Das fiel ihm nicht leicht. Er hatte plötzlich das Gefühl, kein sehr kommunikativer Mensch zu sein. Und es beschlich ihn die leise Ahnung, dass das in seiner Vergangenheit oft der Fall gewesen sein musste. Mit jedem Atemzug den er gerade machte, fühlte er sich gehemmter. Er wollte es nicht, kämpfte dagegen an, aber es überrollte ihn einfach. Ja sicher, Elizabeth hatte ihm ein klein wenig aus der Zeit erzählt, als er und sie sich kennen gelernt hatten. Er wusste, dass es ihm damals offensichtlich schwer gefallen war, sich zu seinen Gefühlen zu bekennen und sich zu öffnen. Aber dann musste es doch sehr gut gelaufen sein. Und jetzt? Hatte er einen Rückfall in alte Verhaltensmuster? Er hoffte es nicht.

„Darling, du bist sehr blass. Geht es dir nicht gut?"

Ihre Frage ließ ihn beinahe zusammenzucken.

Er wühlte sich tiefer in die Kissen, eine Antwort murmelnd: „Nein, vielleicht war der Umzug nach hier oben ein bisschen anstrengend. Das ist alles."

Sie streckte sich neben ihm aus, nahm wie selbstverständlich seine Hand und legte diese auf ihren Bauch: „Wir haben dich schmerzlich vermisst. Ich bin so froh, dass du wieder bei mir bist. Ist auch wirklich alles in Ordnung?"

Für einen kurzen Moment hielt er den Atem an, dann beim Ausatmen nickte er: „Ja, keine Sorge."

Sie kuschelte sich näher an ihn: „Wunderbar. Du würdest es mir sagen, wenn dich etwas anstrengt, oder?"

Wieder ein kurzes Nicken von ihm, diesmal ohne Worte.

Sie strahlte ihn an: „Gut. Möchtest du wissen, wie sehr ich dich vermisst habe?"

War jetzt ein drittes Nicken angebracht? Er wand sich, wusste nicht, wie er sich verhalten sollte.

Dann spürte er ihre Hand auf seiner Brust. Vorsichtig, aber dennoch zielstrebig glitt sie unter sein Hemd. Sie kicherte: „Seit wann hast du hier im Bett ein Nachtgewand an?"

Er vermied es, sie anzusehen.

Statt einer direkten Antwort auf ihre Frage sagte er schließlich: „Lizzie, ich sollte ein paar Dinge mit dir bereden. Nur – ich fühle mich so unglaublich unfähig. Es ist wie eine Blockade in mir. Ich fühle mich sehr schlecht deswegen."

Elizabeth schaute alarmiert auf: „Oh! Hat es etwas mit deinem Gedächtnisverlust zu tun? Erinnerst du dich an etwas?"

Er seufzte: „Nein, eigentlich nicht. Oder nur ganz unwesentlich. Ich empfinde es als sehr unbefriedigend, dass ich nichts über… also über… unser Liebesleben weiß. Und ich wollte ausführlich mit dir darüber sprechen und dann war mir plötzlich bewusst, dass ich wohl kein sehr mitteilsamer Mensch bin. Üblicherweise. Und das ist dieser winzige Punkt, an dem mich die Vergangenheit wohl eingeholt hat. Der Drang, einfach zu schweigen war vor wenigen Augenblicken wesentlich größer, als der Drang, mit dir über – ähm, unsere Bettgeschichten zu reden."

Es herrschte ein Augenblick der völligen Stille. Dann antwortete Elizabeth: „Ich sehe das nicht unbedingt als ein schlechtes Zeichen. Sicher werden sich deine Erinnerungen bald wieder einstellen. Und bis dahin kannst du mich immer alles fragen, selbst wenn es sich um Bettgeschichten, wie du so schön sagtest, handelt."

„Das weiß ich doch, danke."

Elizabeth merkte, dass er weiterhin zögerte und aus seinem Schneckenhaus noch nicht ganz hervorkam. Es dämmerte ihr, dass er sich so zurückhaltend verhielt aus der Unsicherheit ihr gegenüber heraus. Er wusste nicht, wie er sich verhalten sollte, er wusste ja nicht mehr, was ihr gut getan hatte, wie er im Bett begegnen sollte. Sie erfasste beim Nachdenken, dass er nun fast wie eine männliche Jungfrau sein musste.

