3. Come Along If You Dare
Come along of you care
Come along if you dare
Take a ride to the land inside your mind
Beyond the seas of heart
Beyond the realm of want
Across the streams of hopes and dreams
Where things are really not
(Amboy Dukes: Journey to the centre of the mind)
Breda hielt ihr seine Hand hin um ihr beim Einsteigen zu helfen, ganz der perfekte Gentleman. Daria sah die Hand einen Moment lang an und ihre Gedanken überschlugen sich.
Sollte sie wirklich? Irgendwie hatte sie ein seltsames Gefühl bei dieser Sache, doch andererseits... es war ein verlockendes Angebot, sie wollte schon immer mal so ein Schloss von Innen sehen und dort übernachten... und er hatte sie persönlich eingeladen... sie musste ja nicht unbedingt vor Sonntag zurück zum Gasthof... und er selbst war ja auch nicht gerade von schlechten Eltern...
Die junge Frau schenkte dem Grafen ein leichtes Lächeln und legte entschlossen ihre Hand in die seine, die sich als überraschend kühl herausstellte. ‚Na ja, es ist ja auch nicht gerade warm hier draußen.', dachte sie ironisch.
„Wenn das so ist, dann nehme ich Eure Einladung dankend an, Herr Graf."
„Oh bitte, nennt mich doch Breda, es besteht kein Grund zur Förmlichkeit.", sagte er mit seidiger Stimme.
Sie lächelte.
„Aber nur wenn Ihr mich Daria nennt."
Breda half ihr geschickt in die Kutsche und stieg dann selbst ein. Auf ein Zeichen von ihm setzte sich das Gefährt wieder in Bewegung.
Ruckelnd fuhr die Kutsche durch den dunklen Wald und Daria warf immer wieder einen kurzen Blick nach draußen, doch es war zu dunkel um etwas zu erkennen. Sie wickelte seinen Umhang etwas enger um sich, es war wirklich ziemlich kalt!
„Es wird nicht mehr lange dauern, bis wir mein Schloss erreicht haben.", informierte sie Breda der ihre Bewegung bemerkt hatte.
Kaum hatte er dies gesagt, verließen sie auch schon den Wald und das Schloss ragte in der Ferne empor. Im Mondlicht erschien es unwirklich, wie aus einem Märchen, ein Eindruck der durch den puderzuckerartigen Schnee nur noch verstärkt wurde.
„Oh wow.", flüsterte Daria und lehnte sich etwas aus dem Fenster um einen besseren Blick zu haben.
„Es freut mich, dass Euch mein bescheidenes Heim gefällt", sagte der Graf amüsiert.
„Es ist fantastisch! Ich habe noch nie ein solches Schloss gesehen!"
Die Kutsche fuhr durch das Burgtor in den Innenhof hinein. Breda stieg zuerst aus und bot Daria galant seine Hand an um ihr beim Aussteigen zu helfen. (A/N: ganz der Gentleman! seufz)
Ohne zu zögern ergriff sie seine Hand, stieg aus der Kutsche und sah sich staunend um. Aus der Nähe wirkte das Schloss ja noch viel beeindruckender!
„Hier entlang, meine Liebe."
Daria folgte dem Grafen in die Eingangshalle. Erst als sie aus dem kalten Wind heraus war, fiel ihr wieder auf, wie sehr sie fror.
„Euch ist bestimmt noch kalt.", sagte Breda nun an sie gewandt. „Im Kaminzimmer ist es schön warm, dort könnt Ihr Euch aufwärmen."
Mit einer leicht angedeuteten Verbeugung wies er ihr den Weg. Daria dankte ihm mit einem Lächeln und schritt den Gang hinunter, den er ihr gezeigt hatte.
Der Boden war mit dunklen Teppichen bedeckt und an den steinernen Wänden hingen jede Menge Gemälde. Doch Daria fror viel zu sehr, um all dies zu beachten. Außerdem würde sie dazu ja noch genug Gelegenheit haben, schließlich war heute erst Donnerstag (na ja, eigentlich Freitag, es war ja schon nach Mitternacht!) und sie würde noch bis Sonntag bleiben!
Nun hatten sie ihr Ziel erreicht und Breda hielt ihr die Tür auf. Das ‚Kaminzimmer' war gemütlich eingerichtet, mit weichen Teppichen und dicken Wandbehängen um die Kälte abzuweisen. Ein riesiger Kamin in dem ein warmes Feuer brannte, befand sich zu Darias rechter Seite.
Sie ging zum Kamin hinüber und genoss die Wärme.
„Setzt Euch doch.", schlug ihr Breda vor und schob ihr einen Sessel näher ans Feuer. Daria lies sich in die weichen Polster sinken.
„Danke."
„Keine Ursache, meine Dame."
Unbemerkt von ihr hatte der Graf das Zimmer wieder verlassen und kehrte nun mit einer Tasse dampfenden Tees zurück, den er ihr reichte.
„Oh, danke, das ist jetzt genau das Richtige!"
Lächelnd nahm Daria die Tasse entgegen und nahm einen Schluck. Der Tee wärmte sie nun von innen, während auch das Feuer langsam seine Wirkung zeigte.
Als ihr nun endlich wieder warm war, zog sie den Umhang des Grafen wieder aus und reichte ihn ihm.
„Vielen Dank noch mal."
„Das war doch selbstverständlich.", antwortete er mit weicher Stimme. „Außerdem macht mir die Kälte bei weitem nicht so viel aus, wie Euch..."
Er legte den Mantel über die Lehne der Couch und setzte sich elegant auf einen Sessel gegenüber von Daria.
