13. Kapitel

Ab diesem Tag gingen sich Hermine und Severus aus dem Weg. Beide waren so erschüttert von ihrer letzten Begegnung, dass sie es für besser hielten so zu tun als wäre nichts geschehen, schon alleine aus dem Grund um nicht darüber nachdenken zu müssen was sie für den anderen empfanden. In stillschweigendem Einverständnis hatten sie sogar ihre Freundschaft auf Eis gelegt und gingen von nun an nur sehr höflich und distanziert miteinander um. Doch keiner konnte den anderen ignorieren, oder die Gefühle vergessen, die jedes Mal aufzuflammen drohten, wenn sie einander begegneten.

Severus litt weniger unter dem kühlen Verhältnis als Hermine. Jahrelang war er es gewohnt gewesen, seine Gefühle zu unterdrücken und eine Maske der Gleichgültigkeit zur Schau zu stellen. Ungeachtet dessen ging er davon aus, dass Hermine ihm sowieso nicht auf dieselbe Art und Weise zugetan war wie er ihr. Er mochte und begehrte sie, aber auf keinen Fall war es mehr. Schon alleine bei dem Gedanken an das Wort „Liebe" verzog sich sein Mund zu einem verächtlichen Lächeln. Von Liebe hielt er nichts. Sie war ihm zu unkontrollierbar, zu leidenschaftlich und zu unbeständig. Liebe konnte vergehen, und er war nicht bereit herauszufinden wie sich so ein Schmerz anfühlte. Er hatte genug gelitten in seinem Leben und schob diese Gedanken ganz weit weg von sich.

Hermine hingegen fühlte sich mit jedem Tag einsamer. Seine Nähe, seine Stimme, all das vermisste sie schmerzlich. Trotz all ihrer Sehnsucht konnte sie Snape verstehen. Als sie sich am See so nahe gekommen waren, hatte sie gespürt wie sein Herz zu rasen angefangen hatte und deutete dies als Zeichen, dass sie ihm bei weitem nicht so egal war, wie er versuchte zu vermitteln. Einzig die UTZ-Prüfungen lenkten sie von ihrem Kummer ab und sie war wild entschlossen als Beste abzuschneiden. Viel Zeit zum Nachdenken blieb ihr ohnehin nicht, da sie ihre wenige Freizeit damit verbrachte, Unterricht bei Lupin zu nehmen.

Hermines Wissbegierigkeit erstaunte ihn immer wieder. Wie ein Schwamm sog sie das Wissen in sich auf. Aber trotz all ihres Eifers bemerkte Lupin, dass sie etwas bedrückte. Doch er hielt sich zurück, da er wusste, Hermine zu bedrängen würde genau den gegenteiligen Effekt erzielen als den gewünschten.

Eine positive Entwicklung in dieser für Hermine so schwierigen Zeit, gab es allerdings. Durch das gemeinsame Quidditchtraining waren sich Harry und Ginny wieder näher gekommen. Was sich schon vor Wochen abgezeichnet hatte, nahm immer mehr seinen Lauf. Harry ging nicht mehr auf Abstand zu Ginny und war sogar schon soweit zufällige körperliche Berührungen zu dulden, ohne gleich aufzuspringen und aus dem Raum zu stürzen. Er war wieder fröhlicher, gelassener und schien sich wieder mehr am Leben der anderen zu beteiligen, anstatt sich abzuschotten wie er es seit Beginn des Schuljahres getan hatte.

Was man von Ron nicht behaupten konnte. Mittlerweile ließen sich die Mitschüler gar nicht mehr von seiner schlechten Laune beeindrucken oder beeinflussen, stattdessen wurde er schlichtweg links liegen gelassen. Weder Harry noch Hermine konnten Mitleid für Ron empfinden. Niemand anders außer er selbst war an seiner jetzigen Situation schuld, auch wenn er das nicht wahrhaben wollte.

Neville und Luna waren fast nur noch gemeinsam zu sehen, und diese Nachricht hatte sich wie ein Lauffeuer in Hogwarts herum gesprochen. Weder Luna noch Neville schienen sich an der Gerüchteküche zu stören, die wie ein heißer Kessel brodelte und quittierten die oft sehr zweideutigen Bemerkungen mit Nichtbeachtung. Jeder konnte sehen, dass Luna und Neville ein perfektes Paar abgeben würden, aber die Zeit noch nicht reif dafür war.

