Kapitel 4
Deinesgleichen
Tom war zum ersten Mal in seinem erbärmlichen Leben in der Winkelgasse. Warum sein Leben erbärmlich war? War es den nicht erbärmlich? War es nicht schlimm, dass er keine Eltern hatte, keine Liebe und auch kein Zuhause? Das ihn seine Eltern vergessen hatten ihm vor dem Waisenhaus wie ein Vieh abgesetzt hatte und dann verschwunden waren?
Wohl wahr, er hatte einen Platz zum schlafen ein Dach über den Kopf aber, dass war es schon. Mehr war es für den Jungen nicht. Nur eine kurze Bleibe, eine schreckliche Bleibe! Ein Käfig in der er nicht sein durfte wie er sein wollte und sein wahres Ich verbergen musste.
Tom ging alleine die Winkelgasse entlang. Allein? Ja alleine, aber er fühlte sich nicht so. Er war unter seinesgleichen unter Menschen die vielleicht genau so waren wie er. Oder war er doch so anders wie alle sagten? War er wirklich labil. Tom schmunzelte leicht ja auch heute Morgen hatte man ihm wie so oft vorgeworfen er sei labil. Pah, er und labil!
Jetzt wusste er was labil war und wenn er noch so viel was! Labil war er nicht! Noch einen Grund mehr es dieser Erzieherin heimzuzahlen. Warum hießen diese Leute eigentlich Erzieher? Hatten sie ihn erzogen? Ja, sie waren Mitschuld, dass er nun so war wie er eben war.
Wie war er denn? War er wirklich grausam? Oder sogar unberechenbar? War er wirklich so schlimm? Diese Gedanken bedrückten ihn es war unmöglich für den Jungen einmal abzuschalten. Unmöglich!
Irgendwann würden sie ihn dazu bringen, dass er labil wurde! Sollten sie nur so weiter machen! Aber er würde sich wehren auf seine Art so wie er es wollte! So wie sie es verdienten!
Tom sah sich um, er sah sich um nach seinesgleichen….
Er bemerkte einen Jungen er musste in seinem Alter sein doch er was anders als Tom. War es der besorgte Blick, die Angst alleine zu sein oder doch Zuversicht die er trotz aller anderen Gefühle ausdrückte.
Der Junge näherte sich dem anderen und als er ihn von der Nähe betrachtete schien es als würde es ihm noch erbärmlicher gehen als ihm selbst doch der erste schein trog. Vor ihm stand ein Junge der stolz war, stolz was so wie er war und etwas bewunderte er an diesem Jungen mit den verfilzten, schmutzigen Harren, ungewaschen und ungepflegt.
Er wusste, dass der Junge ein Geheimnis barg! Welches? Er wusste es früh genug erfahren!
Tom ging auf den Jungen zu, selbstsicher! Er kannte kein Gefühl wie Schüchternheit! Er kannte im Grunde genommen kein Gefühl außer Hass…
