Das Atmen fiel ihm schwer, jeder tiefe Atemzug verursachte ihm Rippenschmerzen, die man seinem ärgsten Feind nicht wünschte. Er wusste, er beanspruchte seine Frau in ihrem Zustand zu sehr, er wusste, er beanspruchte seinen geschundenen Körper zu sehr, aber sie waren beide über die Grenze hinausgegangen und nun musste man es eben zu Ende führen. Er wollte wissen, wie ein intimes Erlebnis mit ihr sein würde. Er war auch viel zu neugierig darauf gewesen. Und er dachte auch daran, dass, wenn er vielleicht einigermaßen wieder hergestellt war, sie bald das Kind gebären würde und dann… musste man sich doch sicher für eine recht lange Zeitspanne die körperlichen Aspekte einer Ehe versagen. Also, lieber noch genießen, so lange es eben möglich war.
Er hätte sicherlich noch weitaus größeren Genuss aus dieser ersten kleinen Episode herausgeholt, wenn ihm die Schmerzen nicht beinahe alles verdorben hätten. Er befand sich eine Viertelstunde lang zwischen Himmel und Hölle. Elizabeth verschaffte sich ungeniert und mit großer Selbstsicherheit Zugang zu seinen intimsten Teilen und ihre Streicheleinheiten waren mehr als unglaublich. Er glaubte, unter ihren Händen hinschmelzen zu müssen. Andererseits war jeder feste Atemzug wie ein Dolchstoß für ihn.
Sie merkte, dass er sich wesentlich schwerer tat als üblich. Sicher hielten ihn die Schmerzen vom allerletzten Fallenlassen ab. Er tat ihr ein bisschen leid. Sie wollte so gerne, dass er sich wohl fühlte. Und sie wusste, wie sie das schlussendlich erreichen konnte. Er hatte diese Spielvariante oft genug abgelehnt, aber sie wusste, er hatte es nur aus Rücksicht auf sie getan. Einige Male jedoch hatte sie ihn überlistet und jedes Mal gemerkt, dass ihm die Sache extrem gut gefallen hatte. Sie zögerte nun nicht mehr und schritt in letzter Konsequenz zur Tat. Die Erleichterung seinerseits ließ auch prompt nicht mehr lange auf sich warten. Nur – sein Protest blieb diesmal aus! Wieso?
Sie musste einen Moment nachdenken, als sie sich von seinem Körper langsam wieder zurückzog, dann dämmerte es ihr! Natürlich – er wusste ja gar nicht mehr, dass er sie früher von dieser Art des Einsatzes meistens abgehalten hatte. Sie grinste. Vielleicht fiel es ihm ja auch gar nicht mehr ein?
Fitzwilliam lag benommen in den Kissen. Großer Gott! Das war seine Frau? Er musste ernsthaft darüber nachdenken, ob er sie nicht vielleicht doch aus einem Freudenhaus errettet und zu einer ehrbaren Frau gemacht hatte. Eine frühere Miss Bennet aus Hertfordshire? Das konnte sie seiner Großmutter erzählen! Man konnte ihm ja wegen seines Gedächtnisverlustes Gott weiß was für Märchen auftischen. Es konnte stimmen, oder auch nicht. Er war dem völlig ausgeliefert. Im Augenblick tendierte er wirklich zu der unglaublichen Geschichte, dass er eine frühere Kurtisane geheiratet hatte. Nach diesem Erlebnis eben!
Sein Kopf rollte zur Seite und er schlief ein. Ein leises Schnarchen klang durch den Raum, als Elizabeth sich zur Tür raus schlich.
Mr. Portland hatte sich die letzten Tage angewöhnt, immer den Tee mit dem kranken Mr. Darcy einzunehmen. Dabei unterhielten sich die beiden Männer über den landwirtschaftlichen Betrieb, das Anwesen, die Pächter, die Dörfer und vieles mehr. Der Patient staunte, was ihm alles abverlangt wurde an Entscheidungen und Verantwortung. Manchmal spielten sie auch eine Partie Schach miteinander, was Fitzwilliam sehr schnell wieder erlernte. Dann kam es in heiterer, gelöster Stimmung schon einmal vor, dass sich der Kranke einen Brandy wünschte, während sein Verwalter grinsend vor ihm saß und die Schadenfreude nicht ganz verbergen konnte, wenn er in sein gut gefülltes Brandyglas blickte. Das war meist einer der seltenen Augenblicke, wo Mr. Darcy in freundschaftlicher Atmosphäre den Schachpartner formlos bei seinem Vornamen nannte: „Eugene, wie können Sie nur einen derartigen Zug machen! Wollen Sie, dass ich Sie gleich mattsetze?"
