Hallo ihr Lieben, sorry, dass letzte Update war nicht wie gewohnt, aber dafür gibts heute gleich zwei Kapitel. Am WE kann ich leider nicht updaten, da ich für einige Tage in London sein werde.

17. Kapitel

Etwas verunsichert stand Hermine an der Tür. Wie sollte sie sich jetzt verhalten, ohne ihn zu überrumpeln, und damit den kleinen Sieg, den sie errungen hatte zu nichte zu machen. Nervös spielte sie mit ihren Händen und sah sich im Wohnzimmer von Snape um. Von der Einrichtung war sie nicht wirklich überrascht. Zwar war sein Büro immer vollgestopft und düster, aber in den letzten Monaten war sie sich sicher, dass es seinen Privaträumen anders aussehen musste. Und damit hatte sie Recht.

Vor dem Kamin standen zwei gemütlich wirkende Ohrensessel, dazwischen stand ein kleiner runder Tisch. An der rechten Wand stand eine dunkle antike Kommode, auf deren edle Weine standen, daneben, auf einem Silbertablett Weingläser aus Kristall, welche jetzt im Schein der Flammen flunkerten. Auf der linken Seite des Raumes war ein kleiner Sekretär, den Snape offenbar für seine Privatkorrespondenz benutzte. Die Wände waren hell gestrichen, der Teppich smaragdgrün, dick und flauschig. Er lud gerade zu ein, barfuß zu laufen. Vom Wohnzimmer gingen drei Türen ab. Eine führte wohl in die Küche, die andere in sein Privatlabor und Bibliothek und die andere in sein Schlafzimmer.

„Na, bist du fertig mit deiner Inspektion, oder wartest du darauf doch noch einen Sarg mit abgenagten Knochen zu finden?", sagte Severus mit einem kleinen Lächeln.

Wie ein kleines Mädchen fühlte sich Hermine ertappt, ließ den Blick beschämt auf den Boden sinken.

„Setz dich", forderte sie Severus auf und deutete auf den Sessel ihm gegenüber, auf dem vor gar nicht so langer Zeit Remus gesessen hatte.

Ohne ihn anzusehen ging Hermine Richtung Kamin. Sie war immer noch von sich überrascht, so in die Offensive gegangen zu sein, und da sie noch nie in so einer Situation wie in dieser war, wuchs ihre Unsicherheit mit jeder Minute.

Stumm nahm sie Platz, zog die Beine unter sich an, wagte einen Blick zu Severus. Er musterte sie, seine schwarzen Augen schimmerten im Schein der Flammen, er wirkte völlig locker und entspannt. Die Arme und Hände auf den Lehnen, den Körper zurückgelehnt. Seine Gesichtszüge ließen nicht erahnen war er dachte oder fühlte. Sein Blick war so intensiv, dass es Hermine heiß und kalt wurde, sie war wie hypnotisiert, nicht fähig wegzusehen.

Severus spürte ihre Unsicherheit und wollte durch seine Zurückhaltung ihr die Zeit geben, sich an seine Anwesenheit zu gewöhnen. So saßen sie zusammen, sprachen kein Wort, sahen sich nur an, völlig im Anblick des anderen versunken. Es war Hermine, die zu erst das Wort ergriff.

„Wie….?", sie stockte und wusste offenbar nicht recht, wie sie fortfahren sollte. Doch Severus ahnte was ihr auf der Zunge lag.

„Du meinst, wie es nun weiter gehen wird?", fragte er und beugte sich leicht nach vorne, legte seine Unterarme auf den Schenkeln ab und ließ die Hände zwischen den Knien baumeln.

„Ja", antwortete Hermine erleichtert und zugleich angespannt, was auf sie zu kommen würde.

„Nun, dir sollte folgendes klar sein. Das, was wir Beide miteinander haben, darf niemand erfahren, ich werde mich nicht öffentlich zu dir bekennen. Du gehst deine Wege, und ich die meinen. Du kannst jederzeit zu mir kommen wenn du möchtest, doch bitte ich dich es nicht zu übertreiben. Ich brauche meinen Freiraum, und das hast du zu respektieren. Ebenso erwarte ich von dir Ehrlichkeit, den ich habe nicht vor mit jemanden meine Freizeit zu verbringen der mich anlügt, genauso wenig wie ich dich anlügen oder etwas vorspielen werde, was nicht da ist."