Ein enormes Gefühl der Zärtlichkeit stieg in ihr hoch, für ihn jedoch musste es ein fast beschämendes Gefühl sein. Was wäre, wenn er versagte? Wenn er alles falsch anpackte? Sie verstand langsam seinen Zwiespalt. Fast tat er ihr sogar leid. Männer wollten gerne heldenhaft sein. Und genau das würde er in seiner erinnerungslosen Unerfahrenheit eben nicht sein. Davor hatte er anscheinend Angst. Verständlicherweise.

„Elizabeth, ich mache mir wirklich Sorgen. Diese Gedächtnislosigkeit ist in vielerlei Hinsicht unerträglich, aber was dich und mich angeht, ist sie die reinste Folter. Ich kann dir nichts bieten, weil ich auf den Schatz meiner Erfahrung nicht zurückgreifen kann. Und es bereitet mir großes Unbehagen, dabei nur auf dich angewiesen zu sein. Nicht, weil ich es dir nicht zutrauen würde. Sondern nur, weil es eigentlich nicht deine Aufgabe sein kann."

„Aber warum lässt du dich nicht einfach von deinem Instinkt leiten?"

„Ich bin mir nicht sicher, ob der nicht auch mit meinen Erinnerungen abhanden gekommen ist."

„So! Jetzt hörst du mir einmal genau zu! Ich verstehe vollkommen, dass du sehr gemischte Gefühle hast, hier und heute. Doch ein klein wenig solltest du mir auch Vertrauen entgegenbringen. Und wenn es überdies wegen des Babys sein sollte, kann ich dich beruhigen, das ist soweit alles in Ordnung. Nur wäre es jetzt nicht mehr ratsam, bis ganz zum Äußersten zu gehen..."

Er lachte zynisch auf: „Das ist genau, was ich fürchtete! Ich weiß ja nicht einmal, was du damit meinst. Was ist für dich, für mich, das Äußerste?"

Sie beugte sich an sein Ohr und flüsterte etwas hinein. Die Hitze stieg langsam in ihm hoch. Er musste sich fangen, sein inneres Gleichgewicht wieder erlangen. Sie war eine so unglaubliche Frau, sie hatte verdient, dass man sie liebte. Und zwar auch mit seinem Körper.

Langsam richtete er seinen himmelblauen Augen auf sie und versuchte sich in einem zaghaften Lächeln: „Ich denke, ich muss mich darauf einlassen, dass du hier das Kommando haben wirst. Zumindest heute Abend und eventuell auch noch ein wenig länger, denn vielleicht gefällt es mir ja, der Verführte zu sein, wer weiß."

Jetzt lachte sie, laut und herzlich.

Als sie sich wieder ein wenig beruhigt hatte, verlangte sie forsch einen Kuss von ihm: „Fitzwilliam, genug geredet! Bitte, gib mir einen Kuss!"

Er konnte sich einfach noch nicht so gut bewegen und beugte sich deswegen nur halb über sie, dabei verzog er schon das Gesicht vor Schmerzen. Doch den Kuss konnte er ihr wie verlangt geben.

Dann sank er ermattet in das Kissen zurück und sagte: „Puh, ich glaube, die meisten Aktivitäten, die ich eigentlich zu tun gedachte, haben sich damit erledigt. Ich bin tatsächlich auf deine Mitarbeit angewiesen. Um nicht zu sagen, ich bin in allerhöchstem Maße auf erhebliche Aktivitäten deinerseits angewiesen. Und ich bin sehr deprimiert, dies zugeben zu müssen."

Sie war ziemlich erfreut darüber. Sie hatte sich vorgenommen, viele Dinge auch in Worte zu kleiden, damit er alles besser aufnehmen, besser genießen konnte.

Zuerst aber zog sie sich ihr Kleid aus. Er schaute mit kugelrunden Augen auf das, was es langsam preisgab. Er hatte sie noch nie nackt gesehen, immer vom Zeitpunkt des Unfalls ausgehend, er war voller Erwartung, sein Körper war von Hitze durchflutet. Dem Kleid folgte das Unterkleid. Ihre nun vollen Brüste kamen zum Vorschein, das Ziehen in seinen Lenden wurde fast unerträglich. Dann aber, als ihr stark gewölbter Leib sichtbar wurde, außerdem auch ihre Schamgegend, ihre schlanken Beine, musste er sich am Laken festkrallen, so sehr durchströmte ihn das Verlangen. Meine Güte, sie war eine Göttin, eine Göttin, die sein Kind trug! Und er hatte nicht erwartet, dass ihn das dermaßen erregen würde.

