16. Kapitel

Der Abschied von ihren Freunden verlief tränenreich und mit vielen Umarmungen. Immer wieder drückte Hermine ihre Freunde an sich und schniefte geräuschvoll.

„Schon gut Mine", sagte Harry, klopfte Hermine etwas unbeholfen auf die Schulter und sah Ginny Hilfe suchend an.

Hermine schluchzte, krallte sich an Harrys Arm fest, so als wollte sie ihn gar nicht ziehen lassen. Ihre Augen waren ganz verquollen und rot. Die laufende Nase wischte sie sich nicht gerade damenhaft am Umhang ab.

„Mine, ich komm doch auch bald wieder. Wir eulen regelmäßig, versprochen. Hör doch auf zu weinen. Das machen nur Teenies", redete Ginny beruhigend auf sie ein und tatsächlich zeigten ihre Worte Wirkung.

Langsam löste Hermine ihren Klammergriff um Harrys Arm, strich sich das buschige Haar aus dem Gesicht und wandte sich Ron zu, der sie die ganze Zeit nachdenklich betrachtet hatte. Seit dem Abschlussball verhielt sich Ron auffallend still. Nicht aggressiv wie das ganze Jahr über, sondern seltsam nachdenklich und in sich gekehrt. Auch Hermine war das aufgefallen und so manches Mal hatte sie seinen eindringlichen Blick auf sich gespürt. In seinen Augen konnte sie aber nichts außer Besorgnis, und einen gewissen, für ihn ungewohnten Ernst erkennen. Kein verliebtes Funkeln mehr, wie er es sonst so oft zur Schau gestellt hatte.

Etwas unbeholfen standen sie sich nun gegenüber, nicht wissend, wie sie sich voneinander verabschieden sollten.

„Bis bald, und vergiß nicht, dir einen Schlafsack mit in die Bibliothek zu nehmen, oder frag Madam Pince ob sie dir ein Feldbett einrichtet", sagte Ron und reichte ihr förmlich die Hand.

Überrascht sah Hermine auf die Hand und danach in sein Gesicht, dessen Ausdruck so verschlossen war, dass sie nichts aus ihm herauslesen konnte. Zögernd nahm sie seine Hand und wie Fremde verabschiedeten sie sich mit einem kurzen, aber kräftigen Handschlag.

„Machs gut. Bis bald", sagte Hermine, etwas von Ron's Verhalten verunsichert.

Er wirkte über Nacht verändert, irgendwie gereifter, erwachsener.

Ron und Hermine starrten sich weiter an, als Schritte die Ankunft einer weiteren Person in der großen Halle verkündeten.

Snape rauschte herein und marschierte im Stechschritt auf die Gruppe zu. Hektisch versuchte Hermine die letzten verräterischen Spuren ihrer Tränen vom Gesicht zu wischen. Vor Snape als Heulsuse da zu stehen hätte ihren Stolz verletzt, doch die immer noch verquollenen Augen verrieten sie und Severus sah sie mit seinem so typischen, stechenden Ausdruck an, dass sich Hermine am liebsten in die nächste Ecke verkrochen hätte.

„Weasley, tun Sie in ihrem Leben einmal etwas nützliches und verkaufen den Schülern irgendein Zeug, womit sie sich gegenseitig in die Luft sprengen, oder sich selbst über den Jordan befördern und mir die zweifelhafte Ehre erspart bleibt, diese Idioten zu unterrichten", schnarrte Snape und blieb einige Meter von den Vieren entfernt stehen.

„Ja, Sir. Vielleicht werden wir auch ein Anti-Fledermaus-Serum auf den Markt bringen. Die Leute aus Hogwarts werden es uns aus den Händen reißen", konterte Ron, öffnete den Mund um noch etwas zu sagen beschloss aber zu schweigen, was wesentlich gesünder war.

Ginny, Harry und Hermine klappte der Mund ungläubig auf angesichts dieser offenkundigen verbalen Attacke. Einerseits war es mutig, Snape die Stirn zu bieten, doch andererseits musste man schon einen Hang zum Suizid haben, um das zu wagen

Snape runzelte die Stirn bei Ron's Worten. So vorlaut und mutig kannte er das Mondkalb gar nicht. „Ich bin anscheinend tatsächlich weicher geworden, da jetzt neben Hermine auch noch der Trottel es wagt, mich unangemessen zu behandeln", dachte Snape und seine Lippen kräuselten sich zu einem sardonischen Lächeln, wohl wissend, dass die Schüler ihn gerne Fledermaus nannten.

