Sofort eilte Clarice durch den riesigen abgedunkelten Raum und er hörte sie einige Worte flüstern.
Dann vernahm er die Stimme von Mrs. Darcy: „Mr. Portland, kommen Sie nur näher. Was gibt es so Dringendes? Ist mein Mann denn nicht mit Ihnen unterwegs gewesen?"
Der Verwalter trat nervös in das Zimmer und räusperte sich umständlich: „Hmh, doch, ja wir gemeinsam unterwegs, aber… Ma'am es sind Umstände eingetreten, die leider Ihre sofortige Anwesenheit unten erfordern."
Mehr brachte er erst einmal nicht heraus.
„Also gut, da Sie es so dringend machen. Klären Sie mich bitte über die Umstände auf, damit ich mir ein Bild davon machen kann, was mich da so Unvorhergesehenes erwartet."
Mr. Portland neigte den Kopf sehr tief und presste dann heraus: „Ihr Gatte wurde von einem herabstürzenden Baum halbtot geschlagen."
Sie schrie nicht, sie weinte nicht, sie blieb erstaunlich ruhig.
Sie winkte Clarice, damit diese ihr einen Morgenmantel reichte und sagte beim Überstreifen des Kleidungsstücks: „Berichten Sie mir sofort alles, und zwar ohne Rücksicht auf meine Person oder meine derzeitige Verfassung. Dann möchte ich auf dem Weg nach unten wissen, welche Maßnahmen bereits ergriffen wurden, damit ich sehen kann, welche ich dann noch entsprechend anordnen muss. Wo befindet sich Mr. Darcy zurzeit?"
„Noch in der Halle, da Mrs. Reynolds wohl gerade das Damenschreibzimmer zum Krankenzimmer umrüsten lässt. Er sollte besser nicht die Treppe hinauf transportiert werden. Der Arzt ist bereits eingetroffen. Er hat nach einer ersten Untersuchung gemeint, dass er unglaubliches Glück gehabt haben muss. Hätte der Baum ihn nicht an der Schulter touchiert, sondern wäre nur wenige Inches weiter direkt auf seinen Kopf gefallen, dann… also, dann würde es noch wesentlich schlimmer aussehen."
Er bot Mrs. Darcy seinen Arm, als sie an der Treppe angelangt waren, doch sie hielt sich mit beiden Händen am Geländer fest und nahm die Stufen so schnell es ihr in ihrem hochschwangeren Zustand möglich war. Die Halle jedoch war leer. Offensichtlich hatte man den Kranken bereits in das entsprechende Zimmer bringen können. Elizabeth ging langsam, aber zügig für ihre Verhältnisse den Flur entlang. Sie öffnete die Tür zum Schreibzimmer und alle Köpfe drehten sich zu ihr herum.
Der Arzt deutete eine Verbeugung an, dann ergriff er das Wort: „Es tut mir sehr leid, Ihnen in Ihrem Zustand so viel Kummer bereiten zu müssen. Ihr Gatte hat einige nicht unerhebliche Verletzungen davon getragen und ist auch nicht bei Bewusstsein. Was für eine starke Gehirnerschütterung aber durchaus ein übliches Symptom ist. Dazu kommen mehrere Brüche, einen am Schlüsselbein, und einige Rippen, ebenso schwere Prellungen auf der ganzen rechten Seite. Das Problem ist, dass er, wenn er länger ohne Bewusstsein hier liegt, einen Flüssigkeitsverlust erleidet, da er nicht fähig ist, Trinken zu sich zu nehmen. Zunächst können wir mal abwarten, aber nicht mehr als einen Tag. Ich komme auf alle Fälle zweimal täglich hier vorbei. Soll ich eine Krankenschwester schicken, oder kommen Sie ohne eine solche Kraft zurecht?"
Elizabeth wechselte mit Rodgers, Mrs. Reynolds und auch Clarice kurze Blicke und erwiderte dann: „Ich denke nicht, dass eine Krankenschwester notwendig sein wird. Es wird meinem Gatten hier an nichts fehlen, er bekommt jede nur erdenkliche Pflege und Zuwendung. Und wenn Sie selbst zweimal pro Tag nach ihm sehen, denke ich, müsste dies alles ausreichend sein. Was ist außerdem noch zu beachten?"
