So... das ist leider das letzte Kap meiner TdV Fic... ich hoffe das Ende gefällt euch!

11. The Music Of The Night

Als Daria wieder wach wurde, war es dunkel. Sie wusste nicht wo sie sich befand und konnte sich auch an nichts erinnern. Wo war sie? Was war passiert?

„Guten Abend, Sternkind", ertönte auf einmal eine leise Stimme direkt neben ihr.

Breda... auf einmal fiel ihr alles wieder ein:

Er hatte sie gebissen... er hatte ihr Blut getrunken... sie hatte sein Blut getrunken... er wollte sie zum Vampir machen...

„Breda?", fragte sie mit leicht heiserer Stimme.

„Sch... ich bin hier. Es ist alles in Ordnung."

Sie fühlte wie er sie etwas näher an sich zog und schmiegte sich in seine Arme.

„Warum ist es so dunkel?", fragte sie das erste das ihr in den Sinn kam.

Breda lachte leise. „Weil wir noch immer in meinem Sarg liegen..."

Vorsichtig öffnete er den Sargdeckel und weiches Kerzenlicht erhellte die Gruft.

„Oh... das macht Sinn..."

Verwirrt sah sie sich um. Alles schien so anders... das Kerzenlicht wirkte richtig lebendig... und viel heller als es bei so wenig Kerzen der Fall hätte sein dürfen...

Fasziniert stieg sie aus dem Sarg heraus, was ihr diesmal gar nicht schwer fiel. Daria sah sich mit großen Augen in der Gruft um, so als ob sie noch nie hier gewesen sei.

Sie fühlte sich so lebendig... langsam ging sie auf die schwere Eichentür zu und zog sie mühelos auf. Der dunkle Gang der von der Gruft nach oben führte, war auf einmal gar nicht mehr so dunkel... die Schatten schienen sie willkommen zu heißen.

Zielstrebig lief sie denn Gang entlang nach draußen.

Als sie die dicke Eisentür öffnete, als ob sie aus Plastik sein, und den Sternenbeschienenen Innenhof betrat, verschlug es ihr den Atem.

Die Nacht war so wunderschön!

Sie hatte noch nie etwas so schönes gesehen! Es war, als ob jemand einen Schleier von ihren Augen weggezogen hätte.

Langsam trat Breda hinter sie und legte ihr die Hände auf die Schultern. Ohne sich umzudrehen lehnte sie sich an ihn.

„Es ist wunderschön", flüsterte sie glücklich.

„Ja... die Nacht heißt dich willkommen." Er umschlang sie von hinten mit seinen Armen. „Kannst du die Musik der Nacht hören?"

Daria schloss ihre Augen und lauschte in die Dunkelheit hinein. In der Ferne heulten Wölfe, irgendwo schrie eine Eule, der Wind strich um das Schloss herum und andere Geschöpfe der Nacht waren zu hören.

„Ja...", flüsterte Daria und drehte sich langsam zu ihm um. „Es ist wunderschön", sagte sie erneut und schaute ihm direkt in die Augen.

„Du bereust es nicht?", fragte Breda mit einem leisen Unterton der Angst.

„Nein", antwortete Daria lächelnd. „Nein, ich bereue es nicht."

Mit einem glücklichen Lächeln zog der Graf sie enger an sich und küsste sie leidenschaftlich.

Als Herbert sie kurze Zeit später fand, standen sie noch immer engumschlungen im Innenhof.

Der silberhaarige Vampir blieb einen Moment stehen und beobachtete seinen Vater und Daria. Es gab anscheinend tatsächlich ein Happy End für die Beiden... Daria war nun ein Vampir und es schien sie auch nicht zu stören... nein, es schien ihr sogar ganz gut zu gefallen.

Jedenfalls wenn man sie so sah, wie sie nur mit einem langen schwarzen Nachthemd bekleidet inmitten des Schnees stand und Breda nun schon so lange küsste, dass sie wirklich Probleme bekommen hätte, wenn sie noch atmen hätte müssen.

Mit einem Lächeln ging er auf die zwei Verliebten zu.

„Guten Abend."

„Was?!" Daria fuhr erstaunt herum. „Oh... tut mir leid..."

Verdammt! Sie hatte alles um sie herum vergessen... so ein Mist... sie errötete und sah zu Boden. Nun fiel ihr auch auf, dass sie nur ein Nachthemd trug und barfuss war.

„Oh..."

„Die Kälte kann dir nichts mehr anhaben, meine Liebe", meinte Breda amüsiert. „Aber vielleicht sollten wir doch wieder hineingehen. Dann kannst du dir auch etwas anziehen..."

Wenn es möglich war, wurde Daria sogar noch röter und warf Breda und Herbert einen gespielt bösen Blick zu.

„Es hätte mir auch jemand sagen können, dass ich hier halbnackt herumlaufe!"