„Mit Ihren Zaubertrankkünsten werden Sie kaum in der Lage sein ein Anti-Fledermaus-Serum zu brauen Weasley, und ihre Brüder werden Ihnen auch nicht helfen können, fürchte ich. Im Gegensatz zu Ihnen wissen Ihre Brüder sehr genau, wem sie gewachsen sind und wem nicht", sagte Snape mit so kalter Stimme, als wäre sie in flüssigem Stickstoff getaucht worden.

Ein letztes Mal schnaubte Snape verächtlich, schoss einen seiner Todesblicke auf Ron ab, der auf den Boden starrte, drehte sich um und verschwand.

Harry, Ginny und Hermine wurden verschont. Nachdenklich, bis er aus ihrem Blickfeld verschwand, folgte ihm Hermine mit ihrem Blick. So aggressiv, war Snape schon seit Tagen nicht mehr gewesen, und von Ron hätte sie niemals eine Attacke gegen ihn erwartete.

Sie wandte sich wieder ihren Freunden zu, und bemerkte wie Ron sie musternd ansah, als wolle er ausloten, wie sie seinen Auftritt gefunden hatte.

„Gott sei Dank kann er keine Legilimentik", dachte Hermine und versuchte, ihm ein unverfängliches Lächeln zu schenken, als sie hinter sich ein verräterisches Schmatzen hörte. Ginny und Harry klebten aneinander und küssten sich innig. Der Abend des Abschlussballs war für die beiden ein voller Erfolg gewesen. Harry, der leicht betrunken wieder in den Gemeinschaftsraum gekommen war, hatte Ginny schlafend in einem Sessel am Kamin gefunden. Ehrfürchtig hatte er sich auf den Knien nieder gelassen und ihre zarten Gesichtszüge im Schein des Kaminfeuers bewundert. Ihre vollen Lippen, die langen Wimpern, die leicht im Schlaf flatterten, ihre perfekten Ohren in denen kleine Schmetterlingsohrringe steckten.

Mit den Fingerspitzen hatte er ihre Gesichtskonturen nach gefahren und als Ginny von der sanften Berührung aufwachte, hatte sie Harry mit einem verklärten Ausdruck auf dem Gesicht angesehen. Wie von selbst näherten sich ihre Gesichter. Sanft und fragend küssten sie sich, klammerten sich an dem Anderen fest und Ginny spürte in diesem Moment, dass es sich gelohnt hatte, die Hoffnung nicht aufzugeben. Sie waren wieder vereint und nichts würde sie mehr auseinander bringen können.

Hermine hatte sich so überschäumend für die Beiden gefreut, dass sie alle Umsitzenden beim Frühstück am nächsten Tag mit Orangensaft bespritzt hatte.

„Nun haut schon ab. Oder soll ich wieder anfangen zu heulen?", drohte Hermine und hob in gespielter Strenge den Zeigefinger und setzte ihren besten willst-du-dich-mit-mir-anlegen-Blick auf.

Lachend schritten die zwei Weasleys und Harry durch das große Portal, wo bereits eine Kutsche wartete, um sie zum Bahnhof in Hogsmead zu bringen. Ein letztes Mal winkte Hermine ihren Freunden zu und zog sich dann eilends in ihr Zimmer zurück.

Hermine lag auf dem Boden ihres Zimmers und starrte nachdenklich an die Decke, während sie den gestrigen Tag noch mal Revue passieren ließ. Sie vergrub ihre Zehen in den flauschig dicken und in gryffindorrot gehaltenen Teppich, schob sich ein Kissen unter den Kopf und seufzte tief.

Hogwarts war so gut wie ausgestorben. Nur der Lehrkörper, Filch der Hausmeister und Hermine waren noch da. Die Schüler waren tags zuvor abgereist um entweder die Ferien zu genießen oder sich, wie im Falle von Harry, Ron und Neville, auf das Berufsleben vorzubreiten.