„Nur, dass er sehr ruhig und möglichst flach liegen sollte. Im Falle er aufwachen sollte, wird er seine fürchterlichen Schmerzen ziemlich rasch spüren und er muss dann auf alle Fälle ein starkes Schmerzmittel haben. Er wird rasende Kopfschmerzen haben und durch die Rippenbrüche wird er nur schwer atmen können. Auf Grund des Schulterbruches wird es ihm auch kaum möglich sein, sich bis auf wenige Inches zu bewegen."
„Dann danke ich Ihnen bereits jetzt für Ihre Mühe, Doktor." Dieser nickte allen Anwesenden zu und verließ dann den Raum. Elizabeth wandte sich an den Rest: „Mrs. Reynolds, Sie sollten Miss Georgiana herunter bitten, ich möchte ihr die Nachricht vom Unfall ihres Bruders gerne selbst mitteilen. Und für die kommende Viertelstunde möchte ich – und ich bitte Sie da um Verständnis – mit meinem Mann gerne allein sein. Danach werde ich mit Rodgers eine Einteilung der Krankenwache vornehmen, damit immer jemand bei Mr. Darcy wird sein können."
Sofort zogen sich alle Personen diskret zurück, es dauerte keine zwei Minuten, da war Elizabeth mit dem Verletzten alleine im Raum.
Sie sank einfach vor dem Bett in die Knie und lehnte ihre Stirn an seine kalte linke Hand, die recht schlaff auf der Matratze lag. Wieder und wieder küsste sie die Hand, die gleiche, die sie am Morgen ihrer Verlobung auf der Wiese weit vor Longbourn geküsst hatte. Damals waren seine Hände auch so schrecklich kalt gewesen. Wie sehr musste er in seinem offenen Hemd, ohne den Mantel schließen zu können, gefroren haben. Wie sehr hatte sie in diesem Moment, als sie erkannt hatte, wer da aus dem Nebel auf sie zukam, vor Erregung gezittert.
Wie groß war ihr Glück seitdem gewesen. Und nun das! Sie weinte still und fast lautlos. Erst als das Kind in ihr rebellierte und sich gehörig bemerkbar machte, hörte sie mit dem Weinen auf. Natürlich, sie musste auch an sich und das Baby denken. Fitzwilliam würde nicht wollen, dass sie sich derart grämte, dass an nichts anderes mehr zu denken war. Sie stand mühsam auf und wischte sich die letzten Tränen ab. Wie er da lag, so bleich und fern von allem. Seine Atmung war flach, aber zum Glück regelmäßig. Sie hielt die Hände in den Rücken gestützt und beugte sich zu seinem Gesicht, um seine beiden Augenlider zu küssen, seine für einen Mann ungewöhnlichen langen und ausdrucksstarken Wimpern warfen kleine Schatten auf seine weißen Wangen.
Dann ging sie zur Tür, öffnete diese und sah den Flur entlang. Keine Minute zu früh, denn Georgiana kam angerannt, mit gerafften Röcken: „Mrs. Reynolds sagte mir, dass du mich sofort sehen möchtest. Was ist denn passiert?"
Elizabeth schloss die Tür leise und trat ganz auf den Flur hinaus: „Wo bist du denn gewesen? Hast du gar nichts von dem Trubel im Haus mitbekommen?"
„Trubel? Kein bisschen. Weswegen denn? Ich hatte mir ein Buch mit auf mein Zimmer genommen und dort gelesen. Außerdem habe ich einen Brief an John angefangen zu schreiben."
Elizabeth musste trotz allen Kummers ein klein wenig schmunzeln. Schrieb sie nicht täglich einen Brief an ihren Jonathan? Aber nun galt es erst einmal, Georgiana den Zustand ihres Bruders näher zu bringen. Sie umfasste beide Arme ihrer Schwägerin am Handgelenk und sprach die Dinge sehr direkt an: „George", und das Nennen dieses Namens war immer ein Indiz für große Vertrautheit und Zuneigung, „Fitzwilliam hatte im Wald einen Unfall. Er ist sehr schwer verletzt und liegt nun hier in diesem Zimmer."
Georgiana heulte panisch auf.
„Nein, nicht, hör mir zu! Es steht nicht das Schlimmste zu befürchten, also beruhige dich! Er wird es schaffen! Dessen bin ich mir sicher und auch der Arzt war diesbezüglich sehr zuversichtlich."
Georgiana schluchzte herzergreifend: „Da… darf ich ihn se… sehen?"
