Wie tsera schon festgestellt hat, gibts die FF auch auf ner anderen Seite. zwinker

8. Kapitel

Ein Glas Single Malt Whiskey trinkend saß Snape später am Kamin, in dem ein wärmendes Feuer loderte. Das Tagebuch lag ungeöffnet auf seinen Knien. Auch wenn sein Äußeres gelassen wirkte, in seinem Inneren tobte ein Kampf.

Durch das Tagebuch von Hermine bekam er die Möglichkeit die Vergangenheit aus der Sichtweise eines anderen zu erleben und sich damit indirekt auszutauschen. Aber ausgerechnet mit Granger? Das behagte ihm gar nicht und sein Gesichtsausdruck verdüsterte sich. Doch sie wollte es nicht wieder zurückhaben, somit würde nie jemand das lesen was er hineinschreiben würde.

Etwas misstrauisch blickte er das Buch an, so, als fürchtete er jeden Moment von ihm angesprungen zu werden. Zugegebenermaßen war er auch neugierig geworden.

Abrupt stellte er das Glas auf den Tisch, nahm das Buch in seine schlanken, schönen Hände und strich sanft, fast schon ehrfurchtsvoll über den Buchumschlag. Zögerlich öffnete er das Buch, überblätterte die Widmung und gelangte schon zum ersten mit schwarzer Tinte geschrieben Eintrag. Granger hatte eine schöne Schrift, das wusste er schon seit Jahren. Gespannt fing er an zu lesen.

Dumbledore ist tot. Ermordet durch Professor Snape! Das kann ich nicht glauben, nein, das will ich nicht glauben! Und doch ist es so, denn heute wurde er beerdigt.

Gerne würde ich weinen, doch ich kann nicht. Alles in mir ist erstarrt. Langsam macht sich Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Panik in mir breit, im Schloss, in der ganzen Zaubererwelt. Man kann die Angst der Menschen schon fast mit den Händen greifen. Wie soll es ohne Dumbledore weiter gehen? Ohne ihn haben wir wohl keine Chance Voldemort zu vernichten. Wie können wir der Verantwortung gerecht werden, die auf Harrys, Rons und meiner Schulter lastet? Aber wir werden nicht aufgeben, auch wenn es nicht viel Hoffnung gibt!

Doch was ist mit Harry? Sein Verhalten beunruhigt mich. Er wirkt kalt und scheint nur noch Hass zu empfinden. Ginny hat er von sich gestoßen um sie zu schützen. Aber ich fürchte ohne sie wird er sich selbst, und vor allem das was ihn von Voldemort unterscheidet, die Macht seiner Liebe, verlieren. Vorerst werde ich ihm nichts von meinen Befürchtungen sagen.

Harry geht bis zum seinem 17ten Geburtstag zu den Dursleys.

Godric´s Hollow ist unser erstes Ziel. Dort starben die Potters, vielleicht bringt uns das weiter.

Snape! Mein Gott, er war jahrelang ein Verräter! Hat das Vertrauen von uns allen missbraucht. Warum nur? Dumbledore hat ihm vertraut. Auch wenn Harry und Ron immer wieder Snape in den Dreck gezogen haben, an seiner Loyalität habe ich nie gezweifelt. Im Gegensatz zu ihnen. Wie konnte Dumbledore sich so täuschen?! Oder gehört das alles zum einem großen Plan von dem keiner etwas weiß?! Mit Snape an unserer Seite wären wir stärker gewesen. Die Chancen Voldemort zu vernichten und dabei auch noch mit dem Leben davon zu kommen wären größer gewesen. Doch so?! Harry will Snape töten, falls dieser uns findet oder wir ihn. Ich bin mir nicht sicher, ob ich ihn zurückhalten kann und will. Aber wir werden nicht aufgeben. Ich werde nicht aufgeben. Niemals! Wir werden kämpfen, auch wenn das heißt sterben zu müssen. Das ist der Preis den ich zu zahlen entschlossen und bereit bin!