Harry, Ron und Ginny wollten ein paar herrliche Wochen Urlaub im Fuchsbau machen, bevor Harry nach London reiste, um seine Ausbildung als Auror zu beginnen.

Ron würde eine Woche vor Beginn des neuen Schuljahres wieder in Hogsmead sein, um die Geschäftsführung von Weasleys Zauberhafte Zauberscherze zu übernehmen.

Ginny hingegen würde nach den Ferien wieder in Hogwarts zur Schule gehen. So gern Hermine ihren Freunden Gesellschaft geleistet hätte, musste sie in Hogwarts bleiben. Lupin gab ihr die letzten Stunden, um sie auf ihre Lehrtätigkeit vorzubereiten. Hermine, ehrgeizig wie sie nun mal war, verbrachte viel Zeit in der Bibliothek und ihrem Zimmer wo sie Lehrpläne studierte und anfing, sich Konzepte für die bevorstehenden Unterrichtsstunden zu erstellen.

Severus Snape saß derweil in seinem Kerker und frönte seiner muffeligen Laune. Seit dem Abschlussball und der Szene am See hatte er Schüleranhäufungen außerhalb des Unterrichts gemieden, wo es nur ging. „Aus den Augen, aus dem Sinn" war seine neue Methode um Hermine aus seinen Gedanken zu verdrängen. Erfolglos. Er hatte ihre vor Weinen geröteten Augen bemerkt und er fragte sich, ob es wohl noch einen Grund, außer dem Abschied von ihren Freunden gab, der sie zu Tränen rührte. Er persönlich war froh, Potter und Weasley endlich aus seinem Gesichtsfeld entfernt zu wissen. Gleich darauf schalt er sich einen Narren, weil er wieder Gedanken an sie verschwendete.

Das Tagebuch von Hermine lag ungeöffnet vor ihm auf der Tischplatte. Es drängte ihn weiter zu lesen aber andererseits wusste er, dass er damit wieder eine unsichtbare Schwelle übertreten würde. Doch kam es darauf noch an? Hatten er und Hermine nicht bereits eine Stufe erreicht, die nicht mehr zu leugnen war?! Was auch immer diese Stufe sein sollte. So schlug er das Buch mit einem Seufzen an der Stelle auf, an der er zu letzt aufgehört hatte. Angespannt und mit überschlagenen Beinen lehnte er sich in seinem Stuhl zurück und versank wieder in der Vergangenheit.

Ein Horkrux ist anscheinend vernichtet. Doch was war mit den anderen? Immer wieder drehen sich meine Gedanken im Kreis. Ein Muggelarzt würde sagen ich hätte eine Zwangsneurose. Aber ich kann nichts dagegen tun. Harry und Ron sitzen auch die ganze Zeit am Fenster, starren gedankenverloren nach draußen, ohne das uns dabei ein Geistesblitz ereilt.

Im Haus der Weasleys herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Auch wenn die Stimmung gedrückt ist, und alle von leichter Unruhe ergriffen sind, was sich durch Appetitlosigkeit bemerkbar macht, versuchen, soviel Normalität wie möglich an den Tag zu legen.

Wir müssen endlich weiter kommen, uns läuft die Zeit davon", sagte Harry zwei Tage nach dem wir in dem Haus am Grimmauldplatz waren und schlug mit der flachen Hand gegen die Fensterscheibe, die in ihrem Rahmen erzitterte.

Erschrocken über die plötzliche Unterbrechung der Stille sprangen Ron und ich mit einem leisen Schrei auf und hatten die Zauberstäbe gezückt.

Sorry Leute, aber diese Tatenlosigkeit zermürbt mich", murmelte Harry und lief wie ein Tier in Rons Zimmer auf und ab.

Uns geht es doch nicht anders Harry. Wir müssen etwas tun. Aber was? Wo sollen wir anfangen? Wir wissen nur, was die Horkruxe sein könnten. Doch wo hat Voldemort sie versteckt?", sagte ich etwas schrill und Ron zuckte bei dem Namen Voldemort zusammen.

Ach komm schon Ron, hör endlich auf jedes Mal zusammen zu zucken, wenn wir seinen Namen sagen. Das ist kindisch", fauchte ich ihn genervt an.