„Natürlich, komm nur mit rein." Elizabeth öffnete die Tür und beide gingen eingehakt auf das Bett zu.
Während Georgiana auf der einen Seite und Elizabeth auf der anderen Seite des Bettes standen und fassungslos auf die zwar atmende, aber sonst sehr leblos wirkende Gestalt Fitzwilliams blickten, klopfte es leise, aber fest an der Tür.
Elizabeth rief ein kurzes „Herein", dann kam Rodgers angestiefelt, ein Tablett in der Hand, darauf ein Blatt Papier und einen Teller mit einer handwarmen Suppe.
„Wenn Sie bereit sind Mrs. Darcy, würde ich Ihnen gerne einen ersten Vorschlag zur Krankenwache unterbreiten."
Elizabeth warf einen weiteren Blick auf ihren Mann, nickte Georgiana zu, die sich nun an den Bettrand setzte und ging mit Rodgers zum Damenschreibtisch hinüber, den man wegen der Errichtung des Bettes in eine Ecke hatte schieben müssen.
„Also, lassen Sie sehen, was Sie da haben, Rodgers."
Der Butler nickte eifrig und begann: „Zuerst darf ich Ihnen mitteilen, dass sich erfreulicherweise Mrs. Fielding sofort nach Erhalt der Nachricht vom Unfall des Mr. Darcy gemeldet hat, um sich ebenfalls für die Wache eintragen zu lassen. Ich halte das für sehr günstig, da die Dame ja durchaus nicht unerfahren im Umgang mit bettlägerigen Personen ist. Dafür habe ich Mr. Portland völlig herausgelassen, da er nun komplett mit den Verwaltungsaufgaben alleine ist, wir sollten ihn nicht überfordern. Ihr Einverständnis immer vorausgesetzt, Mrs. Darcy."
Georgiana meldete sich: „Rodgers, Sie müssen mich selbstverständlich auch eintragen, ich möchte ebenfalls für die Wache am Krankenbett meines Bruders eingeteilt werden."
„Natürlich, Miss Georgiana, wir haben auch Sie dafür vorgesehen."
„Danke, Rodgers!"
Nur für Elizabeth hörbar murmelte der Butler aber: „Ich habe Miss Georgiana immer nur mal für eine gute Stunde oder so eingeteilt, mehr scheint mir nicht zumutbar."
Elizabeth lächelte den guten Mann dankbar an: „Sie sind sehr rücksichtsvoll und vorausschauend, danke sehr."
„Was Ihre Person anlangt, so waren Mrs. Reynolds und ich uns nicht ganz schlüssig. Sie sollten auf keinen Fall zu stark mit der Krankenpflege belastet werden. Andererseits verstehen wir auch, dass Sie sicher so oft wie möglich bei ihrem Mann sein möchten."
„Lassen Sie halt mal sehen, Rodgers, was Sie geplant haben."
Elizabeth überflog das Papier. Die Nachtschichten teilten sich Rodgers und Clarice, es waren fünfeinhalb Stunden für jeden. Am Tag hatte man immer eine Wache von vier Stunden vorgesehen, die von Mrs. Reynolds auf Mrs. Darcy und dann für eine Stunde auf Miss Georgiana übergehen würde, weitere vier Stunden übernahm dann Mrs. Fielding. Diese konnte an die Nachtschicht für elf Stunden, also für fünfeinhalb an Rodgers und für fünfeinhalb an Clarice, übergeben.
„Meinen Sie, dass Ihnen die vier Stunden zuzumuten sind? Oder sollen wir doch Miss Georgiana zwei Stunden wachen lassen, dann hätten Sie nur drei zu absolvieren?"
„Wissen Sie was Rodgers? Ich werde es einfach versuchen, falls ich mich nicht wohl fühlen sollte, kann man die Wachzeit meiner Schwägerin ja immer noch verlängern. Aber eigentlich schrecken mich vier Stunden hier am Bett meines Mannes ganz und gar nicht. Wäre das Kind in meinem Leib nicht, würde ich mit Freuden den ganzen Tag hier wachen."
„Das kann ich mir vorstellen, aber Sie stehen nun mal kurz vor der Niederkunft und werden sich entsprechend schonen."
Er machte eine kurze Pause, dann deutete er auf das Tablett: „Ich habe aus der Küche eine Suppe für Mr. Darcy mitgebracht. Auch wenn nur wenig Hoffnung besteht, dass er in der Lage sein wird, etwas davon zu essen, wir müssen es probieren."
