dein Vater. Ich werde immer für dich da sein. Aber dein richtiger Vater ist jetzt von einer langen Reise zurückgekehrt und möchte dich gerne besser kennen lernen. Er wusste nicht, dass es dich gibt und deswegen war er nicht für dich da und konnte sich nicht um dich kümmern. Er wäre nicht gegangen, wenn er gewusst hätte, dass es dich gibt."
Jason sah ihn an und in seinen Augen sammelten sich Tränen. „Aber ich kenne ihn nicht. Und warum wusste er nicht, dass es mich gibt, ich bin doch hier!"
Lois nahm das Gespräch wieder auf. „Doch… du kennst ihn. Und er wusste es nicht, weil du noch in meinem Bauch warst, als er auf seine Reise gegangen ist. So klein, dass man nicht sehen konnte, dass du unterwegs bist."
Jason sah verwirrt aus, als er fragte „Woher soll ich ihn denn kennen?"
Nervös begann Lois ihre Finger zu kneten, während sie noch einen Blick mit Richard wechselte, der ihr unmerklich zunickte.
„Du… hast ja gemerkt, dass du in… bestimmten Situationen stärker bist, als es für ein Kind in deinem Alter üblich wäre. Das, na ja, das liegt halt daran, dass dein richtiger Vater… auch über gewisse… Kräfte verfügt, die… nicht gerade, ähm, üblich sind… Das liegt daran, dass man von seinen Eltern bestimmte Dinge mit auf den Weg bekommt, wie das Aussehen oder eben gewisse Stärken. Du kannst deine Stärke noch nicht kontrollieren, es ist aber wichtig, dass du das lernst, damit du nicht versehentlich jemandem wehtust."
Jason sah sie ängstlich an. „Ich will niemandem wehtun."
„Das weiß ich, Schätzchen… Meinst… meinst du, dass wir ihn vielleicht dazu holen könnten?"
Jason sah sie mit großen Augen an und nickte dann. Lois stand auf und öffnete die Terrassentür.
„Guten Abend zusammen…"
„Superman?!" Jason starrte ihn an.
„Ja… Und ohne wie Darth Vader klingen zu wollen… Ich bin dein Vater, Jason…"
Trotz der angespannten Situation verfehlte das nicht seine Wirkung auf die Erwachsenen, die fast gelächelt hätten.
„Aber…" Sein Blick schoss zwischen ihm, Richard und seiner Mom hin und her.
Clark ahnte, worüber er nachdachte. „Jason, deine Mom kennt mein Geheimnis jetzt. Und ich denke, es wäre nur fair, wenn wir es… Richard auch sagen."
Jetzt war es an Richard, verwirrt auszusehen. „Geheimnis?"
Clark sah ihn ernst an. „Ja. Und es muss eines bleiben. Sind Sie bereit, ein Geheimnis zu bewahren, Richard? Es ist wichtig, dass Sie sich sicher sind, da nicht nur meine Sicherheit davon abhängt, sondern ganz besonders die von Lois und Jason."
Richard sah ihn prüfend an und gab dann seine Antwort. „Ja, ich bin sicher."
„Also dann…" Clark drehte sich um die eigene Achse, bis man nur noch einen Farbwirbel sah und Richard traute seinen Augen kaum, als er wieder stehen blieb.
Vor ihm stand… Clark Kent. Nur ohne Brille.
Er kniff die Augen zusammen und öffnete sie wieder. Clark Kent war SUPERMAN? Der unsichere, stotternde, gegen alles laufende Landmensch aus Hintertupfingen war… SUPERMAN???
Hätte Richard nicht bereits gesessen, so wäre er spätestens jetzt auf die nächste Sitzgelegenheit gefallen.
Lois unterbrach das peinliche Schweigen. „Da… Clark und ich… einige Dinge geklärt haben, dachten wir, dass es besser wäre, wenn du die ganze Wahrheit kennst."
„Das… ja… Gut. Es ist nur… Ich… Jason? Du wusstest es schon?"
„Er hat es selbst herausbekommen. Ein Kind lässt sich nicht so leicht durch eine Brille und ein ungeschicktes Verhalten täuschen." Clark lächelte schief.
Richard war wie betäubt. „Nein, wahrscheinlich nicht. Ich… muss jetzt gehen. Keine Sorge, ich werde es niemandem verraten, ich brauche nur… Zeit, um meine Gedanken zu sortieren, das war… unerwartet."
Er nahm Jason in den Arm und verabschiedete sich von ihm. „Wir sehen uns, Kurzer. Ich komme vorbei, ehe ich abreise, okay?"
Jason umarmte ihn fest. „Okay. Ich hab' dich lieb, Daddy."
Richard ging, ehe ihm die Tränen, die er in den Augen hatte, über die Wangen laufen konnten.
Lex Luthor war nie jemand gewesen, der sich leicht unterkriegen ließ und wenn das bedeutete, von einer Luxusyacht in ein stinkendes und von Ratten bevölkertes Untergrund Versteck umsiedeln zu müssen, dann hatte er auch mit einer solchen Unbill kein Problem, solange er noch die Möglichkeit hatte, weiter die Fäden zu ziehen, die er zu ziehen gedachte.
Nur gut, dass einer seiner vertrauenswürdigsten Männer ihn und Kitty auf dieser verdammten Insel gefunden hatte, ehe ihn jemand anders entdecken konnte. Für Kittys dämlichen Hund war es freilich zu spät gewesen und was sie selbst anging, so hatte er durchaus erwogen, sie einfach da zu lassen, als Rache für die nun verlorenen Kristalle. Da aber die Möglichkeit bestand, dass sie gefunden werden würde, ehe sie verhungert war, hatte er sie mitgenommen- sie würde ihre Rechnung später bezahlen!
Jetzt waren andere Dinge wichtiger. Zum einen galt es, an genügend Geld zu kommen, damit er die Leute anheuern konnte, die er brauchte, um die Drecksarbeit zu erledigen. Das war das geringere Problem, da er auch über ein Schweizer Nummernkonto verfügte, sein Hauptanliegen war, dieser verdammten, blaubestrumpften Plage ein für alle mal den Gar aus zu machen! Er war dicht dran gewesen, so nah dran- das nächste Mal würde er ihm nicht entwischen und er wusste auch genau, wie er das bewerkstelligen wollte.
Superman hatte größere Schwächen, als Kryptonit. Weit tödlichere Schwächen… Lois Lane und ihr Superkind…