Ron biss die Zähne zusammen und wurde rot. Diese ständige Angst den Namen von Voldemort auszusprechen reizte mich noch mehr, als ich es eh schon war.

Laßt uns noch mal alles durchgehen", schlug ich leicht entmutigt vor.

Im Schneidersitz ließ sich Harry neben mir nieder.

Hufflepuffs Kelch. Das ist ein Horkrux. Das wissen wir auf alle Fälle. Voldemort wird ihn an einen Ort gebracht haben, der ihm wichtig erscheint, der wichtig war für sein zukünftiges Leben, der eine symbolische Bedeutung hat", überlegte er laut.

Das Grab von Helga Hufflepuff", schlug ich vor, war aber selbst nicht davon überzeugt.

Ich weiß nicht Mine", antwortete Ron nachdenklich.

Wäre das nicht zu offensichtlich? So einfach kann es nicht sein", stellte Harry fest und kaute nachdenklich auf seinen Fingernägeln.

Erneut setzte Schweigen ein.

Das Waisenhaus vielleicht?"

Möglich, aber für Hufflepuffs Kelch muss er etwas gewählt haben, was seinem Leben eine Richtung gegeben hat. Etwas Tiefsinnigeres von der Bedeutung her", sagte ich und meine Gedanken wanderten zurück an den Tag, wo wir an dem Grab von Harrys Eltern waren.

Tod…Ein Grab…… Gibt es etwas Prägenderndes im Leben eines Menschen als den Tod?

Voldemort fürchtete den Tod, aber er benutzt ihn als Strafe und als Mittel zum Zweck um an Macht zu kommen. Doch durch einen Tod wurde sein Schicksal bestimmt. Das Schicksal alleine in einem Waisenhaus aufzuwachsen, ohne Mutter…Hat Harry nicht erzählt, dass Voldemort seine Mutter verachtet?", überlegte ich und meine Gedanken, verfolgten diese Richtung, mein Bauch sagte mir, dass ich auf dem richtigen Weg war.

Das Grab, ein Grab…Tod… Wisst ihr, wo Voldemorts Mutter begraben wurde?", fragte ich und überrascht sahen mich meine Freunde an.

Nein", antwortete Harry „aber das wird sich raus finden lassen. Ich vermute, die Leute vom Waisenhaus werden eine Beerdigung in London veranlasst haben"

Der Tod seiner Mutter..., ich glaube der Kelch ist im Grab seiner Mutter", sagte ich überzeugt.

Mine, du könntest Recht haben", rief Harry aus. „Das müssen wir verfolgen", und war mit einem Satz wieder auf den Beinen.

Moment, ohne Vorbereitung gehen wir nirgends hin", wies ich ihn zurecht und auch Ron nickte bestätigend.

Man sah ihm die Angst vor dem Bevorstehenden an, aber er war nicht umsonst ein Gryffindor und in seinem Gesicht zeigte sich nun grimmige Entschlossenheit.

Da Harry und ich die Einzigen von uns dreien waren, die sich in Muggellondon auskannten, versuchten wir, anhand Harrys Erinnerung das Waisenhaus ausfindig zu machen, wo es sich befand.

Nach endlosen Stunden waren wir wenigstens so weit, einen Stadtteil bestimmen zu können. Ich zauberte einen Stadtplan herbei und tatsächlich gab es dort auch einen Friedhof!

Ich denke wir sollten es hier probieren", flüsterte ich, faltete die Karte zusammen und ließ sie verschwinden. Die Gefahr, dass Molly sie finden würde war einfach zu groß.

Heute Nacht", sagte Harry mit Bestimmtheit.

Am Tag wäre mir zwar lieber gewesen, aber sich tagsüber unbemerkt aus dem Haus zu stehlen, war einfach unmöglich.

So warteten wir, bis die Sonne unterging, packten uns warm in unsere Jacken schlichen uns leise aus dem Haus und apparierten nach London. Auch wenn wir nicht darüber sprachen, konnte ich die Angst von Ron und Harry spüren. Mir selbst ging es nicht anders. Meine Beine zitterten und meine Zunge klebte am Gaumen, mein Magen war wie zugeschnürt und ich konnte mein Herz so heftig an meine Rippen schlagen spüren, dass es mich wunderte, warum es noch nichts rausgehüpft ist.

