12. Kapitel

Als Arthur und Kingsley sich auf den Weg machten um Harry aus dem Ligusterweg abzuholen, waren wir alle sehr angespannt in Anbetracht eines möglichen Angriffs der Todesser, was jedoch keiner laut auszusprechen vermochte. Es dauerte keine fünf Minuten, da tauchten Harry, Arthur und Kingsley wohlbehalten wieder auf und allen fiel eine ganze Wagenladung Steine vom Herzen.

Harry sah furchtbar aus und ich musste mich zusammenreißen um bei seinem Anblick nicht zurückzuschrecken. Er war fahlgesichtig, dürr, die Augen leblos und apathisch, das Gesicht vor Kummer verzerrt und zu einer regungslosen Maske erstarrt.

Wir hatten uns in Rons Zimmer zurückgezogen, weil wir drei gerne besprechen wollten, wie es weitergehen soll. Wir haben Harry den Vorschlag unterbreitet, morgen auf Bills Hochzeit Reiß-Aus zu nehmen. Wie erwartet, war er einverstanden. Morgen werden wir nach Godric´s Hollow gehen. Den Rest des Abends verbrachten wir schweigend, jeder hing seinen Gedanken nach, da ein gezwungenes Gespräch uns alle überanstrengt hätte.

Zwar wollte Molly eine kleine Feier anlässlich Harrys Geburtstag organisieren, doch sie hatte wohl gemerkt, wie wenig angetan Harry davon gewesen wäre. So haben ihm alle lediglich zur Volljährigkeit gratuliert.

Es ist soweit! Heute heiraten Bill und Fleur! Das Badezimmer ist ständig besetzt, Molly läuft wie ein aufgescheuchtes Huhn durch das Haus, und macht alle verrückt. Fleur ist in ihrem Zimmer und nach ihren undamenhaften Schimpftiraden zu schließen, hat sie Schwierigkeiten das Kleid anzuziehen. Das Haus ist festlich mit Blumen geschmückt, das Essen ist auch schon vorbereitet, alle stecken in ihren besten Umhängen und jeden Moment wird es losgehen. Das Ministerium hat Kingsley die Genehmigung erteilt, Bill und Fleur zu trauen. Ich bin mal gespannt wie eine Zaubererhochzeit abläuft, aber ich befürchte, dass ich davon nicht allzu viel mitbekommen werde.

Harry, Ron und ich haben uns in die letzte Reihe gesetzt, damit wir uns unauffällig davon stehlen können. Alle sind ganz aufgeregt. Fleurs Familie ist auch eingetroffen und bis auf ein paar Sprachschwierigkeiten, scheinen sie ganz nett zu sein.

Als ich Fleur am Arm ihres Vaters gesehen habe, hat es mir die Sprache verschlagen. Champagnerfarbene Seide umhüllte ihre schlanke Gestalt. Ihre Haare waren zu einer schönen Hochsteckfrisur frisiert, gekrönt von einem diamantfunkelndem Diadem. Das Kleid war schulterfrei und knöchellang, der Ausschnitt spitz zulaufend, keine Verzierungen. Einfach schlicht und elegant. In der Hand hielt sie einen kleinen Strauss roter Rosen. Sie war wunderschön und strahlte über das ganze Gesicht, als sie von ihrem Vater geführt, Bill erreichte und sich nun wieder alle Blicke nach vorne richteten.

Das war die Gelegenheit für uns. Leise und auf Zehenspitzen schlichen wir uns immer mehr vom Haus weg, bis wir außer Sichtweite waren.

Zur Sicherheit fassten wir uns an den Händen, schloßen die Augen, konzentrieren uns auf Godric´s Hollow. Schon spürten wir das bekannte Rucken.

Da waren wir also. Godric´s Hollow. Ein kleines, malerisches Nest. Ein Ort wo man sich wohl fühlen kann. Langsam liefen wir die Strassen entlang und fragten uns nach dem Haus durch, dass vor 17 Jahren förmlich in die Luft geflogen ist.

Es war leicht zu finden. Außer ein paar Mauerresten war nichts zu sehen. Unkraut wucherte über das ganze Grundstück. Wir blieben nur wenige Minuten stehen und gingen weiter, auf der Suche nach dem Friedhof. Ein rostiges und aus den Angeln gehobenes Gatter war der Eingang zum Friedhof. Vorsichtig schritten wir hindurch, liefen die Grabreihen auf der Suche nach Harrys Eltern ab. Die Atmosphäre war mir unheimlich. Kein Wind wehte, alles war unnatürlich still. Ich hatte das Gefühl, der Tod lauerte in jeder Ecke, obwohl es hier so friedlich aussah. Ron hatte auch schon „Oh man Leute ist das gruselig", gesagt und er fühlte sich in seiner Haut genauso unwohl wie ich.