Und wenn sein Gegenüber dann noch immer steif bei der korrekten Anrede blieb: „Mr. Darcy! Ich habe Sie in der letzten Partie auch geschlagen, vergessen Sie das nicht!", wurde er schmunzelnd zurechtgewiesen: „Eugene, ich bitte Sie. Wir sind ganz unter uns. Nur Sie und ich, mein verdammter Tee und Ihr göttlicher Brandy! Also – ich bin Fitzwilliam!"
„Das weiß ich, Sir. Aber es würde mir nicht richtig vorkommen, Sie bei Ihrem Vornamen zu nennen. Auch nicht beim Schachspiel. Nachher würde ich mich irgendwann in geschäftlichen Belangen verplappern und Ihr gutes Ansehen und Ihr Respekt wären lädiert. Nein, Mr. Darcy, für mich wird es kein ‚Fitzwilliam' geben, tut mir leid!"
Dann knurrte dieser: „Kleinkarierter Spielverderber" und sie lachten letztlich beide, soweit es die angeknacksten Rippen bei dem Verletzten zuließen.
Einige Tage nach dem er aus der Bewusstlosigkeit erwacht war, kam der Tag, an welchem der Arzt und Rodgers ihn gemeinsam aus dem Bett bugsierten und aufrichteten. Man hatte ihm vorher eine ordentliche Dosis des Schmerzmittels gegeben, damit er es aushalten würde. Er bekam einen stabilen Spazierstock in seine linke Hand, der rechte Arm lag in einer Schlinge eng am Körper an. Er hatte sich zwar vorgenommen, keine Schmerzbekundungen von sich zu geben, aber als er endlich vor dem Bett zum Stehen kam, ächzte er doch ununterdrückbar.
Er machte sehr unsichere Schritte neben dem Bett auf und ab, keine seiner Muskeln und Gelenke wollte ihm so recht gehorchen. E fluchte unterdrückt. So hatte er sich seine Genesung nicht vorgestellt. Er hatte gedacht, gehofft, alles würde wesentlich schneller vonstatten gehen. Er wollte zu Elizabeth, er wollte unbedingt ins Ehebett zu ihr! Doch solange er nicht fähig war, die Treppen alleine zu steigen, würde der Arzt ihm von der Verlegung abraten. Er konnte sich gerade mal mühevoll um sein Krankenlager herum bewegen. Er fluchte innerlich.
Eine Flut von Briefen zu seinem Gesundheitszustand war angekommen. Er las mit staunenden Augen das Geschreibsel der für ihn fremden Personen. Eine Mrs. Collins aus Kent? Nun ja, die Hälfte des Briefes war an Elizabeth gerichtet. Diese Mrs. Collins erwartete wohl auch ein Kind. Aha. Und sie schrieb von seiner Tante, ganz offensichtlich eine Nachbarin der Collins'. Er rekapitulierte die Familiengeschichte zum xten Male: Der Earl of Matlock, seine Mutter und diese Lady Catherine waren Geschwister. Gut, jetzt hatte er es wieder.
Zwei dicke Briefe aus Hertfordshire (ja, ja, gut, seine Frau war tatsächlich aus einer zwar einfachen, aber sehr ehrbaren Familie dort!), der eine von seinen Schwiegereltern, die sich mehr als besorgt und für seine Begriffe fast übertrieben höflich nach seinem Zustand erkundigten, der andere mit einer liederlichen Handschrift von seinem Freund Charles Bingley, der die Schwester seiner Frau geheiratet hatte. Ihm schwirrte der Kopf! Alles war so verworren, so unübersichtlich. Er fand es merkwürdig, das sehr persönlich, vertraulich gehaltene Schriftstück eines Mannes zu lesen, den er jetzt nicht mehr zu kennen vermochte. Und dieser Bingley schrieb ja auch allerlei Delikates über seine Ehe mit Elizabeths Schwester! Olala!
