Sie lag bereits im Bett, als er aus dem Bad kam. Mit einem Blick, von dem ihm ganz heiß wurde, lächelte sie ihm entgegen. Sie bedeutete ihm mit einer Handbewegung, nicht ins Bett zu kommen, sondern davor stehen zu bleiben. Er tat wie ihm geheißen wurde. Sie rutsche ein gutes Stück vor zum Rand des Bettes. Er war völlig ahnungslos und stand abwartend vor ihr. Sie riss die Decke mit einem Ruck weg und lag völlig nackt vor ihm. Dieser Anblick trieb ihm sofort etliche Schweißerperlen auf die Stirn. Doch damit nicht genug, sie zog ihre Knie an und gewährte ihm Einblicke, wie er sie in mehr als einem Jahr Ehe kaum gehabt hatte. Er hielt die Luft an. Was machte sie da? Was hatte sie nur vor? Wollte sie ihn in den Wahnsinn treiben? Er war so erregt, dass ihm fast die Zunge am Gaumen festklebte.
Er brachte schließlich hervor: „Lizzie, was soll das werden? Wieso heizt du mir dermaßen ein? Bitte, ich kann mich da nur schwerlich beherrschen!"
„Du sollst dich nicht beherrschen! Ich möchte dich spüren, bitte!"
„Liebes, weißt du, was du da sagst? Seit Wochen bemühen wir uns, unsere Leidenschaft füreinander unter Kontrolle zu halten, was mir außerordentlich schwer gefallen ist und nun plötzlich das? Das kann nicht sein, oder?"
„Frag bitte nicht! Möchtest du denn nicht gerne mit mir zusammen sein?"
"Das ist nicht die Frage. Und ob ich das möchte. Aber das Kind…"
„Hat nichts zu befürchten, glaub mir. Ich habe das Einverständnis von Mrs. Fielding."
Er schüttelte ungläubig den Kopf: „Liebes, das träume ich doch, oder?"
"Wenn du noch lange Reden hältst, wird mir kalt. Bitte, Schatz!"
Er fühlte sich etwas unter Druck gesetzt, aber – es war sehr verlockend, Sie lag in einer Position vor ihm, die in seinen Lenden wahre Stürme hervorrief. Er hatte noch nie eine Frau im Stehen begattet, aber jetzt peitschte ihn seine Erregung so hoch, dass er nicht mehr länger darüber nachdachte. Er rückte nahe an das Bett heran, warf seinen Morgenrock achtlos weg und schob sich mit einem erlösten Aufseufzen in sie hinein. Er nahm seine Hände, umfasste ihre Schenkel und drückte diese noch ein wenig weiter auseinander. Sie gab lustvolle Laute von sich und warf ihren Kopf in Erregung hin und her. Er versuchte, seinen Ansturm etwas zu zügeln, wollte Rücksicht auf ihren Zustand nehmen, doch es gelang ihm nicht. Diese ungewohnte Stellung trug ihn ziemlich hoch hinaus und er lebte plötzlich nur noch seinen animalischen Trieb aus. Er war nicht gerade leise beim Erreichen des Höhepunktes und auch sie biss sich auf ihre Hand, um nicht ihre Mutter aus dem Schlaf zu schrecken.
Erschöpft und halb weggetreten ließ er sich neben sie auf das Bett fallen: „Madam, ich erkenne mich selbst nicht mehr! Und über Sie muss ich mich auch sehr wundern!"
Er bedachte sie mit einem nicht ganz ernst gemeinten, vorwurfsvollen Blick, dann ging er wieder zu einem lockeren Ton über: „Du bist ein wahrhaft durchtriebenes Weibsstück und verstehst es meisterhaft, einen Mann auf ewig in deinem Bett zu halten. Mein Kompliment!" Er wickelte sich in die Decke, küsste sie liebevoll auf die Schulter. Er merkte noch, wie sich neben ihm ausstreckte, dann war er eingeschlafen.
Zum Frühstück herrschte reger Betrieb, Mary und Georgiana kicherten, als wären sie gerade erst fünfzehn geworden.
Es ging Fitzwilliam so auf die Nerven, dass er ungewohnt barsch reagierte, als er zum wiederholten Male aus seiner Zeitungslektüre durch das Gelächter der jungen Frauen aufgeschreckt wurde: „Bitte! Georgiana! Miss Mary! Ich weiß gar nicht, was es hier dauernd zu kichern gibt!"
Seine Schwester schaute ihn mit großen Augen an: „Entschuldige bitte, aber ich hatte Mary gerade von Jonathans letztem Brief erzählt und… und da…", sie brach ab, weil sie sich unter dem bohrenden Blick ihres Bruders unwohl fühlte.
Elizabeth kam herein und nahm sich einen Teller. Langsam setzte sie sich auf einen Stuhl und klopfte sich ein gekochtes Ei auf.