Plötzlich blieb Harry stehen und Ron und ich liefen förmlich auf ihn auf.

Da ist es", sagte er leise und deutet mit zitterndem Finger auf ein Grab. Das Grab von Lily und James Potter. Ein Grabstein aus weißen Marmor trug die Inschrift ihrer Namen und ihrer Geburts- und Todesdaten. Keine Widmung oder Inschrift. Ein kleiner Engel, mit zwei Herzen in der Hand zierte den Stein und er sah aus, als würde er weinen. Eine Platte, in der Mitte eine Schale roter Rosen bedeckte das Grab.

Wir alle standen wie erstarrt und konnten den Blick nicht von dem weinenden Engel nehmen. Lautlose Tränen der Trauer um Menschen die ich nie gekannt habe, liefen mir übers Gesicht, Tränen der Angst um die Zukunft der von uns geliebten Menschen und unser eigenen.

Ron war ganz weiß im Gesicht und trat unbehaglich von einem Fuß auf den anderen. Harry sank auf die Knie, sein Gesicht in seinen Händen vergraben und an seinen zuckenden Schultern, konnte man sehen, wie er lautlos seinem Schmerz freien Lauf ließ. Ron und ich sahen uns an und jeder legte eine Hand auf Harrys Schulter, versuchten ihm Halt und Zeit zu geben, seinen Schmerz über den Verlust seiner Eltern, Sirius und Dumbledore auszuleben.

Nach einer schier endlosen Zeit erhob sich Harry, klopfte den Dreck von seiner Kleidung und straffte entschlossen die Schultern. In seinen Augen glitzerten immer noch Tränen, die er tapfer zu unterdrücken versuchte.

Wir schaffen es", sagte er leise, fasste mich und Ron an den Händen und drückte sie sachte. Mit einem letzten Blick auf das Grab seiner Eltern ging er Richtung Ausgang. Er schien auf dem Friedhof etwas wieder gefunden zu haben. Seinen Kampfgeist.

Wir apparierten zurück zum Fuchsbau wo unsere einstündige Abwesenheit noch nicht aufgefallen war. Kingsley sprach gerade sein letztes Wort, wir ließen das Brautpaar hochleben und schon begann das Fest im Garten der Weasleys. Eine Speise nach der andern wurde aufgetragen und die Stimmung war fantastisch. Es wurde viel gelacht und der Wein floß in Strömen. Selbst Harry und Ginny ließen sich von der ausgelassenen Stimmung anstecken und feierten fröhlich mit.

Der Besuch in Godric´s Hollow hat uns drei etwas sehr wichtiges gegeben. Mut, Hoffnung, Kampfgeist.

Am Ende angekommen, füllte er seine Feder mit Tinte, sein Blick war ins Leere gerichtet und nach endlosen Minuten des völligen Verharrens, setzte er die Feder zum Schreiben an und ließ seinen Worten freien Lauf. So wurde es wieder eine kurze Nacht für Severus in der ihn seine Alpträume nur einmal aus dem Schlaf rissen.

Die Schüler wurden angesichts der bevorstehenden Prüfungen immer nervöser. Selbst Quidditch konnte den ZAG- und UTZ-Schülern keine Ablenkung mehr verschaffen. So saßen die meisten in ihren Gemeinschaftsräumen, oder in der Bibliothek und versuchten ihre Wissenslücken zu stopfen. Der Unterricht gestaltete sich zunehmend als schwierig, da viele Schüler gar nicht mehr aufnahmefähig waren, sondern müde und mit glasigen Augen vor sich hin starrten und so ein magisches Missgeschick nach dem anderem passierte, was auch den Lehrern allmählich auf die Nerven ging.

Professor Lupin war der einzige Lehrer der es schaffte, selbst nach dem 12ten Missgeschick in einer Stunde immer noch gutmütig zu lächeln, während Snape der personifizierte Alptraum jedes Schülers wurde. Seine Laune war auf dem Gefrierpunkt angekommen, und wer ihn reizte oder seine Aufmerksamkeit auf sich zog, kam selten unter 20 Punkte Abzug davon. Die Angst vor jeder Zaubertrankstunde und die sowieso schon vorhandene Unruhe war eine explosive Mischung die jeden Tag zu einer wahren Detonation werden konnte.