Diese hatte nun auch ihren ‚Snape-Mantel' geöffnet. Breda hob überrascht eine Augenbraue, als er die Aufschrift „Carpe Noctem" auf ihrem Oberteil sah.
‚Wie passend...', dachte er.
Doch bevor er noch etwas sagen konnte, wurde die Tür aufgerissen und ein silberhaariger, elegant angezogener junger Mann kam hereingestürmt.
„Papa! Hast du das Buch gesehen, dass ich... oh," er brach erstaunt ab, als er Daria am Kamin sitzen sah.
„Ah, Herbert. Komm herein, ich möchte dir jemanden vorstellen.", bat der Graf. „Dies ist Daria Black, sie ist mein Gast und wird bis Sonntag bleiben."
Zu ihr gewandt fuhr er fort.
„Daria, dies ist mein Sohn Herbert."
Die junge Frau war zur Begrüßung ebenfalls aufgestanden und hielt dem Grafensohn nun die Hand entgegen.
„Hi!"
Herbert ergriff die angebotene Hand und erwiderte die Begrüßung.
„Guten Abend, Fräulein Black."
„Sagt doch bitte Daria zu mir, das ‚Fräulein' klingt so erwachsen."
„In Ordnung.", er grinste. „Dann müsste Ihr aber Herbert zu mir sagen."
„Ok." Daria nickte lächelnd.
„Nettes T-shirt", fügte Herbert mit einem leichten Lächeln hinzu, als er die blutrote Schrift gelesen hatte.
Daria grinste. „Danke."
‚Ich glaub' mit dem werd' ich mich prima verstehen!', dachte sie vergnügt.
Während Herbert ein paar Worte mit seinem Vater wechselte, merkte Daria wie müde sie eigentlich war und versteckte ein Gähnen hinter ihrer Hand.
„Verzeiht, ich vergaß ganz, wie spät es ist.", sagte Breda und bot ihr seinen Arm an. „Ich werde Euch Euer Zimmer zeigen."
Dankbar ergriff Daria den ihr dargebotenen Arm und lies sich von ihm aus dem Zimmer und einen Gang entlang führen.
Sie gingen durch mehrere Gänge und einige Treppen hinauf, bis Breda endlich eine Tür öffnete.
„Euer Zimmer, meine Liebe."
Daria sah sich voller Staunen das prachtvoll eingerichtete Zimmer an.
„Wow. Es ist wirklich sehr schön!"
„Es freut mich, dass es Euch gefällt."
Der Graf neigte seinen Kopf leicht zum Abschied.
„Gute Nacht, Daria."
„Gute Nacht."
Daria ging zu dem großen Himmelbett hinüber und setzte sich probehalber darauf. Es war einfach wunderbar weich!
Sie gähnte noch einmal und zog ihre Stiefel aus. Dann schälte sie sich langsam aus ihrem Mantel und warf diesen auf einen Sessel der neben dem Bett stand.
Auf einmal fiel ihr ein, dass sie ja weder Waschzeug noch einen Schlafanzug dabei hatte.
‚Was soll's,' dachte sie. ‚Wäre nicht das erste Mal, dass ich in meinen Klamotten schlafe.'
Kaum hatte sie das gedacht, da klopfte es auch schon an der Tür.
„Herein!", rief sie.
Die Tür öffnete sich und Herbert stolzierte herein.
„Hallo Daria! Da Ihr ja kein Gepäck dabei habt, dachte ich mir, Ihr könntet vielleicht was brauchen."
Mit diesen Worten hielt er ihr ein weißes Männerhemd hin. „Hier. Das müsste Euch eigentlich passen."
Er maß sie mit einem abschätzenden Blick. „Wir müssten ungefähr gleich groß sein."
Daria nahm das Kleidungsstück mit einem dankbaren Lächeln entgegen.
„Danke. Das ist echt lieb von Euch."
„Kein Problem.", er grinste verschwörerisch. „Vater hat von solchen Dingen eher wenig Ahnung. Ich wette, er hat Euch nicht mal das Bad gezeigt."
Mein Blick war anscheinend Antwort genug, denn er ergriff meinen Arm und führte mich zur anderen Seite des Ganges, wo er eine Tür aufstieß.
„Voila!"
Er zeigte mir ein großes, relativ modern eingerichtetes Badezimmer, in dem eine riesengroße Badewanne stand.
„Hier findet Ihr alles, was Ihr braucht. Gute Nacht!"
Mit einer eleganten (und leicht tuntigen) Verbeugung verabschiedete sich Herbert und lies Daria alleine im Bad zurück.
‚Wenn der nicht schwul ist, dann weiß ich nichts mehr!', dachte sich die junge Frau grinsend als sie ihm hinterher schaute.
Nachdem sie sich schnell ein wenig frisch gemacht hatte, ging sie in ihr Zimmer zurück und besah sich Herberts Hemd. Es würde ihr vielleicht ein wenig groß sein, aber nicht allzu sehr; Herbert hatte ein gutes Augenmaß. An den Ärmeln und am Kragen befanden sich einige Reihen weicher Rüschen.
‚Hübsch,' dachte die junge Frau mit einem leicht ironischen Grinsen.
Schnell zog sie sich aus und schlüpfte in das überraschend weiche Hemd. Die Ärmel fielen bis zu ihren Fingerspitzen und das Hemd reichte ihr bis halb über die Oberschenkel hinunter, aber als Nachthemd passte es perfekt. Mit einem erschöpften Gähnen kroch sie ins Bett und war sofort eingeschlafen.