Das war die Gelegenheit für Mary, schnell das Thema zu wechseln: „Oh Lizzie, wie geht es dir denn heute?"
„Mary, fang du nicht auch an dauernd zu fragen. Mutter ist schon ständig hinter mir her, wie die Katze hinter der Maus! Aber da du schon fragst, mir geht es ziemlich gut, nur habe ich heute etwas Rückenschmerzen." Sie bedachte ihren Mann mit einem viel sagenden Seitenblick, den dieser auffing und mit einem unauffälligen Schmunzeln quittierte.
Fitzwilliam erklärte ihr beim Frühstück seine Pläne für den heutigen Tag, er musste dringend in die Brauerei, da die Abfüllung des Weihnachtsbieres kurz bevorstand. Bevor er aufstand und ging, küsste er allen Damen die Hand, die von Elizabeth etwas intensiver, die der beiden jungen Damen mit einem entschuldigenden Blick, was diese wiederum zu einem Kicheranfall inspirierte und Mary sogar die Röte ins Gesicht trieb.
Kurz nach dem der Hausherr verschwunden war, verließen auch Mary und Georgiana den Raum. Elizabeth hatte keine Lust, lange alleine sitzen zu bleiben, sie trank ihren Tee hastig leer und stand dann auch auf. Auf dem Weg zur Tür durchzuckte sie ein arger Schmerz. Da er aber vom Rücken her ausstrahlte, dachte sie sich nicht viel dabei und schob es auf die ungeheuerlichen Dinge, die sie in der Nacht mit ihrem Gatten getan hatte.
Sie war viel auf den Beinen an diesem Vormittag, spürte aber das Gewicht des Kindes immer mehr. Die Rückenschmerzen wurden auch heftiger. Nach einer Weile kam ihr das merkwürdig vor. Sie ging gerade die Treppe nach oben, als sie sich fest am Geländer halten musste, um den Schmerz zu überstehen. Eines der Hausmädchen war in der Nähe und bemerkte es.
Sie rief: „Mrs. Darcy? Alles in Ordnung?"
Elizabeth schüttelte den Kopf: „Trisha, lass bitte Mrs. Fielding holen. Sie sollte das besser mal überprüfen."
Dann setzte sie tapfer ihren Weg nach oben fort. Der Schmerz war wieder verschwunden und alles war wie zuvor. Sie wusste nicht, ob es wirklich das Kind war oder andere Ursachen hatte.
Doch Mrs. Fielding war bei einer anderen Geburt im Dorf. Sie war noch nicht abkömmlich, da dort wohl die letzte Phase unmittelbar bevorstand.
Elizabeth wurde nun doch unruhig. Sie hatte aber keine Lust, ihre Mutter zu beunruhigen, die sonst wohl das ganze Haus rebellisch gemacht hätte. Und bei einem Fehlalarm wäre dies doch zu peinlich.
Also lenkte sie sich ab mit Küchenarbeit. Sie suchte sich eine ruhige Ecke in den Wirtschaftsräumen, wo sie die geräucherten Würste und Schinken und all diese Leckereien zählte und sorgfältig in das Vorratsbuch eintrug. Wenn sie Mrs. Reynolds dieser Tage entlasten konnte, tat sie das und sie tat diese Dinge gerne. Keiner bemerkte, wie sie sich immer stärker krümmte. Aber sie hatte nicht einmal den Drang, sich hinzusetzen oder gar hinzulegen. Sie fand, es war im Stehen am besten auszuhalten.
So fand schließlich Mrs. Fielding sie, nachdem man die Herrschaftsräume umsonst nach ihr abgesucht hatte. Als sie hereinmarschiert kam, hatte sie gerade eine Wehe hinter sich und stand aufrecht am Tisch, Notizen in das Buch machend. Auf den ersten Blick war ihr nichts anzumerken.
„Mrs. Darcy. Ich bringe gute Neuigkeiten, bei Bauer Simons hat es gerade vor zwei Stunden ein kleines Mädchen gegeben. Sie trägt ihren Namen."
Der Name hatte sich im letzten Jahr schlagartig bei neugeborenen Mädchen rund um Pemberley verbreitet. Elizabeth lächelte und blickte die Hebamme an.
Das war der Augenblick, wo Mrs. Fielding es ihr ansah: „Oh, liebe Güte! Seit wann?"
„Die Schmerzen?"
„Ja, seit wann haben Sie sie und in welchem Abstand kommen sie?"
„Seit kurz nach dem Frühstück, also etwa seit zehn Uhr. Und auf die Abstände habe ich nicht geachtet, ehrlich gesagt. Ich wusste nicht, dass dies wichtig sein könnte."
„Gut, gut. Dann schauen wir uns das jetzt mal an. Wenn die nächste Wehe kommt, sagen mir Bescheid, ja?"