Die Zeit bis zu den Prüfungen verging rasend schnell und die Schüler befanden sich im Endspurt. Gerade jetzt konnte Hermine keine Störung gebrauchen, doch als Schulsprecherin war sie verpflichtet zu handeln, wenn ein Schüler um Hilfe bat. Ein Zweitklässer war verheult und nervlich am Ende bei ihr aufgetaucht, erzählte ihr unter stammeln und mit triefender Nase wie sehr ihm drei Slytherins das Leben zur Hölle machten. Mason, Smith und Blackwood waren sogar soweit gegangen ihn kopfüber ins Klo zu stecken. Hermine war empört über ein solches Verhalten und versprach sich darum zu kümmern.

Die drei Slytherins schienen wohl gespürt zu haben, dass Ärger im Verzug war, denn sie waren wie vom Erdboden verschluckt. So blieb Hermine nichts anderes übrig als sich direkt an den Hauslehrer von Slytherin zu wenden. Sonderlich erfreut war sie darüber nicht, denn ihr war klar, dass ihr mühsam zusammengeflicktes inneres Gleichgewicht bei einem Zusammentreffen mit Snape jederzeit wieder durcheinander geraten könnte.

Auf dem Weg in den Kerker, ging sie im Kopf noch einmal alles durch, um nicht irgendeine Kleinigkeit zu vergessen, die den Tätern die Strafe ersparen könnte. Viel Hoffnung hegte sie allerdings nicht. Snape bevorzugte immer seine eigenen Schüler und sah des Öfteren über Streiche hinweg die anderen Schülern aus anderen Häusern dicke Punktabzüge eingebracht hätten.

An seinem Büro angekommen, klopfte sie. Snape, der gerade sein Büro verlassen wollte, riss mit Schwung die Tür auf und sah zu seinem höchsten Erstaunen Hermine Granger vor sich stehen.

„Professor Snape, es liegt eine Beschwerde über diverse Schüler von Slytherin vor", sagte sie und in ihren Augen blitzte es kämpferisch.

„Miss Granger, können Sie das nicht alleine mit den betroffenen Schülern klären? Ist es wirklich nötig, dass ich so einen Kleinkram erledigen muss? Oder sind Sie dazu nicht fähig?", ätze er, die Stimme bar jeder Emotion.

„Da die Schüler sich offenbar meiner Autorität entziehen, halte ich es für durchaus angemessen, mich an Sie zu wenden", erklärte sie tapfer.

„Dann kommen Sie rein, aber machen Sie es kurz", schnauzte er.

Hermine trat ein und erzählte ihm die ganze Geschichte. Wie erwartet schwieg sich Snape dazu aus und schien gar nicht erst über eine Bestrafung nachzudenken.

„Das geht eindeutig zu weit Professor. Ein Streich ist das eine, aber jemanden systematisch zu terrorisieren, noch dazu einen Schwächeren, kann nicht toleriert werden", ereiferte sich Hermine, die Hände vor Zorn geballt.

„Ich werde mir die Geschichte aus der Sicht meiner Schüler erzählen lassen", antworte er ihr und scheuchte sie mit einer Handbewegung aus seinem Büro.

Baff stand Hermine im Kerkergang, gar nicht wissend wie sie so plötzlich dahin gekommen war. Von Anfang an war es hoffnungslos gewesen zu glauben, er würde seine Schüler bestrafen. Wenigstens ihr Inneres war bei diesem kurzen Disput nicht in Aufruhr geraten.

In seinem Büro schritt Snape auf und ab. Das Verhalten der drei Schüler war ihm ein Dorn im Auge. Für ihn stand es außer Frage, wer hier die Wahrheit sagte. Jedoch bevorzugte er es, Schüler, die unter seiner Fuchtel standen unter vier Augen zu bestrafen. Sich auf einen jüngeren Schüler zu stürzen und ihn so fertig zu machen, war ihm zutiefst zuwider und der Rückschluss davon verhieß nichts Gutes; die drei waren scheinbar zu allem bereit und es war besser, sie genau im Auge zu behalten. Ein solches Gebaren stieß ihn ab und nie im Leben würde er so etwas tolerieren, schon gar nicht in seinem Haus.

Mit wehendem Umhang rauschte er in den Gemeinschaftsraum der Slytherins, die schockiert waren, angesichts der Tatsache, dass ihr Hauslehrer, der sonst nie in den Gemeinschaftsraum kam, plötzlich da war. Viele verließen in weiser Voraussicht den Raum, während andere wie festgenagelt auf ihren Stühlen saßen und ihren Hauslehrer ängstlich anstarrten. Sein Gesichtsausdruck war eine Maske der Gleichgültigkeit, seine Augen sprühten vor Verachtung. Nicht wenige schluckten bei seinem Anblick und wurden eine Nuance blasser.

