6. Versöhnung?

Ich sank verzweifelt vor ihm auf die Knie und ergriff seine Hand.

„Kannst du mir je verzeihen?"

Schweigend zog Erik mich wieder hoch und wandte sich in Richtung Tür.

„Komm."

Schweigend folgte ich Erik, der das Gasthaus verlies und zu einem großen schwarzen Pferd ging, das am Straßenrand auf ihn wartete. Ebenso schweigend half er mir hinauf und stieg dann selbst auf.

Auf einen leisen Befehl von ihm hin ritten wir in dir Nacht hinein.

Ich hielt mich an der Mähne fest, um nicht herunter zu fallen. Zuerst saß ich ganz steif, aus Angst etwas falsch zu machen, doch dann wagte ich es, mich vorsichtig an Erik zu lehnen.

Immer weiter ging es durch die nächtlichen Highlands und langsam machte sich bei mir die Anstrengung des vergangenen Tages bemerkbar und ich schlief ein.

Als ich wieder aufwachte, schien mir die Sonne ins Gesicht. Ich lag in einem großen, bequemen Bett in einem kleinen und spärlich eingerichtetem Zimmer. Überrascht stand ich auf und bemerkte, dass ich noch immer mein Kleid trug. Nur meine Schuhe hatte man mir ausgezogen.

Erik!

Jetzt fiel mir alles wieder ein! Ich musste in Eriks Haus sein!

Schnell schlüpfte ich in meine Schuhe und zupfte mein Kleid zurecht. Ich öffnete die Tür und trat aus meinem Zimmer hinaus auf einen schmalen Gang. Ich blickte den Gang entlang, doch es war niemand zu sehen. Zu meiner Rechten endete der Gang nach wenigen Metern in einer Wand, also wandte ich mich nach links. Der Boden war von einem dicken Teppich bedeckt und verschluckte alle Geräusche die meine Füße normalerweise gemacht hätten.

Wo war ich hier? War dies Eriks Haus?

Ich kam an eine Treppe aus dunklem Holz, die nach unten führte und schritt nach kurzem Zögern die Stufen hinunter. Unten angekommen befand ich mich in einer Art Eingangshalle. Ich sah mich suchend um und wollte gerade nach Erik rufen, da trat er auch schon rechts von aus den Schatten.

„Du musst hungrig sein.", sagte er ohne irgendeine Begrüßung. „Komm."

Er führte mich in eine kleine Küche in der ein kleiner Esstisch stand. Auf diesem war ein Frühstück für eine Person ausgelegt.

„Isst du nicht mit mir?" fragte ich Erik, der bereits wieder gehen wollte.

Er blieb noch einmal an der Tür stehen und drehte sich kurz zu mir um.

„Ich habe bereits gegessen."

Mit diesen Worten verlies er den Raum und lies mich alleine zurück.

Eriks kühler Tonfall lies meine Hoffnung wieder schwinden und auf einmal war ich gar nicht mehr so hungrig. Ich wusste jedoch, dass ich besser etwas essen sollte, also nahm ich Platz und begann mir ein Brot zu streichen.

Nachdem ich gefrühstückt hatte, macht ich mich wieder auf die Suche nach Erik. Ich fand ihn in seiner Bibliothek und blieb etwas unschlüssig in der Tür stehen.

„Komm herein."

„Erik..."

Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. So lange hatte ich auf diesen Augenblick gewartet, und jetzt, da er endlich da war... Ich blieb vor ihm stehen und sah ihn verzweifelt an.

„Warum bist du gekommen?" fragte er mich mit belegter Stimme.

Ich öffnete den Mund um etwas zu sagen, doch ich bekam keinen Ton hervor.

„Du hast mir einmal das Herz gebrochen, Christine. Ein zweites mal würde ich das nicht überstehen."

„Es tut mir leid, Erik." Sagte ich leise und ergriff seine Hand. „Es tut mir so unendlich leid. Ich habe einen riesengroßen Fehler gemacht. Ich weiß, dass ich das nicht einmal im Ansatz wieder gutmachen kann, aber bitte, lass es mich wenigstens versuchen."

Erik sah mich eine Zeitlang mit unleserlichem Blick an. Mein Herz sank, als er mir keine Antwort gab und ich drehte mich traurig um, um den Raum wieder zu verlassen.

Nachdem ich die ersten Schritte in Richtung Tür getan hatte, ergriff Erik jedoch plötzlich meinen Oberarm und hielt mich zurück.

„Christine..."

Ich drehte mich wieder zu ihm und konnte seine ganze Qual und seine Liebe in seinen grünen Augen sehen. Auf einmal zog er mich an sich und schlang seine Arme um mich. Ich vergrub mein Gesicht in seiner Brust und schmiegte mich an ihn.

Ich wusste nicht, wie lange wir so dagestanden waren, als Erik mich schließlich wieder losließ. Sachte strich er mir eine Strähne aus dem Gesicht.

„Ich liebe dich, Christine", flüsterte er.

„Ich liebe dich auch, Erik."

Doch plötzlich wurde sein Blick kalt, er stieß mich von sich und riss sich die weiße Maske ab, die bis jetzt sein ganzes Gesicht bedeckt hatte.

„Kannst du das jetzt auch noch sagen?"

Diesmal zuckte ich nicht zurück. Sein Gesicht hatte längst allen Schrecken verloren. Ich lächelte leicht und hob meine Hand. Als ich sein verunstaltetes Gesicht sacht berührte, zuckte er zusammen, als ob er einen Schlag erwartet hätte.

„Ich liebe dich, Erik." Sagte ich mit fester Stimme und erhob mich auf die Zehenspitzen um ihn zu küssen.