Vielmehr hatte er befürchtet, wegen der Schwangerschaft weniger Begierde zu empfinden. Dass das genaue Gegenteil der Fall war, kam überraschend für ihn. Als sie sich neben ihm ausstreckte, konnte er nicht in völliger Passivität verharren. Er musste ihre Brüste berühren, es ging nicht anders. Er strich mit seiner unverletzten Hand sanft darüber. Er spürte sofort, wie sehr ihr das gefiel. Es gab ihm den Mut, sie mit den Fingern dort ein wenig zu reizen. Sie kniete sich hin, über ihm, fast als wolle sie sich auf ihn setzen. So hatte er ihren Busen, ihren Babybauch direkt im Blickfeld. Sie beugte sich runter und küsste ihn.

Dann begann sie, zu sprechen: „Du bist ein unglaublich attraktiver Mann. Ich habe den Drang, dich am ganzen Körper zu berühren, dich überall zu küssen."

Ihr Mund wanderte über seinen Hals weiter nach unten. Doch mehr noch als das hatten ihn ihre Worte erregt. Er hielt es kaum noch aus, alles in ihm schrie nach dem Finale! Doch sie war nicht gewillt, die Dinge zu beschleunigen.

An seinen Rippen war sie sehr vorsichtig, sie hauchte nur sanfte Küsse auf die Blessuren, die noch immer in Form von sich zurückbildenden Blutergüssen sichtbar waren. Er seufzte tief. Ihre Hände wanderten ruhelos über seine Brustbehaarung bis zu seinem flachen Bauch. Dann bohrte sie ohne Vorwarnung ihre Zunge in seinen Bauchnabel. Er richtete sich halb auf und stieß einen erstaunten Laut aus.

Immer wieder sprach sie dazwischen: „Ich liebe jedes einzelne Haar an dir. Es macht dich so männlich, es wird einem so deutlich der Unterschied zwischen den Geschlechtern bewusst. Du bist ein Prachtexemplar deiner Gattung."

Sie fuhr mit beiden Händen von seinen Knieen bis zu seinen Oberschenkeln entlang, er sog scharf die Luft ein. Wenn er sich doch nur besser würde rühren können! Zur Inaktivität verdammt zu sein, fand er einerseits sehr erregend, andererseits störte es ihn aber auch.

Das letztere Gefühl behielt die Oberhand.

Bevor sie sich weiter an ihm zu schaffen machte, hielt er aus einem Impuls heraus ihre Hand fest: „Nicht! Es war nicht die Frage, wie du mit mir umgehst, sondern wie ich mit dir umgehen soll. Und das möchte ich herausfinden. Dass du eine hingebungsvolle und kundige Geliebte bist, hast du hinreichend bewiesen. Ich weiß, dass mich meine Verletzungen derzeit noch davon abhalten, ein Bettgenosse zu sein, den man über die Maßen schätzt, aber ich fühle mich einfach nur als halber Mensch, wenn ich nicht wenigstens versuche, dir die körperliche Aufmerksamkeit zu geben, die du dir wünschst. Und ich bin bereit, dass du mich ein wenig anleitest, damit ich nichts verkehrt mache. Einverstanden?"

Sie nickte und zog sich aus ihrer Position über ihm zurück. Sie legte sich auf den Rücken und schloss ihre Augen.

Dann begann sie mit leiser Stimme, ihn zu führen: „Es hat mir gefallen, wie du vorhin meine Brüste berührt hast. Das darfst du gerne wieder tun. Es ist sehr schön."

Er konnte sich nicht hinknien, das hätte seine Rippen zu sehr gestaucht, also drehte er sich seitlich zu ihr um, legte sich auf seine unversehrte Seite. Doch so konnte der den Arm, die Hand nicht gebrauchen. Seufzend richtete er sich auf, verzerrte das Gesicht und versuchte doch, auf die Knie zu kommen. Er hatte Schmerzen, aber die Sache war es ihm wert.

Trotzdem lächelte er, als er sie so in voller Pracht vor sich liegen sah. Er musste sich sehr beherrschen, nicht sofort über sie herzufallen. Es reizte ihn ganz unglaublich, sie sofort zu nehmen. Aber er musste Rücksicht auf ihren Zustand nehmen. Er beschäftigte sich mit ihren Brüsten, bedauerte es aber sehr, dass er sich nicht ganz hinunter beugen konnte, um auch mit seinem Mund daran zu spielen. Er umfasste den Bauch mit beiden Händen, leicht, ohne Druck und betastete das Kind mit großem Staunen. Es war wie ein Wunder, als sie ihm zeigte, wo das Baby gerade mit seinen Füßchen strampelte. Fast standen ihm die Tränen in den Augen. Als er dann sah, wie sich der Bauch, die Figur wieder verjüngte, war es ihm ein großes Rätsel, wie Frauen überhaupt gebären konnten. Da, an dieser kleinen, schmalen Stelle sollte das Kind herauskommen? Unfassbar!