„Wie ich gerade erfahren habe, ist es mittlerweile fast schon Gewohnheit geworden andere, vor allem jüngere und schwächere Schüler zu drangsalieren. Statt Slytherin mit guten Leistungen an die Spitze zu bringen, fällt euch allen wohl nichts Besseres ein, als durch negatives Verhalten aufzufallen. Was habt ihr euch dabei gedacht?! Na, wahrscheinlich habt ihr gar nichts gedacht, wenn ich in eure dümmlichen Gesichter schaue! Ihr bringt Schande über Slytherin. Ganz besonders Sie drei, Mason, Smith und Blackwood. Das macht also dreimal 50 Punkte Abzug für Slytherin", donnerte er, sein Blick schweifte unheilverkündet durch den Raum. Es war totenstill geworden und die Schüler saßen reglos, die Lider unterwürfig gesenkt. Keiner würde es wagen, nun einen Ton von sich zu geben.

„Sollte mir noch einmal so ein Vorfall zu Ohren kommen, wird das ernste Konsequenzen nach sich ziehen. Haben Sie mich verstanden?", zischte er leise.

Stumm nickten die Schüler mit den Köpfen und Snape rauschte hinaus. Die Tür des Gemeinschaftsraumes klickte leise ins Schloss, doch das Geräusch klang den eingeschüchterten Slytherins wie ein lauter Pistolenschuss in den Ohren. Niemand sagte auch nur ein Wort. Diese Standpauke musste erst mal verdaut werden.

Als Hermine am nächsten Tag an den Stundengläsern vorbei ging, glaubte sie ihren Augen nicht trauen zu können. Slytherin hatte 150 Punkte weniger als gestern! Genugtuung stieg in ihr auf. Anscheinend war den Slytherins ihre gerechte Strafe zuteil geworden. Vergnügt schritt sie in die Grosse Halle um zu frühstücken. Nichts, so dachte sie, konnte ihr heute die Laune verderben. Während die anderen fröhlich miteinander schwatzen, las Hermine den Tagespropheten und löffelte ihre Cornflakes. Gerade als sie ihr Frühstück beendete und zu ihrer ersten Stunde wollte, kam Snape auf sie zu. Sofort wurde sie wieder nervös und die Schmetterlinge in ihrem Bauch überschlugen sich und ließen ihre Knie weich werden.

„Nach dem Unterricht in mein Büro, Miss Granger", sagte Snape im Vorbeigehen und rauschte in Richtung Eingangshalle davon. Der Geruch von Zimt und Zitrone wehte hinter ihm her und mit geschlossenen Augen sog sie den Duft in sich ein. Das Herz schlug ihr bis zum Hals. Ron rempelte sie an und brachte sie damit wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

Es war Abend und der Unterricht zu Ende. Auch wenn Hermine nicht wusste, was sie erwartete, so freute sie sich diesmal über das Zusammentreffen mit Snape.

Im selben Moment als sie anklopfen wollte, öffnete sich die Tür und sie wurde hereingebeten. Hermine nahm vor seinem Schreibtisch Platz und fragte: „Warum wollten Sie mich sprechen, Professor?"

„Die Angelegenheit mit Ihrem jungen Gryffindor…", sagte Snape und spie das Wort Gryffindor wie ein Schimpfwort aus, „…ist erledigt. Falls es wider Erwarten weitere Vorfälle geben sollte, wenden Sie sich gleich an mich."

Hermine nickte. Das Gespräch geriet ins Stocken. Jetzt, da er ihr gegenüber saß und sie mit intensiven Blick musterte, liefen ihr kleine Schauer über den Rücken die es ihr unmöglich machten einen klaren Gedanken zu fassen, geschweige denn auszusprechen.

„Nächste Woche sind die Prüfungen", sagte Hermine um die peinliche Stille zu überbrücken.