Langsam ließ Snape das Buch sinken. Sein Blick wurde leer. Trauer übermannte ihn. Ja, er hatte Albus getötet. Das konnte er sich nie verzeihen, egal wie die Begleitumstände waren. Die Gefühle, die Hermine durchströmt hatten, gingen auf ihn über und intensivierten seine eigenen. Er war erschüttert. Noch einmal las er die letzten Zeilen. Wie entschlossen und mutig sie war. Bereit sich zu opfern um die Welt von dem Übel Voldemort zu befreien. Egal wie viel es kosten mochte! Bewunderung machte sich in ihm breit. Viele ältere und erfahrenere Zauber hatten die Flucht ergriffen, ohne Rücksicht.

Gedankenverloren starrte er in den Kamin, nahm weder das Knistern des Feuers noch die Tatsache wahr, dass die Nacht hereingebrochen war. So vieles ging ihm durch den Kopf und er wurde von der Welle seiner Erinnerungen überrollt. Nach Stunden, so schien es ihm, griff er zu Feder und Tinte, schlug das Buch an der nächsten freien Seite auf und begann zu schreiben.

Am nächsten Morgen beschloss Snape das Frühstück ausfallen zu lassen und stattdessen den Unterricht für die erste Stunde vorzubreiten. So konnte er sich von dem Tagebuch ablenken und wurde nicht durch Hermines Anwesenheit gleich wieder mit dem Gedanken daran konfrontiert.

Hermine aus dem Weg gehen oder sie ignorieren wollte er nicht, doch hatte er sich die Frage noch nicht beantworten können, wie er nun mit ihr umgehen sollte. Was Umgangsformen auf der zwischenmenschlichen Ebene betraf, fehlte ihm einfach die Übung.

„Das beste wird sein, ich warte ab und sehe wie Granger auf mich reagiert", dachte sich Snape. Ein Fläschchen Minzöl rutsche durch seine Hände und zerbrach mit einem lauten Scheppern auf dem Kerkerboden. Sofort breitete sich der intensive Geruch aus, der einem in die Nase stach. Verärgert über seine Unaufmerksamkeit, wischte Snape mit einem Wink seines Zauberstabes die Sauerei auf dem Boden auf, ein „Reparo" ließ die Glassplitter wieder zusammen fliegen. Ein Blick auf die Uhr sagte ihm, dass in 15 Minuten der Unterricht der UTZ-Schüler begann.

Hermine saß in der großen Halle, beobachtet Harry und Ginny, die in einem sehr angeregten Gespräch über das Quidditchspiel vertieft waren. Beide hatten funkelnde Augen und leicht rosafarbenen Wangen. Harrys Körperhaltung, die oft in Ginnys Nähe Ablehnung ausdrückte, wirkte wesentlich entspannter und lockerer. Auch Luna und Neville saßen nebeneinander, schwatzen über die neuste Ausgabe des Klitterers und schienen ihre Umgebung, die ihnen verwunderte Blicke zu warf, gar nicht zu bemerken. Zwischen diesen beiden Paaren saß ein ziemlich miesepetrig dreinblickender Ron, der abwechselnd nach links, dann wieder nach rechts sah. Keiner beachtete ihn. Hermine freute sich über die Fröhlichkeit der vier, warf Ron einen warnenden Blick zu und ihre Gedanken wanderten zu der ihr bevorstehenden Zaubertrankstunde.

Auch sie wusste nicht so recht, wie sie sich verhalten sollte. So tun, als wäre sie unsichtbar kam nicht in Frage, schon alleine deswegen weil es feige gewesen wäre. Ein kleines bisschen Angst hatte sie schon, das musste sie zugegeben. Snape konnte sehr unfair werden. Gerade im letzten Schuljahr, wo es auf jede Note und jeden Punkt ankam, konnte sie das nicht gebrauchen. „Ich werde einfach still meine Tränke zu bereiten und Snape ausnahmsweise heute mal nicht mit meinen Fragen bombardieren", überlegte sich Hermine. Mit dieser Lösung konnte sie leben. Damit würde sie Snape auch keinen Grund liefern, auf ihr herum zu hacken. „Doch dazu hat Snape nie einen Grund gebraucht, oder?", flüstere ihr eine kleine pessimistische Stimme ins Ohr.

Resolut brachte sie ihre innere Stimme zum Schweigen, stand entschlossenen auf, packte ihre Tasche, ging ruhig in Richtung Kerker. Zusammen mit den anderen wartete Hermine vor der Tür des Klassenzimmers. Langsam wurde sie doch etwas nervös und trat von einem Bein auf das andere.

