3. Kapitel
Hermine saß in der großen Halle wie auf glühenden Kohlen und rutschte auf ihrem Platz hin und her. Der Appetit war ihr vergangen und sie hatte das Gefühl ihr Magen hätte sich verknotet.
Harry bemerkte das seltsame Verhalten seiner Freundin und fragte: „Alles klar bei dir Hermine? Du siehst ganz blaß aus!"
Hermine antwortete nicht, nickte nur mit dem Kopf. Harry wusste, wenn Hermine wirklich etwas bedrückte, würde sie erst mit der Sprache rausrücken, wenn sie soweit war, oder es überhaupt wollte. Bedrängte man sie, verschloss sie sich noch mehr.
„Noch ein paar Minuten, dann such ich die Klassenzimmer ab. Wenn ich den Aufrufezauber benutze und das Buch jemand an den Kopf schlägt und er dann vielleicht die Treppe hinunter fällt….. Nein, dann mach ich es lieber auf Muggelart", dachte sich Hermine und versuchte bei diesen Gedanken Neville nicht anzusehen.
Die Tür der großen Halle schwang auf und ein kalter Luftzug wehte herein. Schlagartig verstummten viele Gespräche und die Schüler zogen die Köpfe ein. Snape schritt mit ausdruckslosem Gesicht auf den Lehrertisch zu, nickte seinen Kollegen zur Begrüßung zu und setzte sich auf seinen Platz.
Sein Blick glitt über die Schüler und jeder, der es wagte, länger als eine Nanosekunde zurückzustarren, erntete ein angsteinflößendes, kaltes Lächeln.
Seine Augen verweilten auf Harry, Ron und Hermine. „Potter und Weasly haben den Kampf mit Lord Voldemort wohl noch nicht verarbeitet. Im Gegensatz zu Granger. Sie scheint bereits nach kurzer Zeit wieder ihr altes ICH entdeckt zu haben. Sie ist erstaunlich hart im nehmen. Wie sie das wohl geschafft hat?", fragte sich Snape und empfand widerwilligen Respekt.
Er selbst hatte nie über die Geschehnisse gesprochen und wollte es auch nicht. Er hätte auch niemanden gewusst, dem er sich anvertrauen konnte bzw. wollte. Das war nicht seine Art, er schwieg und schloß alles tief in seinem Inneren ein.
Weiter kam er mit seinen Gedanken nicht, denn Prof. Sinatra verwickelte ihn in ein Gespräch.
Aus den Augenwinkeln sah er nur noch Granger wie sie von der Tarantel gestochen aufsprang und aus der Halle eilte. „Da hat wohl jemand eine Verabredung."
Hermine hatte es nicht länger ausgehalten. Sie machte sich auf den Weg durch die langen Korridore zu McGonaghalls Klassenzimmer. Dort angekommen riss sie die Tür auf und ging, die Augen fest auf den Boden gerichtet, den Raum auf und ab. Sah unter den Tischen und in den Papierkörben nach, doch sie fand nichts.
Sie verließ das Klassenzimmer und machte sich auf den Weg zu dem Raum, in dem sie immer Zauberkunstunterricht bekamen. Auch hier suchte sie alles gründlich ab. Doch sie wurde nicht fündig.
Blieben nur noch zwei Möglichkeiten übrig. Das Klassenzimmer von alte Runen und der Kerker. Bei diesem Gedanken musste sich Hermine setzen. „Bitte alles bloß nicht Snapes Kerker! Oh Gott, dann kann ich mich gleich einsargen lassen. Er wird sich über mich lustig machen." Hermine wurde schlecht. Das übertraf jedes Szenario was sie sich ausgemalt hatte. „Nein, es ist bestimmt bei alte Runen rausgefallen", versuchte Hermine sich aufzumuntern und machte sich auf den Weg.
Ihre Hoffnung sollte zerstört werden. Sie suchte dreimal gründlich alles ab. NICHTS.
Also blieb nur noch der Kerker!
„Was mach ich denn jetzt nur", fragte sich Hermine. Das Buch war immerhin ein Teil von ihr. Und nicht nur das; es standen Dinge darin, die niemanden etwas anging. Allein der Gedanke, dass jemand darin lesen könnte, verursachte Übelkeit in ihr.
Ihren ganzen Mut aufraffend ging sie mit zögerlichen Schritten Richtung Kerker. „Du schaffst das, er hat es bestimmt nicht gelesen", versuchte sie sich zu beruhigen. Doch je näher sie dem Kerker kam desto zögerlicher wurden ihre Schritte. „Soll ich einfach so reingehen und suchen? Oder soll ich ihn vorher lieber um Erlaubnis fragen? Wenn er mich erwischt, wird er denken, ich will was klauen", überlegte Hermine und entschied sich Snape lieber um Erlaubnis zu bitten. „Ich sag einfach, ich habe mein Schulbuch verloren." Sie stand vor der massiven dunklen Holztür, hob die Hand und klopfte leise an. Keine Reaktion. Sie klopfte noch einmal, diesmal etwas lauter. Wieder nichts. Da fiel ihr siedendheiss ein, dass Snape noch beim Abendessen war und danach eine Lehrerkonferenz angesetzt war. „Dann muss ich wohl bis morgen warten", ging es Hermine durch den Kopf.
Unverrichteter Dinge kehrte sie zurück in den Turm der Gryffindors, zog sich in ihr Zimmer zurück, legte sich ins Bett und schlief sofort ein.
Was sie nicht bemerkt hatte….Snape war erstaunt stehen geblieben, als er die junge Gryffindor aus dem Kerker kommen sah und fragte sich was sie wohl von ihm gewollt haben könnte, doch bevor er sie ansprechen konnte, war sie bereits verschwunden.
Nach der Lehrerkonferenz, die Severus als äußerst langweilig und unproduktiv empfunden hatte, ging er zurück in sein Büro, setzte sich an seinen Schreibtisch und zog grimmig den nächsten Stapel Aufsätze zu sich heran.
Er sah das Buch, nahm es wieder in die Hand. Was konnte daran so wichtig sein, dass Miß Naseweis abends zu ihm in den Kerker kam, um es zu holen? Mittlerweile war er sich sicher, dass sie deswegen in den Kerker gegangen war.
Er haderte mich sich. Er war neugierig geworden. „Ach was solls", dachte er sich, schob alle Bedenken beiseite und öffnete das Buch.
TBC