Elizabeth nickte und trug weiter Zahlen in das Buch ein. Mrs. Fielding wollte den nächsten Satz beginnen, da machte ihr Elizabeth ein Zeichen. Sie krallte ihre Hände in die Tischkante und atmete heftig aus. Mrs. Fielding war verblüfft. Sie machte das instinktiv richtig und vor allem war es so viel besser, sich in dieser Phase sinnvoll zu beschäftigen, anstatt untätig und leidend im Bett zu liegen.
Mrs. Fielding zog eine Sanduhr aus ihrer Tasche und stellte diese auf: „Dann wollen wir mal sehen, wie lange es bis zur nächsten Wehe dauert."
Sie mussten nicht allzu lange warten, es vergingen noch keine zwei Minuten. Mrs. Fielding packte die Sanduhr ein, klappte das Buch vor Elizabeth energisch zu und nahm sie am Arm:
„Mrs. Darcy, wenn Sie jetzt nicht mitkommen, werden Sie ihr Kind noch hier im Keller bekommen! Ich muss Sie dringend untersuchen, ich habe den Eindruck, das Kind ist schon sehr bald da!"
Auf der Treppe nach oben kam die nächste Wehe, diesmal ging Elizabeth stöhnend in die Knie und nun gab es nichts mehr zu verbergen, denn mindestens drei Bedienstete waren Zeuge dieses Vorgangs. Mrs. Fielding übernahm auch sofort das Kommando: „Bitte alle Dinge, die für die Geburt vorbereitet wurden, herrichten und etwas flott wenn ich bitten darf. Mrs. Darcy ist der Niederkunft bereits sehr nahe."
Im Schlafzimmer angekommen rollte die nächste Wehe heran und diese war nun zum ersten Mal so schmerzhaft, dass Elizabeth sehr laut aufstöhnte. Clarice zog ihr das Kleid in Windeseile aus, Mrs. Fielding und die Zofe platzierten sie vorsichtig auf dem Bett und die Hebamme untersuchte die Gebärende, um den Fortgang der Geburt feststellen zu können. Sie war nicht sonderlich überrascht, dass sich alles gut entwickelt hatte und das Baby sicher innerhalb kürzester Zeit da sein würde. Hätte sich Mrs. Darcy gleich beim ersten Anzeichen von Schmerz ins Bett gelegt, wäre man sicherlich noch nicht so weit und sie hätte wohl auch mehr zu leiden gehabt. Elizabeth fühlte sich auch gar nicht gut im Bett. Sie wollte wieder aufstehen. Man ließ sie gewähren, obwohl Clarice die Hebamme entsetzt anstarrte. Elizabeth umklammerte den Bettpfosten bei der nächsten Wehe und stieß einen jammervollen Laut aus.
Es klopfte und Clarice ließ Mrs. Bennet und etliche Dienstmädchen mit Wäsche und dampfenden Wasserschüsseln herein. Mrs. Bennet kreischte entsetzt, als sie ihre Tochter am Bettpfosten hängen sah: „Mein Engelchen, du musst ins Bett! Unbedingt!" Und zu Mrs. Fielding: „Wie können Sie ihr das nur erlauben! Meine Jane ist fast umgekommen bei der Geburt ihrer Tochter."
Mrs. Fielding zuckte sorglos mit den Schultern und antwortete: „Das waren offensichtlich auch ganz andere Umstände als hier. Ich versichere Ihnen, wenn Sie hier keine Ruhe bewahren, verweise ich Sie des Zimmers. Und glauben Sie mir, Mrs. Bennet, ich habe hier momentan die Befehlsgewalt und ich werde davon im Notfall rigoros Gebrauch machen."
Diese Drohung ließ Mrs. Bennet verstummen. Sie ließ sich auf einen Stuhl in einer Ecke fallen und fächelte sich mit einem Buch etwas Luft zu. Die Dienstmädchen richteten das Bett her und gingen dann schnell wieder. Es blieben nur Mrs. Bennet, Mrs. Fielding, Clarice und die angehende Mutter zurück. Das war Mrs. Fielding nur recht. Es musste nicht ein Auflauf wie bei Königs herrschen, je ruhiger alles vonstatten ging, desto besser.
Inzwischen war ein Bursche hinüber zur Brauerei gelaufen, um Mr. Darcy Bescheid zu geben. Doch dieser war nicht in diesem Teil des Wirtschaftshofes. Der Bursche rannte weiter zum Verwalterhaus. Dort fand er den Hausherrn bei Mr. Portland sitzen und eine Tasse Tee trinken.
Atemlos sprudelte er hervor: „Mr. Darcy, Sir, ich soll Ihnen ausricht'n, dass Mrs. Darcy g'rad am Niederkomm'n is!"