Auch Hermine packte die Prüfungsangst und ließ sie Nächte lang lernen und sogar teilweise das Essen vergessen. Gut, dass Harry ein Auge auf sie geworfen hatte, und ihr sanft aber bestimmt, die Bücher aus der Hand nahm, wenn er den Eindruck hatte, sie würde gleich vom Stuhl fallen. Durch ihre zusätzlichen Stunden bei Remus, war Hermine noch gestresster als die anderen. Das Verlangen nach einem freien Abend wurde immer größer, war ihr aber nicht vergönnt.

Im Lehrerzimmer unterhielten sich die Lehrer gerade über die Missgeschicke der Schüler, als Severus zu ihnen stieß und sich mit einem genervten Seufzer in einen Ohrensessel fallen ließ. Lupin erzählte gerade von einem ZAG-Schüler der jede Stunde in Tränen ausbrach weil sein Patronus ein kleines Ferkel war und seine Mitschüler ihn deswegen immer auf den Arm nahmen.

„Ich sag euch, dass Ferkel ist wirklich niedlich. Nach jeder Stunde kommt Jim zu mir und möchte wissen, ob ich nicht etwas an der Gestalt seines Patronus ändern kann. Besonders nach dem er einen Witz von Tony gehört hat. So einen Muggelwitz. Denn müsst ihr hören: Steht ein Ferkel vor einer Steckdose und sagt: Na, Kumpel, dich haben sie wohl auch eingemauert?! Ich hab bei Arthur mal eine Steckdose gesehen, die sehen wirklich wie eine Schweineschnauze aus und ich musste mich wirklich zusammenreißen, als er mir davon erzählt hat.", sagte Lupin und verkniff sich mit Mühe das Lachen.

„Rein optisch ist eine Ähnlichkeit zwischen Patronus und Beschwörer nicht von der Hand zu weisen", sagte Snape mit vor Sarkasmus triefender Stimme.

Minerva, die gerade einen Schluck Met trinken wollte, verschluckte sich und hustete sich fast die Seele aus dem Leib.

„So spricht man nicht über einen Schüler", wies sie Snape zurecht, der jedoch gar nicht darauf reagierte.

Er suchte sich seine Unterlagen zusammen und verabschiedete sich geschwind von seinen Kollegen. Ihm war nicht nach einer lustigen Runde zumute, er zog die Einsamkeit vor.

Remus, dem Snapes fluchtartiger Abgang aufgefallen war, beschloss das Gespräch mit Snape zu suchen. So erhob auch er sich und folgte ihm in einigem Abstand in seinen Kerker.

Severus hatte seine Bürotür offen gelassen, da er Remus aus dem Augenwinkel gesehen hatte.

Verwundert, aber keineswegs überrascht nahm Remus Platz. „Ihm entgeht wohl auch nichts", dachte er, während er Severus unauffällig musterte.

„Er sieht besser aus. Erholter", stellte er mit Erleichterung fest.

„Was willst du?", fragte Snape, gar nicht erst um Höflichkeit bemüht.

„Mit dir sprechen", antwortete Lupin ruhig.

„Dann machs kurz!"

„Hast du deine Meinung bezüglich Miss Granger und ihren zukünftigen Posten an dieser Schule geändert?"

Snape hielt kurz in der Bewegung inne, starrte Remus mit zusammengezogenen Augenbrauen an.

„Wieso interessiert dich das?"

„Weil ich dich bitten wollte, Miss Granger zur Seite zu stehen, falls sie fachlich Unterstützung brauchen sollte", erklärte Lupin, gespannt auf Snapes Reaktion.

„Ich zweifle nicht an ihrem pädagogischen Fähigkeiten, oder dass sie Probleme mit dem Umgang der Schüler haben könnte, aber es könnte sein, dass sie mal einen fachlichen Rat oder Erklärung bedarf. Du bist der Beste, um ihr da weiterzuhelfen", führte Lupin weiter aus.

Tief durchatmend lehnte sich Snape in seinem Stuhl zurück. Mit dieser Bitte hatte er insgeheim zu gerechnet. Doch er wusste nicht, ob er dazu bereit war. Er hatte sich geschworen die dunklen Künste zu meiden und bis jetzt war er sich und seinem Versprechen treu geblieben. Aber er konnte Lupins Bitte gut verstehen und er konnte niemanden damit schaden, wenn er Hermine mal mit einem Rat oder einer Erklärung zur Seite stehen würde.