Die Tür schwang wie von Geisterhand auf und ein lautes „Reinkommen" ließ die Gespräche verstummen. Die Schüler schlichen auf Zehenspitzen in den Raum. Erhobenen Hauptes ging Hermine zu ihrem Platz, ihre feine Nase nahm den Minzgeruch der in der Luft lag wahr. Doch sich an ihren Vorsatz erinnernd, hielt sie es für besser den Mund zu halten.

„Ich bin erstaunt, Sie alle sind sogar pünktlich. Damit haben Sie wieder einmal meine Erwartungen nicht erfüllt", sagte Snape und ein zynisches Lächeln umspielte seine Lippen.

„Ihre Hausaufgaben….", setzte er an und deutete mit einer Geste des Abscheus auf den Stapel Papier auf seinem Schreibtisch, „waren die reinste Katastrophe! Mit einer solchen Leistung werden Sie nie die UTZ-Prüfung bestehen. Ich möchte Sie warnen, jeder von Ihnen, der es wagen sollte durchzufallen und mir damit seine Anwesenheit im Unterricht ein weiteres Jahr aufzwängt, wird nun ja…." Snape vollendete den Satz nicht, seine Augen funkelten bedrohlich.

Die Klasse hatte auch so die kaum verhüllte Drohung verstanden, einige schluckten schwer, anderen zitterten die Hände. Keiner sagte ein Wort und nicht mal die besten Freunde tuschelten miteinander.

Bei dieser Ankündigung war Ron unbehaglich auf seinem Stuhl hin und her gerutscht. Bei seinen miserablen Leistungen lag der Gedanke an eine verpatze Prüfung nahe. Harry ließ sich von Snape keine Angst mehr einjagen und klopfte stattdessen ein paar Mal beruhigend auf Rons Schulter. Auch Hermine blieb unbeeindruckt. Zwar überfielen sie gelegentlich Zweifel, ob sie die Prüfung bestehen würde, doch ihre durchweg guten Leistungen und Benotungen wirkten wie Balsam wenn sie in Panik ausbrach. Sie war sich sicher das hohe Level der UTZ-Prüfung meistern zu können.

Snape ging mit dem Stapel Hausaufgaben durch die Reihen, pfefferte die Arbeiten den Schülern fast schon um die Ohren, und Hermine bildete sich ein, bei jeder Arbeit, die er auf den Tisch klatschte, einen feinen Luftzug zu spüren. Hastig ließen die Schüler ihre korrigierten Hausaufgaben in die Tasche gleiten, zogen die Schultern hoch und die Köpfe ein. Keiner wagte es einen anderen anzusehen oder bedeutungsschwere Blicke zu tauschen.

Drei Arbeiten waren noch übrig: Rons, Harrys und Hermines. Snape hatte sich mit Absicht Hermines Arbeit bis zum Schluss aufgehoben. Mit wehendem Umhang rauschte er an den Tisch der drei, knallte Ron seinen Aufsatz mit den Worten: „Die Hoffnung stirbt zuletzt Weasley!" auf den Tisch, wandte sich nun mit neutralerem Gesichtsausdruck Harry zu und drückte ihm wortlos den Aufsatz in die Hand.

Gespannt beobachtete Hermine Snape. Langsam drehte er sich um, trat einen Schritt näher an sie heran, sein Blick wanderte abschätzend über ihr Gesicht, seinen dunklen Augen bohrten sich in ihre. Das Herz schlug ihr plötzlich bis zum Hals, das Blut pulsierte in ihren Adern und ihr stockte der Atem. Snape gab ihren Blick nicht frei, hielt ihr die Arbeit hin und Hermine ergriff sie ohne einen Blick darauf zu werfen. „Danke", murmelte sie leise.

Snape nickte ihr kurz zu, ging zurück an sein Pult und begann mit dem Unterricht. Hermine starrte ihm hinterher, ihr Herz schlug wieder langsamer, unbewusst atmete sie tief ein und aus. Etwas verwirrt blickte sie auf das Blatt Pergament in ihrer Hand, so als würde sie sich fragen, woher es plötzlich kam. Verblüfft stellte sie fest, dass in der rechte Ecke ein rotes „E" stand.