Vorsichtig sahen wir uns um. Es war ein heruntergekommener Stadtteil. Die Mülltonnen lagen umgekippt auf den Strassen, die Straßenlaternen waren mit Gewalt zerstört worden, es roch nach Armut und Fäulnis. Die Wände der Häuser war mit Graffitis voll gesprüht und der Putz bröckelte an den Häusern herab. Aus den offenen Fenstern konnte man Babygeschrei und wütenden Stimme keifen hören, die sich auf niedrigsten Niveau Beleidigungen an den Kopf warfen.

Leise, um keine Aufmerksamkeit zu erregen hielten wir uns im Schatten und gingen die Straße entlang. Laut Karte müsste der Friedhof nicht mehr weit entfernt sein. Bei jedem Knacken und jedem anderen Geräusch zuckte ich zusammen. Der Schweiß brach mir aus und die Hand in der ich meinen Zauberstab hielt war schon ganz glitschig. Katzen sprangen auf die Mülltonnen und starrten uns an, während wir uns Schritt für Schritt dem verfallenen Tor näherten.

Hier ist es", wisperte Harry und hievte sich an der Mauer hoch. Das Tor hätte wahrscheinlich laut genug gequietscht um die ganze Nachbarschaft zu wecken.

Jetzt du Hermine", sagte Harry, hielt mir die Hand hin, während Ron eine Räuberleiter für mich machte.

Zusammen zogen Harry und ich Ron mit nach oben und sahen uns vorsichtig, mit angehaltenen Atem um. Es war unheimlich und ein eklig süßer Geruch lag in der Luft.

Schaudernd gingen wir durch die Reihen. Statt den Zauberstab als Lichtquelle zu benutzen, hatten wir uns Taschenlampen mitgenommen, die Arthur in der Garage sammelte.

Wir leuchteten jeden Grabstein, jedes Kreuz auf der Suche nach Morfin Riddle ab, ohne fündig zu werden. Ich verlor jedes Zeitgefühl, es war kalt und meine Zähne fingen an zu klappern.

Hier", zischte Ron und an seiner Tonlage erkannte man, dass er fündig geworden war.

Ganz an Ende einer langen Reihe von Gräbern stand ein vermodertes Holzkreuz, die Inschrift war kaum noch zu entziffern.

Und jetzt?"

Wir graben", sagte Harry.

Ron und ich schnappten nach Luft.

Wir graben?", keuchte Ron und das Entsetzen stand ihm ins Gesicht geschrieben.

Ja", antwortete Harry und sein Gesichtsausdruck spielte wilde Entschlossenheit wieder.

Wir verwandelten Holzstöcke in Schaufeln und trugen eine Schicht Erde nach der anderen ab. Das soll heißen Ron und Harry gruben, während ich mit der Taschenlampe Licht spendete und mich aufmerksam umsah. Doch weit und breit war niemand zu sehen.

Plötzlich war ein hohles Geräusch zu hören. Metall traf auf Metall. Vorsichtig kratze Harry mit der Schaufel darüber und da war er. Hufflepuffs Kelch.

Wie transportieren wir ihn?", fragte Ron und erhob sich ächzend aus seiner gebückten Haltung, rieb sich den Rücken mit der einen Hand, und mit der anderen wischte er sich den Schweiß von der Stirn.

Etwas ratlos sahen wir Harry an.

Wartet hier. Ich hole draußen vom Müll einen Karton."

Und schon war Harry über die Mauer verschwunden. Wenige Sekunden später tauchte er wieder mit einem schmuddelig aussehenden Karton auf. Mit dem Schwebezauber ließen wir den Kelch in den Karton schweben und hexten eine Schutzglocke drüber. Das war einfacher als erhofft, aber Dumbledore hatte wohl Recht. Voldemort war unvorsichtiger mit seinen Horkruxen geworden und an diesem Muggelort konnte er nicht zuviel Magie legen, ohne dass es dem Ministerium aufgefallen wäre.