„Na gut", sagte Snape gepresst, bevor er es sich noch mal anders überlegen konnte.

Ein triumphierendes Lächeln stahl sich auf Lupins Lippen. Vielleicht gab es doch noch eine Zukunft für Snape und die dunklen Künste.

„Ich habe übrigens eine Stelle gefunden, bei Gringotts", versuchte Lupin das Gespräch mit Snape am laufen zu halten.

„Schön für dich", antwortete Snape desinteressiert. Konnte Lupin nicht sehen, dass ihm nicht nach Konservation zu mute war?!

„Ich lasse dich wohl mal besser alleine", sagte Remus, der Snapes Bedürfnis nach Einsamkeit gespürt hatte, verabschiedetet sich mit einem Nicken und ging wieder ins Lehrerzimmer.

„Na großartig! Wenn das so weiter geht, kann ich Hermine ja gleich bitten in den Kerker zu ziehen. Erst das Tagebuch, dann unsere „Freundschaft", jetzt wird sie auch noch Lehrerin und zu aller letzt soll ich ihr auch noch helfen", ging es Snape durch den Kopf und er knallte einen Stapel Aufsätze heftiger als nötig auf den Schreibtisch. Als hätte er nicht schon genug zu tun.

Es klopfte an der Tür. „Herein", brummelte Snape. Schüchtern betrat Hermine das Büro.

„Wenn man vom Teufel spricht", dachte Snape und konnte das Gefühl nicht ignorieren, ständig und überall Hermine über den Weg zu laufen oder sonst in irgendeiner Art und Weise mit ihr konfrontiert zu werden.

„Hallo……", setzte Hermine zum Sprechen an, plötzlich unsicher geworden, ob es so eine gute Idee gewesen war, einfach so bei ihm reinzuschauen.

„Das Frauen nie gleich mit der Sprache rausrücken können", dachte er sich ärgerlich und sah Hermine ungeduldig an, die daraufhin noch unsicherer wurde und gar nicht wusste was sie jetzt sagen sollte.

„Sie sieht gestresst aus", stellte er fest und versuchte seine Ungeduld nicht ganz so offen zur Schau zu stellen. Er kannte sie mittlerweile gut genug um zu wissen, dass ihr die Vorbereitungen für die Prüfungen zu schaffen machten. Obwohl er nie einen Zweifel hegte, dass sie als Jahrgangsbeste abschneiden würde.

„Ein Know-it-all wie du, schafft die Prüfung auch ohne einen hysterischen Anfall, oder? Und jetzt hab ich noch zu tun, außer du willst mir etwas mitteilen, was mich wieder von meiner Arbeit abhalten wird und ich dann wohl gezwungen wäre Gryffindor ein paar Punkte abzuziehen", sagte er und seine Augen funkelten vor unterdrücktem Amüsement.

„Dann will ich einen so beschäftigten Professor nicht aufhalten", schnappte Hermine und zog beleidigt von dannen. Wieder hatte er einen wunden Punkt berührt.

Kopfschüttelnd und die Augen verdrehend machte sich Severus wieder über die Aufsätze her.

Immer noch sauer, über die Art und Weise wie er sie abgefertigt hatte, stapfte Hermine bepackt mit Büchern zum See, ließ sich unter einen Baum nieder und begann zu lesen. Hier war ihr Lieblingsort, und immer wenn sie Ruhe und Abstand brauchte, zog sie sich hierher zurück. Sie versuchte den Gedanken an Snape beiseite zu drängen und sich nur auf den Schulstoff zu konzentrieren. Sie lag auf dem Buch, die Beine angewickelt, die Haare zu einem kecken Pferdeschwanz gebunden. Der Umhang lag zusammengeknüllt in ihrer Tasche. Langsam verschwand die Sonne hinter dem Horizont und warf ihre letzten Strahlen auf die Erde, als ein Schatten Hermine das Licht zum Lesen nahm. Ein menschlicher Schatten. Verwirrt blickte sie auf und musste sich eine Hand über die Augen halten, um etwas zu erkennen. Sofort pochte das Herz schmerzhaft an ihre Rippen.

„Professor Snape", sagte Hermine total überrascht.

„Ich werde noch wie Moody und bekomme Paranoia. Schon wieder Hermine", dachte er.

Wie bei Hermine war der Platz unter der Linde auch einer seiner Lieblingsplätze, an den er sich gerne zurückzog um den Kopf frei zu bekommen.