Sie hielt die Augen weiterhin geschlossen, aber ihre Stimme klang belegter, als sie weiter sprach: „Du brauchst keine Scheu haben. Es geht mir gut und du darfst mich überall berühren. Ich empfinde das als sehr lustvoll und ich genieße es wirklich."

Er zögerte, es kam ihm plötzlich vor, als sollte er all diese Dinge auf Kommando tun. Das erzeugte kein großes Hochgefühl in ihm. Wie gerne hätte er seinen anderen Arm, seinen Mund zur Unterstützung gehabt, aber es war unmöglich. Langsam streichelte er ihre Hüften, spürte, trotz des Kindes das sie trug, die Beckenknochen rechts und links. Sie öffnete ihre Beine lasziv, fast wie von Zauberhand. Nun endlich wuchs auch sein Lustempfinden wieder, eine Welle der Erregung schwappte über ihn. Ohne jegliches Schamgefühl zeigte sie ihm so den Weg. Er schob seine Hand vorsichtig zu ihrer Körpermitte. Stückchenweise tastete er sich vor.

Sie keuchte, als sie erneut sprach: „Ich würde dich so gerne richtig aufnehmen, aber ich glaube, es wäre nicht mehr… oooh, warte!... meinem Zustand nicht mehr förderlich."

Sie wand sich nun unter seinen Berührungen, dann aber öffnete sie kurz die Augen und blickte ihn mit riesigen Augen an: „Fitzwilliam, es ist mir egal, bitte nimm mich ganz! Ich halte es nicht mehr aus, ohne nicht wenigstens noch einmal vor der Niederkunft von dir erfüllt gewesen zu sein. Bitte!"

Er dachte nur einen Moment lang nach, die Folgen dieses Handelns waren ihm ganz und gar nicht klar, aber der Rausch, in dem sie sich beide befanden, war schon zu weit fortgeschritten. Er drang in sie ein, sanft zwar, aber trotzdem mit Bestimmtheit. Sie rief seinen Namen ein paar Mal, dann war alles erreicht, was es zu erreichen gab. Er litt höllische Schmerzen, als sein Körper sich in ihr erleichtert hatte und er sich der anderen Dinge wieder bewusst wurde. Mit lautem Stöhnen ließ er sich in die Kissen fallen. Er würde für diesen Akt sicher am nächsten Tag büßen müssen, ihm tat jetzt schon alles weh! Aber er wusste jetzt, wie es mit ihr war! Nicht in Worte zufassen. Und wie würde es erst sein, wenn er körperlich wiederhergestellt war?

Die Genesung schritt weiter voran, auch wenn er wirklich an dem Tag nach seiner Rückkehr ins eheliche Schlafzimmer einen kleinen Rückfall hatte. Elizabeth selbst hatte sich an diesem Tag auch mehr geschont als üblich, sie hatten beide oft im Bett gelegen, hatten gelesen, jeder für sich selbst, aber auch sich gegenseitig vorgelesen. Weil er so erschöpft gewesen war und sie ein bisschen Schonung brauchte, hatten sie sich nicht mehr auf Körperlichkeiten eingelassen, nur einigen sinnlichen Küssen hatten beide nicht widerstehen können.

Es ging nun mit Riesenschritten auf den ersten Hochzeitstag zu, den man wegen des Unfalls und der damit einhergehenden körperlichen Beeinträchtigung von Fitzwilliam nur in kleinem Kreise begehen wollte. Die große Feier wollte man sich für die Taufe des Kindes aufheben, dann sollte die gesamte Verwandtschaft geladen werden. Er bewegte sich immer sicherer auf seinem Stock, die Treppen bewältigte er nun immer schneller. Die Rippen heilten ganz gut, nur das Schlüsselbein gab noch Anlass zur Klage. Es schien nicht mehr ganz gerade zusammenzuwachsen, der Arzt schätzte, der kleine Makel würde unter der Kleidung nicht sichtbar sein, allerhöchstens in entblößtem Zustand würde man den leicht unregelmäßigen Zusammenwuchs der Knochen sehen können, günstigstenfalls auch nur ertasten.

Das Gedächtnis stellte sich noch immer nicht ein, wenngleich ihm manchmal war, als würde ein Blitz ihm etwas Bekanntes durch sein Gehirn jagen. Ebenso rasch wie das Gefühl gekommen war, ging es aber auch wieder weg.