Wir apparierten zurück zum Fuchsbau und schlichen uns wieder in die Zimmer, unsagbar erleichtert, auch dieses Abenteuer unbeschadet überstanden zu haben. Tränen der Erleichterung liefen mir übers Gesicht und Harry strich mir beruhigend über den Rücken. Ron tätschelte mir die Schulter und murmelte die ganze Zeit: „Man oh man, hatten wir diesmal Glück, bei nächsten Mal wir es garantiert schwieriger."

Das war nicht gerade aufbauend.

Und wie zerstören wir das Teil jetzt?", fragte Ron und beäugte misstrauisch den Karton.

Die Ratlosigkeit war zum Greifen nahe. Jetzt hatten wir zwar den Horkrux, aber wussten nicht, was wir damit machen sollten.

Plötzlich gab es einen leisen Knall und mitten im Zimmer erschien der Phoenix Fawkes, ließ sich auf Harrys Schulter nieder und gab einen leisen wohlklingenden Laut von sich.

Fawkes", stammelten wir überrascht und sofort breitete sich ein innerer Frieden und Zuversicht in mir aus. Unbewusst straffte ich meine Schultern.

Sieh mal Harry", sagte Ron und deutete mit ausgestrecktem Zeigefinger auf eine kleine Pergamentrolle die an dem Bein des Phoenix festgebunden war.

Neugierig nahm ihm Harry das Pergament ab und entrollte es. Seine Augen waren vor Erstaunen weit aufgerissen und sein Mund öffnete sich, doch kein Laut drang hervor.

Ich entriss ihm das Pergament und konnte es nicht fassen. Dort stand eine Anleitung, wie man den Kelch und den Horkrux vernichten konnte. Die Schrift sah aus wie die von Dumbledore. Hatte Dumbledore uns Hilfe in Form von Fawkes zurückgelassen? Es war so beruhigend die Schrift von Dumbledore zu lesen.

Das machen wir morgen, heute nicht mehr", entschied ich resolut, rollte das Pergament zusammen, scheuchte die Beiden in ihr Zimmer und schlich mich wieder in mein Bett. Ginny schlief wieder unruhig und warf sich von einer Seite auf die andere.

Ich zog mir die Decke über den Kopf und konnte mich das Gefühl nicht abschütteln, dass irgendetwas nicht stimmte…

Snape erinnerte sich. Er lag an diesem Abend in seiner Kammer, im Hauptquartier des dunklen Lords als ihm Fawkes erschienen war. Das konnte nur eins bedeuten. Das goldene Trio war also erfolgreich. Er zog Pergament und die verzauberte Feder herbei, die Albus ihm im Laufe des sechsten Schuljahres hinterlassen hatte und schrieb die Anweisungen für die Vernichtung des Horkurxes nieder, band Fawkes den Brief ans Bein und der Vogel verschwand. In Gedanken hatte er den Dreien viel Glück gewünscht.

Als er die Zeilen von Hermine gelesen hatte, war er immer wieder erstaunt über ihre Fähigkeit zu kombinieren, ihren Instinkt und ihre unbestrittene Intelligenz. Er bewunderte widerwillig den Mut und die Kühnheit mit der die Freunde ihre Aufgabe bewältigten und verewigte seine Gedanken in das Buch.

Es war Zeit zum Abendessen und Hermine machte sich auf den Weg in die große Halle. Es würde das erste Mal seit langer Zeit ein ruhiges Mahl werden, da nur die Lehrer anwesend waren. Snape saß schon am Tisch und als er Hermine sah, die in sportlicher Kleidung auf den Tisch zu schritt, verdüsterte sich seine Mine. Slughorn hatte darauf bestanden, Hermine jetzt schon am Lehrertisch sitzen zu lassen und sie steuerte den einzig freien Stuhl an. Den neben Snape. Er warf ihr einen unergründlichen Blick zu und wandte sich wieder wortlos seinem Essen zu. Hermine lud sich den Teller voll und schnappte sich das Salz, dabei berührte sie unabsichtlich Snapes Arm, der daraufhin scharf einatmete, sein Besteck fest umklammerte und seine Fingerknöchel weiß hervor traten.

Mit unschuldigem Ausdruck im Gesicht sah sie ihn an und er hob in gewohnter Manier die Augenbraue. Aber so leicht ließ sich Hermine nicht mehr von ihm einschüchtern.