Während er einen Brief aus London vom Onkel seiner Frau und dessen Frau las, wurde Besuch angekündigt: „Der Viscount of Matlock, Sir!"
Fitzwilliam verdrehte die Augen. Wieder jemand, den er nicht kannte, von dem er aber inzwischen wusste, wer er war. Wie sollte er ihn empfangen? Kommunizierte er mit seinem Cousin auf förmlicher oder auf familiärer Ebene? Er würde abwarten müssen, wie sich der Viscount ihm gegenüber verhielt.
Ein nicht sonderlich großer, leicht verlebter Mann mit sehr blassblauen Augen und einer undefinierbaren Haarfarbe wurde hereingeführt. Die mehr als exquisite Kleidung konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass derjenige der in den teuren Sachen steckte, durch zuviel gutes Essen, zuviel Wein und Brandy, vermutlich durch erheblichen Zigarrenkonsum und wahrscheinlich auch durch Frauengeschichten leicht außer Form gekommen war. Fitzwilliam versuchte, sich an die Vornamen des Cousins zu erinnern, falls er ihn mit diesen ansprechen würde: Andrew Richard und dann gewiss noch ein oder zwei Namen. Andrew sollte wohl reichen.
Der Cousin ließ sich ohne Aufforderung auf einen der Stühle sinken, wedelte erschöpft mit einem Tüchlein und nölte: „Meiner Treu! Sie sehen erschreckend schlecht aus, Cousin!"
Aha, so löste er es, der gute Andrew, nicht schlecht.
„Nun ja, ich habe auch einen schweren Unfall hinter mir", gab Fitzwilliam ihm zur Antwort.
„Ich habe es vernommen. Großes Pech aber auch. Da ich ohnehin auf dem Weg nach London bin, wurde mir die Ehre zuteil, die gräfliche Familie an Ihrem Krankenbett zu repräsentieren, cher Cousin!"
„Danke, fast zuviel der Ehre." Es klang beinahe ein wenig spöttisch, aber der Viscount bemerkte es nicht.
Unbeirrt fuhr er fort: „Mein Vater ist absolut nicht reisefähig, leider. Meine verehrte Frau Mutter und meine Schwester, Lady Harriet, befinden sich bereits in London. Sie sollten diese Saison endlich nutzen, um Harriet unter die Haube zu bringen. Es wird höchste Zeit für sie."
Er schlug die Beine übereinander und suchte dann mit seinen Augen die Tapete im Zimmer ab.
Dabei plapperte er in leierndem Ton weiter: „Wo sich Montgomery, Ihr guter Freund, herumtreibt, wissen die Götter. Wir haben von ihm schon seit Wochen nichts mehr gehört. Sie etwa?"
Fitzwilliam schüttelte den Kopf. Montgomery? Der um knapp zwei Jahre jüngere Bruder des Viscount? Colonel Montgomery Fitzwilliam? Ja, um diesen drehte sich die Konversation anscheinend.
Doch der Viscount war bereits beim nächsten Thema: „Aus London hört man derzeit wirklich interessante Dinge. Man munkelt wohl schon seit längerem, dass der König und Prinny Überlegungen anstellen, Sie in den Adelsstand zu erheben. Haben Sie davon auch schon gehört?"
Er wartete nicht, bis sein Cousin ihm eine Antwort gab, sondern fuhr unmittelbar an den vorherigen Satz anschließend fort: „Wenn Sie mich fragen, werter Cousin, ist das eine längst überfällige Maßnahme. Sie haben es verdient, Wenn ich sehe, wie Sie sich hier auf den Ländereien abrackern und außerdem in der Stadt ein hohes Ansehen genießen. Im Übrigen ist Ihr Familienzweig ohnehin der einzige ohne Titel. Es wäre also völlig in Ordnung."
Fitzwilliam wusste nicht so genau, welche Informationen da im Einzelnen auf ihn einprasselten, aber er war ziemlich angewidert von der blasierten Art des Viscounts. Er konnte nicht beurteilen, ob die Sache mit der Erhebung in den Adelsstand stimmte, aber er fand es unmöglich, dass Andrew Viscount of Matlock so tat, als hätte er der Entscheidung des Königshauses seine Zustimmung zu erteilen. Was bitte bildete der Fatzke sich denn ein? Er hätte ihm liebend gerne eine passende Antwort gegeben, aber etwas tief in ihm hielt ihn davon ab. Welchen Sinn würde das machen? Er konnte sich dabei auch völlig in die Nesseln setzen, so völlig ohne Erinnerung an die Vergangenheit. Er schluckte seinen Ärger tapfer runter und tat, als wäre er sichtlich ermüdet.