„Du warst so vertieft... außerdem gefiel mir der Anblick", entgegnete der Graf grinsend.

„He!" Daria versetzte ihm einen verspielten Stoß gegen den Arm, was ihn nur noch breiter grinsen lies.

„Komm, wir suchen dir etwas schönes zum Anziehen", versprach ihr Herbert und bot ihr seinen Arm dar.

Daria legte ihre Hand auf seinen Arm und lies sich von dem Grafensohn ins Schloss führen.

Doch entgegen ihrer Erwartung brachte er sie nicht in das Zimmer das sie bisher bewohnt hatte, sonder in ein großes, edel eingerichtetes Zimmer das direkt neben Bredas Schlafzimmer lag.

Ihr Koffer stand neben einem großen dunklen Schrank am Boden. Herbert ging direkt auf den Schrank zu und öffnete diesen mit einer theatralischen Bewegung.

„Voila!"

Erstaunt starrte Daria auf all die wundervollen Kleider, Röcke, Blusen, Hosen, Mäntel... einfach alles was man sich an Kleidung so vorstellen konnte befand sich in diesem Schrank. Alles war aus den erlesensten Stoffen und sie zweifelte nicht daran, dass ihr die Sachen ebenso gut passen würden wie schon das Ballkleid.

„Wow..."

Die vorherrschende Farbe war natürlich schwarz, doch es gab auch vieles in rot, dunkelgrün, silber und anderen Farben.

Ehrfürchtig strich Daria über ein dunkelgrünes Samtkleid.

„Gefällt es dir?", fragte Herbert.

„Ob es mir gefällt? Das ist... ich habe noch nie so viel und so schöne Kleidung gesehen... und ob es mir gefällt!", rief sie begeistert. „Ist das alles für mich?"

„Na, für mich bestimmt nicht", meinte der Silberhaarige amüsiert. „Das ist dein neues Zimmer... wenn du irgendetwas brauchst, musst du es nur sagen."

Daria schüttelte nur wortlos den Kopf und lies ihren Blick über all die vielen Kleider schweifen.

„Dann lass' ich dich mal alleine... Lass' dir ruhig Zeit. Wenn du fertig bist, komm einfach ins Kaminzimmer."

Herbert schloss leise die Tür hinter sich während Daria noch immer versuchte sich für ein Kleid zu entscheiden. Denn dass sie ein Kleid anziehen würde, stand für sie bereits fest. Hosen konnte sie jeden Tag anziehen... aber all diese wunderschönen Kleider... da konnte sie einfach nicht wiederstehen!

Nach einiger Zeit entschied sie sich schließlich für das dunkelgrüne Kleid das sie vorhin bereits bewundert hatte. Es hatte einen halbrunden Ausschnitt, lag am Oberkörper eng an mit einem Mieder aus schwarzer Spitze, Ärmel die bis zum Ellbogen eng waren und dann bis zu den Fingerspitzen weit wurden, der Rock fiel weit und weich bis auf den Boden. Sowohl der Rock als auch die Ärmel waren von schwarzen Spitzen gesäumt.

Daria drehte sich schwungvoll um die eigene Achse und genoss das Gefühl des weichen Samtstoffes der um ihre Beine schwang.

Doch dann fiel ihr Blick auf den großen Spiegel der neben dem Schrank stand. Sie stand direkt davor – aber sie konnte sich nicht im Spiegel sehen.

„Oh..."

Langsam ging sie auf den Spiegel zu und hob ihre Hand um die Glasfläche zu berühren. Sie konnte ihre Hand sehen, sie könnte das kühle Glas unter ihren Fingern sehen, aber sie konnte im Spiegel nur den leeren Raum erkennen.

Nun wurde ihr die Tragweite ihrer Entscheidung so richtig bewusst. Sie hatte kein Spiegelbild mehr... sie war kein Mensch mehr, sie war ein Vampir...

„Daria?", erklang Bredas Stimme aus dem Gang.

Als sie nicht antwortete, öffnete er vorsichtig die Tür. Er sah Daria reglos vor dem leeren Spiegel stehen.

Mit schnellen Schritten ging er auf sie zu und zog sie fest in seine Arme. Daria sagte nichts, sondern vergrub nur ihr Gesicht an seiner Schulter.

Lange Zeit sagte keiner etwas, sie standen nur engumschlungen da. Schließlich brach Breda das Schweigen.

„Es tut mir leid."

„Nein", Daria schüttelte entschlossen den Kopf. „Dir braucht nichts leid zu tun, es ist Ok. Ich... ich war nur nicht darauf gefasst... es ist etwas ganz anderes zu wissen, dass man kein Spiegelbild mehr hat, und es dann auch zu sehen."

Sie küsste ihn sanft. „Aber ich bereue es nicht. Ich brauche kein Spiegelbild, wenn ich dich habe."

You alone can make my song take flight,

Together we make the Music of the Night!