Kaum hatte er sein Mahl beendet, erhob er sich und verließ grußlos den Tisch was Minerva dazu veranlasste Snape eine „Miesmuschel" zu nennen. Auch Hermine erhob sich und folgte Snape nach draußen, sie hoffte, ihn abpassen zu können.

Sie betrat gerade die Eingangshalle als er sie auch schon anherrschte: „Verfolgen Sie mich Miss Granger?"

„Und wenn es so wäre Professor Snape?", konterte Hermine schlagfertig.

„Das würde ich Ihnen nicht geraten haben, außer Sie bevorzugen es, dass ich Ihnen das Leben zur Hölle machen werde."

„Da bin ich mal gespannt", sagte Hermine und fragte sich warum er schon wieder so schlecht gelaunt war.

Wie hätte sie wissen können, dass Snape versuchte sie mit seinem nicht gerade netten Verhalten zu manipulieren, um sie auf Abstand zu halten.

Hermine trat an ihn heran, fuhr mutig mit ihren Händen an den Aufschlägen seiner Robe entlang und flüstere: „Ich kann es kaum erwarten, dass du mir die Hölle heiß machst", zwinkerte ihm vergnügt zu und ließ ihn stehen.

In Snape rumorte es. Das kleine Biest schaffte es immer wieder ihn aus der Ruhe zu bringen, ihn stehen zu lassen, ohne das er als Gewinner des Rededuells hervorging. Er setzte ihr nach, packte sie am Handgelenk und zog sie hinter sich her, Richtung Kerker.

„Severus, was soll das?", sagte Hermine und stolperte hinter ihm her, nicht fähig, sich aus seiner Umklammerung zu lösen.

Grimmig lächelte Snape auf sie herab zog sie ihn sein Büro. Er knallte die Tür hinter sich zu, drückte Hermine an das harte Holz, und stützte seine Hände links und recht neben ihrem Kopf ab. Die Tür, stützte seine Hände links und rechts neben ihrem Kopf ab. Er brachte sein Gesicht ganz nah an ihres und funkelte sie zornig an.

„Treib es nicht zu weit, Hermine. Du willst mich herausfordern und provozieren, ohne zu wissen auf was du dich einlässt", zischte er.

„Und wenn ich eben das herausfinden will", sagte Hermine herausfordernd und zwang sich seinem Blick standzuhalten.

Sie war sich der Nähe zu ihm bewusst, spürte die Energie die von ihm ausging, Hitze breitete sich in ihr aus und sie war froh, an der Tür zu lehnen die ihr Halt gab.

„Ich bin kein pubertierender Teenie mehr der keinen eigenen Willen hat und alles mit sich machen lässt, also wenn du Spielchen spielst, bist nicht du diejenige die das Spiel lenkt", sagte Severus und sein Blick wanderte zu ihren Lippen.

Resolut packte Hermine ihm an den Kragen seiner Roben zog ihn noch näher an sich heran.

„Genau das ist einer der vielen Gründen, warum ich dich will", hauchte sie und presste ihre Lippen auf seine. Völlig überrascht riss Snape die Augen auf, doch ihre weichen Lippen lösten Begehren in ihm aus und er erwiderte ihren Kuss. Erst zögernd, aber dann immer fordernder. Ihre Zunge strich leicht über seine Lippen und sie küssten sich immer leidenschaftlicher. Hermine presste sich an ihn, streichelte seinen Nacken und war zu keinem Gedanken mehr fähig. Alles was zählte was das Hier und Jetzt.

„Wir sollten das lieber lassen", flüstere Snape, der sich von ihrem Mund löste und versuchte einen Schritt zurückzutreten.

Aber Hermine war keinesfalls gewillt aufzuhören, geschweige denn ihn gehen zu lassen.

„Oh nein, wir sollten genau da weitermachen", sagte sie und sah ihn mit vor Verlangen dunkel gewordenen Augen an.

„Du wirst es bereuen Hermine", sagte Severus mit rauer Stimme um seine Selbstbeherrschung bemüht.

„Das lass mal schön meine Sorge sein", fauchte Hermine und zog ihn wieder an sich, legte ihre Lippen auf die Stelle an seinem Hals, an der sein Puls schlug und saugte leicht.