Das zu hören tat Hermine weh, obwohl sie nicht anderes erwartet hatte. Sie zwang sich weiter in Snapes Augen zu sehen. Auch in ihm arbeitete es. Würde sie es sich doch noch überlegen? Einerseits hoffte er es, denn seit wann liefen „Beziehungen" so ruhig, wie er es sich wünschte, doch andererseits wünschte er sich, dass sie bei ihrer Entscheidung bleiben würde. Forschend ließ er seinen Blick über ihr Gesicht schweifen. Schlau wurde er aus ihr nicht. Immer wenn er dachte sie nun einigermaßen zu erkennen und zu verstehen, tat sie etwas Unerwartetes. Wie auch jetzt. Hermine ließ sich vom Sessel gleiten und kniete nun vor Severus, nahm seine Hände in ihre. Überrascht sah Snape auf ihren braunen Wuschelkopf hinab. Sanft streichelte er mit dem Daumen über ihren Handrücken und er spürte wie sie unter seiner Berührung erschauerte. Sie hob den Kopf und als er die Leidenschaft in ihren carmellfarbenen Augen sah, schnappte er nach Luft, zog sie hoch auf seinen Schoß. Wie von selbst, als würden sie das schon seit Jahren tun, setzte sich Hermine seitlich hin, schlang einen Arm um seinen Hals, vergrub das Gesicht in seiner Halsbeuge, atmete tief seinen Geruch und spielte mit der anderen Hand mit einer seiner Haarsträhnen.

Severus schlang seinen Arm um ihre Hüfte, zog sie ganz nah an sich, unentschlossen ob er den Kopf schütteln sollte, angesichts ihrer Naivität. Aber er konnte nicht bestreiten, wie sehr er ihre Nähe genoss. Er küsste sie sanft auf die Stirn, legte seinen Zeigefinger an ihr Kinn, hob ihr Gesicht an, damit er ihr in die Augen sehen konnte. Zaghaft lächelte Hermine, sie fühlte sich wie in einem Vakuum. Alle Luft schien aus ihr gewichen zu sein, die Zeit schien still zu stehen. Ihre Lippen näherten sich langsam einander an. Ihre Zungen spielten miteinander, forderten heraus, verlangten nach mehr und bekam auch mehr. Ihre Körper pressten sich aneinander, und die Luft um sie herum war wie elektrisch aufgeladen. Hermine klammerte sich an ihn, sie zitterte.

Wie gern hätte Severus sie jetzt in sein Schlafzimmer getragen, ihr gezeigt, welches Feuer sie ihm entfachte, aber dazu war es zu früh.

Sanft löste er sich von ihr und strich ihr zärtlich eine dichte Haarsträhne hinter das Ohr.

„Ich denke, es ist besser du gehst jetzt", sagte er flüsternd, mit leisen Bedauern in der Stimme.

„Wieso?", fragte Hermine heiser und schmiegt ihre Wange an seine Hand.

„Weil wir nichts überstürzen sollten."

„Du hast wohl Recht", seufzte Hermine und rutschte von seinem Schoß.

„Ich bringe dich zur Tür", sagte Snape galant, erhob sich, schritt zur Tür und hielt sie auf.

Wie auf Wolke sieben schwebte Hermine beinahe am ihm vorbei, warf ihm ein letztes glühendes Lächeln zu und als sie schon fast außer Hörweite war, rief er ihr nach: „Bis bald", und es klang wie ein Versprechen.

Zurück in ihrem Zimmer warf sich Hermine bäuchlings aufs Bett, vergrub ihren wilden Lockenkopf in ein dickes Kissen, immer wieder lief ihr das Geschehene durch den Kopf, bis es sich langsam bei ihr setzte. Sie konnte es kaum glauben. Auch wenn sie noch weit von ihrem eigentlichen Ziel entfernt war, so war sie doch einen großen Schritt weiter gekommen. Wenn sie sich jetzt richtig verhielt und einen kühlen Kopf bewahrte, würde sie vielleicht mit dem belohnt werden, was sie sich so sehr wünschte.

Schwungvoll erhob sie sich vom Bett und setzte sich mit vollem Elan wieder an ihren Schreibtisch um sich weiter auf ihre bevorstehende Tätigkeit als Lehrerin vorzubereiten.

Etliche Stockwerke weiter unten saß Severus Snape in seinem Sessel und starrte in die Flammen. War das richtig, was er bzw. sie beide da hier taten? Verstieß es nicht gegen jede Moral? Er war schließlich ihr Lehrer gewesen, doch nun war sie volljährig und in wenigen Wochen seine Kollegin. Auch wenn er nicht sagte, er respektierte sie, er hielt sie für eine der klügsten Hexen die er kannte und sie war unbestreitbar hübsch. Nicht klassisch schön, aber ihr Lachen und ihre fröhliche Ausstrahlung wirkten sehr einnehmend. In ihrer Gegenwart konnte er entspannen, verlor er seine Habacht-Stellung, die er selbst nach Voldemorts Fall nicht gänzlich aufgeben konnte. Er hoffte, die „Beziehung" würde nicht so enden, wie die, die er bereits hinter sich hatte. Es war immer nach demselben Muster verlaufen. Die Frauen entwickelten Gefühle, die er nicht in dem Maße erwidern konnte, was unweigerlich zu Streitereien und schließlich zum endgültigen Bruch führte. Diesmal würde es sicherlich anders laufen. Hermine wusste auf was sie sich einließ und falls es tatsächlich zu einem schnellen Ende kommen sollte, waren sie sicher fähig wie normale Menschen miteinander umzugehen. Doch den Gedanken an ein Ende schob Severus ganz schnell wieder beiseite und redete sich ein, er tat es nur deshalb, weil er schon zu lange nicht mehr in der Gesellschaft einer Frau war.

TBC