Snape nickte lediglich, antwortete allerdings nicht. Seiner Aufmerksamkeit war durchaus nicht ergangen, dass sie Anzeichen von Stress und Überlastung zeigte. Ihr Fleiß forderte seinen Tribut und die Ringe unter den Augen ließen den Schlafmangel erahnen. Innerlich seufzte Severus. In den letzten Wochen war es ihm gelungen Hermine aus dem Weg zu gehen und langsam wieder Distanz zu ihr zu gewinnen, da er auch das Tagebuch nicht mehr angerührt hatte. Aber jetzt, als sie fast wie ein kraftloser Abklatsch ihrer selbst vor ihm saß, wallte Beschützerinstinkt in ihm auf. Alle seine Vorsätze Abstand von ihr zu gewinnen verschwanden und er wollte nichts anderes, als ihr einen Teil des Drucks nehmen, der auf ihren Schultern lastete. Die Prüfungen musste sie alleine meistern, da konnte er ihr nicht helfen, aber er war durchaus in der Lage ein paar aufbauende Worte zu finden. Auch wenn er wusste, dass er es, spätestens nachdem sie wieder gegangen war, bereuen würde, sagte er:

„Mach dir nicht solche Sorgen wegen den Prüfungen. Du schaffst das mit Leichtigkeit, davon bin ich überzeugt. Und wenn nicht, ziehe ich Gryffindor alle Punkte ab!"

Überrascht blickte Hermine auf. Mit allem hatte sie gerechnet, aber damit nicht. Er versuchte wirklich sie aufzumuntern. Ein warmes Gefühl durchfloss Hermines Adern und der Druck, der auf ihr lastete, löste seine eiserne Umklammerung. Dankbar lächelte sie ihn an und begann sich das erste Mal seit diesem unglückseligen Zusammentreffen am See wieder zu entspannen.

„Ja, ich weiß! Aber…"

„Kein aber, oder wollen Sie Ärger mit mir, Miss Granger?", sagte Snape im gespielten Ernst und zog die Augenbrauen in der für ihn typischen Geste nach oben.

Sie schüttelte den Kopf und ihre Locken flogen wild hin und her.

„Das würde ich nie wagen, Professor", hauchte sie und klimperte künstlich mit den Wimpern, wobei sie versuchte einen dazu passenden, dümmlichen Gesichtsausdruck aufzusetzen.

Mit gewohnter Strenge sah er sie an und Hermine konnte sich das Lachen nicht mehr verkneifen und prustete los, hielt sich den Bauch, die Wangen röteten sich leicht und ihre Augen glänzten vergnügt. Als Meister der Selbstbeherrschung war es ihm gelungen nicht in ihr Lachen einzustimmen, obwohl es durchaus ansteckend wirkte.

Die Atmosphäre zwischen ihnen war wieder locker und entspannt und wirkte wie Balsam auf Hermines Nerven.

„Ich interessiere mich momentan brennend für Heiltränke. Könntest du mir ein Buch empfehlen, welches die wichtigsten Heiltränke zusammenfasst?", fragte sie, nachdem sie sich die letzten Lachtränen aus den Augenwinkeln wischte.

Einen kurzen Augenblick überlegte er, dann stand er auf und verschwand nach nebenan.

„Wahrscheinlich seine Privatgemächer", überlegte Hermine, sah ihm neugierig nach um einen Blick zu erhaschen, doch er hatte die Tür hinter sich geschlossen.

Vor einem deckenhohen Regal, das eine ganze Wandseite des Raumes einnahm, stehend, überlegte Snape welches Buch wohl am geeignetesten war und entschied sich für „Heiltränke der modernen Zeit". Auf einem kleinen Tisch stand ein Fläschchen mit lavendelfarbenen Inhalt. Nachdenklich betrachtete er es, traf eine Entscheidung und ging zurück in sein Büro.

„Danke, wenn ich es ausgelesen habe, bringe ich es wieder zurück. Ist das ok für dich?", fragte sie, und war schon fast an der Tür als er sagte:

„Ich kann mich nicht erinnern dich entlassen zu haben, also nimm wieder Platz."

Verdattert folgte Hermine seiner Aufforderung, setzte sich wieder und vor ihren Augen schwenkte er das Fläschchen hin und her.

„Für dich", sagte er knapp.

„Was soll ich damit?", fragte Hermine und betrachtet neugierig den Inhalt.

„Das ist ein Beruhigungstrank", erklärte er und erntete sofort einen misstrauischen Blick von Hermine.

Das eben gehörte gefiel ihr nicht, weil es sich ganz danach anhörte, als wolle er ihr Vorschriften machen. Sie hasste es, wenn sich andere Menschen ungefragt in ihr Leben einmischten, das galt auch für Severus.

„Ja und?", schnappte sie nun deutlich kühler.

„Vor den Prüfungen wirst du ihn trinken", sagte Snape ruhig und sah ihr dabei fest in die Augen.

„Wieso?"