Severus schloss die Augen und konnte nicht glauben was hier passierte, aber sein Verlangen ließ sich nicht länger verstecken oder leugnen.

„Es ist nur körperlich", versichte er sich „und ich hab ihr auch gesagt, was sie von mir zu erwarten hat und was nicht".

Er fuhr mit den Händen an ihren Seiten entlang, wieder hoch zu ihrem Gesicht und nahm es zwischen seine Hände. Küsste ihre Augenlider, ihre Wangen, ihre Mundwinkel und schließlich ihre Lippen von denen er nicht genug kriegen konnte. Die Knie drohten Hermine nachzugeben und sie klammerte sich an Severus fest, der sie hochhob, und auf den Schreibtisch nieder ließ. Seine Hände fuhren durch ihre Haare, jede Berührung ihrer Zungenspitzen schickte kleine Impulse durch den Körper des anderen.

„Hermine", murmelte Severus an ihren Lippen, versuchte den letzten Rest seiner Selbstbeherrschung zusammen zu kratzen.

„Severus…jetzt hör endlich auf mir aus dem Weg zu gehen. Du hast mir gesagt was ich von dir zu erwarten habe. Ich bin kein kleines Kind mehr. Auch wenn ich noch jung bin, ich bin erwachsen. Ich weiß, was ich will", sagte sie hastig um seinen Einwänden zuvor zu kommen.

„Und das ist es was ich will", flüsterte sie, sah ihm tief in die Augen, zog ihn wieder an sich und küsste ihn mit einer Inbrunst, die jeden Zweifel an ihrem Verlangen beiseite wischte.

Langsam rutschte Hermine vom Tisch, presste sich an ihn. Hermine glaubte sich auf der sicheren Seite, doch Snape konnte seine Bedenken nicht einfach ausschalten, so groß die Leidenschaft auch war.

Mit glühendem Blick löste er sich von ihr. Was konnte er noch tun, um sie von sich fern zu halten? Er war ihr aus dem Weg gegangen, er hatte versucht offen mit ihr zu sprechen, doch nichts half. Auch wenn sie angeblich sicher war, er wollte nicht, dass sie eines Tages etwas bereute, nur weil sie die Kontrolle über sich verloren hatte. Er würde ihr Zeit geben, einen kühlen Kopf zu bekommen um sich dann zu entscheiden.

„Überleg dir das noch mal ganz genau", sagte er, küsste ihre Fingerspitzen, öffnete die Tür zu seiner Linken, die in seine Privatgemächer führten und ging hinein.

Die Tür ließ er offen stehen. Hermine verstand. Auch wenn sie etwas verstimmt über das plötzliche Ende war, so rechnete sie es Severus hoch an, dass er ihr Möglichkeit ließ zu gehen, noch einmal genau zu überlegen, ob sie mit dem wenigen leben konnte, was er zu geben bereit war.

Nachdenklich betrachtete sie die Tür. Die Sehnsucht trieb sie näher heran, doch Hermine wäre nicht Hermine gewesen, wenn ihr Verstand sie nicht gewarnt hätte. War sie wirklich bereit auch eine Abweisung von ihm ertragen zu können, die zweifelsfrei bald kommen würde?! Tief atmete sie den Geruch von Zimt, der im Raum lag, ein und vertraute auf ihr Herz.

Zögernd schritt sie an die Tür, lehnte sich an den Türrahmen und betrachte Snape, der mit überschlagenen Beinen in einem Sessel saß, ein Glas Whiskey in der Hand, was er vorsichtig hin und her schwenkte. Seine Ausstrahlung nahm den ganzen Raum ein. Er strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und richtete seine schwarzen Augen auf Hermine. Ohne zu blinzeln sah sie ihn an, legte ihre Antwort in ihrem Blick und er verstand. Er stellte das Glas auf den kleinen Tisch ab.

„Komm her", sagte er mit samtener Stimme, die Hermine sofort eine neue Gänsehaut über den Körper jagte.

Sie überschritt die Schwelle, gab der Tür mit der Ferse einen Kick, die leise, und mit für Hermine einen Gefühl der Endgültigkeit ins Schloss fiel.