Rodgers lagerte den Kopf des Kranken mit zwei weiteren Kissen höher, dann hielt er ihn fest in einer Position, damit Elizabeth ihm mit dem Löffel vorsichtig die Suppe einflößen konnte. Doch die ganze Brühe lief ihm sofort wieder am Kinn herunter, es war überhaupt kein Schluckreflex vorhanden. Der sonst stets gefasste Butler war geneigt, einen enttäuschten Fluch auszustoßen, unterließ es aber aus Rücksicht auf die Damen. Das lief alles gar nicht gut für seinen Herrn. Er musste Flüssigkeit zu sich nehmen, so viel war klar. Aber wie?
Rodgers zog daher unverrichteter Dinge wieder ab und brachte kurz darauf den Tee für die Damen. Georgiana hauchte ihrem Bruder einen flüchtigen Kuss auf die Stirn und setzte sich dann an den Tisch am Fenster.
„Wie gut, dass ich den Brief an Jonathan, also Mr. Gainsworth, noch nicht fertig geschrieben habe. Ich werde ihm von dem Unglück erzählen, er wird sehr bestürzt sein, denke ich."
Ihre Schwägerin hatte sich so gesetzt, dass sie während des Teetrinkens das Bett nicht aus den Augen zu lassen brauchte.
Sie erwiderte nun: „Natürlich wird er bestürzt sein. Ich selbst muss an Mama und Papa schreiben, muss eine Nachricht an den Earl und die Countess schicken und Onkel und Tante Gardiner sollten auch Bescheid wissen. Auch Jane und Charles muss ich darüber in Kenntnis setzen. Aber ich kann das alles hier während meiner Wache erledigen.
Georgiana musterte sie von der Seite: „Du wirst dich aber nicht überanstrengen, hoffe ich. Das wäre unverzeihlich. Und es würde Fitzwilliam ganz und gar nicht gefallen."
„Sei unbesorgt. Es wird keine Anstrengung für mich sein. Ich würde mich viel schrecklicher fühlen, wenn ich von all dem hier ausgeschlossen werden müsste. Nicht in der Lage sein zu können, bei ihm zu sein, ihn zu bewachen, einfach für ihn da zu sein, das würde mich grämen. So gesehen, hat es etwas Gutes, dass er den Unfall jetzt hatte und nicht einige Wochen später, wenn ich im Kindbett liege."
„Und wie erreichen wir nun, dass er Flüssigkeit zu sich nimmt?"
„Wir müssen es wieder und wieder probieren. Ich sehe keine andere Möglichkeit, es sei denn der Arzt hat eine praktikable Lösung."
„Soll ich versuchen, ihm etwas Wasser zu geben?"
„Ja, das wäre gut. Nicht aufgeben, immer wieder probieren. Warte, ich helfe dir."
„Nein!" Georgianas Stimme klang zum ersten Mal bestimmt und bestimmend.
Ganz plötzlich bemerkte man die Darcy in ihr. „Ich mache das alleine, du bleibst sitzen und ruhst dich aus."
Elizabeth fügte sich staunend. Die scheue junge Frau hatte einen starken Willen, daran hatte sie zwar niemals gezweifelt, aber dass sie diesen nun so offen zeigte, war völlig neu.
Vielleicht war es die derzeitige Krisensituation, die sie erwachsen hatte werden lassen, vielleicht auch ihre Romanze mit Gainsworth, vielleicht das Zusammenleben mit dem jungen Ehepaar unter einem Dach in Pemberley seit vielen Monaten. Am wahrscheinlichsten war - von allem etwas.
Georgiana träufelte das Wasser mit dem kleinen Mokkalöffelchen in den Mund ihres Bruders. Doch nachdem die Mundhöhle voll war, lief es auf der rechten Seite im Mundwinkel einfach wieder raus. Er schluckte nicht. Aber er atmete doch! Musste er dann nicht auch unweigerlich irgendwann einmal schlucken? Georgiana hatte sich noch nie mit Anatomie befasst, sie kannte sich ganz und gar nicht aus. Die entsprechenden Bücher schien es wohl in der Unendlichkeit der Pemberley'schen Bibliothek zu geben, aber ihr Bruder hätte ihr diese Bücher niemals ausgehändigt. Aus ganz anderen Gründen, von denen sie nichts ahnte. Und bislang hatte sie auch überhaupt kein Interesse daran gezeigt. Aber nun – sie wollte wissen, wie die Zusammenhänge sein konnten. Und sie sagte Elizabeth, dass sie in ein paar Minuten wieder da sein werde. Dann verschwand sie.