Zum Glück hatte sein Cousin nicht das geringste Interesse an einem längeren Aufenthalt. Als Elizabeth zur Tür hereinkam, um ihn zu begrüßen, stand er zwar höflich auf und verbeugte sich, machte aber keine Anstalten mehr, sich wieder zu setzen. Er beäugte seine Cousine mit einer Miene, die in Fitzwilliam den brennenden Wunsch hervorrief, ihm die Faust auf eines seiner neugierigen Augen zu schlagen.
Der Viscount ließ auch sogleich einen anzüglichen Kommentar seinen Blicken folgen: „Ah, die reizend erblühte Cousine. Meine Teure, Sie sehen umwerfend gut aus. Frauen in anderen Umständen üben irgendwie eine gewisse Faszination auf mich aus. An was das wohl liegen mag?"
Fitzwilliam ballte seine unverletzte Hand zu einer massiven Faust. Noch ein Wort und er würde aus dem Bett springen, egal welche Schmerzen ihm das verursachen würde, und diesen Lackaffen verprügeln!
Doch dazu kam es nicht, denn nachdem Elizabeth dem etwas schmierigen Cousin ein säuerliches Lächeln geschenkt hatte, begann dieser mit der Verabschiedung: „Ja, bedauerlicherweise muss ich Sie nun verlassen. Die Reise nach London ist beschwerlich zu dieser Jahreszeit und nimmt viel Zeit in Anspruch. Deswegen sehe ich mich gezwungen, mich zu empfehlen. Meine verehrte Cousine", er neigte seinen Kopf, nicht ohne ihr einen gierigen Blick zuzuwerfen, „werter Cousin, ich wünsche Ihnen gute Besserung. Und ich werde meine Stellung bei Hofe natürlich nutzen, um Ihnen bezüglich des Adelstitels behilflich sein zu können. Leben Sie wohl!"
Als er zur Tür draußen war, warfen sich Fitzwilliam und Elizabeth einen ratlosen Blick zu. Sie stellte auch sogleich die Frage: „Welchen Zweck wollte er denn mit diesem Besuch verfolgen? Solange ich hier auf Pemberley bin, war er noch nicht ein einziges Mal hier. Und zuvor? Zu dumm, dass du dich nicht erinnern kannst."
„Ich mag zwar an frühere Besuche von Andrew keine Erinnerung haben, aber dieser heute ist mir sehr lebhaft im Gedächtnis und ich würde instinktiv sagen, er hat sich vergewissern wollen, ob ich nun im Sterben liege oder nicht. Und da er mich wieder recht munter vorfand, ist er eben unverrichteter Dinge gegangen."
„Aber wieso? Welche Absichten verfolgt er?"
„Nun, ich kenne ihn ja nun auf Grund meines Gedächtnisverlustes nicht mehr, würde jedoch sagen, er hat es auf das Erbe abgesehen. Wenn ich sterbe, bevor du das Kind zur Welt bringst, könnte er mit einer Heirat mit dir sich alles unter den Nagel reißen. Er denkt wohl auch, dass ich mit 28 Jahren natürlich noch keine testamentarischen Verfügungen gemacht habe. Was ich momentan selbstverständlich selbst nicht weiß, vielleicht sollte mir der Familienanwalt darüber in Kürze mal Auskunft geben, damit ich beruhigt bin. Stell' dir nur vor, ich wäre bei diesem Unfall zu Tode gekommen."
„Meiner Treu! Fitzwilliam! Sag' doch bitte so etwas nicht!"
„Nur angenommen, mein Schatz. Er hat bislang wenig Interesse an Pemberley gezeigt, wie ich euren Schilderungen entnehmen kann, das ist wahr. Aber er wäre der reichste Mann von ganz Derbyshire, mit dem größten Besitz in der Grafschaft, wahrscheinlich sogar halb Englands, wenn er Matlock und Pemberley zusammenfassen würde. Und würde ich in jungen Jahren das Zeitliche segnen, bräuchte es für ihn nur eine Heirat mit dir und das Erbe würde ihm in die Hände fallen, jedenfalls so lange, bis unser Kind die Volljährigkeit erreicht haben würde. Und bis dahin vergeht so viel Zeit, dass er sicher leichtes Spiel haben würde."
