08 – Meine Mutter hat . . .

„Ich will einen richtigen Kuss." Verlangte Cassie. Mit weit aufgerissenen Augen starrte Cissie ihre Freundin entgeistert an. „Was?"

„Habe ich dir denn nicht genug Kränze geflochten? Wir sollten uns einen richtigen Kuss teilen, wie Verliebte es eben tun." Erklärte sie etwas verlegen. Dann, als wäre Cissies entsetztes schweigen Zustimmung, beugte sie sich mit gespitzten Lippen vor. Sofort lehnte sich Cissie von ihr weg, um dem zu entgehen.

„Das geht nicht." Rief sie verzweifelt aus. Überrascht wegen des plötzlichen Sinneswandels öffnete Cassie die, zum Kuss geschlossenen Augen wieder, um ihrer Verwirrung Ausdruck zu verleihen.

„Wieso nicht. Gibt es etwa jemand anderen?" Die unerwartete Eifersucht in Cassies Stimme ließ sie noch ein Stück zurückweichen, so dass sie sich auf einem Arm abstützen musste, um nicht umzufallen. Sich flach vor Cassie legen, war das letzte, was sie im Moment wollte. Nur wie sollte sie es schaffen, das mit dem Kuss zu verhindern?

„Nein . . . ähm . . . es ist nur . . . ähm . . . wir hatten ja noch nicht mal eine richtige Verabredung."

Stotterte Cissie vor sich hin.

„Aber das hier ist doch eine Verabredung." Warf Cassie ein und beugte sich noch etwas vor.

„Meine . . . meine Mutter hat mir das anders erklärt. Ähm . . . wir müssen zusammen essen gehen . . . und . . . ähm . . . danach bringst du mich nach Hause und . . . vor der Haustür dürfen wir uns dann einen richtigen Kuss geben. Genau so hat sie es erklärt und ich höre schließlich auf meine Mutter, deshalb kann ich dir erst dann einen richtigen Kuss erlauben."

Cissie hoffte inständig, dass sie ihr das Gestammel abkaufte. Besonders, wo sie Cassie mehr als einmal erzählt hatte, dass es zwischen ihr und ihrer Mutter eher schlecht lief. Doch sie wirkte im Moment so daneben, dass es funktionieren konnte. In den ersten Sekunden sah Cassie sie auch misstrauisch an, aber dann seufzte sie ergeben. „Na gut. Ich besorge uns ne Pizza oder so."

„Mehr bin ich dir nicht wert? Nur eine lausige Pizza?" Entgegnete Cissie ihr mit gespielter Traurigkeit. Wenn sie eine Pizza herbrachte, half ihr das kein Stück.

„Aber nein. Wie kommst du darauf, dass du mir nichts wert bist? Ich liebe dich doch."

Versuchte Cassie sie sofort zu beschwichtigen. Jetzt musste Cissie nur noch einen Dackelblick aufsetzen und sie hatte Cassie.

„Ich . . . ich dachte nur, wir könnten richtig essen gehen. In einem Restaurant. Du weißt schon . . . mit romantischen Kerzenlicht." Und einem Telefon fügte sie in Gedanken hinzu. Bei dem Wort romantisch hatte sich Cassies Blick sofort aufgehellt und mittlerweile strahlte sie regelrecht.

„Natürlich. Das ist eine wundervolle Idee. Wieso bin ich nicht von selbst darauf gekommen? Ich habe mal einen Restaurantbesitzer gerettet, der meinte, ich könnte jederzeit bei ihm umsonst essen. Es ist wirklich ein romantisches kleines Lokal. Komm wir fliegen gleich los."

Vor lauter Begeisterung war Cassie aufgesprungen und hielt ihr nun die Hand entgegen. Zögernd ergriff Cissie sie, da ein eng umschlungener Flug mit ihr, nicht unbedingt etwas war, das sie wiederholen wollte. Aber wenn sie Hilfe rufen wollte, war es wohl ihre einzige Chance.