Eine Viertelstunde später schleppte sie drei dicke Folianten herbei. Elizabeth eilte hinzu und wollte ihr eines der schweren Bücher abnehmen, doch Georgiana weigerte sich, ihr auch nur ein Exemplar abzugeben. Sie setzte den Bücherstapel vorsichtig auf dem Tischchen ab und öffnete das erste Buch. Mit gebeugtem Haupt und eifrig roten Wangen las sie, blätterte sie und las wieder. Dann warf sie dieses Buch beiseite und widmete sich dem nächsten.
Zwischendurch blickte sie kurz auf und bemerkte mit schimmernden Augen: „Wenn es jemals die Möglichkeit für Frauen gibt, den Arztberuf zu erlernen, dann würde ich das gerne tun."
Elizabeth blickte überrascht auf ihre in die medizinischen Bücher versunkene Schwägerin. Konnte es tatsächlich sein, dass in ihr eine Medizinerin schlummerte? Falls ja, dann hatte sie dieses Talent bislang unglaublich gut verborgen. Nun ja, verbergen müssen. Fitzwilliam hätte ihr in diesem Alter niemals erlaubt, sich mit diesen Büchern zu beschäftigen. Und ein Medizinstudium gab es ohnehin nur für Männer. Wie auch alle anderen Studien auch. Egal, ob Rechtwissenschaft oder Theologie, die Universitäten waren nur Männern zugänglich.
„Kennst du denn Mrs. Fielding?"
„Mrs. Fielding? Nein, nicht persönlich, ich weiß nur, dass sie öfter mal wegen des Babys bei dir war. Was ist mit ihr?"
„Sie
ist eine Hebamme. Weißt du, was eine Hebamme
macht?"
"Eigentlich nicht. Aber ich gehe davon aus, dass es
ebenfalls etwas mit dem Kind zu tun haben muss."
Elizabeth schürzte die Lippen. Sie wusste nicht, ob Fitzwilliam es gutheißen würde, aber immerhin war Georgiana so gut wie verlobt und außerdem hatte er ihr gesagt, dass Mr. Gainsworth und seine Schwester durchaus bereits heiße Küsse getauscht hätten. Da Georgiana mutterlos war, würde es ohnehin ihr zukommen, sie vor der Ehe aufzuklären. Das konnte man angesichts der derzeitigen Situation dann auch sofort erledigen. Mehr oder weniger, jedenfalls.
„Ja, es hat etwas mit dem Kind zu tun. Sie wird mir helfen, das Kind auf die Welt zu bringen. Gewissermaßen ist das ein medizinischer Beruf, der für Frauen geeignet ist."
„Aber
hat sie das denn auch an einer Universität gelernt?"
"Nein,
das nun nicht. Aber sie hat das von einer anderen Hebamme und wohl
auch von Ärzten, mit denen sie zusammenarbeitet, erlernt."
„Klingt interessant. Wie wird die Hilfe von Mrs. Fielding für dich dann aussehen?"
„Genau kann ich es auch nicht sagen. Es ist ja mein erstes Kind. Aber da Charles uns von der Geburt der kleinen Margaret berichtet hat, kann man davon sicher einiges ableiten."
„Aha."
Es klang nicht sehr überzeugt. „Könnte ich dabei dann
nicht auch etwas lernen?"
"Leider nein. Unverheiratete Frauen
von Stand sollten nicht bei einer Geburt anwesend sein. Es gehört
sich nicht. Und dein Bruder würde es auch nicht dulden. Wenn du
aber verheiratet bist, dann könntest du ja versuchen, dich auf
diesem Gebiet ausbilden zu lassen. Warum sollte es nicht auch
hochstehende Damen geben, die Geburtshilfe betreiben?"
„Meinst du, John würde das zulassen?"
„Das kommt auf euch beide drauf an. Wenn er schlau ist und dich von Herzen liebt, dann wird er dir deine Herzenswünsche nicht versagen."
„Natürlich. Fitzwilliam würde auch dir niemals einen Wunsch abschlagen können."
„Ja", Elizabeth lächelte versonnen, „das könnte er vermutlich nicht."
