13 – Heil in der Flucht

Langsam schlenderten Cassie und Cissie gemeinsam an den Schaufenstern der Innenstadt vorbei. Manchmal blieb Cissie vor einem der Fenster stehen, um die Auslage zu bewundern oder Cassie auf ein besonders schönes Kleid aufmerksam zu machen. In Wirklichkeit war das eine geschickte Verzögerungstaktik, um Zeit zu schinden.

Denn leider hielt Cassie direkten Kurs auf den nächsten Park, da sie dort viel ungestörter sein konnten. Das absolut letzte, das Cissie wollte. Im Moment waren die vielen Passanten und deren verwunderte Blicke in ihre Richtung alles, was Cassie noch von weitergehenden „Belästigungen" abhielt. Lediglich ein Arm war um ihre Hüfte geschlungen, um sich so ein wenig an sie zu kuscheln. Mit all dem kam Cissie noch klar, nur leider hatte sie ein großes Problem.

Der Park war in Sicht und die gerufene Hilfe noch nicht da. Das hieß, es blieb nur ein Ausweg: Flucht. Da es Abend war und sich die Dunkelheit bereits über die Stadt gelegt hatte, standen ihre Chancen, sich erfolgreich zu verstecken, gar nicht mal so schlecht. Wenn sie es nur schaffen könnte, Cassie lange genug von sich abzulenken.

Außerdem brauchte sie eine gute Fluchtroute. Leider hatte sie für keines von beiden einen Plan und musste wohl oder übel improvisieren. Die Seitenstraße drei Meter vor ihr war dafür perfekt. Zeit zu handeln. Wie zufällig warf sie einen Blick nach hinten.

„Oh mein Gott! Hinter uns!" Schrie Cissie entsetzt aus, während sie sich aus Cassies Armen riss und auf einen imaginären Feind hinter sich zeigte. Sofort warf sich Cassie kampfbereit herum, um ihre Liebste vor allen Gefahren zu beschützen, die dort lauerten und sah . . . gar nichts.

Als sie sich verwirrt zu Cissie umdrehte, konnte sie sie gerade noch um eine Ecke flitzen sehen. Rannte sie etwa weg? Völlig verwirrt, aber ebenso entschlossen, nahm sie die Verfolgung auf. „Bitte warte! Was hast du denn?"

Cassies verzweifelte Rufe spornten sie nur zu einem noch schnelleren Lauf an. Ihre Ablenkung war zwar geglückt, hatte ihr aber nicht genug Zeit verschafft. Sie war schon in drei verschiedene Straßen eingebogen und jedes mal hatte Cassie zu schnell aufgeholt, um ein passendes Versteck zu finden.

Einzig der Umstand, dass sie durch die Ecken behindert wurde, sorgte dafür, dass Cassie sie noch nicht eingeholt hatte. Aber auch dieses bisschen Glück sollte sie verlassen. Als sie um die nächste Ecke bog, lief sie direkt auf einen weiträumigen Platz, mit einem Springbrunnen in der Mitte zu. Dem Triumphschrei hinter sich zu urteilen nach, wusste Cassie, dass sie gewonnen hatte.

Ohne Vorwarnung tauchte vor ihr eine Gestalt auf, so dass sie stark abbremsen musste, um nicht in sie zu knallen. Trotzdem wollte Cissie nicht aufgeben und drehte sich weg, um weiter zu laufen, als sich zwei, erstaunlich große Hände auf ihre Schultern legten, um sie zurück zuhalten.

„Keine Angst. Ich werde dich beschützen." Die beruhigende Stimme gehörte nicht zu Cassie. Hoffnungsvoll hielt sie inne, um sich die Gestalt genauer anzuschauen. WonderWoman. Vor Erleichterung wäre Cissie ihr am liebsten in die Arme gefallen, doch ein lauter Schrei hinter ihr lies sie zusammenzucken. „Lass deine dreckigen Finger von ihr."

Sofort begannen sich WonderWomans Züge zu verdüstern und sie stellte sich beschützend vor Cissie. „Ich weiß, dass du unter einer Droge stehst und kann dir dein Verhalten verzeihen, WonderGirl, aber ich kann nicht zulassen, dass du Arrowette weiter belästigst." Die Bestimmtheit mit der WonderWoman sprach, ließ Cassie in ihrer Wut stocken. Doch kurze Zeit später gewann die Droge in ihr wieder Oberhand.

„Du willst sie für dich haben, das lass ich nicht zu. Sie gehört mir." Wie eine Furie kreischend schoss sie auf WonderWoman zu um sie anzugreifen. Auf diese Reaktion hatte sie allerdings gewartet und behielt das Betäubungsmittel schon bereit, als ihr Schützling auf sie zuraste.