Rasch setzte sich Hermine auf, die langen Beine zum Schneidersitz gefaltet.

Severus wollte sich von ihr nicht vertreiben lassen, schließlich war es niemanden verboten sich unter den Baum zu setzen und so ließ auch er sich auf den Boden nieder, lehnte sich mit dem Rücken an den Baumstamm, warf Hermine einen Blick zu der bedeuten sollte „ansprechen verboten" und begann das Buch zu lesen, was er sich zur Entspannung mitgebracht hatte.

Für Hermine allerdings war die Zeit der Entspannung nun endgültig vorbei. Steif und aufrecht saß sie da und versuchte sich wieder in ihrer Arbeit zu vertiefen. Ohne Erfolg. Allzu sehr war sie sich seiner Präsenz bewusst. Ihr Nacken kribbelte und die Schmetterlinge in ihrem Bauch legten einen Stepptanz par excellance hin. Er saß genau hinter ihr und am liebsten wäre sie aufgestanden und zurück ins Schloss geflüchtet, doch irgendetwas hielt sie an ihrem Platz gefangen. Leise hörte sie die Bücherseiten rascheln, als Snape umblätterte. Ihre Kehle war trocken und ihre Zunge klebte an ihrem Gaumen. Sie nahm eine bequemere Haltung an und versuchte weiter zu lesen.

Eine leichte Brise wehte über den See, lies die Blätter des Baumes leise rascheln und spielte leicht mit ihren Haarsträhnen, die sich aus ihrem Pferdeschwanz gelöst hatten. Die Schatten wurden immer länger und bleierne Müdigkeit machte sich in ihren Gliedern breit. Snape las immer noch und schien sich durch nichts aus der Ruhe bringen zu lassen.

So sehr sie sich auch bemühte, die Augen fielen ihr immer öfter zu und ehe sie sich versah, war sie eingenickt.

Da es immer kühler wurde und die Nacht langsam hereinbrach, beschloss Snape, dass es an der Zeit war ins Schloss zurückzukehren. Hermine, die mit dem Rücken zu ihm saß und immer noch leicht schlief, bemerkte nichts. Leise ging er an ihr vorbei und sah unschlüssig auf sie herab. Eigentlich hätte es ihm egal sein können wie lange sie draußen saß, aber sie konnte sich verkühlen und krank werden. Vor den Prüfungen eine Katastrophe.

„Hermine", sprach er sie an. Keine Reaktion. Sofort erinnerte er sich an die Situation in seinem Büro als sie auch eingeschlafen war.

Er bückte sich, sammelte ihre Bücher ein und stopfte sie zurück in die Tasche. Länger als nötig, wollte er sich nicht aufhalten lassen.

„Hermine", sagte er diesmal etwas lauter, ging in die Knie und rüttelte sie an der Schulter. Unwilliges Gemurmel war die Antwort und ehe er sich versah schlang sie die Arme um seinen Hals und drückte sich an ihn.

„Nur noch fünf Minuten", wisperte sie, immer noch im Halbschlaf.

Im ersten Moment versteifte sich Severus. Als er wieder den Geruch von Vanille in die Nase bekam, konnte er der Versuchung nicht widerstehen, drückte leicht sein Gesicht in ihre Haare und atmete tief ihren Duft ein. Verlangen flammte in ihm auf, das er sofort zu unterdrücken versuchte. Das war falsch und durfte nicht sein, obwohl es ihn zu verzehren drohte. Gerade als er sich wieder einigermaßen im Griff hatte und sanft, aber bestimmt Hermines Arme um seinen Hals lösen wollte, geschah es. Im Halbschlaf, in dem sie sich immer noch befand, erlebte sie einen wahren Rausch der Sinne, als sie ihn so nahe spürte. Eine Strähne seiner Haare strich sanft über ihr Gesicht und Hermines Lippen drückten einen sanften Kuss auf seine Wange.

Grober als eigentlich beabsichtigt, stieß Severus Hermine ein kleines Stück von sich und sah sie aus weit aufgerissenen, flackernden Augen an. Auch Hermine war schlagartig hellwach, spürte immer noch das Kribbeln in ihrem Körper und berührte fassungslos mit den Fingerspitzen ihre Lippen, die noch vor wenigen Sekunden seine Haut berührt hatten.

Wortlos erhoben sich beide, und machten sich auf den Weg zurück ins Schloss. Keiner sah den anderen an, zu sehr in der eigenen Gefühlswelt verstrickt.

TBC