„Weil ich nicht möchte, dass du vor lauter Nervosität in den Prüfungen einen Zusammenbruch erleidest. Die Einnahme dieses Trankes ist vor den Prüfungen erlaubt und wirkt beruhigend auf dich."

„Und wenn ich nicht will?", sagte sie trotzig.

„Du willst doch die Prüfungen so gut wie möglich bestehen, oder?", fragte er und traf damit mit traumwandlerischer Sicherheit ihren Schwachpunkt.

„Ja schon, aber ich halte nichts von solchen Tränken", erklärte Hermine nicht mehr ganz so schnippisch. Insgeheim musste sie ihm Recht geben. Etwas mehr Ruhe würde ihr mit Sicherheit nicht schaden. Mit zusammengekniffenen Augen beäugte sie den Inhalt und nahm ihm die Flasche aus der Hand. Ihre Hände streiften sich, doch anstatt sie ruckartig zurückzuziehen verharrten sie. Sofort war die Luft von Knistern erfüllt, Hermines Blut kam in Wallung und floss wie heiße Lava durch ihre Adern. Severus starrte sie an und sie glaubt sich in diesen dunklen Augen zu verlieren, die so unergründlich tief und ausdrucksstark waren. Langsam stand sie auf, legte Zaubertrank und Buch auf seinen Schreibtisch ab, umrundete diesen bis sie direkt vor ihm stand.

Atemlos verfolgte Severus jede ihrer Bewegungen. Ihr Blick löste sich von seinen Augen, wanderte über sein Gesicht und blieb an seinen Lippen hängen. „Wie sie sich wohl anfühlen?", dachte sie, und wünschte sich nichts sehnlicher als seine Lippen auf ihren zu spüren.

Fasziniert von ihrer starken Aura war er ebenfalls aufgestanden und blickte auf sie hinab. „Ob sich ihre Haut genauso weich anfühlt wie sie aussieht?", fragte er sich. Wie in Leitlupe hob er die Hand und legte seine Finger auf die Stelle an ihrem Hals, an der ihr Puls schlug. Hermines Knie gaben nach und haltsuchend lehnte sie sich an ihn. Verblüfft stellte er fest, wie ihr Puls unter seinen Fingern immer schneller schlug und sich die Pupillen ihrer Augen unnatürlich weiteten. Verlangen schoss durch seinen Körper. Sein Denken schaltete sich ab und seine Hand fuhr langsam ihren Hals entlang bis zu ihrem Nacken.

Hermine, die schon oft davon geträumt hatte ihn zu küssen, wollte nun endlich wissen, ob es so schön war wie in ihren Träumen und stellte sich auf die Zehenspitzen. Fassungslos über das, was sie anscheinend zu tun gedachte, war Snape zu keiner Reaktion fähig. Ihre Lippen waren nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt und als sie sich endlich trafen, verblasste die Welt um sie herum. Zögerlich strich Hermine sanft mit ihren Lippen über seine, und da er sie nicht von sich stieß wurde sie mutiger und verstärkte den Druck ihrer Lippen. Er schloss die Augen, gab sich voll dem Gefühl der Leidenschaft hin, was ihn durchströmte. Er fühlte sich so lebendig, wie schon lange nicht mehr. Sanft erwiderte er ihren Kuss und als sie sich nicht zurückzog, strich er leicht mit der Zunge über ihre Lippen, bat sanft um Einlass, den sie ihm gewährte. Sie küssten sich innig, das zärtliche Spiel ihrer Zungen wollte kein Ende nehmen und der Kuss wurde immer leidenschaftlicher und intensiver, raubte ihnen den Atem und bescherte ihnen einen Rausch der Sinne. Während er seine Hand in ihr Nackenhaar schob, umschlang sie mit beiden Armen seine Mitte, drückte sich an ihn, spürte seine schlanke und dennoch gut gebaute Gestalt. Das war nicht ihr erster richtiger Kuss, aber keiner, der sie bis jetzt geküsst hatte, war in der Lage gewesen ihr Feuer zu entfachen, in ihr den Wunsch zu wecken, sich hinzugeben und ihrer Leidenschaft freien Lauf zu lassen. Sie konnte nicht genug bekommen von seinen Lippen die so unglaublich sanft waren. Viel zu schnell beendete er den Kuss, nahm ihr Gesicht in beide Hände, strich kurz mit dem Daumen über ihre Wangenknochen. Seine Stimme klang belegt als er sagte: „Hermine, das geht so nicht!"

TBC