Für die Zubereitung des nächsten Trankes erläuterte Snape kurz das Herstellungsverfahren. Alle hörten aufmerksam zu, bis auf Seamus, der aussah, als würde er sich gerade in einem wunderschönen Tagtraum befinden. Stille trat ein, Snape hatte aufgehört zu sprechen und fixierte Seamus mit scharfem Blick. Dean stieß Seamus in die Seite, ruckte kurz mit dem Kopf Richtung Snape. Der verklärte Ausdruck auf Seamus Gesicht verschwand und er wurde blass.

„Mister Finnigan, da Sie anscheinend schon alles über diesen Trank wissen, dürfte es Ihnen nichts ausmachen, kurz zu wiederholen, was ich eben erklärt habe", forderte Snape ihn mit gefährlich leiser Stimme auf.

„Nein, Professor Snape, ich habe nicht zugehört. Verzeihung, Sir!", kam es kleinlaut von Seamus.

Keiner der Schüler wagte zu atmen.

Snape verschränkte die Arme vor der Brust, kniff die Augen zusammen, die Augenbrauen schossen in die Höhe.

„Miß Granger", bellte er und ein Zucken durchlief die Klasse.

„Klären Sie Finnigan auf", forderte er Hermine, ohne sie anzusehen auf.

Ohne lange nachdenken zu müssen ratterte sie alles herunter was sie über diesen Trank wusste. Kaum hatte sie geendet, sprach Snape erneut: „Fünf Punkte Abzug für Sie Mister Finnigan wegen Ihrer Unaufmerksamkeit."

Dann geschah etwas, was keiner der anwesenden Schüler je erlebt hatte.

„Fünf Punkte für Miß Granger für diesen Vortrag".

Verblüffung machte sich breit. Die Gryffindors rissen ungläubig den Mund auf, während Hermine fast vor Stolz platze. Sie warf einen freudestrahlenden Blick zu Snape, stand auf, trat an den Vorratschrank und schnappte sich einige Zutaten. Leise zischte sie ihren Mitschülern zu: „Nun glotzt nicht so doof, sondern fangt endlich an".

Der Rest der Klasse setzte sich in Bewegung, einige schüttelten immer noch fassungslos die Köpfe.

Zurück an ihrem Platz warf Hermine einen erneuten Blick zu Snape der mit undurchdringlicher Miene das Treiben der anderen beobachtete. Wie von einem Magneten angezogen wandte er den Kopf und begegnete Hermines Blick. Über die Köpfe der anderen hinweg sahen sie einander an, beide vom Verhalten des anderen verunsichert. Zwischen ihnen fand eine wortlose Kommunikation statt. Hermine senkte als erste die Augen, doch sie konnte Snapes Blick in ihrem Nacken spüren und musste sich an der Tischkante festhalten, da ihre Knie nachzugeben drohten. „Ich glaub ich werde krank", dachte sich Hermine, schimpfe sich selbst einen Schwächling und begann mit der Zubereitung des Trankes.

Ohne weitere besondere Vorkommnisse endete die Stunde. Sofort sprangen die Schüler auf, verließen den Kerker und konnten über nichts anderes als die fünf Punkte von Snape an Hermine reden. Innerhalb von 30 Minuten wusste die ganze Schule davon. Doch keiner würde wagen, sich nun bei Snape im Unterricht aus dem Fenster zu lehnen. Im Gegenteil, den Schülern erschien er jetzt noch unheimlicher als zuvor.

Auch an Snape gingen diese Episoden mit Hermine nicht spurlos vorbei. Beim Austeilen der Hausaufgaben wollte er sich nur einen Eindruck von ihrem Gemütszustand machen, doch er war wie hypnotisiert gewesen und hatte sich zwingen müssen den Blickkontakt zu unterbrechen. Instinktiv hatte er ihren Blick beim zweiten Mal gespürt, und ohne es zu wollen oder kontrollieren zu können, hatte er ihn erwidert. Sofort prickelte wieder die Stelle an denen sich ihre Hände berührt hatten.

„Snape du wirst langsam alt und weich, jetzt hast du ihr auch noch 5 Punkte zugesprochen", dachte sich Severus mit leichter Selbstironie.

Doch ihr kurzer Vortrag über diesen schwierigen Trank war fehlerlos gewesen und ohne lange nachzudenken, waren ihm schon die 5 Punkte herausgerutscht. Doch er bereute es nicht. Jeden Schüler der sich deswegen Mätzchen erlaubte, würde er einfach niederbügeln.

TBC