Die beiden Männer sprangen hektisch auf. Fitzwilliam konnte noch nicht reiten, und er hatte für den Fußweg hierher schon lange gebraucht. Schnell wurde ein Karren geholt, vor den man einen Maulesel gespannt hatte und Fitzwilliam trieb das gute Tierchen zu großer Eile an.
Es war schon ein gutes Stück Weg zurückzulegen und als er mit den Bauernkarren im Ehrenhof von Pemberley ankam, zuckten die Mundwinkel von Rodgers schon arg, als er seinen Herrn in Empfang nahm.
„Rodgers! Weiß man schon Genaueres? Geht es meiner Frau gut und wird es sich lange hinziehen?"
„Sir, ich denke, die Hebamme hat die Sache gut im Griff und wenn ich im Vertrauen sprechen darf, was ich so im Vorübergehen aufgeschnappt habe, ich weiß, Sir, dass sie dies im Allgemeinen nicht schätzen, aber dies bildet wohl eine Ausnahmesituation - es sieht wohl danach aus, dass die Sache bald ausgestanden sein dürfte!"
Fitzwilliam hörte nicht mehr zu, er hastete die Treppe hinauf so schnell er konnte, er hörte einen lang gezogenen Schrei und blieb wie angewurzelt stehen. Mein Gott, hatte Elizabeth diesen Schrei ausgestoßen? Er fuhr sich fahrig durch die Haare und er atmete flach und schnell, stoßweise. Mehrere Stimmen wurden hörbar, eine Tür wurde auf- und wieder zugeklappt. Er hockte auf der Treppe wie ein Häufchen Elend.
Er zuckte zusammen, als ihn seine Schwiegermutter ansprach: „Das ging alles so rasend schnell, es ist nicht zu fassen!"
Sofort sprang er auf und raste an ihr vorbei nach oben, ungeachtet der Tatsache, dass Mrs. Bennet ihm ungewohnt vertraut hinterher rief: „Nicht doch! Junge, warte doch noch einen Moment…", aber für ihn gab es kein Halten mehr.
Er stürmte in das Schlafzimmer und dachte, er wäre auf einem Schlachtfeld gelandet. Auf dem Boden, auf dem Bett, überall lagen verschmierte, blutige Laken. Er sah sich einmal im Raum um, ohne noch irgendetwas zu erfassen, drehte sich um die eigene Achse – und fiel in Ohnmacht!
Zum Glück war er halb auf eine Chaiselongue gefallen, so dass er sich nicht sonderlich weh getan hatte.
Als er die Augen wieder aufschlug, dachte er, er würde träumen. Seine Frau stand vor ihm wie eine Madonna mit einem Kind auf dem Arm. Er schloss die Augen wieder, sich nicht im Geringsten bewusst, dass das Szenario real war.
Er hörte Elizabeth leise lachen und war sich hundertprozentig sicher, zu träumen.
Erst als Mrs. Fieldings resolute Stimme zu vernehmen war, wagte er es wieder, die Augen zu öffnen: „Ja, wo gibt es denn so was? Ihre Frau springt nach all der Anstrengung herum, als wäre nichts gewesen, und Sie liegen da, als hätte Sie der Schlag getroffen, obwohl Sie ja nun wirklich gar nichts von alldem mitbekommen haben!"
Er blinzelte verunsichert in das Gegenlicht, das ihm von der Fensterfront her in die Augen schien und setzte sich halb auf: „Was ist passiert?"
„Sie sind Vater geworden. Und ich möchte Ihnen gratulieren. Auch wenn Ihr aktives Mitwirken schon ein gutes Weilchen her sein dürfte. Ihre Frau hat das Kind fast ganz alleine, ohne großes Mittun meinerseits, zur Welt gebracht. Als ich hier ankam, war der größte Teil der Arbeit bereits erledigt. Wir mussten dem Baby nur noch ein ganz kleines bisschen Unterstützung geben, um es endgültig ans Licht der Welt zu bringen."
Vorsichtig kam Fitzwilliam auf die Füße und schaute die beiden Frauen noch immer irritiert an, dann fragte er nach: „Aber, warum ist meine Frau denn nicht im Bett?"
„Was sollte sie denn da, sie ist nicht krank!"
Er wusste überhaupt nicht mehr, was er sagen sollte und starrte von einer zur anderen. Erst als er einen quäkenden Laut vernahm, als hätte man ein junges Kätzchen irgendwo eingesperrt, kam wieder Regung in ihn: „Was… was ist das? Das Kind?"
Jetzt kam Elizabeth auf ihn zu, legte ihm ein Bündel voller Stoff und Tücher in den Arm und küsste ihn auf die Stirn: „Darf ich vorstellen – Master George Charles Montgomery Fitzwilliam Darcy; Master George – dein Vater, Fitzwilliam Gregory Richard Darcy!"