„Du hast eines vergessen!"
„Und das wäre?"
„Ich würde diesen Affen niemals heiraten! Nicht für alles Geld und Gold dieser Welt. Er ist unerträglich, blasiert, affektiert, hochnäsig, absolut indiskutabel!"
Sie wunderte sich, warum ihr Mann plötzlich auflachte: „Oh, wenn ich deinen Erzählungen der letzten Tage Glauben schenken soll, dann dachtest du all diesen furchtbaren Dinge einst auch von mir, oder liege ich damit falsch? Und nun, hier und heute, versicherst du mir jeden Tag mehrere Male wie sehr und innig du mich liebst!"
Sie kam sehr nahe an sein Gesicht und flüsterte zärtlich: „Ja, aber du hast noch einen erheblichen weiteren Vorteil!"
„Welchen?"
„Du siehst sehr, sehr, sehr gut aus!"
Ein Kuss, unterbrochen von seinem glucksenden Gelächter, war die Belohnung für diese, ihre Worte.
Die Genesung der körperlichen Blessuren machte weiter Fortschritte. Es kam der Tag, wo er mit dem Stock die Treppe bewältigen konnte, auch wenn es nur langsam ging, denn er konnte sich wegen der lädierten Schulter nicht am Geländer festhalten. Es war sehr mühsam, aber er biss die Zähne zusammen und bewältigte das Hindernis. Sofort wies er Rodgers an, sein Bett für den Abend im ehelichen Schlafzimmer richten zu lassen und das Krankenlager im Damenschreibsalon zu räumen. Rodgers tat unverzüglich, wie ihm geheißen wurde und konnte sich ein winziges, süffisantes Grinsen nicht verkneifen.
Elizabeth konnte es nach dem Dinner nicht abwarten, sich zurückziehen zu können und endlich wieder neben Fitzwilliam im großen Bett zu liegen. Dieser hatte das Dinner oben serviert bekommen, das ständige Sitzen am Tisch war ihm noch nicht zuzumuten. Er wartete mit großer Ungeduld auf Elizabeth, das Buch, das vor ihm lag, hatte er nach dem Essen kaum angesehen. Er lag in den Kissen, die Zeiger der Uhr auf dem Kaminsims schienen kein Stück vorzurücken. Nervös trommelten seine Finger auf der Matratze. Sie hatten einige kleine Intermezzi im Krankenzimmer hinter sich, ja, aber es war wieder ganz etwas anderes, hier im Ehebett aufeinander zu treffen. Noch immer hatte er keinerlei Erinnerung an früher, auch diese gewohnte Umgebung hier hatte ihm rein gar nichts gesagt.
Er war selbst überrascht gewesen von dem prunkvollen, beinahe königlich zu nennenden Raum. Rodgers hatte ihm gesagt, er hätte einige Räume vor seiner Heirat zu diesem hier umgestalten lassen und beim Anblick des Badezimmers hatte es ihm tatsächlich fast den Atem verschlagen. In dem Bassin konnte man ja fast schwimmen, nicht schlecht.
Als seine Frau eintrat, setzte sein Herzschlag kurzfristig einmal aus. Er war wirklich leicht unsicher, fühlte sich unglaublich nervös. Sie befand sich nur wenige Wochen vor der Niederkunft, war es da überhaupt möglich… mit ihr…? Seine Gedanken kreisten wirr. Was hatten sie vorher alles gemeinsam erlebt und getan? Er wusste es nicht. Zwar hatte er erlebt, dass sie keineswegs scheu oder gar verklemmt war, ganz im Gegenteil, im ersten Moment hatte er fest an den Gedanken geglaubt, sie könne eine ehemalige Kurtisane sein. Sie verstand es, einen Mann halb in den Wahnsinn zu treiben, so viel war ihm klar. Aber was konnte er sich im Gegenzug mit ihr erlauben? Und was war mit dem Baby? Es gab nur einen Weg, es heraus zu finden: Er musste offen mit ihr sprechen!
